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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, November 22, 1916, Image 6

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6
Ans dem Inneren Marylanji's nd
den angrenzenden Staaten.
A f de r I agd na ch Ei n
b r c ch er.
Trotzdem die Polizei von Enmber
land, unterstützt von einer Anzahl
Geheimpolizisten. Tag und Nacht auf
den Beinen gewesen ist, um die Ver
ül'er der in der letzten Zeit vorgekom
menen zahlreichen Einbrnchsdiel'-
stälile zu verhaften, sind die Diebe
nach wie vor an der Arbeit. Seit
Samstag Nacht wurden verschiedene
Leute auf der Straße beraubt: so
mußte James Nicholas, ein Maschi
nist, der von 3 Negern an der Chnrch
Straße angehalten wurde, denselben
seine Baarschast von P 45 überlassen.
Ei Versuch zur Beraubung des
katholischen Eonveiits an der Wash.
ington-Straße, in der Nähe der ka
ihvlischen St. Marien-Kirche, wurde
durch Frl. Edith Basso, die drei ver
dächtig aussehende Leute in der Vor
halle des Gebäudes entdeckte, verei- §
telt. Tie Männer entflohen als sie
Frl. Bniion herannahen sahen. Tie
Polizei verhaftete siebe Verdächtige
und bat ein scharfes Auge ans ver
schiedene Andere. Auch ans andere
Plätzen im Eoiintp wurden verschie
dene Tiebstäblc gemeldet.
Seit Beginn dieser Einbrnchsdieb
stählc hat der Verkauf von Waffen i
der Stadt stark zugenommen und die
Einwohner sind auf alles vorbereitet.
Jagd - Unfälle.
Seit Eröffnung der Ingdsaison
sind, wie ans Seasord, Delaware, ge
meldet wird, eine ganze Anzahl Un
fälle vorgekommen, von denen drei
iädtlich Verliesen.
Littleton Pnsep. von Indinntown,
wurde augenblicklich gctödtet als sein
Gewehr sich entlud, weil der Hahn
desselben an einer Fliegennetz-Thür
hängen blieb. Robert Gmild, ein 16-
jäbriger Negerknabe. wurde erschossen
als das Gewehr seines Bruders sich
von selbst entlud und der Farmer
Alerander Wapman von Tnckahoc
Neck, wurde von seinem eigene Soh
ne durch Zufall erschossen. Job
Sbarple-s entkam mit knapper Noih
als sein Gewehr losging, als er es
gegen einen Baum setzte. Außer die
sen wurden viele kleinere Unfälle be
richtet.
Todesfälle im Staat.
Ter 85 Jahre alte Veteran der
großen Armee, Alcade Flowers, einer
der ältesten Bürger von Fcderals
lmrg, starb a den Folge eines vor
Monatsfrist erlittenen Schlagansalls.
Er hinterließ ziemlich viel Giinidei
genthinii. Seine Wittwe überlebt
ihn.
Ans Hagerstown wird berichtet,
daß der ebemaligc Farmer Emaniiel
Nichols im Alter von 89 Jahren in
seines Heime zu Rohrersvulc gestor
ben ist. Er wird von vier Söhnen nd
einer Tochter überlebt.
s---- Rumsn----"
(12. Fortsetzung.)
Die nahm ihn auch nicht für voll.
Du" war er ihr noch immer, wie in
der Zeit, als sie ihn als zwölfjährigen
Knaben anredete. Sie hatte gar
nicht an einen Wechsel gedacht, und er
auch nicht lind war doch ein Herr
geworden, dem Heiratsgedanken durch
den Kops zogen.
Er sagte nichts, lächelte nur bitter
und stieg treppauf in sein Reich, und
Binchen schüttelte den Kopf mit der
sauberen weißen Haube. Was hat n
der Junge?
Die Ilhr holte znm Schlagen ans.
Sie huschte in Lie Mi che Dann kam
es fest die Stufen herauf. Martin
stand in seinem Zimmer, das rings
mit Bücherregalen umstellt war und
lauschte. Sein Bruder! Der einzige
Mensch, der ihm nahe stand, ver
wandtschaftlich, und der für seine ge
kehrten Grillen wenigstens Duldsam
keit zeigte. Sk bestand darin, daß er
gewähren ließ und keine Einwen
dungen machte, wenn er sich neue Bü
cher lauste. In ganz Eorberg begriff
an freilich nicht, daß er nicht schon
längst genug von dem Zeug habe.
