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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, March 01, 1904, Image 7

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Jndiana Tribüne, I. März 190.
Z5le Konkurrenten.
Novellette von ß. Fahrow.
ES war da unten im Süden, irgend
wo zwischen Bukarest und Paris, wo
sich diese Geschichte begab. Denn
natürlich kann so etwas im gesetzten
und polizeilich dirigirten Norden nicht
passiren am allerwenigsten nun
etwa gar in Berlin!
Au der großen Brücke, die über den
Strom führte, standen sie beide, der
eine hüben und der andere drüben.
Tie Brücke war sehr stattlich und
hoch und kostbar, und unter ihr wälzte
der Strom seine Wogen gelb und trübe
und gefährlich.
Beide bettelten sich ihren Lebens
unterhalt zusammen, denn sie waren
blind und alt und hatten spärliches,
weißes Haar und jämmerliche, ver
schössen? Kleider. Weihes Haar und
verschossene Kleider gehören unbedingt
zu einem Bettler, wenn er ernstlich das
Mitleid seiner scharfsichtigen Mitmen
fchen erregen will.
Natürlich kannten sie sich beide, wie
alle Bettler jenes Distrikts sich kann-
ten, und sie haßten sich auch ganz na
turgemäß, weil sie Concurrenten wa
ren. Milak hieß der an der Westseite der
Brücke und Kalmi der an der Ostseite.
Kalmi hatte einen Hund, ein strup
piges. braunes Bieh, das seinen Herrn
über alles liebte und ihn an einem Rie
men des Morgens zur Brücke und
Abends wieder zurückführte.
Milak dagegen hatte keinen Hund,
sondern eine Tochter, die nichts weni
ger als braun und struppig war, auch
ihren Vater durchaus nicht liebte.
Dennoch mußte sie ihr Leben dort an
der Brücke, an seiner Seite verbringen,
denn J?mand mußte doch Milaks Füh
rer sein, da er Hunde nie vertragen
konnte oder vielmehr, da ihm Hunde
nie treu blieben. Vielleicht rührte die
letztere Thatsache daher, daß er die
Thiere gar zu oft mit Fußtritten rega-
lirte. vielleicht auch resultirte sie aus
tieferen, nur einem Hundegemüth ver-
ständlichen Ursachen.
Der alte Kalmi hatte stets weniger
Einnahmen als drüben Milak, was
wiederum nicht zu verwundern war,
da ja eben die hübsche Hanna Milak
für alle Vorübergehenden ein so demü
thiges Lächeln und ein so herzliches
Bergelt's Gott" hatte.
Dafür war aber der struppige Bello
der arme! daß er nun auch gerade
Bello heißen mußte! um so zuver
lässiger. Er war immer, immer da,
stets zur Verfügung seines blinden
Herrn, während Hanna manchmal des
Abends nicht da war. wenn ihr Vater
nach Haufe gehen wollte.
Doch das schadete schließlich nichts,
dann tastete sich Milak mit seinem
Stäbe ganz geschickt und rüstig von der
Brücke durch die drei Strahenviertel
heim in die Hofwohnung, wo er ohne
Gefakir und erstaunlich sicher gehen und
Hantiren konnte.
Kam dann Hanna nach ein paar
Stunden an. so gab es einen unange
nehmen Auftritt, denn Milak war jäh
zornig. Aber dennoch ßand am nach
sten Morgen Hanna wieder von Neuem
mit ihm auf der Brücke und dankte den
Vorübergehenden für jede Münze mit
demselben warmen Augenaufschlag.
Kalmi dagegen pflegte sreundschast
liche Gespräche mit seinem Bello zu
halten, und Bello verstand ihn ausge
zeichnet. Er knurrte oder ballte oder
heulte, je nachdem Kalmi sprach.
Be, dem Namen Milak knurrte Bello
jedesmal. O. er kannte ihn wohl, den
alten Schleicher, der einmal gewagt
hatte. Kalmis Blindheit anzuzweifeln.
