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Der Deutsche correspondent. [volume] (Baltimore, Md.) 1841-1918, November 01, 1917, Image 2

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2
NSHmittkl-
Ciinlpllgnk.
Millionen von Frauen
versprechen L-arsamkeit
Bundes-Vontrole beginnt
mit heutigem Tage.
Ter dritte Tag der Nährmittel-
Sparcaiupagne ein höchst ermu
thigender. Groß- und gewisse
Kleinhändler müssen von heute
an Licenzen für ihr Geschäft lö
sen. Spekulanten mit hohen
Strafen bedroht.
Washington. 31. Oktober.
Ter dritte Tag der Nährmittel-Spar-
Caiilpagnc eröffnete mit dem ermu
thigenden Bericht, daß soweit 2.772,-
018 Aamilien die Perpflichtuugskar
ten der Nahrungsmittel - Verwal
tung unterzeichnet haben. Diese Zah
len basiren auf den uiagereu, bisher
vorliegenden Berichten. lleberall
werden die Erivartungeu übertrosseu.
Ein einziger Distrikt Colorado'? be
richtete au einem Tage die Registri
ruug von 17,232 Aamilieu.
Von den Einzelstaaten führt Vir
ginien mit 107,0 l PerpflichtuugS
karten.
Regen, Schnee und Sturm er
schwert die Arbeit im ganzen Laude.
Preise mehrerer Nahrungsmittel
sind hier gefallen und eine weitere
abwärtsgehende Bewegung wird von
führenden Leuten in Geschäft sür
die nächsten Tage vorausgesagt. Tie
fe Tendenz wird auf den Plan zu
rückgeführt, von morgen an die gro
ßen Händler im ganzen Laude zu li
centiiren.
Tra st ische M aßna hine n.
Washington, 31. Oktober.
Am Tonnerstag beginnt die bundes
behördlichc Nahrungsmittel - Eon
troke damit, daß alle Erzeuger und
Großhändler von 20 der hauptsäck)-
lichsteu Nahrungsmittel Licenzen
erwirken müssen, ebenso Kleinhänd
ler, welche im Jahre Geschäfte im
Betrage von PlOO.OOO oder darüber
haben. Ten hunderttausenden Klein
händlern will man, obwohl sic nicht
direkt unter das Gesetz fallen, dadurch
beikommen. daß man den Licenz-In-
Haber einfach verbietet, an solche
Kleinhändler, die sich nicht mit einem
mäßigen und vernünftigen Geschästs
gewinn zufrieden geben, Waaren zu
liefern. Ties alles kündigte heute
die Bundes - Nahrungsmittel - Eon
trole abermals a, und fügte hinzu,
daß die Grocerp - Großhändler in
einer Sitzung mit Hoover in letzter
Woche dem Plan bereits zugestimmt
haben.
Licenturte Leute oder Airmen, wel
che bei dem Versuch erwischt werden,
die Durchführung des Nahrungsnüt
tel-GesetzeS zu behindern, setzen sich
einer Geldstrafe bis zu PIO.OM oder
lhefängniß bis zu zwei Jahren, oder
beiden Strafarten aus. Licenturte
Leute oder Airiuen, welche den Markt
beeinflussen. spekuliren, Vorräthe
ausstat'cln oder Prositgier zeigen,
können mit P5OOO Geldstrafe oder 2
Jahren Gefängniß oder bcidenStras
arten belegt werden.
Tie unter Licentiirung fallende
Nahrungsmittel sind Weizen, Gerste,
Hafer. Mais. Roggen und alle Er
zeugnisse und Beiprodukte hiervon,
Bohnen, Erbse, Bauunvollsaanien.
Peanuts, Sopabobnen und derenßei
Produkte, Lleouiargarine und alle
Mo!kereier;eugnisse, Eier, Aische, sri
scke Arüäite, Gemüse, eingemachte u.
getrocknete Lebensmittel aller Arten,
Akeisch, Zucker und Sprup.
Mahl müh len unter Auf
sicht.
