OCR Interpretation


Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, December 05, 1903, Image 3

Image and text provided by Indiana State Library

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045241/1903-12-05/ed-1/seq-3/

What is OCR?


Thumbnail for 3

.0
Jüdinn Tribüne, S. Dezember 1903.
ömm Bulle.
.17 nud 39 Süd Dewware Str.
Der beliebteste und destaus-
gestattete Tanzsaal in
der Stadt.
Hauptquartier für alle deut
scheu Verein;.
flub. und VersammluugSzt
mtt zu mäßige Preisen
zn verutiethe.
V. fOEf
9f(jcnt$äncs.
Dennis J. O'Brien's
Sample Noom
150 Kentucky Avenue.
Neues Telephon 1631.
Lunch von 9 115? Vorm. bis 1 Uhr Nachm.
Dr. j. A. Sutcliffe.
Wund-Arzt,
Geschlechts, Urin. undRectum
RrankKeiten.
Osffce : 155 Ost Market Stt. Tel. 941
Oce-Ttunden : 9 6i10 Uör SBnt. : 2 tl 4Uit N a
i
...Etwas Neues...
Wir haben beschlossen. Alle welche künstliches
(3aS gebrauchen, mit Voraus?ahlungs-Ä)!etern
zu versehen, ohne ein Te?osit zu verlangen.
Wir stellen die Verbindung mit der Hauvt
Leitungsröhre her, ebenso setzen wir einen Me-
ter aus und liefern das 0as für einen Sott
per Tausend. Tie einzige Berechnung die mir
machet, ist für die Z'erbindungüröhre von der
Grundeigenthums - Grenze bis zur Stelle des
Meters. ZLir garantiren, daß dieselben Zu
friedcnheit geben.
Für Näheres spreche man in der Office vor.
INDIANAPOLIS GAS C0
l)old & Steplienson,
407 Virginia Ave. 411 Süd East.
M Tapeten
Bargam'Lerkauf für eine Woche.
Wir verkaufen Tapeten Partien, genügend
für in Zimmer, 10 Rollen Wände, 6
Rollen Decken und 3 Rollen Borten,
für C9c
Ebenso haben wir eine große Partie ein
zelner Reste in 4, 5 und 6 R'llen. welche
wir verkaufen zu lc per Rolle
Wir müssen Ram gewinnen für unsere
neuen Waaren.
jost Aclöjmo
...Painter...
Spezielle Aufmerksamkeit wird Training,
ealcimining, Tinting und Glaser Arbeit ge
schenkt werden, No. 11 Hudson Str.
Cfl:e Teledhoa Jnl75l.
Wodnuna Tktevoon liltü 6804
EMPIRE COAL CO.
....empkiehlt ...
Pokahontas $5.75
Pittsburg 4.50
West Virginia 84 50
Ohio Jackson 93.00
Nosevale Lump 93.35
sowie alle anderen Sorten Kohlen
zu leichten Preisen.
Neue? Phone 9192. Alte. Main 1150.
H. RAB2, Präsident.
rohe uswayZ vo
Aug. Diener,
s. 449 Ost Washington Str
au XtWobaxx 2525.
LAKE ERIE & VESTERII R. R.
....Fahrzeit der Züge....
Abfahrt nkunf
, Xokdo. lzicago und ichiga xvreß 7. HOM
, rokdo. Detroit uud hirago Lim 12.0 t U
j Vichigan itij, Munr u.2afanetttpLt fl0.M
A tOftllu) T llSgknommra wonniut.
jC'' I fcnr tamtaUfOH makdob
m
i I ohne Unbqurmlit)!eiUiT. Pr,i (fUTTI
1 f f f I Vk fc.i Itm franniffm nhrr l" . t
. 4.1. V )),1M w.
, I V. O. Eor wn, Tjorr.
i 9 öa. 2
c jp i jV) 2
. m U Us
. - t o c
1SPi48
AlitisMHillM
2Jf ryN In 4? tunra totrltn onarrizöa nb
BerUvickte Lage.
4
Die Vcrtaglmgs-Frage der Eztra-Scssion im
. Congrcß.
Präsident und anna. Elende Erpressung. Programm des
parry-verbands. Dowie.
Congreß.
Haus.
Washington, 4. Dez. Das
Haus tagte heute nur 5 Minuten und
vertagte sich dann bis morgen.
