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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, October 31, 1915, Image 18

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10
SlnS dem Reiche der Ä!ode
»md der (Aesellschaf-.
——
N e w U o r k, den 15. Qltobcr.
In den Moden der neuen Saison
findet sich so manche Klippe, die zu
umschiffen es großer Vorsicht bedarf.
Frauen die gedankenlos ihre Auswah,
treffen, nur von dem Wunsch geleitet, '
das was „up to date" zu besitzen, dürs
ten dies zu ihrem Schaden erfahren.
Da ist zuerst die moderne Rocklänge, '
die auf's Sorgfältigste in Berücksich
tigung gezogen werden muß. grauen
die zur Korpulenz neigen, sollten den
sehr kurzen Rock vermeiden, wenn ' e
nicht eine lächerliche Figur spiel"» wol
len besonders wenn ihre Fugknöchel
stark entwickelt, und ihre Füße nicht
so zierlich und klein sind, wie sie sein
könnten.
Eine weitere Gefahr für starkes
Frauen bilden die so populären kar !
rirten und gewürfelten Stoffe. Die
Frau, die zur Fülle neigt, muß sich
mit dem Gedanken vertraut machen,!
daß diese Muster nicht für sic sind. Sist
sollte einfarbige Stoffe tragen oder!
Material, das höchstens von -inein!
haarfeinen Streifen durchzogen ist
Bon Farben sollte sie die dunkleren
Nüancen wählen, auch schwarz, oder
marineblau, oder eiscngrau.
Als gefährliche Klippen erweisen sich >
ferner die neuen Hüte dieser Scnson,!
Ein winziger Hut, auf die eine 'Lceiie
des Kopfes gerückt, paßt wohl für ein
schlankes, junges Mädchen »ul feinen
Gesicl'tszügcn, über einem brechn, run j
den Gesicht aber würde er sich stchcriiw
ausnehmen. Ein breites Gesiebt ?rfor
dert breite Effekte als Nahmen. Es
giebt kleine Hüte, die nicht übertrieben
klein sind, mit tiefer, breiter Krone und
etwas von einem Rand. Eine Kleinig
keit macht oft einen großen Unterschied.
Bon großer Wichtigkeit ist auch die
Haartracht. Es ist unmöglich, beutzu
tage einen Hut zu tragen, mit dem die
Ee-.-irtracht nicht im Einklang ist. Für
d' modernen Hüte muß das Haar
dich, am Kopf anliegen und nicht über
den Schläfen in Puffen abstehen. Man
kann die neue Koiffürc natürlich modi
siziren, und versuchen sie so kleidsam
wie möglich zu gestalten. Aber man
sollte nicht, nur aus Gewohnheit, an
.einer Haartracht hängen, die vor Iah
Pelzbesatz „e n vogn e".
ren Mode war, und der heutigen Hut hinten und an den Seiten anznbrin
mode nicht entspricht. gen, während vorn ein glatter Paneel-
Um Anspruch auf modische Eleganz Essell bleibt,
machen zu können, muß heute jede Wer diese Dinge und manche andere
Frau einen Schleier irgend welcbcr Ar, vorsichtig ü, Betracht zieht, wird in
tragen, und für Frauen, die ein Schlci de» Moden noch immer Bieles finden,
er kleidet, sind dir leichten, losen, slie dessen sie sieb mit Bortheil bedienen
ßenoen Schleier sehr hübsch Aber es kan», denn Frau Mode ist stets le
giebt Frauen und Mädchen, die nie strebt, nicht nur für Einzelne, sondern
einen Schleier tragen konnten, nach je für Alle zn sorgen.
Mals tragen können. Alle Anzeichen denken darauf bin,
-Wer dünne Augenbrauen h»;, eder daß Pelz in der neuen Saison noch
helle Augenbrauen, die nicht zu be mehr zur Verwendung rommen wird,
Merken sind, sollte den Gedanken, ei wie in, letzten Winter. Für dq-k- wir!
n<n Schleier zu tragen, ein für alle lich elegante Kostüm erscheint ein. wenn
Mal aufbeben, wenn sie so vorteilhaft' auch geringer Zusatz von Pelz uiier-
wie »täglich aussehen möchte.
Auch für farblose Gesichter, mit klei
ne» Fügen, und -Schleier nicht em
nf.hlenswerth. Es ist jedoch erstaun
lieh. wie viele Frauen, den lang herab
sl -ßenden Schleier tragen können, für
die ein unter dem Kinn geknüpfter
Schleier wenig bortheilhast ist.
