OCR Interpretation


Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, January 01, 1917, Image 6

Image and text provided by University of Maryland, College Park, MD

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045081/1917-01-01/ed-1/seq-6/

What is OCR?


Thumbnail for 6

6
Lokalberichte ans Washington.
Keine Sitzung im Ingend
geri ch t.
Tie Polizei wurde benachrichtigt,
daß wegen des Nenjahrstages heute
keine Sitzung des Jugendgerichts
stattfindet.
Poli z ci geri ch ts - Sitzung.
Beide Zweige des Polizeigerichts
werden heute offen sein. Ter Ti
slriktSzweig unter Borsitz des Rich
ters Pngh wird mit den Verhören
nm 7 Uhr und der BnndeSzweig un
ter Richter Milllowney mit denselben
nm halb 9 Nbr anfangen.
E ardi na l G ibbonS conf i r
mi rt e.
Lardinal Gibbons confirmirte ge
stern Morgen in der katholischen St.
Panis-Kirche eine Klasse von 200
Kindern und Erwachsenen. Die Ge
nicinde nahm die Anwesenheit des
Eardinals wahr und drückte ihm ihre
Wünsche für den Fortbestand seiner
Gesnndbeil ans. Diese Glückwünsche
wurden ibm bei einem informellen
Empsaiige im Priesterhause der St.
PanlS-Kirche nach dem Gottesdienste
dargebracht.
Fen e r i m Tchnlha n 8.
Ein Feuer in der Akademie zur
unbefleckten Empfängnis;, einer Tog
schnle für Kinder, Nr. 1554, 8. Str.,
N. W., verursachte einen Wasser
niid Brandschaden von über PlOOO.
Der Ursprung des Feuers ist nicht
bekannt. Tic Flammen wurden nm
!i Uhr Nachmittags im Erker des
zweiten Stockes deS Gebäudes von
der im Dienste siebenden Schwester
entdeckt. Es waren keine Kinder an
wesend, da dieselben Ferien bis zum
kl. Januar haben. Tie Schulleiter
sagten, daß wegen der durch das
Feuer und Wasser iiötbig geworde
ne Rcaratnrarbcitcn die Wieder
eröffnung des Unterrichts vielleicht
hinausgeschoben werdcn wird.
Betagter Neger erleidet
Brnndw ii d e n.
Ein 80 Jahre alter invalider Ne
ger, John Berry, erlitt schwere
Brandwunden am Körper, als ein
Petrolenmofcii in seiner Wohnung,
Nr. 2728, P Straße, N.-W., umsiel
und ei Feuer verursachte. Seine
ihm z Hülse eilende Frau, Ellen
Berry, wurde an den Händen leicht
verbrannt. Ter Mann wurde nach
dem Emergeiicy-Hospital geschickt.
Patrone explodirte.
Jack A. Gibsoii, Nr. 1247, 22.
Straße, N.-W., und Henry Parker,
Nr. 1024, 25. Straße, beide 12 Jahre
Istst Lüuxllwxs uaä Linäsr
lli 6kgNMisciMM>.B 30MIM
Immer mit cksr
fasd
(Schluß.)
Dem Dürnstciner ging es nicht gut.
Bn einem Besuch seines Sohnes war
er ins Land hineingeritten und hatte
dabei einen Streifschuß wegbekommen,
den irgendein schlitzäugiger Halunke
hinter einer Deckung hervor abgefeuert
hatte. Die Wunde war an sich nicht
gefährlich, aber es waren Stosfetzen
mit eingedrungen. Hans wollte die
Sache vertuschen schon seiner Frau
wegen aber bald kamen starke Fie
bererscheinungen hinzu.
Der Graf wehrte sich uckt Leibes
kräften gegen den Regimentsarzt, der
ihn ins Bett stecken wollte. Schließlich
suhlte er sich aber so elend, daß an
Ausstehen nicht mehr zu denken war.
Ein Glück nur, daß es der linke Arm
war!
Als Hastfield dem alten Freund
endlich gegenüberstand,war er erschrok
ten, ihn so elend wiederzufinden.
>-!,Ja, mit mir geht's zu Ende,"mein
der Dürnstciner dumpf, „wenn's
nur schnell wäre."
Hastfield griff der Jammer des
Freundes ans Herz, aber wie gut ver
stand er ihn. Todesahnung und To
dcssehnsucht,, wie oft hatten sie ihn ge
packt, als er in Indien das schleichende
Fieber hatte. Doch glaubte er das
Zauberwort zu kennen, um HanS den
Lebensmut wiederzugeben.