Abg. Livernash von Californien
brachte den Antrag ein die Absichten
der Ver. Staaten in Rücksicht auf den
Jsthmu) von Panama zu definiren".
Es wird verlangt, daß die Ver. Staa.
en jede Absicht auf Schädigung der
Souveränität Colombias oder Unter
stützung Panamas gegen Colombia in
Abrede stellen sollen.
Senat.
Der Senat war nur eine Viertel
stunde in Sitzung und vertagte sich
dann auf morgen. Wahrlcheinlich wird
morgen ein Antrag auf Vertagung der
Extra-Session eingebracht.
Falls die beiden Häuser sich nicht vor
Montag Mittag, dem Beginn der
regelmäßlgen Session, auf Vertagung
einigen und die Spezial'Session durch
Zeitablauf endigt, wodurch der Präsi
dent an der Einsendung noch ausstehen-
der Ernennungen gehindert wird, fo
erlöschen alle diese Ernennungen mit
dem Zusammentritt der regelmäßigen
Session.
Diese Erwägungen führten heute zu
einer Reihe von Conferenzen, um eine
Vertagung am Montag oder selbst
morgen zu erzielen. Besonders in
eressirt sind die Freunde des Generals
Wood, um eine Vertagung durch ge-
meinsamen Beschluß zu Stande zu
bringen.
Andernfalls würde Wood zum Rang
eines Brigade-Generals zurückversetzt.
mit ähnlicher Wirkung auf die Er
Nennungen von 167 ArmeeOffizieren,
die in Folge Wood'Z Beförderung
avancirten.
Auch im Kriegs-Departement machen
sich diese Bedenken sehr unbehaglich
fühlbar.
Das Senats-Comite für militärische
Angelegenheiten tritt Montag 11 Uhr
zur Wood-Untersuchung zusammen.
Falls die Vernehmungen bis eine Mi-
nute nach 12 Uhr fortdauern, so befin
d et sich die Commission in der seltsamen
Lage, eine Angelegenheit zu unter
suchen, die dem Senate gar nicht vor-
liegt.
iti
Präsident und Hanna in
Eonferenz.
Washington, 4. Dez. Im
Weißen Hause fand heute Abend eine
wichtige Eonferenz zwischen dem Präsi
denten und Senator Hanna statt. Die
Besprechung ging auf Anregung von
Hanna aus und verlief für beide Bethei
ligte durchaus befriedigend. Der Se
nator kam um 10 und blieb bis 11
Uhr.
Nach der Eonferenz wurde angekün-
digt, daß die Gerüchte über einen Bruch
der angenehmen Beziehungen zwischen
dem Präsidenten und Hanna nichts
seien als eine verspätete Absurdität".
Die Eonferenz befaßte sich mit der
bevorstehenden Congreß-Gesetzgebung,
besonders hinsichtlich deS Canals und
mit den allgemeinen politischen Ver
hältnissen. Auch der Fall Wood wurde
gestreikt; trotz der Meinungsverfchieden
heit hierüber können nach der Ansicht
von Freunden die Beziehungen des
Präsidenten und Hanna's nicht gestört
werden. Nicht zur Besprechung stand
der Vorsitz im rep. National-Comite.
Dynamit-Funde.
Chicago, 4. Dez. Hilfs-Polizei-
Chef Schüttle? fand beute im Nord
Westen der Stadt große Quantitäten
Dynamit versteckt. Die Personen, welche
die Explosiv-Stoffe versteckt hatten, sol
len mit den in Jndiana verhafteten
Bbt:en in Verbindung stehen.
Einer dieser Banditen, Neidermeier,
versuchte heute einen Wächter im
County Gefängniß unter dem Angebot
von $25.000 zu bestehen, ihm zur
Flucht zu verhelfen. Der Wächter fragte
ihn, wober er dann das Geld erhalten
wolle und erhielt die Antwort Ich
werde es schon bekommen."
Der Polizeiches erhielt heule von der
Straßenbahngesellschaft $5,000 für die
Wittwen der Polizisten, welche bei der
Verfolgung der Banditen um's Leben
kamen.
Hervorragender demokr.
Politiker f.
Washington, 4. Dez. Der
ehemalige Senator Wm. M. Springer
aus Illinois, im 45. und 53. Congreß
ein hervorragender demokratischer Haus
sührer und seinerzeit Vorsitzender des
Comite'S für Mittel und Wege, ist
heute im Alter von 64 Jahren einer
Lungenentzündung erlegen.