Ja. Bello," sagte Kalmi, während
er den zottigen Hundekopf streichelte,
du weißt es wohl, daß ich blind bin.
Warst ja dabei, wie mir die Pulver
Patrone in die Augen flog, damals, als
ich noch arbeiten tonnte!"
Ja. ja, ich weiß!" antwortete beru
higend Bello, der ganz leise tröstende
Töne ausstieß.
Seit längerer Zeit schon beobachtete
ein junger Herr die beiden Blinden.
Er war Schriftsteller und nebenbei ein
wohlhabender Mann. Oder, wie
seine Bekannten witzig zu sagen pfleg
ten, er war ein wohlhabender Mann
und nebenbei Schriftsteller.
Wie immer die Wendung richtig fein
mochte, jedenfalls nahm Herr Wilson
seine Schreibkunst sehr ernst, und er
machte Studien und S!izzen und Be
obachtungen. wo er ging und stand.
Beinahe täglich ging er über die
Brücke und stets gab er den beiden
Blinden dabei ein Almosen.
Hanna kannte ihn daher sehr "ut
und lachte ihm die süßesten Augen von
allen.
Herr Wilson war jung und roman
tisch und als unabhängiger Mann sehr
geneigt zu Thorheiten.
Deshalb fand er bald, daß dieses
junge Mädchen nicht auf die Straße
gehöre, und daß man dem armen
Blinden anstatt ihrer einen Hund be
sorgen müsse.
Er sprach auch davon zu Milak.
Aber der wollte nicht viel davon hören.
Lassen Sie mich mit solchen Kötern
in Ruh'?" sagte er mürrisch. Die
sind nicht besser wie die Menschen
beißen noch die Hand, die sie füttert."
..Aber eS gibt doch Ausnahmen.
Drüben Ihr Leidcnsgenosse hat einen
sehr treuen, guten Hund! Wenn Sie
einen solchen auch haben könnten, so
würde Ihre Tochter etwa GescheidteS
lernen können, eine Stellung finden
und Sie dann viel wirksamer unter
sönnen all i,dt."
Ach was Yie will gar nichts ler
nen!" Ei, ei, Fräulein Hanna, ist das
wahr?"
Nein, es ist nicht wahr! Ich bleibe
blos aus Mitleid mit Vater hier es
hält's sonst ja doch keiner bei einem
Blinden aus."
Wilson fav.b diese laute Bemerkung
zwar nicht eben zartfühlend, aber waö
konnte man denn von so einem Ge
schöpf verlangen, das ohne Erziehung
auf der Straße zu leben gezwungen
war!
An demselben Tage blieb er auch bei
Kalmi stehen Er fragte ihn, ob er
wohl lieber mit einem Menschen als
mit einem Hunde hier sitzen würde
aber der Alte schüttelte bedenklich den
weißen Kopf.
..Mein Vello und ich. wir sind so
alte Freunde, uns würde ein Mensch,
der reden und vielleicht zanken würde,
nur stören."
Euer Hund ist ein so absonderliches
Exemplar, lieber Alter würdet Ihr
mir den Hund nicht verkaufen?"
Da griff der Blinde nach dem
Hunde und umklammerte seinen Hals,
als wolle man ihn auf der Stelle rau-
den.
..Nein, nein, Herr, der Hund ist mir
nicht feil!"
Auch nicht, wenn ich ihn sehr, sehr
hoch bezahle? So hoch, daß Ihr Euch
dafür hundert neue Hunde kaufen
könntet?"
Nein. Herr, bitte, nehmen Sie es
n'cht übel, aber ich kann Bello nicht
verkaufen! Nicht für eine Million!"
Wilson lächelte und ging weiter.
Eine Million! Der gute Alte redete
so daher, als ob er überhaupt wußte,
was eine Million war.
Drüben von der Westseite aus war
das Gespräch und das Mienenspiel ge
nau beobachtet worden.
