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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, December 05, 1903, Image 6

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Jttdiana Tribünc, 5 DrZrmber 1903
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Sehr Allqemein.
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Plötzliche Aenderung?
der Temperatur entmick
eln iele den des
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wie duften, (rFältungen,
3rcnditti. (Grippe und
Asthma, gegen ne litte Lkidrn
es nichts besseres giebt ri
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in
" Brillen werde nach den besten Methoden den
Lugen angepaßt.
5ut,stliche Augen werden schmerzlos eingesetzt.
Bereitet luch für den Winter vor !
BACKUS
Gas-brennende
ampf-Keizer
für offenen Feucrplatz.
Wir verkauften Solche an
Senator David Turpie, Dr. E. A. Wehnnan,
Fred. P. Rusch, X. C. Day.
H. O. Thudium,v Dickson & Talbott,
F. 3L Gregory, C. Van Camv,
und Andere.
Office, 24-26 Pembrokc Arcade,
F. E. QATES & C0.
Sprechet; Sie vor zur Befich
ttgnng der Muster. "
Europäische Nachrichten.
Hestcrrcich-'Flngar.
Baden. Generalmajor v. Krau
chenberg ist hier im 60. Lebensjahre
gestorben. Der Verblichene wurde
1843 in Celle zu Hannover geboren.
G r a z. Der kaiserliche Rath Jo
hann Anton Edler v. Nuthmayer wur
de auf dem hiesigen Südbahnhofe, eben
als er nach mehrwöchentlichem Aufent
halte in Steiermark nach Wien zurück
kehren wollte, von einem Herzschlage
befallen und war sofort todt.
Laibach. Im hiesigen Sanato
rium Lconium" verstarb Graf AlfonZ
Paar, der älteste Sohn des Fürsten
Karl Paar, nach einer Blinddarmope
ration. L i ch n a u. Auf dem Heuboden des
dem Jakob Kohn gehörigen Gasthau
ses entstand ein Brand, dem ein fünf
jähriges Mädchen Namens Marie
Macha, das auf dem Boden nächtigte,
zum Opfer fiel.
Mährisch - O st ran. Hier ver
schied plötzlich der langjährige Präsi-
dent der israelitischen Cullusgemeiude
und Gemeinderath kaiserlicher Nath
Straßmann infolge eines Schlagan
falles. Der 37jährige Kasernen
Wärter der Kaiser Ferdinands-Nord-bahn
Josef Florian hörte in der Nähe
der Kaserne einige Schüsse fallen. Er
trat aus der Kaserne und wurde im
selben Augenblick durch einen Schuf;
in der rechten Bauchgegend schwer ver
letzt. Der Oberbauarbeiter Anton
Labuzek hatte dort mit einem Revolver
Schießübungen vorgenommen. Flo
rian mutzte in's hiesige Krankenhaus
gebracht werden, wo er starb.
Q l m ü tz. Das hiesige Schwurge
richt verurteilte den ehemaligen Kas
sier der Filiale der Böhmischen
Unionbank, Alois Witzka, der den
Kassen der Bank Mairente in der Hö
he von 42,000 Kronen entnommen
und für sich verwendet hatte, zu einer
schweren verschärften Kerkerstrafe und
zum Ersatz von 42,000 Kronen.
Schweiz.
Bern. Große Legate zu gemein
nützigen Zwecken vermachte der in
Oefchberg (Bern) verstorbene roß
rath F. Assolter. Der Anwalt Got
tesgnd. Asyl für Unheilbare. 20.000
Francs, der Bezirks - Krankenanstalt
Burgdorf 30.000 der Bernischen Heil
statte für Tuberkulöse zu Heiligen-
schwendi 20.000. der Mädchentaub-
stummen - Anstalt Steinhölzli 20.000.
der Kirch - Einwohnergernemde Kop
pigen als Fonds zur Gründung einer
Sekundärschule 20,000 Francs u. s. f.,
total 212,000 Francs.
