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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, February 11, 1917, Image 13

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j Deutsche Herzen.
Bon Felix lvrünert.
Deutsche Herzen sind so traut und
warm,
Wie nach langen WintcrS Leid und
Harm.
Lenzes erster, echter Sonncngruß
Aus dem wieder blauen Wolkenfluß.
Deutsche Herzen, unermeßlich weit,
Wie der siegesstarke Strom der Zeit,
Sie umfassen liebende Groß und Klein,
Und sie tragen es in neues Sein.
Kündet Sturm der Möve heis'rer >
Schrei, -
Rüstet sich im Horst zum Raub der
Weih. , .
Dann wird immer wieder jung und
neu !
Jenes alte Lied von deutscher Treu'.—
Baue auf die deutsche Treue fest,
Wie die Schwalbe nie vergißt ihr Nest.
Sv gedenkt in Lieb' Germanien
Sproß,
Jenes Ortes, wo er still genoß.
Deutsche Herzen klingen wie Metall,
Wie von jenem roten Gold der Schall,
Das der Rhein in seinem Schooße
wiegt,
Wenn die Sonne im Verscheiden liegt.
Deutsche Herzen glühen wie der Wein,
Den die Ncckarnire schenkte ein,
Wie die Feuer nur der Sonnwendnacht
linier rätseldnnkler Sternenpracht.
Deutsche Herzen brechen sanft und still,
So der Vater in dem Himmel will,
Nur in manche rauhe Rinde ein.
Ritzen, sie die Zeichen stummer Pein.
Sie verzeihen dem, der sie verriet,
Haben alle Zeit ein schönes Lied,
Geben so sich wie sie einmal sind,
Lachen wie das Märchen und der
Wind.
Das Ende.
Novelle von Lisa Houroth-Lorwr.
Das war das Ende war schlim.
wer noch: diese marternde Anal, dies
Denkenmüssen, immer das Gleiche im
Takt der ratternden Räder, die ihn
durch das Land schleppten. Dies ge
liebte Land, nun zerstört, vernichtet,
zerrissen vom Krieg und dem harten
Willen der fremden Sieger. Nun saß
er hier, zerbrochen von Müdigkeit und
Scham, unter den unerträglich gleich
mütigen Blicken dieses Soldaten.
Hätte der ihn beschimpft, mißhandelt,
alles wäre besser gewesen als diese
stumme, unbewegte Gleichmütigkeit, die
ihn auf sich selbst zurückwarf, ihn
preisgab der tiefsten Einsamkeit, dem
verzehrenden Grübeln über das Ge
schick des Landes. Gefesselt in aller
Kraft, für Monate. Jahre vielleicht?
Er zwang sich zur Ruhe. Wie klein
mütig von ihm, so zu rechnen. We
nige Stunden, wenige Tage noch, und
die brausende Welle war hereingebro
chen über die Feinde, zermalmte Schüt
zengräben und Menschen, Geschütze,
Tiere, Wege und Dörfer. Sein
Gesicht wurde straffer, von Erinne
rung erhellt. Nie war ein Flug ge
wesen gleich diesem, unter dem tri
umphierenden Schreien ihrer Geschütze,
dem die Kanonen des verfluchten Fein
des, ach wie schwächlich! antworteten.
Diesmal mußte sie gelingen, die große
Offensive, die den Feind aus dem ge
liebten Lande trieb; mit jedem zucken
den Gedanken fühlten sie es, diesmal
wußte es gelingen sonst ober
dieses „sonst" trat kaum über die
Schwelle ihres Bewußtseins denn
jenseits dieses Wortes war Finster
nis, war ein Abgrund, in den man
dersank, unendlich wie der Tod, nn
endlich wie die Schande. Mlt ent
stammtem Herzen hatten sie Abschied
genommen von den Kameraden, die
tonenden Worte des Generallissimus
rannen wie Rausch durch ihr Blut.
, Sie waren aufgestiegen im kalten
Grau des Herbstes, gerade als die
Siurmkolonnen ausgerüstet wurden.
Ihre Augen sahen die grauen Mauern
der Reserven, die Massen, unerschöpf
lich ausgespien aus dem Lager. In
geschloffn,,, Geschwader waren sie
hingerauscht über die Reihen der
Feinde ein hellblitzcnder Vogelzug,
brausend über brausenden Geschützen.
