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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, November 18, 1916, Image 6

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6
Loknl-Bcrichte ans Washington.
Luftschisi -St a t i 01, an der
K ü st e.
Trotzdem Offiziere des Knsteimcr
tbejdigl'.ngs-DiensteS die Errichtung
wer erste Knstenmache-Lilftill is'-Sta
tioii an einem Platz in Hamptoii
Noads befürworten', scheinen die
Preise der verfügbaren Plätze io bow
-.1 sein, dust wahrscheinlich die Sta
tion ivo anderes errichtet wird. Die
Station soll als Mittelpunkt eines
ausgedehnte Lustschisfostin: der Kü
stenwache dienen. Die Beamten zie
hen für die Errichtung derselben
Hamplon RoadS vor, doch sollen die
Laiidprcist geradezu nnriichwinglib
sein.
B l u m e n -A >l s st cf l n „ g.
Tie Firma Gn)e Bros., Nr. (2l I,
F Straße, N.-W.. ball ihre jährliche
Bliimen-AiiSstellnng in ibre Ge
schäjtsrälnnen ab. Tausende von
Chrysanthemen, von den grössten bis
zu den Exemplaren sür's Knopswch!
begrüßen den Besah r gleich beim
Eintritt in das Geschäft. „American
Bcaiitn" Rosen nehme ebenfalls ei
nen prominenten Platz in der Aus
stcllnng ein. Ein Korv mit wnnücr
baren Rosen nt einem Goldrabmen
im Vordergrund verleiht das Am se
hen eines Oelgemäldes. Das Ge
zwiischer von Kanarienvögel, welche j
zwischen den Blumen niidFarrenkrän
iern verborgen sind, wirkt überaus
reizend.
Langsinger thätig.
Frank Hall, von Lavitol Heiglits.
Md.. benachrichGste die Polizei dcS
->. Bezirkes, das; Um, eine Brieftasche
mit §BO Inhalt anS seinem Kleider
schrank in Nr. ?„70, Pcnnjylvaiiic'.-
Aveiuic, N.-W., gestohkei. wurde.
Ein Toiireii-A "wobst, wcarke Ca
dillac, das Eiq.'nthum von Edward
Hahn. Nr. 1817, Kalorana Roao.
wurde von Dieben vor dem Hause
de-S Herrn Hahn weggenommen.
Frau Ella I. Killian, von Nr. 60 l.
D-Straste, N.-W. hctstchtete der Poli
zei, daß ihr ein Kinderwagen ans der
Vorhalle ihrer Wohnung abhanden
gekonüneil sei
S ch weizer ?' aticnalfc st.
Ueber >7OO Milglieder der Schwei
zer-Kolonie in Washington begingen
am Donnerstag Abend die 008. Jah
resfeier der Schweizer Unabbängig
teitS-Erilärnng durch einen Ball,
welcher in dem alte Freimanrcr-
Tempcl.abgehalten wurde. Bis spät
nach Mitternacht wurde getanzt, und
herrschte eine überaus fröhliche 11:10
gemüthliche Stimmung. Nachher
winde ein Souper servirt. Das Cv
mite. welches so erfolgreich die Ar
rongements für diese Patriotische
Feier getroffen hatte, bestand aus
den folgenden Periorien: E. Fugli
ster. Vorsitzer; Frl. E. Borechin. Sc
kletärin; I. Egnosi, Schatzmeister;
Nomkln
(9. Fortsetzung.)
Da hotte gerade Moriechen ge
klopft. Und statt einer regelrechten
Stnnde war eS ein inhaltloses Mäd
chengeplauder geworden. Im Haus
flur mußte noch ein langer Schwatz
sei, er konnte cs sich denken: Plan
tage. Kleider, Göttinger Studenten.
Oberflächliches Mädchentum! -Kein
anderes Interesse als das eng häus
liche später mal. Dazu nahm auch
die Superintendententochter den An
lauf. Nein, er erzog sich seine Emma
beizeiten.
Sie kam zurück, so hübsch in dem
schwarzgrauen Kleide, das daS M
trauern anzeigte, und sagte, wie nach
Geräuschen horchend, den Kops ein
wenig zurückgebogen: „Nun hören
wir wohl aus, Martinchen?"
