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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, February 27, 1917, Image 6

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6
Lokalberichte ans Washington.
Von Gas überwältig t.
Eduard Vonnrdi, ein italienischer
Mosaik-Arbeiter, wurde in seinem
Zimmer in Nr. 1111, E-Str., N.-W-,
von Gas überwältigt aufgefunden.
Ein GMayn war offen, doch nicht
angezündet, während ein anderer mir
niedrig brannte. Bonardi wurde ins
Emergency-Hospitat gebracht, wo er
in kritischem Zustand darniederliegt.
Ans Papieren, welche im Besitz das
Mannes gefunden wurden, erfuhr
inan, das; seine Familie in der tttl.
Straße in New ?)ork wohnt.
B ekan n t e r Dents ch e r ge
storb cn.
Die Beerdigung von Herrn Wil
liam Helmns, welcher am Sonntag
in seinem Heim, Skr. 17W, Riggs
Place, einem kurzen Leiden erlegen
ist, findet heute Nachmittag ans dem
Gst'iiwood-Fricdhofe statt. Herr Hel
mus war in Worms, am 21. Novem
ber lttlil geboren und kam im Jahre
181! nach Amerika. Nachdem er ei
nige Jahre in Baltimore zugebracht
hatte, siedelte er sich in Washington
an, wo er llst Jahre lebte. Bis vor
kurzer Zeit führte er ein Restaurant.
Herr Helmns war ein Mitglied der
„Harmony-Loge, Lafayette-Kapitel,"
gehörte dein „2. Grad der Columbns-
Ritter" an, den „Tempelrittern" und
dem „Mysiic Shrine".' Er hinterläßt
außer seiner Wittwe zwei Töchter,
Fran E. E. Walford nnd Fran Harry
Ward.
Von drei Banditen bc
r a il b t.
F. E. Greenfield, von Nr. tUB,
Kentucky Ave., T.-0., wurde ans sei
nem Heimweg, in der 5. Straße, zwi
schen der O- nnd B-Str., S.-0., von
drei Männern überfallen nnd seiner
Baarschaft von Pstl.ttll beraubt, mäh
rend die Banditen ihn mit einem Re
volver bedrohten. Tos Trio machte
sich daraus ans dem Staube. Green
field glaubt nicht sie wiedererkennen
zu können, da der Ueberfall in der
Dunkelheit stattfand.
Diebe brachen in die Watninng von
A. E. Werner, dem Superintendenten
des Senat-Büreangebäudes, in dem
Kaddingtoi, Apnrlmenthans, Nr.
lttltt, Viltinore-Str., N.-W., ein nd
stahlen eine Briestasche mit Pl ltt in
Gold, eine Pütt Geldnöte, Pier Dici
mantriiige, eine Diamant Busenna
del, drei goldene Armbänder, Uhren,
Ketten und andere Schmuckgegeiistän
de. Herr Werner erklärte der Poli
zei. daß seine Gattin und Tochter
ausgegangen waren, um Eintänse in
der Stadt zu besorgen. Als sie zu
rückkehrten, entdeckten sie den Dieb
stahl. Mit einem Brecheisen batten
die Diebe sich Eingang verschafft.
Das Heim von William E. Brad
burn. Nr. litt:!, Jllinois-Ave., N.-W.,
wurde ebenfalls von einem Diebe
EükUl*-DAltlO. INovelle von Hellmuth Mirlkr.
(6. Fortsetzung.)
Ein freundliches Mädchengesicht schaute
ihn an, als ihn, oben geöffnet wurde. Nein,
sie war eS nicht. Und o Enttäuschung
es war keine von ihnen, weder Anna
noch Sophie, di Volksschullehrerinnen,
noch Klärchen, die Kontoristin, noch Marie,
die Telephonistin so wenig wie die Back
fische Paula und Emilie in ihren, Aeußeren
der schelmischen Tine glichen.
Aber noch eine andere Enttäuschung er
fuhr Alsen, und so schmerzlich die erste ge
wesen, diese war nur angenehmer Art. Er
halte sich auf ein Nest voll heiratslustiger,
koketter Töchter gefaßt gemacht sie, die er
nicht fand, natürlich ausgenommen, und
uatt dessen sah er sich in eine, Kreise auf
geweckter und heiterer Mädchengestalte, die
sinn libenswürdig und natürlich entgegen
kamen. Alle flink, gescheit und inunter, nnd
alle ganz Aufmerksamkeit und Liebe für die
Mama nnd vor allen, für den Papa.
