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Freie Presse für Texas. [volume] (San Antonio, Tex.) 1865-1945, December 23, 1918, Image 1

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QiZche Ausgabe.
eekkgkmq ,.e see sameme Montag iseei Dezember igieei « " W«";euieie;e"ee"i?egi;«
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Das Peogtamm
ffrI die Reise des Präsidenten nach England IIeriiIIeIIlliiijI
Wilson in der Sarboeme. ;
Sieben millionen 0piee elieles krieg-ex H
Z
(
Jtetlienische Forderungen.
Amerikauische Friedenskommission hat kein bestimmtes Progrcxmm»
Tseheehen vergangen Deutsch- Böhmen.
True translation filed with the
Postmaster at san Antonio on
December ZZrd as required by the
act ok·0ctober Sth 1917.
Donnerstag mittag um 12 Uhr 10
Min. werden Präsident Wilfon nnd
seine Gemahlin sowie ihr Gefolge in
Doder eintreffen nnd vorn Herzog von i
Cannaaght als Vertreter des Königsxj
John W. Davis, naserem Botschaftcr
in London; Lord Reading, dem engli
schen Botschafter in Washington, nno
Lord Herschel, dem Kammer-deren
des Königs-, der der Person des Prä-;
sident während feines Anfenthaltes in I
England attachiert sein wird, em
pfangen werden. Nachmittags 2:20
werden der Präsident und seine Bes4
gleitet in London bei der Charing
Cron Station eintreffen nnd vorn
König nnd der Kiixigin empfangen»
werden. Es folgt d nn der feierliche«
Einzug in London Am Freitag wird
der Präsident die englischen Minister
empfangen nnd am Abend findet ein
Staatsdiner im Bnckingham - Palast
statt. Samstag wird der Präsidentinj
Gnildhall die Vegrüfznng der Stadt
London entgegennehmens und am«
abend giebt die englische Regierung
ein Diner zu seinen Ehren in Lan
castcr. Am Samstag wird der Prä
sident Carlisle, den Geburtsort seiner
Mutter, besuchen nnd dann nachMan
chester reifen, wo ihm Montag das
Ehrenbürgerrecht übertragen werden
wird. Am Dienstag wird er wieder
nach Frankreich reisen.
Uns Paris wird gemeldet, Präsi
dent Wilson habe es in seinen Kon
ferenzen mit den französischen nnd
italienischen Staaten-innern klar ge
macht, daß er einen Friedensvertrag
nicht für genügend halte, sondern
dass auch die Fragen der Freiheit der
Meere nnd der Völker - Liga in be
friedigender Weise gelöst werden
müßten.
Präsident Wilson hielt am Sams
tag in der Sorbonne, der Pariser
Universität, eine Rede, gelegentlich
seiner Ernennung znrn Ehrendoktor
In seiner Rede erklärte er, dask die
von ihm oorgeschlagene Völkerlign
als eine organisierte moralische Kraft
wirken werde, die sich gegen jedes be
absichtigte Unrecht nnd jede geplante
Gewalttat kehren nnd sie ins Licht
ziehen werde.
Bei Verleihung der Wurde eine-J
«Ebrendoktors der Pariser Universi
tät an Präsident Wilfon erklärte Lu
cien Poincare, der Ase-Nektar der
Universität nnd Bruder des Präsiden
ten der französischen Nepnblik, die
Nachwelt werde unserm Präsidenten
den Beinainen »der Gerechte« geben.
Samstag abend waren Präsident
Willen nnd feine Gattin Gäste bei ei
nem Diver, das der britiiche Vorbild-«
ter ihnen n Ehren veranstaltete.
Jtnlienikche Zeitungen kündigen
nn, daß Präsident Wilfon am 3. Jn
nnnr in Rom eintreffen wird.
Aus London wird gemeldet, Präsi
dent Wilfon werde von einer unges
lieuren Menschennienge empfangen
werden.
