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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, August 19, 1915, Image 2

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2
Mit ciiikm Rcittrcorps durch Kurland und
Litiiik.
Anschnnlichr Schilderung des bekannten Berliner Ivnr.,listen Dr. Paul
Michaelis im „Berliner Tageblatt" vam 110. Inli.
Tilsit, 27. Just. Die letzten
beiden Wochen tonnte ich den Bewe
gungen ant dein linken Ilügel der
gewaltigen, von den Ausläufern der
Karpolbcii bis ;nr Ostsee reichenden
Front folgen, der wieder gegen el-
waigc Aiigristsversiiche von der Lee- j
feite durch starke Flottentroste ge- j
sichert wird. Diese ganze riesige Li
nie ist in beständiger Bewegung, st
cuisbörlicti werden die Truppen lün
uiid bergeichoben. werden Verstär
kungen heraiigetübrt. Munition und j
sonstiges Material in endlose Ko-
tonnen nach vorn gebracht, die Stel
lungen ausgebaut und durch starke
rückwärtige Tchntzbesenigiingeii gegen
alle Wechsel-olle des Krieges gencliert.
Nirgends gewinnt in.-' einen so le
bendigen Eindruck von dem Wort des
griechischen Weisen, das; sich die Dinge
in einem beständigen Fluß befinden,
wie ninnittelbar hinter der Front. Es
ist ielbnveriiäiidlich. daß bei all diesen
militärischen Vorbereitungen und
Sicherungen der eigentliche Zweck,
de Feind niederzuringen, keinen Mo
ment aus den Augen verloren wird.
Wo immer sich die Möglichkeit bietet,
an dein einen oder anderen Punkt die
Front zu verbessern und die deutsche
Linie vorzurücken, da wird von ihr
ein sebr nachdrücklicher Gebrauch ge
macht. Aber zugleich stehen die krie
gerischen Aktionen an der ganzen lau
gen Front i einem sehr engen Zu
sammenhang. Der einzelne Truppen
führcr. so frei er in der Durchfüh
rung des ilim gegebenen Auftrages
ist, ist deshalb nicht weniger gehalten,
sich dem Rahmen der allgemeinen
Operationen cinziisügeii. Er muß
Fühlung nach rechts nd links halten.
So kommt cS. das; der Laie bisweilen
ous den, Gestibl des angeblichen Bei
serwissens bcians den Kopf über die
scheinbore stiilhätmEit an einzelne
Theilen dec Front schüttelt, die doch
in Wirtlichkeit durch d-e allgemeine I
strategische Aufgabe bedingt und
nothwendig ist. lind gerade, wenn
man in die Vorgänge an der Front!
Einsicht zu nehmen Gelegenheit hat. ,
dann ertennt inan ent, deß die bis
herigen Er-olge. eenen sich l-ostentlich
auch weitere anschließen werden,
durchaus nickt oder dock in den i
seltensten Fälle einem unwiderstch-!
lichen Dranfgängcrthiun zu verdau
ken sind. Die Imvrovi'Zion ist die §
Ausnahme. In der Reget ist die mi
litärische Initiative an die sorgsäl-,
tigste Vorbereitung acknüpst. Es
wird, soweit es im mensch.ichen Ver
mögen siebt, alles berncksichstgt, gegen
alle Wechselsälle Vorkehrung getrost!
sen. Eine stiisimime von Arbeit lei-'
tet jeden einzelnen V> cstos; ein, und
ost ist der Erfolg schon in dem Au-,
genblicklich entschieden, in dem für den
oberflächlichen Beobachter die eigent
liche kriegerische Handlung erst ein- j
setzt. Der militärische Führer sieht
die Frucht bisweilen Wochen und Mo
nate lang verlockend vor sich, aber er j
läßt sie ruhig reifen. Erst wenn die
richtige Stunde gekommen ist, streckt
er die Hand nach ihr aus, und da
fällt sie ihm ost fast von selbst in den
Schoos;.
Ans diesen Erwägungen ergibt sich,
daß sich der Zeitpunkt des militäri
schen VorschrestenS nur selten ans
längere Zeit vorausbestiiiuiien läßt.
Für den militärischen Führer, wie
für den Kriegschronisteii ist eine der
nothwendigsten Tugenden die Ge
duld. Aber wer warten kann, Der
wird dann auch entschädigt. Auch auf
dem linken Flügel der deutschen Li
nie in Kurland und Russisch Litauen!
hatte einige Monate scheinbare Ruhe I
geherrscht. Ende April hatte der
kühne Vorstoß im Nordosten eilige-!
seht. der vom N seinen bis zur Ostsee!
reichte. Schon am 8. Mai zogen!
deutsche Truppen in Liba ein. Vor-,
her noch, am llst. April, wurde das
brennende Schanlen genommen. Die
Kavallerie ging weiter aus der gro
ßen Reichssiraße über laiüschti vor
und gelangte bis luiinittelbar a Mi
tau heran. Aber starke von Kowno
herangezogene russische Truppen setz
ten dem deiltschen Vorstoß ein Ziel.