Das Bureau des „Sirius" hätte sehen
sollen, wie „Schwiegerpapachen" in seinen:
dein, gpflegt und gehätschelt wurde. Die
eine rückte ihn, den großenKorbstnhl mit der
Schlummerrolle an den Abendtisch, die an
dere legte ihm Serviette. Teller. Messer
und Gabel vor und brachte ihn, seine Lieb
lingStasse, die dritte schenkte den Tee ein.
„Väterchen" da so ging eS bei Tisch zu,
Während um Butterbrot mit kaltem Auf
schnitt genoß und dazu Lee trank. Nach
den, Abendbrot wurden Alsen Zigarren an
geboten; Paula und Emilie aber brachten
Väterchen die Pfeife, Emilie hielt den Fidi
bus an den von. ihr gestopften Kopf, und
Paula rauchte sie an. keck wie ein Junge,
ehe Väterchen das Rohr in den Mund nahm.
Plan sprach nicht von Toiletten und Ver
gnügungen, jede von den Töchtern erzählte
nelinehr etwas Interessantes aus ihrem
Berufsleben: die beiden jüngsten kramten
wohl die kleinen Sorgen der häuslichen
Wirtschaft dazwischen und gerieten dabei
mit der etwas stillen Mama in einen lusii
ge Streit.
Und „Gchwwgei'pabachcn" saß in der
Mitte, die kable Platte des Hauptes durch
tu Käppchen geschützt, vergnügt -ie Pfeife
heimgesucht. Er brach ein Hinter
fcnstcr auf, und stahl P7ä, Uhr nnd
Kette im Werthe von P2,"> sowie Klei
dungsstücke im Werthe von P27>.
Belle Grllfs, von dev Ecke der ttl.
und Ost - Capital . Straße, Eapitol
Heights, benachrichtigte die Polizei,
daß ihr ans ihrer Handtasche P2l> in
Noten nnd einiges Wechselgeld von
einem Langfinger gestohlen wurden,
als sie sich im Center Markt befand.
Aus dem Inneren Marylund's nd
den angrenzenden Staaten.
Selli-stmoi/d in Norfolk.
W. F. Walls von Niirnevttle bei
Norfolk beging im Hanse seines
Schwagers Walter Duke Selbstmord,
in dem er sich durch die Brust schoß.
Er war seit einigen Monaten ge
lähmt und weil eine Besserung aus
geschlossen schien, griff er znm Revol
ver.
Fran White bei Emb er
laub ver „nglü ck t.
Bei einer Spazierfahrt, welcher
Nalph H. White, ein Milchmann an
der Valley Road in Enmberlnnd, mit
seiner Gattin, Fran Ministe Braut
White, machte, gericth das Pferd in'S
Stolpern und stürzte mit dem Wage
bnd beiden Insassen eine Böschung
von litt Fuß herunter. Ter einzige
Sohn Lester, 16 Jahre alt, welcher in
einem.anderen Wagen mit seiner
Schwester Lilliai, den Elter gefalgt
war, sorgte für die Ueberführung
derselben nach dem Hospital, wo die
Aerzte den Tod der Mutter feststell
ten, während der Vater mit nicht sehr
gefiihrlichen Verletzungen dabo tarn.
TabackSmarkt in Peter s
b rg.
Ter Verkauf von Vlätter-Taback in
der vergangenen Woche in Peters
burg, Va., belief sich auf tö2,97tt
Pfund und brachte einen etwas nie
drigeren Preis. Für hundert Pfund
wurden von Pli) bis Pl5 bezahlt.
Wett der Tabackinartl jetzt während
der guten Jahreszeit ziemlich feste
Tendenzen zeigt, hoffen die Pflanzer
in dieser Woche ans ein gutes Ge
schäft.
Starb nach d e r OPcr n t i o n.
Frau Julia A. lordie, in der Nähe
von Somerset bei Eninberland wohn
haft, starb an den Folgen einer Ope
ration, welche von den Aerzten für
nothwendig erklärt wurde. Bei ei
nem Falle ans dem Eis hatte sich die
Frau eine Gchirnerschntternng zuge
zogen. Sie hinterläßt außer ihrem
Gatten Freeman E. loedie den Sohn
Henry lordie, welcher in Enmbcr
land ansässig ist.
