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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, May 19, 1906, Image 5

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V"!""
Jndiana Tribüne, ZS. Mai 1906,
5
3TCäsEcnöaiT im l)ntttcrs
Rastlw.
FNilitZr-TiumorkKk, vsn E. Thun.
TaS Xte Jnfanterie-Negiment hatte
das Schicksal, mit seinen drei Batail
lonen in drei verschiedenen und ziemlich
weir ren einander entfernten kleinen
Städtchm Z2 garnisoniren. Der larne
radschaftliche Verkehr der Offiziere des
Regiments erlitt durch diese Dreithci
lung so manche Äeschränkung, was um
so empfindlicher gefühlt wurde, als die
gesellschaftlichen Verhältnisse der Gar
nisonöorte keinerlei Ersatz dafür boten.
Der Krämergeist, welcher in den nur
auf Erwerb sinnenden Familien der
drei Städtchen herrschte, behagte den
lebenslustigen Offizieren nicht, und
vice versa, den Krämern behagten die
Offiziere nicht. Es fand daher der Vor
schlag des Herrn Obersten: die Zusam
mengehörigkeit deö OffizierkorpS durch
gemeinschaftliche Feste zu fördern, bei
allen Offizieren, namentlich den jun
gen Herren, lauten Beifall. Das ge
wählte Vergnügungskomite beschloß,
für den Winter an jedem der drei Orte
einen Ball ;u arranairen und zum
Schluzz der
Maskenball
Saison noch erlra einen
am Orte des Regiments-
kommandos.
Elne Hauptbedingung in
letzteren war: durchaus
Vezug auf
strenges Geheimniß über die zu wäh-
lende Maöke.
Der Jkegimentekommandeur, Oberst
v. Greif-Greifenstein, ein jovialer,
aber im Dienst ein über alle Begriffe
strenger Herr, erklärte sich mit den ge
troffenen Arrangements einverstanden,
nur sagte er:
Daß mir die jungen Herren nicht
dadurch den Dienst aus dem Kopfe ver
lieren! Wer mir am Tage nachdem
Balle schlavp ist, der -
Er schnitt ein Unheil drohendes Ge
ficht, aber verrieth nicht weiter durch
Worte, was mit dem Unglücklichen ge
schehen würde.
Der erste Ball hatte einen glänzen
den Verlauf.
Die beiden Töchter deS Herrn Ober
sten, schöne, blühende Ge schürfe im
jugendlichen Alter von achtzehn und
zwanzig Jahren, waren die umworben
sten der ohne Ausnahme erschienenen
Offizierödamen. Frau Oberst v. Greis
Greifenstein sah mit Stolz und innerer
Befriedigung auf die Triumphe, welche
ihre Töchter feierten, namentlich schien
eö ihr nicht unangenehm, daß die jim-
gen Lieutenants v. Lettowund v. ßim
del, Beide zukünftige Majoratsherren,
jede Gelegenheit wahrnahmen, sich
ihren Töchtern zu nähern und wieder
holt dieselben zu Tänzen aufzufordern.
Ihrem Mutterherzen that es wohl,
wenn sie an die Möglichkeit dachte, in
diesen beiden Herren ihre zukünftigen
Schwiegersöhne zu erblicken. Was sie
dazu thun konnte, sollte gewiß ge
schehen. Sie nahm daher auch die Bitte
der beiden Lieutenants, den Damen
Erfrischungen überbringen zu dürfen,
mit verbindlichstem Kopfnicken ent
gegen und jubelte.im Inneren auf, als
sie hörte, daß ihre Töchter mit den
Helden ihrer Phantasie den Kotillon
tanzen würden. Die Frau Oberst wußte
es aus ihrer eigenen Vergangenheit,
daß ein Kotillon mit all' den verführe
rischen Touren und dem süßen Geplau
der in den Paufen mehr als jeder
andere Tanz geeignet ist, Hymens
Bande zu schmieden. War solches bei
ihr doch auch der Fall gewesen, als der
kleine Greif, wie man ihren Gemahl
damals nannte, sie zum Kotillon auf
ihrem ersten Ball geführt und in der
dritten Pause gewonnen hatte..
