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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, October 27, 1904, Image 6

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Judiana Tribünc,; 27. Oktober 190.
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Dieselben üdertressen alle andern in Schön
heit. Dauerhaftigkeit. Heizkraft und Spar
samkeit im Kohlen Verbrauche.
Dieselben werden mit Vergnügen
gezeigt, m
. WILLIG'S
...Möbel-ßandlung...
141 West Washington Straße.
Qad'ärt 1L63, rnrnrni jederzeit Snzaze,
cmtt entgegen. Irgendwelche Orchester,
üiusik und irgend eme Anzahl von Musiken,
wird geliefert. Neue Ausstattung und neu
Osiformen. R. A. Miller, Director.
tfe n r g Sprengpfeil, SeschSftSführn
301 AenwSz Avnme.
TetevSon ..... Neu 493.
Wiegt Euer Brod.
DaS Brod welches von Joseph
Taggart gebacken ist, gibt Ihnen beides,
Qualtlät und Gewicht.
Fragen Sie Ihren Grocer dafür.
Ebenso für Joseph Taggart's Butter
Crackers.
IM ENE & WESTERII W, IZ.
....Fahrzeit der Züge...
bfahrt Satans
IsKdo. Ehicago snfc vttchigau Ezrrei. 7.1 tiUf
ZcWoo. Xttrott nsb Chicago tst 12.20 f IM
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Europäische Nachrichten
MecKkenvurg.
Schwerin. Die Ferien - Straf
kammer verhandelte in derDiedstahls
fache gegen den Messerschmied Heinrich
Leyndecker und seinen Genossen. Jeder
der beiden Angeklagten wurde zu einer
Gesammtstrafe von 10 Jahren Zucht
hus, 10 Jahren Ehrverlust und Po
lizeiaufsicht verurtheilt.
Butzow. Der Statlonsaufseher
Jhde feierte seine 25jährize Dienstzeit
an der Landesstrasanstalt Dreioergen.
Die Vorgesetzten und Kollegen erwie
sen dem allseitig beliebten Beamten
zahlreiche Aufmerksamkeiten.
G u st r o w. Kartoffel - Handler
Schnoffenberg kam auf seinem Rade
in schnellem Tempo durch die glatt ge-,
pflasterte Enge Straße und das an-
grenzende Trottoir hinüber und mit
voller Wucht in das Schaufenster der
Tuchfirma Hartje & Lembke hinein.
Das ca. 6 Quadratmeter großeSchau
fenster wurde in Atome zersplittert.
Die Verletzungen des Verunglückten
waren so schwer, daß er in's Kranken
haus geschafft werden mußte. Beson
ders stark hatte' der Kopf gelitten;
Glassplitter waren vielfach in den
Körper deS Verunglückten eingedrun-
gen.
L o h m e n bei Zehna. . Eropachter
Christoph Possehl zu Gerdshagen,
Klosteramts Dobbertin, feierte in kör
perlicher Rüstigkeit und geistiger Fri
sche sein vierzigjähriges Jubiläum als
Kirchenjurat der hiesigen Gemeinde
und als Schulze der Ortschaft Gerds
Hagen. M a l ch i n. In aller Stille feierte
Bahnhofsvorsteher Nikolai Hierselbst
sein L0jahrlges Amtsjubllaum. Durch
die menge Stadtkapelle wurde dem
Jubilar ein Ständchen gebracht
Neufirelrtz. Sem d0iahr:geZ
Bürgerjubiläum beging der Rentner
und frühere Konditor Karl Rudolf
Schweißmger. Der Großyerzog uen
den Jubilar aus diesem Anlaß durch
den Magistrat beglückwünschen.
Rostock. H. Vallentine, der lang
jährige Jockey des Königlichen Haupt
gestüts in Graditz, ist in der hiesigen
Universität - Klinik feinen schweren
Leiden erlegen, die die Folgen des un
glücklichen 'Sturzes mit Zwickel? im
kleinen Doberaner Handicap vom 26.
Juli waren.
Schweiz.