M e tz e r l e n. Johann Marti,
pensionirter Lehrer, ist im Alter von
73 Jahren hier verschieden. Er hat
der Gemeinde und dem Kanton werth
volle Dienste geleistet als Lehrer, Ge
meindebeamter, Gemeindeverwalter,
ferner imKantonsrath und im Beifas
sungsrath. Schaffhausen. Der Grün
der der hiesigen Uhrschalen - Industrie,
Fritz Weber - Oechsli, ist in Stein a.
Rh. gestorben.
St. Gallen. Regierungsr?th
und katholische Administration wähl
ten als städtischen gallischen Stifts
archivar neu den früheren Domvikar
Müller, zur Zeit in Freiburg.
Zürich. Der Verwalter Angst
der Sparkasse in Brugg hat 70.000
Fr. veruntreut und ist flüchtig. Die
Stickerei - Fabrik Arnold Heine & Co.
in Arban mit einer Filiale in New
Dork wird unter Mitwirkung des
Schweizerischen Bankvereins hier in
eine Aktien - Gesellschaft umgewandelt
werden. Als Grundkapital werden 5
Millionen Francs in Aussicht genom
men.
eLuremörg.
Luxemburg. Im Erdgeschoß
in dem Spezereiladen des Hrn. Lam
bert war ein Brand ausgebrochen, wel
cher einen Theil der Waaren und des
Mobiliars zerstörte.
Differdinqen. Als der Ar
beiter Joh. Pet. Rasquin im Differ-
dinger Werk zwei Waggons ankoppeln
sollte, kam er zwischen die Puffer und
wurde ihm der Brustkasten eingedrückt,
sodaß er darauf starb.
E s ch. In der Nacht brach in der
Wohnung des Wirthes Klein in Esch
a. Sauer Feuer aus, welches sich auf
die dem Herrn I. N. Greisch-Feyder
als Schuppen benutzten Gebäulichkei
ten ausdebnte
Ireie Städte.
H a m.b u r g. Im Schaffbauer
Hafen stießen die Dampfer Blücher"
und Krüger" zusammen. Ersterer
sank; sein Maschinist Groehn ertrank.
Ein schrecklicher Unglücksfall ereig
nete sich in der Wendenstraße; als der
dort wohnende Schauermann Kühn in
seine in der zweiten Etage belegene
Wohnung zurückkehren wollte, fand er
die Thür verschlossen. Als er auf sein
mehrfaches Klopfen seine Töchter He
lene und Martha weinen horte, rief er
ihnen zu, sie sollen doch öffnen, es sei
ja ihr Vater, der Einlaß begehre. Da
schloß die zehnjährige Helene auf und
auf die Frage, wo denn die siebenjäh
rige Martha sei, deutete das Mädchen
auf das Fenster. Das Kind war aus
Angst, daß ein fremder Mann eindrin
gen wolle, aus dem Fenster gesprun
gen. Das Kind war sofort eine
Leiche. Auf eine 2Jjährige Thätig
keit bei der Firma I. F. Klentze & Co.
elekt.-technisches Geschäft, blickte Carl
Stuhr zurück. Durch unermüdlichen
Fleiß und große Tüchtigkeit hat sich
iefeesit 3jfS$Mera Irfjnim
ri
"Set XVlne ot Oardul Hilft tun jungen MZdchen. die Würde der Weiblichkeit zn erlangen, indem er regelm2f;ige
Menstruation herbeiführt. Er regulkrt die Perioden der Frauen irgend eines Alters. Er stärkt alle weiblichen
Organe. Er bcilt niederdrückende Eierstockschmcrzen und vertreibt alle Spuren von Weibflutz und andere Ent
zündungen. Er heilt Unfruchtbarkeit und erleichtert die Schmerzen bei der Geburt. Er bemmt die schrecklichen
und gefährlichen Blutungen nach der Geburt eines Kindes und hilft der Mutter zu einer raschen Genesung.
