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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, July 25, 1906, Image 1

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Erscheint jeden Nachmittag.
Jahrgang 29. Indianapolis, Ind., Mittwoch, 25. Juli 1906. No. 284.
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Ein Einbrecher mukte fliehen.
Ein Einbrecher hatte am Mittwoch
Morgen gegen 3 Uhr seinen Weg in die
Wohnung deS Herrn O. W. Cossey,
1817 Fletcher Ave., durch Ausschneiden
eine FliezennetzeZ aus dem Speisezim
meifenfter, welches während der Nacht
zum Lüften der Räumlichkeiten offen
gelassen war, bewerkstelligt und war
gerade dabei, mit einem angezündeten
Streichholz nach Geld und Werthsachen
zu suchen, als er unglücklicherweise einer
Portiere zu nahe kam und dieselbe in
Brand sedte. Frl. Fannie Coffey wurde
durch den sich schnell im ganzen Hause
vertheilenden penetranten Rauch der
brennenden Portiere erweckt und schrie
um Hülfe. Wahrend die Mitglieder
der Familie sich nothdürstig ankleideten
sprang der Einbrecher durch ein Fenster
und entkam in derDunkelheitder Nacht.
Das Feuer im Speisezimmer wurde
mit leichter Mühe gelöscht und wie man
auZfand, hatte der Einbrecher nicht ge
stöhlen.
Eistrust-Untersnchung erfolglos.
Geschworene finden keinen Grund zur
Anklage.
Wie vorauszusehen war. haben sich
die Großgeschworenen gestern Nach
mittag vertagt, ohne eine Anklage ge
gen die Eishündler der Stadt zu er-
heben; das Bestehen eineS EiZtruftS ließ
sich aus Grund der Zeugenaussagen
nicht nachweisen.
Die Geschworenen beendeten gestern
ihre Arbeiten für den gegenwärtigen
Termin und treten erst im September
wieder zusammen; ob dann die Unter
suchung wieder aufgenommen wird, ist
sehr zweifelhast.
HülfS'StaatZanwalt Groninger, der
die Untersuchung leitete, erklärte gestern
schon bevor sich die Geschworenen ver
tagten, daß e? auch für den Fall, daß
Anklagen erhoben werden würoen, sehr
zweifelhaft sei, ob eine Verurtheilung
auf Grund der gegenwärtigen Anti'
Truftgesetze herbeigeführt werden könne.
Wenn nicht die nächste Legislatur schär,
fere Gesetze gegen die Formirung von
Trust? erläßt, ist es nach Groninger'S
Ansicht unmöglich, irgend etwas gegen
derartige Vereinigungen zu unterneh
men. Waisenkinder in Wunderland.
Die fünfzig Zöglinge deS deutsch,
lutherischen Waisenhauses besuchten am
Montag unter der Aufsicht deS Waifen
Vaters alle Schauftellungen im Wun
derland und amüsirten sich prächtig.
Die größte Anziehungskraft für die
Kinder schienen die BrnntoS", Queen
Lil und Hold, MoseS" zu haben ; die
Kleinen wurden nicht müde, immer
wieder von neuem die BumpS" hin
unterzusausen oder aus dem Rücken der
geduldigen Thiere wie im Märchen
durch Wunderland zu reiten.
Am 3. August werden in Wunder
land Sp?zial Schaufiellungen zum
Besten der Freie KindergartenGesell
schaft- gegeben werden und am 25.
August findet eine PrelZ.Baby.
Show- statt.
Gestern Abend wurde ein Spezial
Feuerwerk abgebrannt, da dleZ am
letzten Freitag oeZ Regens wegen un
terblelben mußte.
Die National BiSquit
Co. beabsichtigt an der Bine- und Daly
Straße eine neue Bückerei zu errichten.
