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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, May 19, 1906, Image 7

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VOR
(Fortsetzung.)
Liebte Egon das schöne Mädchen?
Und nmrfcc er von ihr wieder geliebt?
Oft, oft schon waren diese Fragen,
halb wider seinen Willen, ihm durch
das Herz gegangen, seit er damals,
neben dem Stuhl der kranken Edel-
frau stehend, zugleich mit ihr hatte an
sehen müssen, wie das holde Geschöpf
nach der Rosengabe des jungen Man-
nes gegriffen, und wie die beiden schö-
nen Menschenkinder dann vom Zauber
der Minute gefangen genommen wor-
den waren!
Es konnte ja in der That nur eine
augenblickliche Aufwallung zwischen
ihnen gewesen sein, die sich, so rasch sie
aufgestiegen war, auch wieder verfluch-
tigt hatte. Verthold Schönholzer zeigte
sich um so mehr zu dieser Annahme ge-
neigt, als Egon Rüttenauer seinem
ersten Besuch in der Wohnung von
Mutter und Tochter nur noch einen
einzigen hatte nachfolgen lassen, den
man recht wohl für einen Höflichkeits-
besuch nehmen konnte. Wäre sein Herz
wirklich von Olgas Schönheit tiefer ge-
troffen worden, so hätte er doch gewiß
danach gestrebt, das junge Mädchen so
oft als m'öalich tu seben.
Bei solchen Erwägungen mufcte er
auch manchmal wieder an die heimliche
und doch so beredte Angst denken, die
Frau von Zernwitz damals bei dem
vertraulichen Anblick der beiden zur
Schau getragen hatte. In dem Blick
ihres Auges, in dem Druck ihrer Hand
hatte sich diese Angst kundgegeben,
nicht in Worten und auch später
hatte sie vermieden, mit der geringsten
Andeutung die Angelegenheit zu be-
rühren. Sie war wohl auch, da Egon
dem Haus fern blieb, ruhiger geworden
und hatte ihre Uebereilung eingesehen.
In seiner Begeisterung für den
Freund dachte Berthold Schönholzer
natürlich nicht entfernt daran, daß es
gerade Egons seltsame, aufreizende
Schönheit gewesen war, in der Frau
von Zernwitz eine Gefahr für ihr Kind
erblickt hatte für den Frieden ihres
stillen Kindes, den sie nicht an der
Seite eines so auffallenden Mannes
sah. Berthold hatte einzig und allein
in Egons Verhältnissen, die der Dame
durch seine Mittheilungen bekannt wa
ren, den Grund ihrer Angst gesucht, in
diesen Verhältnissen, die den jungen
Mann wahrscheinlich noch lange in un
sicherer Lebensbahn festhalten würden,
wenn sie ihn später auch einmal em
portragen konnten.
Und nun war er emporgetragen wor-
den ganz plötzlich und unvermuthet!
Der Gedanke durchzuckte fei Bert
hold fast schmerzhaft und ließ ihn mit
ten in seinem hastigen Hin- und Her-
wandern durch die dunklen Garten
Wege innehalten. Wie würde Frau von
Zernwitz nun eine mögliche Werbung
Egons aufnehmen? Ganz gewiß mit
den entgegengesetzten Gefühlen. Der
reiche Erbe war ihr natürlich hochwill
kommen, ihm sagte sie die Hand der
einzigen geliebten Tochter ohne Beden-
ken zu.
L. K a p i t e l.
ls Egon Rüttenauer sich von
Frau von Rinteln Urlaub er
bat zu seiner Reise nach Ber-
lin, nahm er naturlich gleich
die Gelegenheit wahr, die Dame von
dem Umschwung, der sich in seinen Ver-
haltnlssen vollzogen hatte, m Kenntniß
zu setzen.
Frau von Rinteln hörte zuerst ganz
frostig zu. Als der junge Mann je
doch die Absicht äußerte, das Gui Wei-
lau zu kaufen, zeigte sie plötzlich eine
überströmende Liebenswürdigkeit und
sicherte ihm in seinen Planen das denk
bar weiteste Entgegenkommen zu.
