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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, August 31, 1905, Image 5

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Jndiana Tribüne, 31. August 1905
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Würdiger
Bnndes-Turnftstes.
Die Schlußsitzung der Fcst-Bchördc gestaltet sich zur erhebenden Festlichkeit.
Abrechnung .ergiebt Dividende für die Zeichner zum Zestfond. Konsul Peter (ieber geehrt.
DaS.29. BundeZlurnfest wurde ge
stein in der Schlußsitzung der Festbe
hörde zum offiziellen Abschluß gebracht.
ES war selbstverständlich, daß ein
so hehreö Fest, welches noch Jahre lang
frisch in der Erinnerung nicht nur der.
jenigm, die zum Erfolge desselben mit
gewirkt, sondern aller, welche so glück
lich' waren, demselben beizuwohnen,
leben wird, nicht, ohne Sang und
Klang und freies Wort abgewickelt
werden würde und so gestaltete sich
auch die Schlußsitzung der Festbehörde
zu einer herrlichen Fftier, die jedes
Herz höher schlagen machte.
Der große Säulenraum im Teutschen
Hause, der für derartige Gelegenheiten
wie geschaffen ist, war schon früh am
Abend mit Turnern, und Turnerinnen
und deren Freunde gefüllt, die an
langen Tafeln als Gäste des Sozialen
Turnvereins Platz nahmen. An der
Quertafel am oberen Ende saß die
Feftbehörde. '
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Prof. Robt. Nix, Vorsitzer der Bundes-Fest
dehörde.
Mit markigenllWorten rief der
Vorsitzer diese letzte Versammlung der
BundeS.TurnfeftbehSrde zur Ordnung.
Im Rückblick auf das Turnfest sei eS
keine Selbstüberhebung, sagte Herr
Nix, wenn man da? Fest als das Herr,
lichste alle bisher stattgefundenen Bun
deSturnfeste betrachte.
Die gesammte Presse deS Landes
hate in dieser Weise ihr Urtheil über
das Fest gegeben. Schon die Eröffnung
des Feste am Kriegerdenkmal nach
vorhergegangen:m Fackelzug sei von
überwältigender Wirkung auf Bethei
ligte und Zuschauer gewesen.
Redner wies sodann auf die tressliche
Mitarbeilerschaft sämmtlicher Unter
auSschüsse, der Presse von Jndianapo
liS und der gesammten Bürgerschaft
hin, die durch ihren Enthusiasmus
wahre Feftbegeisterung kundgab und
-erzeugte.
Herr Nix ertheilte, nachdem der durch
feine Worte hervorgerufene Beifall der
rauscht war,
'Schatzmeister Otto Lieber
das Wort. Herr Lieber erklärte in
kurzen Worten wie das prompte Ein
laufen der Beiträge zum Festfond die
Arbeit der Finanzbehörde bedeutend er
leichtert habe.
Er verfehlte nicht darauf hinzuwei
fen, daß gerade von den Interessenten
welche die bldeutensten Gewinnste durch
das Turnfest erzielt, die Finanz
behörde die einzig schäbigste Behand
lung erfahren habe. ES sei dies die
HotelkeeperS Association. Dieselbe
habe freiwillig $500 zum Feftfond ge
zeichnet, aber erst nach langer Rum
drückerei $200 davon bezahlt. Auf die
Aufforderung, die Reftsumme zu zah
len, versuchte diese knickerige Gesellschaft
sich mit einer Restzahlung von $50, die
aber prompt zurückgewiesen wurde, zu
rehabilitiren.
HerrLieber verlas sodann den so!
genden Bericht:
Bericht über Einnahmen und Aus
gaben.
Einnahmen.
Freiwillige Beitrag? zur Festkasse. 513,194.00
Dauerkarten 4,270.00
Einzelkarten zum Feftvlatz und
Schaubühne , 2,893.45
Verkaufsvrivilegken 760.00
Souvenir? 495.46
Festabzeichen' und Uhrenbände?. . 2,169.16
Abschluß des
Festspiel 781 .b7
Volksfest Germania-Park) . : . . 3,244.03
Nachfeier lTurner-ParkZ 116.90
Zeltlager 3,936.26
CentraUuche 4.678.57
Preissingen Verkauf von Noten 32.98
Total-Einnahmen $36,623.48
Ausgaben.