Er ließ seine Bücke über die Ge
fälle, die Rücken der Einbände schwe:-
; Sie hatten ihm ja viel zu sagi.
.'Wer, konnten sie in Zukunft die eine
bebe Stimme ersetzen? Nein, nullt
mir all der in sie eingefangenen Klug
!>:t und verzichtenden Philosovhie.
„Nein!" sagte er laut und richt?
sich auf mit einer gleichen Bewegung,
nie sie der ältere Renßer batte. Und
cs war ibm plötzlich, als käme euer
Mut, frisches Hoffen in ibn. Wer
I: "'; :ich denn gleich Wersen! Wak
war denn auch geschehen? Emma
ä-Uie ihn Bruder genannt. Das war
al. Ja, was sollte sic denn vor
läufig anderes IN dem Ingendgc.spie
!>-. feben? Sie war doch leider noch
' holdes .Kind, scheu und ohne wer
- n> Muttert,and. 1!; ? je mehr ,-r
z.uLMte. um jo sich.'.. wurde e:, daß
Zn Wiliiamspvrl starb die 75-jäh
rige Fra Elizabeth Lancaster, Witt
we von William L. Lancaster. Tie
hinterläßt zwei Töchter und zwei
Söhne.
Eine Wittwe und zwei Töchter be
trauern den Tod von Levi Wingert,
der in Hagerstoiv an einem Schlag
ansalt starb.
Tie irdischen Ueberreste von Leo
Tonnellp, der früher in Washington
Eoiintp wohnte und nm 13. Novem
ber in San Francisco, Californien,
starb, wurden in Cumberland beige
setzt. Er war 88 Jahre alt und ein
Verwandter von F. Tonnellp von
Baltimore.
Will geschieden sein.
Samuel E. Manning reichte im
Gericht zn Cumberland eine Schei
dungsklage gegen seine Frau Leona
M. Mahlung, die er im labre 1910
beirathete, ein. Cr wird durch den
Anwalt Urner G. Gart vertreten.
Besichtigen E. L P. Telephon-
Anlage.
Tie Mitglieder des „Citp Club"
wurden von der „Chesapcake L Poto
mac Telephon - Compagnie" eingela
den , deren Hauptanlage an der
Light > Straße am Samstag Nach
mittag zu besichtigen. Die Theilneh
mer an der Besichtigung, welche ohne
Zweifel eine sehr interessante ist, wer
den sich in dem Gebäude der Gesell
schaft, Nr. 5, Light - Straße, um 12
Uhr 45 versammeln und nach Cin
, nähme eines kleinen Imbiß werden
dieselben unter der Führung der be
währten Angestellten der Telephon-
Gesellschast den Rundgang durch die
Anlage antreten. Am 2. Dezember
werden die Mitglieder des „Citp
Club" die Gäste der „Baltimore
Ohio. Cisenbahngesellschast" sein.
An den Strike gegangen.
250 Nieter, die im Schiffsban-Te
partement der „Penii-Marp Stahl-
Gesellschaft" zu Sparrows Point
arbeiteten, hielten eine Versammlung
in „Sparrows-Halle." an der 3. Str.
und Fait-Avenue ab- nm der Gesell
schaft klar zu mache, daß sie ein
Recht hätten, sich zu organisiren. Sie
behaupten, daß 1400 weitere Leute
im selben Departement ohne ihre
Mithülfe die Arbeit ausgeben müß
ten.
Porzellan - Malerei - Ansstrllnng.
Fräulein Martha Laube, welche
. schon viele Preise für vorzügliche Ar
- beite auf dem Gebiete der Porzel
t lau Malere! erhalten hat, veranstaltet
i dem Hause Nr. 815, Nord Calvert
, Straße, eine Ausstellung von Arbei
l ten in Porzellan Malerei, die von der
, Künstlerin und ihren Schülern hergc
- stellt wurden. Die Ausstellung ist am
) Donnerstag, Freitag nd Samstag
am Nachmittag und Abend geöffnet.
er sich zn schnell mal wieder mutlos
gezeigt, sich geschlagen geglaubt hatte.
Und was der Senator geredet, von
seinem Siechtum und all dem
nein, sein Herz schlug kräftig und
seine Pulse wallten. Und nun sollte
ihm das seine Autorität bezeugen!
Er wandte sich rasch und stieg wie
der hinunter und klinkte die Tür zn
seines Bruders Sprechzimmer ans.