Bern. Der Bildhauer Antonio
Chiattone, der Schöpfer des im Jahre
1892 auf Korfu errichteten Denkmals
für den Kronprinzen Rudolf von Oe
stkreich und des im Jahre 1902 in
Territet errichteten Denkmals der Kai-
serin Elisabeth, ist hier gestorben.
Lausanne. Ein großes Scha
denfeuer zerstörte einen beträchtlichen
Theil des Zimmerplatzes Champod.
Außer sehr bedeutenden Bauten und
Werkstätten sind fertige Dachstühle,
montirte eichene Treppen, fertige Bal
konö in Vitch-Pine u. dergl. ein Raub
der Flammen geworden.
Schaffhausen. Vor den Au-
gen der Eltern ertrunken ist im Rhein
oberhalb des Paradieses ein lljähri-
ger Junge, Ramenö Zweifel aus Gla-
rus. Er schwamm bis in die Mitte
des Stromes hinaus, wo er plötzlich,
von Angst ergriffen, die Geistesgegen-
wart verlor. .Er versank in den Flu-
then, tauchte mehrere Male wieder auf,
worauf sich, sofort der junge Schaff
hauser Emil Stierlin in das Wasser
stürzte, um den Ertrinkenden' den Flu
then zu entreißen, was leider trotz al.
ler Mühe im reißenden Strome un
möglich war.
Wintert hur. Am Selbsanft
stürzte ein Sohn des Obeiingenieurs
Schübeler der Firma Gebrüder Sul-
zer, hier, ab. Mit' feinem Begleiter
wollte er. da sie den Weg zum Gipfel
des Selbsanft nicht fanden, die Gegend
rekognosziren, er siel' dabei aber in
den vorbeifließenden reißenden Berg
bach, von dem er noch ein Stück weit
fortgeschwemmt würde.
Zäziwil (Bern). Das hiesige
Dorf wurde von einer großen Feuers-
brunst heimgesucht. Aus unaufgeklar-
ter Ursache entstand in der Sägerei
5c3 Laugeschäftes Stämpfli Feuer.
Bald standen die großen Holzvorräthe
und alle Gebaullchkeiten des umfana-
reichen Complexes, sowie das große
Vaugeschäft in Flammen. Es brann-
tc der ganze Complex von 5 Firsten,
darunter 3 Wohnhäuser, bis auf den
Grund nieder. Ter Schaden geht in
mehrere Hunderttausende.
Q c st erre i ct) "gl cj am.
Wien. Der 27jähriae Kellner
Franz Edelhofer jagte sich aus einem
Revolver eine Kugel in den Kopf und
blieb aus der Stelle todt. In einem
zurückgelassenen Schreiben bezeichnet
der junge Mann unglückliche Liebe als
die Ursache des Selbstmordes. Der
28jährige Handlungs - Correspondent
Marius Vruggnaller hat sich durch el
nen in die rechte Schläfengegend abge-
gebenen Nevolverschuß getödtet. Der
junge Mann ließ einen Zettel des In-
Haltes zurück, daß er lehensüberdrüs-
sig war und gerne aus der Welt schei-
de. Die Lederfabrikfi'rma Hasset &
Hofmann im 12. Bezirk, mit einer Fi
liale im 2. Bezirk, hat ihre Zahlungen
eingestellt. Die Gesammtpassiven be-
tragen.Hypothekarschulden inbegriffen,
650.000 Kronen. Es werden 40.000
Kronen geboten. Die gänzlich er
blindete 41 Jahre alte Klavieispielerin
Bertha Michalki wurde vor.rrerWoh
nung in der Ottakringerstraße von ei
nem Motorwagen der städtischen
f
Straßenbahnen niedergestoßen und
schwer verletzt.
Baden. Ein Automobil mit wer
Insassen, drei Herrn; und einer Da
me, fuhr auf der Fahrt von Trumau
nach Wien in Möllersdorf mit voller
Wucht gegen einen Barrierestock. so
oatz oas .ehllel vollständig zertrum-
mert-und die Insassen auf die Strane
geschleudert wurden. Sie erlitten
Kopf-, Riß- und Quetschwunden der-
schledenen Grades. Die Verunglück-
ten sind: Tuchabfallhändler Eduard
Grünbaum und Privatier Ernst Sedl
meyer aus Wien, welche schwere Ver
letzungen erlitten, und Frau Julie
Grünbaum und Chauffeur Walter
Schoderbock, die mit leichten Abschür
fungen davonkamen.