Wenn der Lebensabend herannaht, so bereitet der Win of Cardui die Frauen aus den Lebenswechsel und ein ge
sundeö. hohes Alter vor.
T:n W!ne ot Cardui ist die Medizin, zu der eine Million Frauen iljre Zuflucht genommen, als sie sich
mehr nach Gesundheit, als irgend etwas Anderem gesehnt haben, und ist noch keine davon in ihren Erwartungen
getäuscht worden, irgend welche Linderung zu finden, selbst wenn ihr Zustand hoffnungslos war. Wenn ?br das
glaubt, was diese Frauen über den Wine ot Cardui sagen, dann geht zu Euerm Apotbcter und kaust heute noch
(ine ?1.00 Flasche.
Marcus. Oash. MS ich begann, den ttiaa k
Cardui und Thcdford's Black.Traught zu ncbmcn, der
ursachtcn mir meine monatlichen Perioden Schmerzen
in meiner linken Seite, im Kopse und dem Unterleibe,
und meine Periode trat
nicht zur richtigen ?eit
ein. Nun erscheinen diese
ohne Schmerlen.
Elkton, Ky. Ich hatte Anfälle von Verulutun
gen wahrend des ganzen legten Sommers und war
ich dem Tode nahe. Sieben Flaschen Whw tr Cardui
und drei Packete Tbed
sord's Black-Traught heil VJlciAAj-
ten mich.
Faule oner. Kd. Ich litt bedeutend, und mein Le
den war mrr beinahe unerträglich. s.co begann Den
ine or Carüui und
Tycosord s Black-Traugbt
zu ncbmen und fühle ich
wie ncucvorcn.
Amcthyst. Eolo. Der Wlne osCardui hat mich zur
Mutter grirnidu. nachdem 0 p
alles Andere seine ir. Ofc -.ZL. am
;ung versag: hatte. v .
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'W. tr 1 . u ,

Lntcher, La. Nachdem mein erstes Kind geboren
war. litt ich an niederdrückenden Schmerzen weit un
ten im Unterleib, Schmerzen im Kopfe und Genick.
Mein Mann bewog mich, den Wino of Cardui zu ne .
men. und u meiner aro
szen Freude bewirkten zwei
Flaschen eine vollstündige
Heuuna.
Lkzzkeville, Ma. Ich habe drei Kinder geboren,
zwei davon waren todt geboren. Ich begann W'ine ot
Cardui und Thed'oro's T'lack-Traught nach Ihrer er
ordnung zu nehmen und schenkte am 20. Tez. 1102
einem praamaen ttnaven das Leben, der sich in
vener wounöhctt vennoer
Ich schreibe dies alles
5Xbrer wiinderbren Mdlj
Sin zu.
l5hlllkcothe, Mo. Ich war eine Zeit lang am Le
vcnswcchsel krank gewcjcn. lclilS hat mir geholfen,
bis ich den Viaevf Card'al und Thedkocd's i.Uai
raugyl navm. toic va
den mir mehr Erleicht o
erung verschaff.!, ali ir JPbCiCdyizrCtAta,
gend etwas anderes.
IJdta. dJLÄJt
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'ijCfei.' i.iL.
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der Jubilar zum Theilhaber der Fir
ma emporgeschwungen und ist infolge
seiner Gewissenhaftigkeit allseitig be
liebt. Die bei der Elbcorrektion be-
schäftigten Vaggerarbeiter Völzer und
Lau sind, als sie in einem Voot von
Land zurüäkebrten und sich in ihre
Schute begeben wollten, ertrunken.
Die Lciche des Lau wurde im Kuh-
wärderhafen aufgefischt. In der
Earolinenstraße wurde der Strafen
bahnschaffner Engelake bei einem Zu
sammenstoß mit einem Rollwagen an
scheinend verletzt. Er verstarb bald
darauf in seiner Wohnung an den
Folgen einer inneren Verletzung.
Da' 25jährige Lehrerinnenjubiläum
feierte Frl. I. Vrödersen an der 5.