Egon brachte dann gleich von Ver
lin aus durch Justizrath Neugebauer
die Kaufverhandlungen in Gang, und
als er nach etwa vierzehn Tagen aus
der Neichshauptstadt in das stille Dörf-
chen zurückkehrte, waren nur noch die
Unterschriften unter die Verträge zu
etzen. Die Uebernahme des Gutes
ollte schon Mitte November erfolgen.
Egon kam soeben aus dem Zimmer
des kranken Herrn von Rinteln, wo die
letzten endgiltigen Besprechungen statt
aefunden hatten. Langsam schritt der
junge Mann durch den dämmerigen
Korridor der Treppe zu, die in die
Halle hinabführte. Ein tiefer Athem-
zug hob seine Brust. Er durfte sich
nun Gutsherr von Weilau nennen, er,
der noch vor wenigen Wochen nicht viel
mehr als ein Herd- und heimathloser
Abenteurer gewesen war.
Und er warf plötzlich den Kopf in
den Nacken, als erinnere er sich daran,
daß er jetzt alle Ursache habe, den Kopf
hoch zu tragen. , Er hätte wohl auch
Ursache gehabt, aus hellen Augen in
die Welt zu schauen allein seine Au
gen brannten düster genug in dem blas
sen Marmorgesicht mit dem rothen
Haarschein darüber.
Als er die Halle durchquerte, um sein
Zimmer aufzusuchen, tauchte plötzlich
die schlanke Gestalt von Martha
Weltzien vor ihm auf.
Verzeihung." sagte sie, wttrn ich
Sie einen Augenblick aufhalte, Herr
Rüttenauer. Ich komme mit einer Bitte
Zähnen MerLroßeJ Bjjte .
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Etwas verwundert, aber sehr hös-
ich erwiderte Egon:
.Es ist selbstverständlich, Fräulein
Weltzien, daß ich Ihnen diese Bitte er-
ulle, wenn es in memen Kräften steht.
Die Gesellschafterin neigte dankend
das Haupt und fuhr dann fort:
Ich will mir und Ihnen iede Vor-
rede ersparen und gleich zum Kern der
Sache kommen. Mein Beruf als Er
zieherin und Gesellschafterin hat mich
ruher stets in großen Städten sestge-
halten. Erst seit ich mit Frau von
Rinteln hierher kam, habe ich das stille
Landleben und seine großen Vorzuge
ennen gelernt. Ich muß nun gestehen,
daß mich ein leises Grauen bei dem
Gedanken beschleicht, vielleicht bald
chon wieder aus dem Frieden dieses
chönen Weltwinkels scheiden zu müs
en, um in die Hast und die entnervende
Unruhe einer großen Stadt zurückzu-
ehren. Und da ist ein Entschluß in
mir gereift, den ich über alles gern in
die That umsetzen mochte, wenn die
Verhältnisse ihm günstig sein sollten."
Sie zögerte einen Augenblick, dann
prach sie aber um so rascher weiter:
Ich babe mich während meines
Hierseins, mit Zustimmung von Frau
von Rmteln, ein wemg rn das Ge
triebe eines großen und vornehmen
andlichen Haushalts eingelebt, und ich
muß sagen, es hat mir zu einer wirk
lichen, lanqe nicht aekühlten Befriedi-
gung gereicht, auf diesem Gebiet prak-
lsch thätig sein zu können. Ich meine,
es würde mir nicht allzu schwer fallen,
die selbstständige Stellung einer Haus-
dame auszufüllen. Einer solchen be-
dürfen Sie ta nun wohl bald. Herr
Rüttenauer, und meine Frage geht des-
halb dahm, ob Sie mit memen beschei-
denen, aber willfährigen Kräften nicht
einen Versuch machen möchten? Vor
ausgesetzt natürlich, daß Sie nicht
schon anderweitige Verfügungen ge-
troffen haben. Frau von Rinteln
würde gewiß so gütig sein, mich auf
meine Bitten freizugeben für eine mir
mehr zusagende Stellung."