Unser Präsident hat dem ameri
kanischen Hofpital in Nenilln einen
Besuch abgestattet nnd ift von dem,
was et dort gesehen, sehr befriedigt
Eine Massenveriammlnng der Bür
ger von Qneenstown lsnt beschlossen,
Präsident Wilfon einzuladen, nach
nach Jrlnnd zu kommen.
Noch einer Depefche ans Rosenha
gen heben in diesem Kriege sieben
Millionen Menschen ihr Leben verlo
ren. Sie verteilen sich in folgender
Weisk: Russland, allgemeine Verlustes
9,150,000, Tote 1,700,000; Deutsch-«
land, allgemeine Verluste 6,000,000,
Tote 2,000,000; Italien, Tote 500,
000; Frankreich, Tote 1,400,000;
Großbritannieu, Tote 658,704;
Oesterreich - Ungarn, allgemeine Ver-«
luste 4,000,000, Zahl der Toten noch
nicht berichtet. « «
Eine Depesche ans London sagt,
die rnssische Frage müsse in einer
Weise gelöst werden, welche die Zu
knnft Rußlands sichert.
Ja einer Korrespondenz aus Paris
wird aufs Eutschiedenste bestritten,
dask die amerikanische Friedenskom
mission ein bestimmtes Friedenspros
gramm habe nnd dies der Friedens
konserenz aufs-zwingen gedenke.
In einer Korrespondenz ans Wash
ington wird behauptet, die Friedens
konserenz werde bestimmen, daß das
Unterseeboot im Krieg nicht mehr be
nüth werden dürfe.
Eine Korrespondenz aus Washing
ton behauptet, die Friedeuskonserenz
werde zuerst die Grenzen regulieren
ukd festsetzen-, und sich erst dann mit
der Völker - Liga befassen.
Aus Washington wird gemeldet,
England werde Italiens Ansprüche in
der Friedenskonserenz unterstützen.
Frankreich werde auf eine Ermäszi
gung derselben dringen. Präsident
Wilsan habe sich bis setzt geweigert,
die Ver. Staaten für igend eine Poli
tik zu verpflichten nnd es ist möglich.
dass er als Vermittler in dieser Ange
legenheit fungieren wird.
Der spanische Premier, Graf Ro
manones, der nach Paris gekommen
war, nm über die Haltung Spaniens
in Bezug aus die Friedenskonsercnz
zu konserieren nnd anch eine Untern
dung mit Präsident Wilson hatte, iit
nach Madrid zurückgekehrt
Eine Depesche aus London erklärt,
es sei nicht wahr, dasx die Ver. Staa
ten nnd die Alliierten ein neues Ab
kommen über militiirische Operatio
nen in Russland abgeschlossen hätten.
Die Lage in Russland sei unverändert
Die österreichisch-dentsche National
oetsammlnng hat sich bitter über die
Führung des Kriege-z besonders über
die ,,Vrutalität, Arroganz nnd Unfä
higteit,« welche die höheren Beschw
linber gezeigt liiitten, ausgesprochen
nnd hat eine Untersuchung bezüglich
deei militiirischen Zusammenbruchsz
Oesterteichsllngarns verlangt. .
» Aus Png wird gemeldet, die
. tschechosslotoakische Republik beanspru
che das gesammte Böhmen nnd werde
nicht anerkennen, dass das Besitzrecht
nnd die Zugehöeigkeit Jrgend eines
Teils von Böhmen noch in der Frie
- denskonsetenz entschieden werde. Mit
der Vesetznnn Eget’s nnd Rei
chenberg’s sei das gesammte Deutsch«
Böhmen in den Besitz der tschechosslos
Ioatischen Regierung übergegangen
Die Deutschen sollen ans Polen alle
Lebensmittel, Maschinerie nnd Tele
Hsvlion - Einrichtungen entfernt hoben;
Polen verlangt eine Entschädigung
’von 2000 Millionen Tollnr.
Es wird behauptet, die Evartaencis
Gruppe in Deutschland sei von den
Bolscheioiki mit Geld oerselIen mor
den.