Es gab eine lange Aussprache. Hast
ficld erzählte freimütig alles von
seinem Werben um Lisa, von ihrer
Liebe zu Hans, von ihrer Eifersucht
auf Ethel. Er fand eine selbstquäle
rische Freude, zu berichten, wie kühl
und ungerührt sie in der Glut seiner
Leidenschaft gelebt habe, wie sie voll
herzlicher Freundschaft gewesen sei.
als sein Entschluß feststand, zu Haus
t zu gehen.
i Hans Dürnstein schlief in dieser
Nacht den ersten, gesunden Schlaf,
während Hastfield den Regimentsarzt
aufsuchte, mit dem er bis spät in die
Nacht hinein sprach und sich dann hin
setzte. um an Lisa zu schreien; - /
alt, wurden an den Händen verletzt,
als eine Patrone in einem Haufen
Sägespähne, den sie in Brand ge
steckt hatten, explodirte. Ihre Wun
den sind nicht gefährlich und sie
wurden von einem in der Nähe woh
nenden Arzte behandelt.
Unbedeutender Brand.
Feuer in dem Hanse von Frau H.
B. Smart, Nr. killt, Wisconsin-
Avenue. N. W., und von John Cnr
tis, Nr. 1101, Hals-Straße, N.-W.,
tonnten gelöscht werden, ehe sie neu
iienswertheii Schaden gethan Halter..
Arbeit von S ch l ei ch d i e b e.
Frau losepb Wright, Nr. 1415,
Massachusetts - Avenue, N. W., mel
dete der Polizei, das; Diebe eine
schwarze Pelzgariiitnr, eine schwar
zen Mantel und einen PW Schleier,
Gesammlwerth !j55, anS ihrer Wob
nung gestohlen hätten.
M n nzsa m mln g gestohlen.
Eine Sammlung alter Münzen,
einige Spitzengardinen und einige
zerbrochene Schmnctsachen wurden
ans der Wobnnng von Frau Flora
S. Johnson, Nr. 12!!, I. Straße,
N. W., gestohlen.
Stras;en r ä u b e r.
An der 12. und E Straße, N. W.,
wurde dein Duke Bell von Nr. 1447.
Ehnrch - Straße, N.-W., ein Beutel
mit P 5 in Scheinen und Kleingeld
ans der Hand gerissen.
Postwngeii haben kein Vo r.
recht.
Richter Pngh vom Tistriktszweigc
deS Polizeigerichts gab die Entschei
düng ab, das; das Publikum das
Wegcrecht ans den Straßen bat, und
dieselben nicht blockirt werden dnr
ieii. selbst nicht van Regiernngsfuhr
werken. Die Ursache dieser Entschei
dung war Edwin E. George, der
Ehanssenr eines Autoablieserimgs
wagenS der Postbehörde, der sein
Auto neben einem vor einem Tepar
tcmentstadeii stellenden Autyinobil
angehalten hatte, so das; das letztere
nicht fortkommen konnte. Als Ent
schuldigung gab George an, das; er
in großer Eile gewesen sei, nm die
WeihimchtSpost abzuliefern, und des
halb ans dem ersten besten Platz an
gehalten habe. Ter Richter bestrafte
Um nm P."> und erklärte, daß ein
Postkutscher nicht mehr Rechte ans
der Straße habe,.als irgend ein an
derer Bürger. Tie Stresse wurde snS
pcndirt.
Ausbrecher noch in Frei
h e i t.
Eine Anzahl Wärter und andere
Leute, die die Wälder bei Occoquan
und Umgegend nach Henry Smith,
einem Weiße, und dem Neger
Ralph Bell, den beiden noch ans
freie Füßen befindlichen Gefange
neii. absuchten, die am Freitag mit
vier Genossen aus dem DistriktS
arbeitshanse aiisbrachcn.baden bis so
weit nichts bon den beiden Flüchtliii-
„Teuerste Freundin!
Soeben Verluste ich Hans, dein ich
Briefe und Potete übergeben habe. In
meiner Eigenschaft als Freund stoße
ich hier alle Pläne über den Haufen.
Ich weiß, was ich versprach, und ich
halte mein Wort. Ich bringe Hans
mit dem nächsten Schiff, und zwar ge
radeswegs nach Dürnstein.
Er hat einen leichten Matariaanfall
gehabt, und der Regimentsarzt will
ihn in ein japanisches Seebad schielen.
Aber Hans leidet hauptsächlich an der
Sehnsucht, und so werde ich Himmel
und Erde in Bewegung setzen, damit
wir mit dem nächsten Schiff fortkom
men.
Die Seereise wird Hans wiederher
stellen und noch viel mehr die Erwar
tung des Wiedersehens.
