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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, November 19, 1916, Image 14

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6
Giftmischer sind's!
Kommt, heult euch aus, nnd schneuzt
die Nasen,
Löst alle M'itleidsschlensen loS:
Das alte Liod wird nie geblasen:
„Fn Belglien ist der Fcnnmer groß!
Dort wüthen die Barbaren nieder.
Verwüstend, waS noch lauft nnd
schnallst;
Amerika, schau helfend nieder,
Taß doch der Kelch nicht überlauft!"
ES ist dasselbe gist'ge Winseln,
Wer kennt den Hexenkessel nicht?
Die „Herrschaft" malt mit schwarzen
Pinseln
Und schmiert's der Welt in's Ange
sicht.
Nie hat das Belgien Noth gelitten,
Großmüthig wollte Deutschland sein!
Dach die Franzosen und die Briten
Verhetzten alles, Groß nnd klein.
Heimtückisch, voller List nnd Ränte.
Trat selbst der Ober-Hirte ein;
Daß er den Deutschen Gift einschenke,
Verbreitet er die Märchen fein.
Ein Prenßenfresscr sondergleichen.
Ein Stockfranzos in Mart nnd Bein;
Möcht' er Amerika erweichen.
Laut bläst er in das Horn hinein!
Hier glaubt man gern die Lngen
knnde,
Schamlos wird alles aufgebauscht:
Das arme Belgien gebt zu Grunde,
Wie doch die Menge gierig lauscht!
Thatsachen werden nützt erw-'gei:,
"Barbaren sind wir allemal;
Hoch tbürmen sich des H wes Wogen,
ES weicht der Wahrheit Heller Strahl.
Wan wird der Herenkeiscl brechen,
Mit seinem sauten Lügendunst:
Wann wird sich "Belgien schuldig
sprechen?
Noch schwelgt inan dort heißer Brunst.
Den Racheplan ha: man ersonnen,
Gistmühien klappern Tag und Nacht:
"Bald ist auch diele Flnn zerronnen,
Die Teutschen halten schaue Wachi!
A. F. S.
Dn ist's stink in Dänemark.
Man erlebt manch' blaues Wunder
F dein bielgerühniten Land;
Gesten, todt nnd morgen munter,
Solcher Zauber ist bekannt.
Was sich Heuer zugetragen,
Fst zu schwer für manchen Mage;
Das erinnert ns sehr stark:
„Da ist's faul in Dänemark!"
Gestern noch ans stolzen Rosse,
Mit der Streitart in der Hand,
klag ein Ritter nnberdrasscn
Lärmend durch das freie Land,
lind cs rauschte nah' ,nd ferne,
Alles hatte ihn so gerne:
Ost und West griff jauchzend ei.
Er sollt' unser Netter sein!
lind er wär' es Werth gewesen,
Hughes wacht seinem Namen Ehr':
Ritterlich sein ganzes Wesen
Und die Wahl fiel Niemand schwer.
Nimmer war er Schleppenträger
Zur die Vettern nnd die Schwäger
Trüben, über dein Kanal
Ehrlich war er, allemal!
Seine Stimme hallte nieder,
Jauchzend siel die Menge ein:
Scharfe Hiebe sausten nieder.
Wie's beim Zweikampf auch soll sein.
Sein Visier war männlich essen,
Jeder Schwertstreich hat getroffen:
Ritterlich von Kops zn Fuß
War halt allemal Herr Hughes.
Da, ans einmal ivar's geschehen!
Als der Sieg schon offenbar
Hörte man de Gock'l träben,
Und das war so sonderbar.
Toüesstille. dunkles Schweigen,
Selbst die Presse darf nicht geigen:
Das erinnert uns sehr starl:
„Da ist's faul in Dänemart!"
Und Mephista grinzt verschlagen,
Ties verhüllt in „Oysck'r-Baii"
Niemand braucht hinfort zn fragen:
„Wer schuf alt' das Ach nnd Weh?"
Er, der tolle Feuersresser,
Mit dem scharfen Fägermesser,
Hat den dunklen Plan erdacht
Und der Freud' ein End' gemacht!