Das Gebäude soll aus Backsteinen er
baut werden und wird vier bis fünf
Stockwerke erhalten; die Baukosten find
auf $101,000" veranschlagt. Die Ge.
fellschast hat in mehr als hundert
Städten Fabriken im Betrieb, die hier
zu errichtende neue Bäckerei wird alle
diese in Bezug auf Größe, Ausstattung
und Leistungsfähigkeit weit übertreffen.
Das Geschält' der Gesellschaft nahm
in letzter Zeit solche Dimensionen an,
daß die bisherigen Fabrik - Räumlich,
leiten den Anforderungen nicht mehr
Henügen.
Central Labor Union
wird sich' aktiv an Politik be
theiligen.
Unabhängiges Vorgehen
beschlossen.
Die Tage, in denen No politics
in the Union" daS Schlagwort der
organifirten Arbeiterschaft war, schei
nen, für Indianapolis wenigstens.
vorüber zu fein. Bisher war es jedem
Arbeiter, der einer Gewerkschaft ange.
hört, Überlassen, sich einer Partei anzu
schließen und nach eigenem Gutdünken
für irgend einen Kandidaten zu stim.
men. viac) den tn der legten 2üer
sammlung der Central Labor Union
gefaßten Beschlüssen wird dieS in Zu
kunft anders sein.
Die Structural Building TradeS
Alliance", welcher alle Gewerkschaften
von BaU'Handwerkern angehören, hatte
an die Central Labor Union ein Schrei
ben gerichtet, in welchem eine aktive
Betheiligung aller ArbeiterOrganisa
tionen als solche an der Politik empfoh.
len wird. Um dies zu erreichen wird
in dem Schreiben ferner empfohlen,
daß die Central Labor Union ein aus
fünf Mitgliedern bestehendes Comite
ernennt, welches mit einem Comite der
Bauhandtverker Organlfatin Sub
Comites und für jede Ward und jedes
Precinct einen Vorsitzenden ernennt,
kurz, eine vollständige politische Orga
nisation der Arbeiter vornimmt. Ion
dieser Organisation soll dann jedem der
Kandidaten für die verschiedenen poli
tischen Aemter eine Lifte von Fragen
zugesandt werden, von deren Beant
wortung es abhängen soll, ob die
Stimmen der organifirten Arbeiter
schaft für den Kandidaten abgegeben
werden können. :
Der Zweck deS Ganzen lft, solchen
Kandidaten - ohne Rücksicht auf die
Partei.Zugehörigkeit derselben, zur Er.
wählung zu verhelfen, von denen er
wartet werden kann, daß sie für die
Interessen deS Arbeiters thätig fein
werden.
Die in dem Schreiben gemachten Em
pfehlungen wurden einstimmig zum
Beschluß erhoben und folgendes Cam.
pagneComite ernannt: Edgar A. Per
kinS, William P. Hyde, William El
fert, Joseph Obergfell, ThaddeuS Gur
ley. DaS Comite wird sich sofort mit
allen Arbeiter-Organisationen in Ver
bindung seen.
DaS Epezial Comite, welche vor
mehreren Monaten ernannt worden
war, den Barbieren zu helfen, die
Durchführung deS SonntagSgesetzeS
in den Barbierftuben zu erreichen,
wurde entlassen, da eS nach dem Bericht
desselben unmöglich war, eine Bestra
sung eines Barbiers bei den Gerichten
herbeizuführen.
Avondale SrightS.
Die erste Aufführung des in dieser
Woche auf dem Programm stehenden
Einakters Lieb und Krieg" bewies,
daß die Geschäftsführung von Avon
dale HeightS ihr Publikum kennt. Die
Handlung ist voller humoristischer
Wendungen und das ist genau das,
was die Zuhörer verlangen. Der Be.
such läßt denn auch nichts zu wünschen
übrig.
Alle übrigen Spezialitäten dieser
Woche sind gut und verdienen den reich
lich gespendeten Beifall.
DaS Kelley'Orchefter hat in seinem
Programm alles von der Großen Oper
bis zu Ragtime" und unterhält das
Publikum ausgezeichnet.