In sehr diskreter Weise ist der neue,
volle Rock zu handhaben, wo me Figur
der Trägerin nicht die hierfür wiin
schenswcrthe Schlankheit hat. Glückt!
chcrweise hat die Mode für solche
In Velour de laine und
Biber Pelz.
Frauen ein sebr schätzenswerthes Hilfs
mittel geschaffen, in den glatten Zote
Effekten über der Hüfte. Dieses Dole
muß sehr sorgfältig geschnitten sein.
Eine gute Idee ist es, das "koke nur
Der Iriiisthe l5„ricsvvndr»t. "'altiiiiore. Md, Sonntag, drn NI. Oktober I!)I6.
Fm )
In Seiden Netz. mit Pelz garnirt.
läßlich. ES kommt nicht darci'E an,
was eS ist, ob Biber, Fuchs, Skunk,
Luchs oder Seal, so lange es nur mit
Pelz garnirt ist. Der Kragen, Man
scheiten und häufig Bordüren-Effett
der Pelzgarnirung verleiht vcm Kleid
etwas entschieden Elegantes. Unsere
erste Abbildung veranschaulicht ein Ko
stüm in goldbraunem Tnyoetcen mit
kurzem kreisförmig geschnitienen Rock
und einem Paletot von dreiviertel Län
ge. Ter Pole Effekt vorn und im Rük
ten ist besonders interressant, ebenso
der weit unten angebrachte Gürtel, der
an der einen Seite durch einen „No
velty" Knopf geschloffen wird. Schwär
zes Robbenfell dient diesem Kostüm alS
Garnitur. „Up to date" sind oie glot
Unförmigen Manschetten, die äst Muff
benutzt werden können, sowie der Kra
gen in Sears Effekt. Ter Hut, ein
flotter Turban, von gepreßtem Biber,
ist garnirt miiGouri und einem lchma
len Grosgrainband,
In dem gleichen Maße, wie dichte
Wollstoffe, findet man auch Netz,
Ehiffon und Tüllkleider mit Petz
garnirt. Die Kombination ist enstzük
kend und erfreut sich allgemein"! Be
liebtheit. Tic mit Pelz garnimc Nach
mittagstoilette von zart duftigem Ma
terial gilt für überaus elegant und
n
- Ein neuer Turban mit P e l z g a r l»; t u r.
, korrekt, und wird mit Pelzmänteln
, getragen, für durchaus passend gehal
l ten, besonders für Tyee oder Mali
neetracht. Ein interessantes .Kostüm
! stellt das in unserer zweiten Abbil
> düng wiederaoboiie Modell dar.
! Ausgeführt ist dasselbe in tauvc Sei
den Netz mit kurzem, vollen Rock und
i einer sehe tief hinabreichendcn Taille.
! Lange Aerme! und eine zierliche Weste
von Stickerei sind bemerlenswerlhe De
tails. Das Bolero-Jäckchen ist in knnst
! voller Weise mit gleichfarbiger Sou
taschboric bestickt. Knöpfe und eine
Bordüre von grauem Kimmer P-!z lie
fern eine wirkungsvolle Garnitur.
In dem Rock findet sich auch die
Svutasch Stickerei wiederholt. Er
wähnt sei noch, daß daS Fondn des
Kleides von grauem, Goldenrad Atlas
ist.
Ein passender Gefährte zn dem Ko
stüm ist der Hut von altrosa Belour-
Filz-
Unter den Straßenkostümen findet
man solche, an denen Pelz einen sehr
großen Bestandtheil des Ganzen bildet.
Kostüme von Serge, Gabardine, Ve
lour de laine, Sammet, Fcnlle und
andere der modernen Gewebe haben oft
Blenden von Pelz, die bis halb znm
Knie hinaufreichen, und einen ver-
hältnißmäßig ebenso breiten Besah hat
das Iacket. Das bleibt jedoch ganz dem
persönlichen Geschmack der Trägerin
überlassen. Fest steht nur das Eine. daß/
ein Straßenkostüm nicht für wirtlich z
elegant gilt, ohne einen. Zusatz von ,
Pelz. Fuchspelz, namentlich Weiß oder >
Silberfuchs, kommt besonders häufig x
zur Verwendung. Es wirkt höchst ele ,
gant und dabei jugendlich. z
In marineblauem Velour de laine ist
das aus Rock und nicht sehr kurzem x
Iacket bestehende, in unserer dritten j
Illustration gezeigte Kostüm ansge <
führt. Der breite Pelzbesatz an Rock §
und Paletot ist von Biber, ebenso wie -
Kragen und Manschetten. Di" beson s
dere Weite des Rockes sowohl, wie des
Jackets mit der reichen Pel.zgarnit.ic ;
verleiht dem Kostüm etwas modisch!