Mädchen - Volksschule im Stadttheil
5t!ensen. Der beliebten Jubilarin
wurden von ihren Eollegen. Collegin-
nen und Schülerinnen an ihrem
Ehrentage mancherlei Aufmerksamkei-
ten zu Theil.
Lübeck. Die Erbauung eine?
Stadtballe mit einem Kostenaufwand?
von 700,000 Mark aus privaten Mit
teln, zu dem dcr Staat 100,000 Mark
als Darlehen beisteuern soll, wird hier
geplant. Mit der Stadthalle soll ein
Sommertbeater verbunden sein. An
einem größeren brauchbaren Lokal
fehlt es hier. Der Direktor unseres
Gymnasiums, des Katharineums.
-fessor Dr. Schubring, wird nach
24jähriger Dienstzeit in den Ruhe-
stand treten.
Thierfreundschaft.
Die Schweiz. Thierbörse" berichtet
von eitlem schönen Beispiel von An-
hänglichkeit der Thiere zu einander:
In einem Pfarrhause des bernischen
Mittellandes wurde kürzch die Haus
katze, deren Dasein überflüssig war,
zum Tode verurtheilt. Die mit der
Vollziehung betrauten Knaben hüllten
das Thier in einen Sack und warfen es
in die Aare. Der Haushund sah dem
Vorgang betrübten Herzens zu. Bald
darauf stellten sich Hund und Katze, in
trautem Verein, beide pudelnaß, wieder
im Pfarrhaus ew. Der erstere, ein
Spitz, hatte den schwimmenden Sack
aus dem Wasser geholt und aufgebis
sen und der Katze so Freiheit und Le
ben zugleich geschenkt. Es versteht sich
von sekbst, daß das Vüsi" hierauf be
gnadigt wurde.
Der zer st reute Profes-
s o r. Commis: Womit kann ich Jh-
nen dienen, mein Herr? Professor: Ich
möchte gern hm tat tit
warten Sie mal. was wollte ich doch?
Hm, hm, jetzt fällt mir's nicht mehr ein
. Na, macht nichts aber
vielleicht haben Sie was Aehnliches?
Beinahe dasselbe. Er:
Sieh' 'mal die Dame dort drüben auf
der Straße, welche ihre Hände hoch
über dem Kopf zusammenschlägt.
Scheint wohl gymnastische Uebungen
zu machen." Sie: Ach nein! Die
beschreibt blos der anderen Dame, mit
der sie sich unterhält, ihren neuen
Hut."
Verschlimmbessert.
Besuch: Ich finde aber doch, daß der
Kleine jetzt seinem Papa recht ähnlich
ist
Mutter (deren Gatte sehr häßlich
ist): Ja ja leider.
Besuch: Das heißt ich glaube
aber, daß das sich wieder verwächst!
Raucher unö z'mlchcrinnen.
Von Kustav Kukutsch.
Das Rauchen gilt gemeinhin als ein
männliches Reservatrecht und wenn
man von einigen Völkern des Erdkrei-
ses absieht, so ist man in der That ver
sucht, mit dieser durch das Alter gehei-
Zigten Curiosität die Männer allein zu
belasten. Es empfiehlt sich aber nicht,
pedantisch zu sein, denn man kommt
bei näherem Zusehen nur zu bald da
hinterdaß die Praxis unserer Theorie
ein Schnippchen schlägt. Wer will sich
darüber entrüsten? Abgesehen davon,
daß es gefährlich ist, sich's mit der
schönsten Großmacht dieser Welt zu
verderben, wird jeder rauchende Mann
hoffentlich so aufrichtig sein, zuzuge-
ben,daß ein guterTabak.sobald nur die
fatalen Anfangsgründe überstanden
sind, wirklich eine famose Gabe der
Schöpfung ist. Was Wunder also,
daß auch außerhalb der Männerwelt
daran genascht wird und aus der na
schenden Spielerei, ehe man sich dessen
versieht, in so manchem Salon, der die
große Welt bedeutet, ein scharmantes
Gewohnheitsrecht wird.