W i n f i e l d C. C r u m . ein
Geschäftsmann in Lafayette, Ind.,
wurde vom Ver. Staaten HÜlfS-Mar
schall Rankkn verhastet, weil er ge
färbte Margarine als Butter verkaufte.
Ver. StaateN'Commissär Frank Kim
mll in Lafayette überwies ihn den
BundeS'Großgefchworenen und ordnete
seine vorläufige Freilassung gegen
Stellung einer Bürgschaft von $200
an.
Unter schwerer Beschuldigung
Wird Eisenbahn-Angestellter verhaftet.
Der bei der Big Four Eisenbahn
angestellte Bremser Albert T. Devoll,
843 English Avenue, wurde gestern
von den Geheimpolizisten Manninz
und Samuels unter der Beschuldigung,
an der 12jührigen Grace Miller ein
Sittlichkeit; . Verbrechen begangen zu
haben, verhaftet.
Frau Adelie Miller. 233 West New
York Straße, die Mutter des Mäd
chenS, welche selbst in einem Restaurant
arbeitet, suchte vor einigen Tagen durch
eine Anzeige in den Zeitungen eine Be
schüstigung für ihre Tochter. Ein
Mann kam in Folge der Anzeige am
Montag zu ihr und miethete die kleine
Grace als Gesellschafterin sür seine
Frau, indem er angab, daß ihn seine
Beschäftigung sehr häufig für lange
Zeit vom Hause fernhalte und er seine
Frau während dieser Zeit nicht gern
allein lassen wollte.
Frau Miller ließ ihre Tochter mit.
gehen, froh ein passendes Unterkommen
so bald für dieselbe gefunden zu haben.
Nach einigen Stunden kam Grace in
großer Ausregung weinend zurück und
erzählte ihrer Mutter, daß sie mit dem
fremden Manne die Fletcher Avenue
entlang bis zu Maddens Möbel'Fabrik
an der Kreuzung der Big Four Eisen-
bahn gegangen sei. Plötzlich habe sie
der Mann ergriffen, am Halse gewürgt
und sie zu Boden geworfen, worauf er
unter TodeSdrohungen ein Sittlichkeit?.
Verbrechen an ihr beging. Frau
Miller rief einen Arzt, der nach vorge
nommener Untersuchung nur bestätigen
konnte, daß ein Verbrechen an dem
Mädchen begangen worden war.
Die Polizei wurde darauf benach.
richtigt und die Geheimpolizisten Man
ning und Samuels erfuhren gestern
von Leuten, welche den Mann in Be
gleitung des Mädchens gesehen hatten,
dessen Namen und Wohnung. Devoll
wurde verhastet und der Frau Miller
und ihrer Tochter gegenübergestellt;
Beide erkannten ihn auf das Bestimm
teste wieder. Grace Miller beschrieb
sogar ein Paar Beintlelder Devoll'S,
die dieser am Tage zuvor getragen
hatte, mit solcher Bestimmtheit, daß daS
Kleidungsstück bei einer Durchsuchung
von Devoll'S Wohnung mit Leichtigkeit
gesunden werden konnte.
Devoll stellt vorläufig noch seine
Schuld entschieden in Abrede.
Stadth alle - Ordinanz nuter
zeichnet. Major Bookwalter unterzeichnete
gestern die am Montag Abend vom
Stadtrath angenommene Ordinanz,
durch welche die Ausgabe von Bonds in
Höhe von $300,000 für den Bau einer
Stadthalle genehmigt wird.
Der Stadt'Controlleur hat den Ter
min für Eröffnung der Angebote zur
Uebernahme der Bonds auf den 3.
August Mittags 12 Uhr festgesetzt.
Nach dem Wortlaut der Ordinanz
tragen die BondS vom 1. Juli 1906 ab
3z Prozent Zinsen und ist es deshalb
im Interesse der Stadt, den Bau der
Stadthalle so bald als möglich zu be
ginnen, um das nach Verkauf der
Bonds zur Verfügung stehende Geld
nicht zu lange todt liegen zu lassen.