Ein Brief ans Thüringen.
Fran Mar Paulus, Nr. UM,
Nord - Broadwap, hat von ihrem
Onkel, Herrn Earl Seb. Funk in
Schmalkalden, Thüringen, einen län-
schmauchend.... Als Alsen sich mit herz
lichem Dank von allen verabschiedete, hatte
er die Ueberzeugung, das; der kleine dicke
Herr wirklich einer der glücklichsten Fami
lienvater war. Was suchte er eigentlich
nach einem Schwiegersohn: er konnte froh
sein, wenn alle seine Mädchen um ihn blie
ben, die so tapfer und vergnügt dem Lebe-,
ihr Brot abzuringen wußten.
Lange hatte Alsen nicht eXen Abend er
lebt, der ihn innerlich so erhöhen hätte. Er
batte gesehen, das; da-? Dasein nicht nur
Kampf war, sondern daß es in den, Kamps
auch einen Frieden gab.
Freilich für ihn war der Tag noch fern,
der ihm diesen Frieden brachte. Noch weit
war er davon entfernt, sichere Boden unter
seinen Füßen zu fühlen. Noch hieß cs alle
Kräfte anspannen, um eine dauernde, sei
neu Wünschen entsprechende Lebensstellung
zu erobern. Dann konnte auch er daran
denken, sich den Frieden des eigenen HeimS
zu sichern.
Wieder schweiften seine Gedanken zu
Tilli zurück .... wie merkwürdig war es,
daß er ihre Spur nicht entdecken konnte.
Und doch stand es felsenfest bei ihm, das; ir.
gcndwelche Beziehungen zwischen ihr und
dem „Sirius" vorhanden waren.
Er legte sich in der Folgezeit auf weitere
Nachforschungen bei den Kollegen. Man
begegnete ihm hier nicht so freundlich: sein
Auftreten hatte ein gewisses Vorurteil ge
gen ihn geweckt, und seine Vertraulichkeit
mit „Schwiegerpapachen" bot Anlaß zu
kleinen, Verstecktei, Spöttereien. Da die
Beamten fast sämtlich jüngere Leute waren,
so konnte es sich bei Tilli und Tine nur um
deren Schwestern handeln.
Es wurde Alsen sehr schwer gemacht bei
seinen Bohrungen, die er ja nur vorsichtig
anstellen durste, um nicht unliebsqnie ölen
gier wachzurufen. Aber auch , auf diese
Weise gelang es ihm nicht, nur das Ge
ringste in Erfahrung zu bringen, was ihn
auf eine richtige Fährte leitete.
Inzwischen arbeitete er sich „lehr und
mehr in die Geschäfte ein: zu Hause stu
dierte er emsig Werke über das Versuche
rungswesen und die einschlägige juristische
Der Deutsche Eorrespondcnt, Baltimore, Md., Dicirstag, den 27. Februar 1917.
geren Brief erhalten, der am Weih
ncichtstage Ittltt abgesandt wurde.
Am selben Tage traf auch ein am 12.
Oktober tttttt geschriebener Brief von
dein Onkel ein, in welchem sich der
selbe über die mangelhafte Beförde
rung wundert und noch nicht zn wis
sen scheint, daß seit einem volle
Jahre keinerlei Zeitungen von Am>
rita nach Deutschland und keine Zei
tungen von Dentschtand nach Anw
rika diii-chgelassc werden. Des inte
ressanten Inhalts wegen wird der
Weihnachtsbrief voll veröffentlicht:
„„Tchnialkalc'n, den 27>. Te,w>nber
littst. Liebe Karoline! Gewiß wer
det Ihr schon lange ans eine Brief
gewartet haben. Ich habe Deinen
Brief erhalten. Es dauert lange, ehe
ein Brief ankommt. Durch den gro
ßen Krieg gehen doch keine Schiffe
mehr von uns hinüber. Nur Eure
holen die Sachen ab. In der Regel
so viel Wochen wie früher Tage dau
ert es. Ich hatte Christine auch ge
schriet' Mitte Oktober, hoffe, daß
sie den Brief erhalten hat. Ta man
die Briefe offen lassen inns; wegen
dem Nachgncker, sch kann man nicht
schreiben wie man will??? Aber mit
Aushungern ist es nicht so, wie es
Eure Zeitungen (englisch-amerikani
sche) schreiben. Wir leben noch und
sind auch gesund. Es giebt ja ipich
Essen nd Trinken. Es ist nur theuer.
