OCR Interpretation


Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, October 16, 1916, Image 6

Image and text provided by University of Maryland, College Park, MD

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045081/1916-10-16/ed-1/seq-6/

What is OCR?


Thumbnail for 6

6
Lokal-Brrichtc aus Washington.
Ba zar-Cv in i t c.
Tie erste Delegaten - Versamm
lung des WohtthätigkeitS - Bazars
findet am 10. Oktober, Abends licht
Uhr, im Lokale des Hrn. E. Hammel,
Nr. 022, Pennsylvania - Ave., N.W.
statt. Es wäre sehr erwünscht, daß
jeder Verein und jede Kirche seine De
legation schickt, da die Beamten des!
Bazars erwählt werden sollen.
Des Tiebstahls beschul
d i g t.
Als er an seinen! Pulte in der Na
tional - Bant-Abtheilnng des Schatz
amtes bei her Arbeit war, wurde der
8! Jahre alte Clerk Mark Laethan,
der feit einigen Jahren bei der Regie
rung angestellt ist, von den Detektiv-
Sergeanten Helan und Pratt wegen
angeblichen Tiebstahls von P5OO in
Nationalbankuoten verhaftet. Er hat
te Zutritt zu der Verfandt-Abtheilung
nnd die Banknoten wurden seit kurzer
Zeit vermißt, und W. H. Mora, der
Hülfschef der Regiernngs - Geheim
polizei, mit Unterstützung der Lokal-
Polizei, machten sich sofort daran, den
Schuldige aufzuspüren. TerVerdacht
lenkte sich aus Laethan und die Ver
haftung wurde in solcher Stille vorge
nainmen, daß seine Mitarbeiter nichts
davon gewahr wurden, als dieselbe
stattfand.
Laethan wurde dem Bnndes-Coin
missär Isaac Hitt vorgeführt und be
schuldigt, lich gegen Sektion 47 der
Blmdesgesehe vergangen zu haben.
Tie Note bestanden.aus PlO nnd
P2O Scheine und waren noch nicht
unterzeichnet, und Laetl>an soll fin
girte Namen eingefügt, sowie die mei
sten Scheine in Umlauf gebracht ha
bcu. Er erklärte „nicht schuldig" zu
sein, und wurde unter PlO.OOO Bürg
schaft gestellt bis zum Vorverhör vor
dem Coniinissär, das ans Ticnstag
verschoben wurde, damit er Gelegen
heit hat, sich einen Anwalt zu eckgagi
ren.
Auf Schadenersatz vcr
klagt.
Ter Anwalt Crandall Mackey wur
de im Distrikts - Obcrgcricht vom An
walt Geo. Fred. Frick aus P 25,000
Schadenersatz verklagt wegen eines
Urtlieilssprnches auf böswilliges Ver
lassen. Hr. Mackey soll das Urtheil
erlangt haben auf Grund einer Klage
auf beschränkte Ehescheidung gegen
Hrn. Frick von Seiten seiner Gattin
Lncille B. Collins Frick.
Hr. Collins gab im Gericht an, daß
das Urtheil ohne sichtlichen Grund er-
e/vsi'o^l^
kür SäuxUvM mul Linäer
6kökuo 3olLki
Immer mit cksr
. - ' > - ———^
( Lin (Von N. Hkomronnek )
' ' -
(t 4. Fortsetzung.)
Da kam der Krugwirtin der Ge-
Sänke, ob sie nicht ein gutes Werk tat,
wenn sie dem jungen Mädchen aus
einandersetzte, welche Aussichten eö
sich mit dieser voreiligen Verlobung
verscherzte. Vielleicht, wenn es dem
Jan Podleschnh den Laufpaß gab,
daß dann der Thomaz Bogdan mit
einer ernsthaften Werbung kam?
Aber zu einer solchen Aussprache ge
hörte Zeit, und die war jetzt am
Abend nicht zu finden. Sie konnte ja
kaum mit Einschenken fertig werden,
und die Anna hatte sich schon dazu
bequemen müssen, in den Schenkraum
zu kommen, damit wenigstens jemand
zum Anschreiben da war, uud es hin
terher bei der Bezahlung keine Kon
fusion gab. Der Junge aber, der
Franz, hatte sich, statt hier beim Ge
schäfte zu helfen, in seiner Stube ein
geschlossen und gab auf alles Klopfen
keine Antwort. Wahrscheinlich war
ihm der Verlobungssekt nicht gut be
kommen. von dem er ja das aller
meiste getrunken hatte, und er schlief
jetzt seinen Rausch aus.
