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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, January 16, 1906, Image 6

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ndlich hatte der Rentier Plümer
die ideale Sommerfrische ge
funden, nach der er monatelang
vergebens gepicht hatte. Nach
den üblen Erfahrungen der beiden letz
ten Jahre war er zu dem felsenfesten
Entschluß gekommen, die sommerlich?
Erholung für sich und die Seinen nie
wieder in einem jener Bäder oder söge-
nannten Luftkurorte zu suchen, wo es
ür ihn nichts anderes zu thun gab,
lZ Augen und Ohren offen zu halten.
damit sein Töchterchen vor den Zu-
dringlickkeiten der unausstehlichen Las-
en bewahrt bleibe, die es entweder auf
hr hübsches Gesicht oder auf ihre zu
erhoffende Mitgift oder auf beides ab-
geseben hatten. Ländliche Ruhe und
Einsamkeit wollte er weiter nichts.
das Behagen ungestörter Ruhe und die
wohlige Gewißheit. keineUeberraschung
durch ein bekanntes Gesicht fürchten
zu müssen. Es war nicht leicht gewe
sen. einen solchen Ort zu finden, aber
mit Hilfe des freundlichen Zufalls war
es dennoch gelungen.
Ein unscheinbares Zeitungsinserat
hatt: ihn auf die richtige Spur geführt:
Griepenhagen idyllische Sommer
rische für wirklich ruhebedürftige
Gäste. Wald und See. Ländliche
Verhältnisse. Einfache kräftige Ver
pflezunZ. Angemessene Preise."
So hatte die verlockende Anzeige ge
autet, und auf seine nach Griepenha-
gen gerichtete Anfrage hatte Herr Plü-
mer in einem Briefe, der ihm schon
durch sein schlechtes Papier und seine
mangelhafte Orthographie das größte
Vertrauen einflößte, die erfreuliche Be-
tatrgung erhalten, daß vorlaufig noch
leine weiteren Sommergäste angemel
det seien, und daß eine Ueberfülluna
des einstweilen noch im Aufblühen-be-
griffenen Badeorte- wohl nicht zu be-
urchten stehe. Herr Plümer war also
sogleich entschlossen gewesen, und die
unmuthige Erklärung seiner Gattin,
daß sie trotz aller Erkundigungen noch
keinen Menschen habe ausfindig ma
chen können, der jemals etwas von
Griepenhagen gehört habe, hatte ihn
nur noch mehr in seinem Vorhaben be-
tärkt.
2)as ist es ja gerade, was wir
brauchen. Ein Ort. den noch nie-
mand kennt, ist das wahre Ideal einer
Sommerfrische. Wir werden unter
den unverdorbenen Eingeborenen wie
im Paradiese leben und werden nicht
auf Schnitt und Tritt hinter Paula
her sein müssen, wie in Schreiberhau
oder in Misdroy."
Frau' Plümer brummte. Aber es
half nichts. Die hübsche kleine Paula
dagegen sagte gar nichts. Sie war
allem Anschein nach vollkommen zu-
frieden und blickte, wenn die Rede auf
Griepenhagen käm. aus ihren achtzehn
jährigen braunen Augen so unbefangen
fröhlich in die Welt, als wäre sie durch-
aus mit ihrem Vater einverstan
den.
An einem heißen Augusttage machte
man sich nach den üblichen umstand-
lichen Vorbereitungen auf die Reise,
die in dem Briefe des Griepenhagener
Gastwirths, bei dem man auf sechs
Wochen Quartier bestellt hatte, als die
einfachste und bequemste Sache von der
Welt geschildert worden war.
Gar so einfach und bequem war sie
nun freilich nicht. Man mußte zwei
mal umsteigen und die letzten fünf oder
sechs Meilen auf einer Klingelbahn zu-
rucklegen, bei der auf fünf Minuten
Fahrzeit jedesmal zehn Minuten Auf-
enthalt kamen. Auf der letzten Sta
tion wurde man dann von einem recht
zweifelhaft aussehenden Gefährt er-
wartet, das ein lebensuberdrussiger,
klapperdürrer Gaul mühselig ändert-
halb Stunden weit bald durch tiefen
Sand, bald über holperige Feldwege
schleppte. Der schmierige Kutscher er-
wies sich als der Griepenhagener Ho-
telwirth" in höchsteigener Person, und
obwohl die Unterhaltung mit ihm
einige Schwierigkeiten hatte, weil er
erstens dreiviertel taub war und zwei-
tens kein Wort Hochdeutsch verstand.