Tic Bundes - Nuhrungsmittel-
Bchörde gab gestern bekannt, daß
ihren Mühlenabtlieilung vom 1. No
vember an alle Mühlen in den Verei
nigten Staaten unter Aussicht el
men iverde, auch die. welche weniger
als 1< Jasser am Tag mahlen. Müh
len über diese Leistungsfähigkeit hin
aus sind bereits seit dem 10. Sep
tcmber aus Grund freiwillige lke
boreinkonuuens unter Aussicht.
Wall s i schs Ici s ch aus dem
Tisch.
New - Aork, 31. Oktober.
Brooklyner Hotels haben aus An
regung der Leitung des Hotels Bos
sert Wallsischsleisch - Speisen einge
führt, um Aleisch zu sparen. Aus
demselben Grund hat die Nahrungs
mittel - Behörde auch noch Hühner,
Kaninchen, Hasen. Enten und tNinse
nicht in die Klasse Fleisch gerechnet.
UüS KröSchen, Leber. Eingelveide u.
Ähnliche Dinge werden au- demsel
tW Erund nicht ol Fleisch ongese
'..DG. ,
Ter städtische Markt - Eommissär
Mostowitz hat in seiner Kanzlei im
Munizipalgebüudc eine Stelle für
Beschwerden eingerichtet, wohin
jeder sich wenden kann, der sich durch
Unregelmäßigkeiten in der Nah
rungsmittel - Versorgung, zu hohe
Preise und dgl., beschwert fühlt.
Weizenlos e r Milt w o ch.
Philadel p h i a, 31. Oktober. —
Von den Hotels, die den „Phila. Ho
relleiter-Verein" angehören, habe
heute einen weizenlosenMittwoch ein
geführt. Viele andere Hotels, EI Hs
und Restaurans haben sich der Bewe
gung angeschlossen und servirenßog
gen und Maisbrod anstatt solches
aus Weizen.
Tie Luuchzimmer der öffentlichen
Schulen verkaufen von jetzt an kein
Fleisch mehr am Dienstag.
Tie Anirriknner in Frankreich.
Sahen in den Schützengräben zum
ersten Male die Sonne. — Wech
seln eiserne Grüße mit den Teut
schen aus.
Bei der amerikanischen
Arm ee in Frankreich, 30.
Oktober. Associated Preß. Tie
Amerikaner in de Schützengräben
Frankreich'? sahen heute zum ersten
Male die Sonne von ihrem neuen
Standplatz aus. Tas Wetter vor
klar und kalt. Ueber Nacht war Frost
gefallen. Tie guten Wetterverhäll
nisse gaben den Artilleristen bessere
Gelegenheit zur Arbeit, da die Beob
achter leicht imstande waren, das
Feuer z leite und zu beobachten.
Tie Teutsche machten sich da? Wet
ter ebenfalls zu Nutze, das Artille
riefener blieb aber trotzdem mehr
oder weniger sporadisch. Einige ame
rikanische Granaten erplodirten über
den deutschen Gräben, während ei
nige deutsche Granaten nahe den
amerikanischen Geschützen einschlu
gen, ohne jedoch ernsten Schaden zu
thun. Mehr als ein amerikanischer
Soldat jedoch war imstande, Einbuch
tungen in seinem Schrapnellhelm ans
Stahl zu zeigen.
Infanterie wie Artillerie nahm die
Gelegenheit wahr, in der Sonne ihre
durchnäßten Uniformen zu trocknen.
Trotz der schlechten WitterinigSver
hältnisse in den letzten zwei Tagen ist
nicht ein einziger Krankheitsfall ge
meldet worden. Tie Stimmung der
Amerikaner, besonders der Insante
rie in den vorderste Schützengräben,
ist ausgezeichnet. General Siebert,
der eben eine Inspektionstonr durch
die von Amerikanern besetzten Grä
ben vollendet, antwortete auf die
Frage, wie die Haltung der Truppen
sei: „Wie kann die Haltung amerika
nischer Truppen anders sein als
gut?" Außer von einem riesigen
Sergeanten, der gern etwas mehr zu
essen hätte, wurde nur eine Klage
von einem jungen Pionier gehört,
der in dem Morast nicht von der
Stelle kommen konnte und aus der
Suche nach seinem Ouartier immer
wieder hinfiel, bis ihm schließlich der
Stoßseufzer entwischte: „Sherman
wußte sicherlich, von was er sprach.