Der Kongrefi der Zoldntcni nnd
Arbeiter-Röte lint der Ebert - Regie
rung volle Autorität gegeben, alle
iRegierungsarbeit zu tun. Mit der
»Sozinlisietung soll sofort begonnen
Hocrden Zuerst sollen Kohlenberg
werke unter Staats i Kontrolle ge
stellt werden, dann die Stahl - Jn
dustrie nnd die chemischen Fobriken.
Weimar ist als Zufammenknnst der;
Nationalversammlnng vorgeschlagan
.Hindenbiirg’s Vorschlag, eine Natio-’
nal - Armee zu bilden, ist von der»
Regierung angenommen. Dentschlandl
hat 350 Millionen Mark in Gold fiirj
Belgien ausgeliefert Die katholischen·
Bischöse in Bayern haben gegen die
Trennung von Staat und Kirche pro
testiert Gras BuckdorssRanham der
jetzige deutsche Gesandte in Dane
mark, ist zum Minister des Art-Zwar
tigen ernannt.
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Der frühere deutsche Kaiser ist wie-.
der im Stande, spazieren zu gehen.
Die deutschen Behörden haben der
amerikanischen dritten Armee große
Quantitäten Kriegsmaterial überge
ben. Ehrenbreitstein ist jetzt von den
Amerikanern besetzt.
Hindenbnrg hat eine Proklanmtion
erlassen, in der er dem deutschen Hee
re und seinen Offizieren hohes Lob
spendet. Die deutsche Armee sei bit-l
zum letzten Augenblick von ihrenl
Feinden gefürchtet nnd geachtet gest
wesen. Er nennt es eine kleinliche Ra
che, den Offizieren jetzt ihre Abzeichen
und Waffen zn nehmen nnd zu erklä
ren, dan sie unfähig zur Führungi
seien. · (
Die baherische Volkspartei, die -
deutsche Volkspartei und der Münche
ner Zweig der Liberalen Partei haben
eine Zuschrift an die jetzige bayeris
sche Regierung gerichtet, in der fiel
sagen, daß-das Land vor einer anat
chistischen Gefahr stehe. Die Presse!
werde bedroht, das Versammlungs-I
recht existiere nicht länger und das(
Stimmrecht sei in Gefahr. Die Parteif
der Regierung wünsche ebenso wenigx
wie die Unter-zeichnet der Zuschrifts
eine Schreckensherrschaft, aber die»
Macht, die Ordnung anfrechtzuerhalsi
ten, werde lahm gelegt, wenn die Rej
gierng aufhöre, zu herrschen. Dies
Unterzeichner wünschen deshalb vonj
der Regierung nnd besonders oonj
dem Premierminister Knrt Eisner znj
wissen, ob die Regierung Ordnungs
oder Annrchie haben wolle. Vesondersj
der Premierminister Eisner wird er-«
Luchh hierauf eine Antwort zu ge
en.
Anc- Paris wird gemeldet, fünii
sranziisische Kriegsschisfe seien auf
dem Wege nach der Ostsee-, um die
Ausführung der Waffenftillstasids-Bes 1
dingnngen durch die Deutschen znj
überwachen. Auch werden sie deutsche
Häfen besuchen, um französische Ge
fangeue aufzunehmen - i
Russisehe politische Führer-, die!
Gegner der Volsehetoiki, unter ihnen
Mitukofß Minister des wswiiktigcul
im Kabinet Izu-offen und Nikolaus;
Schebeko, der frühere rnfsische Bot-s
schafter in Wien, find in Paris einge-]
treffen, um die Entente - Mächte für
die Herstellung der Ordnung in Rufs-i
land n interessieren.
Anss- Seres im griechischen Mazes
donien wird gemeldet, die Bittgareni
hätten griechiithc Posten angegriffen
nnd mehrere griechifche Soldaten
verwnndet, die Griechen hätten aberl
mehrere Bulnnriithe Posten gewon
nen.
Eine Londoner Depcfche behauptet,
dnsk der Eozialist Kante-in die Erkla
runn abgegeben habe, eine Untersu
chung der deutschen Negiernngsarehibe
habe die Beweise dafür gegeben, dafk
der frühere Kaiser, der frühere stren
iirinz, Ludendorff, Tit-pilz, die grossen
Industriellen nnd die Alldentfchen die
Schuld an dem Krieg trügen.