Seit seinem Rücktritt vom Congreß
war der Verstorbene hier als Anwalt
thätig, namentlich vertrat er Indianer
Ansprüche vor dem Departement des
Innern und den Gerichten.
Schmachvolle Erpressung.
Chicago, 4. Dezbr. John I.
Brown, ein Angestellter im Bureau des
Uity.Clerks, wurde heute zum Rücktritt
aufgefordert. Er erfüllte das Verlan
gen sofort. Brown war früher Sekre
tär der polizeilichen Pensions-Behörde
und der Rücktritt ist die Folge der
Untersuchung, welche das stadträthliche
Graft"-Comite betreffs Erpressungs
Verbrechen gegen Wittwen, die um
Pensionen einkamen, angestellt hatte.
Das Programm der Citi.
zens Ind. Assoc.
D a y t o n, O., 4. Decbr. Das
Executiv-Comite der Citizens Jndustr.
Assoc. faßte heute Beschlüsse gegen Mit
glieder, welche das Union-Label auf
ihre Fabrikwaaren setzen. Ferner wur-
den Beschlüsse gegen die dem Congreß
vorliegende 3 Stunden-Vorlage ange
nommen. )ie Bildung eines Ardetts-
Jnformations-BureauS für die Mit
glieder ist in Aussicht genommen.
Die Platform, als offener Brief an
das Publikum angenommen, beginnt
mit einem Hinweis auf die beklagens-
werthen industriellen Zustände, die
Folge der Methoden und Ansprüche der
organisirten Arbeit. Es sei die Zeit
gekommen, daß die Aroeitgeber und
guten Bürger unvorzügliche und wirk-
same Maßregeln ergreifen, um die
Fundemental-Principien der amer. Re-
gierung, welche den freien Wettbewerb
garantiren, wieder herzustellen.
Der Aufruf betont zum Schlüsse,
daß der Verband den gesetzlich geleite
ten Arbeiter'Organisationen nicht feind
lich gegenüberstehe.
Frau schießt auf irrsi n-
n i g e n G a t t e n.
Des Moineö, Ja., 4. Dez. Bei
einem Versuche ihren geschiedenen, aus
einem Jrrenasyl entsprungenen Gatten
zu verhaften, gab heute Frau Nettie
Regenbiel 5 Schüsse aus ihn ab. Einer
der Schüsse ist vielleicht lebensgefähr
lich. Der Mann wurde auf die Pcli
zeistation gebracht; die Frau handelte
ihrer Aussage nach in Nothwehr.
Unterseeboote in Sicher
heit.
Norfolk, Va., 4. Dezbr. Der
Marine-Schlepper Peoria" traf mit
dem Unterfee-Torpedobot Adder" hier
ein. Die Adder" wurde durch den
Heroismus des Hochboolsmannes Derry
gerettet, der dem Ruf nach Freiwilligen
entsprechend von dem Schlepper 100
Fuß weit mit einem Cabel nach der
Adder" schwamm. Der Mocassin
liegt bei Curturrick und scheint nur leicht
beschädigt. Die Adder" hat ein be
trächtliches Leck.
SelbstmordeinesBankiers.
Des M o i n e S, 4. Dez. Gcorge
Wood, Präsident der Bank in Colfax.
jazte sich heute eine Kugel durch den
Kopf, augenblicklichen Tod herbei-
führend.
Er war 43 und heirathete im vorigen
Jahre eine Pflegerin, die feine erste
Frau in ihrer letzten Krankheit behan
delt hatte. Grund der That ist häus
licheS Unglück.
Ermordet.
New York, 4. Dezbr. Nach
einem Berichte aus Baltimore, Md.,
wurde von der Chesapeake Bay die
Leiche eines augenscheinlich Ermordeten
angeschwemmt, die mit M. I. Fitz
Patrick von hier identisch ist. Er ver
ließ New York am 25. Okt. und seit
hcr hat man nichts mehr von ihm ge
hört. Der Jnqueft in Baltimore stellte
als Todesursache Mord fest. Ein
Bruder des Todten hat sich zu einer
Untersuchung nach Maryland begeben.
Der weiße Schrecken.