Dann flogen sie einzeln hoch über den
deutschen Linien. Schüsse fuhren cm
bor zu den schimmernden Tragflächen,
Schravnellschleier legten sich zwischen
he und die Welt herunter. Sie aber
stiegen, schraubten sich empor ihr
Flug galt heute nicht den braunen
Ketten der Gräben und Menschen. Es
llalt, im Rücken des Gegners die Ver
bindungen zu zerstören; daß der
Feind, durch die Offensive zurückge
worfen, dem nachstürmenden Verfol
ger nusgeliekert wurde, hilflos zusam-
Na also.
-Nikosch ist dae> erste Mal in der
Zufällig geht Abends ein La
wrnenanzünder vor ihm her:
mrngeballt in zersprengten Tunnrlt,
brückenlosen Wasserläufen, zerrissenen
Eisenbahnschienen.
Er sah vor sich hin, lächelte, ohne es
zu wissen, in das Gesicht des srindlt
chen Soldaten hinein. O, wie wüt
die geliebte Maschine dahingeflogen,
eine hebende Erwartung fühlte er dem
leise zitternden Rythmus ihres Lei
bes verbunden. Unter ihm fern das
Land, seht fremd in fremder Hand.
Er sah sich fliegen weiter da
war das Ziel. Dunkel spannte eine
Brücke in Eisenbändern den niedcrhän
genden Himmel ein, ein Zug fuhr rol
lend Maschinengewehre schleuderten
Schüsse nach ihm wie Messer er
stieß hinunter 600 Meter 400
nun 300 blau und weiss aufflam
mend schlugen die Bomben auf die
Pfeiler da rissen knatternd die
Eiseiibänder der Himmel fuhr be
freit empor Zug und Brücke ver
gruben sich krachend in einander.
Plötzlich fiel er in sich zusammen,
wich der Rausch einer kalten Leert
in Herz und Hirn. Ja, und dann kam
das Ende. Dann hatte man ihn her
untergeschossen, als er, fiebernd vor
Glück, heimwärts steuern wollte. Eine
unerträgliche Unruhe fasste ihn, er
wandte den Kopf sie fuhren durch
eine Station. Lichter draussen schoben
die Nacht hinweg, drängten sich heran.
Aus dem Wagenfenster sah ihm ein
Gesicht entgegen. War das sein Ge
sicht, dies zerstörte, diese Linien der
Dual, des Hohns von den Augen ab
wärts zum bitter geschlossenen Munde?
Fast neugierig sah er sich zum er
stenmal in der Gefangenschaft!
llnd als ob erst dieser Anblick ihn
wahrhaft zum Leben zurückführte,
quoll eine fressende Angst empor. Ob
sie auch bestimmt geglückt war, die
grosse Offensive, von der allein Ret
tung kommen konnte! Aber wie kam
es dann, dass er hier so ruhig fuhr,
nirgends draussen Verwirrung und
Verstörtheit der Zug rollte mit mar
terndem Gleichmut durch den frühen
Abend; schmerzhaft rauchten Na
men aus dem Dunkel der Erinnerung
Antwerpen, Namur, Montmedy,
Warschau, eine unendliche Reihe Mar
terstationen dieses Krieges.
Der Zug hielt plötzlich mit knirschen
dem Ruck. Lichter, Schreien, eine an
drängende Menschenwclle quoll. Ein
deutscher Offizier trat eilig grüßend
heran, sprach: Ja so, er sollte ausstei
gen. Was für ein Durcheinander
er roch den lauen, süßlichen Geruch
von Blut und Verbänden war cS
das der Rückzug? Die zusammen
geballte Masse dort undeutlich im flat
ternden Licht? Er stieg aus, geblen
det in Scham und doch jeden Sinn
gespannt versuchte zu erkennen.
Da fühlte er plötzlich einen sonder
baren kalten Schwindel, stolperte,
wollte nicht sehen und sah doch: Reihen,
unabsehbare Reihen französischer Sol
daten, elend, unkenntlich voll Lehm und
Schlamm, Gesichter, in Grauen er
starrt. Augen voll Blut; gehetzte Krea
turen. Und waffenlos, gefangen gleich
ihm!
Er stand, starrte. „Passez." sagte
eine ungeduldige Stimme. Da riss
cs ihn zu dem Fremden hin, dem Fein
de. „Ich werde irrsinnig, wenn ich es
nicht erfahre." dachte er. Er sprach
wie weit war seine Stimme von ihm
„Mein Herr, verzeihen Sic ein
Verzweifelter die Gefangenen hier
die Offensive?" m- „Zusammenge
brochen ist sie. Ihre Offensiv, Herr;
fürs erste glänzend zusammengebro
chen; und wird es, wills Gott, immer.
Uns besiegt nian nicht. Aber fassen
Sie sich, Herr Kamerad." sagte der
Deutsche milder, denn nun erst sah er
das Gesicht deS feindlichen Offiziers.