Wenn auch in der Ordinanz von
einem Auditorium nicht die Rede ist,
so ist der Bau eines solchen in Verbin
dung mit der Stadthalle doch be
schlösse? Thatsache; der Mayor ht
versprochen, bis zum nächsten Juni für
da? Sängerfest ein Auditorium zur
Verfügung zu stellen und er ist dem An.
schein nach fest entschlossen, sein Ver.
sprechen unter allen Umständen zu hal
ten. Vielleicht wird die Opposition
jetzt noch versuchen, die Einrichtung
eines Auditoriums in der neuen Stadt
Halle durch gerichtliche EiühaltS.Befehle
zu hintertreiben, doch wird ihnen dies
voraussichtlich nicht viel nützen.
G e o. A. N e m m e t t e r. 224 Nord
Pine Str. Dunkles und Helles Capi
tal City Vier stets Lei mir zu haben.
Deutscher Görtner-Verem
ält am Donnerstag sein pick
Nick ab.
DaS jährliche Picknick deS Deutschen
GärtnerVereinS sindet am Donnerstag
den 26. Juli im Germania Park statt.
Die seit Wochen von dem rührigen
Csmite betriebenen Vorbereitungen sind
beendet und steht ein guter Erfolg zu
erwarten.
DaS Picknick der Gärtner war noch
stets ein Ereigniß, dem mit großen Er
Wartungen entgegengesehen wurde; eS
nahm noch immer unter den Sommer
Vergnügungen der deutschen Vereine
den ersten Rang ein. Diese Erwar
hingen werden auch in diesem Jahre
nicht enttäuscht werden; da? Fest wird
in keiner Weise hinter den vorange
gangenen zurückstehen.
Für allerlei Vergnügungen, mit
denen vielfache' Überraschungen ver
knüpft find, sowie für gute Konzert
und Tanz.Mufik ist in bester Weise
Sorge getragen.
Freunde deS Vereins sind willkom
men. Wer einige vergnügte Stunden
mit den Gärtnern verleben will, der
gehe am Donnerstag zum Germania
Park.
Polizeiliches.
Philip W elfh, 30 Jahre alt,
11 Nord Winter Avenue. soll gestern in
unmenschlicher Weise sein Pferd behan
delt haben und wurde prompt von dem
Thierfchutzbeamten Al. Smith und dem
Polizisten Monninger abgeführt.
MileSMoriarity, 13 Jahre
alt, 1433 Deloß Str., wurde gestern
von den Beamten Tatcher wegen Vaga
bundirenS eingelocht.
Henry ElliS. 53 Jahre alt,
245 Süd West Str.. bummelte gestern
in verdächtiger Weife auf der Straße
herum. Er siel schließlich in die Hände
der Beamten Hoftetter und MuSgrove,
die ihn nach Nummer Sicher brachten.
, Hel b r i d g e Ske e l, 13 Jahre
alt. 1106IEnglish Ave., prügelte sich
gestern auf der Straße herum; als ihn
die Beamten Dugan und Baftin ver
haften wollten, sprang er auf einen
Straßenbahnwagen, um zu entrinnen.
Er wurde aber von den Polizisten er
faßt und nach Nummer Sicher expe.
dirt.
Humphrey Smith, 43
Jahre alt, in der Nähe von 1300 Sil.
ver Ave. wohnhaft, Judson Hooper,
50 Jahre alt; 2523 West Jackson Str.,
wurden gestern auf einen Verhaftbe
fehl, den William BoTdorfer erwirkt
hatte, wegenttleindiebstahlS vonPolizist
McKinney hinter Schloß und Riegel
gebracht. BoSdorfer beschuldigt beide,
ihm 85 gestohlen zu haben.