Funfkirchen. Der Honved-
major Philipp Novotny stürzte bei den
Uebungen in Abaliget vom Pferde und
erlitt einen Beinbruch sowie innere
Verletzungen. Sein Zustand ist be-
denklich.
G m u n d e n. Graf Franz Schmi-
degg. Kämmerer und Ehrenbürger von
Gmunden, feierte in seinem hiesigen
Villenschlößchen mit seiner Gemahlin
Änna, geborenen Grasin Lcnzell zu
Steman, Sternkreuzordensdame, die
goldene Hochzeit.
Graz.' In St. Peter am Kam-
mersberg äscherte ein Brand die Be-
sitzung und die Stallunqen des Bauern
Johann Rohn ein. Ein drei- und ein
vierjähriges Kind, welche in Abwesen
heit der Eltern den Brand verursacht
hatten, verbrannten.
Prag. Das drei Jahre alte Toch-
terchen des Tischlers Martin Benda
aus Zizkow, Zerotingasse, fiel in einen
Topf mit siedendem Wasser, in wel
chem Wäsche ausgekocht wurde, und
erlitt ernste Brühwunden.' Dr.
Ernst Ritter v. Theumer, Oberdirek-
tor der Böhmischen Sparkasse und
ehemaliger Reichsraths- und Land-
tags - Abgeordneter, ist m 71. Le
bensjahre gestorben.
R e i ch e n b e rg. In der Hagdorser
Thalsperre wurde der Leichnam einei
Corporals des 74. Infanterie - Reg;
ments aufgefunden. Wie sich heraus-
stellte, handelt es sich hier um den Cor-
poral der 6. Feldcompagnie des 74.
Infanterie - Regiments Karl Jirou-
schek, der seit drei Tagen vermißt
wurde.
T r o p p a u. Nächst der Obstbaum
schule scheute hier das Pferd des
Grätzer Häuslers Franz Korbel vor
emem Motorradfahrer. Kordel stürzte
vom Wagen und erlitt schwere Ver
letzungen. Znaim. Der 60 Jahre alte
Grundbesitzer Karl Rewral in Edmitz
erhängte sich auf dem Dachboden sei-
nes Hauses.
jLuxexn&ixvs.
Luxemburg. Evrardt Hourscht,
KommiS beim Postamt von Luxem
bürg - Stadt, ist in der Vorstands-
sitzung einstimmig zum Vureauchef der
vereinigten- Bezirkskrankenkassenver-
waltung ernannt worden.
E s ch. In der Grube Ostberg" zu
Esch a. Alz. fiel ein zentnerschweres
Stück Mwette auö einer Höhe von 3
Meter dem Galeriearbeiter Kayser
auf den rechten Fuß und zermalmte
ihmdenselben.
Petinge'n." In' der Gemeinde-
5athssitzung von Petingen wurde Herr
Reinhard Lmden mit 10 von 11
Stimmen zum Lehrer am 3. Grade
der Sektion Petingen ernannt.
Ireie Städte.
Hamburg. Die 71 Jahre alte
Frau Sophie Holtorp wollte in ihrer
Wohnung, LinvleystraßeNo. 70, euer
anmachen und benutzte hierzu Petro-
leum. Die Flammen schlugen bei die
ser Gelegenheit in das Gefäß und ver-
ursachte eine Explosion. Die alte
Frau erlitt schwere Brandwunden und
wurde nach dem Allgemeinen Kranken
hause in St. Georg geschafft, wo sie
starb. Seinen Verletzungen erlegen
ist der vor kurzer Zeit auf einem Dam-
pfer verunglückte Obersteuermann
Kraeft. Die Verletzungen waren so
schlimmu Natur, daß Kraeft im Ha
fenkrankenhause verstarb. Ertrun
ken ist der unverhelrathete Kesselreim
ger Heinrich Otto. Er war bei den
Reparaturarbeiten der alten Schleuse
in Harburg beschäftigt. In der
Altmannstraße lies ein kleines Mäd
chen beim Steinthorplatz über den
Fahrdcmm, als ein Wagen der Ham
burq - Altona'er Centralbahn heran-
gesaust kam. Die Kleine wurde von
dem Wagen erfaßt, gerieth zum Ent
setzen der Passanten unter den Vorder-
perron und wurde mitgeschleift. Als
das Znnd- aus seiner entsetzlichen La
ge befreit wurde, war es leider schon
todt, ihm war der Kops -total zer
quetscht worden.