Nach kurzem Nachdenken, das eigent-
lich nur eine Pause der Ueberraschung
war. antwortete Egon verbindlich:
Mein verehrtes Fräulein, gern
nehme ich Ihr freundliches Anerbieten
an. Es enthebt mich einer Mübe. die
allerdings noch nicht augenblicklich an
mich herangetreten wäre. Aber ich
könnte jedenfalls späterhin keine bessere
Wahl treffen, als sie in der Entschei
dung enthalten ist, die mir Ihr liebens
würdiges Entgegenkommen ermöglicht.
Ich danke Ihnen. Wollen Sie mir ge
legentlich Ihre Bedingungen mittheilen
und Umfang des Wirkungskreises fest-
setzen, den Sie wünschen. Es findet sich
in nächsterZeit dann wohl eine Stunde,
in der wir die Sache perfekt machen."
Er reichte ihr die Hand und schritt
in der Richtung seines Zimmers weiter.
Auch Martha Weltzien wandte sich
der Treppe zu. Auf einer der mitt-
leren Stufen mußte sie zedoch im Stel-
gen innehalten. Em krampfhaftes
Zittern ging durch ihre hohe Gestalt -
sie preßte beide Hände fest auf die
schweratmende Brust. In ihrem blas
sen Antlitz prägte sich ein Zug tiefer,
aber lächelnder Erschöpfung aus, als
habe sie soeben um Wohl und Wehe
ihres Lebens gewürfelt und einen
guten, einen hohen Wurf gethan!
Egon Rüttenauer hatte sein Zimmer
kaum betreten, als er sofort sorgfältig
Toilette zu machen begann.
Seine Gedanken weilten anfanas
noch bei der Unterredung, die er soeben
mit der Gesellschafterin gehabt hatte.
Es beschlich ihn jetzt etwas wie ein lei-
ses Unbehagen, die bindende Zusage.
die er ihr gegeben, wollte ihm übereilt
erscheinen. Nun kam es ihm erst zum
Bewußtsein, daß er jenes leise Unbe
hagen eigentlich stets in der Nähe der
Dame empfunden. Wie alle Menschen,
die nur zu ihren ausgeprägten Sym-
pathien und Antipathien Stellung
nahmen, hatte er sich allerdings nie
mals Rechenschaft darüber abgelegt.
worin wohl die Ursache dieses Unbeha
gens zu suchen sein möge. In lässiger
Gleichgiltigkeit war er neben der Ge
sellschafterin einher gegangen.
In Zukunft ließ sich diese Gleichgil
tigkeit nicht mehr aufrecht erhalten.
Bald schon würde Fräulein Weltzien
gewissermaßen seine Mitarbeiterin fern.
und da war er natürlich genöthigt, sich
über ihr Können und Wollen und da
mit zugleich auch über ihre ganze Per-
sonlichkeit em Urtheil zu bilden.
Er zuckte ungeduldig die Achseln.
Unendlich nebensächlich kamen ihm
diese Erwägungen plötzlich vor.
Er hatte jetzt wahrhaftig an anderes
zu denken. Frei und fessellos wollte er
sich seinen Empfindungen überlassen.
seinen Empfindungen, die ihn hintru
gen zu der süßen Holdseligkeit Olgas.
Er sah nach der Uhr. In einer Stunde
etwa wurde er vor Frau von Zernwitz
stehen und sie um die Hand ihrer Toch
ter bitten, deren Liebe er sich ja ver
sichert halten durfte.