! Der legte mechanisch die Hand an
die Mütze, folgte dem Soldaten. Von
fernher kam das Rollen eines Zuges
„was Leben, was Stolz," dachte er,
„alles verloren, verloren" sangen die
Räder. Eine kalte stieg auf in
ihm. Nur fertig sein mit dem Sinn
losen dieses Lebens, nur zu Ende.
Dröhnend rannte es schwarz und rot
aus der Nacht heran da stieß er den
Soldaten zur Seite, der starrte mit
hellen Augen mit ausgebreiteten
Armen, wie ein Schwimmer, warf er
sich dem herbrausendcn Zuge entge
gen . . .
! der Ri mize.'eit.
>!
. > Am Alpenquai in Zürich sind bei
den dort stattfindenden Ausgrabungen
wieder eine Reihe wichtiger Funde aus
Zürichs Bronzezeit zutage gefördert
worden. So fand man einen halb
mondförmig gearbeiteten Stein, wahr
scheinlich ein Knltusgegenstand der
. Pfahlbaucrn, die gut erhaltene Hälfte
i eines Hirschgeweihs, zahlreiche Tier
- knochen, bronzene Nadeln und Ringe,
, sowie Stücke von Waffen. Interessant
ist der Fund eines kleinen, wahrschein
c lieh zum Rasieren benützten Messers,
r sowie die Entdeckung kleiner rundlicher
besässe mit je einer grossen und einer
s kleinen Oeffnung, die vielleicht als
- Kindersaugflaschen dienten. Für di
r Kunde von den Menschen jener Zeit be
. sonders bedeutungsvoll ist der Fund
- eines noch gut erhaltenen Menschen
- schädels.
Tos ic- doch sehr freiudlich von
Ltadtlciten. das; sic mir Kerl vorauf
! schicken, der Licht macht.
Dr Drutsche öorrrspvttdcnt, Pnltiittvrf, M., i>rn 11. ,vclui>r l!>17.
'H c tckk nieder, und Hedwig gab Fritz die
Alt Sie zu mir sind, Fräulein
Eberti; ich verdien- das gar nicht.
Skizze von E. H. Schlitteln Sie nicht den Kopf; es ist
wirklich so. Ich habe Sie ja früher
„Wissen Sie schoit, dost unser gar nicht gekannt, trotzdem wir unS
Hanptkassierer, Herr Deiters, verwllk! jahrelang alle Tage sahen und spra
det ist. Fräulein Eberti?" > chcn. Erst seit Sie mir das schrieben,
„Nein." Die Angeredete war sehr ' weiß ich, waS für ein ""d groß
bleich geworden. f denkender Mensch Sic sind."
„Ist er schwer verwundet?" fragte Fritz Deiters ergriff Hedwi'g Hand
sie langsam. ! Nd drückte rasch einen Kuh daraus.
„Es scheint so. Er liegt im Laza- „Was kann ich nur geschrieben ha
rett in Königsberg; er hat einen Bein- , ben, das ihm so wert erscheint?" sann
schuß erhalten. Wenn Sie seine Hedwig. „Er deutete seinem er-
Adresse haben vollen, so kommen Sie sten Brief schon darauf hin, aber ich f
zu mir herüber; ich kann ssk Ihnen ge- weiß nicht, was er meint." ES fiel l
ben." i ihr auch jetzt nicht ei. Und sie hatte f
Die Kollegin ging hinaus. Hedwig auch nicht Zeit, weiter darüber nachzu- >
Eberti blieb in eigentümlicher Stim denken, denn Fritz Deiters erzählte leb
mung zurück. Die eben erhaltene haft von seinen Knegscrleüiusseii, und s
Nachricht ging ihr doch näher, als sie wie er verwundet wurde, '-'der wah
früher geglaubt haben würde. Denn rend er sprach, senkten sich seine stra
sic und' Fritz Deiters hatten sich gar lenden Blicke immer wieder in Hedwigs
nicht gut gestanden, als sie noch zusam- dunkle Augen, die mit unbewußt zart--
men arbeiteten. Aber NUN, da er ver- lichem Ausdruck an seine Lippen h,n
wundrt war. würde sic ihm selbstvtt- gcn, und er freute sich, w:e dann ,edes
ständlich schreiben; nachher, wenn sie mal ein lichte Nöte in das zart-Mad
mit ihrer Arbeit fertig wäre. I chengesicht stieg.