Tie Tubissalinie bildete die Grenze,
an der sich der seindtiche Angriff
brach. Im Westen wurde Libau ge
halten und die Wei'Gluüe in Fort-,
sctzung der Front an der Dubissa be-!
hauptet. Später, im Juni, wurden
dann die Dubissa an einzelnen Stel-!
len überschritten, und auch an der
Wenta feblte es nicht an einer gele
gentlichen Offensive. Aber im Allge
meinen bezeichneten diese beidcMFlüsse
den nordöstlichen Abschluß der deut
scheu Stellungen. Ein schöner Tbeil
Kurland's nd Litaiicii's stand bereits
unter deutscher Bolniäßigteit, aber
der schönere Rest wurde noch von den
Rüsten behauptet.
So lagen die Dinge bis in denluli
liinein. In Wirtlichkeit wurde iväb
rend der monatelangen Panse sebr
eiiiig gearbeitet: die deutschen Stel
lungen wurden ausgebaut und ver
stärl t, aber die Einzel beiten dieser
Vorbereitungen für eine weitere Oi
> iensioc entzogen sich dem näberen
- Einblick. linmer wieder vernahm
mnii die lakonische Meldung: „Ans >
dem nordöstlichen Kriegsschauplätze
ist die Lage unverändert," Um so
verbeißnngsvoller erschion mir die
Weünng ans dem Haiiptynartier,,
mich zu einem durch Infanterie und
Artillerie verstärkten Kavalleriecorps
ans dem linken Ilägel zu begeben
und im Anschluß an den Stab des
Eorps den Truppenbewegungen zu
folgen. Tiefe Reitel-abtbeilnngen bat
ten bereits große Leistlingen ans;
weisen. Sie waren zuerst im Weste
gewesen und bis in den Südosien
von Paris gekommen. Später wa
ren sie ans den polnischen Kriegs
schauplatz geschoben worden und har
ten die Umzingelung und den glän
zenden Tnrchbrncli be! Brzcziny mit
gemacht. Tann waren sic nach Mi
ta vorgestoßen und batten nun lau
ge schwere Wochen an der Wenta bei
Klii-sckiaiui und Povelyani zugebracht.
Gerade bei einem Kavallcriccorvs
konnte man liessen, ans dem Stel
lungskriege herauszukommen und ei
nenßeivegnngskampf mit zu erleben.
Und diese Erwartung erfüllte sich in
vollem Maße. Wie der weitere Ver
lauf des Unternehmens zeigte, war
ün Nordostcn och Raum sür nscre
Kavallerie. Sie konnte den thot
sächlichen Beweis führen, das; sie auch?
im heutigen Kriege unter bestimmten '
Verhältnissen noch Ausgaben zu er
füllen bat, die von den übrigenTrnP
pen nicht oder doch nicht mit solcher
Wucht und Schnelligkeit gelöst wer
den können. Wenn es in Kurland
und Litauen gelang, den leind mür
be z machen, ihn gleichsam todt ;u
manövrircn und ihn so ans seinen
Stellungen hinauszudrängen, dann
fällt dabei ein großer Theil de? Er
folges den reitenden Truppen zu.
Wie eine Windsbraut fegten sie über
das Land, störten den Gegner im
mer wieder aus, hefteten sich an seine
Icrsen nd ermüdeten ilm in einem
Maße, daß er schließlich in regellost-i-
Iliicht sein Heil suchen mußte. Aller
dings soll nicht übersehen iverden,
daß der Kavallerie auch Grenzen ge !
setzt sind. Im lußtamps ist ibr Ge
sechtswerth nothwendig geringer als
derjenige der Infanterie, schon weil
mehr als die Halste der Mannschaf
ten zur Bewachung der Pferde z
rückhlciben ins;. Das durch starke,
wohtailsgehante Stellungen geschütz
te Milan tonnte nicht überrannt
werden. Hier haben Infanterie und
schwere Artillerie das entscheidcnde
l Wort z sprechen.
Am Sonntag, 11. Juli, verstoß ich
Tilsit, uni ans dom schon bekannten
Wege über Memel zunächst Libau zu
! erreichen. Tie Mcnielniederiing ein
schließlich Tilsits stand imZeichen der
Heucriidte. Schwer beladen schwank
ten die hochgetbürniten Inder über
die große Linsenhrücke, und wohin
man kam. überall war die Luft nm
dein betäubenden Gerüche frischen
Heues erfüllt. War auch die trockene
Wärnie der Erndtc nicht besonders
' günstig gewesen, so war doch die
Menge nicht gering nd die Dualität
: vorzüglich. In der Nacht ;uin Sonn
tag ivar endlich auch ein ergvickendcr
Regen niedergegangen, der eine Pe
riode seilchter Witterung einleitete,
: die beste Verheißung für die dnrsten
' den Getreidefelder. Liba selbst,
das am Abend erreicht wurde, bot
das gewohnte Bild, nur war es in
der Zwischenzeit, in der ich es nicht
gesehen hatte, noch mebr ausgeblüht.