Es war groß und mit Mahagonimö
beln ausstaffiert, alle Fenster waren
offen und ließen die kräftige Herbst
luft ein. Ein mächtiger Schreibtisch
stand am Fenster, an dem kramte der
Arzt jetzt. Martin blieb erst bei den
aufgereihten Stühlen neben dem Ein
gang, die für kleine Leute in respekt
voller Entfernung von dcni weisen
Medizinalrat standen, und von weder
sic erst ihre Klagen anbringen muß
ten, che er sie näherkommen ließ,
oder an sie herantrat. Von dort sah
mancher mit angstvollen Blicken hin
über nach dem Männerskelett j„ der
einen Ecke und dem Kindergcrippe,
zn dessen Füße ein grinsender Schä
del mit weißen Zähnen ans einem
Gestell lag.
,Hat man denn ich mal jetzt
Ruhe?" donnerte cs hinter dem
Schreibtisch her, ohne daß Renßer
aussah.
„Ich bin's, Bruder!"
„Tn?" ES war ein erstauntes
Auffahren. „Was willst dn denn
setzt?"
„Dich sprechen!"
„Ich dachte, das ginge bei Tische."
„Wenn Binchen herumhantiert?
Nein!"
„Also!"
Martin kam dem Polsterstuh! nah,
der für Honorntiorenbesuche neben
dem Tische stand, aber setzte sich nicht.
Der Medizinalrat sah ihn forschend
an. Das Fiebrige siel ihm auf.
„Kommst du zum Doktor?"
, „Nein, Leopold, zu dem väterlichen
Freunde." -
Der Teutsche Eorrcspondcnt, Baltimore, Md., Mittwoch, den 22. November 1k)l6.
Aus den Polizcigcrichtcn.
Angebliche Slcaßenränber unter '
Bürgschaft de Großgeschworene'i
überwiesen. Sollen den 70-
jährigen John Redmond nieder
ge'chlagc und beraubt haben.
Ter Uebersall ereignete sich an
der Prattstraßen - Brücke.
John Rada. Nr. W7, Nord - Ehe
sterstraße,. und Michael Elart, Nr.
B<o, West - Prattstraße, wurden von
Richter Gerecht dem Gerichtsversah
reu unter MX) Bürgschaft überwie
se, weil sie angeblich de 70-jäbrigen
John Redmond von Nr. 2l l. Sn)
Moimtstraße. angefallen und nm
P 7.50 beraubt hatten. Tic Männer
hatten ihrem Opfer angeblich einen
Schlag in die Kinnlade versetzt, als
der Polizist Roche ans dem Schau
platze erschien. Tie Räuber machten
sich aus dem Staube und ließen ihren
Raub fallen. Polizisten des östlichen
Bezirks, die eine Beschreibung der
! angeblichen Räuber hatten, verhofte
ten dieselben später.
Kampf im Lnnchranme.
Ter Lniichrainn - Inpaber Andr.
Eonti von Nr. 29, Oft - Leestraße, ist
ein- großer Pechvogel. Vor einigen
Wochen verwüstete ein rabiater Ne
ger sein Lokal, als cs znm Zahle
kam. In der letzten Woche stahl
dem Manne e> Taschendieb den Bf
trag von P4OO aus der Tasche, als er
sich ans dem Markte befand, nutz
hatte er am Montag die Freude, sein
Lokal zum zweiten Male verwüstet
zn sehen. Ein Neger, der mit den
Preisen des Mannes nicht zufrieden,
demolirte Alles, was er in dem Rau
me erreichen konnte, und warf mit
Flaschen, Teller, sonstigen Gegen
ständen nach Eonti. Ter Neger wur
de von einem Polizisten überwältigt
und von Richter Ranft im südlichen
Polizeigcricht wegen unordentlichen
Betragens zn einer Geldstrafe von
.P2O nebst Kosten verdonnert.
Beide sind dickköpfig.
Eine Familien-Fehde zwischen dem
22-jährigen Gas. Rothsteiii, Nr. 2135,
Greenmonnt - Avenue, und seiner 18
jährigen Fra Grace. die jetzt im
Hause Nr. 308, Süd - Annstraße,
wohnt, wurde vom Richter Gerecht
dadurch geschlichtet, daß der Richter
dem Gatte befahl, seiner Ehefrau
!s;4 pro Woche zum Lebensunterhalte
zn geben, da alle Versuche, eine Eini
gung zwischen den. Eheleuten herbei
zusübren, fehlschlugen.