Gouaerneur verkündet das Stand
recht in tripple Creek.
Denver, Col., 4. Dez. Gou-
verneur Peabody erließ heute eine Pro-
clamation, welche das Standrecht über
Cripple Creek verhängt und die Einrei
chung von Habens Corpus Gesuchen
suspendirt. Er erklärt, die Gruben
Distrikte befinden sich in einem Zustande
des Aufruhrs und der Unbotmäßigkeit
und die Civilbehörden seien machtlos.
Zur Begründung seines Vorgehens
ührt der Gouverneur die Sprengung
eines Theiles der Vindicator-Grube und
andere anarchische Handlungen an.
Unter Mordanklage.
Criple Creek, Col., 4. Dez.
S. G. Kennison, Sh. Parker und W.
F. Davis. das Executiv.Comite des
Westlichen Grubenarbeiter - Verbandes
n diesem Distrikte, befinden sich jetzt
unter der Anklage des Mordes und der
Verschwörung im County-Gefängnisse.
Die Bürgschaft ist auf je S15,000 an-
gesetzt. Die Angeklagten wünschen ein-
gehende Untersuchung und erklären, die
Anklagen gegen sie seien nur ange-
strengt, um sie aus dem Wege zu
schaffen.
Eine Erklärung der Gewerkschaft 10
besagt, daß die Angeklagten an den
Verbrechen des Mordes und der Ver-
schwörung schuldlos seien, die Gerechtig
keit in dieser.. Distrikt sei nichts als eine
Farce, ein Schandmal für ein civili-
sirtes Gemeinwesen und Willkür."
John M i t ch e l I.
Walsenberg. Col., 4. Dezbr.
John Mitchell traf heute Nachmittag
ein und wurde von 1500 Kohlengrä-
bern und Bürgern empfangen, die 2
Stunden im Schnee auf seine Ankunft
gewartet hatten.
Er fuhr später nach Denver, wo er
morgen Gast der Denver Handelskam
mer ist.
Wollen keine Lohn-Her-
a b s e tz u n g.
Chicago, 4. Dez. Ein lange
erwarteter Kampf ist in dem Fox River
Thal, Nord Illinois, ausgebrochen.
Fabrikanten in Batavia, Aurora, El
gin, St. Charles und Geneva haben
sich organisirt und beschlossen, die Ar-
beitöstunden von 9 aus 10 Stunden zu
erhöhen. In Batavia gingen sofort
350 Maschinisten an den Streik. Die
Lohnarbeiter sind vereinigt und werden
sich diesem Versuche, die ArbeitsStun-
den ohne Lohnerhöhung htnaufzudrü-
cken, widersetzen. In den betreffenden
Industrien sollen 10,000 Arbeiter be.
schäftigt sein.
Der Dowie-Bankerott.
Chicago, 4. Dez. Die erste
Oppositions Ankündigung bei dem
Bankerott - Verfahren gegen I. A.
Dowie erfolgte heute im Bundes
districts-Gericht durch den Anwalt einer
Indianapolis Grocery Gesellschaft,
Gläubiger Dowies. Der Anwalt reichte
für die Firma eine Forderung auf
S3500 ein und stellte in Aussicht, er
er werde im Laufe deS Verfahrens seine
Anträge gegen die Bankerott-Petition
anderer Gläubiger einbringen.
Auch Vertreter anderer bedeutender
Gläubiger wollen sich an dem Rechts-
streit betheiligen, der aus Beseitigung
der Concursverwalter abzielt unter der
Begründung, Dowie sei zahlungsfähig
und die Gläubiger würden bei Ver
längerung des eingeleiteten Verfahrens
weniger erhalten.
NachmitiagS reichten 7 Gläubiger
Ansprüche ein über S10.000 bei Richter
Kohlsaat ein und verlangten sofortige
Untersuchung von Dowie's Zahlungs
fähigkeit. Zugleich wollen die An
wälte von S. Stevenson, dem Schwa-
ger Dowie's, morgen beantragen, daß
die ursprünglichen Petenten zur Stel
lung einer Sicherheitsbürgschaft von
S200.000 veranlaßt werden.
Ebenso werden Dowie's Vertreter
verlangen, daß die Concursverwalter
zum Verlassen der Vorhang-Fabri! in
Zion City beordert werden.