Merkwürdig still kmn es der Krug
wirtin heute abend vor, trotz der vie
len Gäste. Eigentlich sprach nur der
Fan Podleschnh mit seinen Leuten,
die andern aber trankeil schweigsam
ihr Bier, tauschten nur ab und zu
eine halblaute Bemerkung, und ans
all den heißen Gesichtern lag cs mir
erhaltener Ingrimm und lauernde
Erwartung. Dabei vermied cs die
Maria anscheinend geflissentlich, ihren
Verlobten gegen die übrigen Gäste zu
bevorzugen. Sie erlaubte ihm kaum,
daß er für eineil Augenblick ihre
Hand fassen durfte, wenn sie ihm ein
irisches Glas Bier brachte, und eilte
und sprang noch flinker beinahe als
irühcr, sobald einer der andern Bur
i-.hen mit seinem leeren Glase auf den
rück; klopfteMJn den kurzen Pausen
bor stand sie wie sonst vor der Tom
-. ul. mit dem Rücken aegcu de
langt worden sei wegen angeblichen
Verlassen seiner Frau vom 20. De
zember 1014 bis zum 17. Dezember
1015 und >.icgcn Nichtversorgung sei
nes Kindes Mary Elizabeth Frick.
TrankCarb o l s ä ii r e.
Frau Mvian Irene Hunt von Nr.
1485, G-Straße, N.-0., die seit eini
gen Jahren krank war, trank eine
Quantität (Karbolsäure Und starb 2
Stunden später im Casualty Hospital.
Ter Coroner Nevitt stellte ein Certi
sikat auf Tod durch Selbstmord aus.
Als der Gatr' der Frau, G. William
Hunt, durch die Schmerzeidschreie der
Frau aus dem Schlaf geweckt wurde,
telcphonirte er sofort nach Dr. Win.
F. Wood, Nr. 820, Ost - Capitolstr.,
der die Patientin nach dem Hospital
bringen ließ.
Mehr Pol i z i st en ge
w ü n s ch t>
Es soll ein Versuch gemacht werden,
eiln;. Vermehrung der Washingtoner
Pölizei für nächstes Jahr zu erlan
get!. Laut eines Berichtes des Poli
zei 5 Superintendenten R. W. Pnll
man an die Distrikts - Eonimissüre ist
diü gegenwärtige Zahl der Polizisten
um 20 geringer gIS inz Jahre 1012.
Ungerechnet die Verkehrs - Polizisten
besteht die Polizei jtztzt ans nur 715
Beamten.
Ta hiervon eine ziemliche Zahl bei
dem Weißen Hause Nachtdienst vcr
richten muß, fällt der Mangel an ge
nügend Leuten och so viel schwerer
in'S Gewicht. ES wurde deshalb ein
erfolgloser Versuch gemacht, unifor
inirte Soldaten für diesen,Nachtdienst
heranzuziehen an Stelle der Polizei-
Beamten. '
Neil Washington die Hauptstadt
des Lgudcs ist uyd gußer dem Sitz der
Bundesregieinng auch der Sitz der
Botschaften und Lpgationen anderer
Nationen ist, meint Major Pnllinan,
daß die Stadt eine verhältnißinäßig
größere Polizei haben solle, als eine
Handelsstadt von gleicher Größe.
Die Distrikts - Eoinmissäre werden
wie es heißt, das Gesuch des Polizei-
Superintendenten unterstützen.
I m H.o s p ital v e r st o rben.
Die 45 Jahre alte FrauMargareth
Herbert starb im Cqsualty Hospitale
an Verletzungen, die sie erlitten hatte,
als sie von einem clektrischenStraßen
bahn - Waggon bei Hyattsville, Md.,
angefahren wurde. Ter Leichnam
wurde zur Beerdigung nach Hyatts
ville gebracht.
P rügel angeb r a ch t.
Im Polizeigericht wurde der An
walt W. Preston Williamson vom
Richter Mnllowny von der Anklage
freigesprochen, sich thätlich an dem
Knaben Elisford Johnson, Nr. 718,
J-Straßc, vergriffe zu haben, als er
denselben aus seinem Automobil zog.
Der Knabe war i das Automobil des
Anwalts gestiegen und machte sich bei
Scheukraum, und paßte auf ihre
Gäste, ganz als wollte sie sich an
dem letzten Abende ihrer Dienstzeit
noch in ganz besonderem Pflichteifer
zeigen/
Jetzt stand der Jan Podleschnh auf,
rückte sein ei, Stuhl zurück und schob
dje Zigarre in den linken Mundwin
kel. Die mit ihm am Tische saßen,
klopften mit ihren Gläsern auf die
Platte und schrieen: „Ruhe, Ruhe,
der Gospodarz PodleschnU will eine
Rede halten." Eigentlich aber lärm
ten sie am meisten, denn niemand
außer ihnen in der .Krugstube sprach
ein Wort.