Ich wette, daß es gerade so naß, war.
als er seine berühmte Bemerkung
über den krieg machte."
Wilson's Botschaft an Brasilien.
W ashi ngt o , 31. Oktober. -
Als Brasilien Deutschland de krieg
erklärt hatte, sandte Präsident Wil
son folgende Botschaft an den Präsi
denten Braz jener Republik:
„Gestatten Sie mir, sür das Volk
und die Regierung der Per. Staaten
sprechend, zu sagen, mit welch wahrer
Freude und herzlichem Willkommen
wir den Anschluß der großen Repu
blik Brasilien an inis nd andere im
kriege gegen Deutschland vereinte
Nationen begrüßen. Ihre Maßnahme
in dieser Zeit der Krise schlingt die
Bande der Freundschaft, welche die
beide Republiken schon vereint, och
fester."
I
Ms . M
WM I
' * MM, > K
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ICopvrladl Untxrwood L Undkrwood)
Monte Service ko.. Inc.t
Lrtz Brh>, ei bedeteder
trittscher J,rlist t Her,eter
te releUmzch.
Llr vivcrczputtvc,. Worti-wc', M.. Tsi.!>crZ:>:g, dc 1. Nvocüibcr 1017
Vlttl llllrn Klikgsschlllipllihkil.
Tti^e^fierichtt^t'rlst'rschii'dt'iltNiHem^fs'llililsjfii
Italienische Front.
Ter italienische Bericht.
Nom, !!>. Oktober. Zwischen
den Italiener und de österreichisch
deutschen Truppen soudeu beute ver
schiedene sümpfe am Kanal und im
Gebirge statt. Die italienisäM Teck
trnppen und Kavallerie ermöglichten
es den anderen Truppe ibren Rück
zng nach ihrer neuen Stellung fort;
sehen.
Ter brutsche 'Bericht.
Das deutsche Kriegsamt ineloet:
„Tie Bewegungen der Truppen
der I l. und 7. Isonzo Armee, die aus
den Karnischen Alpen vordringen, ge
ben i Uebereinstimmung mit de
Absichten der Führer vor sich."
In Italien fanden erfolgreiche
Kämpfe am Tagliamento statt. Tie
.sahl der italienischen Gefangene
bat sich ans über 12<>,oxi erhöbt. WO'
eroberten über 1000 (beschütze.
Ter österreichische Bericht.
Wien, über London, 31. Oktober.
Britische Admiralität, Wireleß.)
Tie amtliche Verlautbarung von Oe
sleireich Ungarn lautet:
„Tie kärtnische Front der Italie
ner ist in ihren wichtigsten Abschnit
te zusammengebrochen. Während
eines Lchneesturmes haben unsere
Truppen dem Feinde - Positio
nen abgenommen, welche derselbe
während der vergangenen zweiein
halb Jahre ausgebaut hatte u. zwar
südwestlich von Tarvis, nahe Ponta
fel, in der Plöcker-Gegcnd und ans
dem 2t. Pal.
„Tas Material, welches uns in der
zwölften Jsonzo - Schlacht in die
Hände siel, übersteigt bei Weitem die
Beute, welche als das Resultat unse
rer galizischcn und polnischen Tom
wer - Offensive 1015 von uns erben
tet wurde."
Westliche Front.
Trr brutsche Bericht.
Berlin, via London, !U. Otto
ber. Ter heutige offizielle deutsche
Bericht lautet:
„Britische Angrisse, viele Male er
neuert, wurden auf dem schlammigen
Schlachtfeld inFlandern zurückgewor
fen. In manchen Fällen wurde der
Noch rin drutschrs Eomplot unfgrdrckt.
Ein des Diebstahls Angeklagter an
geblich bestochen, um Strikes in
den Per. Staaten und Canada
anzuzetteln.
New B"r k, !!I. Oktober.
„Tr." Karl von Edwards, der hier
vor dem Gericht unter der Anklage
des Diebstahls von P 35.000 Juwelen
und !j!000 in Baargeld von Iran
Minnie k. 2trangmän. der Gattin
eines Brauereibesibers in Bnfsalo.