Was die beiden Pärchen mit einander
während des Kotillons geplaudert, er
fuhr Niemand, auch selbst die Frau
Mama nicht, nur die glückselig drein
schauenden Mädchen wußten es, und
der Mond, den sie nach dem Ballfest
viel sehnsüchtiger und Verständniß
inniger als je zuvor anschauten.
Den Herren Lieutenants v. Lettoro
und v. Kimbel ging eS gerade so, ja
sogar noch ärger, denn sie wachten träu
mend und träumten wachend, mit
einem Worte, sie fühlten, daß bei
Ihnen irgend etwas .nicht in Ordnung
war.
Die natürliche Folge dieses träum
haften Zustandes war, daß beide Her-
ren am nächsten Morgen gerade in dem
Augenblick zum Dienst erschienen, als
der Herr Oberst zu dem Kommandeur
deS aus dem Kasernenhof in Front auf
marschirten Bataillons herantrat.
Die beiden Lieutenants meldeten sich
pflichtschuldigst und stammelten lahme
Entschuldigungen wegen der Wer
spätnng. Ra, da sind Sie ja!" sagte der
Herr Oberst mit unnatürlicher Freund
ttchkeit; freut mich, daß die Herren
endlich ausgeschlafen haben; hoffent
lich sind Sie vom gestrigen Balle nicht
zu sehr ermüdet, einen kleinen Uebungs
marsch mitzumachen!"
Ein kurzer Gruß, die Lieutenants
traten in das Bataillon ein. So sar
kastisch hatte der Herr Oberst noch nie
gesprochen; was steckte dahinter?
Was dahinter steckte, sollten sie bald
erfahren.
Als sie todtmüde nach einigen' Stun
den zurückkehrten, überbrachte ihnen der
Regimentsadjutant den Befehl ihrer
Versetzung in das im entferntesten
Städtchen garnisonirende Bataillon.
Diese Versetzung wirkte sehr ernüch.
ternd auf die jungen Herren, wußten
sie doch, daß der Kommandeur deö Ba
taillonö, Major v. SchablinSky. unter
dessen Befehl sie nun kommen sollten,
einer der brutalsten und rücksichts
losesten Vorgesetzten war. Mehr als
ciries aoer wurmte sie cer evanie,
daß sie nun für lange Zeit nicht in die
lieben Augen . blicken sollten, die so
innig und glückverheißend während deS
KotillonS sie angeschaut hatten.
Ohne die jungen Damen noch ein
mal gesehen zu haben, reisten sie noch
am selben Abend nach der neuen G?r
nison ab. Als die RegimentSkommon
deuse von diese? Versetzung und der
Abreise der jungen Offiziere hörte,
gab es im Hause deS Herrn Oberst v.
Greif-Greifenstein zwischen den Ehe
gatten eine arge Szene. ,
Hugo!" rief die Frau Oberst ent
rüstet, sie nannte bei solchen Gelegew
heilen ihren Gatten stets bei dem Vor
namen, bist Tu bei Sinnen, daß Du
mir den Lettow und den Kimbel gerade
jetzt fortschickst, wo sich die Zukunft
unserer Töchter entscheiden könnte?
ES ist empörend und unverzeihlich, dax
Dir der dumme Dienst sogar über das
Wohl und Wehe Deiner Binder geht!
Glaubst Du etwa, ich hätte Thekla und
Wanda dazu erzogen, dermaleinst alö
Erzieherinnen oder Repräsentantinnen
fremder Hauchalte ein kümmerliches
Dasein zu fristen? Dir wäre das ja
gleichgiltig. aber mir nicht. .Und nun
schickst Du die armen Kerle noch zu dem
Schablinöky, von dem Du doch weißt,
wie er seine Offiziere und Leute schin
det! Hugo, ich sag' eö Dir, wenn Tu
den Befehl nicht zurücknimmst, spreche
ich mit Dir kein freundliches Wort
mehr!"
Frau v. Ercif-Greifcnstcin hielt
erschöpft inne, die Erregung hatte ihr
Gesicht stark geröthet. Sie warf sich
schluchzend aus das Kanapee.