Das Unternehmen gehört einer Cor
poration und da Dowie nicht alleiniger
Aktionär ist. wird geltend gemacht, daß
es nicht vom Bankerottsgerichtshof ge
leitet werden dürfe.
Neuerung der amerika-
nischen Linie.
New York, 4. Dec. Die ame-
rikanische Linie kündigt an, daß von
Januar 1904 ab ihre Dampfer New
Vork Southampton in Plymouth und
Chcrbourg anlaufen, um Post und
Passagiere für London und Paris zu
landen. Die Post trifft dadurch 12
Stunden früher in Parts ein und meh
rere Stunder früher in London.
verltn als Wiege ver deutschen
Marine.
Daß die Neichshauptstadt. nicht die
'stieetüste die Wiege der deutschen
Marine gewesen ist, dürfte unbekannt
ein. Und doch ist dem so. Der Ur
ansang ist nicht auf die 40er Jahre
zurückzuführen. Er liegt jetzt genau
acht Jahrzehnte zurück. 1823 wurde
bei Berlin das erste Marine-Detache-ment.
die sogenannten Gardemari
ners. formirt. Damals erschien auf
'er Spree das erste preußische Kriegs
,'ahrzeug, das Ruderkanonenboot
Thorn", dessen Führung und Be
achung dem neuen Marinetruppen
:y?il übertragen wurde. Das De
tachement zählte einen Unteroffizier
und zwei Mann und genügte nicht zur
vollen Besetzung der Thorn". So-
bald das Fahrzeug im aktiven Dienst
Verwendung fand, ergänzte sich die
Besatzung aus Gardcpionieren. Die
.,Thorn" kreuzte zwischen Berlin und
Potsdam und betheiligte sich an den
Uebungen des Gardekorps, dem das
Manne-Detachement ursprünglich zu-
getheilt war. Diese drelkovfige Ma-
nnetruvpe bestand n aleicaer Starke
neun Jahre. Da schenkte der englische
SToma Wilhelm IV. dem König Frie
drich, Wilhelm IN. die nach dem Mu
iter einer britischen Fregatte erbaute
Lustjacht Noyal Luise", die viele
Jahre hindurch den Mitgliedern der
königlichen Familie zu Fahrten auf
den Havelseen diente. 1832 wurde
deshalb das Marine-Dctachement ver
vierfacht; es bestand aus zwei Unter
osflzieren und zehn Matrosen. Diese
zwölf Mann besetzten die Noyal
Luise" und die Thorn". Die 40er
Jahre brachten durchgreifende Aende
rungen. 1842 wurde aus den Garde
mariners die Marinesektion gebildet.
die nicht mehr dem Gardekorps unter-
stand, sondern mit dem rn Stralsund
errichteten Marinedepot, zu dem zwei
neuerbaute Kanonenjollen gehörten,
eine selbständige Formation ' bildete.
die direkt der Militärverwaltung un
terstellt wurde. Das waren die An
sänge preußisch'deutscher Seemacht.
Deutsches äilgcrvundesfest in
rcslan.
Das 7. Deutsche Sängerbundesfest,
das nach den b'.öherigen Beschlüssen
im Jahre 1906 inBreslau gefeiert wer-
den sollte, wird auf Veranlassung des
Gesammtausschusses des Deutschen
Sängerbundes, der am 2. Oktober in
Kassel zusammentrat, auf das Jahr
1907 verschoben. Begründet ist die
Verschiebung des Termines mit dem
Wunsche, die deutscheSängerschaft, die
durch die Feste ihrer Einzelbünde und
Vereine gesanglich, finanziell und durch
die Opfer an Zelt stark in Anspruch
genommen wird, erst einmal zur Ruhe
kommen, dann aber ihr hinreichend Zeit
zu lassen, alle nöthigen Vorbereitungen,
nicht zum wenigsten nach der finanzi-
eilen Seite hin. für ein fo großes Fest
zu treffen. Denn nur so ist eine für
das allseitige Gelingen des Festes noth
wendige allgemeine Theilnahme der
deutschen Sänger zu erwarten. Tie
Breslauer Ausschüsse sind damit voll
kommen einverstanden. Die Verschie
bung des Festes könnte vielleicht auch
eine andere Entscheidung der Platzfrage
herbeiführen. Visher war man mehr
für die Wahl eines Platzes bei Klein
bürg. Das Festbureau des Zentral
aus'schusses aber erwartet, daß bis
1907 die geplante Margarethenbrücke
gebaut sein wird ,so ist man jetzt nicht
mehr abgeneigt, auch Scheitnig in Be
tracht zu ziehen. Der Ausschuß hat so
gar einen dringenden Antrag auf Be
schleunigung des Baues der Brücke an
den Magistrat gerichtet. Unter dem
Vorsitze des Stadtbaurathes Plüdde
mann hat der Bauausschuß nach Ver
handlungen mitdemGesammtausschuh
des Deutschen Sängerbundes, insbe
sondere mit Professor Kremser in
Wien, die Ausarbeitung der Pläne der
Festhalle usw. in Angriff genommen
und nahezu vollendet. Der Prenaus
schuft wurde gleich zu Beginn seiner
Tbätiakeit durch den unerwarteten-Tod
seines Vorsitzenden, des Bürgermeisters
Jaenicke. auf das Schmerzlichste ge
troffen. Scrvet'Tcnkmal.