F> Norden Bcrlin's.
Von F. v. Z.
Mein Landsitz ans märkischem Ge- >
lande hat einen etwas nnruhigcn
Ebaralter angenommen. Ein Still
sitzen ans der Scholle, ein behagliches'
Ansrnlicn, das der ArbeitSniensch dach
auch einmal braucht, scheint nnniög-s
lich. Man ist immer in einer gewiss
sen Fieberstiininniig. Was sind Hin
denbnrg'v Planck Was macht
Mackensen in der Tobrudscha? Was
Falkenbatzn in Siebenbürgen und den
Pässen der Tränst,lvanischcn Alpen?,
Wie siebt es an der Sainnie nd vor
Perdnn ans? Wie an der maeedoni
scheu Prosit? Was machen unsere
U-Boote? Wie gestaltet sich unser,
Verhältniß z Amerika? Das sind
alles fragen, die einem jeden Lag in
teressiren. und ans dem Lande ersährt
man alles nicht jo rasch, wie in "Ber !
lin. Dabin rüst mich eine Pslicht nnd
dabin eine andere. Letzthin war ich
. auch ein - paar Wochen in Gal nie.!
um einen l'iemttüben Anstrag ,n er
ledigeil und neulich abermals in
Berlin, wo ich im Norden zn thun
hatte. Und weil mir gerade nichts
> anderes einfällt, möchte ich davon ein
bischen plaudern. Viel Zeit nimmt
es die Leser nicht sort...
Ich habe mir für den Landsitz ein
paar lleine Ostpreußen laufen müs
sen, weil ich die übrigen Pferde zu
Militärzwecken opfern mußte. Die
Beiden habe ich nothdürftig herange
futtcrt, so daß sie nun ganz nett aus
sehen. Es sind zwei blutjunge Stu
ten: die Eine habe ich „Siez" und dir
Andere „Urieg" getauft, aber weil sie
sich wie Zwillinge ähneln, weis; ich
nie, wer „Sieg" und wer „Krieg",
was den Stuten übrigens vollständig
gleichgültig ist, da sie etwas materia
listisch veranlagt sind und ein lebhaf
teres Interesse nur für ihre Futter
rationell zeigen. Bei größeren Wa
gen legen sie eine außerordentliche
Faulheit an den Tag, ächzen und stöh
nen und thun so, als könnten sic eine
solche Last überhaupt nicht ziehen.
Obwohl ich nun überzeugt bin, daß
dies nur Pfiffigkeit ist, um ihren
Mangel an körperlichein Fleiß zu ver
bergen, entschloß ich mich doch, allen
schlechten Zeiten zum Trotz ein leich
teres Wägelchen zu laufen mög
lichst „unter der Hand", um die Sa
che billiger zu machen und setzte
mich denn auch auf die Bahn und
rutschte nach Berlin und lernte dort
Gegenden kennen, die man als West
mann sonst gar nicht besucht.
Wie sich rund um den Hausvoigtci
platz die Eonsektion und in der Rit
terstraßc die Metallindustrie gruppirt,
oder wie die südliche Fricdrichstraße
zu einem „Filmcrsdorf" geworden ist,
weil sich hier die Kientöppe gleichsam
an einem Flimmerfaden antreiben, so
hat auch der Wagenhandel Berlins
sein eigene? Viertel. Ta isl zunächst
die reguläre, sich immer in vorneh
mer Geste haltende Industrie ist den
schönlackirten Kapees und Landauern
hinter den blanken Spiegelscheiben
des Schaufensters, der -Handel, der
am liebsten nach Maß, Neigung und
Bestellung arbeitet und dessen be
kannteste Vertreter in der Karl- und
Luisenslraße zu finden sind. Aber zu
ihnen geht man natürlich richt, wenn
man eine „Gelegenheit" sucht da
muß man schon eine Ecke weiter wan
dern. Ganz oben im Norden liegen
die oft etwas wüsten Stättepläbe, auf
denen sich die Unterthanen des Pfla
sterlriegs. die Opfer chanssirtcr Miß
wirthschaft. die rnndrädrigen Genos
sen menschlichen Schieberthuins zu
sammenfinden.