Ich hoffe, daß wir schon morgen den
Tag unserer Abreise und den Namen
unseres Schiffes drahten können.
Hastfield."
Der Regimentsarzt war mit allen
Vorschlägen Hastfields einverstanden,
und der Graf war glücklich. Wenn er
erst das böse Klima hinter sich hätte,
wollte er schon gesund werden. So
fuhren sie mit dem nächsten Schiff
heim....
* >!> *
Hastfields Brief hatte Lisa in zit
ternde Erregung versetzt. An einen
leichten Malariaanfall glaubte sie
nicht. Hans kam gewiß schwerkrank
zurück, vielleicht verwundet. Sie war
auf alles gefaßt.
Sie würde ihn Pflegen, sie würde
immer um ihn sein.
Sie wehrte sich auch nicht gegen die
Girlanden und Flaggen, mit denen
das Schloß geschmückt wurde.
Als der Wagen vorfuhr, stand sie an
der Freitreppe, half Hans lächelnd
aussteigen und führte ihn in sein Zim
wer. Der Diirnsteiner hatte die Hand
zärtlich um ihren Nacken gelegt, und
Lisa fühlte mit Schrecken,wie schwer er
sich stützte und wie unsicher er ging.
Doktor Burlwart, der schon im
Haufe >yg.r, schM gUc sipZ auch
Der Teutsche Eorrespo,ident, Baltimore, Md., Montag, den 1. Januar 1917.
gen gesehen oder gehört, trotzdem sie
Tag und Nacht gesucht haben. Alte
verfolgten Spuren erwiesen sich als
falsch, und es wird angenommen,
das; die beiden Männer nicht mehr
ziisanime sind, Tie DistrsttSpolizci
bewacht die Brücken über den Patv
mac, da die Flüchtlinge vielleicht
versuchen könnten, sich zu Freunde
in der Stadt z begeben. LoniS Ro
per, der Wächter zu Occoquan, der
von den sechs Männern bei ihrer
Flucht besinnungslos geschlagen
wurde ist noch immer im George
Washington llniversity - Hospital.
Tein Befinden hat sich etwas gebes
sert, und er dürste mit dem Leben
davonkommen.
Ter Polizei Mi Alexandria wurde
gemeldet, daß ein Neger mit Fesseln
an einem Bein z früher Morgen
stunde bei Lloyd Station, Alexan
dria County, einen nordwärts fah
rende Straßeiibahnwaggon bestie
gen hätte. Er soll den Wunsch geän
ckßert haben , nach Washington sah
reu zu wollen, und war sehr ent
täuscht, als ihm gesagt wurde, das;
der Waggon in dein Foiirinste Rim-
Waggoiischnppen siir den Rest der
Nacht verbleiben piirde. Als derselbe
dort ankam, verschwand der Neger,
ohne eine Spur zu hinterlassen.
. „Germania - Elb."
In seiner letzten Geschästssitzimg
bewilligte der „Germania - Elb"
Ptoo zum bcvorstebenden Bazar.
Tie Ex-Präsidentcii des ElnbS wei
den der Bazarleitung mit Rath und
That zur Seite stehen. Ferner wer
den verschiedene Mitglieder des
Clubs durch mancherlei Neberra
schniigen aktiv am Bazar tbeiliieb
ine.
Aus dein Inneren Maryland s nnd
den angrenzenden Staaten.
John Meisel gestorben.
Einer der bestbekaimten Fischer
leute von Enmberland, Herr John
Meisel. starb im „Western Maryland
Hospital" nach einer drei Tage lang
dauernden Lungenentzündung im Al
ter von 52 Jahren. Er hatte sich ein
Grundstück ans der South Brauch
nahe von Sprstigsield, W.-Va., ge
kaust, wo er ein Bungalow errichten
wollte. Er wird von drei Brüdern
und vier Schwestern überlebt.
Eoiitrakt vergeben.
Ten Contrakt für die Eoiistrnktian
des PostgebändeS i Frederick, Md.,
ertheilte das Schatzamt der D. M.
Andrew Eonipaiih für P 70.000.
57 5 HeirathS- L i c e ii z e n
a n s gcstell t.
Während des Jahres 1010 wnr
de in Rockville, Md., 575 Heiraths-
Licenzeii vom Elerk des Kreisgerichts
tzOkieis- sk-ik-s.sk
-2. s o k? -
Lisa. Die größte Vorsicht war gebo
ten, denn niemand konnte wissen, was
sich aus den schweren Fiebererfchcinuu
gen entwickeln würde.