In Genf ist am 1. November das
von einem protestantischen Comite er
richtete Denkmal zum Andenken an den
Tod Michel Servet's. der c.Uf Befehl
Calvins am 27. Oktober 1553 ver
brannt wurde, eingeweiht worden. Auf
dem Denkmal ist eine lange Inschrift
zu lesen. Es heißt da unter anderem:
Als dankbare Söhne Calvins, linse
res großen Reformators, haben wir,
indem wir einen Irrthum seines Jahr
Hunderts verdammen, dieses Sühne
denkmal errichtet, und bleiben dabei
treu der Gewissensfreiheit und den
wahren Prinzipien der Reformation
und des Evangeliums." Die reformir
ten Kirchen Frankreichs, dc7en Behör
den und viele Kirchen der Schweiz wa
ren offiziell vertreten. Nachher fand
eine religiöse Feier statt. Alle Redner
betonten ,daß die Errichtung dieses
Dnkmals für alle Protestanten der
Richtung Calvins von großer Bedeu
tung sei, daß sie damit ihr Gewissen
erleichtern und vor aller Welt kund ge
ben, daß sie. die Söhne der Reforma
tion, auch die Fehler ihrer Gründer be
kennen, bedauern und verdammen. Die
Feier machte auf alle Theilnehmer ei
nen tiefen Eindruck.
Stilblüthe. Der Erfinder hatte
mit seinem neuen Unterseeboot hoch
flieaende Vläne.
tue Helvtn.
In der ganzen Bretagne spricht man
von der Heldenthat der Rose Here. einer
muthigen Brctonin die das Leben von
14 Leuten des Dampfers Vesper" ret-
tete. der an der gefährlichen Küste von
Quessant scheiterte. Rose Here ist eine ,
Fischersfrau. Morgens gegen 8 Uhr
sammelte sie Schellfische auf dem Fel
sen in der Nähe der Pyramide du
Nunion", als sie aus dem Nebel, der
sich gerade zu erheben begann, verzwei
feltes Rufen hörte. Als sie seewärts
blickte, sah sie ein Boot mit 14 Mann,
das in rasender Eile hülflos in der
starken Strömung zwischen einer Men
ge gefährlicher Riffe trieb. Jeden Au-
genblick prallte von Neuem die Bran-
dung daran, die das gebrechliche Fahr-
zeug in Stücke zu schmettern drohte.
Die halbnackten Insassen des Bootes.
die sich nicht in die See zu werfen wag-
ten, arbeiteten mit dem Muthe der
Verzweiflung an den Rudern und
schrieen mit äußerster Anstrengung
lhrer Stimmen um Hülfe. Rose gab
ihnen sofort ein Zeichen mit den Ar-
men, daß sie ihnen zu Hülfe kommen
würde, und die Schiffbrüchigen rüder-
ten, als sie verstanden, mit aller Kraft
nach dem Ufer. Rose rannte zum Fuße
der Klippen hinab und warf sich, ohne
einen Augenblick zu zögern, in Kleidern
in die tobende Brandung und schwamm
zu dem Boote. Sie kletterte an Bord
und ermuthigte die Matrosen, so gut sie
konnte, denn sie spricht wenig franzo
sisch: dann nahm sie ihren Platz am
Steuer und steuerte das Voot mit wun-
derbarer Geschicklichkeit durch zahllose
gefährliche Klippen nach Pen-ar-Roch.