! In den Straßen herrscht jetzt ein re
j ges Treiben, nd auch der geschästli
j che Verkehr scheint sich gehoben zu ha
iscn. Im Hotel Petersburg bekam
ich mit einem Berufsgenossen zilsam
men die letzte Zimmer. Sonst war
altos von Oüizieren der verschieden
sten Waste besetzt. Besonders wa
ren die Herren von der Marine sehr
zahlreich. Eine nicht unbeträchtliche
Kriegsflotte lag Theils im Hafen,
Theils ans der Reede und wartete
dor Aufgaben, die ihr die nächsten
Tage bringen sollten. Ta uns noch
! Zeit blieb, so benutzten wir den Mon-
tag, um uns die Stadt noch genauer
anzusehen, die zerstörten Strandbefc
sliglingen zu bejichtigen und bei dem
herrlichsten Wellengang ein Bad in
der Ostsee zu nehmen. Vor Allem
besuchten wir die Marine - Käthe
drale mit ihren fünf Kuppeln und
dem vergoldeten Glockenthurm. Sie
liegt ebenso wie die sie umgebenden
Marinegebäude jetzt völlig verlassen
da. aber die deutsche Verwaltung hält
sie in sicherer Hut. So blieb sic von
den Kricgsercigiiissen unberührt. Ter
„Der Deutsche Korrespondent", Baltimore, Donnerstag, den l!>. August INI.'.
Eindruck des Inner ist in seinen cd
len Abmessungen und in seiner sun
tetnden Pracht außerordentlich. Es
strahlt von Gold und edlen Sleinen.
Eine verschwenderisch verzierte Bil
derwand mit zahlreichen in kostbare >
Rahmen gefaßten Heiligen - Bildern,
! trennt den Hatiptramn von dem Ai
lerbeiligsten mit seinc-m riesigen Al
tar, ans dem ein prachtvoll gcbnnde
nos Evangelieiibnch liegt. Millionen
und Abermillionen sind in diesen
Bau lnneingeneckt worden, der >'
zwecklos dasiebl. Tasnr hat dasGeld
ziini Ansban des (kriegshasens offen
bar nicht gelangt ancb ein .'eichen
rnssifcher Wirllncba't.
! Am Dienstag ging der Weg in öst
licher Richtung iiber Grobin nach Am-.
boten, >vo wir den Stab unseres
, Korps finden sollten. Hier erst lernt j
! man Kurland wirtlich keimen. Es
ist ein herrliches Land, mit tast durch !
weg fruchtbarem Boden und dabei
landschaftlich von hohem Reiz. Ten
Schwaben erinnert die Gegend an
den Schwarzmaid, den Mitteldeut
scheu an die Vorberge des Harzes
und Thüringen'S. In jedem Falle
wirkt sie beimathlich. Wohin man
blickt, siebt man Wasser, bewaldete
Hügel, fette Wiesen und Aecker in rei
cher und entzückender Abwechselung.
Und durch das ganze Land sind die
stattlichen Herrenhäuser zerstreut, die
bisweilen einen schloßartigen Ein
druck machen. Ich hatte Gelegenheit,
eine große Zabl davon z sehen. Am
Hause ist gewöhnlich nach vorn ein
Blumengarten, nach rückwärts ein
Park. Weiter folgt eine große An-!
läge für Obst und Gemüse, oft mit
prächtigen Gewächshäusern. Die j
- Wirthschaftsgehäiide, Ställe und!
! Schennen liege rings herum in er
heblichem Abstande. Immer ist ein
Teich in der Nähe, oft ist das ganze j
Gut von Wasser ningebeii und hier j
j und da zeugen Ruine davon, daß
hier einst eine feste Burg gestanden
hat. In solchen Gutshäusern ist leicht
Unterkunft zu finden. Sie sind sehr !
geräumig und enthalten zahlreiche!
Wohn- und Schlafzimmer, eine noth !
wendige Voraussetzung der liier üb
lichen und durch die Verhältnisse ge- >
botenen Gastlichkeit: denn die Wegi
st,,d weit und an Bahnen mangelt es
fast gänzlich. lask durchweg findet
man in den Herrenhäusern deutsche
Bücher und Zeitschriften, ost statt
liche Bibliottzeken. Wohin uns unser
Weg auch führte, überall traf inan
ans deutsche Besitzer oder doch deut-'
sche Nmiic-li. v. Hahn, u. d. Recke, v. j
! Mantenfsel. (kaiil und wie sie Alle
heißen. Ans dieser Herrenstellimg
der Teutsche,, erklärt sich auch der
! wehr wirthschastliche als nationale
Gegensatz zwischen ihnen und der
Masse der lettische LandbevöUerimg.