Empfang $ 576.55
Musik ' 2,348.85
Fackelzug 378.00
Festzug. 3,083X0
Festspiell 1,736.47
Dekoration . 2,563.08
Fesiplatz 4.395.82
Turngeräthe SS9.63
Zeltlager . 5.399.80
Centralküche 5,353.48
Bankett der Turnerpioniere und
SangerkommerS 404,75
Unterhaltung der Ehrengäste.. . . 613.12
Kampfrichter..,. 228.15
Volksfest sGermknia-ParkZ 1,729.91
Nachfeier Turner-Park) 147 96
Preissingen
Diplom
Preise für Zeltlager, reservirt .
Schulausstellung
Presse
Festabzeichen und Uhrenbänder
59.35
175.00
200.00
100.08
95 45
1,457.08
177.24
Hospital.
Drucksachen 1.103.44
Anzeigen 665,86
Porto, Telegramme etc. ........ 324. 59
Gehälter für Stenographen etc.. 151.75
Gepäckbeförderung 417.00
Polizei Und Thursteher 224.25
Reserve für weitere Rechnungen. . 52.26
Kleinere Ausgaben 133 73
Total.AuSgaben. .". $35,195.68
Einnahmen $36,623 48
Ausgaben $35,195.65
Ueberschuß $ 1,427,80 .
Den Zeichnern zum Jestfund wer
den 11 Prozent ihrer Einzahlung zu
rückerftattet.
Der Bericht, der so günstigen AuS
weis zeigte, wurde mit lautem Beifall
entgegen genommen.
Vorsitzer Nix forderte nun zu einem
Antrage zur Ernennung eines Comite'S
zur eingehenden Prüfung deS Berichtes
auf. -. -
Die Antwort darauf erfolgte sofort
und gestaltete sich zu einem spotanen
VertrauenS'Votum, indem der Antrag
deS Herrn Albrecht Kipp, den Bericht
wie verlesen ohne weitere Prüfung ent
gegen zu nehmen, mit einem einstimmi
gen kräftigen Ja" Annahme fand.
Nachdem Herr Paul Jan'e den An
trag gestellt hatte, der Feftbehörde den
Dank der Versammlung für ihr Wir
ken abzusprechen, ersolgte Vertagung
der GeschäftSsitzung und die Nachfeier
unter den AuSpicien des Socialen
Turnvereins begann.
Die Nachfeier.
Herr Georg Vonnegut führte bei
dieser Gelegenheit den Vorsitz und er
öffnete dieselbe mit folgenden Worten:
.ES ist gewiß sehr erfreulich, daß so
Viele, der Einladung folgend, sich heute
Abend eingefunden haben.
Der Sociale Turnverein wollte sich
die Gelegenheit nicht entgehen lassen,
dem Festausschüsse zü Ehren eine kleine
Nachfeier zu veranstalten, zu welcher er
sämmtliche Ausschüsse des BundeSturn
festes, die activen Sänger des Musik.
Vereins und feine Mitglieder und Da
men einlud.
Wir nahmen an, daß es gewiß für
Alle von großem Jnterefie fein würde,
den Schlußbecicht des Festausschusses
mit anzuhören, und haben deßhalb die
Schlußsitzung mit dieser kleinen Nach
feier verbundden.
Als die BundeStagsatzung in Daven
Port im Jahre 1902 dem Socialen
Tnrnverein von Indianapolis das
Turnfest übergeben wollte, glaubten
wir uns nicht stark genug, dasselbe an
nehmen zu dürfen; da kam uns in
Form eines Telegramms die Zustehe
rung der Mithülfe der hiesigen leiten
den deutschen Vereine.
New York lehnte .ad und wir beka
men daS Fest.
Der großen Aufgabe die wir uns
stellten wohlbewußt, gingen wir sofort
vn die Arbeit und dank der Opferwil
ligkeit unserer Mitglieder und der Mit.