„Ja, Emmchen!" Auch sie hatte
daS Feingefühl noch nicht, daS ihn
erriet. Er betonte die Vcrkleüie
rungssilbe, und dann fragte er: „Wie
bist du denn auf Emmcline verfal
len?"
Eine Sekunde lang stand ihr Herz
still, und sie atmete kaum. Konnte
eS nicht. Da lachte er.
„In Kresse steht daS ja an der hin
leren Mauer, links vom Pavillon."
Sic lachte auch, erleichtert.
„Wie du alles rauskriegst."
Ihr Just hatte das heimlich gesät
an dem Tage, als sic einander zuerst
im Pavillon geküßt hatten. Ihr Va
ter ging fast gar nicht in den Garten.
Wie dann der Name schön aufging,
hatte sie erschreckt gesagt: „Wenn das
wer sieht!"
Da meinte Just: „Die Erde hat ja
behalte, was noch dazu gehört: Mein
Allerliebstes auf der Welt."
Sie hatte die Regung, das; Martin
unbequem sein könnte, noch nie ge
habt. Jetzt freute sie sich, als er auf
stand. Er guckte verliebt nach ihr
hinüber Sie sah zu hübsch aS!
Der weihe Hals. üb den, sich kleine,
eigensinnige Goldlöckcheu im Nacken
V. P. Rickenba.k'. A. Tamagni. F.
E- Luethi, G,.,W Kxeiü, I. Florin,
F. Gisler, I Brüggcr. T. Picard,
E Sychrorvskv, A, Sandoz, P. H.
Heitz, Ed. Schmid, Frau Schmidt,
Frau Cbeyney, Fra E. Fnglister.
Fra A. Speist, Frl. F. Gntmaii, Frl.
S. Suter und Frl. Pantine Haler.
Tcsta in e n t s v o l l st r eck n n g. l
I stiiicni Testament, welches im,
Probations-Gcricht eingereicht wurde,
vermachte der an; 11. September in i
Lang Brauch, N.-1., verstorbene Sa
muel Emcry PlO,OOO an Anna Barn
bart von Nr. 1313, Ost-Eapitol-Str.,
und §25,00 an Elizabeth Biirronghs
von Nr. 708, Ost-Capitol-Str. laS.
A. Emery ans Ehevy Chase erhielt
ans dem Nachlast, welcher auf §2,7,-
000 persönliches Eigenthum und
§lO,OOO GrnndeigcnthlM! geschätzt
wird, die Siiiniilc von §2,700. Ein
früheres Dienstmädchen, Annst Car
berry, erhielt ebenfalls §25,00 für die
treuen Dienste, die sie der Familie
geleistet hat.
Der Hehlerei beschuldigt.
Benjamin Klein wurde von Rich
ter Mnilvwiiy in der Polizeistatian
unter der Beschuldigung, gestohlenes
Eigenthum empfangen zu haben, für
die Entscheidung der Grostgeschwore-!
ne unter eine Bürgschaft von §5,00
gestellt. Klein, welcher bis vor Kur
zei ein Grocery.Geschäft sührte, soll
angeblich Waaren - im Werthe von
§302 gekauft haben, die von einem
Fuhrlenker der Firma James A.Hcad
L Co. gestohlen waten.' Ter HülsS-
DistriktSanwält GwenS erklärte dem
Gericht, daß Klein den Betrag an I.
Hcad zurückerstattet habe. Da
man jedoch vermuthet, daß noch drei
andere Personen in der Sache ver
wickelt seien, wurde die gerichtliche
Verfolgung fortgesetzt.
Mutter und Tochter ver
brannt.
Nr. 2629, Ost-Eager-Str., bat ihre
Mutter um Erlaubniß, das Frühstück
für die Familie herstelle zu dürfe.
Als das Kind das Gas anzünden
wollte, geriethcii dessen Kleider in
Brand, und daS, ,Pnd sowohl wie die
zur Hülfe herbeieilende Mutter erlit
ten Brandwunden und mnstten nach
dem St. Josephs-Hospital gebracht
werde. Die Mütter-war !m Stande,
nach ihrer Wohtnmg zurückzukehren,
doch wird daS Befinden des Kindes
als sehr ernsthaft angesehen.
Aus dcm Juneren Marykand'S und
den angrenzenden Staaten.
Waldbr ä li d e bei Elimber
l a n d.