Der junge Bauer hob die Hand
auf und stellte sich breitbeinig hin.
„Also eine Rede soll ich halten!
Sie wird kurz sein, denn ihr wißt ja
alle schon. waS ich euch sagen wollte,
der Schuster da hat eS euch erzählt.
Ich, der Jan Podleschny aus Mrosen,
hab mich mit der Maria Pruchnow
verlobt, und wer etwas dagegen hat,
braucht cs mir nur zu sagen, er wird
von mir die Antwort in die Zähne
kriegen. Wer aber mit mir auf die
Gesundheit der zukünftigen Podlesch
nun anstoßen will, der soll an diesem
Tische hier mein Gast sein. Frau Ka
lmus, sechs Flaschen Champagner!
Aber bedienen soll wer anders. Meine
Braut wird hier neben mir sitzen und
heute abend nicht anders mehr aus
stehen, als wenn sic Lust hat, Bescheid
zu tun."
Die Krugwirtin wollte schon rufein
„Jawohl, Herr Podleschnh, gleich,
gleich," doch das Wort blieb ihr im
Halse stecken. In die Schentstube war
während der Rede des Jungbauern
ihr Sohn getreten. Erst hatte sie sich
gar nicht nach ihm umgcsche, als sie
ihn aber jetzt anblickte, erschrak sie,
daß ihr das Herz fast stehen blieb.
Mit zerwühlten Haaren stand er da,
das Gesicht totenblaß, nur aus den
Augen kam ihm ein seltsames Leuch
te. Jetzt ging er mit schweren Schrit-
Der Deutsche Korrespondent, Bultiiiwre, Md,, Monto
dem Steuerrade der Maschine zu
schassen. Wie'Zeugenaussagen ergo
den, nahm Hr. Willianison den .Kna
ben bei', Arm nnd zog ihn aus dem
Auto.
Ter Richter erklärte, daß der An
walt vollständig dazu berechtigt ge
wesen sei, und daß Eltern es ihren
Kindern zur Pflicht machen sollten,
die Automobile anderer Leute nicht zu
besteigen, und die Kinder im Weige
rungsfälle bestrafen sollten.
Präsident s ch n f t s - Eandi
dat Reimer.
Heute Abend wird im „Pythian
Teinple." Nr. 1012, 0. Straße, der
sozialistische Präsidentschaft-:- - Eandi
dat Arthur E. Reimer auf feiner
Eampagnetour durch das Land in
einer Massenversammlung sprechen.
Aus dem Inneren Maryland's und
den angrenzenden Staaten.
(hegen den Polizcichef von
(5 u m berlan d.
I. Philip Roma, der Staatsan
walt für Allegany - Eonnty, hat Be
schuldigungen gegen Mitglieder der
Polizei von Enmberland in Ausar
beitung, die heute dem Mayor und
Stadtrath vorgelegt werden sollen.
Ties geschieht auf Empfehlung der
Großgeschworenen, daß Schritte ge
than werden sollen, die Polizisten zu
veranlassen, ihre Pflicht zu thun. Ter
Prediger-Verein, welcher hinter die
ser heikle Angelegenheit steht, sucht
dadurch dem Spiel auf der Renn
bahn in Eiiinberland Einhalt zu ge
bieten. Ter Polizeichef Ralph Voung
ist beschuldigt, sich an einem Platze
in der Stadt ausgehalten zu haben,
woselbst gespielt wurde, ohne die
Spieler zu verhaften, ja nicht einmal
den Fall zur Anzeige gebracht zu
haben. Tie Beschuldigte sind bereit,
dem auf sie gemachten Angriff gegen
überzntreten. Das Publikum ist im
hohen Maße darüber aufgeregt, hat
doch einer der beschuldigten Polizi
sten, Charles W. Gaß, vor mehr als
20 Jahren eine ganze Bande, welche
den Versuch machte, die „Teutsche
Sparbank" zu berauben, ohne Hülfe
in die Flucht geschlagen.
Versammlung der Vetera-
- Anläßlich der ersten Reunion seit
dein Bürgerkriege des zweiten' Ma
ryländer Regiments, Potomac Home
Brigade, der Unions-Armee, welche
in Berkley Springs abgehalten wur
de, ist eine aus 80 Mitgliedern beste
hende Organisation gegründet wor
den.