Lisa saß in Dürnsteins Arbeitszim
mer vor dem Schreibtisch. Ihre
Selbstbeherrschung brach zusammen.
Sic hatte nicht an die Möglichkeit ge
dacht, daß man sie von ihrem Mann
trennen würde, aus welchem Grund es
auch sei. Sie sah durch das offene
Fenster Fritz und Hastfield in aufge
regtem Gespräch vor derSchloßterraste
auf und ab gehen.
Ein zweiter Wagen brachte einen
Pfleger und eine Pflegerin. Kurz
darauf trat Doktor Burkwart bei ihr
ein und legte ihr väterlich beruhigend
die Hand auf die Schulter.
„So meine kleine Freundin, jetzt
müssen wir zeigen, was wir leisten
können. Ich weiß, welch unendlich
großes Opfer wir von Ihnen verlan
gen. Aber die größten Heldentaten
werden oft durch Verzichten geübt.
Das ist unser Fall, mein geliebtes
Kind. Sie werden im Interesse Ihres
Gatten und um ihm jede Aufregung
zu ersparen, aus die Pflege verzichten
müssen. Unser Freund bildet sich ein,
ein typhöses Fieber sei im Anzug, und
der Gedanke, Sie anstecken zu können,
würde ihm von vornherein die Mög
lichkeit der so nötigen Ruhe nehmen.
Ich glaube nicht an einen Typhus, viel
eher an eine Gehirnentzündung. Aber
er selbst Hai eben das Versprechen von
mir verlangt, daß niemand von der
Familie sein Krankenzimmer betrete.
Ich bleibe die Nacht im Schloß. Ich
habe mich mit reinem Neffen in Ver
bindung gesetzt. Er kommt noch heute
abend nach Dürnstein und übernimmt
meine Praxis, bis Hans ganz außer
Gefahr ist. Sollte sein Befinden an
haltend bedenklich sein, so bleibe ich
überhaupt im Schloß, dann müsse
Sie mir schon Gastfreundschaft gewäh
ren!"
Lisa reichte dem treuen Freund ge
rührt die Hand. „Sic sollen mit mir
MMU-Pst" Much.
Ans den Pvlizeigerichten.
Straßenränder zu sechs Monaten
Arbeitshaus verdonnert. Der
Neger G. lefscrson der Vernr
theilte. Hatte seinen Nossege
nossen M. Jones mit einem ode
re Neger überfallen und fast er
würgt.- Die Beute war POB.
Zn sechs Monaten Arbeitshaus
wurde der Neger Garsield lesscrsoii
von Richter Raust im südlichen Di
strikt verdonnert, weil er seinen
Nnssegeiwssen William Jones in
Nr. 721, Braimaii Eonrt, überfallen
und beinahe erwürgt halte. Nach
Aussagen des Letzteren wurde er
bon Icsserson niedergehalten, mäh
reiid ein anderer Neger seine Geld
hörsc mit POB Inhalt stahl.
Ging straffrei ans.
Eine elegant gekleidete, hübsche,
dunkeläugige Frau, die angab, Frau
Gertrnde Gardeila, :!2 Jahre alt.
von Nr. 280, >4. Straße, Washing
ton, zu sein, mußte gestern wegen
angchlicher Trunkenheit vor Richter
Packnrd im mittleren Polizeigcricht
erscheinen. Die Fra wurde von dein
Polizisten Forrest in der Endstation
der „Washington, Baltimore und
Aniiapvlis Bahn" verhastcl. Sie
gab an. in einem Roadhnnse in der
Nähe von Brooklyn gewesen zu sein.
Ans dem Wege nach der Polizcnsta
tion bekam sie einen Ohnmachts
aniall und mußte nach dem Merry-
Hospilal gebracht werden. Die Pali
zeiwolrone fand süns werthvolle
Diainantringe und eine Diamant
brache in den Taschen dee Fra.
Richter Packard entließ dieselbe,
nachdem sic versprachen batte, mit
dem nächsten Zuge nach Washington
zurückzukehren.
Kein Besuch'er seit drei
Tage ii.
Im nördlichen Polizeigericht Mai
es in den leiste paar Tage sehr
still, und seit Donnerstag wurde an
Strafgeldern nicht ein Cent einge
nommen, und wenn e-S so weiter
geht, können Richter Schroeder und
Eapitäii Eharles 81. Hurley die
Bude zumachen. Tie leisten drei Ge
fangenen wurden am 28. Dezember
entlassen. Obgleich in dem nördlichen
Polizeigcricht nie sehr viele Fälle
ausgestellt. Dies ist ein Rekord, da
diese Zahl die größte, die je in einem
einzelnen Jahre ausgestellt, bei fass
50 übersteigt.