Jacob E. Turner, der HülsS-lagd
anssther dcS Staates, mußte eine
große Anzahl Leute zu Hülfe rufen,
um ein Feuer in den GehirgSsorsicn
unweit Eiiml'erland zii. löschen. Das
Fener scheint am heftigsten ans dem
Wills Berge z wüthen. Die Eonnty-
kräuselten! Das winzige, woblge
formte Ohr! Wer in ganz Corberg
nur seinen Bruder nicht einge
schlossen, der ei SchönheitSsein
fchmccker war hätte dafür Auge
und Gefühl? Die' liebliche Rundung
der Schulter. Keiner verdiente sie,
den er kannte Er aber wollte sie
hegen und pflegen! Wenn er die
süße Blume erst einpflanzte! Sein
hübsches Gütchen, das jetzt noch der
Medizinalrat unter der Obhut eines
Verwalters in Aufsicht hatte, sein
grosses, mütterliches Erbe, von deni
sein Stiefbruder immer sagte: „Mar
tinchen, was willst dn Bücherwurm
einmal damit anfangen?" Er Wichte
es doch. Sie sollte das alles als
Morgengabe haben sie, die dastand,
noch unbewusst und unschuldig, wie
die Blume auf dem Felde. Eile hatte
das ja alles '.nicht. Keiner nahm sie
ihm hier weg aus den durch des Va
ters Unachtsamkeit immer schlechter
werdenden Verhältnissen. So konnte
er seine wachsende Liebe recht !n der
Stille, in der freudigsten Erwartung
ailskosten. Er hätte ihr um eine
ganze Welt nicht gesagt, wie reizend
sie war und wie hübsch er sie fand.
Geschmacklose Frauenjäger taten daS.
Bon solchen Fadheiten konnte er nicht
mal seinen verwitweten, gereiften
Bruder freisprechen.
Nein, seine graste Liebe trug er
schon verborgen. Und die Gegennei
gnng des geliebten Mädchens sollte
sich entfalten wie ein holdes Blüm
chen, daS im Verborgenen blüht. So
poetisch war daS.
Er fuhr mit dem. Finger über daS
Hvchzeitsgcdicht ihrer Eltern, als
habe er dort etwas Staub entdeckt.
„O du I" rief. sie. „Ich wische ja
alle Morgen selber ab!"
„Ja," meinte er, „das tust du
wohl! Ich dachte nur ,dast deins auch
mal so da hangt."
Da wurde sie rot, und dann ging
l er. Sie vergast, was man höflich in
Dcr Deutsche Korrespondent, Baltimore, Md., Samstag, den 18. November 1916.
Heilanstalt für Schwindsüchtige war
für einige Zeit in geäster Gefahr, ein
Raub der Flammen zu werde, doch
gelang es ach harter Arbeit, die
Flammen von de Gebäuden abzu
lenken. Vis soweit wurde bereits ei
grostcr Schade in den Forsten ange
richtet.
Vermächtnis; für eine
K i r ch e.
Ein früherer Marylander, Walter
Hughes, der in Ealisornien starb,
binterließ der bischöflichen St. lohnS-
Kii'che in Hagcrstüwn ein Legat von
§12,6.72.62. Herr Hughes, sowohl
wie seine Mutter, Frau Laura
Hughes, waren Mitglieder der St.
lobii's Kirche.
M a fern- E P i d c in i e i n W a s h
i gton -E0 n n t >l.
Tic Maseru-Epidemie in Washing
ton-Eoiuity,'der bereits mehrere Kin
der zum Opfer gefalle sind, breitet
sich, trotz aller Gegenmastregeln, wei
ter anS. Es wurden 76 neue Fälle
in 2 Tagen der Gesnndhcits Behörde
des Eonnty's gemeldet. Verschiedene
Schulen mußten wegen der Epidemie
ihre Thüren schließen.
V i c l c E i n b r ü ch e inHager S
t 0 iv n.
In drei ans einander folgenden
Nächten wurden in Hagcrstown 27
Einbrnchsdstbstäble ausgeführt. Die
Polizei scheint völlig rathlos dazuste
hen und die Einwohner in den von
de Dieben beinigcsnchte Distrikt ha
ben sich bewaffnet, um ihre Heime zu
schützen. Tie Polizei glaubt, das;
eine Frau oder ein Mann, der Frau
enschuhe trägt, die Diebstähle verübt
hat. ES wird auch angenommen, das;
Knaben unter der Leitung von Män
nern an den Diebstählen betheiligt l
sind.