ZnniEin p s a gder„E r st e n."
Am Dienstag wird in Hagerstowu
eine Versammlung des KriegS-llnter
stütznngsvereins abgehalten wei-de.
flncLk'B
o /X s o
ten hinter die Tombank, richtete sich
auf und fragte: „Wer hat hier Cham
pagner bestellt?" „Ich," sagte der
Jan Podleschny, „und zwar sechs
Flaschen. Aber beeil' dich, Kpugwirt.
spring nach dem Brunnen und hol
sie, sonst laß ich dich den Weg sechs
mcil machen und fang mit einer zu be
stellen au!"
Franz Kalimia stützte sich schwer
mit den Fäusten auf die Tombauk.
„Du, Bauer, sollst so gesund hier
aus der Stube gehen, wie ich den
Weg zum Brunnen gehen werde. Hier
in dieseni Hanse wird von dem Teu
felszeug kein Tropfen mehr getrunken
werden. Und, uni es kurz zu machen:
Für heute ist Feierabend!"
Frau Kalimia sprang auf und
faßte ihren Jungen am Arme.
Aber weshalb denn nur, Franz
cheu, weshalb ? Konzession haben wir
doch bis zwölf llhr nachts, nnd wa
rum sollen wir das Geschäft heute
abend nicht mitnehmen?" In dem
Lärm aber, der sich in der großen
Kruqstube erhoben hatte, ging ihre
Stimme unter. Die Burschen waren
alle aufgesprungen, schriee durchein
ander, und in die vor kurzem noch
feindselig gespaltenen Lager war mit
einem Male Einigkeit gekommen
„Sie ließen sich nicht nach Hause
schicken wie Schuljungen, solange cs
ihnen noch zu triukcu beliebte," uud
etliche forderten die Krugwirtin auf,
ihrem Sohne den Mund zu verbieten,
solange sie selbst in der Wirtschaft
noch etwas zu sagen hätte.
Da sprang drüben am Küchenver
schlag, wo die Bogdans saßen, einer
der Burschen auf den Tisch, schwenkte
die Mütze, zum Zeichen, das er etwas
sprechen wollte, und schrie, als sich
der Lärm ein wenig gelegt hatte, mit
hellschinctternder Stimme. „Aber
laßt ihn doch, ihr Leutchen, er braucht
ja seinen Ebanipagner selber. Tie
rnss'fchen Offiziere drüben in Graie
wo werden heute abend so viel aus
Dieselbe findet zu Ehren der heim
kehrenden Compagnie B des ersten
Maryländer Regiments statt, der
ein Empfang bereitet werden soll;
Großer Erfolg.
Tie- zwischenstaatliche Ausstellung
zu Hagerstowu hat ihren Abschluß
gefunden. ES war die erfolgreichste
Landwirths Ausstellung seit einer
Reihv von Jahren. Tie Eintrittsein
nahinen für die Pier Festtage belau
fen sich auf P 25,000. Das Verwal
tnngSbnreau auf der Ausstellung
wurde in der letzten -Nacht bor Ans
stellnng erbrochen nnd pinige Dol
lars gestohlen. In derselbe Nacht
stahlen Tiebe einen llcberzieber aus
dem Bureau des Herrn Staley. Ter
RockKpurde später gesunden.
Lsi ar h an Lyphusf i eb e r.
I. Hoöpcr Gilos, ein 10 Jahre al
ter Schiilör des. Delaware College,
starb im Union -s Hospital zu Elkton
am Typhus ach 10-tägigem Kran
kenlqgcr.
Wilde Puter fürs London.
George Morris, der Verwalter der
Znchtanstast sür wilde..Thiere von
Henry P. Bridges pon Baltimore,
die sich in der Nähe von Hancock be
findet, hat zwei wilde Truthühner
an den Londoner zoologischen Garten
geschickt. Im nächsten Monat sollen
20 weitere an reiche Sportslente in
England geschickt werden.
T i e „T r o ck e n e n" ä n ß e r st
r ü h r i g.
Ter Kampf über die Prohibitions
srage übertrifft an Interesse den
Kampf um den PrÜsidentcnstahl
nnd alle die anderen Kämpfe um
Aemter, soweit Enmberland in Be
tracht kommt. Tie „Trocknen" haben
jetzt eine Wochenzeitung in Lonaco
ning gegründet, die den Vorzug der
Billigkeit hat, weil sie kostenlos ver
breitet wird. Sie heißt „Tosender"
und der Prinzipat der Ecntral-Hoch
schnle, Arthur F, Smith, ist der Re
dakteur.
Amor that feine Pflicht.