Italien wird eine Anzahl österrei-»
»Nichts Schiffe in feinen Häfem die«
ein Gehalt von 5()0,000 Tonnen has »
lieu, als Trustee den Alliierteu für die
Verscudung von Krieg-materia! und«
den Transport von Personen zur Ncr »
fiianng stellen Die Schiffe werden
unter der neuen Alagge de: »Allicd
Maritimc Connci1« fahren
Die Polen sollen die Stadt Poseu:
besetzt haben und sollen dort nnd ins
anderen zu Preußen gehörigen Atti-;
torien Wahlen angeordnet haben»
Das- prenszischc Ministerium des Irr-i
uern hat angekiindigt, daß es eine
Beteiligung an diesen Wahlen als
Hochverrat ansehen werde. Der Wai
fenstillstaudsvertrag sagt nicht-S von
einer Abtretung dieser Gegenden.
Theo. Wolff, der Redakteur des-·
,,Verliner Tageblatt,« soll in einem
Artikel erklären, Deutschland sei he
reit, Elsasz-Lothriiigen, die Kolonien
nnd Polen zn verlieren. Das sei aber
auch die Grenze. Wenn man ihm das
Westnfer des Rheins und Danzig neh
men wolle, werde sich das deutsche
Volk wie ein Mann erheben.
Amerikanische Patrouillenboote, ic
des mit einem Maschinengeschütz be
waffnet, befahren ietzt den Rhein.
General Pershing hat Samstag«
dem Rhei iland seinen ersten Besuch
abgestatth.
Die frühere deutsche lKaiserin soll
schwer krank sein; sie leidet an einem
Herzleiden
Nach einer Depesche des General
Pershing vom 1. thember hat
Deutschland im Ganzens 210 ameri
kanische Gefangeue zurückgegeben.
Eine Depefche ans Kopenhagen
behauptet, BolfchewikisTruppen mar
schierten auf die deutsche Grenze zu,
um sich mit den Massen des deutschen
Volkes, die mit ihnen fymunthisier
ten, zu vereinigen.
Die Bolschewiki sollen Truppen an
der finnischen Grenze znfnmmenzie
hen und Minen an der Küste entlang
legen.
Die Stadt Reval in Esthland ist
von den Deutschen geräumt worden.
Eine Berliner Depesche meldet,
deutsche Trnppen seien gegen die Bol
lchewiki gesandt, die gegen Mitm
marschierten.
In unserem Staate find während
des Krieges 100 Millionen Dollnr
fiir Kriegsmaterial ausgegeben.
Die Amerikaner haben in »staat
reich 854 deutsche Aeroplane nnd 82
Bnllons herunter-gebracht Die Ameri
kaner verloren 271 Aeroplnne und
45 Ballons.
Am Samstag sind 4820 weitere
amerikanische Soldaten in Hoboken
eingetroffen.
Die letzten Verlustliften enthalten
die Namen von folgenden Soldaten
aus Sau Antonim Pan L. Fiuch,
Fidel Gntierrez, Alfred Hall, George
L. MeDongal, schwer verwundet;
Sergcant Archie Plain leicht verwun
det: Sergeant Alexander Stiller, ver
wunder.
500,()00 Jtaliener sollen im Krieg
ihr Leben verloren haben: von diesen
sind 200,0()0 im Kampfe gefallen.
Ungefähr fünfzig amerikanische
Zeitungskorrespondenten werden det:
Präsidenten auf feiner Reife nach
London begleiten.
Aus Washington wird gemeldet,
dnß sich die Zahl der Mitglieder des
Roten Kreuze-I auf dreizehn Millio
nen belaufe.
Wie Kriegsminister Baker ankün
digt, sind Major- Gnstnu C. Tnussig
nnd Cont. Frnnk C. Wright schuldig
befunden worden, nachliissig gewesen
zu fein, indem sie erlaubten, daß ge
gen sogenannte ,,eonscientious objek
torg,« die im Camp Funfton inter
niett waren, mit ungelpiiriger Stren
ge vorgegangen wurde. Beide erhal
ten ihren Abschied.