,prozessirt wird, bezeugte heute, das;
man ihm jUOOo pro Woche angebo
ten habe, um eine Strikebewegung in
den Per. Staaten und Canada zu in
seeniren. Ter Mann, der ibm das
Angebot machte, war angeblich als
Earl Hanneina bekannt, der ein Se
kretär des Grasen Bernstorss gewesen
sein soll. Von Edivards behauptete,
das; Frau Strangmann Um in einem
Hotel in dieser 2tadt vorstellte, in
dem er mit mehreren sogenannten
Pro-Deutsche verkehrte. Edwards
erklärte, das; er die Offerte zuerst zu
rückwies. aber sväter P2>oo in dieser
2tadt und Hl.'. in Bnfsalo an
nahm.
leremiab O'Lear. der Präsident
der „American Truth Soeietn",
nannte die Behauptung des Ange
klagten. er habe Um in der Gesell
schuft der Iran Strangmann ange
trossen. eine Unwahrheit.
Grgrn Konstantin.
Land o n. UI. Oktober. Einer
Reuter Tepesche aus Athen zufolge
war der frühere König Konstantin
ein deutscher Agent. Ties erhellt
aus den seht in gewöhnliche umschrie
denen Geheiindepeschen, die er nt
den, Kaiser gewechselt hatte.
„Ter König kabelte dem Kaiser
! sehr Prompt alle Auskünfte über mi
litarische oder politische Angelegen
hciten. welche er von de bei den En
tentemachten beglaubigte griechischen
Diplomaten oder den bei diesen Hee
re befindlichen Militär Attaches er
hielt." sagt die Depesche. „Tie Lr
ganisation von Banden wurde von
Berlin aus geleitet. Ter Kaiser vcr
fügte die Bildung von Banden von
kOW Mann. die General Sarrail'i
Eommuiiikations-Linien abschneiden
und ihn im Rücken belästigen sollten."
Ein Mann wurde gctödtet unk
drei verletzt, als in der Tu Pont Pul
verfabrik in Earneyl'S Point ein
Explosion stattfand.
--
verloren gegangene Grund durch Ge
genangriffe zurückgewonnen. Tas
Resultat der Kämpfe des Tages wird
als ein neuer Erfolg der Teutschen
charakterisirt. Tie Briten sollen
schwere Perlnste ohne Bortheil für
sie erlitten haben."
In Ilandern und am EheminS de
Tames war die Natur der Artillerie
Thätigkeit verschieden.
Ter französische Bericht.
P ar i s, l!I. Oktober Tas fran
zösische Kriegsamt neidet:
„Nördlich der Aisne ereigneten sich
an dem ganzen Sektor zwischen
Panraion und Iroidiiiont Artillerie
länipse. Wir schlugen feindliche Ab
lheUungen zurück, die unseren kleinen
Posten nördlich der Loivre, in der
Region nordivesllich von Rheims, zu
erobern versuchten.
In den Argonnen, in der Region
von Bourenilles nnternahnien die
Teiltschen einen llebersall. Nach ei
nein lebhaften Gefecht wurden sie zum
Rückzug nach ihren Linie gezwun
gen. nachdem sie bedeutende Perlnste
erlitten halten.
Po dem Rest der Iront ist nichts
zu berichten.
feindliche Ilieger warfen während
der Nacht :!> Bombe au Tnnlirchen;
bis seht find keine Perlnste an Men
scheu oder materielle Schade berich
tet worden.
Ter britische Bericht.
London. :rl. Oktober. leld
arschall Haig meldet:
„Tie deutsche Artillerie entwickelte
während der Nacht ziemliche Thätig
teit an der Schlachlsront gegen die
gestern eroberten Stellungen. Ein
Gegenangriff blieb aber ans.
Bon Reste der Iront ist nichts von
Interesse zu berichten."
westliche Front.
Ter russische Bericht.
Petersburg, :il. Oktober.
Im lannzerne - Abschnitt der russi
schen Iran unternahmen deutsche
Truppen gestern Nachmittag eine
plötzlichen Angrisf. der rnssischrStreit
tröste znm Rückzug zwang, wird Heu
te amtlich bekanntgegeben. Tie kund
gäbe besagt: „Ihr starkes Jener er
zwang unseren Rückzug."
rvdrsnrtliril wegen Ermordung ei
er Iran.