Während der vier Tage Festlichkei
ten in HagerStown hat der Gerichts-
Elcrk. Edward Oswald acht Hei
rathsscheine ausgestellt.
Erlaubniß ertheilt,
Tie ständische Behörde von Frost
burg hat der Chefapcake L Potomac
Telephon - Gesellschaft die Erlaubniß
gegeben, die Telephondrähte, welche
früher an Pfosten angebracht waren,
in einem Theile der Stadt unterir
disch z legen.
Frau Wolford gestorben.
In der Nähe von Hagerstowu
starb die 57-jährige Fra Maria E,
-Wolford,. die Gattin von I Edward
Wolford.
2 y nodal - Confer e n .
Ani 28, Oktober nimmt die bis
znm 28. Oktober dauernde jähr
liche Synodal - Eonferenz der Poto
> mae-Syuodc der rcjormirten Kirche
seine Verlobung anstoßen, daß er
morgen nachliefern muß, denn die
Kaczorka wird keinen Tropfen mehr
im Keller haben!"
In der Krugstubo hob sich brausen
des Gelächter, und die Rothaarige,
die neben derTombank stand, stimmte
ein. Ihr klingendes und Helles La
chen war zwischen den andern Stim
men herauszuhören, wie der Ton des
Triangels in einem Orchester. Da
schwang Franz sich mit einem Satze
über di Tombank, und ehe auch mir
einer der Burschen in der Stube mit
den Augen blinken konnte, hatte er
den frechen Bengel auf dem Tische
mit seinen beiden groben Fäusten ins
Genick und an den Hosenbund gefaßt,
hob ihn auf und trug ihn zu dem
Tische der Popieller 'Bauernsöhne,
dicht neben der Tombauk. Dort
schwenkte er ihn auf einen Stuhl nnd
sagte, scheinbar ganz ruhig: „Hier
bleibst du sitzen, damit ich dich unter
meinen Augen habe. Und sprichst du
auch nur ein einziges Wort, dann
fliegen dir die Zähne den umgekehr
ten Weg, den eben deine Worte ge
nommen haben."
Einen Augenblick lang gab cS
Stillschweigen an allen Tische, dann
aber brach ein Lärm los, den die
.Krugstnbe seit dem Tage ihres Beste
hens nicht erlebt hatte. Die Krngwir
tin rang die Hände und lief in dem
engen Schenkraume auf uud ab wie
eine Henne, die junge Entlein ausge
brütet hatte, und nun zusehen mußte,
das; ihre Jungen in das gefährliche
Wasser, stiegen. „Aber, Frauzcheu, so
erbarm' dich schrie sic ein Mal
über das andre, und, „um Gottes
willen, was ist nur in dich gefahren?"
Ter aber, zu dem sie sprach, hörte sie
nicht. Der lehnte mit dem Rücken ge
gen die Wand eben der Tonibant,
hatte die Arme über der Brus, ver
schränkt und blickte ordentlich verächt
lich ans das Dutzend grUlunochiger
Fünfte, das auj drei .Schritte. Abstand
„ den 16. Oktober 1916.
Ihren Brniidwilndni erlegen.
Fra Alerander Preston verstarb im
St. Josephs Hospital. Coro
er Insley stellte, einen auf Un
fall lautenden Todtenjchcin ans.
Hatte ihre Kleidung bei'm An
zünden eines Gasofens in Flani-'
men gesetzt.
Coroner Insley, der gesiern hcyln
gnest über den Tod der bckanntenGe.
sellschaftSdame Frau Alerander Pre
ston. Nr. 50, West - Biddlestraße, ab
hielt, erklärte, daß der Tod durch Un
fall verursacht worden sei. Verwandte
der Dame sind der Ansicht, daß die
selbe wegen der Kälte einen kleinen
Gasofen in ihrem Bondoiranzündete,
wobei ihre Kleider Fenet fingen. Ein
im Hanse bedienstctes Mädchen hörte
Frau Preston um Hülfe rufen, nno
als sie das Boudoir erreichte, war die
Dame in Flammen gehüllt, eifrig be
müht. ein offenes Fenster zu errei
che. Ehe ihr die brennenden Kleider
vom Körper gerissen werden konnten,
hatte sie bereits schwereßrandwnnden
davongetragen. Tie sofort herbeige
rufenen Aerzte Tr. Tobbin und Tr.
Martin ließen die unglückliche Frau
sofort nach dem St. Josephs - Hospi
tal bringen, doch trotz aller Bemühun
gen der Aerzte, erlag die Patientin
ihren.Brandwunden.