Jetzt allerdings sind die Gutshöfe fast
alle verlassen. Tie Russen haben die
Besitzer abgeschoben. So wurde in
Rigrandeii an der Wenta erzählt, das;
der deutsch baltische Gutsherr, obwotzt
seine beiden Söhne Offiziere im rus
sischen Dienst sind, fortgeschleppt und
wohl orniordot worden sei. Einen '
j ähnlichen lall erlebten wir einige
'Tage später. Ein russischer Garde
Dragoner wurde eingebracht: ein ein
: jähriger Unteroffizier, der zu seinem
Vater, einem baltischen Oberförster,
beurlaubt worden war. Vater und
: Soh waren von den russischen Trup
pen gefangen genommen und in eine
> Scheune eingesperrt morden, nm spä-
ter abtransportirt zu werden. Tie
Deutschen kamen ihnen zuvor, fanden
j beide in der Scheune, ließen den Va
ter frei und nahmen den Sohn ge
fangen, der kreuzunglücklich darüvcr
war, das; ihn nun sein Regmient als
! Deserteur betrachten könnte. So wü
j theil die Russen auch gegen solcyr!
Deutscbe, deren Söhne ans riissischer
Scite tämpsen, ja gegen russische Os !
siziere und Mannschaften deutscher
Abkunft: sie werden massenhaft abge
schoben. Auch sonst ist mit den Her
renhäuserii, soweit sie überhaupt och
stehen, nicht glimpflich verfahren wor
den. Zum größten Theil sind sic von
den russischen Truppen in solchen
Jollen sagt ma immer: von den Ko
snken gründlich ausgeplündert
worden. Alle Thüren und Schränke
sind erbrochen, alle Kästen durchsucht,
die Bücber auf den lußboden gewor
fen und zerrissen. In manchen Zim
mer lag das Gerümpel fußhoch, so
daß sie erst einmal gründlich gesäu
bert werden mußten, um sie einiger
maßen bewohnbar zu machen. Dann
ästig es bei bescheidenen Ansprüchen.
Bettstellen und Matratzen gab es ge
wöhnlich in ausreichender Zahl, aber
natürlich weder Decken und (rissen,
och Bettwäsche. Daraus muß ma:!
verzichten. Man lernt es auch bald.
Um so schwerer wird es, die Aiisprü
cbe an die Sauberkeit einzuschränken.
Auch daran gewöhnt sich der Mensch,
wie nicht bloß von den Maiiiischaftcn,
sondern auch von den Offizieren ver
sichert wird. Und vollends lernte
man die turländische Kultur schätzen,
als es nach Lilbauc hineinging. Hier
mußte man schon zufrieden sei, wenn
man ein Bündel Stroh oder Heu
j fand, und es kam auch vor, daß inan
Im Kricg'liuartier des Grasen Häseler. '
Der ölte „Tiger von Metz" floßt den I-rnzosen in den Argonnen immer
noch lurcht ein, trotzdem der nlte Hnndegen nur
„Schlachtenbummler" ist.
Großes Hauptauartier, ll l. Juli.
Bei'ni Besuche der Argonnenfront
hatte ich Gelegenheit, dem General
leldmarschall Graten Haeseler, der
hier seit Beginn des Kanones weilt,
meine Aufwartung zu machen. Der
greise Krieger wolmt mit feinem Ad
jutanten in einem niederen, von ur
alten Bäumen be'chaltelen Landhäns
cyen. das so klein ist.das; es fast be
> drückt wird durch das deuliche Lchil- l
! derhau? und den langen Grenadier,
der vor seinem Zaun Posten sieht. >
! In einem beinahe ärmlichen Raume
! wohnt und arbeitet der Generalfeld-
uiarschall, und doch konnte man sich
denken, daß er, der immer ganz in
der Pflicht aufgegangen ist, dieses re
gensichere Dach und sein leldbett
ebenso gern mit einem Unterstände im
Walde vertauschen und daß man auch
dann von der Umgebung nichts sehen
würde, da dieser alte Held seine Welt
mit sich trägt und jeden Platz durch
feine Anwesenheit adelt. I der feld
grauen Uniform seiner l l. Ulanen,
die alle Verwitterungsspuren de?
-Krieges zeigt, in Reitboien und Reit l
! nieseln, empfängt der Generalfeld-
uiarschall seine Gäste. Straff hält er
seine hohe, schlanke, nicht von der Last
der Jahre, aber von den Wunden
früherer Kriege etwa? gekrümmte Ge
stalt aufgerichtet, und in dem von der
- grauen Löwenmähne umwallten, zart
j geschnittenen Künstlerantlitz blitzen
die Augen in starkem Jener, blitzen
noch Heller, wenn er von den Leistnn
! gen unserer Truppen redet.
Er plaudert wie ein entsagender
Philosoph, der es als tragischesScknck
sal empfindet, daß der Krieg für Uw
> zu spät gekommen ist, um Um noch'
an eine Stelle berufen zu können, wo
er im vordersten Gliede dem Vater-
j lande dienen könnte. Er läßt keinen!