Waö ich einmal befohlen habe," er
widerte der Oberst, seine kleine Gestalt
mit einem energischen Ruck ein paar
Zoll verlängernd, kann ich im nächsten
Augenblick nicht rückgängig machen;
die Versetzung ist im Interesse deö
Dienstes geschehen. Ich, als Oberst,
bin für mein Regiment verantwortlich
und habe dafür zu sorgen, daß die ver
fluchte Schlappheit darin nicht Wurzel
faßt. Schlappe Offiziere machen
schlappe Leute, daher fort mit ihnen!
SchablinSky wird den jungen Herren
schon die Schlappheit üuS den Knochen
treiben!"
Das Vergnügen wird er nicht allzu
lange genießen!" bemerkte Frau v.
Greif-Grcifcnftcin höhnisch.
Wie meinst Tu das?"
Run, weil die Herren cS nicht
nöthig haben, sich Brutalitäten gefallen
zu lassen. Sie werden den Tienst, den
Tu ihnen so angenehm machst, einfach
quittiren, und dann haben wir Alle
Tu, ich und die Mädchen, sowie Dein
Zuchtmeistc? Schablineky das Räch
sehen. Denn die Herren Majorats
Herren werden sich bedanken, ihre Ge
mahlinnen aus Kreisen zu wählen, in
denen man sie so unter aller Kntu be
handelt!"
Frau Oberst v. Greif-Greifenstein
erhob j:ch bei diesen Worten vom Ka
napee, warf ihrem Gatten einen ver
nichtcnden Blick zu und verließ schnell
das Zimmer. Sie liebte es, das letzte
Wort zu haben, und flüchtete daher
stets vor der Widerrede des Eheherrn.
Der Oberst sah seiner Frau mit dem
unangenehmen Gefühl nach, daß nicht
er, sondern sie siegreich aus dem Wort
gefecht hervorgegangen. Die Zukunft
seiner Frau und Töchter zeigte wahrlich
kein sehr freundliches Bild, wenn cr
einmal auö dem Dienst oder aus dem
Leben schied. Heiratheten seine Töchter
nicht, so lange sie jung und frisch waren,
und er als aktiver Oberst ihnen den be
vorzugten Platz in der Gesellschaft
sicherte, dann ja was dann? Allerhand
Gedanken kreuzten sich im Gehirn des
gestrengen Herrn; aber daS Bewußt-
sein seiner Unfehlbarkeit ließ sie alle
erklären. Erst der Dienst dann alle
Weitere!
Haben die jungen Leute ernstliche
Absichten auf meine Töchter," so sagte
er sich zum Schluß, dann wird ihnen
ein strammer Dienst dies? Absichten
nimt verladen. Punktum!"
ES verblieb daher bei der Vcrban
nung der beiden Lieutenants.
Major v. Schablinsky, dem schon
wiederholt junge dienstschwänzende
Lieutenants ,n die Kur gegeben waren,
hatte ganz eigene, von ihm selbst mit
besonderem Raffinement erfundene
Methoden, die ihm Uebcrwiesencn von
der angeborenen oder erst später ange-
eigneten Krankheit der Dienitvernach
lässigung zu heilen. Er übertrug ihnen
die nächtlichen Revisionen der Mann
schaftsräumc, die Vorführung der Mal
propren vor dem Beginn des Taaeö-
diensteö, chikanirte sie auf alle mögliche
Weise beim Ererziren, ließ sie du
Aufficht führen über Diejenigen, die
zum ytaajererjircn verurthellt waren,
bestimmte sie zur Prüfung der Menage,
zum Abhalten der Appelle, zu Jnstruk
tionsstunden und dergleichen. In vier
zehn Tagen, mitunter schon flüher.
hatte er die Opfer seiner Methode so
weit, daß sie aussahen, als ob sie eine
energische Entfettungskur durchgemacht
hatten.
Man kann sich demnach den Schrecken
und das Mitleid der jungen Obersten
töchr denken, als auf dem nächsten
Balle die hohlwangigen Maiorals
Herren vor sie hintraten und um einen
Tan; baten.
Mein Gott, wie sehen Sie auö!
riefen Thekla und Wanda wie aus
einem Munde.
Finden Sie, daß sich unser Äus
sehen verändert hat?" fragte Lieutenant
v. Lettow.