Elegantes. Bemcrkenswerth ist auch der ,
ein klein wenig zur Seite gerückte ,
Schluß des Jackets, in russischem Es- ,
fett. i
Der Hut von schwarzem Sammet ,
mit Kumband wirkt kleidsam und pi- ,
tank. c
Auch ans dem Gebiete der Putzma j
cherei ist Pelz ein wesentlicher Faktor, §
und ist besonders bei dem eng anlie >
genden Turban zu finden. Der Letz ,
lere ist in dieser Saison wieder zu all- §
gemeiner Gunst gelangt, vielleicht ein ,
wenig verändert in Linien, aber nichts
dcstowcniger ein Turban. Tie weichen, -
reichen Sammetarten dieser Saison ,
eignen sich besonders gut für diesen ,
Thp von Hut, der ausnahmslos ziem ,
lick, klein ist und sehr wenig Garnitur
answeist. Bemerkenswerth ist das in
unserer vierten Abbildung gezeigte Mo- ,
dell. Ausgeführt in marineblauem j
Sammet mit hoher Krone, ist^derselbe >
vorn, hinten und an den Seiten >n >
eine doppelte Tollfalte gelegt. Dieser
Effekt ist ebenso elegant wie ungewöhn ,
lich. Ilm den oberen Rand hin läuft ein .
Streifen von Skunk, der vorn ein Or
nament von militärischem Effekt bil
det. Eine neuartige Garnitur ist auch -
die Metallrose, die an der einen Seite
angebracht i'st Nicht nur ist der Sam
met-Turban ein charakteristisches
Merkmal der Saison, sondern auch der
Vicht dem Kopf anliegende Hut von ge
preßten, Biber. Je einfacher die Gar
nitur an diesen Hüten, umso besser,
thatsächlich erfordern dieselben nur eine;
Ecke Schleife von Grosgrainband oder
eine winzige Schnalle, oder zwei. Viele
dieser Hüte sind nur mit einem einzigen
Büschel von Tauchten, in Chenille aus
geführt, garnirt. Diese Garnitur gilt
für besonders neu und elegant und
kommt in den entzückendsten Farben-
Kombinationen. Eine andere modische
j Hntgarnitur besteht aus einer großen
Taffet Rose. direkt vorn am Hut an
gebracht. Diese ist besonders hübsch
an einem breitrandigen Matrosenhut,
von Velour- oder gepreßtem Biber.
Das Schuhwcrk der neuen Saison
verspricht bedeutend weniger auffallend
zu werden, als das der letzten Saison.
Sowohl in Schnür- wie in Knöpf-
Efftkten giebt es eine ganze Anzahl
hübscher Muster. Weiches Glacee-Leder
wird vorzugsweise benutzt, und zwar
in Schwarz, Braun und sehr dunkel
grün. Die Passepoilirung und Abstep
pung ist in der gleichen oder einer we
nig auffallenden Farbe ausgeführt.
Patentleder und Glaceeleder vereint
findet man viel in den eleganteren Ty
pen. Einige Novitäten in Knöyf-Es
fetten sind äußerst „chic", darunter iol
che, die in extremer Manier an der
Seite geschlossen tverden. Besonders
elegant ist der „Gypsy" Knopf Essel,.
Wand a.
Nachlassen der Aus
wanderung nach Canada. Ais in>
letzten Frühjahr die Weizenpreise
einen sensationellen Ausschlag erfuh
ren, glaubte man in Canada, das;
Andauer der hoben Getreidepreise zu
einer neuen umfangreichen Aiiswan
derung amerikanischer Farmer ans
dc'in diesseitigen Westen und Nord
iec»ten nach den canadijclx'n Provin
zen Saskalckimvan und Alberta niyren
werde Der Rückgang dimer Beine
gnng iväbrend der letzten Iiabre wo;
em ausfälliger. Sv betrug iu dem mu
März IKIck beendete» Fiskaljabre
die amerikanische Einwanderung nach
bmmida neck, 1.i!ß>»>z> Persei,eu, ge
gen 1.'.i',(tO«> bririsckx- Immigrautc-ii.
In U>1 l trafen in Canada nur KE.