Schön Hanna sagte zu ihrem Vater:
Der junge Herr spricht mit dem
alten Ekel, dem Kalmi, als ob es sein
bester Freund wäre! Und jetzt strei
chelt er gar dem scheußlichen Vieh den
Kopf!"
..Er ist verrückt!" sagte Milak ver
ächtlich. Hanna aber ärgerte sich so sehr, daß
sie die Brücke überschritt und drüben
bei dem Hunde stehen blieb. Sie
näherte sich ihm nur so weit, daß sie
sicher vor einem Biß zu sein meinte.
Dann hieb sie mit einem Stock dem ar
men Bello eins über, daß er laut auf-
heulte im nächsten Augenblick hatte
er sie in das zierliche Fußgelenk ge-
bissen.
Das gab ein entsetzliches Gez;ter.
Hanna rannte zu ihrem Vater und er-
zählte ihm und allen Leuten, die es
hören wollten, daß sie der bissige Hund
des alten Bettlers drüben furchtbar"
gebissen habe, als sie ganz ruhig vor-
beigegangen sei.
Am nächsten Morgen fand Bello ein
prachtvolles, saftiges Stück Fleisch vor
seinem c,cwohnten Platze.
Er beschnupperte es, schien etwas
Mißfälliges daran zu bemerken und
ließ es liegen.
Aber gegen Abend, als sein Hunger
immer größer wurde und das Stück
Fleisch immer verführerischer duftete,
da beztvang er seinen Widerwillen ge
gen den Duft der Hand, der an dem
Leckerbissen haftete, und schluckte ihn
herunter.
An diesem Abend blieb Kalmi viel
länger als gewöhnlich auf seinem
Platze sitzen. Sein durchfurchtes
Antlitz zeigte einen äußerst kummervol
len und ängstlichen Ausdruck und un
aufhörlich rief er nach feinem Bello.
Aber Bello hörte nicht.
Er lag nur einen Meter entfernt von
seinem Herrn ganz regungsloZ da. Die
wenigen Vorübergehenden hasteten
weiter, ohne auf den Blinden zu achten.
Manche warfen eine Münze in seinen
Hut. keiner aber hielt still, um zu fra
gen, warum denn der Hund nicht höre.
Es war schon ganz dunkel, als
Kalmi sich endlich auf allen vieren ei
nen Schritt weiter tastete; es war ihm,
als spüre er die Nähe seines Bello.
Ja, jetzt berührte er das rauhe Fell
aber er war so kalt, so anders als
sonst; zitternd griffen die Hände des
Armen weiter ach er stieß einen
herzzerreißenden Schrei aus Bello
war todt!
Wie schnell man doch ein Unglück be
greift. Kalmi nahm seinen todten Gefähr
ten auf den Schooß, setzte sich wieder
nieder und begann bitterlich zu weinen.
Um diese späte Stunde kam nun wohl
Niemand mehr über die Brücke!
Aber Kalmi achtete auch gar nicht
darauf. Er saß und weinte da in der
Dunkelheit, und die Thränen rollten
ungese zen über die runzeligen Wangen
herab.
Er hörte es auch nicht, als jetzt ein
Schritt nahte und bei ihm anhielt.
Es war Herr Wilson, der soeben
von der Stadt herkam und die Brücke
von Westen nach Osten überschreiten
wollte.
Ergriffen blieb er bei dem Blinden
stehen und hörte, was ihm für ein Un
glück b segnet war.
Der Hund muß vergiftet sein!"
sagte Kalmi. Er war nicht ein bis
chen krank, nein, nicht einen Tag!"
Das werden wir ja constatiren!"
sagte mit sehr entschlossenem Tone der
junge Herr, dessen Augen ebenfalls
feucht glänzten. Kommen Sie, mein
Freund, ich führe Sie jetzt nach Hause,
und morgen wollen wir weiter reden."