Das icxiknnischc Problem und seine
praktische Lösung.
In den Tagen der Regierung des
! Porsorio Tiaz, eines Mannes von
l Energie, eines Mannes von Gerech
tigkeit, eines Mannes von iinüber
reichten Intelligenz und eines Man
nes eisernen Willens und starker
Hand, herrschte in Mexiko Frieden
und Reichthum.
In den Städten und dem direkt an
den vorzüglichen Eisenbahn-Systemen
gelegenen Land wurde die Civilisation
durch die praltische und verständige
Anwendung eines guten Eivilgesetzes
gefördert; dieser Theil Mexiko's ist
auch heute noch friedlich nd von Ne
vokiltion fast imberührt, und wo ver
einzelte" Schlachte stattfanden, hals
das bürgerliche Zusammenarbeiten
bald die Spuren des Krieges zu ver
wischen.
Der grösste Theil Mexiko's, der
reich ist an Mineralien nd Bauhöl
zern, ist bewohnt von nngeschulten,
ungebildeten Leuten und ist von der
modernen Welt fast unberührt, mit
SoldrlLenblut
Corberg zu sagen Pflegte: „Komm
bald wieder!" So schob er ein:
„Morgen fahren wir fort."
Biitun, bimm! Die Haustürglocke
läutete ihn hinaus. Aus der Strahc
verklang sein Schritt. Sie hatte die
feinen, kleinen Fenstergardinen jetzt
immer zugezogen, damit die teilte
nicht neugierig hercinsehen konnien.
Und das war sehr gut, augenblicklich,
denn wenige Minuten später trat ei
ner über die Schwelle, der die Arme
ausbreitete, in die sic flog.
Dann ihr Staunen und Fragen,
das; und warum er da.
„Ja, Kind!" Und unter Küssen cp
zählte er ihr. Und sie horchte und
lachte. „Nun gilt dein Just von
Weddern für einen abgewiesenen
Liebhaber! Das muht du tragen!"
„Wer kann denn wissen, das; du
schon eine Braut hast?" sagte sie mit
kichernden Tönen.
Sic gebrauchte das Wort zum er
stenmal. Er hatte es nie ausgespro
chen unter den hnndekt Kosenamen,
die er für sie fand. Mancher erin
nerte ihn dein; Aussprcchen freilich an
irgendein anderes Köpfchen, an eine
andere Gestalt, die blitzschnell wie
ans einer Nebclwolkc auftauchte und
wieder schwand. An Doinpl
wie Ludolf Barenhoff solche Gescheh
nisse nannte.
Emmeline streckte die Hand qus
nd traf die Stelle mit dein Finger,
die vorhin Martin Neuster berührt
hatte.
„Einmal lesen sic das ja auch von
uns!"
Da stand er mm, und sie hatte das
Köpfchen au seine Schulter gelehnt,
und ihr Finger glitt über den
Schwarzdruck auf dem schueewcihen
Atlasgrmtde, Zeile um Zeile muhte
er folgen, willenlos, gedankenlos, be
engt plötzlich. Schon kam der fünfte
BerS heran:
Du, Teure, Host den schönsten Preis er
rungen,
Ausnahme von den dort gelegenen,
voll Amerikanern oder Europäern be
triebenen Bergwerken und Sägemüh
len, und den Missionären und Pasto
ren der römisch-katholischen Kirche.
Welche hervorragende Nolle die
Letzteren in der Civilisation der Welt
lind der Mvdernisirniig von Heiden
ländern gespielt haben, ist allgemein
Für ihre- selbstlose, selbst
verlengncnde harte Arbeit (wie dies
geiMhistich der Fall ist mit irgend
eiizenr oder irgend etwas, was Gutes
thut), wird es der römisch-katholi
schen Kirche gerechter Weise vorge
wgrfen,, dgstZes ihre Schuld sei, daß
Nswolissivn'in Mexiko herrsche.
i.j Der Schreiber dieses Artikels ist i
nicht katholisch, ins; aber, die Wahr
chstt elixen-d, nd gedrängt durch ein
herzliches Verlangen, Frieden in
Mexiko zu sehen, folgendes Geständ
nis; machen; und dieses ist ans eine elf
Jahre, lange Ansässigkeit in Mexiko
nd ein genaues- Studium der Lage,
aufgebaut:
„Tic römisch katholische Kirche ist
die einzige Organisation, die ohne
Krieg in Mexiko Frieden herstellen
kann!"