Und Geld haben wir auch znm tau
fe. Die arme Bebölkcrnng bekommt
cs von der Stadtgemeindc. Es ist al
les sehr theuer. Das läßt sich ja auch
denken. Die Theuerung ist auch in
den neutralen Ländern , die keinen
Krieg haben. Bei Euch soll ja auch
vieles theuer geworden sein. Man
ches brauchte nicht so theuer zn sein.
Aber der Wucher! Alles Null reich
werden nicht satt. Dadurch ist ja auch
der große Krieg entstanden. Das
große Elend, das in ganze Europa
ist. Es ist nnhettsam, wie die Fami
lien zerrissen werden. Ein größeres
Unglück hätte nicht kommen können.
Es kommt auch wieder eine andere
Zeit, wer sie erlebt. Nach dem Krieg
wird manches anders werden, wo
man jetzt gar nicht dran denkt. Wie
haben eine Reihe Jahre eine sehr
gute Zeit gehabt. Wollen hoffe, daß
sie wieder kommt. Nun hat ja unser
Kaiser den Frieden angeboten. Wir
wolten hoffen, daß er z Stande
lomnit, das; daS Menschenschlachteii
aufhört. Was nun meine Familie
anbetrifft, ist soweit alles gesund.
Tie Kinder sind groß geworden, und
inan sieht da, daß man älter wird.
Mein Sohn Robert ist im Krieg: ist
in Macedonien (Balkan) bei Grie
chenland, steht bei einem lägcr
batailto als Maschinengewehr-schütze.
Bei diesem Regiment hat Tein Vater
als Jüngling auch gedient. Schrei
ben thut er öfters. Es ist eine weite
Litteratur, die ihn den rechtlichen Charakter
zahlreicher, in seinem neuen Beruf auftau
chender Umstände besser erfassen ließ. Er
batst' Grund zu der Annahme, daß auch der
Direktor Dehnhardt mit seiner Tätigkeit zu
frieden war.
Eines Morgens erschien der Direktor
nicht ans de, Bureau. Er hatte bestellen
lassen, daß er sich nicht Wohl fühle, doch
möchte mal, eilige Schriftsachei, in seine
Privatwohnung senden.
Gegen Mittag ließ Lettner, der zweite
Direktor, Alsen rufen. Ter liebenswürdige,
alte Herr mit dem Geheimratsgesicht über
leichte ihm ein Schriftstück.
„Sie kennen es ja, denn Sie haben es
selbst aufgesetzt. Es betrifft die Richodsche
Angelegenheit. Sie haben es stilisiert wie
eine Miuisterrede. Aber eS ist gut so, ganz
gut. Und null bringen Sie eS Herrn Direk
tor Dehiihardt zur Unterzeichnung. Der
Brief muß henke nachmittag noch nach Brüs
sel an unseren Generalagenten."
Er nickte ihm freundlich z nnd überlief;
cs Alsen, die Privatwohnnng des Herrn
Direktor Dehnhardt in, Blw'.'au zu er
fragen.
Sie las, in der Köiüggrätzerstraße. Alse
sprang auf die Pferdebahn, die ihn in einer
Viertelstunde an sein Ziel brachte.
Es war ein hochherrschastliches Hans, in
Welchem der Direltar die sogenannte Bel-
Etage bewohnte. Die Treppe mit dein Ge
länder bestand anS künstlichem Marmor, in
dem hellbcmalten Korridor ragt ans einem
Arrangement dunkelgrüner Blattpflanzen
die zierliche Gestalt der Thorwaldsenschen
Hofsnnngs-Statne, ans deren weihen, Ober
körper das seitwärts einfallende Licht des
großen Nnndbogenfensters seltsam flim
merte. Ein kostbarer Läufer zog sich über
die Treppenstufen und dämpfte de Schritt
des Besuchers.
Oben öffnete ein Diner und führte, nach
dem er Alsens Begehr erfahren und das
Schriftstück erhalten hatte, diesen in einen
Salon mit der Bitte, so lange zu warten,
bis der Herr Direktor das Schriftstück er
ledigt hätte.