War der einzig köstliche Schatz dann
auch durch das Wort der Mutter sein
eigen geworden, so besaß er das heilige
Recht, zu leder Stunde vor das bezau
bernde Geschöpf hinzutreten und zu
bitten: Komm, lege Deine beiden
Hände auf meine Stirn, dann wird sich
das schmerzhaste Brennen dahinter lin
dern, auf mein: Augen lege diese wei
chen Hände und ich werde Bilder eines
unendlichen Glückes schauen! Reiche
mir Deinen süßen Mund, mich dürstet
nedj den Seligkeiten, die er zu spenden
hat Seligkeiten, die sich wie eine
Scheioemauer ausrichten sollen zwt
schen mir und der Welt mit ihrer viel
gestaltigen, hetzenden Quatt
Es war um die vierte Nachmitags-
iunde, als er sich der kleinen Beitzung
näherte, aus deren Frieden Frau von
Zernwitz in nicht allzu langer Zeit ver-
rieben werden sollte. Nun. er kam, ihr
einen Weg zu weisen, den sie gewiß mit
Freuden gehen würde den Weg zu
rück in das Haus, in dem sie einst an
der Seite des früh verstorbenen Gat-
en hatte wohnen dürfen!
Die Oktobersonne tauchte heute die
Welt noch einmal in sommerlichen
Glanz. Olga stand am offenen Fen-
ter und träumte in den stillen Garten
hinaus. In der klaren Luft tönte der
Schritt des'iungen Mannes schon von
weitem zu ihr her sie horchte auf
und trat zugleich unwillkürlich einen
Schritt zurück, so daß der Vorhang sie
deckte.
Jetzt bog Egon Rüttenauer um den
Gartenzaun und da schlug eine Lohe
im Gesicht des jungen Mädchens auf.
Es war einen Augenblick lang ein hei-
ßes Ausleuchten des Glucks, hervorge
zaubert von der Selbstvergessenheit
einer brennenden Sehnsucht sofort
aber senkten sich tieft Schatten in die
schonen Augen und die feinen Lippen
egten sich wie im Schmerz fest aufein-
ander. Mit zuruckqebeuatem Ober-
örper schloß sie hastig das Fenster.
Egon wurde von der unaufhörlich
nizenden und undeutliche Worte mur-
melnden alten Kathrin zu Frau von
Zernwitz geführt, die heute einen leid-
ich guten Tag hatte.
Der junge Mann neigte sich ehrer-
bietig über ihre Hand und begann:
Wollen mir die gnädige Frau gu-
tigst ein paar Minuten schenken?"
Sie wies ihm einen Sessel an in
unmittelbarer Nähe des Sofas und
bemühte sich, möglichst unbefangen
auszusehen. Aber eine ängstliche, be
klemmende Unruhe in ihr wuchs immer
mehr an. Egon Rüttenauers befrem-
dende Schönheit, die vom ersten Augen
blick an etwas wie eine instinktive Ab
Neigung in ihr hervorgerufen hatte,
stieß sie heute geradezu ab.
Sie schalt sich dafür aus, daß sie
sich von einem Eindruck, den sie noch
gar nicht auf seine Richtiqkeit hatte
prüfen können, so tief beherrschen ließ.
Allein sie konnte nicht anders ihr
war, als drohe von dem jungen Mann
eine Gefahr und als werde diese Ge
fahr vordringen bis zu dem Nebenzim-
mer dort, wo sie ihre Tochter wußte,
und dieses so sehr geliebte Kind über-
fallen Mit aller Noth und Angst eines
friedelosen Lebens.
In diese Bedrängnisse hinein sagte
sie mechanisch:
Ich habe durch Herrn Schönholzer
von der traurigen Begebenheit gehört,
durch die das vorzeitige Ende jenes ar
men Herrn von Bärndorf, Ihres
Wohlthäters, herbeigeführt worden ist.
Herr Rüttenauer. Gestatten Sie, daß
ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid
ausspreche. Und einen Glückwunsch
darf ich hinzufugen. Der wider
spruchsvolle Räthselgang des Lebens
hat Sie, indem er Ihnen einen
Schmerz anthat, zugleich zum reichen
Manne gemacht."
Ich danke Ihnen, gnadige Frau für
Ihre warme Antheilnahme an Leid
und Freud meines Daseins," versetzte
der junge Mann in gehaltenem Ernst.