AnS diesem Grunde ist eine unbe
grenzte sinanzielle und moralische Un
terstützung der Kirche und staatliche
Anerkennung der von de Priestern
geleistete Arbeit, um den Friede
herzustellen, durchaus nothwendig.
Warum hat Porfvrio Tiaz, ein
Freimaurer im 33. Grad und Nicht
Katholik, alles was möglich war, für
den Ban von katholischen Kirchen ge
than? Warum gab er denselben,
wenn möglich, mehr Recht und Frei
heit als allen anderen Organisatio
nen? Nr weil die Kirche diese Frei
heit niemals mißbrauchte nd weil sie
immer der Segen des Landes war.
Warn, ist aineril'anischcs „Big
Busines;" heute so daraiis versessen,
der katholische Kirche ein blaue?
Auge zu geben? Warum findet cs so
großes Vergnügen in de unbegrün
dete Lügen nd ungerechten Ankla
gen gegen die katholische Kirche? Tie
Antwort ist ganz einfach. „Big
Busineß" erkannte die Gefahr, die da
rin bestand, das; die Ausbildung, wel
che die Mexikaner durch Religion und
Schulung erbielten, das; es dadurch
für „Big Busineß" schwieriger wer
ben mußte, dem ungebildeten Volk
die Reichthümer des Landes an Mine
ralien für wenig mehr als nichts oder
"gewissenloser Art und Weise ab,;
locken. Mit der Erkenntniß des Wer
theS ihres Landes würden die Mexi
kaner durch Big Busineß" zu lenken
sein.
Es ist die einzige,Rettung für diese
gewissenlosen Geschäftsleute, die Kir
che in Mexiko auszurotten, und man
braucht sich nnr die Lcntchen anzuse
hen; die sich dafür hergeben: Villa,
De mir ein reiner Wandel baut:
Hast dir den Myrtenkranz ums Haupt ge
schlungen,
Drr deinen Freund und dich erfreut!"
Da nahm er ihre weisende rechte
Hand i seine. „Mus; ich das alles
lese,;, die sechs Verse, die noch kom
men? Nein, Kind, küsse mich lieber."
Sie lies; ihm die Lippen nicht.
„Es ist aber doch wundervoll!"
„Gewiß!" Ein schwerer Atem.
Dan zog er sic ans das Sofa. „Sitz
da mal und hör mich an. Wir müs
sen ernst, sehr ernst miteinander re
den. Emmeline. Es soll wohl sein,
cs muhte sein, daß solche Stunde
kam."
Sie rih die Augen weit und stau
nend ans: Ernst? Der war ihnen
bisher freilich sehr fern geblieben.
Den sah sie nur auf dem schmalen,
gelblich blassen Gesicht von Martin. ,
„Du kannst so" ihr fehlte daS
Wort „sein. Inst? Wozu? Wa
rum? Wir wollen lachen."
Es schien ihm eng in seiner Uni
form. „Die Blumen riechen stark,"
meinte er, und sein Blick irrte nach
der Mitte des Tisches.
Ach, die gingen ihm nicht ans die
Nerven. Es war, als habe was zu
ihn: gesprochen auD den Gelegenheits-
Versen, die die Scnntorhochzeit feier
ten. Nein, die roteil Lippen
Er nahm ihre beiden Hände. „So,
guck mich an mit deine; schönen, lie
ben Augen. Emmeline, du! Blond
chen! Komtesse Katlenstein reist mor
gen ab. Die Post geht schon um sechs
Uhr. Dann träumst du noch von
mir." Er sprach das alles durchein
ander, nach einem Ausweg suchend.
„Tn bist meine Emmeline und ich
deiy Just! Ja, sich! Aber, was d
vorhin sagtest, Kind als Braut
haar dürfen wir uns nicht betrach
ten."
Sie machte nur eine ganz kleine
Bewegung des Widerstandes.
„Wir sind es doch aber."
Carranza, Obregon, Zapata n. s. w.,
alles Vögel vom selben Gefieder.
