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Der Deutsche correspondent. (Baltimore, Md.) 1841-1918, February 17, 1918, Image 14

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6
Grrmadrl und die Jllmmlira. ,
Ans dem Garten der Alhambra in Granada.
Sobald man die -Sierra Morena
hinter sich bat und weiter gen Süden
nordringt, ändert die Landscbast ihren
Charakter, nimmt einen südländisch
erotischen Anstrich an. Neben uns
sänmten riesenhafte Kakteen und die
bläulich.grauen Aloen mit stachlige
Blättern den Abhang, zu dessen
Füßen ein silbernes Wassee ranicht.
Ta und dort streckte eine Palme ibre
krone ans der Ebene hervor, wie das
Zünd einer andcrn Erde als hätten
die alten Gebic-ier Andalusiens ste ans
ihrer Flucht nach Afrika vergessen
mitzunehmen. In weiter Ferne tauch,
die Stadt Granada vor unseren Blik
len ani. Ans sansten Hügeln ansge
breitet liegt sie da. geschützt durch
Mauern von Eypresse. Aloe und
Lorbeerbüschei!. lieber ibr der lies
blaue, wolkenlose Himmel, zu ihren
Füßen die rosendnstende Bega 'st
ein bunter Teppich, den der Genil und
Eingang znm Grnvc Ferdinand'-- nnd Jsnbcllcn's in Granada.
— — .---"1-'- ''
der Tarro mit Silberfäden durchwir
ken. Hinter ihr eine .kette von Ber
gen, unendlich wie das Meer, die mit
dem Horizonte in sansten Wellen
linien zusammenschmolz. Alles von
einem Lichiglanz übergössen, wie er
einst das Paradies überstrahlt haben
muß...
Erweckt Ihnen der bloße Name
Granada nicht Gedanken an eine
Sind; de Mittelalters, bald gatiscb,
bald arabisch? Tie Tore mit mauri
schen Fassaden, schlanke Minarets, röt
lich gefärbt, dir engen Hassen mit
Teinwand überspannt, m die Strah
len der Sonne abzuhalten - Bnr
nnsträger vor den Türen slachgedeck
ter Häuser!
Lösthen Sie dieses Bild ans Ihrer
Phantasie, wenn Sie es je darin bat
ien. Das eigentliche Granada, das sich
am Fuße der Hügel hinzieht denn
dst- achtbaren Bürger verachten die
Ter Ti'ntsche Carr-speiidcot, Baltimore, Md , ?i'tag, de 17. Februar 19lk
Alhambra und ihre Umgebung als
ein Ratteiinest, „uua casa de ratones",
und lassen sie nicht als zur Stadt ge
hörig gelten scheint mir svgar
zieinlich unbedeutend und kleinstäd
tisch.
Und erst die stolzen „Granadinos"!
Ich war nahe daran, mich mit ihnen
zu überwerfen, daß sie ganz gewöhn
liche Röcke trugen, Beinkleider mit
Strippen und Zylinder auf den
köpfen. Schließlich kann man es
ihnen freilich nicht verdenken, daß sie
aus Interesse sür den Lokalton nicht
da-? Kostüm Boabdil's beibehalten
habe oder die Rüstung ans der Zeit
Ferdinand^'.
Mit dem weiblichen Teile der Be
völkerung war ich mehr zufrieden
heißt es nicht mit Unrecht. Die Man
tilla bleibt doch der entzückendste Rah
men sür einen spanischen Fraueiilops.
Ta und dort steckt eine Granatblüte
odcr eine rote Nelke in der schwarzen
Spitze: das Auge, trotz der tiesfalleii
den Wimper, ist immer noch sichtbar
genug, um allerhand Bosheiten zu
verüben. Hüte sind glücklicherweise
hier seltener wie in Madrids Möchte
ihnen der Untergang geschworen sei.
Ans einem Lcbilde las ich: „Modisia
francesa" ' eine entsetzliche Bedro
hung de? Geschmacks.