ES ist sicher gut und belehrend,
wenn der Westmensch auch einmal
das Berliner Nordkap aussucht. TaS
kan er auf die verschiedenste Weise
und wird dabei jedesmal zu ganz
neuen Ansichten und Einsichten kom
men und sicher zu der Ueberzeugung,
daß seine Fahrgelegenheit eigentlich
einen wahnsinnigen Umweg mache.
Tenn dies scheint in der Stadtanlagc
des Nordens alSPrinzip obzuwalten:
keine Straße führt geradenwegs auf
ein bestimmtes Ziel. Ich habe so
ziemlich die ganze Welt bereist und
kann immerhin sage, daß ich unr
eine gewisse Praris envorben habe.
Ich bin auch als Teutscher ein theore
tisch gründlich vorarbeitcnderMensch:
deshalb vertiefe ich mich vor Beginn
zweifelhafter Unternehmungen mit
Eifer in den Stadtplan. Toch auch
der gibt leinen rechten Begriff der
riesigen Entfernungen da oben, wenn
ran so etwa die Zone der Etsasser-
Straßc überschritten hat. Tie hüb
scheste Jährt bietet wohl die Stadt
bahnlinie Eharlotteuburger Lchloß-
Nordring, die über Weslend hinaus
gen Mitternacht fährt, und die grü
nen, noch immer ein wenig verrufe
nen Auen der lungsernheide streift:
s zur Zeit des großen Kurfürsten eine
anmnthigo Sumpfnicdcrung, weiche
das Turchschwimmcn des Wildes aus
deut Thiergarten verhinderte. Heute
ist die Spree von einem ganzen Ka
nalshstem durchschnitten und von
stattlichen Kais eingefaßt. Niesigc
Fabrik Eomvlere liegen i grüner
llmbuschung und recken ihre Schorn
steine wie steinerne Zeigefinger mit
sprecherifch zum Himmel. Licht und
Luft überall: die Schönheit des ab
so.ut Zweckmäßigen feiert Triumphe.
Namen von ehernem Klang grüßen
-von den Giebeln: Borsig. die A.E.G..
die Teutschen Eiseniudustriewcrkc.
: Wundervoll profiliren sich die rosigen
Bauten des Pirchow - Krankenhau
ses an der Lcestraße und am Nord
Ufer. Eine Augenblick sieht mau
links in der Ferne denPlötzensce blin
len, der Berlin mit Eis versorgt und
an dessen idnllischen Ufer eine An
§ zahl unserer Mitbürger über die sei
- nere Unterschiede zwischen mein und
' dein nachdenken lernen. Am Wed
ding oder am Gesundbrunnen steigt
man gewöhnlich aus. lieber Letzte
ren schwimmen die grünen Wipfel
des Humboldt - Hains: wie alle Hai
! ne Berlin's nach Tunkclheit werden
ei beliebtes Forichungs Objekt n
' jerer Polizei. Bei Ersterem wieder
um inacht man die Belmiiitschast ei-
Zies der hübschesten östenliicken Ge
.bände Berlin's: des Amtsgerichts
'Wedding, dessen berlinisch gemilderte
Drr Deutsche Korrespondent, Vnltimore, Md., Sonntag, den 10. November 1011.
dem ganzen Viertel zur Zier
de gereicht.
Wer sich aber dieses spezifische Fa
! brikarbeiterviertel nach dem Muster
der Londoncrs SlumS, der Pariser
Faubourgs oder gar italienischer
Rohbautentrüininer denkt oho. der
wird sich wundern! Breite Straßen
nnd elegante Läden und nnscre
Hausfrauen dürfte es interessircii.