Hilfe recht vieler Freunde, sowie deS
BürgerthumS der Stadt im allgemei
nen, wurde es uns möglich das 29.
herrlichen
Bundesturnfest so erfolgreich, ja glätt
zend durchzuführen. Unstreitig war
eS oas schönste Fest daS der N. A. T. B.
soweit gefeiert hatZ
Nun lade ich Sie ein von dem Ge
botenen guten Gebrauch zu machen und
nach Herzenslust sich zu amüsiren.
Um Anderen die Gelegenheit zu ge
den, sich noch zu äußern und besonders
um denselben mit gutem Beispiele vor
anzugehen, habe ich meine Ansprache
recht kurz gesaßt.
Ich ersuche nun alle Anwesenden sich
zu erheben und dem so erfolgreich durch
geführten 29. Aundeöturnfeft ein drei
facheS Gut Heil nachzurufen !"
Donnernd ertönte das Gut Heil!"
durch den weiten Raum. Dann trug
der Musilverein ein inniges deutsches
Lied Das alte Mütterlein" unter Lei
tung des Dirigenten Ernestinoff vor.
Konsul Peter Lieber
geehrt.
Prof. Robert Nix erhielt nun daS
Wort. Er erwähnte der Verdienste der
Bundes Alten um den Nordamerikas
fchen Turnerbund und wie ihr kerniges
Beispiel die jüngeren Turner zu turne
rischer Begeisterung ansporne.
Diesen BundeZalten zu ehren, habe
der BundeSVorort vor drei Jahren
durch Begleichung von Diplomen nach
50jähriger Mitgliedschaft zu ehren.
Zu dieser Auszeichnung sei der Ehren-
gast deS Abends, Herr Konsul Peter
Liber, nun in Düsseldorf wohnhaft,
in erster Linie berechtigt. Herr Nix
bat sodann Konsul Lieber, vorzutreten
und überreichte ihm daS geschmackvoll
eingerahmte Diplcm unter dem begei
fterten Zuruf der Anwesenden.
Herr Otto Lieber, der Schatzmeister beim
Bundesturnfest.
Nach einem weiteren LiederVortrag
des Musikvereins erhielt August M.
Kühn das Wort zu einem Toast auf
die Executive des BundeZturnfesteS.
Herr Kühn sprach in bekannt launi
ger Welse. Obwohl eS Manchen
Wunder genommen habe, daß eine Be
hörde deren Kopf ein Nix" fei, so
große? geleistet habe, sei eS ihm ganz
natürlich erschienen, denn selbst die
Welt sei auS einem Nix- erschaffen
worden. Da ferner der Schatzmeister
lieber" mehr Geld wie weniger einge
nommen und auch der Sekretär seinen
Stemp(f)el. fortwährend geführt habe,
so wundere ihn der Erfolg durchaus
nicht.
Der launige Toast rief selbftver
stündlich große Heiterkeit hervor.
Der Sociale Turnverein.
Herr Peter Scherer erhielt nun das
Wort. Er sagte etwa Folgendes:
Wie wir aus den Berichten, welche
heute Abend verlesen wurden, ersehen.
war das 29. Bundesturnfest in finan
zieller Hinsicht von einem Erfolg beglei
tet, der die Erwartungen der meisten
um uns weiZ Übertrossen hat. . Aber
ich wage zu behaupten, daß der Erfolg
in turnerischer Beziehung; ein bedeu
tend größerer war. Der Nordamerika
nische Turnerbund wird stets mit be
rechtigtem Stolz auf das in Jndiana
polis abgehaltene Turnfest hin
weisen. Denn wenn ein Bun
deS Turnfest den Zweck hat. das
Gesühl der Zusammengehörigkeit und
in . unserem Falle auch daS der
Stammesverwandtschast zn sördern und
zuftärken, die Leistungsfähigkeit der
Turner zu heben, den Turnbetried zu
oervollkommen, und die Turnsache in
die weitesten Kreis, deS amerikanischen
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Volkes zu verbreiten, so müssen wir sa
gen, daß daS 29. Turnfest seinen Zweck
voll und ganz erreicht hat. Und nun
drängt sich wohl manchem die Frage
auf, ist eS denn um das Turnen eine so
gute Sache,- daß man deshalb so viel
Wesens macht. Das Turnwesen ist der
hältnißmüßig junge Errungenschaft.