Es war sicherlich nicht das am schönsten
Reise. Er ist groß und stark. Wir Hof
fen ans Gott, daß er gesund nnd
nninter wiederkommt. Erzählen kann
er dann vstl, auch schön die Reise
durch die Zigcunerländer. Es sind
noch mehrere hiesige Jünglinge mit
dort. Tie Jugend muß durch den
Krieg ihr Vergnügen einbüßen. Wer
weiß wann sie wieder das Tanzbein
schwingen töiiiien. Robert hat wein
Geschäft gelernt. Ich könnte itzn zu
Hanse gut gebrauchen, was leider
nicht ist. Die Arbeiter, die wir bat
st', sind auch alle geholt znm Kriege.
Ich und mein Bruder Friedrich ar
beiten nun allein weiter bis die Leiste
wiederkommen. Wo meinem Brnder
seine Söhne sind, liabe ich schon Chri
stine geschrieben. Das wirst Du gele
sen haben. Ich will Dir ferner mit
theilen, daß mein Bruder Kdspar.
welcher doch in Straßbnrg war als
Zollassistent. am 27. November ge
starben ist. Er wollte sich gerade näch
stes Frühjahr Pensioniren lassen nnd
hier zu uns ziehen und im Ruhestand
genießen in unserem schönen Thürin
gen seine letzten Jahre. Nun ruht er
aber für immer in Straßbnrg. Er
hatte ein Blasenleiden bekommen,
sich operiren lassen, aber nicht ge
glückt. Ter Tod trat dadurch ein. Ich
will wenn der Krieg vorbei ist, mal
hinmachen und seine Leute aufsuchen.
Tn kannst es meinem Bruder Ferdi
and mittheilen. Ich will Ferdinana
auch mal schreiben in Kürze. Heute
ist das'Weihnachtsfest, was sür die
Kinder eine große Freude war. Rber
dnrch de Krieg sind die Menschen
niedergeschlagen. Das . dritte die Zeit
der Krieg ist nnd noch lein Ende.
Dadurch kann die Festfreude nicht
sein. Tie ganze Welt will Frieden
haben. Das soll die große Festfreude
sein. Ich will hoffen, das; Dich der
Brief recht bald und alle gesund und
innnier antrisst. Recht viele Grüße
an Deine Familie und alle Angehö
rigen, verbleibe ich Tein Onkel Carl
Fnnt."
Wir hatte eine sehr 'gute Ernte
dieses Jahr sür Mcnschen und Vieh.
Es hat alles viel gegeben, besonders
Getreide, Stroh und Heu; auch Obst.
Nur die Kartoffeln gab es nicht so
viel wie origes Jahr: aber viel an
deres Zeug. Es war ein gutes Ernte
jähr. Wäre der Krieg nicht gewesen,
wäre alles sehr billig, aber leider
nicht! aber es gibt doch! wir verhnn
gern nicht!""
Äüisie Frauen
halt, cmm-r ine Flasch Dr. N lchter'S
ln> H.-I's. Sin nw-riässiqkz Esn-eilirmilirl bl, all:i
,l,'.,i,a!ikbr„ Lch!>ii'),n, L Nulrun-Ikn,
B'Nauchimgi . s. w. >
Nur echt Mit dar Sinker Lschntzinarke.
üsc. nd 50c. - Apechek? und direlt do
F. Ad. Ntcstkcv L
VL-80 Ws HN'Ntuu Street, Nein Uvst
eingerichtete Zimmer der Dircktorwohnung,
in dem sich Alsen jetzt befand, und doch
mußte er dem Geschenk des Besitzers Gerech
tigkeit widerfahren lassen. So schön hatte
er cs auch einmal gehabt vor Zeiten in
der väterlichen Villa, die mitsamt ihrer
Einrichtung unter den Hammer geraten
war.
Nud in der Erinnerung des Schicksals-
Wechsels, den er durchgemacht, legte sich ein
finsterer Schatten ans Alsens Stirn. Aber
was hnlf's? Das war nun einmal dahin!
Da öffnete sich eine der Flügeltüren znni
Nehcnziinnier, und Alsen sprang aus dem
Fantenil, auf den er sich niedergelassen, ans.