das mit dem Ruderboot ungefähr zwei
Stunden von der Pyramide du Ru-
nion" entfernt ist. Als die Geretteten
an Land waren, führte Rose Here sie
in's Dorf, wo sie den Kapitän Viel und
die übrige Mannschaft trafen die schon
alle glaubten, daß die vierzehn Leute
im Boot umgekommen seien. Der Ka-
pitän Viel dankte warm der heldenhaf-
ten Frau, die leider nicht zu belohnen
vermochte, da all sein Geld mit der
Vesper" untergegangen war. Er hat
indessen einen Bericht über ihr tapferes
Verhalten den Eigenthümern seines
Schiffes gesandt und sie aufgefordert,
ihr eine Belohnung zu schicken, da sie in
ärmlichen Verhältnissen lebt; ferner
hat er dem Gemeinderath der Insel
Quessant einen Bericht gesandt, und
dieser wird dem Marine - Minister
Mittheilung machen. Nach Erledigung
ihrer Aufgabe kehrte Rose Here zu ih
ren gewohnten Beschäftigungen zurück.
Es wird berichtet, daß sie schon viele
andere Schiffbrüchige unter ähnlichen
Umständen gerettet hat.
Tolstoi als Friedensrichter.
Einen interessanten Beitrag zur
Tolstoi-Viographie .hat der russische
Schriftsteller D. Uspenski auf Grund
don Archivmaterialien veröffentlicht.
Es handelt sich um die Zelt, als wah-
rend der Bauernbefreiung Tolstoi aus
eigenem Antrieb sich zum Friedens
Vermittler" ernennen ließ, um an der
Schlichtung der Streitigkeiten zwischen
Grundbesitzern und Lelbelgenen theil-
zunehmen. Wie Uspenski aus Grund
zahlreicher Aktenstücke beleuchtet, hat
sich der Jurist Tolstoi auf Schritt und
Tritt Blößen gegeben, rief fortwährend
Proteststürme und Protestbittschriften
der Grundherren hervor, denen dann
von den höheren Instanzen Folge ge
leistet wurde, da Tolstoi Verstöße ge
gen das formale Recht zu begehen
pflegte, indem er sich von den Sym
pathien für die Landleute hinreißen
ließ. Nach fünf Wochen mühevoller
und fruchtloser Thätigkeit sah sich end
lichTolstoi veranlaßt, zu demissioniren.
Der regierende Staat leistete seinem
Gesuch Folge und entließ den Frie
densrichter, Artillericlcutnant Grafen
Leo Tolstoi" in Frieden.
Zum ffallc Trcyfus.
Die neue Untersuchung in der
Dreyfus'Sachc. die vom französischen
Kriegsministerium angeordnet wurde
und nunmehr beendet ist, ergab einige
neue Fakten. Es sind dies Vccinflus
sung des Kriegsgerichts von NenncS
durch das annotirte Vordereau, die
Erklärung Esterhazy's in einem erst
jüngst bekannt gewordenen Briefe an
Maitre Cabanes, wonach das Origi
nalbordereau niemals cm Schwarz
koppen gelangte, sondern unzerrissen
dem französiscken G-encralstab über
mittelt wurde, ein Brief Graf Mün
ster an Reinach. betrefs-nd Schwartz'
koppcns Erklärungen, und ein Brief
General Pelienx' an den Kriegsmi
nislcr Eavaignac, worin Pellieux das
Verhalten seiner Vorgesetzten der
schärfsten Kritik unterzieht. Der
jetzige Kriegsminister wartet noch ein
juristisches Gutachten darüber ab. ob
der Kassationshof ohne Verweisung
ein Kriegsgericht kassiren kann, um
dann dem Justizminister die Akten zu
übergeben.
Wie nachträglich festge
st e l l t i st, waren die drei Armenier,
welche den Anschlag auf den General
gouverneur des Kaukasus, Fürsten
Golizyn, verübten, nicht russisckic Un
terthanen, sondern geHorten der Ter
roristenpautei cm.
Wie aus Helsingfors ge
meldet wird, ist der abgesetzte Bür
germeister und jetzige Advokat A.Hal
lonblod in Sordavala verhaftet und
unter strengster Jsoliruvg.naäz Ruß
land transk?rtirt'worden.
!
r
, X
--j
W
f

xml | txt