VerletztedieV e r kehr s-
Vors ch r i s i.
Vier Uebertreter der Verkehrs ° Ge
setze wurden gestern vom Richter Ge
recht entlassen. Ein anderer, der Nli
ger James Snowden von Nr. 613,
: Ensorstraße, wurde um Hl und die
Gerichtskosten besticht, weil er sein
KoldNtenblut
Ter weiche und zugleich gepreßte
Ton machte den andern stutzig.
„Schieß los!"
In Martinchen arbeitete eS. Alles
nahm der gesunde, kräftige, herrschen
de Mann fach- und sachgemäß, lind
lvas er da eben vom väterlichen
Freunde gesagt, das war ein Zuge
ständnis äußerer Art. Innerlich wa
ren sie einander ja gar nicht nahe.
Und in den raschen Bewegungen, mit
denen er da ja ans dem Tisch kramte,
Bücher und Papierstöße hi und her
schob, fühlte Martin schon die Unge
duld. ihn los zn werden.
„Ja, Leopold, ich bin in einer Art
seelischen Aufruhrs." Es wurde ihm
hier plötzlich leichter, als hei dem Se
nator, dem er hilflos und weinend
gegenüber gestanden.
„Willst eine Unmengc Geld wieder
für Bücher ausgeben, und der Herr
Vormund sagt schon von vornherein
ja das könntest dn doch schon wis
sen," klang eS in humorvoller Fär
bung.
„Nein, so leicht ist das nicht z er
ledigen. Mußt schon Geduld haben!"
„No no!"
„Ich will waS andere?. In einem
Jahre bin ich mündig. Ich möchte
aber jetzt schon mit deiner Zustim
mung die Verwaltung in Waldrode
übernehmen."
„So?" mit raschem Hinüberblicken.
„Es könnte dem ja schließlich auch
nichts im Wege stehen. Der Vermal
ter kann dich einführen. Denn den
wegschicken und dich einsetzen - daS
wäre ein bißchen kopflos. Erst mnßt
du alles kenne lernen!"
Als wenn er sein Eigentum van
dem Manne, der mit ihni den gleichen
Vater gehabt, geschenkt bekommen, so
warmherzig sagte Martin: „Ich danke
dir, daß du einverstanden bist."
„In aller Bälde hättest du ja ohne
dies Inn und lassen können, was dir
gefällt," wehrte der andere ab. Tenn
er war nicht jür Umständlichkeiten.
Ncnc Klage FormuÜriing.
Verzögerte den Beginn der Verband i
lung gegen John Hays Ham
mond im Snperior-Gericht.
Terselbe ist aus die Summe von
P 1,500,090 verklagt worden.
Tic gegnerischen Anwälte formn
lirteu einen anderen Klagegrnnd.
Ter Beginn des Verbörs vor dem
Richter Gorter und den Geschwore
nen in dev Schadenersatzklage von
Willard T. Torenuis und Addison
G. Tubcis gegen den weltbekannten
Bergwerls Ingenieur Job Haps
Hammond. der aus gestern angesetzt
war, wurde ans beute verschoben.
Sobald der Gerichtshof znsani
menget'-eren wav und die Geschwo
llen ausgewählt werden sollten, erbob
sich Edward N. Rich, der Anwalt
Hanimvnd's, und ersuchte den Rich
ter, die Verhandlung zn vertagen,
um den Anwälten des Verklagten Ge
legenheit zu geben, sich ans die durch
die von den Anwälten der Kläger ein
gereichten Ainendeinents hervorgeru
fene Aenderung der Klage vorzuberei
ten.
Nach einer Berathung zwischen den
Anwälten beider Parteien und In
formation seitens des Richters Gor
ter, winde der Beschluß gefaßt, die
Angelegenheit auf heute zn vertagen.
Ter Anwalt des Verklagten, Jo
seph C. France, erklärte dem Gericht,
daß die geplanten neuen Ainende
inents der Sache ein ganz neues Aus
sehen geben würden, und das; die
Vertheidiger deshalb Zeit nöthig hüt
te, nm über die neue Sachlage in's
Klare z kommen. Während Herr
Hammond zuerst beschuldig! war, ge
wisse Papiere im Werthe von P 1.500,
00 zn seinem eigene Vortheil ver
wendet zn haben, besagt die neue An
klage, daß er gewisse Werthpapiere
behalten und veräußert hat.