H artf or d, Eon., Al. Oktober.
William I. Wise von Neiv Bri
tain, ei Soldat in Ouarliermeisters-
Corps i lort Slocum, N.wurde
gestern der Erinordiuig der Iran
Anna Tobin in Nein Britain in der
Nacht des l!>. Sechender für schuldig
befunden und vernrtheilt, am l l. De
zeniber im Olaats Gefängnis; zu We
therssield gehängt zu werden. Wise
war in die Iran verliebt. Nach dem
Morde versuchte er sich selbs zu töd
ten. Noch zwei andere zu Tode
Pernrtlieilte werden an demselben
Tage im Staatsgefängnis; gehängt
werden.
In Cincinnati sind l:! Mitglie
der der Sozialistischen Partei, ein
schliehlich deren Candidaten für das
Mahors Amt. der Per'chwörnng ge
gen das Conscriptions-Geseh in An
klagezstad verseht woredn.
M. M I
EM.
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-WM .MM M MI
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MMIMWKMM .zM > M
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Geer,l Liiert i sei H i, Krakreich.
iaKM upd Um,o) tvl, rt z^
L.ÄN- . .' ' -i. .
Was England zahlt.
London, 31. Oktober. Im
Unterhaus begann gestern die De
batte über den von Schahkanzler Bo
nar Law beantragten neuen Kriegs-
Credit von 100.000,000 Pfund Ster
Img (etwa P 2,000,000,000), der die
gesnmmten Anleihen des laufenden
Jahres aus die Höhe von 1,000,00>>,
000 Pfund und sämmtliche Anleihen
Kit Kriegsbeginn auf 5,<>02,000,000
Pfund bringen wird. Bei dieser Ge
legenheit gab der Schatzkanzler eine
sciner regelmäßigen Uebersichten über
die kriegsfiiianzen, aus welcher er
hellte, daß die täglichen Ausgaben der
britischen Regierung sich in der Zeit
vom 22. Juli bis 23. September an,
0 111.000 Pfund belaufen haben.
Tie sinanzielle Position, erklärte Bo
mir Law. iverde im zweiten Halbjah
re znm Theil wegen der erhöhte
Ausgahen sür Heer und Flotte iveni
ger günstig als im ersten und consla
tirte, daß diese Ausgaben den Vor
anschlag um 500,000 Pfund täglich
überschritten. Teit Beginn des Fi
nanzjahres überhaupt seien täglich
0,048,000 Pfund ausgegeben wor
den, was 1,237,000 Pfund über den
Voranschlag bedeute.
Am 20. September, fügte der
Schatzkanzler hinzu, habe die Natio
nalschuld zwischen 4 und 5 Milliar
de Pfund betragen, von denen 1,-
100.000. die den Allürte, und
100.000. die den Dominions
vorgeschossen wurden, abzurechnen
sek'. Auch ein Theil der Gabe In
dien?, die l 00,000,000 betrug, sei
01 Abzug zu bringen.
Tie ganze Nationalschuld sei durch
de Krieg in 3 Milliarden Pfund
gestiegen.
Zwölf Milliarden Dollars.
Zü r i ch, 31. Oktober. Im Ver
lauf einer Etatsdebatte in öslerreichi
scheu Oberhanse erklärte der Baron
oon Plener, daß, wenn der Krieg bis
Nim Ende Juni nächsten Jahres wäh
re, der österreichische Antheil a de
'Znsgaben sür das Militär sich ans
12 Milliarden Dollars belaufen wer
de. Ter Baron bedauerte die That
ache, das; von allen Kriegführenden
nur England imstande sei, die Zinsen
aus die Kriegsschuld zu bezahlen und
außerdem noch erhebliche Beträge aus
den lausenden Einnahme sür andere
Zwecke zu verwenden. Eine weitere
beunruhigende Erscheinung sei die
Noten Cirkulation, welche jetzt eine
viel größere Höhe erreicht hale, als
irgend Jemand bei Ausbruch des
Krieges geahnt habe. Tas Resultat
sei. das; Oesterreich och lange unter
einer niedrigen Wechselrate leiden
verde.