Jetzt geben Sie Acht wir stehen
vor der Kathedrale, die im sechzehn
ten Jahrhundert nach Zeichnungen
von Tiego de Siloe begonnen wurde.
Tie fünf Lchine im Innern werden
von zwanzig wuchtigen Pfeilern, aus
je l korinthischen Säulen zusammen
gesetzl. gc-lragen. Alonso Cano, Bild
hauer und Maler, von den Spaniern
dem Murilko an die Seite gestellt,
war an dieser Kirche angestellt und
der Vorzüglichste Schmuck derselben
ist seinem Meißel und Pinsel zu dan
ken: sie enthält auch sein Grab.
Tie Totenkapelle der katholischen
Könige ...la eavilla de los Reges,'
ist linstreilig die wertvollste der
siinfzebn Kapellen dieses Toms. Sie
liegt zwischen dem Hanptaltar und
der Sakristei nd ist wie die kapelle
des heiligen Ferdinand zn Sevilla
durchaus nabhängig von der Haupt
lirche: sie bat ihr besonderes Kapitol
und ihre besonderen kapläne.
Das reiche gotische Portal dersel
ben, das die heigegebene Zeichnung
Ihnen veeanschanlichen wird, hat
Pfeiler, die inil den Statuen spani
scher Wappenherolde geschinnt sind.
In der Milte des Tores ist das Wap
pen von .Kaililien angebracht. Dar
über eine in Stein gehauene Jung-
Frau, zu deren Seiten Johannes
Täufer und Johannes der Evangelist
stehen. Das Innere ul würdevoll, wie
es der Wohnung großer Toteil ange- j
messen ist. Neben dem Hochaltar
knieen, in Marmor gemeißelt, Ferdi
nand und Jsabella. Symbolisiert
durch drastische gemalte Holzreliefs
von Felipe in das Hauptziel
ihres Lebens: die Unterjochung und j
Bekehrung der Ungläubigen. Tic-
Schnitzereien sind höchst nx-rtvoll und
von großem Interesse für den Lieb
haber von Antiquitäten.
In der Mitte der Kirche sind die
berühmten Grabmäler desselben Kö
nigspaares von Peralta liegende Fi
guren in weißem Marmor. Von wun
derbarer Schönheit iit besonders Jsa
bella, eine sanfte Ruhe in Zügen:
Sie starb fern von Granada, wurde
aber auf ihren ausdrücklichen Wunsch
hier begraben.
L>r steigen zur Gruft hinab, „ein
enger Raum für solche Größe": die
Königssärge sind mehr als einfach:
ein F bezeichnet den des Königs.
Unter den Reliquien, die der Kirche"
gehören, ist das Schwert, das Ferdi
nand bei der Schlacht vor Granada
getragen, und das Meßbuch Isabel
lens, das ane Jahrestage der Kapitu
lation auf dem Hauptallar zur Be
sichtigung der Gläubigen ausgestellt
ist.
Von der.Kirche-waudteiurwir uns
nach dem Zacatin, der altensTrödler
gasse, die ihren maurischens Namen
beibehalten hat. In dieser sschmalen
Straße hat sich dc-rHandel von Gra
nada eingenistet phier sümmtTfeilscht,
drängt und stößt sich ein sonderbares
Volk. Fremde und^Eiuheiniische, hüb
sche Frauen, von oder Mantilla (halb
verdeckt, keck dreinschauende Zigeune
rinnen:'Mavitn-r- und Eseltreiber,
verbrannt-von derSonne,der Bega,
als seienlsie-soebeirtvonA'lsrika gelan
det. '
Laschn'Sie niich.Jhncn kurz noch
einen Begriff der topographischen
Lage/der Stadt geben, ehe wir der
Alhambra zuschreiten. Die eigentliche
moderne Stadt dehntHich zwischen drei
Hügeln aus. Rechts mber dein Genil
erhebt sich Antequenera, wohin nach
der Eroberung die Bewolun-r zu Züch
ten versuchten. Die Alhvmbra und
dast'Generalife krönen dieigegenüber
liegende Anhöhe, getrennA-durch den
Tarro vom Albaicin. der alten Zita
delle, die ;etzt in Trümmern liegt.