Schon vor hundertfünfzig Jahren
gab es einen vorurtheilslosen Mann,
der den grauen von ganzem Herzen
gönnte, was ihm selbst gut schmeckte.
Die gute Seele hatte sich's sogar nicht
verdrießen lassen, in einer besonderen
Schrist die Damen zum Rauchen ein
laden. Vernünftige Untersuchung
der Frage, ob denen Frauenzimmern
nicht ebensowohl als denen Mannsper
sonen Tabak zu rauchen erlaubt und
ihrer Gesundheit nützlich sei", betitelte
er etwas langathmig sein frauen
freundliches Opus und empfahl das
Nauchen angelegentlichst auch der weib
lichen Hälfte des Menschengeschlechts.
Er meinte, der nie genug gelobte
Rauch sei gut und angenehm, vom frü
hen Morgen bis zum späten Abend,
wenn man aufsteht und nüchtern ist,
wenn man gegessen hat. und ehe man
essen Will, mit einem Worte, allezeit."
Wäre der eifrige Frauensapostel
mit seiner Tabakbegeisterung damals
durchgedrungen, so hätte die Tabakin
dustrie einen noch gewaltigeren Auf
schwung genommen, als sie ihn im
Laufe der Zeit erlebt hat. Es haben
sich aber, abgesehen von einigen uncivi
lisirten Volksstämmen, nur die Schö-
nen im südlichen Europa und den
mittelamerikanischen Staaten im Rau-
chen so weit ausgebildet, daß sie gleich
den Männern aus dem Tabakver
brauch sozusagen ein Gewerbe machen.
Im übrigen beschränken sich die Da
men darauf, daß sie zwischen ihren
nicht immer verschwiegenen vier Wän
den einigen zierlichen Cigaretten das
beneidenswerthe Geschick bereiten, ih
ren Rauch von rosigen Lippen aus
dampfen zu lassen. Unter solchen
Umständen kann man den Tabakver
brauch im ganzen und großen doch
nur den Männern zur Last schreiben.
Aber was nicht ist, kann vielleicht noch
werden. Vorläufig sind also die
Männer so gut wie ausschließlich da
für verantwortlich zu machen, daß sie
in sämmtlichen Kulturstaaten der Welt
eine Tabaksteuer insgesammt von na
hezu einer Milliarde Mark zahlen
müssen. Das kommt davon, wenn
man so unbändig raucht, wie es viele
von uns von Früh bis Abend zu thun
Pflegen.
Man kann sich denken, daß die Ta
bakbauer vollauf zu thun haben, um
diesen Riesenbedarf zu decken, und sie
nehmen die Sache so ernst, daß sie auf
dem ganzen Erdenrunde Jahr aus
Jahr ein eine Ernte von einer Mil
liarde Kilo erzeugen. Wie viel diese
kolossale Menge werth ist, das ist frei
lich nicht leicht zu berechnen weil die
Sorten . zu verschiedenartig sind.
Nimmt man aber einen Minimalsatz
als Durchschnittspreis an und bemißt
ihn mit 50 Pfennig für das Kilo, so
kommt man zu dem Resultat, daß die
rohen Tabakblätter der gesammten
Welternte, jährlich etwa eine halbe
Milliarde repräsentieren. Wohlgemerkt,
die rohen Blätter, im verarbeiteten
Zustande stellt die Tabakproduktion
natürlich einen sehr viel höheren
Werth dar. Eine ungefähre Vorstel
lung kann man sich davon machen,
wenn man die Zahl und den Werth
der jährlich verrauchten Cigarren be
rechnet. Wenn man die VevölkerungDeutsch--lands
in Kinder, erwachsene Frauen
und erwachsene Männer eintheilt, so
entfällt auf jeden dieser drei Theile
ungefähr ein Drittel der Volkszahl.