„Big Busineß" hat nur einer Rcvo
lntion Unterstützung verweigert, nd
das war 'diejenige, die von Felix Tiaz
geführt wurde. Felix Tiaz steht heute
an her Spitze der Partei, die für ein
halbes Jahrhundert Ordnung und
Wohlhaben in Mexiko erhielt. Unter
der Regierung dieser Partei nnii-de
Mexiko ein reiches Land; das Schul-
Lystem war vorzüglich und nach deut
schen, Mnsler gebildet.
Durch die Ausfuhr von Gewehren
und Patronen nach Mexiko, durch die
Lieferung von Whiskey, hat Amerika
alles Mögliche gethan, spanischen Hast
nd Kampfeslust anzufachen; und
jetzt (welcher Witz!) wollen sie auf di
plomatischem Wege Frieden herstel
len!
Durch die Wiedcrerwählnng des
Präsidenten Wilson zeigen die Vcr.
Staaten imwiderleghar. daß sic kei
nen Krieg wollen. Es bleibt aber die
Pflicht der Regierung dieses Landes, I
Frieden in Mexiko herzustellen; nicht I
nur ns gegenüber, sondern der gan
zen Welt.
Wie kann dies gethan werden?
Ganz einfach! Indem man an Stelle
von Kugeln und Geschützen Missio
näre nach Mexiko schickt und dem
Lande finanzielle Unterstützung ange
deihen läßt. Tan würde bald ein
neuer Tag in Mexiko anbrechen. Na
türlich insteine solche Expedition bis
in'S Kleinste vorbereitet sein, und
sollte bie Kirche und der Staat-da ein
mal Seite an Seite vorgehen.
Diese Lösung ist praktisch und kann
nnr als unpraktisch von denen erklärt
werden, die die Lage nicht kennen
oder sich im Netze des „Big Busineß"
befinden.
Nach 0 Jahren von Revolution
oder viclmebr Revolutionen sollten
die Vereinigten Staaten doch endlich
ibre wabre Welkpslicht erkennen und
lieber ei paar Dollars verlier', um
Frieden in Mexiko zu habe, anstatt
durch Lieferung von Blei und Kugeln
einige Dollars zu gewinnen. In
Mexiko babe wir einen Fall vor uns,
>vo das alte Tprüchwort Anwendung
findet: Geben ist seliger denn nch
men. Tr. W. v. W.
Das Lottcriespiel im Kriege.
Auch in der Kriegszeit wird Lotte
rie gespielt, iiiid auch die StaatS-Lot
lerie machen keine Paust. DaS be
weist der Hansbalt der Preußischen
Lottcrie-Pcrwaltnng, der etwa 200
Millionen Ntark Einnahmen nnifastt
und den hübschen lleberschns; von 13
Millionen Mark bringt. Die Renten
für die süddeutschen Staate, die an
der Preußisch-süddeutschen Klassen-
Lotterst bethciligt sind, sind in Höbe
vonnahez 7 Millionen Mark dabei
schon in Abzug gebracht worden. Wie
umfangreich der Betrieb dieser
Er zog eine Hand nach der andern
an seine trockenen Lippen.
„Wir haben unser sühes Geheim
nis!"
Sie nickte. „Wir haben un.S un
bändig lieb!" Nun strahlte sie.
„Aber, Emmeline, weder jetzt noch
in absehbarer Zeit kann ich zu deinem
Vater gehen und ihm sagen ja,
das sagen, was uns dann berechtigte,
uns ein Brautpaar zu nennen." '
„So?" Sic suchte nachzudenken,
und sic konnte cs nicht.
Er war da mit seiner lieben, war
men Nähe, der schönste Mann, den sie
in ihrem jungen Leben gesehen. Und
er sagte immer, das; er ihr gehöre, ihr
ganz allein. Es glühte in und an
ihr, auch die Ohren waren so Heist,
die kleinen Läppchen, in denen sie
langhängende schwarze Ohrringe
trug, die das Weis; ihrer Haut hoben.
Eine schauderhaste Onyximitation
war's für lusts Verständnis. Aber
an dem lieblichen Ding fand er nichts,
was sie verunstalten konnte, und nie
hatte er für sie ein tadelndes Wort.
„Dann warten wir eben!"
Ein schwerer Seufzer. „Kind, eS
gibt gar keine absehbare Zeit. Ich
sehe kein Ziel."
„Pastor FrickenS haben acht Jahre
aufeinander gewartet. Kein Mensch
hat was davon gewustt. Und Ober
förster Trudcinanns sind dreizehn
Jahre ganz öffentlich miteinondiw
verlobt gewesen!" Sie fand diesen
Ausweg grostartig.