Van den Licenzen wurden 227 an
Brautpaare vom Eolumbia-Distrikt,
>B7 an Brautpaare Po Montgo
mery Eoimty, II I an Bewohner von
Birginien, I I an Baltiiuorer und die
übrigen an Paare von verschiedenen
Theilen deS Landes ausgestellt.
„Sagen Sie mir nur, lvas ich tun
kann, um mich nützlich zu machen."
„Heute lasten wir unseren armen
Freund ruhen, wie wir ihn gerade ge
bettet haben. Aber morgen früh wer
den wir ihn in die Zimmer des linken
Flügels bringen. Das ist sein eigener
Wunsch, und er ist damit mcinenWün?
chcn entgegengekommen. Ihre Arbeit
wäre also, zu sorgen, daß in den neu
hergerichteten Zimmern alles so ist,
wie Hans es gewohnt ist. Wir haben
die schöne Dürnsteiner Lust und die
großen Fenster und Flügeltüren: und
für völlige Ruhe — da wollen wir zwei
schon sorgen!"
Der Arzt hatte in allem recht behal
ten. Des Dürnsteiners Krankheit er
wies sich als eine schwere Gehirnent
zündung. In seinen Fieberphantasien
spielte der Brand des Kaiserpalasles in
Peking eine Hauptrolle. Dann wollte
er aus dem Bett heraus, wollte helfen
und retten und wehrte sich verzweifelt
gegen seine Pfleger.
Die berühmtesten Aerzte, die Burg
wart in seiner Angst herbeiholte, hatten
die Anwesenheit Lisas im Kranken
zimmer streng verboten. Jede erhöhte
Aufregung konnte dein Kranken den
Tod bringen.
Wenn der Dürnstciner gegen Son
nenuntergang etwas natürlichen Schlaf
fand, dann kam Fritz und holte Lisa
auf einige Minuten vor das Kranken
zimmer, das sie aber nie betreten durf
lc. Sic durfte nur einen Blick auf daS
Krankenbett werfen, wo ein Leben, das
sie mehr liebte als das eigne, mit dem
Tode rang.
So gingen vier Wochen ins Land,
bis eines Morgens Doktor Burkwart
mit Tränen in den Augen und dock)
voller Freude erklärte, daß zum ersten
mal die Temperatur beinahe normal
sei. Die Wahnvorstellungen, die den
Kraulen auch im Wachen gequält hat
ten, waren seit einige Tage ver
schwunden.
Bald fing der Diirnsteiner auch an.
ein unbequemer Krauter zu werdcn
xmmeL rief er uach List'.
In der Gewalt eines Negers.
Ein schwarzer Hallunke zwang Frl.
Sherman, die Wohnung der Frau
Hummer zu durchsuchen. Be
drohte die Frau mit einem Revol
ver und lies; sich bewirthen.
Ihre zweite Erfahrung nist die
sem Gesindel.
Die lange Reibe von Verbrechen,
welche, von Negerbanditcii im nord
westlichen Distrikt verübt werden, hat
sich wieder um eins vermehrt. Die
28 Jahre alte Lily M. Sherman,
welche letzten November von zwei Ein
brechern i ihrem Heime, Nr. 1810.
Edmondsoii - Avenue, chlorosormirt
wurde, war das Opfer des Ilcber
saües einer dieser schwarzen Halm,
len. Ihr war von Frau Elisabeth
Hummer, welche einen Groceryladen
in der obigen Adresse führt, am Sam
stag Abend die Abhnt über deren drei
Kinder und des Geschäfts anvertraut
Warden, da Frau Hummer die Absich!
hatte, in's Theater zu gehen. Kurz
nach 8 Uhr betrat ein Neger den La
den, bestellte sich für einen Ecnt Ean
dy. wosürer eine Dollarnote zur Zah
lung überreichte. Nachdem er das
Wechselgeld in Empfang genommen
hatte, kaufte er sich eine Cigarre und
setzte sich frech aus einen Stuhl neben
der EiiigangStlmr zur Wohnung. In
besehlerischem Ton verlangte er ein
Streichholz.
In der Angst, daß seine lenteStim
ine die Kinder aufwecken würde, gab
sie ihm das Gewünschte. Immer drei
ster wurde der Neger. Als das jüngste
Kind zu schreien anfing und Frl.
Sherman es beruhigen wollte, ver
stellte ihr der Neger den Weg, zog
einen Revolver hervor und besaht
ihr, den Weg zu Zeigen, wo sie ihre
Wcrthsacheii aufbewahre. liiSchreckcn
gefasst, sing die junge Frau an, die
Wohnung durchzustöbern. Als niiii
alle drei Kinder bei', Anblick des Ni
gers mit dem Revolver in der Hand
Zn schreien ansingen, machte sich Frl.