Vou'der Plaza Nueva, in welcte der
Zaentin mündete. uahmeugwir >nuu
die Calle de los Gvmeres..die anslei
gend ach dem Tore de las, Granadas
führt. Als wir Las Tor-erreichten,
dehnte sich plötzlich wie dunch Verzau
berung ein wunderbarer; Anblick vor
uns aus. Ulmen, Eichen, Pappeln
Bäume unseres üppi
ges Laubwerk man im <Äüden sv oft
vermißt, dazwischen -Oleander mit
Blüten bedeckt, daß jeder einzelne
Strauch wie ein ricseiiliastes-Bvuguet
sich nnsnabm.Dunkelaefärbte Lorbeer
bäume neben grauschi-uuiernden Oli
ven. Vvil allen Seitenrieselten irische
Quellen. Je wärmer es ist, je reich
licber jännilzt die Sanne dc-n-Schnee
der Sierra, der sie niäbrt. Dwic- Mi
schling von Eis und Feuer muß es
wohl sein, die das.Klima hier io un
vergleichlich macht. In-dieses GelPstz,
das die rötlichen Maurrn der arcrbi
jchen Burg iuiweitem Umkreis um
givt. sind naäiverschiedeeiußichtun
gen Wege aicsgehauen. Int ziemlich
gleichen Entfernungen treten Türme
aus ihnen hertwr. Wir verfolg- eine
breite Allee Von beide
Seiten Bäume, die ihre Zweige über
uns iiieiuanderstreckteli wie Fremide.
die fick, die Häude-reicheu. .keine Sou
ne mehr. Nur hie und dacLichtstreiseu
wie zuckende Fläinmche. die sich
durch s Laub stehlen, nur uns zu leuch
te. ohne die köstliche Frische die
Wald und Quellen verbveiten. zu be
> einträchtigen. Wir ivareu nickst weit
gegangen, als wir vor dem Mmriu
des Gefangenen standen „la torr.e
del Cautioo".
l Nicht weit von diesem erhebt sich
der Turm „de los Siete
der sieben Stockwerke. Turck, diesen
- entkam Boabdie. nachdem er Granada
> übergebe. Wir schreiten weiter und
- passieren den Weintnrin „la torre
> del, Vino", von Jussuf 1. errichtet.
- Ter Eingang zn demselben siilirt den
> Namen., das Weinlor". weil durch
diesen den Bewohnern der Alhambra
zn besonderen Zeiten die Einfuhr von
Wein gestattet war, dessen Genuß der
: Koran den Nichlbesitzeru vem Schlös
- Hern ans's Strengste untersagte.
Jussus l. hat auch das Hanvttor
wrrichlel c „la Pnerta de la Jnsticici'
- > die Piorte des Gewichts. Tie Be
zeichnung erinnert an de Gebrauch
Las Weintor in Granada. s-*
der-Orientalen gleich an der Lchwelle
ihrer Städte Gericht zn üben. Nach
dem wir den herzförmig ausgeschult
tenen Bogen dieses Tores durchschrit
ten. befanden wir uns allerdings im
Vorhofe der Alhambra, aber wir er
blickten keinen maurischen Palast.
Karl V.. in de'sen Reiche die Sonne
nicht unterging, der also sicherlich auch
anderswo Raum hätte finden können,
sah sich bemüßigt, einen großen Teil
der Alhambra niederreißen zn lassen,
um sich dort ein Schloß zn errichten. §
Cs hat weder ilmi Glück gebracht noch
seinem Palast, denn letzterer ist nie
vollendet worden. Wir betreten dieses
Palais, aber nur um uns durch einige
halvdunkle Korridore des linken Flü
gels nach der Alhambra zn wenden,
die durch diese mit ihm verbunden in.
Als wir heraustraten in einen großen
Hof, leom. Sonnenlicht -übergössen.,
war es. als ob wir plötzlich durch den
Spruch eines Zaubers vom Occident
in den Orient versetzt worden wären.