Die Nothwendigkeit der Leibesübungen,
das Gedeihliche einer gleichmäßigen
Ausbildung der Verstandes und Kör
perkraft hat sich den Einsichtsvollen im.
mer mehr und mehr mit unäbweiSlicher
Gewalt aufgedrängt und so bildet denn
daS Turnen einen wesentlichen Theil
der neuen Pädagoge!.
Die Bewegungen find von wohlthu!
gem Einfluß auf die menschlichen Or
ganismen und daher ist die Turnkunft
m nicht zu unterschätzendem Worte für
daS Allgemeinbefinden deS Menschen.
Wohlgefällig ruhte daS Auge einer viel
ausendköpfigen Menge auf einer jun
gen Münnerschaar, die auf dem Turn
elde ihre Kräite übten und sich also
zum Ringkampf mit den Stürmen deS
Leben? vorbereiten. 'Denn die Selbst
acht und Energie, diellus den turneri
chen Uebungen als nothwendiges Re
ultat erwachsen, müssen ihren Einfluß
auf den ganzen Menschen offenbaren,
da Körper und Geist in enger Wechsel.
beziehung zu einander stehen.
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George Vonnegut, Vorsitzer der Nachfeier.
Die Schulung' deS Körpers gereicht
zum Vortheile deS Geistes und führt zu
Selbstvertrauen, zu selbständiger Ent
Wickelung des EharacterS, zur Belebung
und Erfrischung deS Gemüthes und lei
tet.daS geistige Leben., in gesunde und
starfe'Formen. Daß dem so ist, ha.
ben.die Activen in dem Zeltlager be
wiesen.
Fachleute wcren erstaunt über die
musterhaste Ordnung und das gute
Betragen der Aktiven und zwar um so
mehr, als hier militärische '.Disziplin
ganz ausgeschloßen ist und alles das.
was gethan wurde, um daS Zeltlager
sozusagen zu einem geordneten, Gemein
Wesen zu machen, auS freiem Antriebe
aelcbab und nicbt deshalb, weil der
Vernachlüsfigung die Strafe drohte.
Hier ist der . beste Beweis, daß das
Turnen von wohlthuendem Einfluß ist,
Manneszucht fordert und so tüchtige
Glieder der menschlichen Gesellschaft
heranbildet. Was ich, hier von den
Aktiven im Allgemeinen gesagt habe.
gilt auch von den Aktiven deS Sozialen
Turnvereins im Besonderen.
Sie haben sich tapser gehalten, einen
schönen Preis errungen, und dieses ist
um so höher anzuschlagen, da ihnen
auch noch die Pflicht oblag, zur Unter
Haltung der Fremden mitzuhelfen.
Im Volksturnen hat Max .Emmerich
gezeigt, daß er auch auf einem Bundes
turnfeste der erste fein kann. . Wie ich
höre hat er vor, feine Wohnung um
ein Zimmer vergrößern zu lassen, da
mit er die Diplome und Kränze unter
bringen kann.
Möge diese kleine Schaar auch ferner
unter ihrem fähigen Letter zusammen
halten und weiter arbeiten, dem Verein
zur Ehre und Freude. Gut Heu!
. Wieder durchbrauste das kernige
Gut Heil den Saal.
Dann ergriff Herr Robert Lieber das
Wort, um der Presse von Jndianapo
liS den Dank für ihre so wichtige Un
terstützunz zum Gelingen deS Festes
auszudrücken.
Nach ihm sprachen noch Herr Theo
dore Stempfel, derbem Petrus für das
gute Wetter beim Turnfeste em Gn
Heil ausbrachte, Herr Henry . Victor,
der die Damen hochleben ließ u. A.
ES war sehr spät geworden als die
fröhliche Tafelrunde an den Heimweg
dachte.
Viel und auch verdienter Beifall
wurde den Leitern der City Band ge
zollt, die mit nur wenigen Leuten treff
liche Musik lieferten.
DieAnweisungen für die llprozentige
Dividende wurden noch während des
Abends unter den Anwesenden, die
dazu berechtigt waren, vertheilt und die
meisten derselben sofort dem Socialen
Turnverein wieder zum Geschenk ge
macht.
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Haartrachten aus alten Zeiten.