so brachte Herr Plümer nach und nach
doch wenigstens so viel aus ihm her-
aus. daß weitere Sommergäste noch
Nicht da seien einen Maler ausge
nommen, der bereits vor vierzehn 2a
gen angekommen sei. Aber das wäre
em sehr ruhiger und arbeitsamer
Mensch, den man den ganzen Tag ükr
nicht zu Gesicht bekäme, und dir schon
iuen ganzen Haufen Zeug zusammen-
gepinselt habe.
Na, den wollen wir schon weg
ekeln." meinte Herr Plümer zu seiner
Gattin. Das laßt nur meine Sorge
sein.-
Frau Plümer seufzte, und Fräulein
Paula sagte gar nichts, sondern blickte
aus ihren blanken Augen unbefangen
fröhlich wie zuvor m die zwar etwas
eintönige, aber immerhin 'leidlich grüne
Gegend.
Das Griepenhagener Hotel war kein
Monumentalbau, und mit einer jener
modernen Karawansereien, vor denen
Herr Plümer einen so unüberwind
lichen Abscheu hegte, hatte es wirklich
nicht die mindeste Ähnlichkeit. l Di:
beiden den Sommergasten emgeraum
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von
Lothar ?rcn!:cndorf
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,i nemacyer erwiesen sich als die ein
zigen überhaupt vorhandenen Logier
zimmer, und ihre ländliche Schmück
losigkeit konnte in der That selbst der
weitestgehenden Anspruchslosigkeit ge
nügen. Frau Plümer war außer sich über
die .umutbuna. sechs Wochen lana in
diesen muffigen, unsauberen Löchern
zu Haufen. Ihr Gatte aber murmelte
allerlei von heilsamer Rückkehr zur Na
tur. und Fräulein Paula sagte gar
nichts.
Nachdem man sich nothdürftig ein
gerichtet hatte, kletterte man die hals-
brecherische, leiterartige Stiege wieder
mnad. um im ..Spei! ei aal" das
Abendessen einzunehmen, dem ??rau
Plümer auf Grund gewisser dc-s Haus
erfüllender brenzlicher Gerüche mit
mebr Mißtrauen als freudiaer Erwar-
ung entgegensah.
Der Spei,esaal gab den Logierzim-
mern durchaus nichts nach, aber der
Duft schalen Biers und schlechten Ta-
baks verlieh ihm doch einen gewinen
eiaenartiaen Ekaratter. und timat
hundert Fliegen bildeten eine ebenso
evhaste wie anmutbi Stanaae des
wahrhaft ländlichen Eesammtbildes.
Ueorigens waren sie Nicht das einzig
Lebendiae in dem Raume, denn an
einem der beiden Tische saß ein hüb
scher junger Mann, der sich beim Ein
zuge der Familie Plümer zu artigem
Gruße erhob.
Aha. der Maler!" dacote der Ren-
tier und sah an dem jungen Manne
vorbey wie wenn er mckts als leere
Luft gewesen wäre. Es war ein Glück,
daß man nicht an demselben Tische mit
oem ausorlnglichen Menschen speisen
brauchte, denn für die Familie war an
der anderen Seite des Zimmers ge
deckt, soweit man das Belegen der
Tischplatte mit einem seit mindestens
vier Wochen in Gebrauch befindlichen
rothgewürfelten Tischtuche so bezeich-
nen konnte.
Die brenzlichen Gerüche waren in-
zwischen noch stärker geworden, und
alsbald erschien die Frau des Wirths
mit einer Schussel gebratener Fische,
die sie nebst einem Laib schwärzlichen
Brotes und einem Stück Käse, dessen
würziger Duft sich lieblich mit dem der
Fische mischte, vor den neu angekom-
menen Gästen niedersetzte.
Herr Plumer, der nach der Rene
einen Bärenhunger verspürte, beeilte
sich, seinen Teller zu füllen. Aber schon
nach dem ersten Bissen verzog er aus
eine sehr wunderliche Weise das Ge-
sicht. Pfui Deibel! Das kann doch
kein Mensch genießen. Die Fische
schmecken ja, als ob sie ihr ganzes Le
ben in einem Petroleumfaß zugebracht
hätten."