Frau Preston war mit den ersten
Familien Maryland's verwandt. Sie
und ihr Gatte waren entfernte Per
wandte. Hrn. Preston's Mutter, die
noch lebt, war Frl. Achsah Earroll
von der bekannten Familie dieses Na
nienS. Frau Preston's Mutter war
Frau Mary Norris. die Schwester
des Generals Gaithcr von der Mary
land Nationalgarde, und auch eine
Nichte von Frau Nathan R. Gorter.
Frau Preston war eine aüsgezeich
nete Gesellschafterin und auch gele
gentlich literarisch thätig; besonders
freute cs sie, wenn sie durch ein
Spottgedicht den Suffragetten eins
answischen konnte.
in Vork, Pai, nnter Vorsitz von
Pastor Tr. I. Spangler Kiefser
von Hagerstowu ihren Anfang.
Republikanische Massen-
V e r s a in in l n n gi nC n in
b c r I a n d.
Im „Maryland - Theater" zu
Enmberland wird morgen eine repu
blikanische Massenversammlung ab
gehalten werden. Bnndessenator
Warrcn G. Harding von Ohio wird
die Hanptrede halten. Albert A.
Tonb wird den Vorsitz führen und
Tr. Joseph I. France und Frcderick
N. lichlniaii, Bewerber um Senats
nnd Eongreßsitze, werden ebenfalls
Ansprachen ballen.
Kie-> Liese- s
c/sL f.ciettckr'B
o b o
sich vor seinem Gesicht reckte. Und
als der Lärm ihm zu laut wurde, er
hob er seine Stimme; diesmal aber so
laut, daß eine ganze Brigade nach sei
nem Zuruf Hütte aufhorchen müssen.
„Feieraben ist es, hab ich schon
einmal geboten und sag es jetzt zum
zweiten und letzten Mal. Ich werde
jetzt ganz langsam bis drei zählen,
und wer auf drei nicht hier aus die
ser Stube herausgegangen ist, der
hat morgen früh eine Klage wegen
Hausfriedensbruch ani Hals. Jetzt
fang ich an zu zählen. Eins
zwei.,.."
In der Krugstubo war es ganz
still geworden. Hausfriedensbruch
war eine gefährliche Sache und brachte
zum mindesten vierzehn Tags im
„Roten Haufe" ein. Wo er anfing,
wußte eigentlich niemand zu sagen,
außer dem Richter, der darüber zu
befinden hatte, aber eine alte Ueber
lieferung gebot es, die verhängnis
volle Zahl Drei nicht erst abzuwar
ten, sondern früher aus der Stube zu
gehen. Die Taglöhner und der
Schuster Augustin, die dem Ausgange
zunächst saßen, standen schon in dem
offenen Türrahmen, auch von den
Besitzerssöhnen hatte bereits der eine
und andere die halbe Kehrtwendung
gemacht, da erhob sich der Thomaz
Bogdan, der so lange geschwiegen
hatte, von seinem Platze. Er schob
mit seiner breiten Hand die zunächst
stehenden Burschen auf die Seite, da
mit er für seine Worte freie Bahn
hatte, und fragte ganz ruhig und
langsam: „Franz Knlinna, wer gibt
dir das Recht, hier Feierabend anzu
kündigen und von Hausfriedensbruch
zu rede, solange die Gäste deiner
Mutter ruhig sind?" Und als der an
dere schwieg, fuhr er fort: „Wer hier
zu lärme angefangen hat, warst du,
den' der Jan Podleschnn hat seine
Beslellnng ganz ruhig gemacht."
„So, ganz ruhig?'/ rief der Franz
jetzt zurück. ..Vielleicht hast du aus
Radikalheillliig der Nervenschwäche.
Schwache, nervöse Personen, geplagt vonHofsnnngslosigkeit und
schlechten Träumen, erschöpfende Ausilüssc. Brusi-, Nacken- und
Kopfschmerzen, Haarausfall, Abnahme des Gehörs und der Sehkraft,
Katarrh, Magendrücken, Stuhlverstopsung, Müdigkeit, Erröthen,
Zittern, Herzklopfen, Brustbeklemmung. Aengstlichkeit und Trübsinn
erfahren aus dem „Jugendfreund", wie alle Folgen jugendlicher Ver
irrungen gründlich in kürzester Zcit nnd Strikturen, Samenflnsp
PhimosiS, Krampfader- und Wasscrbruch nach einer völlig ueueu Me
thode ans einen Schlag geheilt werden.
Dieses Inlerelianie und ievrreime Buch ciieuelle Ausiae). weiche von June und
UN. Mau und gen Ndlesen werde soll'c, wird gegen Linlendiing von rs iLenl >1!