Kalmi lud sich den todten Hund auf
ote 'Arme uno ntft )q oann wmem?
von seinem freundlichen Helfer fortfüb
ren. Unterwegs trafen sie Hanna, d e
von einem ihrer eigenmächtigen Gänge
heimkehrte. Ihr hübsches Gesicht ver
zog sich spöttisch, als sie ihren Eoncur
renten om Arm des feinen Herrn da
herwanken sah.
Nun, ist der bissige Köter verreckt ?"
fragte sie unvorsichtig.
Niemand antwortete ihr. Aber
Herr Wilson sammelte in diesem Au
genblicke wieder eine Erfahrung" ein,
die er schriftstellerisch und menschlich
verwerthen wollte.
Am nächsten Morgen war sehr win
diges Wetter.
Herr Wilson war trotzdem schon sehr
früh unterwegs, um seinem neuen
Schützling eine tröstende Botschaft zu
bringen. Er ging absichtlich wieder
über die Brücke, um sich auch Hannas
Bater einmal etwas näher anzusehen.
Er fand ihn allein Hanna muhte
wohl einen Gang in die Nachbarschaft
gemacht haben. Das paßte gerade
Herrn Wilson.
Er nahm aus seiner Brieftasche eine
Banknote und legte sie auf den Teller
des blinden Milak.
In demselben Moment kam ein
Windstoß, der den Schein flatternd
entführte.
O, welches Wunder begab sich da!
Der brave Milak war plötzlich
sehend geworden und rannte unbedacht
hinter der flatternden Banknote hei.
Er erwischte sie auch und kehrte ganz
wohlgemuth mit ihr zurück.
Da stand Herr Wilson und lachte.
Aber er wurde gleich wieder ernst.
Ihr seid ja ein ganz abgefeimter
Gauner!" sagte er. . ..Packt Euch jetzt
auf der Stelle von der Brücke fort,
sonst schicke ich Euch die Polizei auf den
Hals Euch und Eurer sauberen
Tochter, die Hunde zu vergiften, aber
nicht zu arbeiten versteht!"
So verblüfft über seine Entlarvung
war Milak, daß er ohne ein Wort der
Erwiderung that, wie ihm geheißen
war.
Er hatte das letzte Mal als Blinder
gebettelt.
Der wirklich blinde Kalmi aber er
hielt eine Stelle als Pförtner in dem
Hause des Herrn Wilson und war für
den Rest seiner Tage aller Sorgen
ledig.
Auch einen Hund wollte ihm sein
Beschützer schenken. Aber das lehnte
Kalmi bescheiden dankend ab.
Er war ein wenig sentimental, wie
man sieht, der alte Kalmi.
Wagner's Heizmaterial.
Wie Richard Wagner sich erwärmte
er war damals noch jung er
zählt eine Schülerin von Liszt. Ri
chard Wagner, Bülow und ich" so
berichtete Liszt waren einmal in
Leipzig in einer gemeinschaftlichen
Wohnung untergebracht. Wagner
stellte an die gemeinsame, oft sehr ma
gere Kasse mitunter große-Anforderun-gen,
und einmal, mitten im Winter,
waren wir derart obgebrannt". daß
wir selbst am Heizmaterial sparen
mußten. Zwei Tage lang dauerte
zwischen Wagner und Vülow die De
batte, ob angesichts der reduzirtenKasse
Holz gekauft werden sollte. Bülow
als verantwortlicher Schatzmeister war
dagegen und gabWagner denRath. sich
von seiner Muse einheizen zu lassen.
Und übr'den wohlfeil boshaften Rath
lachend, verließ Bülow mit mir das
Zimmcr.