Bremen. Seine 1Q0. Oceanreise
machte unlängst der gegenwartigeFuh
rer des Norddeutschen Lloyddampfers
Bremen" apitän Micrech. Er ist
am 24. Januar 1834 geboren und hat
1869 seine seemännische Lausbahn be-
gönnen, in der er niemals einen Unfall
zu verzeichnen gehabt hat. Seit 1889
rst er Kapitän. Am 27. Januar 1898
rettete er die ganze Mannschaft des
britischen Dampfers Jago", der auf
hoher See m einem Orkan unterging
Er erhielt für diese brave That engli-
sche und deutsche Auszeichnungen so
wie ein Geschenk der Königin Victoria
Lübeck. Verliehen wurde dem Ka-
piten deS Norddeutschen iLloyddam
vfers Mtt Lee", Oberleutnant u
See der Reserve Gustav Kley von hier,
der Kronenorden 4. Klasse.
Die lchtcn Ehren.
Eeremsnken beim OegrSbnktz in der, Schlacht
g, auener apaiC)tt Soldaten.
Ein japanisches Soldatenbearäbniß
bei Liaoyang schildert der Engländer
F. A. McKenzie in folgender Weise:
Auf einem Hügel war ein Rechleck
mit hohen Fähnchen bezeichnet. Ein
Denkmal aus rohem Holze, nur größer
als das gewöhnliche einfache Holzkreuz
auf jedem Soldatengrab, wurde am
hinteren Ende aufgestellt. Der Raum
davor war von einem Seil abgegrenzt,
das oben an die Eckpfähle gebunden
war. Daran hatte man viele Streifen
aus flatterndem weißen Tuch befestigt,
ein altes Mittel, böse Geister abzu-
chreaen. Vor dem Denkmal stand eine
Art Altar; riesige künstliche Blumen
umgaben ihn und viele Ovferaab?n
waren rundherum aufaestellt. aicbt
Bündel Lattich und Radieschen, leben-
des Geflügel. Korbe chinesischer Kuchen,
die in Form und Farbe Früchten und
Eiern. Fischen und soqar Bierflaschen
ähnelten. Das waren die Opfergaöen
sur die Geifer der Todten. Troi7.pe-
tensignale ertönten, die lanaen Reiben
der Soldaten standen stramm. Der
Gottesdienst wurde in den Sbinto-
Formen abgehalten, da der Shmtcis
mus die Nationalreligion Japans ist.
Die Priester standen vor dem Obelisk,
und unter vielen Verbeuqunaen saaien
sie ein altes Gebet her. Dann nahm
ein Priester einen belaubten Zweig
eines Busches und wedelte damit über
uns, um alle Unreinlichkeiten und Un
Vollkommenheiten aus unserem Leben
gleichsam fortzufegen. Tann kam das
Speiseopser für verschiedenen Ge:-
ster. Diese NaycUna wird spater a?-
gessen, vorausgesetzt wird dabei, daß
die Verstorbenen in emem geistigen
Sinne daran theilnehmen. Nach ver-
schiedenen anderen Ceremonien schritt
der General der Division vor und hielt
vor dem Denkmal eine Rede zur Erin
nerung an die Todten. Wieder ertön-
ten Hörnersianale, die Soldaten Prä-
sentirten das Gewehr, die Falmen wur-
den erhoben, die Offiziere zogen die De-
gen und senkten die Spike zu Boden.