Wriesmarlen versandt von der
Teutschen Privat-Klinik, 137 East 27. Str., Ncw-Aork, N.-A.
Win erwähne de „Hallimore voreeawndeui*.
Gedachten der Todten.
Eine erhebende Feier fand gesiern
Nachmittag in dem Erinnernngshain
des „Israelitischen Hospitals für
Schwindsüchtige" in Mount Pleasant
an der Reislcrstow Road statt. Zum
Andenken der in dem verflossenen
Jahr verstorbenen Patienten der An
stalt wurden je ein Baum ange
pflanzt, der de Namen des Todten
mit einer entsprechenden Widmung
trägt. Rabbiner Tr. Lazaron leitete
die Feier mit einem (liebet ein und
schloß dieselbe mit dem Kiddasch nnd
Gebet. Rabbiner Tr. Win. Rosenau
gedachte der Verstorbenen in einer
Ansprache, nnd Herr Julius LePY,
der Präsident des Hospitals, wies
auf die geleistete Arbeit des Instituts
hin. Ter städtische Forstmeister, Hr.
R. B. Manuell, sprach über den
Nutze der Anpflanzungen nnd pries
den glücklichen Gedanken des Insti
tuts, Bäume zur Erinnerung der
Verstorbene anzupflanzen, wodurch
einem doppelten Zweck gedient ist.
Frl. Jeanette M. Goldberg ans Phi
ladelphia wies in einer Ansprache
auf den Nutzen der Frauen in der
Krankenpslege hin und ersuchte, daß
sich recht viele Frauen in den guten
Dienst der Krankenpflege stellen mö
gen. ' >
Bis jetzt sind über 100 Bäume an
gepflanzt worden, nnd macht der
Hain einen sehr hübschen Eindruck.
Ter musikalische Theil der Feier
wurde von Cantor George Castelle
geleitet.
Sorgte 20 Jahre für seine Ex-
Schwieger, tter.
Il.'achdcm B. W. Bramble während
der letzte 20 Jahre für den Unter
halt seiner früheren Schwiegermütter
gesargt hatte, glaubt er, das; er seine
Pflicht gethan und es endlich ei MM
air der Zeit sei, daß ihr Sohn, John
W. Whitlock, ihn in dieser Verant
wortung ablösen solle. Er wändte
sich an Richter Ranft in der südlichen
Polizeistation, der Whitlock eine
Porladnng zusandte. Whitlock er
schien vor Gericht und erklärte, daß
deinen Ohren gesessen, als er mir
sagte, ich sollte mich sputen, sonst wür
de er mich den Weg zuni Brunnen
sechsmal machen lassen?"
Aus den Reihen der Burschen kam
ein feindseliges Lachen, aber der
Thomaz Bogdan hob nur zum Zei
chen des Schweigens die Hand.
„Ruhe, sag' ich, wenn ich spreche.
Uud dir, Franz Kalimia, sag' ich:
wenn es dir nicht Paßt, als Krugwirt
von deinen Gästen gehänselt zu wer
den, mußt du dir ein anderes Ge
schäft aussuchen, ein Geschäft, bei dem
du keinen Schnaps und keinen Cham
pagner zu verkaufen brauchst."
„Deine Ratschläge kannst du für
dich behalten," rief der Franz dazwi
schen, „ich weiß von allein, was ich
zu tun habe!"
Jetzt wurde der Thomaz Bogdan
lebhafter. So lange hatte er hinter
seinem Tische gestanden, jetzt aber hob
er die langen Beine, stieg hinüber
und trat in die vorderste Reihe der
gegen die Tombank drängenden Bur
scheu.
„Ah nein, mein Jungchen, das
weißt du nicht, und wenn du auch von
Berlin und der Garde koinuist. wix,
hier im Hause, wissen auch olme dich,,
was Gesetz und Verordnung ist. Also
frage ich dich jetzt: bist du schon hier
Herr im Hause und Besitzer? Wenn
du uns die Auflassiiiigsurkiiiide zei
gen kannst, in der deine Mutt- r dir
den/trug übergibt, da hast du recht
und wir werden dir gehorche! 'Und
als der andere darauf nichts zu ant
worten wußte, erhob er höhnisch seine
Stimme: „Also, dann rasch, lauf in
die Stadt, vielleicht siiid'si d das
Gericht noch offen, damit dir der
Schreiver die Urkunde anisetzcn kann.
Wir aber werden inzwischen anfangen,
hier Ehamvagnrr zu trinke, und da
mit es ein Weg ist nach dem Brunnen,
ich bestell' auch fechs Wascke. Frau
.Kasinna!"