Merkwürdig, daß eS damit heute „Ich habe „och eine Uebcrraschiing
gar nicht recht gehen wolltet Immer für Sie, die will ich letzt ze,
kamen die Gedanken an den verwun- gen." sagte Fritz. Wu-d-r wurde Hed
deten Fritz DeiterS dazwischen. Un- wig rot. als Fritz Deiters, l,er noch
mutig legt- Hedwig die Feder beiseit ein wenig den Fuß mm seinen
und ging ins Nebenzimmer zu der Kol- Arm linier den ihren schob. Em Zrt
leqin, um sich des Kassierers Adresse lern rieselte durch ihren Körper,
geben zu lassen. I Ans dem Saal mit seinem Lern,
Leickt und schnell glitt ihre Feder und Rauch führte Fritz die Begleite
über das Papier; heute brauchte Hed- rin durch lange Gänge die Treppen f
wig gar nicht lange nachzusinnen, um hinab in den weite Park, der hinter
die passenden Worte an Frttz DeiterS dem Lazarett sich ausdehnte. Hier
zu finden, wie cs ihr früher gegangen war cS ganz still; nur em paar Ver
war. Es wurden sogar volle vier Mundete, die keinen Besuch erhalten
Seiten. Und als sie im Begriff stand, hatten, genossen den wärmenden So,
den Brief zu schließen, nahm sie de . nenschein. Von weither, jenseits der
Bogen rasch nochmals aus dem Ilm-f Parkmauer. vernahm mau gedampft
schlag, m eilig ein paar Zeilen als das Klingeln der Straßenbahn.
Nachschrift hinzuzufügen. „Ist es hier nicht schön?" fragte
Nach drei Tagen schon erhielt Hed- Fritz. .Hedwig bewunderte die m,t
wig Antwort auf ihren Briest an den seinem Bcrständnis geschossenen Park
verwundeten Fritz DeiterS. Auch vier anlagen, in denen besonders sthone
engbeschriebene Seiten. Und welche Baumgrnppen den Blick anzogen, -.-..u,
Wärme sprach ans ihnen! War das, Entzücken entdeckte Fritz, wie innig Hed
wirklich der peinlich-korrekte Kassierer, j wigs Verhältnis zur Natur war, da
der kein unbedachtes Wort zu reden! auch ihn selbst stark beherrschte. „Und
pflegte, dessen fast pedantische Ars stets ! an diesem Mädchen bin ich bisher vor
ihren Trotz und Widerspruch erregt! übergegangen," schalt er mit sich. Alles
hatte, der da so liebe, beinahe zärtliche an Hedwig bezauberte ihn: ihre ktin-
DankeSworte für sie fand? gcnde Stimme, ihr liebes Locken, die
„Wie man sich in einem Menschen Sorgsankeit, mit der sic ihn führ!,
täuschen kann!" dachte Hedwig. Einc „Nun sind wir genug nwlxrspazicrt,
frohe Stimmung kam über sie. jetzt setzen wir unS ein wenig hierher,"
Von nun an flogen häufig Briefe i bestimmte das Mädchen. Fritz Hort
aus dein Kontor in der Stralaner die Sorge für ihn ans ihren Worten.
Straße ins KönigSberger Lazarett zu Sie nahmen ans einer in dicktcm
Fritz Deiters, aus dem Lazarett inS Strauchwerk halb verborgenen Dank
Kyntor zu .Hedwig Eberti. Des Kas- Platz. Beide überließen sch willig
sierers Berwnndimg stellte sich zum dem Zauber dieser eigenartigen Mit-
Glück als weniger schwer l>eraiis, als tagsstiinde ln wärmender Winwrsonne.
anfangs befürchtet wurde; das Bein So sehr waren diese zwei Menschen,
konnte erhalten bleiben. Und nach dem Alltag entrückt, daß sich wie von
ein paar Wochen bekam Hedwig die, selbst ihre zärtlichen Hände fanden.
Kunde: „Morgen gehts nach Berlin „Ich -- ich muß Ihnen etwas sa
ins Reservelazarett." gen Herr DeiterS!" -- Hedwig!