Zum Schluß kamen die hohen Offiziere
und icder leate vor dem Denkmal einen
Zweig Immergrün mit einem weißen
Bande meder. dann schwenkten die Ba-
taillone rechts und links ab und zogen
auf ihre Porten zurück.
Radium alö Lebcnselixir.
Während Thatsachen, die die Ra-
diumstrahlen als dem thierischen und
pflanzlichen Leben feindlich erscheinen
lassen, schon vielfach bekannt sind, ist
neuerdings eine Beobachtung gemacht,
nach der das Radium ein lebendes We-
sen zwar nicht tödtet. aber m semer
Entwickelung vollständig hemmen kann.
Wenn man beispielsweise Larven des
gewöhnlichen Mehlwurms den Strah-
len aussetzt, so bleiben sie Larven. Nach
einigen Wochen werden freilich die mei-
sten von ihnen todt sein: ewige aber
ziehen sich in den entferntesten Winkel
ihres Gefäßes zurück und bleiben leben,
allerdings als Larven. Andere Lar
den, denen man gleichzeitig ihre nor-
male Entwickelung gelassen hatte, hat-
ten unterdessen die verschiedenen Stu
fen ihres Larven- und des aeflüaelten
Zustandes durchgemacht und waren an
Altersschwache gestorben. Generatio-
nen ihrer Nachkommen waren geboren
und gleichfalls gestorben die Radium-
larven hatten stch noch immer nicht ver-
ändert. Der Veranstalter des Experi-
ments, an dem auch der Entdecker, des
Radiums, Professor Curie das größte
Interesse genommen hat, besitzt noch
eine solche lebende. Larve, einen wahren
Methusalem ihrer Art. Sie hat ihre
Jugend dreimal länger bewahrt, als
sonst das ganze Leben ihrer Genossen
dauert. Man denke sich, daß ein Men
schenjunglmg 210 Jahre lang auf dem
Alter von 21 Jahren stehen bliebe, so
wäre das ziemlich dasselbe, was an die-
ser Larve des Mehlwurms die wunder-
baren Radmmstrahlen zu Stande ge
bracht haben.
SpandauS Armesünderbaus.
Eine Stätte unheimlichen Angeden
kens ist letzthin in Spandau, Branden-
bürg, von der Blldfläche geschwunden.
In einer abgelegenen, früher an die m-
zwischen niedergelegte Stadtmauer
grenzenden Straße stand ein kleines
unansehnliches Gebäude, das zuletzt
einem Barbier gehörte. Vorhe." war es
Eigenthum des Fiskus und wurde zur
Unterbringung derienigen armen Sun-
der benutzt, die von außerhalb nach
Spandau transportirt wurden, UM
hingerichtet zu werden. Die dem Beil
des Henkers verfallenen Verbrecher tra-
fen Tags vorher ein und verblieben di
letzte Nacht ihres Lebens in dem bezeich
neten.. Verließ, einem engen, von yard
starken Mauern umgebenen düsteren
Raum. Das uralte Bauwerk wurde
abgebrochen, und der Platz wird zur
Vergrößerung der Klostermuhle ver-
wendet. Sein letzter unfreiwilliger
Insasse war der wegen seines Attentats
auf Friedrich Wilhelm IV. zum Todc
verurtheilte Bürgermeister Tschech.
Das Schlachtschiff Con
n e c t i c u t . " welche neulich auf
dem Marine-Schiffsbauhofe in jBrook
lyn. N. Y., vom Stapel lief, ist das
dritte Fahrzeug der Bundesflotte, das,
diesen Namen trägt: Das' erste wurde
im Jahre 1798 in Middleton. Conn..
gebaut, das zweite war ein hölzerner
Raddampfer, welcher im Jahre 1861
angekauft wurde und im Bürgerkriege
benu-tzt wurde.
QcrSchrciölksch ineilicrFrau
von The von iom.