Sein bleiches Gesicht war von marmor-
ner Unbeweglichst kein Zucken
darin verrieth, was in seinem Innern
vorging.
Er sprach entschlossen weiter:'
Vielleicht hat Ihnen mein Freund
Berthold Schönholzer auch angedeutet,
daß mein Verhältniß zu dem Verstor
benen nicht gerade ein allzu liebevolles
gewesen ist. Daran mag in erster Linie
die grillenhafte Wunderlichkeit des ver
einsamten kränklichen Mannes schuld
gewesen sein allerdings hatte auch
ich mir mehr Mühe geben sollen, ihn
aus seinen innersten Beweggründen
heraus zu verstehen. Allein die Art
und Weise, wie mir das Leben nach
einem kurzen, glücklichen Jugendtraum
mitgespielt, hat mich nicht gerade ge
lehrt, meine eigene Verbitterung zu be
kämpfen und die Verbitterung eines
anderen geduldig zu ertragen. So ist
es gekommen, daß ich Herrn Bärn
dorf recht wenig geliebt habe, und
Liebe läßt sich nachträglich nicht erler
nen. auch wenn man eingesehen hat,
daß Grund dazu vorhanden gewesen
wäre. Sie verstehen mich gewiß, gnä-
digste Frau.
Da Frau von Zernwitz nicht gleich
antwortete, fuhr er mit einem harten
Zug um die Lippen fort:
Ich erwähne diese Dinge nur. um
einen vermittelnden Uebergang zu ftn
den zu einer großen Bitte, mit der ich
zu Ihnen komme, gnädigste Frau. In
Anbetracht dessen, daß sich erst seit kur
zer Zeit das Grab über Herrn
Bärndorf geschlossen, der mich, wie Sie
vorhin sagten, zum reichen Mann ge
macht hat, möchte diese Bitte leicht
pietätlos, zum mindesten verfrüht er
scheinen, wenn man eben nicht die be-
sonderen Umstände zu meiner Ent-
schuldigung heranzieht. Auch noch
nach einer anderen Seite sind es die
besonderen Umstände, die mich heute
schon aussprechen lassen, was vielleicht
erst nach Ablauf einer schicklichen
Trauerzeit geschehen sollte. Ich weiß,
gnädigste Frau, daß Sie am ersten
Januar diese kleine Besitzung verlassen
sollen -
Jetzt sah Frau von Zernwitz ver
wundert auf.
Hat Ihnen Herr Schönholzer von
der Angelegenheit Mittheilung ge
nacht?" fragte sie. Ihm habe ich mich
allerdings anvertraut. Aber wenn Sie
durchidonder .Sache Kenntniß ha-
ben. sollten Sie doch auch wissen, daß
durch seine freundliche und thatkräf-
tige Vermittlung schon vor etwa acht
Tagen mit Herrn Kaufmann Berberich
em anderes Abkommen getroffen wor
den jst. Wir werden die Wohnung
vorläufig noch bis zum kommenden
Juli innehaben."
Egon Rüttenauer biß sich auf die'
Lippen und blickte finster zu Boden.
Ohne daß er darum wußte, krampften
sich seine Hände zusammen sein I
Athem ging schwer und stoßweise.
Er kam sich auf einmal waffenlos
in einem Streite vor. Die Frauen
tedurften einstweilen der neuen Unter-
kunft gar nicht, mit deren Geschenk er
vor sie hatte hintreten wollen als Er
retter aus andrängenden, bangen Sor-
gen. Damit war seinen Bitten und
Wünschen, mit denen er kam. sür's erste
die thatsächliche Berechtigung genom
men. Es wollte ihm, der sich in den
ersten Wochen einer Trauer befand, die
gewöhnlich auf mehrere Monate aus-
gedehnt wurde, nun in der That selber
Pietät- und gefühllos erscheinen, schon
etzt mit die en Bitten und Wünschen
hervorzutreten.