Die Kinder fallen bei diesem Rauchex
empel natürlich fort, und auch von den
Frauen muß ich leider absehen, da ich
zu meinem lebhaften Bedauern ihre
Rauchnascherei zahlenmäßig , nicht con
trolliren kann. Dafür will ich aber
selbstverständlich ebenso die nichtrau
chenden Männer unberücksichtigt lassen.
Es bleiben somit etwa neunzehn Mil-
lionen Raucher, auf die sich der ge-
sammte Tabakderbrauch in Deutsch-
land vertheilt. Auf den Kopf der Ge-
fammtbevölkerung entfällt ein Iah-
resverbrauch von etwas über V2 Ki
logramm Tabak; da aber nach meiner
Berechnung nur ein Drittel der Be
Völkerung wirklich raucht, so kommt
auf den Kopf jedes wirklich Rauchers
ein Jahresverbrauch von 4. Kilo
dramm Tabak. Nun machs aber 1
Kilogramm Tabak, sofern man es in
Cigarren ausdrückt, hundert Stück
mittlerer Größe aus; die neunzehn
Millionen deutscher Raucher dampfen
also jedes Jahr den Rauch von 8V2
Milliarden Cigarren in die Luft,
wovon auf jeden einzelnen Raucher
450 Cigarren jährlich oder ein
bis zwei Stück täglich entfallen. Das
ist allerdings nicht so heftig, als man
nach einer oberflächlichen Schätzung
meinen sollte. Um den Werth der ver-
rauchten Cigarren herauszubekommen,
will ich ich gönne jedem seine Echte,
stelle ihm aber nur eine Fünfer in
Rechnung als Durchschnittscigarre
den Fünfpfennig - Glimmstengel an-
nehmen, wobei sich als Jahresver
brauch für Cigarren Zn Deutschland
die Summe von 425 Millionen Mark
ergibt. In dier Berechnung ist aber,
wie schon angedeutet, der Tabak in
allen Verbrauchsarten, also in Form
von Cigarren, Cigaretten, Rauch-,
Schnupf- und Kautabak enthalten und
nur der Übersichtlichkeit wegen insge
sammt in Cigarren ausgedrückt. Es
nimmt ja bei uns, wie in allen anderen
Ländern, der Verbrauch an Cigarren
und Cigaretten auf Kosten des Rauch-
tabaks und des Schnupftabaks fortge-
setzt zu, insbesondere fällt die große
Zunnahme des Cigarettenverbrauchs
auf. Ich darf wohl die Vermuthung
aussprechen, daß an dieser bemerkens
werthen Steigerung die Damen nicht
ganz unschuldig sind. Doch ich will
nicht sticheln.
Aus den angeführten Zahlen ersieht
man, daß der Tabak in Deutschland
seinen Weg gemacht hat. Der selige
Caspar Hoffmann, der im achtzehnten
Jahrhundert gegen Tabak wetterte,hat
sich also vergebens ereifert, als er
schrieb: Wenn ich Mäuler sehe, die
Tabak rauchen, so ist mir, als sehe ich
lauter Kamine der Hölle." Auch der
große Antitabakist Goethe hatte keinen
glücklichen Tag. als er gesprächsweise
meinte, er könnte sich nicht denken, daß
ein wahrhaft genialer Mann Tabak
rauchen würde. Ein Beweis, daß selbst
dem größten Dichterfürsten gelegentlich
ein kleiner Unfall Passiren kann. Zur
Bekräftigung seiner Behauptung fügte
Goethe sogar noch hinzu, daß Lessing
sicher nicht geraucht hätte. Der Wol
fenbütteler Bibliothekar Ebert, der die.
sem Gespräch beiwohnte, erkundigte
sich darauf bei der ehemaligen Auf
Wärterin Lessings, und die gab die
Auskunft: Ja, schmauchen und
schreiben konnte der Herr Lessing, aber
sonst war er zu nichts zu gebrauchen."