Ueber absonderliche . und bizarre
Kopf- und Haartrachten der Ve.rgan
genheit wurde gelegentlich eines Hi
storischen Bazaar" in London berich-
et:
Zur Zeit Wilhelm's I. von Eng
and trug man breite Kopftücher, die
aum das Gesicht freiließen und den
ganzen Kopf umschlossen. Schwer
war es fu? die Frauen des Mittel-
alters, die üppige Fülle ihres Haares
zu bändigen, die ihnen vielfach bis auf
die Fuße herabreichte, und sie verbar
gen sie in den seidenen Falten des
Kopftuches. Später wurde dann eine
zweihornlge Form des Kopfschmuckes
modern, die zunächst von der burgun-
dischen Mode ausgegangen war. Die
Schriftsteller wandten sich mit bitte
rem Spott gegen diese tolle Laune, die
der Frau die Zierde eines .Ochsen
aussetzte. In der Fruhrenaissance ver-
schwand diese gothisch ausgeartete
Mode völlig. Der neue Stil liebte
scharfe Linien, ein. krauses Flechtwerk
und eme glatte, harte Form. Darum
wurde das Haar völlig aus der Stirn
genommen, ja die Stirnhaare wurden
sogar ausgezogen, weil eme möglichst
hche Stirn für schön galt; der Kops
war fast bis zum Wirbel frei, die
Haare waren in glatten Strähnen
über' die Ohren zurückgestrichen und
dann in vielfach verschlungenen Flech
ten zu einem Knoten zusammengenom-
men. Perlenschnur?, die sich m seit-
samen Verschlingungen um das Haar
legten, Hauben,' die den Hinterkops
und die Ohren bedeckten, waren der
fernste Kopfputz. So fchen wir die
Frauen auf Bildern des Domencio
Veneziano und Piero della Francesca.
In der Zeit Leonardos wird dasHaar
als Schmuck und Schönheit der Frau
neu entdeckt. Was die Antike m den
lockeren Windungen bewegter Flechten
gesehen, das gab auch Leonardo m sei
nen Haarswdien, die all den berücken-
den Duft, die fließende Leichtigkeit
und die sinnliche Anmuth des Haares
athmen. In den kräuselnden Wellen
des Flusses fand e? dieselbe liebliche
Form, wie in den weich über die Oh
ren herabströmenden Haarbandeaux,
deren leicht gelöste Locken einen war-
men Schatten auf die volle Wange
werfen.
Nun beginnt die Zeit der raffinir-
ten und koketten Haardrapirungen, die
fchon in der Mailänder Schule auf-
fallen. Die Frauen der Hochrenais
sance, die Madonnen Raffaels und die
Porträts Bronzino, scheiteln freilich
das Haar noch scylicht .m der Mute,
lassen es über die Ohren fließen und
umrahmen es mit einem Schleier oder
leichten Kopftuch. Doch die falschen
Haare, die man bis dahin nur aus
nahmsweise gebraucht, werden immer
beliebter, im 17. Jahrhundert beginnt
dann die Brennscheere ihr kräuselndes
Werk, und die abenteuerlichsten For
men kommen auf. Ein Modestich des
Wenzel Hollar vom Jahre 1645 zeigt
folgende damals beliebte Haartracht:
die Stirnhaare sind durch zwei Schei
tel an den Seiten abgetheilt und in
einem Knoten mit starker Unterlage
auf dem Hinterkopf zurückgenommen.