Krank, abgehetzt sehen Sie aus.
Sie müssen sich. mehr schonen!" erwi
derte Thekla und blickte dabei flehend
ri i . i n. -.
in oie auileuanenoen Augen Lcttows.
'enVegriis ,imonen' rennr Maior
v. SchablinSky nicht!" rief Lieutenant
v. Kimbel, einen wüthenden Blick nach
der Ecke werfend, von wo aus der eben
Gcsannte die verschiedenen Gruppen
beobachtete.
Schauen Sie nicht so wüthend aus,
Herr v. Kimbel!" rief die achtzehn-
jährige Wanda. Der Ekel ist es ja
gar nicht werth, daß Sie sich hier mit
ihm beschäftigen!"
Sie haben Recht, gnädigstes Fräu
lein, lassen wir den Vampyr! Den
Kotillon haben Sie doch für mich ver
wahrt?" Run gewiß! Darauf habe ich mich
ja schon drei Wochen larnj gefreut!"
Und ick aua)!"
Wirklich?"
Sehen Sie es mir nicht an, wie
glücklich eö mich macht, daß Sie an
mich gedacht haben?"
Das junge Mädchen sah lhrem Ge
genüber tief in die Augen und crröthcte
dabei bis in die Haarwurzeln. Wer
weiß, wohin die gegenseitigen Geständ
nisse noch geführt hätten, aber da stand
auf einmal der Ekel" zwischen Bei
den, verbeugte sich siegesgewiß vor der
wie vor einer Natter zurückprallenden
Wanda und bat mit näselnder Stimme
um die Ehre, seinen Namen in die
Tanzkarte einzeichnen zu dürsen. Der
Major streckte die Hand aus, um die
Tanzkarte zu erhalten, aber Wanda
barg dieselbe schnell hinter dem Rücken.
Dies geschah mit solcher Hast, daß
Lieutenant v. Kimbel ein Lächeln nicht
unterdrücken konnte. Major v. Schab
linsky warf einen giftigen Blick auf
den Lieutenant und wiederholte seine
Bitte.
Ich habe keinen Tanz übrig, Herr
Major!"'
Auch nicht den Kotillon?"
Den erst gar nicht! Um den hat
mich soeben Lieutenant v. Kimbel ge
beten!" Auf diesen Tänzer werden Sie,
gnädiges Fräulein, leider verzichten
müssen," bemerkte der Major, schaden
froh lächelnd. Herr Lieutenant v.
Kimbel hat eö gewiß vergessen, daß er
zu der Zeit, wo der Kotillon zu begin
nen Pflegt, die Mannschaftsräume zu
revidiren hat !"
Auch heute, am Balltage?" Empört
blickte die junge Dame den noch immer
lächelnden Major an.
Auch heute! Der Dienst verlangt
seine Rechte auch an einem solchen
Tage! Darf ich also aus den Kotillon
rechnen?"
Kurz, ohne auch nur ein Wort zu
erwidern, drehte sich Wanda um und
lief eiligen chritteS zu ihrer Mama,
die, in Zukunftörläne versunken, er
schrecken emporfuhr, als ihre Jüngste
aufgeregt vor ihr stand und stammelnd
das eben Vorgefallene berichtete.
Mama, liebste, beste Mama, hilf
uns, sprich mit dem Papa! Er soll be
fehlen, daß der arme Kimbel heute nicht
in die Mannschuftsräume zu gehen
braucht! Wenn der alte Ekel, der
Major, eö für nöthig hält, so kann er
ja selbst revidiren! Entweder tanze ich
mit dem lieben Kimbel den Kotillon,
oder ich laufe davon und weine mich
todt!"
Aber, Wanda!" sagte die Mutter
beschwichtigend, daS erregte Gesicht
der Tochter streichelnd. Vor allen
Dingen beruhige Dich! Ich will ja
gern mit dem Papa sprechen, aber Du
weißt doch, wie streng er selbst über den
Dienst denkt. Ich bezweifle, daß er
Deinen Wunsch erfüllen wird. Viel
leicht ist es dem Lieutenant v. Kimbel
auch ganz gleichgiltig, ob er mit Dir
den Kotillon tanzt oder nicht!"