Goethes kleines Mißgeschick wird aber
noch weit übertroffen von dem un
glaublichen Reinfall, der dem berühm
ten Arzt Hufeland widerfahren ist.
Der schrieb in seiner allbekannten Ma
krobiotik: Der Rauchgenutz ist einer
der unbegreiflichsten. EtwaS Unkor
perliches. Schmutziges, Beißendes, Ue-
oczrlecyendes kann ein solcher Lebens
genuß werden, daß es Menschen gibt,
die nicht eher munter, vergnügt und
lebensfroh werden, als bis sie Rauch
durch Mund und Nase ziehen." Nach
dem das gedruckt war, mußte Huse
land die Ironie des Schicksals erleben,
daß er selbst ein leidenschaftlich'.?
Raucher wurde.
Im Gegensatz zum Rauchen hat das
Schnupfen zuerst viele Freunde und
namentlich Freundinnen gefunden,
wobei allerdings nicht nur der Genuß
einer Prise, sondern auch die Eitelkeit
eine Rolle spielte. Die Dosen, die frü
her allgemein Mode waren, pflegte
man sich gegenseitig in so luxuriöser
Ausstattung zu schenken, daß selbst die
elegantesten Damen damit Staat ma-
chen konnten. Jetzt findet aber das
Prifenrecht immer weniger Anhänger
und noch weniger Anhängerinnen. Da-
gegen nimmt merkwürdigerweise der
Verbrauch an Kautabak zu, wobei aber
das weibliche Geschlecht ganz unbethei-
ligt ist. Sehr begreiflich, denn es ist,
auch abgesehen von allen ästhetischen
und praktischen Gründen, überhaudt
ganz usgeschlossen. daß die gesprächi
gere Hälfte der Menschheit jemals
dieser mundstopfenden Passion huldi
gen Wird. Die Frauen werden aller
menschlichen Voraussicht nach immer
an ihrer mit Recht so berühmten Be
redsamkeit festhalten es ist wohl
nicht erst nöthig, beispielsweise an die
Gardinenpredigten zu erinnern
und dazu brauchen sie das Mundwerk.
Besondere Aufmerksam-keit.
Direktor: Wie Sie wissen, werden
wir dem hiesigen Mäßigkeitsverein zu
seiner Stiftungsfeier eine Festvorstel-
lung geben!. . . Was könnten wir da
spielen?"
Regisseur: Sehr einfach: Ein GlaZ
Wasser" von Scriber
Schade. Was haben Sie da
in der eigenartigen Flasche, Herr Dok
tor?" Ein neues ausgezeichnetes
Gichtmittel schade, daß Sle nicht
zufällig an der Gicht laboriren!"
Angewandter K u n st
au 2 druck. Gast: Deine Frau ist
heute so eigenthümlich erregt. . . Jun
ger Ehemann: Ja. Du mußt wissen:
sie macht heute ihren ersten Hasenbra
ten. Gast: Aha also: Lampenfie-ber!
Vom Kasernottlsof.
Unteroffizier (zu einem
jüdischen Einjährigen, der beim lang'
samen Schritt einer Pfütze aus dem,
Wege geht): Was, Einjähriger Mo
ses, Sie fürchten sich vor einer Pfütze,
wo Ihr Namensvetter durch's roth:
Meer marsckirt ist?"
Nach einer Mittheilung
des Dziennik Poznanski übergab der
Erzbischof Stablewski wegen schwerer
Erkrankung die Leitung der Erzdiözese
dem Weihbischof Lilowsk: Der Arzt
Professor Baranowski ist aus War
schau bei dem schwerkranken Kirchen
fürsten eina-trosfen.
B e st e l l t e seinen Sarg.
In Monroe, Wis., nahm der 63 Jahre
alte Harry Gilligan Karbolsäure zu
sich und begab sich dann in ein Leichen
bcstattungögeschäft, wo er bat, daß
man ihn nach seinem Tod in einen
Sarg lege. Bald darauf starb er.
Kurz vorher hatte er sein Testament
gemacht.
r
s
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