, daß auch die Preise nur unwesentlich
niedriger sind als im Westen. Tie
, Häuser sind mit buntbcblnmten klei
ne "Balkönen betupft. Fm Fnner
dieser Miethskasernen reiht sich frei
lich Hos an Hof, oft noch in halber
Ländlichkeit: ruppige Kinder spielen
in den Abfällen, ans den Prellsteinen
sitzen zahnlose Alle und tratschen die
Nachbarschaft durch. Das malerische
Zuständliche Zillcs thut sich ans: bloß
ans der Außenseite, da wahre inan
das Gesicht darauf hält schon der
Schönheitssinn der Polizei nd der
Wirthe. Eigenartig berührt die Be
völekrnng dieses mir oberflächlich
bürgerlichen Stadtthcils. Selten
sieht man eine Frau im Hut. Bar
häuptig und mit einer sauberen
Schürze über der Markttasche lder
behagliche bauschige Korb, der so viel
versprechend mit dem Deckel klaffte,
ist völlig anS dem Straßenbildc ver
schwnnden, gebt die nordische Berline
rin ihren "Besorgungen nach. Tha
tenlose Fünglinge in Latsche, die
weiten Hosen mit einem Riemen um
gürtet, den Melonenhiit im Nacken,
lümmeln sich an den Hanscmgängen.
Um die sechste nnd siebente Abend
stunde ergießt sich eine riesige Mcn
schenwoge durch die Straßen; da
speien die großen Fabriken ihreHülfS
truppen ans. Tie blaue Bluse
herrscht vor nd der müde, milde
Schritt. Fnnge Mädel sicht man in
ganzen Gruppen, mit schmalenSchnl-
lern unter dem Kattnnkleid, aber im
mer Pikant srisirt nnd meist mit ei
' nein Bändchen nm den Hals.
j Fn dieser Umgebung finden sich
auch die „Gelegenheiten im Wagen."
Fch trotte von Itättcplatz zn Stätte
platz nnd vom „Holzverkauf" zur
! „Stallung," und vor meinen Augen
entrollt sich ein wahrhaft makabrer
! Zug bau Vehikeln. Da ist alls vertre
ten: da findet man Pürschwagen,
AmericaineS, Phaetons, Halbkale
sche, BrangbaniS, "Bcrlinen, Lan
dauer nnd Landdanlets, Eonpes nnd
§ Elarences, Vis-a-vis-Wagen. Cabrio
lets, Omnibusse nd Breaks. Alles
! giebt es; von der Glaskntsche aS der
! Biedermeierzeit bis zum "Bnggn, vom
Schlächtcrfnhrwerk bis znm "Blnmen
' karren: ich sah auch einen verstaubten
Kinderlcichenwagen nnd daneben
Fronie des Schicksals! eine win
zige Glaslckrosse. die einst für die Re
klamefalirten einer Zwergengesell
schaft gedient hatte. Und wieder drei
! Schritt weiter lehnte trübselig das
blanweiße Wägelchen eines italieni
schen Eisberkäusers an einem schiesen
- fensterlosen Omnibus, wie er in klei-
I neu Städten Mitte vorigen Fahrhnii-
dei'ts der Postbesörderniig diente.
Tie Zeit ist vernichtend über alle die
!se Fuhrwerke dahingesansl, die nun
V'ine „Gelegenheit" bilden: die Deich
i seln sind zersplittert, die Räder klas
! send, jeder Prunk ist verblaßt. Die
- besseren Ereniplare stehen gewöhnlich
i im Schutze eines Schuppens, aber ich
! habe auch ein ganzes Waarenlager in
einem erste Stockwerk gesehen nnd
! mir den Kopf zerbrochen, wie man
1 die Dinger binansgebracht hat nnd
! wie man sic wieder herunterschaffen
i will. Am Eingänge zu den Häfen be
l findet sich meist eine kleine Wcllblcch
! bndc oder ein Umzngswagcn ohne
j Räder, von bnnten Bohnen, Geis-
blatt oder wildem Wein ninraiitt; da
l liegt das „Evntor." Ein anS nian
! chcrlei Rassen schöpferisch ziisanimen-
gesetzter Hund als "Besitzer einer altem
Tonne bildet die Oberaufsicht nnd
macht die Honneurs, wenn ein Käu
fer kommt.