Grvsirr Strike in Aussicht.
> Holst 0 n, Ter., 31. Oktober.
W. A. Campbell, der Vorsitzer de?
Beschwerde-Comite's. und Ed. Eun
> ninghani. Präsident der „Texas Fe
deration of Labor", sagten heute, daß
0000 Arbeiter in den Golfküste-Lel
seldern heute Abend an den Strike
gehen werden.
Evngrcßlkute in Paris.
Paris, 31. Oktober. Zehn
Mitglieder des aiuerikanisechn COll
- käme heute ans ihrem Wege
zur Front hier an und wurden am
Nachmittag von Wm. Graves Sharp,
dem amerikanischen Botschafter, in
seiner Residenz empfangen. Tie Con
greßleute werden sich morgen in das
Hauptgiiartier de-,- Generals Persh
ing und später nach der Front bege
ben.
Advnnkntcn, die den „Teutschen llorre
spondentcn" nicht pünktlich oder unrrnrl
niaßig erhalten, sind gcdetrn, der Okkir
davon per Telephon oder schriftlich Ml
lieilun n mache,
Geld für Entente.
W a s h i n g t o n, 31. Oktober.
Ein Credit von P 25,000,000 vurde
heute vom Schatzamt an Großbritan
nien gewährt, woinit die Total-Cre
dite an die Entente auf P3,131,400,-
000 gebracht werden.
Einen greifbaren Beweis für Ame
rika's Pertrauen auf Italien in sei
ner Prüfungsstunge hat gestern das
Schatzamt in Gestalt einer Anleihe
von P 230,000.000 geliefert, durch
welche der an Italien gewährte Cre
dit die Höhe von P 435,000,000 ge
bracht wird.
Mit diesem Gelde wird Italien ge
waltige Mengen Kohle und andere
Artikel bezahlen, die für seine Ar
meen und Industrien gekauft werden.
Thomas Carnell wurde in St.
Louis zu 2 Jahren Zuchthaus verur
theilt, veil er eine Rede gehalten
hatte, die von den Geschworenen als
zur Insubordination unter dm mili
tärischen Truppen des Landes aufrei
zend betrachtet vurde.
Tie Glocke von Nt,roll.
Eine russische Legende. Aus dem
Buch der Prinzessin Catharina
Radziwill: „Erinnerungen
aus 40 Jahren".
Tie Krönung des Zaren Nikolaus
des Zweiten erinnert mich an eine
hübsche Legende, die charakteristisch
ist für den Aberglauben Rußland's.
Ich hörte sie auf dem Landsitz einer
bcsrcnndeten lamilie im Innern von
Rußland erzählen.
Müde und abgespannt saßen wir
mit noch zwei Gästen am Kamin. Ein
heftiger Regen ging nieder und der
Sturm heulte durch die Bäume des
Parks. „Eine Nacht für Gespenster",
äußerte sich einer de; Anwesenden.
Ein anderer fragte, ob nicht auch aus
diesen, Landsitz sich Gespenster zeigten,
wie sie in den meisten russischen Her
rensihen angeblich Nachts ihr Wesen
treiben sollen. Ter Hausherr lächelte
und ineinte, bis jetzt habe noch kein
Gast aus der anderen Welt ihm die
Ehre erwiesen.
„Aber", füg-te er hinzu, „ich habe
in anderen Schlössern Erfahrungen
gemacht, so daß ich sogenannten über
natürlichen Dingen gegenüber nicht
geradezu ungläubig bin."
„Wir würden keine Russen sein,
wenn vir nicht abergläubisch wären",
meinte ein Anderer. Als der Haus
herr von allen Seiten ersucht vurde,
über sein Abenteuer zu berichten, er
zählte er:
„Bor wenigen Jahren reiste ich im
j Gouvernement Perm, um mich über
den Instand eines Bergwerks zu un
terrichten.