Die Burschen im Kreise schriee;', vor
eS ihm unmöglich sei, für seine 82
Jahre alte Mutter zu sorgen. Er
verdiene als Taglöhncr nur P 2 tag
lich. Whitlock ist 50 Jahre alt und
ledig. Eine Untersuchung des Fal
les wird eingeleitet, j
Bramble sagte aus, daß er die
Tochter der Fra Whitlock vor 20
Jahre geheirathet und daß seine
Schwiegermutter sein Heim getheilt
habe. Seine erste Frau starb vor 18
Jahren, trotzdem hat er weiter für
seine Schwiegermutter gesorgt. Ge
genwärtig ist seine zweite Frau
trank, erklärte er, sodaß er der be
tagten Fra nicht die nöthige Ans
inerksainkeit widmen kann.
Z eitgcin ä ß. „Herr Lieute
nant, der Nachtflug scheint Ihnen
nicht bekommen zu sein. Sie niesen
ja fortwährend." „Anjesteckt war
den, gnädigste, bin dauernd ln
Sternschnuppen jerathen."
II n terw c g S.—„lch bi wirk
lich neugierig, wenn wir dereinst in
Paris einrücken werden, wie es dort
anssielzt. Warst Du schon mal in
Paris?" „Nein, noch nie." --
...Mensch, dann kennst Tn es nicht
wieder!"
Richtige Antwo r t. „Ta
gen Sie nur. Herr Aintsgerichtörath,
man hört doch jetzt so unglaublich
viel von unglücklichen Ehen. Wa6
mag wohl die Ursache derselbe
sein ?" „Na, ganz entschieden das
Heirathen, gnädige Frau!"
Bei Erkältuuaen
relb men U.,L Brust, euch di Fußsohlen mlli
Dr. Richter S
iA!i-cxpci.i.k
tin. Wirkt sofort lindernd und vorbeugend.
Rur echt mit der Anker Schutzmarke.
K. Uttd dve, in Apotheken und ditnkl von
F. Ad. Uichtev L Vo.
>-hiU Washington Street, sUem
lNovr.TLL—i <g)
Üb-iinente, dir de „DeiUlchen vorrelp.
denlen" ich! pünktlich der unrenelinäfti er
palte, sind nebele, der cillce dabo per Tele
pbo odrr schriftlich Mitthetlnnn u mache.
Nergnügen über die Abfertigung des
frechen Gardisten, trampelten auf
den Boden und riesen „kß. kß", als
wenn sie zwei bissige Köter aufeinan
der Hetzen wollten. Franz Kaliiuia
aber war mit einem Schlage ganz
ruhig geworden, wie damals,, als in
der Stallschreibergasse in Berlin seine
Angreifer die Messer zogen. Cr
wandte sich halb nach der Tombank
zurück.
„Mutter, der Bogdan hat reckt, ich
hab' nach dem Gesetz hier noch nichts
zu sagen. Also biet' du ihnen Feier
abend und sag, sie sollen rulüg nach
Hause gehen!" Und al: sie nichts
oarauf erwiderte, fuhr ec cindring
sicher fort: „Mutter, in den Stunden,
wo ich allein da oben in meiner Kam
mer saß, hab' ich mir'S überlegt, diese
Wirtschaft hier muß aufhören. Wir
haben es nicht nötig, daran Geld zu
verdienen, wenn sich einer von diesen
Bauern hier mit unserer Schenkniani
soll verlobt. Also ich bitte dich noch
einmal, sag Feierabend an, damit die
Stube hier leer wird, und ich null
all diese Jungens i Frieden abziehen
lasse, obwohl sie eigentlich ieder ein
zeln für ihre Frechheiten ei" Tracht
Prügel verdienen!"
Jetzt fand die.Krugwinin. der d.-n
Schreck über den Ansrnhr den Älen
benommen hatte, endlich die Suruche
wieder. Aber sie faßte es verkehrt a.
Statt ihrem Jungen gut zuzureden
und die andern mit einem Macküuo.t
nach Hanse zu schicken, fing sie -m zu
schelte.
(Fortsetzung folgt >
Ter größte Gezeiteiinnterschies
wurde in der Bai von Fund zwischen
Renschottlnnd und Renhrnnnschwei.
beobachtet. Tie Flut steigt doick bi-:
weile,' bis zur Höhe von 70 Fuß nu.
und die Zunahme beträgt manchmal,
d. h. bei der sog. Springflut, in j.c
fünf Minuten eiMi Fuß..

xml | txt