Zweifel darüber, das; er sich als Ver- .
treter einer früheren Kriegergenera- j
tiou fühlt und das; der moderne Stel
luugskrieg nicht nach seinem Ge
schmack ist. Düppel, Königgrätz und
namentlich Vionville, da? sind für ihn
die großen Eindrücke seines Lebens
gewesen. „Sedan war eine große
Entscheidung, als solche kolossal, aber
j als Schlacht nicht so bedeutend wie
l Vionville. WaS. früher eine leld
fchlacht genannt wurde, kommt heute
nicht mehr vor." Dabei ist er aber
voller Anerkennung tür die jetzige
Kriegergeneratiou und freut sich, daß
die Teutschen als Soldaten durch
mehr als vierzig Iriedcnsjahre nicht
verdorben, sondern ihrer Väter von
1870 werth geblieben sind. „Eine
kolossale Courage gehört zu dem
Schiitzengrabenkrieg, die kann man
der modernen Kriegcrgencration nicht
abstreiten. Es gebort viel mehr Muth
dazu, im Schützengraben zu liege,
wo einem jeden Augenblick jo ein
Ting auf den Kopf fallen kann, als
in früher leldschlacht, ein großes
Siegesziel vor Augen, sein Leben
Leben auf's Spiel zu setzen." Die
taktische Ausbildung komme im Stel
lungskriege nicht mehr so in Irage
wie 1870, aber die Bravour ebenso.
Nur war früher der Krieg eleganter.
Nachdenklich spricht der Generalfeld
marschall ein außerordentlich treffen
des Wort: „Tie Geschichte dieses (krie
ge? wird sehr schwer zu schreiben sein,
und langweilig zu lesen." Er er
innert daran, was sür schöne Bilder
der Krieg von früher vor Augen
führte, Bilder, die sür die Ewigkeit
j Eindruck machten. Er denkt an die
i.Kavallerie-Attacken, von denen wir
j 1870 so schöne Beispiele gehabt ha
ben.
Tie Leistungen der Iranzoscn im
Stellungskriege finden durchaus ge
rechte Anerkennung bei dem großen
Kritiker. Sic fangen an, nach seiner
Beurtheilung, sich jetzt ein bischen
besser zu schlagen. „Aber wenn wir
hier im Westen in Bewegug komme
werden, dann sind wir einfach im
Zuge und dann wird das Einbud
dein nur noch vorübergehend möglich
sei. Tann sollen die Iranzosen in
der leldschlacht zeigen, ob sie noch die
alten sind, als die wir sie 187> ken
en gelernt haben, und als die fie
uns in der napoleonischen Zeit theil
weise überlegen gewesen sind." Auf
den Einwand, daß die Iranzosen ge
rade aus der angeblichen Schlacht an
der Marne ihre bisherige Siegeszu
versicht schöpfen, entgegnet Graf Hae
den schmutzigen lußboden irgend ei
es übel riechenden Loches als Lager
benutzen mußte. Dafür liegt ein ei
gener Reiz in dem beständigen Wccb
sel des Ortes und in dem Vorgehen
in's Unbekannte, in's Märchenland,
besonders, wenn es sich als so ab
wcckckelungsreich wie Kurland dar
stellt und wenn damit das Bewußt
fein verbunden ist, von Erfolg zu Er
folg zu schreiten.
selcr, das; diese sogenannte Schlacht
j schon der Anfang der „Buddelei" war.
Diese „Buddelei" erregt das unver.
' holilene Mißvergnügen des alte Ka
vallerislen. Selbst für ein Kavallerie-
Regiment spiele sich der (krieg in der
Forni ab: Ansniarsclnrt, ausgeruht,
die Schützengrabenlöcher. In dem,
ganzen Jahre habe er die (kavallerie
nur selten in größeren Verbänden,
l aber nie im Galopp gesehen. Die
! Zeiten seien anders geworden. Selbst
! den General träfe man heute selten
' zu Pferde und desto öfter am Tele-
Phon.
> Als das Gespräch darauf gebracht'
wird, erzählt der General Feldmar
schall mit lustiger Laune, wie er da
zu gekommen ist, in diesem (kriege
persönlich einen Gefangenen zu ma
che. „Ach, der arme (keil war wohl
übermüdet. Er folgte sehr gnkmü j
tlüg. Die Geschichte hat mir viel
Spas; gemacht und kam meiner Or
donnauz, einem netten, kleinenlllan,
den ich noch habe, sehr zu Statten.
Das war bei Montfaucon im Sep
i tember."
! Mit einigem Schmer; kommt Graf
' Häseler auf die von ilim sehr bitter
eiupsimdeiie Thatsache zurück, daß er,
dessen Lebenszweck cS war, daran
mitzuarbeiten, daß deS deutschenVol
tes Wehr so blank und stark für den
(krieg geblieben ist, schließlich zu alt
zum Heerführer war. „Für ciuEom !
liiaudo war ich zu alt, aber zu Hause
tonnte ich nicht bleiben. Ich fürch
j lete schon, sie wollten mich gar nicht
- mitnehmen." Da habe er im letzten
Moment den (kaiser telegraphisch ge
! beten, ihn seinem alten Armeecorps
! zuzutheilen, und das habe SeiueMa
jeslät umgehend sehr liebenswürdig
gethan. „So bin ich das geworden,
was man 1870 einen Schlachten
bunmiler nannte." Aber er ist ive
! nigslens mitten im (kriege, mitten
' unter seinen alten Soldaten, iw
das empfindet er doch als ein großes
Glück!