Sherman daran, sie Zn beruhigen.
Als der Neger nichts seinem Wim
alle entsprechend fand, verlangte er
barsch, daß man ihm etwas Zn essen
gäve. Auch diesem Befehl kam Frl.
Sherman nach nd lachte ihm eine
Tasse Kaffee und stellte Brot ans den
lisch. Doch trockenes Brot war dzmi
! Unverschämten nicht gut genug, so
ans den Urtheilssprnch des Richters
warten, ist es doch seit langer Zeit
nicht vorgekommen, daß in drei as
eiiiaiidci-sotgeiiden Tagen kein ein
! ziger Mann in's Protokoll eingetra
gen wurde. Während Eapitä Hnr
lch hierüber sehr erstem ist. meinte
„Pak" West jedoch gestern Morgen,
daß er doch ab und zu einmal einen
„Besucher" sehen möchte.
Aber Doktor Burkwart blieb hart.
„Wenn die Gräfin verspricht, bis in
den Tag hinein zu schlafen, dann zu
frühstücken und eine Spazierfahrt zu
machen, so darf sie außer der Stunde
vor Tisch jetzt nachmittags von 4 —7
Uhr bei dir sein mehr wäre voin
Uebel. Dann könnt ihr Domino oder
Belagerung spielen. Keine aufregen
den Gespräche, bitte. Wir werden noch
viel Ansprüche an die Gräfin stellen
wüsten. Das Gehen wirst du nach
dem langen Liegen überhaupt erst wie
der lernen wüsten, du warst doch drü
ben schon wochenlang fieberkrank, das
darfst du Nicht vergessen!"
Ter Diirnsteiner lächelte wehmütig,
nein, das würde er nicht vergessen, auch
ohne daß man ihn daran erinnerte.
„Also." schloß der Doktor, „Schwe
ster und Pfleger tun ihre Pflichten
weiter, bis der Herr Graf ganz gesund
sind, denn wir wollen hier leine neuen
Patienten haben, und die Lisa ist in
den Tagen der Angst und Not arg
durchsichtig geworden!"
-- >
Weiche, warme Juliluft drang durch
die weit geöffnete Balkontür in das
Krankenzimmer. Es war ein schwü
ler Tag. Der Diirnsteiner hatte ei
gentlich aufstehen sollen aber Lisa
war sa. ängstlich. Sobald er ihr leb
hafter und kräftiger erschien, fürchtete
sie die Rückkehr des Fiebers, und HanS
fühlte sich behaglich in seinem Bett.
Aber die Hitze war erdrückend, und er
fing an, sich unruhig in den Kisten hin
und her zu werfen. Lisa betrachtete
ihn mit erregter Besorgnis.
„Ich glaube, ich könnte schlafen.
Sing' mir doch etwas, aber ohne Lau
te, dann brauche ich deine Hand nicht
freizugeben."
Und Lisa sang des DürnstcincrS
Licblinaslicd: „Als die Preußen mar
schierteu vor Prag" sang es halb
laut wiegend, wie man ein Kind in den
Schlaf singt.
Da schien ibr auf einmal, als zucke
seine Hand, sic beugte sich vor und
fund sein Gesicht mit einem Mu^hiaß
NadikiUheiliiiig der Nervenschwäche.
Schwache, nervöse Personen, geplagt vvnHoffnungSlosigkeit und
schlechten Träumen, erschöpfenden Ausflüssen, Brust-, 'Nacke?- und
Kopfschmerzen, Haarausfall. Abnahme des Gehörs und der Sehk-->ZZ
Katarrh, Magendrücken, Stiihlverstopfung, Müdigkeit, Erröthen,
Zittern, Herzklopfen, Brustbeklemmung, Slengstlichkcit und Trübsinn
erfahren aus dem „Jngeudfrcmid", wie alle Folgen jugendlicher Ver
irrungen gründlich in kürzester Zeit und Strikturen, Samruflutz,
Phimosis, Krampfader- und Wasserdruck) nach einer völlig neuro Me
thadc aus euren Schlag geheilt werden.
vverklsanle "hl Ichr-et- Vth (iixuellc IviNanel, wctztzc von Jung und
BcMmnrlcn """ ü-gcn iinlendung von LL Lkiil m
Teutschen Privat-Klinik, 137 East 27. Str., Ncw-Nvrk, N.-U.
ti „cilllNtnurc Sorrr'stouostst. —,,
daß ihm ,v>'l. Sherman auch eine!