Ans diesem Wagcnelend werden die
erleseneren Stücke in Zne Art Laza
rett gebracht und dort fach- nnd sach
gemäß bchändelt. Sie werden aus
gerostet, bebändert, frisch gefedert,
andgeschlagen und neu lackirt.
Schmied, Sattler und Maler bemii
hsn sich liebevoll um sie und eines
Tages steht nun ein solcher „vienr
bean", ans neu frisirt nnd mit for
scher Talmieleganz versehen, vor dem
Kunden und bläht sich. Dann hebt
das Schachern an. Hätten die Wa
gen Obren, sic müßten errotoen ob
der Meineide, die wegen ihres Al
ters, ihres Ankaufspreises und ihrer
voraussichtlichen Lebensdauer ge
schworen werden. Verkauft wird
schließlich Alles, meist nach aus
wärts: Hunderte von Bockwagen.
Selbstfahrern und Karren geben au
genblicklich nach Ostpreußen.
Verträumt nnd fast ein wenig mb
lancholisch hörte ich den Verkäufer
die Reize eines kleinen Phaeton schil
der, wie ich ihn suchte. Fch wußte:
eine „Gelegenheit" gab es hier für
müh nicht : aber es machte mir doch
Spas:, den Versicherungen de - Fach
Mannes zu lauschen: „Lieber Herr,
des sieht nnttig aus wie ne alte
Schachtel, eh daß se Tojalctte ge
macht hat. Aber nacha, wen de
Tojalctte erscht fertig iS, un Alles
proppcr nn blitzblank da wer
Se das Fesielltc ich wieder Verken
nen. Ta können Sc den Fatong je
trost zn Neuß oder Kühlstem int
Schanscnster stellen, mid Feder
nimmt ihn vor neu. Tenn so iS et
doch mal im Leben; mit des feine
Aenßere kommt ooch der innere Halt.
Manchümal trügt ja der Schein -- l
aber was reelle Waare is, die hat
Bestand. Uff dcS Gefüge lammls
ait, e-s sozusagen des Knochenmerk:
de Politur iS bloß immer Beste
chung!" Ter Mann war ein Philo
soph nnd ein Kenner von Menschei/
und Wagen.
Ter Unterschied.
Die britische Armee ist nur dem
Namen ach die britische Armee: sic
nehmen dazu Alles, was sie kriegen
sönnen. Sic geben sogar Fremden
den Vorzug das ist britische Näch
stenliebe.
Ein gevisser Leon Lesevre, ein
amerikanischer Bürger in Belgien
von deutschen Eltern geboren, ist hier
eingetroffen und erzählt eine bemer
kenSwerthe Geschichte. Lesevre ist im
Fahre MX in Antwerpen geboren,
kam 1007 nach Amerika nnd wurde
>!>> I Bürger: bei Kriegsausbruch
fuhr er als Heizer ans dem holländi
scheu Dampfer „Rotterdam". Tic
Engländer hielte den Dampser an
und ahmen Lesevre fest: „Als ein
geborener Belgier sollten Sie in der
belgischen Armee dienen!"
„Fch bi amerikanischer Bürger."
Die Herren von dem britischen
Kreuzer lachten ihm in's Gesicht.
„Fch will nicht gegen meine eige
nen Brüder kämpfe, die in der deut
schen Armee stehen."
Die Bemerkung war unklug, sie
lonnte ihm nnmäglich nützen. Nützte
ihm auch nicht. Die Engländer
schleppten ihn nach FoUstoiie >va er
einen Mcmat im Gesängniß saß:
dann brachten sic ihn nach Enlais
nnd ließen ihn dort fast ein Fahr
hinter kcrkermanern schmachten. Sie
bestanden darauf, daß er Belgier sei
nd in die belgische Armee eintreten
sollte.
Schließlich that ihnen Lesevre den
Willen, veil er hoffte, im Felde eher
Gelegenheit zur Flucht zu finde,;. Er
lam znm Signalcorps nd wurde bei
Bpern venvundet; im Lazarett in
Ecken vertrante er sich zwei kanadi
schen Wärterinnen an, die an den
amerikanische Eansnl in Paris be
richteten. Der Eonsnl setzte seine
Freilassung durch, und Lesevre lckm
hierher.