Außerdem sind sie in ranzigem Fett
gebraten," fügte Frau Plümer hinzu.
Die Kost in dem von Dir entdeckten
Badeort scheint wirklich sehr kräftig zu
sein, lieber Wilhelm!"
Dem Rentier stieg das Blut in's
Gesicht. O, das wollen wir gleich
krieqen." rief er und donnerte mit der
Faust auf den Tisch, daß es sogar der
Wirth trotz seiner Taubheit hörte.
Na, was denn?" fragte er treuher-
. r tä
Zig. Woll'n (sie noch mehr tfischr
Schaffen Sie uns das Zeug aus
den Augen!" schrie ihn Herr Plümer
an. rinaen i-ie uns cymlen uns
Eier!"
Schinken? Nee, Schinken gibt's
nich. Und unsre Eier hat der Maler
gekauft."
Aber der Herr ißt ja auch Schin
ken." Ja, er hat sich eben einen mitge-
bracht, 'nen ganz großen."
Und Sie können uns wirklich nichts
vorsetzen außer diesen entsetzlichen Pe
trolcumfischen?" Nee."
Das scheint ja ein netter Schwindel
zu sein mit Ihrer einfachen und kräf
tigen Verpflegung."
In diesem Augenblick erhob sich der
Herr am anderen Tische und verließ
das Zimmer. Herr Plümer war noch
mitten in seiner Auseinandersetzung
mit dem unerschütterlich gleichmüthi
gen Wirth, als er wieder eintrat, einen
mit dicken appetitlichen Schinkenschnit
ten belegten Teller in der Hand. In
ebenso freimüthiger wie artiger Hal
tung näherte er sich der Familie Plü
mer und sagte mit höflicher Verbeu
qung: Die Herrschaften wollen meine
Dreistigkeit entschuldigen. Aber da es
mir sehr begreiflich erscheint, daß die
Damen diese Fische nicht essen können,
und da ich die Griepenhagener Koch
kunst auL eigener Erfahrung kenne,
darf ich vielleicht bitten, sich einstweilen
mit einer Portion von meinem Schin
ken zu behelfen. Hier auf dem Lande
nimmt man's mit den Förmlichkeiten
nicht so genau."
Herrn Plümers erste Eingebung
war natürlich gewesen, die Zudring
lichkeit dieses jungen Menschen mit un
zweideutigster Entschiedenheit zurück
zuweisen. Aber der Schinken sah gar
so verlockend aus, und so meinte er
denn etwas unsicher: Aber das kö'n
nen wir doch unmöglich annehmen,
mein Herr. Es wäre denn, daß Sie
rnZr gestatten wollen, Jh.en den Schin
ken zu bezahlen."
Warum nicht? Wir werden uns
darüber schon verständigen. Vorläu
fiz thun Sie mir einen großen Gefal
len, wenn Sie mir bei seiner Vertil
gung ein wenig behilflich sind. Ich
allein könnte selbst bei meinem gescg
neten Appetit mit dem mächtigen
Schinken unmöglich fertig werden.
Außerdem verfüge ich noch über zwei
Mandeln frischer Eier, von denen ich
Ihnen mit dem größten Vergnügen die
Hälfte 'zum Selbstkostenpreis abtrete.
Sie baben wohl die Güte, sich mit der
Wirthin wegen der Zubereitung zu
verständigen."
Es war etwas in der frischen Art
des jungen Mannes, das Herrn' Plü
mer nicht übel gefiel, und überdies
fühlte er sich bei aller Festigkeit seiner
Grundsätze doch nicht genug als alter
Spartaner, um der stummen Bered
samkeit der purpurnen Schinkenschei
ben zu widerstehen.
Wenn Sie denn schon so freundlich
sein wollen, mein Herr, nehmen wir
dankbar an. Aber dann werden Sie
uns natürlich auch das Vergnügen
machen, mit uns zu speisen."
Ich bin Ihnen für Ihre gütige
Einladung sehr verbunden, allein ich
habe meine Mahlzeit bereits beendet
und möchte die Abendstimmung am
Strande gern noch, zu einer kleinen
Skizze benutzen. Uebrigens bitte ich
um Entschuldigung, daß ich mich
Ihnen noch gar nicht vorgestellt habe.