Wie erstaunten wir jedoch, als wir
zwei Stunden später hinkainen und
Wagner in einer stark überheizten
Stube fanden. Er setz am Schreib
tisch und war ganz vertieft in seine
Arbeit. Sein Gesicht war stark gerö
thet. Woher " begann Bülow.
aber das Wort blieb ihm im Halse
stecken, denn ein Blick in's Zimmer be
lehrte ihn. wie Wagner sich geholfen
hatte. Sämmtliche Stühle und unsere
beiden Arbeitstische lagen als Krüppel
am Boden Wagner hatte ihnen die
Beine abgeschlagen und damit Feuer
gemacht. Als Bülow jammerte, daß
wir nun der Hauswirthin Tisch und
Stühle ersetzen müßten und selbst
nicht einmal niedersitzen könnten, sagte
Wagner boshaft: Ich habe, was tck
brauche! Leute, die wie ihr beide so
gern spazieren gehen, brauchen weder
Tisch noch Sti'hl. Hättest Du recht
zeitig Geld hergegeben, dann lebte euer
gar kostspieliges Mobiliar jetzt noch
Du hast es so gewollt! Brenn
holz wäre allerdings billiger gewesen."
Am nächsten Tag kam Geld, und
wir kauften Tische und Stühle. Waa
ner suchte sich davon sofort das Beste
aus, ich aber, der ich Thränen gelacht
hatte über seine geniale Art, sich zu
yelfen, sagte: Du, hör mal! Die
neuen Möbel lasse ich aber gleich gegen
Feuer versichern!"
Jmmernobel. Frau: Ich
habe hier einen Rock von meinem seit
gen Mann; den will ich Ihnen, weil eS
so kalt ist, schenken." Bettler (den
Rock betrachtend): Den behalten Sie
man lieber, gute Frau vielleicht hei
rathen Sie noch einmal!"
Enfant terrible. Der
achtjährige Ma? wird von seinem auf
Besuch weilenden Onkel gefragt, ob
Muma gut mit ihm sei. 0, sehr." er
widert er, aber auch um Papa ist sie
sehr besorgt: so oft er Abend ausge
gangen ist, stellt sie sich mit einem Stock
hinter die Thür, damit ihm keiner w
der Dunkelheit etwa zuleide thut."
Der Aberglaube im Theater
vo:, Heinrich Steffen.
Der Aberglaube ist so alt wie da
Menschengeschlecht und wird wohl auch
erst mit dem letzten Nachkommen
Adams und Evas verschwinden. Daß
die größten Geister der Geschichte sich
nicht von ihm frei zu machen verstan
den. ist eine bekannte Thatsache.
Warum sollte also das Bühnen-Bölk-chen
eine Ausnahme machen?
In den Zeiten des alten Comödian
tenthums. d. h. als es noch nicht so
viele stabile Theater gab wie heute und
das fahrende Völkchen noch oft den
Schauplatz seiner Kunst wechselte,
wurde nie eine Uebersiedlung nach
einem anderen Orte an einem Montag
oder Freitag bewerkstelligt. Wenn es
am Tage des Einzuges in eine neue
Stadt regnete, das war ein gutes Zei
chen: dann regnete es dem Direktor
Geld in die Kasse. Heller Sonnen
schein dagegen trocknete sie aus. In
den seligen Zeiten der Oel- und Pe-troleum-Beleuchtung
in den Theatern
erhielt jeder Schauspieler für die Vor-
stellung eine Talgkerze, welche die nö-
thige Beleuchtung zum Schminken und
Kostümiren wie auch das Fett zum
Abschminken lieferte. Zündete ein
College nur einmal seine Kerze an der
eines andern an, so gab es fast regel
mäßig Zank; denn der, an dessen Kerze
jemand die seinige angezündet hatte,
blieb nach dem Theaterglauben an
dem Abend sicherlich stecken. Ein Ver
brechen ist es auch, im Theater zu
pfeifen. Wenn irgend ein Angehöriger
des Theaters es wagt, in irgend einem
Raum des Theaters, im Foyer, in der
Garderobe usw. zu pfeifen, so gerathen
Direktor und Mitglieder in Wuth. ES
ist ein böses Omen.