Nach einem Bericht des amerikani
schen Roten Kreuzes ist von ihm sehr
Tüchtiges zur Bekämpfung der Tu
berkulosis in Frankreich geleistet nnd
zwar mit gutem Erfolg.
Durch ein ftriktes Partei - Votum
wurden im Senat Amendenients zu
der Revenue - Bill, für das mit dem
ZU. Juni ist«-ZU endende Jahr anges
nommen, welche die Steuern auf
Profite nnd Einkommen für jene-Z
Jahr ioioeit reduzieren, daß die Bill
ein Einkommen oon nicht über 4000
Millionen Dollars schafft. Die Re
pnblikaner stimmten dagegen, weil sie
iieli auf den Standpunkt stellen, das-Z
diese Bill über Stenerfraaen entschei
det, die erst vom nächsten Konntest
entschieden werden sollten. Im niitlss
ften Konnt-eß liaben die Nevnblitaner
die Majorität
Eine Reorganifation des »An
Service« auf militiirfelper Basis hat
stattgefunden. Generalmaior Mena
ber ist zum Direktor nnd Oberst Mars
zum anitäercnden Direktor der Luft
schifs - Produktion ernannt worden.v
William Demnan, der frühere-,
Vorsitzcr des »Shipping Board,« hatz
erklärh dass Generalmajor Gocthalrs
für Verschwendimgen, die in der .Ho·a
n land Schisfjnierften vorgekommen;
seien, verantwortlich sei.
Oberst Gerald C Braut hat in
Dallaz erklärt, für iedc: amerikani
sche Aeroplan, das die Deutschen her- «
unter-schaffen, hätten die Amerikancii
drei deutsche Aeroplane herunterge- !
ichosien
Dr. Garfield, der jetzige »Im-l
Administrator,« hat sich siir die Bei
aufsichtigung der offentlichen Utili-j
tätseinrichtnngen, wie Bahnen, Telc :
gtaphen, Telephon usw durch die Re- ;
gierung erklärt und gesagt, eine sol I
che Beaufsichtigung sei besser als?
wenn sie m Regierungsbesitz kämen.
Sentaro Lodge hat eine lange Re
de im Senat gehalten nnd erklärt,
fünf von den vierzehn Forderungen
des Präsidenten Wilson sollten erst
nach dem Friedensfchluß zur Sprache
gebracht werden, da sie sonst Uneinigs
teit hervor-rufen könnten. Es sind dies
Forderungen bezüglich geheimer Di
plomatie, Freiheit der Meere, wirt
schaftlicher Schranken, Verminderung
der Rüstuugen und Liga der Natio
nen
Die Regeln für den Gebrauch von
Brod, Fleisch, Zucker-, Butter nnd
Käse in den Restaurationen sind abge
schafft. Es wird aber, wie aus Wash
ington gemeldet wird, ein allgemeiner
Appell erlassen werden, im Verbrauch
von Lebensmitteln so sparsam wie
möglich zu sein, da die Ver. Staaten
sich verpflichtet haben, größere Massen
Lebensmittel nach Europa an die
dortigen Notleidenden zu senden.
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i
Unblntige Revolution in Bremeir.
—....——
(Kölnische Zeitung vom 12. Nov.)