Die Haare zu beiden Selten der drei
ten Scheitel sind als Schläfenlöckchen
in das Gesicht gekämmt und fallen
über die Backen bis tief in den Hals
herunter. Die Haare werden nun bald
in der Mitte, bald fafcf gescheitelt
wie bei den spanischen Prinzessinnen
d? Velasquez, scho:: früh beginnen
sich die Dar:en mit craucm Cyperpul
ver zu pudern, und di: Mode d:r Pe-
rucke, die in der mcnr.liwcn Haar
tracht allgemein Mode ist, beginnt
auch bei de.l Frauen Nachahmung zu
finden. So nah: die Zeit der u-on-
tange, in der die schwerfällige Würde
und die barocke Ueberladcnheit der
Zeit Ludwigs XIV. zum Ausdruck
kommt.' ES ist ein hoher, thurmarti
ger Aufbau, ein: aufrecht stehende
Spitzenhaube, die auf einer großen
Haartour getraue wird. Puder und
Unterlagen von falschen Haaren sind
auch im Rokolo noch beliebt, doch wer-
den nun die Formen der Haartrach
wieder einfacher, zeigen schlicht aufge-
steckte Flechten, die den schönen Nacken
freilassen. Em m Deutschland die
beliebter, sehr geschmackloser Kopfputz
der sich auf Bildern Wenzel Hollars
findet, ist eine kleine, ganz flache
Kappe, in reren Mute sich ein Stab
chen mit einem nickenden Ponpon be
findet. Sie wurde bald at.f demWir-b'-,
bald auf der Stirn getragen und
muß einen ziemlich grotesken Eindruck
gemacht haben. Allmählich bricht sich
aber die schlichte Schönheit der Haar
tracht immer mehr Bahn, bis sie in
den aufgelösten Haaren der Revolu-
rtonsdamen eine Hoye an Naturllchke:
erreicht.
-
Aus der Schule. Lehrer
(tnz der Geographiestunde über Jta
lim und sein BoM: -ßatjcn die Ttla
liener auch immer mit guten Absichten
t I AM ur W
gehandelt? Schmer: cein, Mi
Gvpsfiauren!"
Sonntaasreiter. Sonn
tagsreiter (zum Pferdeverleiher): Ich
rann muy doch verladen, dag an dem
Pferde alles in Ordnuna ist?" Pferde-
Verleiher: Gewiß, Herr Meier, sogar
die Mähne ist fest."
Anspielung. Sommer
frischler: Das Wasserleitungswasser
ist dock nickt mebr so aut. wie daö
frühere Brunnenwasser?" Wirth:
Das können Sie doch nicht sagen, da
sie ja kem Wasser trinken." Sommer
frischler: Aber Wein.-
Vom Inlaude.
Hundertevonodten Sper
ingen bedeckten dieser Tage die Stu-
fen des Courthauses in La Crosse.
Wis und den Platz nach einem hestl
gen Sturm, der sie von den Bäumen
geblasen und gegen das Gebäude ge-
chleudert hatte. Mehrere Bushelkorbe
voll Vögel wurden aufgelesen.
Ernearoßmuthlge Mutter
ist die von Raymond Kais zu Belle-
ville in Süd - Illinois, de? kürzlich
einer Mutter in angetrunkenem Zu
lande beinahe die Kehle zuschnürte.
Naymor.d wurde dem Richter Evans
in Belleville voigeführt und bekannte
ich schuldig. Der Richter büßte ihn
um $200 und Kosten für sein Berge
bcn. Die Mutter. Frau Louise Kais.
war zugegen, als die Strafe auferlegt
wurde, und zahlte den Betrag, da sie
nicht wollte, daß ihr Sohn die Buße
rm Gefangmß absitze.
-Betend und kniefällig vor
dem kleinen Altar, den sie in ihrem
tillen Kämmerlern selbst hergerichtet.
ist in New York die 20jährige. hübsche
Anna Lübeck vom Sensenmann abbe-
rufen worden. Bor einem Mutter-
gottesbilde sank sie weder, um zu be
ten, als ihr großer Strchhut an der
Wachskerze Feuer fing. Anna, deren
Kopf gebeugt, deren Augen geschlossen
waren, ahnte ihre eigene Gefahr nicht,
bis ihr Haar von den Flammen er-
griffen wurde. Ein gewisser James
mm m m 1 k . l sV 1 . 1 -
tzajUvy aus X5ong JLlano imio eine
ihr zu Hilfe, warf eine Decke über das
Madchen, dessen Kleidung gleichfalls
"euer aefanqen. und erstickte schließlich
die Flammen. Man brachte Anna so
dann in's St. John's Hospital, wo sie
nach dreistündigen entsetzlichen uaien
durch den Tod erlöst wurde.
Erne aroße Enttäuschung
erfuhren Melchior Rein und feine Fa
mitte, welche dieser Tage aus Deutsch-
land auf Ellls Island ankamen.