Ta es dort keine Eisenbahnen gab,
mußte ich im Tarantas fahren. Bei
den schlechten russischen Straßen war
es kein Wunder, daß mein luhrwerk
in dem Tors Nnrob zusammenbrach,
und es konnte erst am nächsten Tag
wieder ausgebessert werden. In dem
Torf gab es keinen Gasthof. und
während ich mir noch überlegte, wo
ich über Nacht bleiben konnte, kam
der Ortsgeistliche vorbei. Als er von
meinem Unfall hörte, bot er mir die
Gastfreundschaft seines Hauses an, du
sch mit Ireuden annahm.
„Pater Paul war ein ehrwürdiger
Herr mit langem, weißen Bart und
besser unterrichtet, als die meisten
russischen Torfgeistlichen zu sein pfle
gen. Nach dem Abendessen kam ein
Dorfbewohner und bat den Geist
lichen, einem Kranken einen Besuch
abzustatten. Da der Abend mild
war, unternahm ich einen Spazier
gang durch das Torf.
„Nnrob ist ein großes russisches
Torf. Wie die meisten russischen Dör
fer wird es -nur von einer einzigen
langen Straße durchzogen: cs ist so
eintönig und langweilig, wie die an
deren. Ich lenkte meine Schritte nach
einem kleinen, mit Bcäumen bestan
denen Hügel. Die Zweige hatten be
gonnen. Knospen zu treiben. Es war
im Monat Mai. TaS Blühen und
Grünen in der Natur bildete einen
seltsamen Gegensatz zu dem trübseli
gen Anblick der Häuser.
„Ta es begann zu dunkeln, trat ich
den Heimweg an. Ich kam aber vom
Wege ab und sah mich mit einem
Male unerwartet einer kleinen Ka
pelle gegenüber, die ich vorher nicht
bemerkt hatte. Plötzlich vernahm ich
den Ton einer Glocke, der mich ver
anlaßte, still zu stehen und zu lau
schon.
„Ter Ton kam immer lauter und
deutlicher, bis ich ihn in meiner näch
sten Näher vernahm. Es war ein un
heimlicher und ungewöhnlicherklailg:
sanft und harmonisch, aber wie ich
einen ähnlichen noch nie vorher ge
hört hatte. Nu schien er unmittel
ba unter meinen Außen zu erklingen.
In nervöser Aufregung eilte ich hin
weg. aber der Klang folgte mir. Ich
bin kein Acigling, aber ich athmete
erleichtert auf, als ich einen Bauer
kommen sah. Noch ehe ich ihn aber
anreden konnte, schlug er über seiner
Brust deS Kreuz und lies hinweg. Ich
eilte ihm nach und sragle ihn. warum
er vor mir floh. Er entschuldigt sich
und sagte: Ich bin nicht vor Ihne
geflohen, sondern vor dem klang der
Romanow-Glocke." Ein Erklärung
aus meine verwunderte Frage ver
mochte er nicht zu geben.
„Nach der Wohnung des Priesters
zurückgekehrt, fragte ich diesen nach
der Bedeutung dieses seltsamen Abe
nteuer?. Zu meiner Verwunderung
nahm sein Gesicht einen sehr ernsten
Ausdruck an. Er schlug ebenfalls das
Kreuz. Tann befahl er mir, die Thür
dicht zu schließen und erzählte mir die
Legende von der Romanow-Glocke:
~Im Jahre 1001 herrschte Zar Go
dounoiv in Rußland. Ta noch die
rekte Nachküminenßuriks lebten, war
er ein Usurpator des Thrones. Go
dounow hatte Tünitry, den jüngsten
Sohn Iwans des Grausamen, er
mordet, und hatte sich vorgenommen,
die Familie der Romanolv's auszu
rotten, da diese das nächste Anrecht
aus den Thron Rußlands hatte. Er
sperrte Fedor Nikitisch Romanow in
ein Kloster und dessen Frau eben
falls. Terselben war es indessen ge
lungen. ihren Sohn Michael mit sich
zu nehmen und zu verbergen. Den
selben, der später zum Zar erwählt
wurde. Fedor Nikitisch hatte zwei
Brüder: Alexander, der von den
SchergenGodonnow's. ermordet wur
de, und Michael Nikitisch. Ter letz
tere erfreute sich einer solchen Beliebt
heit bei den Massen des Volkes, daß
er, wenn er gewollt hätte, mit Leich
tigkeit hätte den Zaren stürzen kön
nen. Ter Zar aber war gegen den
Prinzen mißtrauisch. Er bestach des
sen Maitresse, die in einer verabrede
ten Nacht das Thor öffnete und Go
dounoiv' Soldaten einließ. Roma
now vurde gefesselt und in Kette
aus Befehl des Zaren nach dein Torf
Nyrob gebracht.