Tie Verhandlung soll heute Vor
mittag ihren Ansang nehmen.
Verlangt Schade n e rs a tz.
Im Stadtgericht reichte gestern
Retta Edelso eine Schadenersatzkla
ge gegen John M. Snpder, Inhaber
Fnbrwerk ans der verkehrten Seite
der Straße stehen gelassen hatte.
Aii s freie in Fus; e belasse n.
Polizeirichter Brendel im nord
westlichen Polizeigcricht beließ den
- Wagenführer der Straßenbahn - Ge
schäft Robert Haibert, welcher in Ver
bindung mit dem Tode der Negerin
Ella Morris, die von der van Halben
f geführten Elektrischen a der Madi
son - Avenue, nahe Laiireiisstr., am
- Montag Abend niedergestoßen wurde
- und im Marpland Allgemeinen Ho
spital verstarb, verhaftet war, bis
, zvm Ansgange der Untersuchung
- durch die Eoroners Inrp ans freien
> Fuß.
„Tein Einfall ist sogar Praktisch." I
„Ich denke Waldrodc sehr zn ver
schönern: will bamn, den Park aus
gestalten"
„lim dich dann mit deinen Büchern
wie ein Philosoph von Sanssouci drin
niederzulassen. Ja, Martinchen, so
was habe ich mir gedacht. Daß es so
mal käme mit dir. lind ist auch ver
nünftig!"
Er hatte noch nie so viel Anerken
nendes von Leopold gehört.
„Ich will heiraten!"
„Tn?"
„Ja!"
Eine Stille: das schrille Schilp n
zweier Spatzen drang in das Zimmer.
„Heiraten, Martinchen!" Fast
weich sagte der Mcdizinalrat das und
senkte de Kopf.
„Hast du — was hast du?" begehrte
der Jüngere auf, argwöhnisch näher
tretend.
„Nichts! Ich denke über diesen
Entschluß nach."
„So!" Ein Zittern ging durch den
Jünglingskürper. „Hast du etwa
was dagegen einzuwerfen wie"
„Wie wer?"
„Dein Freund, Senator Lavallierc
meinte, ich sei zu kränklich und
schwach, um Pflichten auf mich zn
nehmen." Seine fieberhafte Erre
gung ließ ihn übcrhastig reden. „DaS
ist einfach lächerlich. Sehr lächerlich!
Tn mußt doch selber sagen, daß ich
gesund bin." Und drängender: „Tn
mnßt, Leopold!"
Wie Funken glühte es in den Au
gen Martins: die Blicke des Medizi
nalratS waren eisig kühl.
„Sag mir, wie der Senator dazu
kam!"
„Weil ich seine Emma heiraten
will!"
„Weil du" Er wiederholte nicht,
der Plötzlich als ein Gegner dastand.
Er richtete seine Krastgestalt auf, wie
ein Sieger, der den Schwächling vor
dem Kampfe ablehnt. „Schlag dir
der Firma Automobile Transfer sc
Tvwing Eo., in Höbe von für
Verletzungen ein, welche sie erlitten
haben will, als sie bei': Ueber
schreiten des Fahrdammes an der
Watson- und Ereter-Straße, von ei-!
nein, d'c verklagten Firma gehören
den Lastauto niedergestoßen winde.
A walt verkl a g t.
Im Bnndes-Tistritts-Gericht zu
Philadelphia reichte John I. Mc-
Earthp ans Baltimore eine Schaden
ersatzklage gegen den Philadetphiaer
Anwalt William T. Neilson ein. Mc-
Enrthp verlangt den Betrag von
!j!5,121.31 zurück, welchen er angeb
lich dem Anwalt zuviel bezahlt ha
be, als derselbe eine Geldangelegen
heit für ihn regelte. McEarthp führte
an, daß er von Neilson die Summe
von P2OOO und ein Hans !m Jahre
1908 für eine Anleihe erhielt, dieser
aber später sein volles ENstheil aus
gezahlt erhielt, und den Betrag ans
das geliehene Geld verrechnet haben
soll.
Glück lich ges ch jede n .
Frau Elisabeth Wehner erhielt im
Kreiögcricht die absolute Scheidung
von ihrem Mann Hart Wehner. Tic
Frau hatte das genieinschnitliche
Hans verlassen, da ihr Mann sie mit
dem Tode bedroht batte: ebenfalls
soll ihr Gatte sie wiederholt mißhan
delt hauen.