In welchen Variationen sich der
Aberglaube bei mehreren großen
Künstlern und Künstlerinnen gezeigt
hat. davon sei mir zu plaudern ge
stattet: Wenn Marie Seebach bei mir ga
stirte. was sehr häufig geschah, und
ich ihr das Honorar nach dem zweiten
Akt in die Garderobe brachte, dann
spuckte sie stets dreimal auf die auf
gezählte Summe. Das erste Mal, als
ich diese Gewohnheit meines Gastes
noch nicht kannte, nahm ich das sehr
übel! Aber Frau Seebach erklärte mir
lachend: ..Direktorchen, das ist ein al
ter Aberglaube von mir. Dadurch
klebt das Geld. d. h. es hält sich bei
mir."
Josephine Gallmeyer rutschte vor
jedem Austritt dreimal mit dem Fuße
hin und her, wofür ich vergebens nach
einer Deutung suchte. Damit zer-
trete ich den Neid und die Bosheit."
erklärte sie mir, als ich sie fragte.
Eharlotte Wolter. mit welcher mich
das Schicksal leider nur einige Male
zusammengeführt hat, bewegte vor je
dem Auftritt die Lippen und richtete
fromm einen Blick nach oben. Ich
wagte nicht, sie zu fragen, aber ich
glaube, die Künstlerin flüsterte ein
kurzes Gebet. Wenn meine Vermu
thung richtig gewesen, so war das al
lerdings kein Aberglaube.
Von den männlichen College, wel
che stark dem Aberglauben huldigten,
will ich nur Carl Sontag nennen.
Der war besonders abergläubisch.
Wenn er zur Probe kam und die ko
mische Alte", zumal wenn diese wirklich
alt war, ihn zuerst begrüßte, dann
lächelte er grinsend, erwiderte in sei
ner bekannten näselnden Sprechweise
d'n Gruß, drehte sich um. spuckte, ganz
wie Frau Seebach, dreimal aus und
murmelte vor. sich hin: Hol' dich der
Teufel, alte Schachtel!" Packte d.-r
Garderobier seinen Korb aus und
stellte die Lackstiefel unachtsam aul?
einen Tisch, dann bekam der Künstlet
fast Krämpfe vor Aufregung. Ja.
als dem Manne solche Unachtsamkeit
einige Male passirt war. verlangte
Sontag in allem Ernst von mir. ich
solle jenen Mann entlassen.
Seit den dreißig Jahren, wo ich die
Gepflogenheiten der Berliner Bühnen
beobachte, ist es mir aufgefallen, daß
die meisten neuen Bühnen an einem
Sonnabend eröffnet wurden. Bei Di
rektionöwechseln eröffneten die meisten
neuen Direktoren ihr Unternehmen an
einem Sonnabend. Die Eröffnungen
der neuen Spielzeiten nach den Ferien
resp, nach der sommerlichen Pause sin
den meistens am Sonnabend statt.
Ja. selbst die meisten Premieren
Abende werden auf den Sonnabend
verlegt.
Geschieht das alles aus Zufall
oder walten geschäftliche Rücksichten
und Spekulationen dabei ob? Oder
sollten diese Gepflogenheiten auch aus
einem alten Aberglauben herzuleiten
sein?
AI Emil Thomaö im Sommer
1875 das WoltersdorfTheater über
nahm, öffnete er es mit einem Einak
ter In Hemdärmeln", welchen ich
selbst sogar in Scene gesetzt habe. Da
mals hörte ich viele Theaterleute sa
gen: Na, wenn daö nur kein böseS
Omen ist. In Hemdärmeln!" DaS
Unternehmen war ja dann leider auch
kein langes und glückliches. Und der
Aberglaube fand in dem harmlosen
Titel bereits eine unglückliche Vorbe-deutung!
Ein nluer EiSmotor.