Ter Weg war lang. Es war mit
ten im Winter und der Gefangene
vurde von seinen Wächtern in grau
samster Weise behandelt. In Nyrob
hielt der Schlitten, und dem Gefan
genen wurde befohlen, auszusteigen.
Zwei Soldaten wurden geboten, eine
Grube vor den Augen des Opfers der
Grausamkeit des Zaren zu graben.
Nikitisch wurde alsdann in Ketten,
welche noch in der kleinen Kapelle
hängen, welche Sie gesehen haben, in
die Grube hineingestoßen, und diesel
be wurde mit Brettern zugedeckt.
Wachen wurden in der Nähe aufge
stellt, die verhindern sollten, daß sich
Jemand dem Unglücklichen nahte. So
wurde Michael Nikitisch lebendig be
graben.
Drei Jahre vergingen. Tie ro
huste Natur von Michael Nikitisch
hielt aber aus. Schließlich bekamen
seine Wächter eS satt, an der Gruft
dieses lebenden Todten zu wachen.
Sie beschlossen, ihn verhungern zu
lassen, und bedrohten Jeden mit dem
Tod, der dem Unglücklichen ein Stück
Brod reichen würde. Vergebens
flehte er die Vorübergehenden an,
ihn nicht verhungern zu lassen. Tie
Kinder liefen im Schrecken davon,
wenn sie diese Stimme aus dein Gra
be vernahmen. Niemand wagte sich
in die Nähe und trotzdem blieb das
unglückliche Opfer der Grausamkeit
Godounow's noch am Leben. Schließ
lich wagte sich eine alte Frau, die in
dem Rufe stand, eine Hexe zu sein, an
den Rand der Grube, wo Romanow
im Sterben lag. Einige seltsame
Worte, die sie sprach, genügten, die
Wachen in tiefen Schlaf zu versenken.
Tanach fragte die alte Frau denLter
bendeii, was sic für ihn thun kön
ne?
„Todte mich", war seine Antwort.
„Tas ist nicht mehr nöthig," sag.
te die Alte. „Deine Stunde ist ge
kommen. In wcnigen Augenblicken
wirst du deine Seele aushauchen.
Aber dein Dulden verdient Lohn."
Sie warf ihm eine kleine silberne
Glocke in seine Gruft. „Nimm diese
Glocke." sagte sic. „In Freud und
Leid wird sie erklingen, solange ein
Herrscher deine? Stammes auf dem
Thron von Rußland sitzt. Sie wird
der Nachwelt die Kunde bringen von
deinem Märtyrerthum, da? für dieje
nigen deines Stammes und Namens
eine Krone gewonnen hat."
Und seitdem erklingt die Noma
now-Glocke jeden Abend." schloß der
Herr des Hauses. „Lassen Sie uns
hoffen, daß sie sür immer läuten
wird."
Dieses Schweigen herrschte nter
den Anwesenden, als der Erzähler zu
Ende gekommen war. Das Feuer im
Kamin erstarb langsam, und durch
die tiefen Schatten im Zimmer schie
nen die Geister einer düsteren Ver
gangcnheit zu schweben. Endlich
brach unser Gastgeber das Schwei
gen und sagte: „Lassen Sie uns
schlafen gehen. TaS silberne Glück
chen klingt nicht sür uns arme Sterb,
liche."
Ost muß ich an die Legende von
der Glocke von Nyrob denken, wenn
ich die Familiengeschichte der Roma
now'? im Geiste an mir vorüberzie
hen lasse, in ihren Schrecken und ih.
rem Ruhm. Mir ist dann, als hörte
ich den geisterhaften Ton des silber
nen löckchen au- der Einöde de
russische Lars yrod."

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