Bremen, s. Nov-»Die Vorgänge
in sdiel und Hamburg haben gestern
in Bremen eine ähnliche Bewegung
ausgelöst mit dem Unterschied, daß
hier alles in Ruhe verlaufen ist. Die
Bewegung, die gewiß auch hier vor- «
bereitet war, kam voll und ganz znr
Entwicklung, als gestern ein größe
rei Trupp Marinemannschaften aus«
:."«ill)elm"L-haven hier anlangte. E:
handelte sich um einen Transport von
Gesangencm der —- von bewaffneteni
Seesoldaten begleitet — nach der-is
Mnnsterlager gebracht werden sollte-1
Die Leute erklärten hier in Bremen,
nicht mehr weiter-fahren zu wollen
besetzten das Bahnhofsgebäude und
marschierten am Nachmittag in die
Stadt ein. Der Zug bewegte sich
über die große Weserbrücke nach den
Kasernen am Neustadtwall. Dadurch,
daß Ober Lehmann ohne Weiteres
die Garnifon übergab, war der ruhige
Fortgang der Dinge gewähkleistet
Kurz nach 51,-«'»- Uhr langte der Trupp
Mariaemannschaften vor den Kaser
nen an. Viele Soldaten der Garnison
hatten sich bereits in der Stadt zer-·
streut. Der in den Kasernen verblie
bene Rest wurde aufgefordert, sich
dem Zug anzuschließen was auch ge
schah. Auf dem Kasernenliof wurden
verschiedene Reden gehalten, darun
ter auch, wie man hört, von einem
Offi;ie1·, der zu Besonnenheit mahn
te. Am Torpfosten der Kaserne wur
de die rote Fahne anfgepflanzt Den
Nenstadtwall hielt eine grosze Men
schenmenge besetzt: man konnte auch
Jahlreiche junge Mädchen nnter den
liniherftelnsnden erblicken Die Stim
UUUII Wul- UULWUUD LULJIU. LICUU
hatte das Gefühl, daß auch in dieser
Lage das dem Deutschen angeborene
Talent zur Organisation nicht verlo
ren gegangen sei.
Die Nacht vom Mittwoch zum
Donnerstag ist völlig ruhig verlan
sen. Patronillen bewegten sich die
ganze Nacht hindurch durch die Stra
ßen. Vereinzelt sah man auch straft
wagen mit Maschinengewehren. Ei
nige Elemente, die in den frühen
Morgenstnnden sich aqu Pliindern
Verlegen wollten, wurden von den
Wachen sofort abgeführt
Um 10 Uhr beginnt ini Gewerk
schaftshnnse eine neue Versammlung
Kurz nor tu Uhr konnte nian auf den
Straßen neue thisamnilnngen bemer
ken, die teil-:- rote Fahnen iuittrngen.
Auf den Wersten und größeren Wer
ten herrscht vollständige Ruhe Bei
der Aktiengesellschaft Weser erschienen
morgean unt is Uhr Matrosen, die die
Weist besetzten Um Eil-;- Uhr wurde
die rote Fahne gehißt Die Arbeiter
gingen zunächst ordnungsmäßig an
ihre Tätigkeit· Sie hielten dann um
T Uhr eine Versammlung ab nnd be
schlossen, Um il Uhr die Arbeit nie-»
,
2 ,
derznlegen Gleichzeitig wurden die
Jlnszgänge von verstärkten Kontinuit
dud besetz . Ein Anschlag verkündet,
Oas; nni 11 llhr sämmtliche-«- Perso
nal der Bnreaus die Riinme zu ver-·
lassen hat. Inzwischen fanden Vera
rnngen statt zwiskhen dem Arbeiter-»
ansschnsz nnd der Direktion Aehn
lich liegen die Verhältnisse anf den
übrigen Werken Julncniein soll bis
U Uhr, bei weiter abgelegenen Un
ternehmungen bis 10 Uhr gearbeitet
werden. Auf den Atlnswerken und
den Hansa-Llstjd-Werken hat, soweit
wir feststellen konnten, eine Beses
nng noch nicht stattgefunden
Man bemüht sich mit allen Mit
teln, die Zufuhr der aus Mecklenburg
für Bremsen zu erlangenden Kartof
feln nicht stocken zulassen Personen
und Gepäckverkehr sind in keiner
weise untervunoen us wird
mand am Reisen verhindert. Der
Bahnbof ist militiirisch stark besetzt,
besonders-s von Marinesoldaten.
Zwischen dem Garnisonältesten
Oberst Lehmann und den derzeitigen
Vertretern des Soldatenratest l-.