„Es braucht's kein Mensch bei nnS
zu wissen. Papa weist es doch jetzt
auch nicht."
„Emmeline! Eine absehbare Zeit
nein, du kannst das nicht verstehen.
Ich bin Offizier; ich habe gar kein
Vermögen, habe Schulden; unsere
Standcsverhältnisse sind andere. Ob
wohl gegen dein Elternhaus ja gar
nichts zu sagen ist."
„Papa wird auch sicher noch reich.
iDaini bezahlt er deine Schulden."
für rrnct Kinkel'.
vlo Boi-t<ü, ülo Hn IMinor x-kLnutt Ilntrt Kat cki Vo
tornolii-it't von Olms. H. k'lolcüer xotrnxon nnck int sit
invlir >0 KO llkiUtrvn unter einer persttnlieken -Vntkiodt
snk;etertix-t uorclen. Oestattot Xleniaixiem, Luvt
lariNier -in tlkuelten. IkAlsekunxen, Haelialiinnnxvn nost
"Litzen--!;nt" linl nnr Lxperimento nnl xceliilli-cten
ülo OvUlullivit <ler Lintlvr,—Lrlaüruux xexvn LxpvrZ
invut. /
lräxtz äis HulersolirM von
In Qebi'auck Leit 3O
Nndikatheiluiig der Nervenschwäche.
Schwache, nervöse Personen, geplagt ponHoffnungslosigkeit und
schlechten Träumen, erschöpfenden Ausflüssen, Brust-, Nacke-- und
Kopfschmerzen, Haarausfall, Abnahme des Gehörs und der
Katarrh, Magendrücken. Stuhlverstopfung, Müdigkeit, Errathen.
Zittern, Herzklopfen, Brustbeklemiiuing, Aengstlichkeit und Trübsinn
erfahren ouS dem „lugeudfrcund", wie alle Folgen jugendlicher Vcr
irrnngcn gründlich in kürzester Zeit nd Strukturen, Samkuflnss'
Phiniosis, Krampfader- und Wasserbruch nach einer völlig neuen Mk'
thudc auf einen Schlag geheilt werden.
Dieses iMeresilNtte nd lehrreiche Buch (neueste Äiislane). welches von tzlunii n°
NN. Mm, nd Oirau gelesen werden sollte, wird gecen Einsendung don 2b Eenl >
türtesmarlen versandt von der „
Deutschen Priuat-Klinik, 137 East 27. Str., Ncw-Pork, N.-?).
>tÜ erwähne db „Bolttmore irres-K M
StaatS-Lottcrie ist, gebt schon daraus tritt die sehr große Schaar der Lotü"
hervor, daß allein aN'Gewinn'Propi- ne-Eimichiiier in alles. Orte dc
sioii an die Lotteriel-Eiiiiiehnicr das Staates. Bei den Ziehung, w
hübsche Sümmchen von 2,(31,000 seiner noch besondere Ziehnngs-Eon
Mark gezahlt wird. Gewinne in der ",i,sionen thätig, die ihre bcst'nnwu
Gesanuntlwhe von 10.000 iMt "mr- Tagegelder erhalten. Die sachlu>N
den überhaupt nicht abgehoben. GcschäftSbednrsnisse der Lotterieve'
Manche Frci-Loswsiiid abMOit wol--, waltnng sind auch nicht gering.
den. Andere Lose sind in den letzten Z'ehniigSniatenal nd all daS Nc
Klassen verlassen worden, 'weil sie bcnliei kosten jährlich etwa 27.0,0""
kein Glück zu bringen schieilen.. Ans. Mark.
ihrem Verkaufe konnte der Staat ,noch; c5,.,-.
2,0.000 Mark erzielen. Lose, die LM^Ulien
nicht abgesetzt werden konnte);, ird NGch- Dr. Richt',
die-ans Rechnung der Loiteriekasscii DA r, 8
gespielt wurden, b>acht-x'twa Ith!-.
000 Mark an Gewinnen ein. Im '
llcbrigcn ist zur regelrechten Erledi- , cr>wuch>mgcn w.
gnng der Lottcriegeschäfte. der Zip
h.isigw, Verrechn,.,,ge,, sw ein gan- Mchtcr § G->-
zer Ltab von A rbeitcrn nöthig. An sr.w N-><
ihrer Spitze steht der Präsident der (Nove.Tks-i
General-Lotteric-Tirettion, dem vier
Direktoken und I I mittlere und „n
terc Beamte zur Seite stehen. Da^n
Non N. Neig
Sie legte beide Arme um seinen Hals.