Mit der letzten Bemerkung wollte
die kluge Frau Oberst nur erforschen,
wie weit die jungen Leute mit einander
gekommen waren; denn soviel wußte
sie aus eigener Erfahrung, daß ein
zungeS Mädchen erst dann für lhren
Helden eine Lanze bricht, wenn es der
Gegenliebe desselben sicher zu sein
glaubt. Stückweise berichtete denn auch
die Tochter den Inhalt der mit Lieute
nant v. Kimbel geführten Unterhal
tung. Frau v. Greif-Greifenstein fühlte
aus dem Mitgetheilten heraus, daß
lhre Pläne alle Aussicht hätten, sich zu
verwirklichen. Sie sah bereits im
Geiste ihre, Töchter als Majoratsher-
rinnen; jetzt war es Zeit, energisch zu
handeln. Sie erhob sich, gab ihrem
Gatten einen bedeutsamen Wink und
trat Mit ihm in ein Nebenzimmer.
Nach kaum zehn Minuten kehrte sie
il ...i.t.! .....v ... lt. r?- r. i "
uiuu.zujucuu ju u;tci regier zuru,
sie hatte nach einem lebhaften Wort
gefecht den schweren Kampf gegen ihren
Gatten gewonnen.
Du kannst Dich beruhigen, liebes
Kind," sagte sie zu ihrer Tochter,
Kimbel wird heute nicht die Mann
schaftsräume revidiren!"
O, Mama, gute Mama, wie soll
ich Dir danken! Darf Lieutenant Kim-
bel auch zu Dir kommen und seinen
'anr av uautnr
Das halte ich für überflüssig, mag
er glauben, Major v. Schablinskr,
nehme seinen Befehl aus eigenem
Antriebe zurück."
Das glaubt Lieutenant Kimbel nie
und nimmermehr!" rief Wanda über
müthig und eilte zu ihrer Schweste,
Thekla, die in einem traulichen tete-a-tetc
neben dem glückstrahlenden Lieute
nant v. Lettow stand.
Major v. Schablinöky hatte ein
scharfes Renkontre mit seinem Oberst,
welches damit endigte, daß der Letztere
ziemlich heftig ausrief: Herr Major,
ich befehle eö !" .
Der Bataillonsadjutant theilte bald
darauf Lieutenant v. Kimbel mit, daß
aus Befehl deö Majors die Revision der
Mannschaft am heutigen. Abend xu
unterbleiben hätte.
Aas Befehl deS Majors?" fragte
Lieutenant v. Kimbel, einen besonderen
Aeeent auf das letzte Wort legend.
Thun Sie doch nicht so, lieber
Kimbel," erwiderte der Adjutant
schmunzelnd, als ob Sie nicht auch
wüßten, was bereits die ganze Kasino
gesellschaft weiß. Der kleine Kobold
hat dem Äajor eine eklige Niederlage
bereitet; steckt viel Schneid in dem
Mädel! Wenn wir Studenten wären,
müßten wir ihr einen, Fackelzug brin
gen." Den Fackelzug würde sich Fräulein
v. Greif-Greifenstein doch energisch
verbitten!" erwiderte Herr v. Kimbel
dem Adjutanten.
Unsinn, lieber Kimbel, so weit ich
sie kenne, würde ihr die Ovation sehr
behagen: aber Scherz bei Seite, im
Major können Sie von dieser Stunde
an Ihren ärgsten Feind sehen. Wenn
ich Ihnen rathen darf, suchen Sie o
bald wie möglich wieder von uns fort
zukommen sonst, na, ich will nichts
weiter sagen amüsiren Sie sich, ich
sehe, die Kleine guckt sich schon die
Augen nach Ihnen aus."
Und so war es auch. Als der Adju
taut ihn verlassen, eilte v. Kimbel auf
die ihn sehnsüchtig erwartende Wanda
zu und drückte ihr seinen Dank in so
überschwänglichen Worten aus, daß sie,
vor Scham erglühend, sich die Ohren
zuhielt und ihm zurief:
Nun hören Sie aber endlich auf,
Herr v. Kimbel ! Waö ich that, war
ja nur Selbsthilfe und," sie zögerte
etwas, bevor sie fortfuhr, eine kleine
Revanche für Alles das, was der Ekel
von Major Ihnen und Ihrem Freunde
angethan hat."