Vor sich sah er eine, junge, blonde Dame, die
das Zimmer hastig durchschreiten wollte
und nun von dem Anblick des sremden
Gastes überrascht, wie gngewnrzelt stehen
blieb.
Aluminium-Werke bei Söllers
Point.
Ans einen, Gelände von 150
Ackern sind bei Dollars Point die
Bauten süe eine große Anlage in An
griff genommen, in der die Almni
ninm Erzgcsellschgft von St. Louis
Schmelwerpe nnd Gießereien einrich
te wird. Die Arbeiten werden bom
Snpc't'ist'dcilst'ii Stevenson geleitet
und sind die Pläne der Gesellschaft
durch die Ingenieure der Firma in
ihren, Hanptsitz in Newchoet ausge
arbeitet. Nach Ablauf eines Jahres
werden die Arbeiten beendigt sein
nnd einer sehr großen Anzahl von Ar
beitern Gelegenheit zum Verdienst
bieten. Tie Geschäftsräume der Hie
gen Agentur befinden sich in, Mary
land Trnstgebüude.
Ließ sciiic hungernden Kinder im
Stiche.
, Frau Roste Hopkins von Nr. 02-1,
Nord-Tuiicanstraße, hat sich an Capt.
Morhiser von der nordöstlichen Poti
zeistation mit dein Ersuchen gewen
det, nach ihrem Gatten John Hop
tinS, st! Jahre alt, Umschau zu hal
ten. John verließ seine Wohnung
bor einen, Monat, um zur Arbeit
nach Sparrows Point zu gehen, lies;
aber seitdem nichts mehr von sich
hören, nnd sind drei nnniündige Kin
der in, Alter von zwei bis sieben lah
reu neben der Frau ohne ihren Er
nährer.
Negcrkiud von Flammen umhüllt.
Nei'm Spielen bor einem Ofen im
zweiten Stockwerk ihres Heims, Nr.
207, West Montgomerli-Straße,.wur
de Myrtle Wallacc, ein fünfjähriges
Nc'gerinüdchen, schrecklich verbrannt,
als ihre Kleider Feuer fingen. Das
Kinder eilte die Treppe hinunter,
während die Kleider ihm am Körper
abbrannten und fiel bewußtlos auf
das Bett seiner Mutter Eleanore
Wallace, welche am Fieber trank dar
nieder liegt. Die Bettücher gerielhcii
in Brand. Durch die Geistesgegen
wart der Negerin Annie Mvntgowe
rp, einer anderen Hausbewohnerin,
wurde die kranke Fran vor dem siche
ren Tode gerettet. 'Ans das Geschrei
von Mutter nd Tochter eilte die
Montgomerl, herbei, riß den, Kinde
die brennenden Kleider von, Leibe
und ersieckte die Flammen ans dem
Bett, wobei sie sich Brandwunden an
Armen und Händen zuzog. Das Kind
wurde in's Mercy Hospital" gebracht,
wo stin Zustand als hoffnungslos be
zeichnet wird.
Theueres Vergnügen.
Weil er ans seinen, Motorrad,
ohne im Besitz einer Liccnzkarte zu
sein, spaziere fuhr, mußte Elmer dt.
Heisterinan, 17 Jahre alt, von Nr.
2ttl7, Nobbstraße, im nordöstlichen
Polizeigericht für sein Vergnügen an
War es Wahrheit, Traum oder Selbst
täuschung? Vor ihn, stand Tilli oder
sonst jemand, der Tilli wie einer Zwillings
schwester glich. Er niuszte sich zusammen
nehmen, das; r sie nicht anredete.
„Verzeihen Sie" -- stammelte auch er
überrascht und aus;er Fassung.
Ueber ihre feinen Züge' hatte sich einen
Augenblick der zarte Schleier eines Er
rötens gelegt, dann hatte sie ihre Haltung
zurückgewonnen und neigte den schöne
Kopf liebenswürdig zum Grus;.
„Bitte, behalten Sie Platz. Herr Alsen,
nicht wahr?"
Ihre Stimme —cs war auch ihre
Stin,me, die noch in seinem Gedächtnis
lebte!
„Allerdings, gnädiges Fräulein, das ist
mein Name. Ich mus; um Vergebung bit
ten, das; ich so formlos Ihnen entgegen
trete. Ich hatte bisher nicht die Ehre, das
gnädige Fräulein zu kennen. Eine selt
same Aehnlichkeit mit einer anderen jungen
Dame hat mich ganz verwirrt gemacht."