Aber sie brannten ihm zu stürmisch
im Herzen er holte tief Athem, da
bei straffte sich sein zusammengesunke
ner Oberkörper wieder und er blickte
Frau von Zernwitz aus dunkelglühcn-
den, sie gleichsam bannenden Augen
fest an.
Gnädige Frau, ick sollte mich jetzt
erheben und gehen, ohne Sie mit dem
eigentlichen Grund meines Kommens.
der durch Ihre Worte hinsällig gewor-
den ist. bekannt gemacht zu haben
allein ich kann und will nicht mehr zu
rück! Ich will nicht nein! Hören
Sie Mich also, bitte, einige Augenblicke
an. Ich sprach vorhin schon davon,
daß mir das Leben bisher nur den
Sonnenschein weniger glücklicher Ju-
gendjahre gegönnt. Sonst hat es mir
nichts von dem gehalten, was es mir
versprochen nichts, nichts! Immer
wieder ist mir der Becher von den Lip
pen fortgerissen worden, ehe ich trinken
durfte! Heimathlos bin ich durch die
Welt geirrt in meiner Entmuthi-
gung und Erbitterung sah ich für mich
schließlich nur noch den Weg offen,
hinein in ein unsicheres Abenteurerleben
in überseeischen Ländern. Auf einmal
aber
Er mußte plötzlich innehalten, als
überkomme ihn ein Schwächeanfall.
Der rücksichtslos entschlossene Glanz in
semen Augen erlosch und der schone,
bartlose Mund, der eben noch so beredt
gewesen, senkte sich in schlaffen Linien
nach unten. Der Anfall währte jedoch
nur einen Augenblick als gelte es
das Letzte und Entscheidende, flammte
jäh eine wilde Energie in dem jungen
Manne empor, hochaufgerichtet stand
er jetzt neben seinem Stuhl, und als er
von neuem zu sprechen begann, ertönte
seine Stimme fast ehern:
Auf einmal aber kam die Wen
dung in meinem Leben der unst'at
Umhergetriebene fühlte Boden unter
den Füßen, die Zukunft zeigte ihm ein
bestimmtes Gesicht! Und nun sage ich
Ihnen eins, gnädige Frau. Wenn sich
mcht eine junge, zarte Hand ausstreclt.
mich in diese Zukunft hineinzugeleiten.
die Hand jenes Mädchens, das ich ken-
nen und lieben gelernt habe, wie ich nie
geglaubt hätte, daß mein zerrissenes.
verödetes Sbtx zu lieben vermöchte,
dann bedeutet mir die sichere Zukunft
trotz alledem nichts, dann trete ich sie
unter meine Füße und tauche erst recht
zurück in das Dunkel, dem ich kaum
entronnen bin! O, gnädige Frau.
wenn Sie wüßten, wie ich Fräulein
Olga liebe! Das Gefühl ist über mich
gekommen in Sturm und Drang, mit
einer Gewalt ohnegleichen. . Darum
konnte ich auch nicht eine schickliche
Trauerzeit abwarten, ehe ich vor Sie
hintrat, um mir die Hand Ihres Kin
des zu erbitten nein, die Entscheidung
mußte baldmöglichst fallen. Ja. ich
muß wissen, ob ich glücklich und beseligt
sein darf in Olgas Liebe, heute noch
muß ich es wissen, sofort dann will
ich mich ja cent bescheiden und warten.
will mich jeder Ihrer Bestimmungen
fügen nur Gewißheit geben Sie mir.
gnädige Frau. Gewißheit!"
Er stand zuletzt mit gefalteten H'än
den vor Frau von Zernwitz das
schöne Gesicht in einem unbeschreiblich
fr . c w j HC-
yinrelyenoen Ausorua uvzs jic uiyc
neigt.
Lassen Sie mich, ehe Sie antwor
ten. mein letztes Wort sprechen," schloß
er. Lassen Sie mich sagen, was au
ßer meiner Liebe mein Gegengeschenk
für Olga sein wird, wenn Sie zu
geben, gnädige Frau, daß sie mit ihrem
Jawort mein dunkles Leben erhellt.