Matrose Hubert Pörsch,, 2. Wehr
nmnn Bernhard Ecks, s Land-stum
mann Julius Reimanm 4. Land- -
sturmmann Schilling ist folgendes
vereinbart worden:
1. Die militärische Gewalt in Bre
men wird zur Vermeidung von Blut
vergießen von jetzt an ausgeübt durch
den Oberst Lehmann und die vier
obengenannten Mitglieder des Sol- ,
dateiirates· 2. Waffen und Munis
tion werden von einer Kommission
in gemeinschaftliche Verwahrung ge
nommen. Die Kommission besteht
aus a) Oberleutnant Opitz, b) Ma
trose Pörsch, in dessen Vertretung
Wehrmann Ecks. Z. Die politischen
nnd militärischen Gefangenen sind zu
entlassen. s Die Verpflegnng un
terliegt der4 gemeinschaftlichen Kon
trolle des Garnisonältesten nnd des
Soldatenrüts. Der Soldatenrat
verpflichtet sich, für Ruhe, Ordnung
und Sicherheit zu sorgen. 6. Die
Mitglieder des Soldatenrats tragen
ain linken Oberarm eine mit dem
Stempel des Garnisonkommandoz
versehene weiße Binde. T. Die Offi
ziere behalten Degen und Achselstücke
8. Plünderungen werden standrecht-’
lich abgeurteilt. 9. Die Roudeossis
ziere bleiben in Dienst. 10. Vorge
setzte im Dienst sind als solche zu be
Men 11. Den Anordnungen des
Soldatenrats ist auch von den Zivils
personen Folge zu leisten. 12. Der
öffentliche Verkehr, einschließlich Post
und Telegrapli, wird aufrecht erhal
ten.
sw —
—- Eine schauerliche Mordgeschichte,
die viel Staub ausgewirbelt und den
Behörden viel Kopfschmerzen verur
sacht bat, wird ans Muskegon, Mich-,
gemeldet. Jn der Nähe dieser Stadt
wurde iin Frühjahr 1917 von Eisen
bahnarbeitern die Leiche einer jungen
Frauensperson entdeckt, die durch ei
nen Schuß in den Kon getötet war
Nach einer langwierinen Untersu
chung wurde schließlich festgestellt, daß
die Ermordete eine junge Vuchhalte-s
rin ein«-J Ehirngo Namen-J Fried-a
Weichinann war, welche im Jahre
1916 mit einem gewissen Milo H.
Piper von Muskegom Mich» der dort
bereit-:- eine Frau nnd zwei Kinder
hatte, in Ranssalaer, Ind» oerbims
den wurde. Nach der Verheiratng
soudas Paar In Begleitung zweier
anderer Männer, welche Sheldon und
Goldberg hießen, eine Nimmt-bil
fahrt dnrch Indiana und Illinois ge
macht haben. Die drei Männer ver
übten aus dieser Fahrt eine Anzahl
Räubereien und Einbriiche nnd schei
nen Angst vor der jungen Frau be
kommen zu haben, der diese bei-breche
rische Tätigkeit natürlich nicht verbor
aen bleiben konnte Nach Angabe von
Piper, der nor drei Wochen in »Im
inilton, Ont., verhaftet wurde, zwan
gen ihn Stieldon und Goldberg in die
Ermordung der Weichinann einzuwik
ligen. Piper selbst will init der Tat
nichts zu tun gehabt haben. Trotz eif
riger dllmhforsclningeu konnten weder
Stielddn nach lswldberg gefunden
werden: e:- ist überhaupt nicht be
kannt, ab dieselben wirklich eristieren
oder von Piper nur vorgeschoben
wurden Der Verbaitete, der einse
ben machte, das-; er desshalb so leicht
nicht der Ztrnfe entgehen konnte, be
schlos; deshalb seinem Leben ein Ende
in machen nnd erhing sich mit seinem
zu einein Strick zusannnengedrehten
Hals-tragen und seinem Gürtel ain
Gitter seiner Zelle. Seine in Muske
gon lebende Frau hatte keine Ahnunq
Bär-i seinem verbrecherischen Leben ge
t. x

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