„Zahlreiche Holländer, die zufällig
in Belgien zur Welt kamen, wurden
von den Engländern in die belgische
Armee gepreßt, und sie dienen dort
nicht mit mebr Liebe, als dies bei mir
der Fall war."
Das Ist die attiirte Seire der Me
daille. betrachten wir nun dagegen die
deutsche:
Tie „Norddeutsche Allgemeine Zei
tung" schreibt:
„Die feindliche Presse hat in letzter
Zeit wiederhalt Nachrichten des Fn
Halts verbreitet, daß Deutschland An
gehörige fremder Staaten in sein
Heer einstellt: diese Behauptung wird
besonders in Bezug ons belgische
Staatsangehörige aufgestellt. Alle
diese Nachrichten entbehren selbstver
ständlich jeder Begründung, nnd ver
folgen den vffensichtigen Zweck, die
Stärke der deutschen Hecresmacht in
den Augen der Neutralen herabzu
setzen nnd das sinkende Vertrauen der
feindlichen Bevölkerung zn der eige
nen Stärke künstlich zn lieben. Auch
während des Krieges werden entspre
chend den bereits vor Ausbruch des
Krieges bestehenden Bestimmungen
Angehörige fremder Staaten nicht i
den deutschen Heeresdienst einge
stellt."
Das ist der Unterschied!
„Toiichkreiizer" eine Serwaffc der
Zukunft.
Mit Erstaune bat die Welt wäh
rend des Krieges die überraschende
Entwicklung der Tck.ichbaote beobach
tet, die sich besonders in der außer
ordentlichen Steigerung des Aktions
radius zeigte. Der Ueberwasser-At-
tionsradins bat jetzt, wo die U-Boote
> imstande sind, von der Nsrdsee ans
; ach der Ostküste der Vereinigten
Staaten bin- und znrückznsahre, be
reits 12,00 > Kilometer erreicht. Für
sechs bis acht Wochen tonnen Lebens
nüttel, Brennstosse, Schmieröl und
andere Vorrätbe mitgenommen wer
den, so daß die Reise nirgends unter
brachen werden muß. Finmer be
sümmter tritt jetzt aber ckie Nachricht
aui. daß die Kriegsschiisstechnit einen
neuen gewaltigen Schritt vorwärts
thun wird, indem, wie der Züricher
Fngcniciir Fntian Treite! in, „Pro
metheus" berichtet, sic jetzt an den
Ban regelrechter Untcrseckrcuzer ge
hei; wird. Diese Tanchschisse. mit
deren Ban bereits begonnen sein soll,
werden ans !20 Meter Länge ge
schätzt, be! eine, Gesmnmtranminbalt
von 5000 Tanne nnd so starker Pan
zernng und Bewaffnung, daß sic etwa
Dev Stolz des
Besitzes
Di'l Hs'lilji't mm Hlnkl'lnism smm I?
okm "rfom" Ijtil Ei' Pflicht', fllch ,;il lml ,mj
ki,' Kchöili'leil mH Mische eie
Cm. HliüenMle Dessins nnli leiiijiliime
Uesiessel!iijen Mien keinen Mil; in ilee Cml
slniklnm Kiesel Cm. Aeke Cimichlmni nik
lü i schmieemi; in kiee Cn ersnlll ihren Zuieck
mik mnk sie mich einem sichre noch so noKei
sein, wie sie heule ist.
Stiidebnker kostet nicht viel mehr nlo die kleinere, billigere Cnr ober in
Bezug uns die Motor Cnr Constriiktion kommt sie de thcnreren Cars
gleich, welche für Hunderte von Dollars mehr verlauft werden, als die
/ Studebaker steht obenan in der Fabrikation von feinen Cars z einem
I Um das dauernde glänzende Aussehe der Stiidebnirr-Knrosscric z er
/ langen, must dieselbe fiinsiindzwnnzig Mol mit Farbe und Firnis, nngc
// > strichen vcrdrn. Cinc Studebaker sieht immer gut aus —nd der bc
rühmte Skndcbakcr-Finish vidersteht jedem Klima.