Meine kleine Frau besitzt einen ent-
zückenden Schreibtisch. Als wir die
Aussteuer-Mobel aussuchten, blieb sie
mit einem Schrei der Begeisterung
stehen und rief aus: O, den muß ich
haben! Den muß ich haben! Gerade
so einen sah ich neulich bei Keller &
Reiner!" Da ich nun eine unbegrenzte
Hochachtung vor dieser Firma em
pfinde, betrachtete ich mir das bewun
derte Möbel eingehend und meinte:
Sehr hübsch und modern! Abc? wir
haben doch schon einen Nippesschrank
für den Salon notirt " . Darauf Ent-
rustung bei Hella und mitleidige Ge
ringschätzung bei dem Möbelhändler.
Dieser zog an einem zierlichen goldenen
Griff und forderte eme mit hellblauem
Tuch bezogene Platte heraus.
Nein, wie entzückend!" jubelte Hella.
Diesen Schreibtisch muß ich haben.
Theo!"
Kopfschüttelnd schaute ich auf den
Nippesschrank, der ein Schreibtisch sein
sollte bisher ' glaubte, ich harmloser-
weise, man müsse allen Möbeln schort
von außen ansehen, wozu sie dienten.
Da aber Hclla entzückt war und mich
mit ihren lieben Augen anblickie, al
hinge Glück und Seligkeit von meiner
Zustimmung ab, so beeilte ich mich.
ebenso strahlend auszusehen, und der
Schreibtisch wurde, gekauft. Er kostete
freilich ein großes Theil mehr, als aus
gegeben werden sollte, aber wir las
sen dafür den Spultisch in der Küche
weg," meinte Hella, nicht wahr,
Theo?"
Natürlich, Schatz! Wozu braucht
man überhaupt einen Spültisch!" ver
setzte ich ich hätte sogar auf alle Koch-
topfe und Porzellanteller verzichtet
beim Anblick . ihrer . Freude! Nun
nimmt der entzückende Schreibtisch
schon zwei -Jahre den Ehrenplatz m
unserem Salon ein. Er paßt zwar
nicht dahin, da er modernen Stil zeigt,
und die Salonmöbel ausgesprochen
Rokoko aber alle Besucher sind begei-
stert. Er wirkt auch grohartig. Seine
linke Seite trägt einen Aufbau in
schlichten Linien." sagt Hella mit
einer vielscheibigen Glasthür, hinter
der süße" Meißener Figürchen stehen
(sie sind nicht echt, aber die .Glasthür
schützt vor zeder indiskreten Prüfung
nach den zwei Schwertern); rechts
läuft die Rückenleiste in einen ph'änome
nalen Schnörkel aus, an dessen Ende
Hella sinnreich einen vergoldeten Staub
Wedel von rothen Federn gehängt hat.
Denn trotz der schlichten Linien gibt es
erstaunlich viel abzustauben: da steht
erstens ein Tintenfaß. Jawohl, ein
richtiges Tintenfaß! Tinte ist freilich
nicht drin, und wenn welche drin wäre,
mußte man vor dem jedesmaligen Ein-
tauchen auf einen kleinen Knopf drücken,
damit der prächtig gravirte Deckel auf
springt es ist nämlich ein patentirtes
staubfreies Tintenfaß, ganz aus Perl
mutter! Daneben trägt ein großer
Nickelständer Unmengen von Ansichts
karten aus China, Japan, Kamerun
und anderen schönen Fernen. Nun erst
die Photograpie-Nahmen in allen Grö
ßen und Arten! Hella und ich als
Brautpaar, verklärt aus einem Bronze-
kränz schauend, Hella als Schulkind,
Hella als Balldame, vier Freundinnen,
zwei bekannte Opernsänger. mit.Un-
terschrift" (ich bin nicht eifersüchtig).
die ganze kaiserliche Familie alle un
ter. Glas und Rahmen auf dem
Schreibtisch meiner Frau.
Aber das ist noch lange nicht alles.
Dazwischen treiben sich noch vier Por-
zellan-Amoretten, sieben Bronzethier
chen und zwei entsetzlich dünnhalsige
Glasvasen herum, nicht zu vergessen die
mit Veilchen bemalte hellgrüne Atlas-
schreibmappe und das kunstvoll ge
schnitzte . Petschaft ohne Namenszug.