Ewald Heinsius Maler." -
Plümer nebst Frau und Tochter.
Aber Ihr Name kommt mir so be
kannt vor. Herr Heinsius. Sind Sie
vielleicht derselbe, der die Frau meines
Freundes Krauthammer gemalt hat?"
Allerdings ich hatte die Ehre!"
Ein gutes Bild alles was recht
ist. Das Ula Seidenkleid ist geradezu
täuschend ähnlich. Die Krautham
mers haben ja auch förmlich von
Ihnen geschwärmt. Aber wenn Sie
noch arbeiten wollen, dürfen wir Sie
wohl nicht aufhalten. Wegen des
Schinkens werden wir also morgen
miteinander abrechnen, Herr Heinsius."
Der Maler verbeugte sich gegen den
Rentier und seine Damen, wobei
Fräulein Paula beharrlich auf einen
Fettfleck in dem rothgewürfelten Tisch
tuch blickte, und schritt elastisch hinaus.
Ein netter junger Mann," sagte
Frau Plümer.
Wir wollen doch lieber erst abwar
ten, wie er sich weiter entwickelt. Daß
er sich .so bescheiden zurückgezogen hat,
gefällt mir ja auch ganz gut. Aber
wer weiß, ob das nicht am Ende blos
eine Finte gewesen ist. Trau der Hen
ker diesen Künstlern!" '
Dabei warf er einen mißtrauischen
Blick auf fein Töchterchen, um zu er
gründen, ob der hübsche junge Maler
nicht am Ende gar schon einen Ein
druck auf sie gemacht habe. Aber man
konnte nicht harmloser aussehen als
Fräulein Paula.
Auch das weitere Benehmen ' des
Künstlers gab Plümer keinen Anlaß
zur Beschwerde. Ewald Heinsius
wohnte nicht im Hause, sondern in
einer Fischerhütte am anderen Ende
des Dorfes, und er pflegte nur seine
Abendmahlzeiten 'in dem fliegenbeleb
ten Speisesaal einzunehmen. Da hatte
man eine gar zu intime Berührung
also kaum zu fürchten, und Herr Plü
mer kam zu dem Schluß, daß es am
Ende gar nicht nöthig sein würde, ihn
aus Griepenhagen wegzuekeln," zu
mal man ihm doch für feine Freund
lichkeit - immerhin ein wenig zu Dank
verpflichtet war. Denn er hatte den
Herrfchaften auch die Benutzung seiner
bei dem Wirth aufgestapelten Gemüse
konserven anbieten lassen für den Fall,
daß ihnen der Speisezettel etwas zu
eintönig sein sollte.
Der junge Mensch hat sich ja groß
artig vorgesehen." meinte Plümer,
während er mit Behagen den Inhalt
einer Spargeldose verzehrte. Wir
werden uns natürlich auch gleich eine
Kiste von solchem Zeug kommen lassen
und ihm dann alles zurückgeben. Aber
ich bin sicher, daß wir inzwischen vor
Hunger gestorben wären, wenn dieser
Maler nicht den- guten Einfall gehabt
hatte, sich wie zu einer Nordpolfahrt
auszurüsten."
Jedenfalls hat' er das Zeug, einmal
ein guter Haushalter und fürsorglicher
Familienvater zu werden," sagte die
Gattin. Er wird Frau und Kinder
wahrscheinlich niemals auf's Gerathe
wohl an einen Ort schleppen, wo sie sich
nicht einmal satt essen können."
Auf diese anzügliche Bemerkung
hatte Herr Plümer weiter keine. Erwi
derung. Aber am nächsten Vormittag
ereignete sich etwas, das Herrn Ewald
Heinsius trotz seiner bescheidenen Zu
rückHaltung um ein Haar alle kaum ge
wonnenen Sympathien des Ehepaares
gekostet hätte.