Büchse mit Molasse serviren musste. !
Außerdem wurde sie noch weiter er !
niedrigt, als er sie zwang, sich ihm s
gegenüber zu setzen. Glücklicheiivesse
lam in diesem Augenblick ein Knude
iii'S Geschäft; j„ seiner Hast, pas
Zimmer zu verlassen, riß der Neger
das Porzellangeschirr vom Tisch n„d!
rannte durch die Küchenthür ans die >
Straße. Die Polizei wurde gestern i
Morgen von dem Borfall in Kennt
iß gesetzt.
Die einzige Spur außer der Be
schreibung, die Frl. Sherman von
der Neger gegeben, war ei Brief,
den er ans de Fußboden hatte fallen
lassen und der augenscheinlich von
ihm an einen Eomplizen in Philadel
phia geschrieben war. In dcinscl
den erklärte er, 'daß der Boden in
Baltimore zu heiß sei. und er beab- !
sichtige, auf einem Güterzuge nach
Philadelphia zu verschwinden. Ter
Brief war nicht unterzeichnet.
Ans der Straße ü bc r
falle.
Als ,n'l. Rose EarSley von einem
Besuch bei einer Freundin nach ihrer
Wohnung. Nr. >Bl3. RiggS Avenue,
zurückkehren wollte, sprang an der
Preston, nahe Calvert Straße, ein'
großer Neger ans einer dunkle Gasse !
und ergriff sie bei'. Arm. sie war -
end, ja leinen Laut von sich zu ge
bei,. Dann entriß er dein Mädchen
ihre Handtasche, die einige Schmuck
fachen und Geld enthielt, und ver
schwand. Frl. Earsley meldete den
Borsall im Hanptnartier.
Aii S Loiid o „. „Haben Sie
schon gebort, alle Angehörigen des
'Bureau Reuter in London müssen
strenge Abstinenzler sein. Sonderbar,
was?" -- „Wiefa sonderbar, das ist
doch sehr erklärlich. Natürlich müs
sen alle Abstinenzler sein: denn im
Weine' liegt ja"— Wahrheit!"'
Zin css Freiwillige. —„Son
derbar. ich hab' mich freiwillig ge
meldet, weil ich ledig bin: und mein
Bruder ist freiwillig gegangen, weil
er verheiratliet ist."
------ Roman nm,
Caerilie Achenbach.
und fahl, sie glaubte ein leises Röcheln
zu hören das Herz stand ihr still.
Sie wollte schellen, aber die Schnur
war herabgeglitten,und Hans hielt ihre
Hand krampfhaft umschlossen.
Sie legte den Kopf an seine Brust,
angstvoll horchend —aber sie hörte nur
das Pochen des eigenen Herzens, sonst
nichts da fuhr sie auf mit lciseni
Schrei.
Hans öffnete erschreckt die Augen
und sah sie fragend an, wie sie dastand.
Was war das gewesen? Er wußte es
nicht. Lächelnd breitete er seine Arme
aus. Lisa schmiegte sich, alles verges
send, an feine Brust, beseligt, wie stark
und fest seine Arme sie umschlossen
hielten.
„Hans, wie kann das Herz nur gar
so viel ertragen! Ich habe oft gemeint.
der Jammer müsse mich töten!"
„Süßes! Jetzt denken wir nur noch
an Glück und Leben, nun bleiben wir
immer beisammen, und nichts und nie
mand kann uns trennen!"...
Still saßen sie Hand in Hand. Bis
Lisa abgerufen wurde,aber es war nur
eine kurze Weile. Bald erschien sie
wieder. Und zu ihrer großen Ueber
raschung fand sie ihren Kranken in ei
nem leichten weißen Flanellanzug, eine
Zigarette zwischen den Lippen, im
Zimmer auf und ab gehend. Sie war
sprachlos und konnte kein Wort her
vorbringen als: „Aber Hans!"
Der Dürnstciner freute sich der ge
lungenen Ueberraschung.
„Ja, Kleines, Burkwart sagt seit
acht Tagen, ich sei gesund, du wolltest
es nur nicht glauben. Seit langem
habe ich jeden Morgen Gehversuche ge
macht, sogar Kn Garten, wenn Frau
Gräfin noch schliefen."
„Liebster, und ich wollte dich doch
vflegen!"
„Ach. Kind, ich will eine Frau und
keine Krankenschwester!" Und lachend
hob er sie hoch.
-x -I- -x
Es war im fünften Sommer nach
des Dürnsieiners Rückkehr von China.
Man faß aus großvi Wiese, Lisa!
Was der Mensch Alles aushalten
kann.