Wieder flog der rote Schimmer über ihre
Wangen. Diesmal aber lachte sie herzhaft.
„Bitte, Herr Alsen," sagte sic liebens
würdig, auf einen Sessel deutend, während
sie selbst auch Platz nahm. Ihre großem
grauen Augen tauchten dabei neckisch in die
RadikiUheilum; der Nervenschwäche.!
Schwache,'nervöse Personen, geplagt von Hoffnungslosigkeit und
schlechten Träumen, erschöpfenden Ausflüssen, Brust-, Nacken- nd
Kopfschmerzen, Haarsausfall, Abnahme des Gehörs und der Sehkraft,
Katarrh, Magendrücken, Stiihlverstopfnng, Müdigkeit, Erröthen,
Zittern, Herzklopfen, Brustbeklemmung, Aengstlickteit nd Trübsinn
erfahren ans dem „Jugendfreund", wie alle Folgen jugendlicher Vrr- 8
irriingen gründlich in kürzester Zeit nnd Tinkturen, Samcnstnsi, 8
Phnnvsis, Krampfader- nnd Wasserbrnch nach einer völlig neuen Me
thode ans einen Schlag geheilt werden.
Dieses Inierellmiie nnv lehrreiche Buch cnenesle Anslnne), welches von Imin nd
SIN, Mnnn uni, eN'mi nelesen werden sollie, wird ncacn Einsendung von Li> EculS in
Brlesinmien versondi von der
Deutschen Privat-Klinik, 137 East 37. Str., Ncw-?1°rl, N.-B.
Man erwähne den „Baliimvrc lrorresvondcnl".
Polizeirichst'r Tawkins PB.ltt berap
pen.
Reiche Bente.
Das Heim von lerome Pipikonc,
Ecke Cälloway Avenue nnd Egerstm-
Road, Forest Park, wurde von Die
ben heimgesucht, welche Schmucksachen
und Kleidnngstücke im Gescimmtwer- !
the von PBOO erbeuteten. Von den j
Einbrechern hinterlassene Spuren
werden von Detektiven verfolgt.
seinen. „Es spielt sich zwischen uns eine
kleine Komödie der Ueberraschnng ab. Nicht
wahr, Sie kennen mich?"
„Nur als Tilli, gnädiges Fräulein, und
ich weif; immer noch nicht —"
„Ob es der richtige Name ist? Nein,
Sie irren sich nicht. Es ist Ottilie Dehn
bardt, die Sie vor sich sehen, nnd die Sie
als Tilli kennen gelernt haben."
„Wie, gnädiges Fräulein, Sie sind die
Tochter des Herrn Direktors? Dam, frei
lich wird mir etwas klar, worüber ich lange
vergebens nachgesonnen habe. Jetzt weist
ich, wem ich ineine Stellung verdanke und
nieinen tiefsten Dank schuldig bin."
Und unwillkürlich streckte Alsen die Hand
anS, um die ihrige zu fassen. Sie duldete
sic einen Augenblick in der seinen, so das;
er das warme Blut ihres Lebens spürte.
Nun aber entzog sie ihm ihre schlanken
Finger rasch.
„Ich bin Ihnen selbst eine Aufklärung
schuldig, Herr Alsen," sagte sie ernsthaft,
„damit Sie nichts Böses von mir und mei
ner kleinen EcHisine Ernestine Hitler den
ken. Das Tünchen war mit der Mama aus
der Provinz zu uns auf Besuch gekommen.
Es ist ein arger Schelm, der richtige un
artige Bckcksisch, wie er im Buche steht. Als
echte Provinzialin wollte sie das Berliner
Leben auch gleich gründlich kennen lernen,
vor allen, das Berliner Volksleben in der
Hasenheide, von dem sie so viel gehört hatte.
Bei den, Onkel, meinem Vater, kam sie mit
ihrem Gesuch schlecht an; mein Vater ist
nicht für dergleichen Sachen. Der Schelm
lies; mir nun keine Ruhe und beschwatzte
mich, es z machen wie Martha im „Markt
von Richmond" und als Mädchen aus dem
Volk die Hasenheide zu besuchen. Von un
serer Putzmacherin wurden heimlich ein
paar Kleider und Hüte besorgt, unheimliche
Hüte - wir haben noch herzlich darüber ge
lacht und an, Sonntag, als mein Vater
und die Tante einen Besuch mit uns in
Wannsee machen wollten, heuchelten wir
Unwohlsein und baten, ohne uns zu fahren.