Es wird davon gesprochen, wie
trefflich sich der Ausbau der Festung
Metz bewährt habe, de? Bollwerkes,
an das sich der Feind nicht von Wei
tem heranwagen kann. Ter Graf
> liebt sei Metz. „Nach dem (kriege
! will icb in mein friedliches Metz zu
! rückkehren." Er hofft nur. das; das
! Iriedenmachen nicht so lange dauern
I werde wie der Krieg selber. Aber er
erinnert daran, das; 1870 die Iran
zosen zuerst auch einen sehr großen
Mund hatten und dann immer klei
ner wurden, bis sie sich zu einem
Irieden herbeigelassen haben, den
wir freilich für günstiger gehalten
hätten, als er war. lind wie hätten
sich auch darin die Zeiten geändert!
Heute bedentcuTunmien, die uns da
mals ungeheuer groß erschienen, nnr
noch wenig. Hoffentlich werden ivir
zum IriedenSschliisse wieder einen
Bismarck haben, der die Iriedensbe
düigungcn nur so ans dem Aerme
, schüttelt!
i „Vielleicht gebe ich, wenn wir hicr
ferlig sind, nach Waterloo, wenn ich"
und ein Lächeln umspielte den
schmalen Mund de? General - leld
marschalls „erst mal endgültig
! weiß, wem e? gehört. Tort will ich
i das Gedächtnis; des alten Blücher
feiern."
- Graf Häseler führt im Kriege das
Leben, da? er stet? gewohnt war, d.
b. das des einfachen Soldaten, nt
dem Unterschiede vielleicht, daß er
sich weniger Schlaf gönnt und sich
nach mehr zimiuthet, als der gemei
ine Mann. Täglich steigt er zu Pier-
Ide und reitet vorn nach den Stel
! langen und besucht die Leute in den
Schützengräben. Bei seinem wun l
derbaren Gedächtniß erkennt er jeden!
seiner alten Soldaten wieder, nimmt
Antheil an ihren kleinen und großen
Sorgen, überrascht sie durch die ge
naue Erinnerung an gemeinsame,
zuweilen weit zurückliegende Erleb
nisse, und ist in allen Stücken der >
alle Gottlieb geblieben, wie ihn seine
Soldaten zärtlich genannt habe.,
lind wie ehedem würden alle für ihn j
durch's Jener gehen. Nicht weniger
vollstbümlich freilich ist sein Name
bei den Iran zosen geblieben. Nicht
selten hört ma von sranzöüschcu Oie
sangenen, das; sie erfahren haben,,
(((ras Häseler sei ihnen gegenüber bei
den deutschen Truppen in den Argon
neu. lind mit einer fast abergläubi
scheu lurcht zittern sie vor dem „Ti
ger von Metz." wie der Icldmarschall .
noch heute schaudernd im französi
schen Heere genannt wird.
W. Scheuermau.
Kriegs - Berichterstatter.
Abounkntril, die den „Deutschen
Eurrrspondeiiteil" nicht pünktlich oder
! unregelmäßig erholten, sind gebeten, >
der Tffice davon per Telephon oder
schriftlich Mittheilung zu machen. l
Ein Aristokrat unter den Gemüsen.
j Von E. S ch e n k t i n g.
Nimmt man das Preisverzeichnis;
eines Handelsgärtners zur Hand, so
! wird man sich wundern über die an
sehnliche Seitenzahl, die dem „Ge
müse" gewidmet ist. Unter diesen
nimmt wieder die Aufzählung der
(iohlarten den stattlichsten Raum ein.
Tenn die zahlreichen (kohlsorten mit
ihren stärkemehl und zuckerhaltigen
Blättern bilden ein wichtiges Nah
rungSnüttel für Menschen und Thiere
aller jenen, mit Ausnahme der
äquatorialen und Tropen jone, wes
halb ihre (tultur über die größere
Hälfte der Erdoberfläche verbreitet
ist. Dabei ist die (kultur des (kahles
uralt, denn schon Juden und Egvpter
Pflanzen ihre Kohlgärten. Bei den
Griechen stand der (lob! in hohen
Ehren, war er doch nach Pytbagoras
I ein „den Menschen zuträgliches Ge
müse, das ihn bei heiterem, ruhigen
Sinn und Muth erhält." Also könnte
inan allen Hypochondern zurufen:
„Eßt (kohl!" Auch der Römer Eato
nennt den (kohm das beste Gemüse.
! Und aus altrönüschen hortikologischen
Schriften erfahren wir. das; man dort
bereits zwei Arten (kohl im Großen
anbaute, unseren Savover (kohl und
(iopfkohl. Außerdem kannten die
Römer schon den Braun und Grün
kohl: vom rothen (kopfkohl aber schei
neu sie noch nichts gewußt zu haben.