An diesem Tage gedachten nämlich
die beiden Damen ihr erstes Seebad
zu nehmen, und auf die Frage nach
der Lage des Badestrandes hatte der
Wirth zwar anfanglich erklärt, - hier
gehe jeder in's Wasser, wo es ihm ge
falle, aber er hatte sich schließlich doch
daran erinnert, daß hinter der großen
Düne ein Badehäuschen stehe, von dem
freilich schon lange niemand mehr Ge
brauch gemacht habe. Nach einigem
Suchen hatte man die kleine morsche
Kabine denn auch Glücklich gefunden.
und während Herr Plümer oben auf
dem Gipfel der Dune Posten .stand,
um jede unerwünschte Störung fern
zu halten, waren die beiden Damen
drinnen in ihre Badeanzüge geschlupft.
s
uni stch dann sorglos und heiter den
heilkräftigen Fluthen des Meeres an-
zuvertranen.
Plötzlich gewahrte Frau Plümer.
daß ihr Gatte wie verzweifelt mit sei
nem Regenschirm Zu telegraphiren be
gann. Ihr erster Gedanke war die
entsetzliche Befürchtung, daß Plümer
von seinem erhöhten Standpunkt aus
die Annäherung eines Haifisches be
merkt haben könnte, und angstvoll ließ
sie ihre Blicke über die Wasserfläche
schweifen. Was sie da erspähte, war
nun zwar nicht die schreckliche Rücken
flösse eines Hais, aber es erfüllte ihr
mütterliches Herz darum doch mit
kaum geringerer Bestürzung. Tenw
es war ohne allen Zweifelnder Kopf
eines dem Lande zuschwimmenden
Mannes, und das dunkle Schnurrbärt
chen machte es ihr alöbald zur Gewiß
heit. daß es nur der Kopf des jungen
Malers sein konnte.
Tauch unter. Paula!" rief -sie ihrer
ahnungslosen Tochter zu, ohne zu be
denken, daß sie das arme Kind damit
zu sicherem Erstickungstode rerurtheilt
hätte, wenn Paula wirklich gehorsam
genug gewesen wäre, bis nach erfolgte:
Landung des Schtoimmers unter Was
ser zn bleiben. ?o weit aber ging ihre
Unterordnung . unter die mütterliche
Antorität denn doch glücklicherweise
nicht. In der Meinung, daß die Mut
ter sich nur einen kleinen Spaß ge
macht habe, plätscherte sie vielmehr
lustig weiter, und die drohende Gefahr
ging denn auch ohne die Anwendung
so heroischer Mittel vorüber.
Der Schwimmer machte namnch
plötzlich eine Wendung gegen die vor
geschobene Landzunge zur Rechten hin
und war nach wenigen Minuten hin
ter derselben verschwunden.
Auf Grund dieses aufregenden Vor-
falls hatten Herr und Frau Plümer
später unter vier Augen eine sehr ernste
und sorgenvolle Unterhaltung. Die
würdige Dame war zwar geneigt, an
einen unbeabsichtigten Zufall zu glau-
ben, aber schließlich mußte sie doch
ihrem Gatten zustimmen, als er er
klärte: Wenn sich das noch einmal
wiederholt, werde ich den unverschäm
ten Menschen sehr energisch zur Rede
stellen oder mich bei der Polizei be-
schweren."
An diesem Abend wurde Ewald
Heinsius troh all seiner Wobltbaten an
Schinken, Eiern, Spargeln und gru
nen Erbsen vom anderen Tische hc?
sehr kühl behandelt, und wer weiß, ob
es jemals wieder zu einer Anbahnung
freundlicherer Beziehungen gekommen
wäre, wenn er nicht mit dem ihm eige
nen liebenswürdigen Freimuth furcht
los den Stier bei den Hörnern gepackt
hätte.
Als die beiden Damen das Zimmer
verlassen wollten, trat er nämlich auf
Herrn Plümer zu. um seine Entschul-
digung vorzubringen. Er habe na
türlich keine Ahnung gehabt, daß die
Damen gerade diese Stelle des Stran
des für ihr Bad wählen würden. Er
erlaube sich aber, um einer Wieder
holung solcher Zufälle vorzubeugen
und in Anbetracht der besonderen,- noch
etwas urwüchsigen Verhältnisse von
Griepenhagen den ergebenen Vorschlag,
daß man sich für die Folge über die
beiderseitige Badezeit verständige, so
daß für die Herrschaften keinerlei An
laß zur Beunruhigung mehr gegeben
sei. ,
Das klang so verständig und ma
nierlich, daß Herr Plümer sich entwaff
net fühlte und daß er es sogar über
sich gewann, mit einem ganz freund
schaftlichen Händedruck von dem jun
gen Maler zu scheiden.