Man tat uns den Willen, und wir benutzten
die Gelegenheit, machten uns mit unseren
Kleidern und Hüten schön, wie inan sagt-
Kcidi lässt Milde walken.
John E. Trehearnc von Nr. l l -l,
West Miilberryslraße. kam gestern in
die westliche Polizeistation zurück und
erklärte dem Richter lohannsen, daß
er die Mittel nicht besitze, die P2.11>
zu bezahlen,' welche ihn, auferlegt
worden war. Richter lohannsen
setzte Trehearne ans freien Fuß mit
; der Bemerkung, daß er seine Freiheit
! verdient habe, indem er ehrlich genug
gewesen sei, -zuzugeben, daß er kein
Geld besitze.
und gingen ans unser Abenteuer iu der Ha
seuheide aus, das ohne die Ritterlichkeit ei
nes gewissen jemand vielleicht und viel
mehr als den einen imcmgenehmen Zwi
schenfall eingebracht hätte, während es jetzt
z unseren amüsantesten Erinnerungen ge
bört. Sie werden doch zugeben müssen,
das; wir unsere Rolle als Mädchen anS dein
Volke gar nicht so übel gespielt haben."
„Sie schii,eichest, mir unendlich durch d ,I
Lob, das Sie mir zollten, Fräulein —*
beinahe hätte er „Fräulein Tilli" gesagt,
aber er besann sich nach rechtzeitig, „und
doch stehe ich so tief in Ihrer Schuld, das;
Sic mit Ihrer Schmeichelei nur ineine
Dankbarkeit abwehren möchten. Ucbrigens
weiß ich doch nicht, ob Sie das Mädchen ans
den, Volke gar so einwandfrei gespielt ha
ben. Fräulein Tine hat jedenfalls ihre
Sache besser gemacht als Fräulein Tilli."
Warum nur mußte er so geschraubt nnd
gezwungen zu ihr reden? Wieviel einfacher
und herzlicher hatten sic damals, als sie eine
Rolle spielte, wie sie sagte, zu einander ge
sprochen !
„Zum Schluss dos Lustspiels kommt ja
immer die Kritik," meinte Ottilie lächelnd,
„es ist nicht hübsch, das; auch Sie mit uns
nicht zufrieden sind. Außer Ihnen war es
auch der Vater und Onkel nicht, denn die
Sache kam nachher doch heraus, und es gab
einen verdrießlichen Tag im Hause."
„Umsomehr mus; ich Ihnen danke, das;
Sie meiner nicht vergessen haben, gnädiges
Fräulein."
„Aufrichtig, glaubten Sie, Herr Nlsen,
wirklich, das; ich Ihnen schreiben würde?"
Wie stolz das klang! Als hätte sie eine
Beleidigung zurückgewiesen. Immer stär
ker sah er die Schranke zwischen ihnen sich
aufrichten, die ihm, den bescheidenen Unter
gebenen ihres Vaters, von ihr trennte.
Er wagte einen Angriff. „Sie hatte cs
versprochen, gnädiges Fräulein. Weshalb
Alte ich da zweifeln?"
. (Fortsetzung folgt* , -

■ ■ 'iisw wv. >.vv„ 7T.?
r ini KiirT TiTi 11 in muni miiiiiiiiiiiiißMiiiiiiiiii—inimiiniTiini
ttir Sauglinge und Kinder.
111 1 >
Dio Sorto, dio Ihr immer gckauft liabt, hat die XJn
torsclu-ift von (Jlias. 11. Fletcher getrageu und ist seit
mehr nls 30 Jahren uuter seiner persSnlichcu Aufsicht
angefertigt. wordcn. Gestattet Niemandcm, Euch
dariibcr zn tilnschen. Fttlschungen, Kacbalnuungen nnd
“Ebch-so-gut’* sind nur Experimente und getUhrden
die Gcsuudhcit der Kinder,—Eri'ahruug gcgeu Experi
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In Gebrauch Seit MehrlAls 30 Jahreri^
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