<>«»> amerikanische Ansiedler ein, ge
gen > Ick.noo aus Großbritannien
und Irland. In dem ant März d. I.
beendetet, Iabre wurden daun jedoch
mir noch 6!>,U»> amerikanische Ein !
vanderer gezählt, und insgesammt!
belief fick, Canada's Immigration im
dem Iabre an) I l k,7G) Personen,
".egen .',8k,iM> in I!'1 l und 1«>2.«>G
in NA!!. Jetzt glaubt inan in Otta
wa lür das lausende Fiskaljabr nur
ans eine halb so große Cinwanderuna
wie eS die im Borjabr nxir, rechnen
zn tonnen, was bei der gedrückten
Gescbästslage deS Lands, sowie dem
Matisclwn Fanatismus eine-? großen
.(beilS seiner Bevölkerung erklärlicb
genug ist.
„.Haben Sie keine Bedenken. Herr
Kommerzienrath. Ihrem Kassierer so
hohe Summen anzuvertrauen?"
„Gott, wie haißt, wer will zu der
Zeit eppes durchbrennen nach Ame
nka?"
Aür die Küche.
Fruchtklö ß e. Man kann dazu
alle möglichen Obstsorten verwenven,
Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Mira
bellen, Birnen und Aepfel. AIS Teig
kommen drei Arten in Betracht. Ai»!
einfachsten und billigsten ist der Kar !
tosfelkloßteig, den man aus einem hal j
bcn Quart geriebener Kartoffeln, einem l
ganze» Ei und so viel Mehl tuest!, daß!
ein haltbarer Kloßlcig entsteht. Von,
diesem Teige reißt man Stücke von der
Große einer kleinen Kartoffel ab und
füllt diese mit einer hälb durchgeschnit
tenen, entkernten Pflaume (sehr gut
sind aufgeweichte getrocknete Pflaumen,
die in ganzer Große genominen wer
den). der man anstatt des Kernes ein
Stückchen Würfelzucker einsteckst odcrj
mit Aprikosen, Mirabellen, Aepfel-!
oder Birnenspalten. In Salzwasser 16
Minuten gekocht, werden sie mit dem
Schaumlöffel herausgehoben, mit brau
ner Butter übergössen und mit Zucker
und Zimmt bestreut sofort aufgetra
gen. Ein feinerer Teig ist folgender:
Ein eigroßes Stück Butter rührt man
schaumig, gibt zwei Eier, drei Eßlöffel
Milch, eine Handvoll geriebene Sem
mel, ebensoviel geriebenen weißen Käse
(Quark) und so viel Mehl daran, das
ein ziemlich fester Teig entsteht, der sich
auf dem Nudelbrett ausrollen läßt
Tie zur Fülle bestimmten Früchte wer
den mit diesem Teige nur ganz
umhüllt und in Salzwasser so lange
gekocht, bis sie an der Oberfläche
schwimmen. Hierzu gibt man ebenfalls
braune Butter und bestreut sie mit
geriebenen Nüssen, Die dritte Teigart
für Fruchtklöße ist ein feiner Semmel
kloßtcig. Man schneidet hierfür vier
Milchbrödchen kleinwürfelig und be
netzt sie nach und nach mit 1. Quart
Milch. Ein großes Stück Butter wird
schaumig gerührt, mit zwei bis drei
Eiern und vier Löffeln Nehl vermischt
und dann zu dem Scmmelbrei gegeben.
Nachdem man beides gut verrührte,
formt man aus der Masse fünf bis
sechs Klöße, wälzt sie in Messt und
kocht sic sehr langsam 26 bis 80 Mi
nuten in Salzwasser, läßt sie auf einem
Siebe abtropfen »nd übergießt sie mit
brauner Butter. Zu diesen Semmel-
IlLßcn reicht man dasObst in geschmor
! tem Zustande mit einer langen, etwas
seimig eingekochten Fruchtsauce.
Brandy Pfirsiche. Man
reibt die Früchte, die tadellos sein müs
sen und am besten der weißen Sorte
angehören, gut ab und wiegt sie. Für
jedes Pfund rechnet man ein Pfund
Zucker und läutert ihn. Die Pfirsiche
durchsticht man mehrmals mit einer
Nadel und legt sie in den Zucker ein.
So bleiben sie über langsamem Feuer
stehen, bis sie ganz vom Zucker durch
drungen sind. Dann nimmt man sie
vom Feuer und stellt das Ganze in
einer Porzellanschüssel 48 Stunden
beiseite, mit einem Tuche bedeckt. Nun
läßt man die Frucht ablaufen und gibt
sie in Gläser. Der Syrup wird dicklich
eingekocht, dann vom Feuer genommen
und nach dem Abkühlen mit oer glei
chen Quantität Brandy vermocht,
dann werden die Gläser voll gegossen.