Garantie der Zttfrirdcnhrik ist vorhanden in einer Crsnhriilig von
drei Generationen der Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit nd der Lcitcrschast.
Bier Cchliiider-Mudelle. können stolz sein nf Fl,re Studebaker, weil sie den Ruf nnd das Pre
stige eines großen Nnmcns trägt gestützt auf 1,.ä-jälrige Erfahrung in
Noadstei, Passagieie. Kü.,o Fabrikalio nd einer Kenntnis der Anforderungen der leisten Käu-
Tonring Car, 7-Passa- . '
giere 7.', l" - >'"d
Landau-Rvadster, !! Pas
sagiere Il'ck)
Werl es eure
Sechs Ehlindrr-M'vdkllk. W > > >
Roadster, ü-Passagiere Pl<<>o Ä U jOZ DF
Landau Roadster, !'„Pas
ß'giere 1
F. O. B. Detroit.
Tlie llnitei! lEllitv e>nlcV Cv.,
10--30 torllr- ven re^
UlepliCktf, Mt. Vernon Baltimore, Md.
mit den bisherigen mittelgroßen ge
schützten Kreuzern zu vergleichen wä
reu. Außerordentlich starke Maschi
nen, bis zn l 8,000 Pserdekrästen, sol
len eine Fahrgeschwindigkeit von 20
Seemeilen über nnd 10 Seemeilen
unter Wasser ermöglichen. Damit
würde ein Aktionsradius von 18,000
bis 20,000 Seemeilen, also etwa
:>!',,000 bis 07,000 Kilometer, erzielt
werden können.
Mit anderen Worten: die Tauch
krciizer wären im Stande, eine Malier
von der Ostsee ans um ganz Europa
herum bis nach Japan zn nntürneh
men. ohne, unterwegs Brennstofsvor
räthe oder andere Hülfsmittel ans
nehmen zn müsse, ig.ni ganzen solle
!!<> Torpedos ans einem Tauchkren
zer untergebracht werden. Dazu kom
men noch mehrere Schnellsenerge
schütze leichten und mittleren Kali
bers, die in einem drehbaren Pan
zerthnrm ausgestellt werden, der sich
tcleskopartig in den gepanzerten
Schiffskörper versenken läßt. Ebenso
gepanzert nnd versenkbar soll auch
der Eommandothurm sein. Die furch:
barste Waffe jedoch, die die Tanch
treuzer erhalten sollen, ist die schon
> bei den Unterseebooten eingesührte
s Einrichtung znm Auslegen von lln
' tcnvassercontnttmincn. wovon jedes
dieser gefährlichen Schisse der Zn
kunst 125 bis 150 mitsnbren kann.
Die Minen sollen in einem Ran, im
Hinterschiff untergebracht werden,
. der durch besondere Schlensenschieber
mik dein Anßemvaßer in Verbindung
i gesetzt werden kann. Durch diese
Schieber erfolgk das "Auslegen der
Minen. Malt man sich also eine
Seeschlacht der naben oder ferne Zu
kunft ans, so siehtman immer mebr,
nüe die Meeresoberfläche unbelebt
wird, während die fürchterlichsten
Kämpfe in der Tiefe des Wasser'
' stattsinden.
!
Eine beherzigenswert he Anregung,
„Die rage stiege!, lnugjl die gol
. dene Leiter des Sommers nieder",
heißt es in einem schönen deutschen
Herbst-Sonnett. Kürzer werde die
Tage: wir schreiben November.
Wenn auch die Erinnerung an die
warmen Sommertage noch in uns
wohnt, so sind sie doch vorüber, nnd
unsere Angen richten sich ans das
kommende: Bereits im nächsten Mo
nat werden die Weihnachtsglocken
läuten.