In Deutschland begann dessen Anbau
unter (karl dein Großen. Durch eine
tausendjährige (kultur sind eine Un
menge von Abarten entstanden und
ein Schatz alter Haushaltungen ge
worden. Und in der That dürfte es
I kaum eine zweite Pflanze geben, die
! so zahllose Variationen für die (küche
darbietet.
Nach den Analysen lohnston's ent
hält der (kohl :iO bis :kö Prozent (Ue
ber, ein Bestandtheil des Zellinhalts.
Er ist daher nährender als irgend
eine andere Pflauzenspeise, die in
größeren Mengen von Menschen und
Thieren verzehrt wird. Daß er an
derrrseitS, wie alle kloberreichen Nah
rimgsmittel, einen verdauenshem
lenden Einfluß aus die menschliche
Konstitution ausübt, ist bekannt. Da
her ist es wie bei Erbsen und Bohnen
geboten, den (kohl mit Speck und
Schweinefleisch zu kochen, um ihm
diese Eigenschaft zu nehmen. Auch
hier zeigt es sich also wieder, das; eine
derartige Speisebereitung ihre Be
liebtheit weder dein Herkommen, och j
bloß dem Geschmack des Epikuräers:
verdankt, sondern aus der Erfahrung
hervorgegangen ist, „daß der (kohl,
in dieser Weise zubereitet, der Ver
daiiung am zuträglichsten sei."
Während also die meisten Blatt
kohl Arten und (kopskohl Arte in
Deutschland seit (langem bekannt wa
reu und einen guten Theil der Be
völkerungsnahrung in Stadt und
Land ausmachten, ist eine (tohlart.
nämlich der Blumenkohl, erst am En- j
de des i ".Jahrhunderts nach Teutsch
land gekommen. Nach allen botani
scheu Urkunden stammt er als natür
liches Produkt von der Insel Cypern.
Gesner, der berühmteste Botaniker
des Mittelalters ter starb 15>G).
nennt ihn in seinen naturgeschicht
lichen Schriften noch nicht und zu An
fang des 17. Jahrhunderts war er
noch selten. In Belgien scheint er
allerdings früher bekannt gewesen zu!
sein. Elusius, einer der kenntniß
reichsten Botaniker jener Zeit (gestor
ben <!0!l als Professor der Botanik
zu Leyden, beschreibt und bildet ihn
in seinem Werke als „Ehou.r de
Eyprc" ab, fügt auch den römischen
Namen „Brassica Poinpejana" hin
zu. Nach anderer Lesart soll der
Blumenkohl am Ende des 1(i. Jahr
Hunderts nach Deutschland gekommen
sein. In einem botanischen Werke,
das uni die Mitte des 17. Jahrh
derts erschien und auch einen Holz !
schnitt von der Pflanze bringt, ist vom
! Blumenkohl zu lesen: „Die dritte
Sorte wird gewöhnlich von den Ita
lienern Eanlifores genannt. Sic war
den Alten unbekannt, zum wenigsten
wenn es nicht der Ehon pompeien
war, von dem Plinius schreibt, daß
der Stengel zwischen den Blättern
' sich ausbreite. Man kann ihn auch
j Chon cnprien nennen, denn man:
i bringt den Namen von der Umwelt
l Evpern her. Er reift nirgends an ,
ders. denn diese Varietät ist sehr nm
pfindlich gegen die (kälte und ver
langt einen milden Himmelsstrit wie
Enpern." Eypcrn ist bekanntlich ein
' Fleckchen Erde, das einen enormen
, Reichthum an merkwürdigen Ptlan
zen darbietet. Es ist auch heute noch
im Besib des schönste Blumenkohls.
! und zu bedauern ist es, das; wir im
Handel nicht mehr von diesem vor -
trefflichen Samen erhalten.
Nach Frankreich soll das Gemüse -
zu Ansang des 17. Jahrhunderts aus ,
dem Trient gekommen sein; nur durch
große Mühe und Sorgfalt gelang
seine Akklimatifirung. Natürlich
macht hier auch England ein Priori
! tätsrccht geltend. Nach einem alteng
! lischen Gartcnbuch soll das Gemüse -
j von Enpern direkt nach dem Insel- *
reiche gelangt und von da au - zu An
stuig de-.- 17. lalirln,uderts über den
Eontinenl verbreite! werden sein. Zn
dieser .'seit war die Blumentoblkustnr
in England scheu ansgedelnilcr gc
iverden und batte sich auch verbell
koinmnet. (sine vollständige llninol
zung in der Knllur brachten die bei
ländische (Gärtner mit. die sich nach
der Revolution neu UIBB i England
niederließen. Tie Engländer waren
gelehrige Schüler, und se ivurde der
englische Blninenkohl der bevor uw
teste in Europa. Bio zni' :',eii der
französischen Revolution ervertirte
England einen großen Theil seiner
Ernte nach Teutsch land und sogar
nach Holland, da er scheuer lvar als
der dvrt gebaute, wie ja nach beute
der Blumenkohl aus der Umgebung
Londons einen sehr guten Ruf bat.
der nicht in der Art der Pflanze be
gründet ist. sondern in der Sorgfalt,
mit de>' die holländisch englischen
Gärtner dieser- feine Gemüse Pflegen.