W m. O. H o l y , 22 Jahre alt,
von British Guinea. Süd Amerika,
wurde gestern von den Geheimpolizisten
Kinney und Morgan wegen Vagabun
direnö eingelocht. Holy kam im August
1902 mit S1500 in der Tasche nach den
Ver. Staaten, hielt sich so jlange sein
Geld reichte in New York auf und ist
vor einigen Tagen nach Indianapolis
gekommen. Derselbe hat die Abficht,
die Goldminen im Westen aufzusuchen.
um sich dort Arbeit zu verschaffen. Holy
besitzt gute Schulbildung.
George Vincent, 40 Jahre
alt, 1209 West 32. Str., wurde gestern
von den Radlerpolizisten Müllen und
Hall festgenommen und in die Kranken,
abtheilung deS Gefängnisses gebracht,
um ihn heute auf seinen Geisteszustand
untersuchen zu lassen.
Vom .Mutterschwein
gebissen wurde der in der Nähe
von Linton, N. D., wohnende Farmer
Clark, als er gerade Ferkel aus dem
Koben nehmen wollte. Die Thierchen
quietschten und die Mutter wurde im
Glauben, daß die Thiere verletzt wür
den, wüthend und stürzte sich auf
Clark. Sie biß ihm zunächst in den
Schenkel und als er versuchte, sie ab
zuwehren, biß sie ihn auch in den' Un
terarm. Die Verlegungen wurden so
fort ausgebrannt, waren aber sehr
schwer.
Aus den Gerichten.
Polizeigericht.
John Schmidt und C. W. Miller
geriethen am Montag in einem Hause
an der Court Straße in Streit, in
welchem Miller von Schmidt zuerst mit
einer Bierflasche und dann mit einem
Messer bearbeitet wurde. Beide sind
Maschinisten und bot der kürzliche
Streik den Anlaß zum Streit. Die
Verletzungen, welche Miller erhielt, find
nicht gefährlich.
Gestern Morgen wurde Schmidt vom
Polizcirichter wegen thätlichen Angriffs
zur Zahlung von $25 und zu 60 Ta
gen Arbeitshaus verurtheilt. Miller
und GuS. King, ein anderer Mafchi
nist, der ebenfalls zugegen war, aber
bei der Schlägerei unthätiger Zuschauer
blieb, erhielten wegen Besuches eines
unordentlichen Hauses eine Strafe von
je $10 nebst Kosten zudiktirt.
Kriminalgericht.
Paul Flora, welcher vor einiger Zeit
bei einer Schlügerei in einer Wirth
schaft an der Westseite den Peter Rosso
durch einige Messerstiche verletzte, vu
zichtete gestern auf die Verhandlung
der Anklage gegen ihn wegen thätlichen
Angriffs mit der Abficht zu tödten vor
den Geschworenen und stellte dem Rich
ter die Entscheidung allein anheim.
Trotzdem Flora seine Unschuld betheu
erte. sandte ihn Richter Alford auf 90
Tage in'Z Arbeitshaus und legte ihm
außerdem eine Geldstrafe von 5 nebst
Kosten auf. Weder der Angeklagte
noch die Zeugen waren der englischen
Sprache mächtig, doch brachte Staats
anmalt Benedict mit Hülfe eines Dol
metschers soviel heraus, daß der Richter
die Schuld des Angeklagten als erwie
sen annehmen mußte.
Walter L. Howard, der sich wegen
GroßdiebftahlS und Unterschlagung zu
verantworten hatte, wurde' der Unter
schlagung schuldig befunden und mit
S1 und Kosten und 5 Tagen Gefüng
niß bestraft.
Paul Flora, der wegen einer Schlü
gerei mit der Abficht zu todten ange
klagt war, wurde der Schlägerei schul
dig befunden und zu 81 und Kosten
und 90 Tagen Arbeitshaus verdonnert.
John Hull, der wegen einer Schlüge,
rei mit der Abficht zu tödten vorgela
den war, wurde der Schlägerei schuldig
befunden und mit 81 und Kosten und
4 Monaten Arbeitshaus bestraft.
Jugendgericht.