<Ans der „Deutschen Kriegszeitimg"
von Boroiwwstschi.)
Mau taun sich über etwas de
Kops zerbreche, den Kops sogar voll
ständig verlieren: inan taun aus den
Kops gefalle sein, einen offenen
Koch, ein Brett vor dein Kopfe, das
Hirn verbrannt haben oder auch ver
nagelt sein und lebt ruhig weiter.
Wir sterben darum noch nicht, weil
das Herz gebrochen ist oder wir es
iiinthwillig verschenkt haben, weil wir
lins krank, schief bucklig oder todt ge
lacht, die Lunge ans dem Leibe ge
sprachen baben, ans der Haut gefah
ren oder durch die Hechel gezogen
worden sind. Gewöhnlich spürt man
es recht spat nachher, das; man sich
den Mund oder die Finger verbrannt
hat, daß man über's Ohr gehauen
oder über den Löffel barbiert worden
ist. Wir selbst fühle cs niemals,
wenn uns eine Schraube loSgegangen
ist: Andere dagegen merken es bald.
Ohne unser Aussehen zu verändern,
können wir unser Attgc ans etwas
Wersen, die vergeben, die Nase
in eine brennende Frage stecken, den
Nückcii freimachen, die Beine in den
Leib stehen oder ablausen. Es kann
uns ferner ein versengender oder
stechender Block treffen, eine That
sache in die Augen springen, oder es
können uns sogar die Haare zu Berge
stehen. Dagegen wirkt cS sehr merk
bar, wenn lemaiidew der Mund ge
stopft oder mit dem Zannpsahl ge
winkt wird, wenn er von der Taran
tel gestochen wird, ihm eine Laus
über die Leber gekrochen ist oder er
sich den Magen verrenkt hat.
Klusie Faunen
r-11-n tmmrr,in, Mo,!-, Dr. Rt-liirr'
PM-MLULK
n H-i!c. Sin in-Kl>rmit!l dck aU,v
v§.amalll>l-n ckrUNuiigin,
li. s. w. .
Nur r.ftt „it der Anker Schutzmarke.
sc. und ein. Apochcken ud dirctt en
- F. Atl. Mchter L D,.
so' iao Slrec, N,n>
INE.rLT ) (11,
schlank und schön wie immer und ge
nau so verliebt in ihren Mann wie zur
Zeit ihrer Backfischjahrc. Der
Stammhalter saß schon fest auf seinem
Pony, und das kleine Töchterchen ritt
mn liebsten auf VatrrS Schultern.
Pratzkis, Onkel und Neffe, waren
seit Wochen in Dürnstein zu Gaste.
Der alte Herr beanspruchte wie einst
in Rom seinen Teeplah neben Lisa.
Behaglich rauchte er seine kurze Mcer
schaumpfeise und ließ sich vonLolo und
Schnnff verwöhnen.
Auch im Sommer vorher waren bei
de Pratzkis einige Tage in Dürnstein
gewesen „auf Brautschau", hatte
Schnnff vergnügt dem Pfarrer inS
Ohr geflüstert. Sie hatte recht behal
ten, und Pratzki war glücklich über sei
nes Neffen Verlobung mit der blonden
Lolo. Schon in Rom hatte er mit die
sem Gedanken geliebäugelt. Nun be
trachtete er vergnüglich. oasßrnutpaor.
das zärtlich Arm in Arm in der Ka
stanienallce lustwandelte.
Nur einer fehlte. Es war Hastfield,
der irgendwo am Nil weilte. Man
hatte ih nicht vergessen. „Kommen
Sie, lieber Freund!" schrieb ihm Lisa.
„Kommen Sie und schauen Sie. loie'S
uns geht. Bon Hans und mir wissen
Sie ja, wie glücklich wir sind. Aber
unser Pärchen möchte ich Ihnen doch
gerne zeigen! Den nächsten Dürnstein
nennen wir Georg oder, sollte eS
eine Diirnsteinerin sein, Georgette.
Also kommen Sie! Wir freuen uns auf
Sie, dem wir so viel Dank schulden."
-Doch Monaie gingen hin. und Hast
jield kam ich!. Die Patenschaft über
die kleine Georgette hatte er zwar über
nommen und ihr als Gabe die Perlen
seiner Mutter geschickt, er hatte auch in
einem längeren Brief sich über das
Glück der Freunde gefreut, aber über
Schwerfälligkeit und allerhand kleine
Leiden geklagt, die ihm den Mut zu
einer größer Reise nähmen....
So blieb ferne, und die Dürnsteö
ner sahen ihn nicht wieder....

xml | txt