Ach glaube ich, das; es uns in Er
flaunen gebracht hätte, wenn wir
plötzlich Abd-nl-Hassan im weißctt
Burnus neben seiner Geliebten, der
schönen Zoraza. gesehen hätten.
An der Mitte dieses Hofes —-
„patis de los Arravancs" der
Murten, ist ein großes Wckuerbecken
in Form eines Parallelogramms, das,
von Murten und Orangenbüschen ein
gefaßt. in eine Art Galerie mundet,
deren schlanke arabische Säulen mau
rische Bogen von seltener Schönheit
tragen. Vervollständigen Sic die
Zeichnung: aus dem Garten der Al
hambra. indem Sie sich das warme,
lebendige Kolorit dazu denken.das nur
die spanische Sonne verleiht, versu
chen Sie die warme Frische zu emv
finden, die von dem Wasser aussteigt,
den Woblgernch der Heliotropen, der
Rosen, des Jasmins zu atmen,—
nein, versuchen Sie es nicht, auch die
lebhafteste Phantasie kann diese Wirk
lichkeit nicht er,eichen, ebensowenig
wie die Feder ein Bild davon zn ge
ben im Stande in.
(erlassen Sie mir deshalb auch die
Beschreibung der einzelnen Säle, die
schon so oft gemacht worden ist. N-.cht
ohne Absicht habe ich mich nur bei
dem länger ausgehalten, was bei der
Fülle des vorhandenen Materials in
der Regel vernachlässigt wird.
„Georg sagt, daß er die kleine Locke
über deinem rechten Ohr so entzückend
findet." „Cin Glück, daß ich das
weiß, ich wollte sie gerade aus die an
dere Leite stecken!"
Zweierlei Bier.
Im Jahre 1719 war in der Ren
mark die (Herste mißraten. Falls das
Bier ferner dieselbe Güte wie bisher
aufweisen sollte, so mußte es notweu
digcnveise im Preise steigen. Lurch
einen sogenannten Bierrezeß war in
der Neumark festgesetzt worden, daß
von einem Wispel Gerste 11l Tonnen
Bier gebraut, und der Preis des Bie
res dreimal im Jahre, zu Michaelis,
Weihnachten und -Ostern, nach dein
Preise der Gerste bestimmt werden
sollte. Nun verlangten aber die Be
fehlshaber der Garnison, das; der
Preis des Bieres nicht gesteigert wür
de, und das; der Soldat, der sein be
sliinmtes Quantum haben müsse, das
Quart, wie bisher, sür i Psennigc er
hielte; die Brauer könnten sich ja da
durch Helsen, das; sie dünneres Bier
brauten. Tie Bürger aber, denen es
weniger auf die Blasse als ans die
Güte de§ Bieres ankam, wollten lic
ber etwas mehr zahlen, als ein schlech
tes Getränk haben, und wandten sich
mit einer dementsprechenden Vorfiel
lung an den König Friedrich Wii
Helm 1., den praktischen preußischen
Ter Turm des Gefangenen in Granada.
Soldatenkönigs, der darmif folgende
originelle Entscheidung culließ:
„Es haben Leine königliche Maje
siüt allergnädigst reiolviret, da?; in
denen Städten, >vv GnarnisonS lie
fen, znni der Loldaten nnd
armen teilte wöchentlich eine gewisse
Zahl der Buaneigner nach der Reihe
hernin nichte, als Speise Bier von l
Lchei'.l st-ialp per Tonne brauen und
das Bier nach der Tare des 'Herslen-
Preises und der Antasten höchsten-;
mit >! Psennig das Quart bezahlet
werden solle. Die übrigen Braueigner
aber sollen st zweyer Lchesfel Maltz
per Tonne drallen und das Bier nach
den ordinairen vom Lande und Städ
len geiedlen Tare bezahlet. auch da
von die Stadt Schank Krüge versor
get werden, wie dessalls an die Krie
ges und Llener Commissarien jedes
Orts gehörige Ordere ergangen."

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