Hedwig lächelte über Fritz' Bitte: sprach leise und zögernd. Fritz merkte,
„Aber erzählen Sie es noch niemand! wie sie schwer mit einem Entschluß
im Geschäft; ich wünsche mir vorläu- rang.
fig nur einen Besuch, den Ihren."! „Verzeihen Sie mir, daß ich früher
Natürlich würde sie seinen Wunsch er-! oft häßlich zu Ihnen war!" sagte sie
füllen. Einem Vatcrlandsverteidiger ! dann k-astig. wie befreit tief ausatmend,
schlägt man eine solche kleine Bitte j Da konnte Fritz nicht mehr anders
nicht ab. f wie seinen Arm um -Hedwigs Schnl-
ich Sic Sonntag erwarten?" j tern legen und das Mädchen sanft an
schrieb Fritz Deiters au dem Lazarett sich ziehen.
in Berlin. > „Was sind Sie doch für ein gute-,
„Ich werde mich Pünktlich zu Beginn, freies und stolze? Menschenkind, daß
der Sprechstunde einstellen," antwortet, Sie dos sagen können, so ohne Zwang,
Hedwig. ! frei heraus. Aber lxilten Sie imch
Ein breiter Menschenstrom schob sich denn für so erbärmlich klein, daß Sie
die Stufen des prunkvollen Schulge-f annehmen, ick dächte an unsere frühc
bäudes, das zum Lazarett eingerichtet ren Zwistigkeiten anders wie an tö
worden, empor. Fast alle Besucher richte, längst vergangene Mißverstand
hatten Blumen oder Pakete in den, nisse, die aufgeklärt und überwunden
.Händen, und die meisten Gesichter zei- waren, als Sie mir in Ihren, ersten,
gen frohe Erwartung. .Hedwig schloß - Briefe inS Lazarett das gleiche schrie-!
sich dem Zuge an; auch sic trug Blu- Len. was Sie mir eben sagten."
men, eimn großen Strauß duftender „Also das war eS!" dachte Hedwig
Maiglöckchen. . verwundert.
Schon auf der breiten Freitreppe. „Im Briefe stands freilich nicht,"
die znnl Empfangssaal führte, stau- fuhr Fritz fort „aber in der Hch
ken die militärischen Patienten in schrift. die da ganz klein und eilig
blcmgcsireifte LazSrettkitteln. di, hingekritzelt war. Herrgott, Mädchen,
graue Feldmütze auf dem Kopf, um wenn ich Sie damals bei mir gehabt
ihren Besuch leine Minute zu er-, hätte! Wissen Sie. was ich dann ge
säumcn. f tan Laben würde? To mit beiden
Hedwig betrat ein wenig ängstlick j .Händen hätte ich Ihren Kopf ge
den weiten, vielfciistrigen Saal, den! faßt" Fritz schien gar nicht zu mer
blaue Rauchwolken durchzogen undj kni, daß er das eben jetzt auch tat
Stimmengeschwirr erfüllt. Sie späbt! „und dann liätte ich Sie tüchtig abge
cifrig nach Fritz Deiters aus; es würd, küßt."
nicht so einfach sein, ihn unter den vie- Dabei drückte Fritz seinen Mund aus
len gleichgelleidcten Gestalten, die iw Hedwigs weiche, rote Lippen, einmal
Saal standen und saßen, hcrauszufin-; „nd noch einmal und immer wieder,
den. Aber dort drüben, in der Eck,' Das Mädchen hielt ganz still und
am Fenster, erhob sich jetzt ein bol-er, schlang dann selbst die Arme mn des
schlanker Mann und winkte über all Mannes Nacken,
die Köpfe hinweg zu Hedwig hinüber. „Hedwig, meine süße Hedwig!"
Ein seltsam warmes Gefühl der Zu- „Mein, mein lieber Frst/'
sammengchörigkeit erstand in dem Die Glocke, die da? Ende der Be-
Mädchen; sie nickte, freundlich lächelnd fuchszeit anzeigte, batte längst ausge
wieder und suchte sich rasch einen Weg härt zu töne, die Besucher hatten be
tulich die Menge von Verwundeter reits alle das Haus verlassen, als die
nd Besuchern zu bahnen. beiden in ihr Glück eingesponnencn
Und nun standen sich Hedwig und Menschen endlich wieder in die Wirk-
Fritz gegenüber. In beiden war dei lichkeit sich zurückfanden. Langsam
gleiche Gedanke: „Was ist das für cir! gingen sie in das Haus hinein,
lieber Mensch, der hier vor dir steht „Wirst du jemals wieder über ein,
ein ganz anderer als der, den du frii Nachschrift schelten, die du früher nie
der gekonnt hast!" Sic schüttelten sick mals dulden wolltest?" neckte Hedwig
immer wieder die Hände und lachten beim Abschied,
dabei. „Niemals wieder, wenn sie von
Dann ließen sie sich in der Fenster, meiner Braut an mich gerichtet ist."
Vrrlockrndr Düste. avo. exotisches Parfüm das lockt
, ja die Männer schaarcnweise an!"
„Donnerwetter hat hat doch die i „Ja die trägt einen Harzer
junge Wittwe dort für ein eigenarti- '.Käse im Taschentuch."
'> UsMatlOli
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