Rein wollte in Birginien fein Glück
versuchen, während mit ihm auf Elli5
Island angekommene andere Fa-
mitten sich zu Verwandten nach Ne-
braska begeben wollten, aber wegen
Manael a'n Reisegeld auf der Insel .
detinirt wurden. Die Familie Rein
reiste gleich am Tage ihrer Ankunft
nach Birginien ab, aber rn wenigen
Tagen kam sie betrübt nach Ellis Js-
land zurück. Rein sagte, daß er. als
er lauter Schwarze vor sich fah, sofort
beschlossen habe, umzukehren. Seine
Reisegefährten hat er noch auf Ellis
Island vorgesunden, da .das nöthige
Geld für v.c noch nicht angelangt war.
Jetzt wollte er sich mit ihnen nach
Rebraska begeben, aber mit dem
Reisegeld haperte es nun. da er den
roßten Theil semer Baarschast sur
ie Reise nach dem Süden verausgabt
hatte..
Eine vor 43 Jahren erfolgte
Entfremdung zwischen Vater' und
Tochter, weil Letztere mit ihrem Ver
liebten durchbrannte, endete dieser
Tage in New Jork mit einer Versöh
nung am Todtenbette zwischen Frau
Mary Hughes und LouiS Goldenber
aer. Die Frau kehrte zu ihrem Vater
zurück, weil derselbe sterbenskrank
war und fand nach seinem Tode, daß
der Vater fein aroßes Vermögen von
mehr als $150,000 der Jsabella-Hei-math
vermacht hatte. Frau Hughes,
die jetzt 63 Jahre alt ist. entzweite sich
mit ihrem Vater vor fast einem hal
ben Jahrhundert, nachdem sie mit ei
nem Polizisten durchgebrannt war.
Freunde hatten von Zeit zu Zeit im
mer und immer wieder versucht, den
Vater mit der Tochter auszusöhnen,
doch hatte der Alte dies Ansinnen stets
schroff zurückgewiesen und erst nachg'
g:ben, als er sein Ende nahe fühlte.
Frau Hughes war mehrere Stunden
mit ihrem Vater zusammen und sagte,
als sie aus dem Krankenzimmer kam,
daß sie sich mit dem Vater völlig aus
gesöhnt habe. Als man ihr von dem
Vermächtniß und ihrer Enterbung be
richtete, schien sie die Mittheilung mit
Gleichmuth aufzunehmen.
Ein für die Ozeandampfer-Ge-sellschaftcn
hochwichtiger Fall, die
Frage der Behandlung von Zwischen-decks-Passagieren
betreffend, wird die
New Yorker Gerichte beschäftigen. Es
handelt sich um die Frage, ob die
Dampfer - Gesellschaften gesetzlich ver
pflichtet sind, den Zwischendecks-Pas-sagieren
Sitzgelegenheit beim Essen zu
geben. Vundesmarschall Henkel 'ist
der Ansicht, daß es eine gesetzliche Be
stimmung giebt, die es den Dampser
Gesellschaften zur Pflicht macht, jedem
Zwischendecks - Passagier Tische und
Stühle für das Einnehmen der Mahl
geilen zu geben, uno um einen Präce
denzfall zu schaffen, hat der Marschall
'den Capitän des kürzlich aus Mittel
meerhäfen in New York eingetroffenen
Dampfers Georgia". Namoldo de
Parovich, verhaften lassen. In dem
Haftbefehl heißt es, daß der Capitän
Zwischendeckspassagiere nachNew Fort
gebracht habe, ohne sie mit Tischen
und Sitzen für das Einnehmen der
Mahlzeiten versorgt zu haben.. was ge
gen den Frieden und die Würde der
Ver. Staaten verstößt". Der verhaf
tete Capitän verzichtete auf ein Ver
hör und leistete $500 Vaarbürgschaft
für sein Erscheinen bei dem nächsten
Äerhör und um das Eingreifen der
Bundes Grandjury abzuwarten.
Sollten die angeblichen betreffenden
gesetzlichenVestimmungen scharf durch
geführt werden. so.vürde dies für ver
schiedene Dampfergesellschaften gera
dezu eine Revolution bezüglich der
Einrichtungen für die Zwischendecks
Passagiere bedeuten.

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