„Und wenn wir eine Ewigkeit war
tcn! Und wenn wir ans der Welt
gar nicht zusammen kommen! Ist es
nicht köstlich so? Wenn wir heimlich
zum Küssen zueinander fliegen und
Hanne ans der Hnt ist? Ich achte
ans jeden deiner Schritte, wenn du
kommst und gehst. Und du denkst an
mich! Die reiche Mary Katlonstcin
must morgen in die Postkutsche stei
gen, weil du mich lieber hast als sie
das ist doch wahr?"
„Das ist gewis; wahr!" Die Helle
Stimme schwatzte ihm förmlich alle
Bedenken fort. Aber er machte sich
doch leise IoS und ging ein paarmal
im Zimmer ans und nieder. Noch
auch an den Blumen, deren Duft er
vorhin nicht vertragen konnte. Dann
stand er wieder vor ihr.
„Emmeline, ich habe dich sehr lieb.
Es hat uns zueinander getrieben.
Mächtig."
An alle ähnlich gewesenen Vor
kommnisse dachte er nicht.
Ja, ja, ja!" Sie sprang auf und
hing sich in seinen Arm und schritt
mit ihm hin und her.
„Kind, ich habe dir das alles klgr
gelegt. Dil stehst nun vor der Wahl.
Dn hast Ansprüche an das Leben.
Wenn dn mir sagst: Es must aufhö
re, mich wegschickst, beuge ich den
Nacken und geh."
Sic sah ans seinen Hals, der sollte
sich senken? So zerschmettern sollte
sie den starken Mann? Und ein Paar
Sekunden darauf umklammerte sie
ihn.
„Nein, nein, nein!"
Es kani sehr geprestt über seine
Lippen:
„Wir sind aber Menschen, Emme,
line! Verliebte Menschen, stnd!"
Sie nickte sorglos, lachend.
„Was willst du nun?" Noch ein
mal wurde seine Stimme ganz feier
lich.
„Das; es iinme; so weiter geht, wie
e? ist! Das; du nicht von Fortschickon
sprichst. Wir können doch gar niO
ohneeinander sein."
„Ich bür aber Soldat und habe
nicht über mein Schicksal zu besti">"
men." Ganz stramm richtete er sich
wieder dabei auf.
„Ach du, du!"
Da drückte er sie an sich, und sein
leichter, froher Mut schien wieder
oben zu sein, und er sagte: „Wok
weih denn auch, wie's kommt!"
An feine Schulter geduckt stand sie,
und seine Hand streichelte ihr Haas
„Aber Vorwürfe darfst dn m>c
nie machen, Emmclic. Ich bin gaZ
wahr gewesen."
„Wie sollte ich!"
„Bist ein Frauenzimmer, und die
sind wandelbar!" kam's überlegen.
„Wer dich lieb hat!" stich sie her
bor „Soll ich etwa schwören?"
„Armes, kleines Herz, wie da
klopft!"
„Immer! Auch wenn dn nicht
bist, wenn ich an dich nur denke
springt es boch."
Sie waren anS Fenster gekommen-
ES ging jemand vorüber.
„Wenn die Leute mühten, das; '-''E
hier stehn! Es war die ApotheicrM
mit der Amtmännin. Hn! Da wäre
mein guter Name"
Plötzlich richtete sie sich ans "w
schob sich hinter den Stuhl. „M'ano
chen Schlüter hat mir vorhin erzalsto
das; sie gehört hätte, wie die Ai--!
männin Lüders zu ihrer Mutter b;
einer Visite die Tür Zu der V''
teiistubc war offen gesagt hal:
'letzten Sonntag hat die Porte schw'N'
lich oft nach unserem Kirchcnstuhl- w
doch nur wir vom Schloh und dst,'- '
fiziere drin sitze, geguckt. Als möchw
sic auch, mir nichts, dir nichts, re"
Das Aeugeln bätre natürlich da"
nicht ihr. sondern Herrn von Weddcr
gelten können. Denn sie beide wäre
nur drin gewesen."
(Fortsetzung folgt.)

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