Eine absolute Scheidung von ib
rem Galten William H. Sloan, auf
Grund der Untreue, erhielt Frau Ro
wena Llivia Sloan, eine Angestellte
der Staats-Indnstrie-Unsall - Com
mission. Tie Scheidung wurde im
Kreisgericht Nr. 2 ausgesprochen.
Gleichfalls erhielt die Frau die Er
laubniß, ihren Mädcheiinahmeii Har
rison, wieder z führen.
Europa und wir.
Rudolf Borchardt, der Dichter des
Buches loram, hat, bevor er als
Kriegsfreiwilliger in'-Z Feld gerückt
ist, am 5. Dezember >9ll in Heidel
berg eine öffentliche Rede gehalten
über das Thema „Ter Krieg und die
deutsche Selbsteinkehr". Ans der
Arbeit, die bei Richard Weißbach i
Heidelberg als Buch erschienen ist,
seien hier einige charakteristische Sätze
wiedergegeben: Seit lmndert lah
re schreiben wir und wir allein die
Geschichte europäischer Böller d
Staate, enorjchcn wir und wir
allein ihre Sprachen, ihre Bildung,
ihre Literaturen und ihre Kunst. Ich
habe daraus angespielt, das; der Auf
bau dieses ungeheure Repofito
riums oder, wie die Engländer ia
> gen, „Clearing Hause", für die okzi
dentale geistige Welt eine Ztzmtsche
' Tradition ist, die wir im Mittelalter,
wenn auch mit anderen als den Heu
- tigeii Mitteln, doch mit der gleichen
l Wirkung auf die Welt wie heute dar
> gestellt haben. Nichts europäisch
Großes war je da, wir hätten es
das ans dem Sin, mein Junge,"
sagte ee gemächlich.
i'lber Martins Wesen zeigte Ent
schlossenheit.
„Wie kämmst dn zn der Bemer
kung? Und ich bin nachgerade ein
Mann geworden, der weif;, was er
tun und lassen soll!"
„Schlag dir diese Gedanken ans
dem Sinne, sage ich noch einmal.
DaS ist törichter Kram. Setz dich mit
all deinen Büchern ans Waldrodr hin.
Bane, pflanze, philosophiere! Aber,
strecke nicht die Hand nach dein Mäd
chen im Scnatorhanse ans."
Weiter riß der junge Mensch die
Angen ans.
„Bin ich krank? Sprichst dn mir
auch das Todesurteil?" gurgelte cs
ans seiner Brust dumpf auf. „Dn - -
dn"
Ter Medizinalrat warf den Kopf
zurück.
„Las; cs genug sein, Martin!"
Diesmal kam die Verkleinerung
nicht, und trotz seiner Aufgeregtheit
fiel das dem fragenden auf. Es
huschte durch sein Hirn: Warum
hatte Emma nur den Bruder in ihm
sehen wollen? WaS hatte der Sena
tor mit der Bemerkung gemeint, daß
sie einen gesetzten, angesehenen Mann
im Sinne haben könne? funken vor
seine Augen, als flögen sie ans der
Schmiedcesse: ein Glucksen in seinen
Ohren, als flösse all das Wasser deö
Mühlgrabens hinein. lind dann
streckte er die Hand gegen die breite
Brust da vor sich ans, und keuchend
kam es über seine spröden Lippen:
„Dn dn selber denkst an Emma
Lavallierc!"
Und es war ein eisig kalter Ton,
in dem das eine Wort siel: „In!"
„Dn selber und sie sie
will das auch?"
„Vorläufig geht das keinen etwa?
an. Einstweilen habe ich die väter
liche Zusage, und hast dn zn schwe'-
gen wie ein Mann, Martin
Nadikalheilmig der Nervenschwäche.
Schwache, nervöse Personen- geplagt von Hoffnungslosigkeit und
schlechten Träumen, erschöpfenden Ausflüssen, Brust-, Racker- und
Kopfschmerzen, Haarausfall, Abnahme des Gehörs und der
Katarrh, Magendrücken, Stuhlverstopfung, Müdigkeit, Erröthen,
Zittern, Herzklopfen, Brustbeklemmung, Aengstlichkcit und Trübsinn
erfahren auS dein „Jugendfreund", wie alle Folgen jugendlicher Ver
irrungen gründlich in kürzester Zeit und Tinkturen, Sameuslusp
PhimosiS, Krampfadct'- nd Wassrrbrnch nach einer völlig eueu Me
thode auf einen Schlag geheilt werden.