Am nächsten Morgen war denn auch
weder am Strande noch im Wasser
etwas von einem indiskreten männ
lichen Wesen zu erblicken, und Herr
Ewald Heinsius blieb für die ganze
Dauer des Tages unsichtbar.
Darüber, daß Griepenhagen im
großen 'und ganzen eine schmerzliche
Enttäuschuna bedeute, machte sich Herr
Plümer freilich schon am vierten Tage
r ' -i cw r i : n . i k . ! . cvrs..n.
seines ÄUscniyalies nie uuiuucii
mehr, wie eifrig er auch noch immer
bemüht war. der unzufriedenen Gattin
gegenüber die landschaftlichen Vorzüge
des Ortes, seine nervenstärkende Stille
und seinen unverfälscht landlichen
Charakter, herauszustreichen. Er selbst
nämlich war dieser Stille und Länd
lichkeit bereits von ganzem Herzen
überdrüssig, denn er empfand die aller
schrecklichste Langeweile. Vom Spa-
zierengehen war er niemals ein großer
Freund gewesen, und sein Bedürfniß
nach anregender Lektüre war mit dem
Studium der Lokalnachrichten seines
Leibblattes vollkommen befriedigt.
Sein sehnlicher Wunsch, endlich einmal
sechs Wochen lang vor seder Ueber
raschung durch bekannte Gesichter ge-
sichert zu sein, hatte hier m Gnepen
haaen allerdings volle Erfüllung ge-
funden, allein er würde sehr zufrieden
gewesen sem, wenn plötzlich eines die
ser bekannten Gesichter vor ihm auf-
aetaucht Ware.
Die Versuche, seine Zeit durch ein
Geplauder mit dem Wirth oder mit
anderen Dorfbewohnern todtzuschla
gen, hatte er wegen der unüberwind
lichen Schwierigkeiten der. Verständi
qung sehr bald aufgeben müssen, und
es bereitete ihm unter diesen Umstän-
den geradezu eine freudige Ueber
raschung, als er. am fünften Vormittag
bei einem Spaziergang -in den Dünen
auf Ewald Heinsius stieß, der unter
einem großen Schirm vor seiner Staf
seiet saß und mit Eifer an einer Land
schaft malte.
(Cchlub folgt.)
(Europäische Nachrichten.
Provinz Schresien.
V r e s l a u. Der hiesige Turnleh
rerverein feierte das 25jährige Amts-
jubiläum des Dirigenten des städti-
schen Turnwesens, Oberturnlehrers
Krampe, zugleich mit dem 25. Stif
tungsfeste des Vereins durch einen
Commers im Saale bei Schlöffe! an
der Promenade.
Altwasser. 3Vr Sohn STnft
der Frau FuhrwerZsbesitzerin Huhn
dorf wurde von einem Pferde mit dem
geschärften Hufeisen des einen Hinter
fuße ins Gesicht geschlagen, daß -er
unter dem linken Auge und am Kinn
eine mehrere Centimeter lange, klaf-
fende Wunde davontrug. Eine weitere
schwere Wunde erhielt er am rechten
Arm. Aerztlrche Hilfe mußte alsbald
herzugezogen werden.
B laden. Einen schweren Unfall
erlitt der Gärtner Olschinke. Er fiel
von einer Leiter, schlug mit dem Hm
terkopf auf die harte Tenne, wo er
bewußtlos liegen blieb. Der sofort her
beigerufene Arzt stellte schwere Schä
delverletzung fest. Obwohl das Be
wußtsein noch einmal für kurze Zeit
zurückkehrte, starb der Bedauernswer
the bald darauf infolge der erlittenen
schweren Verletzung.
Freiwaldau. Letztens fiel das
in der Stube spielende Zjährige
Söhnchen des Thonschachtarbeiters
Lange rücklings in einen großen, mit
kochendem Wasser gefüllten Topf, den
die Mutter für wenige Augenblicke auf
den Fußboden gestellt hatte. Das am
Unlerleib und den Oberschenkeln stark
verbrühte Kind starb nach kurzer Zeit
unter unsäglichen Schmerzen.