Zsst das nicht entzückend? Man kann
sich gar nicht vörstellen, wie reizend die
ser geschmückte Schreibtisch in seiner
zartgrauen Farbe und den schlichten
Linien zwischen den geschnörkelten gol
denen Rokokostühlchen wirkt. Es er
fordert wirklich Artistengewandtheit,
sich daran vorbei zu schlangeln, ohne
etwas umzuwerfen. -
Hella staubt das alles auch höchst
eigenhändig ab, während ich mich be
gnüge, die Herrlichkeit von Weitem zu
bewundern. Denn einmal habe ich bei-
nahe ein Unheil angerichtet mit
Schaudern denke ich an dies einmal."
Das war . an einem . Putz- - und
Scheuertag gewesen. Die von Hella
unsagbar gefürchtete Putzfrau waltete
in meinem Arbeitszimmer ihres Amtes
und überschwemmte den Fußboden mit
Riesenpfützen. Ich hatte eine wichtige
Arbeit vor, die bis zum Abend in der
Redaktion sein mußte, und wollte zur
Eile antreiben, aber Hella beschwor
mich in allen Tonarten, ihr nicht die
Ungnade derFrau Schmidt zuzuziehen:
Laß doch die dumiue Arbeit, Schatz!
Wir wollen lieber etwas spazieren gehen
der Thiergarten ist jetzt so herrlich!"
Kind, das geht nicht. Erst die
Pflicht und dann das Vergnügen. Die
Zeitung kann ebenso wenig warten wie
die Eisenbahn!" Meine kleine Frau
murmelte etwas, das ich lieber nicht
wiederholen will, sonst könnte ich mir
von selten aller Zeitungen, einen In
jurienprozeß zuziehen; ich machte mich
auf die Suche nach einem stillen Ar-
beitsplatz. Das Speisezimmer war
noch unordentlich, der Frühstückstisch
unabgeraumt Anna mußte ja der
Frau Schmidt helfen und sie bedienen
das Schlafzimmer noch ungemüth-
licher. Seufzend nahm ich meinen
iack Papier und vloh in den Salon.
Uh der Schreibtisch! -
Ich holte mjr einen soliden Stuhl
aus meinem Zimmer und ließ mich
nieder. Dann faßte ich den zierlichen
goldenen Griff -und zog die mit hell
blauem Tuch bezogene Schreibplatte
heraus klirr ging's in demselben
Moment und Hella stürzt: schieckens-
bleich herein: Um Himmelswillen,
Theo, was machst Du denn da?"
Was ich mache? Frage! Schrei
ben will ich. hier an Deinem Schreib
tisch." O, meine Vasc! O, meine Engel
chen! Tlc'm Hundchen!" Entsetzt blickte
ich auf die Folgen meiner Missethat:
Scherben! Scherben!
Ja, Kind weine nur nicht, ich
kaufe Dir alles wieder! Beruhige Dich
doch, Liebling! Sieh mal. im Grunde
genommen ist der Schreibtisch doch ein
mal dazu da "
Hella öffnete weit die erstaunten AU
gen: Wozu? Um Sachen zu zer
schlagen?" Aber Kind! Zum Schrei
b e n "
Niemals vergesse ich den Blick, den
sie mir zuwarf! Ein entsctzensvolles
Grauen lag darin, als ob ich eine Ent
weihung Ausgesprochen hätte. Seit
dieser Zeit
Seit diese? Zeit gehe ich in's Kaffee
haus, wenn die Frau Schmidt in mei
nem Arbeitszimmer schwimmt," ob
wohl ich weder Frühstückswein noch
Kognak Morgens vertrage. Aber ich
ziehe doch vor, Magendrücken zu haben,
als noch einmal den Schreibtisch mei
ner Frau zum Schreiben zu benützen.
Und sie selbst, meine kleine liebe Hella?
werden Sie fragen schreibt sie nie
Briefe?
Aber ja, sie schreibt Briefe. Das
Briefpapier liegt in einer bunten Papp
schachte!, und diese befindet sich rechts
im Büffet die dazu gehörige Feder
wird meist von meinem Schreibtisch ge
holt und das Tintenfaß balanzirt auf
den unglaublichsten Tischecken umher.