In beiden Ländern gebort er zu dem
Besten, war- es für die Taicl dort
giebt.
In Teutschland wurde die Blumen
kohlkultur zuerst im Süden betrieben
und scheinbar mit gutem Erfolg, denn
cs wird berichtet, daß die llliner Gärt
ner sich schon um 1G!0 großes Ber
dienst darum erworben batten, und
als besonderes Ereignis; wird hervor
gehoben, das; um l>:'7 eilt Karvio!
von l fö Ellen im Unifange und 8E
Pfund schwer gezüchtet worden war.
Allmählich fand diese Kultur ihren
Weg auch nach den nördlichen Theilen
Teutschlands und heute fehlt der Bln
menkohl in teineinKücheiigarten.
Unsere gesammteu (lohlarten sind
entstandcll aus dem aut Helgoland
und auf den Kreidefelsen Rordiran!
reichs und Englands seht noch wild
vorkommenden Gemusekobl, dessen
ästiger, holziger Stengel durch eine
Jahrtausende hindurch fortgesetzte
Kultur seine zähe Pslawzcufaser ver
lor, iväbrend gleichzeitig durch Abla
gerung von Ztärtemeiil -und Linker
die l>arte Substanz zarliletschig wur
de. Vollzog sich diese Umwandlung
in der Gipfelknospe, so entstand der
Kobtfopf, beförderte sie die Wache
ruug des Zellgewebes in den Blät
lern, jo bildete sich dkirWirsiiig. Be
schränkte sich die Wucherung auf den
Rand der Blätter, so gab es den
Krauskohl. Ging die Nahriuigsz
fuhr vorwiegend den Seitenknosven
des Strunkes zu. jo gab sie dem Ro
senlohl das Dasein. Fand die Abla
> gerung von Zucker und Stärkemehl
besonder-.- in der Blüthenachse stall,
so entstand der Broeeoli oder Spar
gelkolil. Und im Blumenkohl wurde
der ganze Blütbenstand in markige
Substanz verwandelt.
Wenn wir oben das Ehon vom
Peine erwähnten, so kann es nach der
gegebenen Schilderung, vielleicht eine
Art des in TUalign.beliebten Broccoli
gewesen sein. Es wird behauptet, das;
sich der Blumenkohl je nach dem Bo
§ den zum Broccoli gestalten und wie
der zurückgeführt werden könne, so
bald der Boden danach ist, Tie üp
pige Erde treibt die einzelnen Bin
mensüele mit ihren .(knospen in die
Höhe. Broccoli heisch Spihe. Gipfel.)
Während also hcim Spargel kohl die
fleischig gewordenen Spitzen ähnlich
den Spargelsprossen getrennt empor
schies;eu, bleibt bei jener Art die Bin
me beisammen.
i Es ist hier nicht der Ort, Ratyschlä
ge für die Blmnenkohlzncht zu geben.
Tiefes Gemüse verlangt nur aller
beste Boden, dazu fleißiges Gießen
und Spritze, da es nur in feuchter
(bist gedeiht: ohne Gies;en ist selbst
ein inittelniäschger Erfolg nur bei
warmfeuchtein Wetter möglich. Nach
der Aussaat unterscheidet man frühe
und späte Sorten, Zn jener gehört
der „Eniirtcr Zwerg", der, im Fc
bruar gesät, im August, und im Juni
gesät, im TUeber verbrauch-Ssähig ist.
j Eine frühe Treibsorte ist auch der
'„Schneeball". Tie Benennungen:
Algier, asiatischer, cirischer, kapischer.
englischer, holländischer, französischer
usw. Blumenkohl, die wir hier und
da lesen, sind nicht auf die.Herkunft
der Pflanzen zu beziehen, sondern nur
insoweit bezeichnend, als die eine
Sorte hier, die andere dort besser ge
' zogen wird und besser gedeiht. Tie
j wirklich beste Sorte läßt sich nicht be
klimmen: man ms; versuchen, welche
der Lertlichteit am angemessensten is>.
Ter italienische Stiesel.
Weil Deutschland ihm nicht den (krieg
erklärt.
Ter Italiener sich heftig beschwert:
Er will nicht mit Oest'rcich im Streit
nur liegen.
Er will auch von Deutschland noch
(teile kriegen,
j Sein Land auf der Karte sieht
man cs leicht
! Seit alter Zeit einem Stiefel gleicht,
, Und Stiefel müssen, wer möcht' es
bestreiten?
Ihre Wichse kriegen von allen Seiten.
P rotte u s.
Ationnciitc, die den ..Teutsche Euere
spondenten" nicht pünktlich oder unrrgel
mäsiig erkalten, sind aebeten, der Ottiee
davon per Telephon der schriftlich Mit
theilung zu machen.

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