Oder man gießt den Saft über die
Früchte bis zur halben Höhe der Glä
ser und füllt dann mit dem Brandy
(feinste Waare ist nöthig) auf. So wird
nichts verschwendet. Sobald die Früchte
in den Gläsern zu Boden sinten, sind
sie zum Gebrauch fertig, denn das ist
das Zeichen, daß die Früchte von dem
Brandy durchdrungen sind.
Wendische Bohnensuppe.
(R Pfund tveiße Bohnen werden die
Nacht vor dem Gebrauche in weichem
Wasser ausgequollen und mit diesem
sowie !( Pfund Schwarten und Kno
chen auf das Feuer gebracht. Ganz
langsam, aber ständig, müssen sie ko
wen, dürfen aber nie durch kalten Was
serzugnß abgeschreckt werden. Sind
alle Bestandtheile gar, werden die her
ausgenommenen Schwarten grob ge
wiegt. Die sehr dicke Suppe wi'd mög
liehst mit etwas Spargelwasser ver
dünnt und mit einigen Bruchspargeln
sowie den Schwarten angerichtet.
F l e i s ch k ä s e. Braten unk Rette
aller Art sorgsam von allen Sehnen
und Häuten befreien und möglichst fein
wiegen, dann mit ganz feinwürfelig
geschnittenen Resten von Pökelzunge
oder Rauchfleisch vermischen.
große Tassen dieser Reste einer Tasse
voll Speck und eine Taffe voll
Schweins oder Kalbsleber wiegen;
wenn nicht zu haben, statt dessen fri
! sches Schweinefleisch unter
> reste mischen, 4 geschälte Semmeln
weichen, gut ausdrücken, unter das
Fleisch mengen und noch einige Eier,
Salz, Pfeffer, geriebene Zwiebel, ge
wiegte feine Kräuter, einige gehackte
gute Sardellen und so viel Fleischer
traktbrühe hinzufügen, daß ein dicker
Brei entsteht. Diesen in eine gut aus
gestrichene Form füllen und leicht de
deckt ins Wasserbad in einen mittel
heißen Ofen stellen. Man muß den
Fleischkäse mit einem Teller beschweren
»nd ganz kalt werden lassen, bevor man
ihn in Scheiben schneidet und mit Re
mouladentunke anrichtet.
Hörnchen. H Unzen Hefe in war
mein Wasser auflösen, und s Pfund
Mehl dazu rühren. Wenn sich Blasen
zeigen, werden dazu gemischt: ! Pfund
,Mhl, 1—2 Unze» aufgelöste Butter, 1
' Ei, eine Prise Salz und soviel Mich.
daß es eiizen glatten, elastischen Teig
gibt, der an warmem Orte mehrere
Stunden zum Aufgehen stehen muß.
Er wird daun in ungefähr 8 Tchile ge
theilt, jedes Theil ausgerollt, stbön
viereckig geschnitten, dann zweium! dia
gonal, so daß 4 Dreiecke entstehen.
Dann faß! man die Enden des breiten
Theiles und rollt das Stück nach der
mittleren Ecke hin, biegt die kleine Rol
le dann znm Halbmond und seht sie
auf ein Backblech. Nachdem sie ansge
gangen, werden sie hellbraun gebacken,
dann mit Ei und Milch überpinselt.
P ii n s ch t o r t e. 6 Unzen Butter
werden mit 12 Eidoitern und 6 Unzen
Zucker, an dem man die Schale einer
ganzen Zitrone abgerieben hat, 20 —80
Minuten gerührt. Hierauf mischt mau
0 Unzen Stärkemehl und den steifen
Schnee der 12 Eiweiße darunter und
bäckt in zwei gut gebutterten, mit Mehl
bestreuten Tortenformen je einen fin
gerdicken Tortenboden bei mäßiger .Hi
tzc. Nach dem Ostkalten werden die Bö
den mit Apfelsinenmarmelade öe'tr:
chen, aufeinandergelegt, mit einer
Punschglasnr überstrichen und nu! in
Znckershrup gekochten Pistazien ver
ziert.