In der dritten Pause des Kotillons,
ganz wie ehemals bei der Frau Oberst,
fühlten vier glückliche Menschenkinder,
daß sie liebten und wieder geliebt wur
den. Die beiden Lieutenants beriethen
mit einander am Tage nach dem Balle,
ob es nicht ihre Pflicht wäre, sofort
dem Oberst ihre Neigung zu seinen
Töchtern zu gestehen und seine Einwil
ligung zu einer Verbindung mit den
selben zu erbitten.
v. Kimbel war dafür, v. Lettow
dagegen; er meinte, so lange er hier
unter der Fuchtel dieses Wütherichs
von Major stände, wäre er absolut
unfähig, Liebesbriefe zu schreiben, und
solche würde seine Angebetete doch von
ihm erwarten, v. Kimbel schloß sich
diesem Argument seines Freundes an
und dadurch vergällten Beide dem
Major v. SchablinSky die Freude,
ihnen Urlaub versagen zu können.
In dem Kreise der Osfiziersfamilien
des Xten JnfanterieRegimentS wurde
die kleine Intrigue, welche Wanda v.
Greif-Greifenstein mit Hilfe ihrer
Mutter und ihres Vaters auf dem
Balle so erfolgreich gegen den allge
mein gehaßten Major v. SchablinSky
gespielt hatte, vielfach besprochen und
glossirt. Mütter heirathslustiger Töch
ter und deren war ein volles Dutzend
im Regiment sprachen sich sehr ab
fällig über die Oberstentöchter aus.
Zweimal hinter einander den Kotillon
mit denselben Herren zu tanzen, hielten
diese Kritiker gesellschaftlicher Vor
gän'e für etwas Unerlaubtes, Unerhör
tes. Ja, wäre eine Verlobung auf dem
Fuße gefolgt, dann hätte man darüber
fortgsehen, man hätte die Verlobun
gen zwar verdrießlich gefunden, ober
es war dann eben etwas anderes. Von
einer Verlobung verlautete aber abso
lut nichts, und als auf dem dritten
Balle die beiden Majoratöherren nicht
einmal erschienen, da war. man sich
darüber einig, daß Thekla und Wanda
v. Greif-Greifenstein vergeblich ge-
angelt hatten. Ein Dutzend junger
Mädchen war davon sehr vefrledigt,
waren doch ihre Chancen dadurch besser
geworden.
Thekla und Wanda bewahrten auf
dem Balle nur schwer ihre Fassung,
sie vermochten sich die Abwesenheit der
ihnen so theuren Lieutenants in keiner
crn-:. - . err? Sin
i?ciie zu cruurcii. -vuit.. ic uum,
oder war sonst etwas Schreckliches mit
ihnen passirt? Die Frau Oberst be
merkte mit einigem Mitleid die Nieder
geschlagenheit ihrer Töchter, auch sie
konnte sich daS Fortbleiben ihrer
Schwiegersöhne in spe nicht zusammen
reimen.
Greifenstein," sagte sie zu ihrem
Gatten, erkundige Dich doch bei dem
SchablinSky, weshalb er den Lettow und
Kimbel nicht mitgebracht hat !"
Hab' es schon gethan. ES ist eine
verdrießliche Geschichte, Major v.
SchablinSky hat denselben wegen
Dlenstvernachlässlgung einen zwei
tägigen Stubenarrest zudiktiren müs
sen."
Das ist ia empörend ! DaS leidest
Du? Und das sagst Du mir so sang
froiil, Hugo?" rief die Gattin mit
einer Stimme, die den XJmt an o
manche Gardinenpredigt erinnerte.
Nicht so laut, Theure, vergiß nicht,
wo wir sind, zu Hause können wir ja
weiter über die Sache sprechen !" Der
Oberst drehte sich nach diesen Worten
kurz ab und sandte sich zu einigen
Olslzieren.
Auch die Kommandeuse verließ ihren
Platz, trat zu ihren betrübt dasitzenden
r"jj l L.fv V !
koaliern uno verließ vaio cuiuuj ;uu
denselben, rechts und links herablas
send grüßend. daS Kasino.