Die Engländer, die Wintersport
aller Art sehr lieben und das Tobog
gan - Schlittenfahren in der Schweiz
als die Krone aller sportlicherr Bei
gnügungen schildern, brachten in die
fern Jahre einen neuen, von einem
Schotten erfundenen Motor - Eis
schlitten heraus. Der Schlitten kann
sechs Personen befördern und besteht
aus einer hölzerilen Platform, die auf
vier hölzernen Kufen ruht. Diese Ku
fen haben einen Eisenbeschlag und die
zwei vorderen sind beweglich, so daß
sich der Schlitten mit ihrer Hilfe steu
ern läßt. Der Lenker sitzt vorn und
dirigirt den Eisschlitten mittels eines
dem Gubernal deS Bicycles ähnlichen
Handgriffs. Der Motor von drei
Pferdekräften ist rückwärts angebracht
und treibt den Schlitten leicht mit ei
ner Schnelligkeit von 15 Meilen in
'
der Stunde. Die Bremsvorrichtung
funktionirt gut und gestaltet ein bei
nahe plötzliches Anhalten, ohne daß
der Schlitten allzu sehr schleudert. Der
Motor ist derart construirt, daß das
Fahrzeug gegen den Wind schneller
fährt als mit dem Wind, weil der Ge
genwind aufgefangen und in treiben
de Kraft umgesetzt wird. Eine zweite
Neuerung, die etwas halsbrecherischer
aussieht, ist ein Toboggan-Schlitten
von etwa 1 Meter Länge. Auf einer
einzigen Kufe erhebt sich ein Pflock.der
die kleine Platform trägt, auf der der
Fahrer sitzt und sich Mühe gibt, wäh
rend der rasenden Fahrt die steilen
Abhänge der St. Morizer Cresta
Bahn hinunter daö Gleichgewicht zu
halten.
VonderSchmiere. Wirth:
Was wollen Sie denn mit den vielen
leeren Conservenbüchsen machen?"
Direktor: Die kommen heut' Abend
beim Generalsdiner in den Piccolomi
nis auf die Tafel ja, ja, mein Lie
ber. der Wallenstein muß opulent aus
gestattet werden!"
Eie heiteres Gemüth.
AuS dem Liebesbrief
eines Dichters Meine Lie-
besbriefe werden sicher einst gedruckt
werden! Küsse sie deshalb nicht. Ge
liebte! ES giebt dann immer ve,
wischte Stellen, die der Setzer nicht le
sen kann
Gerichtsdiener: Sie wünschen?"
Frau: Um eine Einlaßkarte zu
einer Gerichtsverhandlung komm' ich
bitten."
Gerichtsdiener: Zu welcher denn?"
Frau: Zu einer recht lustigen!"
Kurze Hoffnung. Max.
pump' mir nochmal zehn Mark!"
Ist mir heute leider unmöglich;
aber morgen, wenn Du wieder kommst,
mit Vergnügen!" Kann ich mich
d'rauf verlassen?" Gewiß! Du
hast ja versprochen, mir morgen die
zuletzt gepumpten zehn Mark wieder-zugeben!"
Verlockend.
Prinzipal: Ein Almosen in Geld
geb' ich nicht, aber Arbeit. Wie wollen
Sie am liebsten beschäftigt sein?
Bettler: Kann ich vielleicht als
Compagnon eintreten?
H inter den Coulissen.
Elly: Du, Mary, waö sagst Du dazu
unsere Primadonna will den Kri
tiker Nörgler, der sie im letzten Winter
so arg verrissen hat, heirathen! Mary:
Rache ist süß!
Schon ein Fortschritt.
Auf der ersten Jagd hast Du gar
nichts getroffen und gestern auf der
zweiten einen Treiber..." Aller
dings, er heißt aber wenigstens
Haase!"
Feuer - Signale.
i Pennshiv und artet
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Zweiten 8 Schlage, dritter larrn,
Dritten 8 Schlage, vierter Alarm.
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18 Schlag. 1 Uhr Mittags,
Die so bezeichneten Signae werden nur vom
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Chicago
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Bin tägliche Schnellzüge nach Chicago.
KW Von der Mono 47. Str. Station, hscoi,.
.ndsnur Minuten mittelst elektrischer ar no
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French Lick Spring,
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