Hirschberg. Wiederum hat der
Tod eine von den wenigen Tirolerin
nen, die im Jahre 1833 in Zillerthal
als Kind mit ihren Eltern ewwander
ten, abgerufen. Im Alter von 78 Jah
ren verstarb die Wittwe des im Früh
jähr d. Js. verstorbenen sogenannten
Tirolerschmiedes Hechenleitner. Als
zehnjähriges Mädchen hatte sie ihre
Heimath in Tirol verlassen. Die Ver
storbene fand auf dem Tirolerfriedhof
in Erdmannsdorf ihre ' letzte Ruhe
stätte. Ober - G l o g au. Dieser Tage
beging unser Ehrenbürger, der Beige
ordnete Heinrich Müller, der seit 43
Jahren in den verschiedensten Ehren
ämtern der Stadt die werthvollsten
Dienste gewidmet hat, das 50jährige
Bürger - Jubiläum.
S ch ö n w a l d e. Der Gutsherr des
hiesigen Dominiums fand, als er sei
nen Kutscher Josef Christ wecken woll
te, diesen im Bette todt und dessen
Frau noch röchelnd vor. Ehe noch wei
tere'Hilfe herbeikam, starb auch die
Frau. Die Ursache des Todes des Ehe
Paares ist nicht bekannt.
T h i e m e n b o r f. Ein schreckliches
Brandunglück mit Verlust eines Men
schenlebens ereignete sich kürzlich hier.
Die geistesschwache Frau des Gutsbe
sitzers Börner hatte, während ihr
Mann im Hofe beschäftigt war, einen
Korb mit Heu in den Keller getragen,
das Heu mit Petroleum Übergossen
und angezündet. Bald stand die Frau
mit ihren Kleidern in hellen Flam
inen, und als der Mann, durch den
Rauch aufmerksam gemacht, herbei
eilte, fand er seine Frau schon halb
verkohlt vor.
Frovinz Fosen.
Posen. Einer unserer bekanntesten
Mitbürger, der Postsekretär Huch, ist
plötzlich an einem Gehirnschlage ver
schieden. Der Verstorbene hatte ein Al
ter von 60M: Jahren erreicht. Huch
war ein Schüler des Musikdirektors
Stukenschmiedt in Neiße, bei dem er
eine gediegene theoretische Ausbildung
genoß, während er seine praktische
Ausbildung als Militärmusiker er
hielt. Als solcher hatte er die Prüfung
zum Kapellmeister bestanden, aber kei
nen Gebrauch davon gemacht. In Nei
ße hatte er mehrere Jahre hindurch
Operettenaufführungen geleitet. Hier
hat er jahrelang den Landwehrgefang
verein, die Volkliedertafel und den
Liederkranz als Direktor geleitet und
zur Verbreitung des deutschen Man
nergesangswesens sehr viel beigetra-
gCH.
B r 0 m b e r g. Kürzlich tödäete sich
der StaatsanwaltschaftssekretärBurg
Wedel in seiner Wohnung durch einen
Schuß in die rechte Schläfe. Der
Grund zu der That ist unbekannt.
C h w a l i m. Vor Kurzem konnten
die AuZgedinger Swadeschen Eheleute
das Fest der goldenen Hochzeit feiern.
Beide Eheleute haben ein Alter von
nahezu 80 Jahren erreicht.
Gnesen. Die Arbeiterfrau Rych
Walski von hier hatte große Sehnsucht,
mit ihren Kindern nach Amerika zu
wandern, wo bereits ihre Verwandten
sind. Die Frau verkaufte alles, was sie
hatte, und fuhr nach Hamburg. Dort
stellte der Arzt bei ihr ein ansteckendes
Augenleiden fest. Die Frau mußte da
her mit ihren Kindern nach hier zu
rückkebren. wo sie von Qab und Gut
entblößt dasteht.
K 0 s ch m i n. Der Spitalpächter
Giba, welcher sich in schlechten Verm'ö
aensverhältnissen befand, hatte infol-
l gedessen gehofft, in der Pacht ermäßigt
J . c rr . p cm r r .
zu weroen. iua seinem uunscye nicyl
entsprochen werden konnte,' legte er
verschiedene Rechnungen und Briefe
vor die Thür des 'Propstes, stürzte sich
in deffen Brunnen und ertrank.
XfntnUn : I lll 13 Uhr a. ; III lt.

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