Wir malen uns das frohe, emsige
Getriebe ans. Die Menschen, mit
Palleten beladen, die überfüllten Lä
den, und wundern ns, wie die Zeit
eilt, fast ohne daß wir cs merken.
Biele große Zirmen senden Rund
schreiben a,l ihre Kunden, die Weih
nachtskänfe frühzeitig zn besorgen,
denn ehe wir uns versehe, steht das
Pest vor der Thüre.
Wieder isr es unser aller Wunsch,
nicht nur den Lieben hier im Lande
einen reichen Weihnachtstisch z be
scheeren, wie immer wollen wir auch
den Frauen und Kindern, den Sol
daten im Schützengraben, den Ver
wundeten, den Wittwen und Waisen,
eine Weihnachtsfreude bereiten.
Tie Zeit drängt. Wenn nur noch
etwas thun wolle, so mich es.bald
geschehen. Es ergebt daher an alle
Vereine, an alle Gemeinden, an alle
Familien nnd an alle freunde der
deutschen Sache die herzliche Bitte,
während der berannahcnden Weih
nachtszeit durch eine kleine Veranstal
tnng oder durch eine Sammlnng den
Grundstein zu einer schönen Weih
nachtsgabe snr die Lieben im Vater
lande zu lege, die unter größeren
Entbehrungen als je während des
Krieges nun bald die dritte
Kriegsweihnacht feiern werden.
Die Zeit drängt. Mögen sich in
den ganzen Vereinigten Staaten jene
Organisationen, die sich mit so gro
ßem Erfolg für die kriegshiilse ein
gesebt hal'en. entschließen, eine be
sondere Unternehmung, sei es einen
Weihnachts Fahrinartt. eine Abend-
Unterhaltung oder ein kleines Eon
zeit, zu veranstalten, um ans de Er
trägnissen den Nataleidenden eine
Weil,nachtsgabe unter den deutschen
Christbaum zu legen.
Gern ist die Delegation des Teut
schen Rothe Kreuzes in den Verei
nigten Staaten, 1120 Broadwatz,
New:')orl, bereit, Vereinen, Hiilss-
Eomite'u, deutschen Gemeinden usw.
mik geeignetem Werbematerial an
Hand zn gehen. Alle Beträge
neu an die Teutsche Botschass-
Teutschen Eemsnlate, den
Earrespondent" oder an die bc'Bs'
senden örtlichen
ne gesandt werden. Für die
züglichc nnd verkürzte WeitGC'
lung der Gelder und die
für den van den Gebern zn best'"
! inenden Zweck wird die Telezwlv'
des Denlschen Rothe Kreuzes
tragen.
Bibel im Kriege.
szanst, Zarathustra und die '
solle die meist gelesenen KnG
büchcr sein. Zn einem überaus
werthen Artikel der „Fnneren
iion im evangelischen Tenlsclü^
: Verlag Hamburg 21. Agentur
! Rauben Hauses bringt Pasior
! ken-Hainbnrg eine Anfstellnng
die Bibelverbreitniig während s' '
Krieges. Sie ergibt, das; die ,
sammtzatzl der allein durch die
gesellschaiten verbreiteten Bibeln V'".
Bibeltheile sich im Jahre l!>lt
2-s4 Millionen, im Fahre !!>>-''
!A/t Millionen, in, ganze also -Os'
mebr als sechs Millioneu ,
Nnd das geschah nach der Zeit
Kirchenanstrillsbewegnng und
mancherlei Bankerott -
des Christenthums. Der kleine
sah gibt eine überaus wertbvolle
bersicht über die gesammte
lerische Thäligkeik ans diesem Gebü'-
Es ist erstaunlich, zn sehen, daß wsM
rend der Kriegszeit eine solche
der verschiedenartigste nencn
bielnngc auf diesem Gebiet a
Tag gekommen ist. ivio wohl sonst
in einem sv kurzen Zeitraum.
Gann e r h mo r. ' H^rl'
„Fch gebe Flmen Alles, nur
Sie mich leben!" - Räuber:
be S' kei' Angst: > laß Eahne
hoch leben!"

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