Zur Unterlage dient gewöhnlich die Ta
geszeitung manchmal auch ein wich
tiges Manuskript von mir beileibe
nicht die mit Veilchen bemalte hellgrüne
Atlasschreibmappe!
Aber entzückend ist der Schreibtisch
meiner kleinen Frau trotzdem!
Uttsrciniilligrr Junior.
Es ist eine bekannte Thatsache, daß
in Bittschriften, Gesuchen u. s. w. aus
den Klassen der Bevölkerung, die selten
mit der Feder umgehen, oftmals ein
canz besonderer, wenn auch unfreiwil
liger Humo" zu Tage tritt. Wir sind
in der Lage, einige Stilblüthen, die aus
Gesuchen an Marinebehörden stammen.
mittheilen zu können. Sie geben dem
Leser zugleich einen Einblick in Jung-
deutschlands" Liebe für den Seedicnst.
Ein Hausknecht schrieb: Es ist
schlim genuch, das diejenigen die sich
Freiwillig ü? König und Vaterland
hergeben, daß sie nicht wegen den Mün
vermaß angenommen werden, denn es
handeld sich nich nuhr Soldat zu sein,
sonder es handeld sich uhm den Frei
willigen Todt für's Vaterland."
Ein anderer erlaubt sich der Ma
rine ganz gehorsamst mitzutheilen,"
daß er als Freiwilliger eintreten
möchte, da ich doch das Alter dazu
habe auch schon manchen gefährlichen
Gang auf dem kurischen Haff gemacht
habe." Und weiter fährt er fort: Ich
habe zu große Lust und träume ich
schon manche schöne Nacht von Käme-
run und Amerika."
Der Schuhmacher X. hat lust drei-
willich zu g"hen. 23 Jahre alt da ich
es in der Zeitung gelesen habe. Bitte
ergebens um Antwort ob ich das übrige
hier abmachen kann," so lautet ein Ein
stellungsgesuch. Einer fühlt sich, weil er, während
einer Wassefahrt geboren für die Ma-
rine wie geschaffen" und einem andern
ist es der innigste Wunsch recht bald
Seiner' Majestätsmarinerock anziehen
zu dürfen." während ein dritter sich.
der wertheren Admariledät freiwillig
zustellen möchte, daß ich für die Marie
ausgebildet werde, denn sie haben mich
zur Reiterei ausgehoben."
Ein Schifferlehrling schreibt: Da
ich jetz Wasserrate bin so will ich es
auch bleiben und bitte den Commandör
hierüber in Kenntniß zu setzen."
Wieder eii anderer fragt arl: ob ich
kahn ein'treden, da ich die gr.öße hab'
von 1,37 aber Nich die große 1.67 da ich
doch einmal gern bei die Kaiserliche
Marinne wüll so fahre ich schon eine
Zeit lang auf einem Segelschife."
In seinem Lebenslaufe schildert der
eine ein merkwürdiges' Ereigniß mit
folgenden Worten: nackt bin ich aus
diö Welt gekommen," und ein zweiter
schließt sein Gesuch: wenn auch noch
unbekannt, so doch freundlichen Gruß."
Ein höflicher König. Der Ver-
traute und Berather des Königs Louis
Philipp von Frankreich war ein Herr
Dupin.. wiewohl er mit diesem nicht
immer einerlei Meinung war. Sein
biederes Wesen und seine Anspruchs-
losigkeit, die sich sogar in seinem mehr
als bescheidenen Anzüge aussprach.
sagte dem. einfachen Sinne des Königs
zu. Eines Tages während eines poli-
tischen Gespräches mit dem Könige der-
gaß sich Dupin so weit, in seiner
wohnten Meise dem Könige zu sagen:
Ich sehe wohl.-Majestät, daß wir uns
nie verstehen werden." Ich habe mir
schon dasselbe gedacht, lieher Herr Du
pm." entgegnete der König, nur wagte
ich nicht, es Ihnen zu sagen."
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