Dieses iiuer-llante und lehrreiche Buch (nencsle ullaae), welche don Jung und
M, Mann nd rau gelesen werden sollle, wird ege Linien düng don L 8 >!en> u>
ricsinarlen versundr vo der
Teutschen Privat-Klinik, 137 East 27. Str., New-Uork, N.-A.
Äkmi kiwdhoe de „Ivaliimorr ciorreiv-iide-.
denn erforscht und bewahrt. Wie ein
schattenhaft riesiges Alerandria siebt
die Summe unserer Unitersitäten,
unserer Stndirstnben und von Bü- >
chern bewohnten Tachmansarden ge
gen den aiissterbenden Knltnrznsam
menhang einer nlien Welt, gegen das
heutige Cnropa statt des habplonisch
hellenisch-ägnptischen Zusammenhan
ges von einst. Wie Arisiarch nd
Aristophancs von Bpzanz aus jenen
Nothwendigkeiten, sind Lachmann,
Ranke, Diez ans den sei spontan
entstanden.
Ter englische Universitätslehrer,
deö-letzthin behauptet hat, Deutschland
habe zu den Wissen schäften nichts
Rechtes beigetragen, bat von seinem
Standpunkt ans völlig recht; über
die Möglichkeit zu demienigen beizn
tragen, was die Engländer „schalar
slnp" nennen, ist Deutschland seit Ge
nerationen ungefähr so weit hinaus
wie über das Blntbesprechcn und
Goldheren. Dagegen muß die Fähig
keit. zu Wissenschaften der humanen
Sphäre im neuen Sinne beizutragen,
hier erworben werden, oder sie wird
garnicht erworben. Zwischen allem,
was war, und allein, was wird, sind
wir, ich kann es nicht anders als mit
einem schon gebrauchten Wort bezeich
nen, der Rialto. ein Markt, der auch
eine Brücke ist. Oder man kan in
einem anderen Sinne sagen, wir sam
meln es der Zukunft in ein nngehe
res Becken, ewig verantwortlich für
seine Lauterkeit und seine Dichte.
Das Maß. in dem die Welt durch
ns, nicht durch England, heut schon
Shakespeare als einen Genossen des
natürlichen Lebens besitzt, wie die Bi
bel, das Maß, in dem unsere Theater
Moliere nd Ealderon allen leichthin
und selbstverständlich darbieten, ist
für diesen Prozeß spmbolisch.
Ihn abzubrechen, ist unmöglich,
ohne uns selber zu verleugnen, ihn
fortzuführen, unmöglich, ohne die
ständige stille Abbeit des Indivi
dunms. und diese Arbeit, wie alles
Verhältnis; zur Größe, ist so schwer
wie beglückend, bietet die Erhebung
nur für den Verzicht. Den fordern
freilich nicht die Flitter der gesunke
nen europäischen Gegenwart, und >w
Von L. Velg
der du ja sein willst!"
Ter hielt sich an der Lehne wS
Sessels.
„Sieh, Martin, ob nun Emma
oder eine andere den Heiratsge
danken mußt du ausgeben. Das ist
mal so. Tn kannst alt werden, aber
eine Ehe eingehen nein, Martin,
es wäre Selbstmord. Wir sprechen
einmal ruhiger darüber. Wenn du
daS in dir verarbeitet hast. Emma
wirst du als Schwester haben. Wie
sie dich doch eigentlich bisher immer
schon als Bruder betrachtet hat!"
Ein Glockenzeichen.
„Binchen ruft zu Tisch! Komm,
Martin!"
Ter stand, stierte in die Luft, und
dann rief er: „Bruder, jawohl ein
Bruder!" und das Lachen kam ihm
an schrill, mißtönend klang es.
daun ein Schwindel, die Funken flo
gen, das Gluckern war da, er drehte
sich fast um sich selber und stürzte zn
Boden.
* *
„Is't wahr?" fragte Hanne und
sah auf Tiarcks breite, rote Fäuste,
mit denen er ohne Uebereilnng im
Hof am Zaumzeug hantierte. Es war
ein Tag mit den ersten Nebeln, die
Windstöße immer wieder zn verjagen
versuchte. Braunrote Blätter führ
ten einen wilden Tanz dazu auf. Tie
Bäume wurden zusehends kahler.
„Wenn da dat ineinst!" Er machte
eine die Lust durchschneidende Bews
gung.