Ich bin seit einigen Swnden Eigen
thümer des Gutes Weilau. Im No
vember schon geht die Besitzung in
meine fiänbe Über. Die Heimath also
ist es, in die ich Ihr Kind zurückzufüh
ren vermöchte die Heimath auch für
Sie., gnädige Frau! Sagen Sie Ja
und bringen Sie mir den Frieden, die
Ruhe, das Glück!"
(Fortsetzung folgt)
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0 Lim täglich s d 7 105tm St LouiS Sxpr tägl dtc .. 3 06N
PittSburg Expreß, tägl acU. 7 20N Nimmt keine Passagiere tgl- 05N
PittSburg Spcl tägl 8 d.... 11 80Nm Indianapolis Acc, täg...... 11 15N
Chicago D i v i s i c n.
Chicago Special, tglpd 1136V Southern Sxpr täglich ....
Loganöport Spezialzug, tägl 7 25Nm IndplS Mitternacht Sp täg s
Lou & Chi F Sxpr täglich ,11 50Nm Louiöv Spezialzug tägl p d
SouiSville Division.
3 158
6 OONm
3 40N
Southern Expreß tägl 8 86Vm
yitts Lon g L tägl . 7 20vm
Vkav Aee nnr Sonnt.. 7 30Vm
Louisv & Madison Aeeo 8 20Vm
Chieaao ckLouFL täglich p d 8 5öNm
Madison Aeeom tägl 3 55Nm
Louisville Aeeom tägl 7 ION
LouiSV & Madtson Ace tägl 10 10?
Chit F L tägl p d.. . . . . .11 80V
Louisville n. Madison Are.. 5 40-te
Louiöv & PittSb g L täglich 7 OON
Madison Aeeomm Sonntags 8 16v
Lon & ChiF Expr. täglich 11. 205? chi
mcinnati, Hamilton & Dayton R. H.
Cincinnati Division.
Abgang AukuL)
Cwcinnatt veft täglich t 22Vm Cincinnati Vestibüle täglich 2 33v
gaft Mail täglich 8 06Vm Fast Mail täglich 36V
Cinc, Toledo, Det Exp p.. .10 4033m Cinc & Chic Exp täglich p.ll 46V
Cincinnati & Dayt'n Expr p 3 OONm Cineinnati Veit täglich d p S 262?
Cis S: Dlyton Lim tägl d p 5 noRm Cinc & SndplS Aceom p.. 7 055lm
Ein & Detroit Expreß täglich 6 30Rm Cine Spgfild & Dce Ex tg 10 4öR
Springfield (Jll.) Division.
Springsielo Mail ck Expreß 7 0033m Cln.ckSprwgfield Ex. tägl. 4 0033m
Chicago Expreß p 11 5033m Decatur Accom 103533
Decatur Accom 330Nrn Cincinnati Expreß p 2 50N
Cin.ckSprlngfield Ex. tägl.ll OONm Springfield Mail & Expreß 4 50N
Chicago, Indianapolis 8c (onisville Ry. (Monon Route.)
Abgang Anknnst
Chie Nght ipttß tägl 2 48V Cincinnati Veft tägl s...... 4 12Om
gaft Mail tkglich s.. 7 00v gaS Mail täglich ... 7 602
Chi Expreß, nur Oonap6..11 50Vm Lkonon Aee, 10 OONn
CH-H Mich Sity Veftctp.. 8 855! Cincinnati Veft täglich d p. 4 62m
Moson Aee,...... 4 005k
Ola ä: D, Ntz., lWeft) und Noachdale.
Chitago Lxpreß p .11 603 Cincinnati Ezpreb p. - 2 LOU
Indianapolis & Southern R y.
Temporärer vahnhys: Wisconsin Straße und Senate Voe.
Jndianapoliö-Bloomington. 7 OOVm Bloomington-JndianapoliS. 6 30Nm
HUXU 6lM pt. F sPmJ C f. P Ciiir Ct . Otalof Ci

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