Der dritte Ball hatte in der Ober-
stenfamilie keine schönen Erinnerungen
hlnterlas cn. Die Frau Oberst war
verstimmt, die Töchter niedergeschlagen
und der Herr Oberst beide. Er .hätte
gern die, schlechte Stimmung, die im
Hause herrschte, verbessert, aber er
wußte nicht, wie.
Der Maskenball,- so sagte er
schließlich, gibt ja die beste Gelegen
heit, Alles wieder in Ordnung zu brin
gen. Ich zweifle nur,-raisonnirte er
weiter, daß die beiden Windbeutel
überhaupt daran denken, in'S Ehejoch
zu kriechen! Was hindert sie, herzu
kommen und zu sagen: ,Herr Oberst,
bitte, geben Sie uns Ihre Töchter!'
Ich habe es vor fünfundzwanzig Iah
ren so gemacht!" Dann kam ihm plötz
lich der Gedanke, daß die beiden Lieute
nants am Ende in Folge der Strafver
setzung Zweifel haben könnten, seine
Einwilligung zu erhalten.
(Schluß folgt.)
Jeitiebens im Jrrrenhans.
Ein Mord in der Berliner Rücker
straße wird ungesühnt bleiben müssen.
Am 26. September 1903 wurde die 31
Jahre alte Schlächterfrau Justine
Grabowskt geborene Foberka in ihrer
Wohnung ermordet aufgefunden. Die
Nachforschungen der Kriminalpolizn
führten zur Verhaftung des Eheman
neZ der Ermordeten. ds jetzt 33 Jahre
alten Schlächters Theodor Grabowski
aus Czarnowka im Kttlse Vromberg,
dessen Alibibeweis mißlang, und der
ohne Zweifel verurtheilt worden wäre,
wenn man ihn nicht als geisteskrank
erkannt hätte. Grabowski kam nach
der Irrenanstalt Herzberge, von dort
wurde er später als geheilt entlassen,
auf Ersuchen de Volizeipräsidiums
aber sofort wieder nach der Charits
und dann nach der Irrenanstalt Dall
dorf gebracht. Jetzt hat das Medizi-
nalkollegium der Provinz Branden-
bürg über sein Schicksal entschieden.
Nach seinem Obergutachten ist Gra.
bowski nie normal gewesen, epileptisch
belastet, nicht zurechnungsfähig, und
unheilbar. Er kann daher auch nicht
aus der Irrenanstalt entlassen und in
Pflege gegeben werden, sondern bleibt
Zeit seines Lebens in Dalldorf.
Ter neue Gouverneur von Teutsch
Ostafrika.
Zum Gouverneur von Deutsch-Ost-afrila
ist, wie bereits kurz gemeldet
wurde, der bisherige Generalkonsul in
Warschau Freiherr v. Rechenberg er
nannt worden. Freiherr Albrecht v.
Rechenberg ist am 15. September 1859
aeboren und gehört seit 1889 dem
Auswärtigen Amt an. Von 1893 bis
1895 wurde er im Kolonialdienst v:r-
wendet, und zwar als Richter und Be
zirksamtmann in Deutsch-Ostafrika.
Im Jahre 1896 übernahm er als Vize
konsul die Verwaltung des Konsulats
von Sansibar. Von 1898 bis 1900 be
kleidete er den dortigen Posten als
etatmäßiger Konsul. Von Sansibar
wurde Freiherr v. Rechenberg nach
Moskau versetzt und von dort als Ge
neralkonsul nach Warschau berufen.
Man rühmt dem neuen Gouverneur
eine genaue Kenntniß der deutsch-ost-afrikanischen
Kolonie nach. Er wird
jetzt seinen Ruf zu bewähren haben.
:n riefiger Prozetz.
Am schwarzen Brett des Berliner
Landgericht 1 steht zu lesen: Der
Theaterdirektor Theodor Rosenfeld.