„DunimerKerl, was könnte es denn
sonst sein! Ii kani't nach Nordhcim.
Js man gut so."
Sie stellte den Besen an die Wand
des Nebenbaues und stein,me ihre
Arme in die Seite. Mens Tiarck,
ich brauche dich ich nachzuhcnlen'"
„Nee!" Er grinste in Zufrieden
heit. „Swarte haben mich nn einmal
nirgendswo gefallen."
lln de Witte mot Wohl am Eime
"hulen?" forschte sie hämisch. „Es
es nur dieß' aufzuraffen galt, war es
Icicht, Europäer z fein. Aber das
alte Enivpa. von dem wir staunm.'-
das wir erben, indem wir ns des
sinkenden Europas erwehren bas
Europa, i dessen Sinne Goetbc
Weltbürger sei wollte, und das st'
dabin ist wie fein Italien, was war
cs und was war cs nicht! Wir kW'
gen um die verlorene Schone: wK
bauen sw wieder, in nuferem Herze
bauen wir sic auf: aber nur in
sei ein Herzen.
Bni-Tariipscr.
„Baltimore n. Philadelphia Dam-
Pser-Co." (Ericsson-Linie), Pier 1-
Light-Straße.
„Baltimore. Chesapcake L Atlantic
Railwatz Co.", Piers 4, ästh. k>, <>
und 8. Lightslraße, und Pier 1-
P.att-Straßc.
„Baltimore Stcam Packet Co."
(Old Bap Line), Piers 10 —13.
Light-Straße.
„Chesapeale Stcamship Line",
Pier 19. Light-Straße.
„MerchantS and Miners' Trans
portation Line", Pier 0, Fuß
Süd-Gaystraße.
„syork River Line", Pier 18, Light-
Straße.
„New-Nork und Baltimore Trans
portation Co.', Fuß der Frederick-
Straße.
„Tolchcster Steamboat Co.", Pw*
16, Light-Straße.
„Marpland, Delaware and Vir
ginia", Piers 2,3, 4,7, 8 nd 9.
Light-Straße.
Viel verlangt. Tarne:„l<H
meine, ans dem Porträt märe wein
Haar etwas zu diinkek." „Maler:
„Wollen Sic es ändern oder soll b
es thun?"
Kluge Frauen
halt, Immer rin Flasch Dr. Richter'^
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wird woll'n tranrigenAbschied, wat?"
TiarckS Finger schienen ein wenig
verklammt. Er legte die Sachen ans
die Bank und zog die Schultern zu
sammen.
„In Nordheini gibt es oot Mä
chens, ook Witte." Tann schien er
offenbar keine Lust zu einer Fortset
zung des Gespräches zu haben. Ec
nahm seine Arbeit wieder ans.
Hanne faszte ihren Besen und fegte
die Trittstuse, und dazu sang ne.
Gerade dem Holzkopf mit den weihen
Haaren wollte sie zeige, das; sie sich
ans dem Fortkommen von ihm und
sämtlichen Soldaten nichts mache.
Gar nichts. War sie klug gewesen!
Sie konnte die Kerle mit den blanken
Rüstungen abziehen sehen und lachen.
Hellauf, wie sie jetzt sang:
„Und nimmst dn dir dien andern Schah,
So sprinn ich gleich mit einem Satz,
Wollt in den Bach, wohl in den See,
Wohl in das tiefe Meer, o Wehl"
Da mus;te sie stutzen. Eine muhte
auch mit tränenden Augen den Leuten
hoch zn Ros; nachblicken, wenn sie un
term Schloß ans der Chaussee hin
nach der Papenhöhc hinauf ritten, den
Weg ach der künftigen Garnison
hin: ihr Fräulein.
Er war drinnen in der Stube bei
Emma, der schöne Rittmeister. Der
Senator war mal wieder mit dem
groben Herrn Medizinalrat über Land
gefahren.
(Fortsetzung folgt.)
DaS wertvolle Sckslachlvielj.
Ninst gab er seiner lieblichen Braut
Die Namen von Blumen, duftend und
traut,
Und nannte sie voll Begeisterung:
„Du pillie, du Veilchen, du Röslcin
- . jung".
Der Krieg bertauichtc Wert um Wert,
Das Hehre ward Nein, das Schlichle ge
ehrt;
Jetzt nennt er jung noch sein holdselig
Kind
In hei her Verwunderung: „Tu Schwein,
du Rind" -

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