Picadill y. Ein Peck grüner To
maten und zwölf große Zwiebeln wer
den in Scheiben geschnitten; zw?: gro
ße rothe Pfefferfrüchte, ohne die Sa
men, werden fein gehackt und alles zu
sammen mit einer Tasse Satz durch
mengt. So bleibt dies an kühlem Orte
stehen, bis zum nächsten Tage. Nun
läßt man alle Brühe ablaufen und gib!
1 die Gemüse in einen EinmachEssc! mit
je einem Eßlöffel voll gemahlenem Ncl
kenpfeffcr (Allspice), Nelken und
Zimmt, jj Tasse frisch geriebenein
Meerettig und 8 Quart Apfelwein
Essig. Nachdem dies vier Stunden lang
langsam gekocht hat, wird es beiß in
Flaschen gefüllt.
Der e r st e weibliche Dok -
t o r. Jüngst wurden eS 50 Jahre,
seitdem die Universität Zürich als erste
Hochschule der Welt den Versuch wag
te, auch den Frauen das gemeinsame
Studium mit Männern mit voller
Gleichberechtigung des weiblichen 0>e
schlechtes zu gestatten und Frauen
ancb znm Doktoreramen zuzulassen.
Maria Maria Kahl berichtet darüber
in dem demnächst erscheinenden Heft
der „Akademischen Rundschau" in ei
nem Aufsatz über das 50-jährige Jubi
läum des Frauenstudiums. Anfang
1865 bat ein Fräulein K. aus Ruß
land bei dem Rektorat der Universi
tät Zürich um die Erlaubniß, nicht
bloß'allgemeine naturwissenschaftliche,
sondern auch anatomische und mikro
skopische Vorlesungen zu besuchen.
Unter der Bedingung, daß die Dozen
ten damit einverstanden seien, n u d:
der Dame der Wunsch erfüllt Ais
dann eine zweite Russin sicb unter
gleichen Bedingungen einschreiben ließ,
wurde auch sie zugelassen, da, wie es
in den Akten der Zürcher Erziehungs
direktion heißt, die Professoren der
anatomischen »nd physiologischen Fä
cher die Sache ohne Vorurtheil auf
faßten, Ein: der beiden Studentin
nen verließ bald die Universität. Tie
andere aber, Fräulein Nadeschda Su
slowa, sehte ihr Studium mit solcher
Energie und Ausdauer fort, daß sie
den Proicssoren und Studenten gro
ßen Respekt einflößte und alle Bedin
gungen für die Zulassung zum Dok
torexamen erfüllte, ehe noch die for
melle Voraussetzung, die eigentliche
Immatrikulation erfüllt war. Schon
im Februar 1867 verlangte sie, zur
Doktorpromotion zugelassen zu wer
den, worauf sie die Weisung erhielt,
sich erst die Matrikel zu verschaffen.
Ter Rektor entschied nun im Einver
i ständniß mit der Erziehungsdirektion,
daß das Reglement, welches ein Ver
bot für Frauen ja nicht enthielt, zn»
grinsten von Frl. Suslowa auszule
gen, sie also mzulaffen sei. Man ließ
dabei- die Studentin zur medizinischen
Doktorprütiina zu. und man kann ihv
. glauben, daß ihr, obwohl die Pro
zessoren keinerlei vorgefaßte Meinung
hatten, das Examen nicht leicht ge
macht wurde. Hing doch für die Zu»
! k'inft sehr viel davon ab. Trotzdem.
bestand Frl. Inslcwa das Rigorosnm.
- und nach Erfüllung der anderen Be
dingungen wurde ihr auch die Doktor
würde ertheilt. Am 14. Dezember
1867 promovierte sie zum Doktor der
Medizin. Chirurgie und Geburtshilfe,
l nachdem sie ihre Thesen geschickt ver
l theidigt hatte. Diese Pionierin des
, Fraukirstiidiums und Doktorexamens
hat in Verbindung mit der verstäns
' nißoollenAnsiassung der Zürcher Pro
fessoren-die Wege gebahm für i,re
! Nachfolgerinnen. Besonders 'lut
sehen erregte es, daß ei' sech " DA
Grandin, eine Schweizerin, Pr>
sessor Dr. Biermer als Assistentin am
i Züwer Spital angestellt würd:, Zu b s
> dahin noch nie vorgekommener F l.
i
A n g e n e h m e A n L s i ch t.
Die neue Erzieherin: „Nun, Ki -
der. ick hoffe, wir werde,, mileinaneer
! gut auskommen und recht lange zu
! sammcn bleiben: wie dieß denn. Eure
' frühere Erzieherin?"
.Die letzten drei hießen Anna."

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