Behrenstraße 52 erhebb Klage gegen
den Bauern Feodor Machnowitz (ge
nannt Feodor Machnow)". Kläger
behauptet, daß Machnow auf die Zeit
vom 13. Dezember 1904 bis dahin
1905 als Objekt von Schaustel
lungen", als Riese Machnow" enga
girt war und bei Richiinnehaltung
feiner Verpflichtung eine Konveniio
ralstrafe von 10.000 Rubeln zu zah.
len hatte. Am 22. Jli v. I. habe
sich der beklagte Riese geweigert, wei
ter aufzutreten und sei von Berlin
abgereist. Direktor Rosenseld verlangt
nun von dem Kontraktbrüchigen 22.
728 Mark und 50 Pfennig. Die sie
bente Civilkammer Hai den Vertrags
brüchigen Riesen auf den 19. Sep
tember dieses Jahres geladen. Ob
das Klageobjekt" erscheinen wird, ist
eine andere Frage.
Nenonrnzage.
S t u d e n t (zum anderen):
Komm, Fritz, trinken wir miteinander
eine gute Flasche Wein... mein Onkel
war da und hat mir wieder zweihun-
dert Mark ansa.edrangt!
Ans denr Snreaulrben.
Wodurch hat sich d:nn der Buchhal
ter bei unserm Chef so unentbehrlich
gemacht?" Sehr einfach! Er hat in
seinen Büchern eine solche Schlamperei,
daß sich, außer ihm. kein Mensch mehr
drin auskennt!"
Im Tragg'urt erhängt.
In einem Stalle in Odenkirchen.
Rheinprovinz, fand man einen elfjäh
rigen Knaben an einem Haken erhängt
vor. Der Knab? war von seiner Mut
ter zum Schuhputzen in den Stall ge-
schickt worden. Da er vorher ganz der-
gnügt und ihm auch keinerlei Strafe
angedroht war, so nahm man keinen
Selbstmord, sondern emen Unglücks
fall beim Spielen mit einem Traggurt
an, aus dem der Knabe sich eine
Schlinge gemacht hatte.
Da die Regierung aber im Stande
ist, jedem Aufstande zu begegnen, ist es
doch gleichgiltig. ob er aus nationalen,
sozialen oder wirthschaftlichen Grün
den entstände. Die 'Hauptsache wäre
doch erreicht durch die Beizeitizung der
Ursache für die revolutionäre Stim
mungs unter- den Juden!" ;
GeschäftS-Kalender.
Bäckerel'Einrichtungen.
Nesffre & Co. lincorporirt), 130 132 Evl enn-
kNlVan! .?tm(f ! .. nrn
,.ttDv. Vlivi vpifUHZ iUv).
Patent'Antoalt und Ingenieur.
o,ompson R. Bkll, 401 CakS Gebäude. Zweig-
Pffir Srtfhtntnn ffl ff ,, ZK.
l r1 -v!!, yntv lyvilt ivvtl
Jnawestühle und Bruchbänder.
B
ruchbSnder. 'Wir raffen und garantiren Bruch
bandrr. 5nkaliK.N'tnKi, , r,,k
- ' - 7 - Q 1 va wv.
zu dcrmiethen.
Brelette-Pugh Co.. 13 Süd Illinois Straße.
Blech und Metall'Dächer.
Mlech- und Metall-Tächer, sowie Dachrinnen ange
kertiat und narirt. 7kn a ftnfci u
null? oe. Neuer voone 1000.
nr. rn n. .
Arzneien.
ci'Ta.Na Remedy Company. Sind Sie krank?
Schien Sie gesund sein? 0ie Ti.ri.aRtedu
kuiirt alle Krankheiten durch bsorbirnvg. PhoneS :
Sken kzt, lt. Main 5558, oder man adrtsftre:
US Ost Michigan Str.
Spezialisiert.
streb kurirt ohne Messer. ZZrauen-Krankheiten eine
" Spe,ialität. U. W. ula. M. T.. E. B. Brig-
ham, M. T., 157 N. Illinois Str.
Phone 2227 Main, Indianapolis. Ind.
Feuerverficherung-Grundeigexthum.
P
owe & Winkenhbser. 145 Ost Market Straße .
z.ciepyon, an. Mal 2236.
Sacvv Buennagel, Zimmer 5 und .
No. 29 Süd Telaware StraKe.
Neley & Baser, 71 Law Gebäude
J New Pdon
New Phone, Main 011.
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