Grace PerkinS, 14 Jahre alt. an der
15. Straße wohnhaft, wurde wegen
Unverbesserlichkeit von Richter StubbS
nach der Julie E. Works Training
Schule in Plymouth, Ind., gesandt.
E l l 8 w o r t h. In der von Terre
Haute sechs Meilen südlich gelegenen
Ortschaft EllSworth mit knapp 400 Be
wohnern ereignete sich am Montag
Abend eine Schießerei, bei der glückli
cherweise nur eine Person leicht ver
mundet wurde. Eine angetrunkene
Bande junger Leute befand sich auf der
Straße, als Herr Edgar Miller mit
feiner Frau aus ihrer Wohnung tra
ten. Die Frau wurde infultirt und
als Herr Miller die Bengels zur Ord
nung wies, wurde er von allen Seiten
bedroht. Herr Miller zog seinen Re
volver und schoß zweimal und eitler der
Angreifer fiel getroffen zu Boden.
Seine Kameraden luden ihn auf
einen Wagen und fuhren davon. Miller
hatte keine Idee davon, wer der Ge
schossene, oder wie schwer er verletzt war.
Weder auf der Polizei.Station, noch
im Sheriffs. Amte in TerreHaute wußte
man anfänglich Näheres über die Sache.
Später fand man aus, daß der Ver
mundete Henry Wiffel heißt und 803
Nord 13 Straße in Terre Haute
wohnt. Ein Arzt verband ihm seine
Verletzungen, welche zum Glück nicht
gefährlich sind. Die eine Kugel bohrte
sich durch den Hals ohne eine vitale
Stelle zu treffen, die andere ftreifte'die
Brust. Immerhin wird Wiffel einige
Wochen lang das Bett hüten müssen.
Gottlieb Veukhardt,
'Die gemüthliche Ecke-,
Eck? Noble und Market Str.
. .
Die preußischen Staatsbabner:.
Nach einer Statistik des preußischen
Ministeriums der öffentlichen Arbeiten
haben dermalen die Eisenbahnen der
preußisch-hessischen StaatZberwaltung
eine Betriebslänge von 23,255 Kilo
metern. Hiervon entfallen 4140 Kilo
meter auf außerpreußisches Staatsge
biet. Am dichtesten ist das Eisenbahnnetz
in der Provinz Schlesien, denn hie?
sind 4425 Kilometer Eisenbahn im
Betriebe; die Rheinprovinz (mit Ho
henzollern) verfügt über 4340 Kilome
ter Vetriebslänge; dann folgen Bran
denburg mit Berlin (3906 Kilometer),
Westfalen (3102 Kilometer), Hannover
(3081 Kilometer), die Provinz Sach.
sen (2883 Kilometer).
Von den 21 Eisenbahndirektionsbe
zirken ist der Berliner der kleinste, trotz-
dem aber der verkehrsreichste, da Ber-
lin Hauptknoienpunkt aller großen Ei
senbahnlinien ist. Immerhin umfaßt
das Eisenbahnnetz des Berliner Be
zirks,' das sich in der Hauptsache auf
die Stadt-, Ring- und Vorortbahnen
beschränkt, 594 Kilometer, wovon 72
Kilometer auf Nebenbahnen entfallen.
Die größten Betriebslängen weisen die
Direktionsbezirke Königsberg (2430
Kilometer). Danzig (2369 Kilometer),
Posen (2182 Kilometer), Breslau
(2109 Kilometer), Stettin (2064 Ki
lometer) und Hannover (2019 Kilome
ter) auf. Die übrigen, Halle und Al
tona voran, haben unter 2000 Kilo
meter bis herab auf 1006 und 1056
(Mainz und Saarbrücken).
Neues Material für
Papierfabrikation. Neuer
dings hat man gefunden, daß der Pa
paya (mexikanische Melonenbaum) ein
vortreffliches Material zur Erzeugung
sehr schönen Papieres liefert, und diese
Entdeckung hat natürlich großes Auf
sehen in den Gegenden erregt, wo der
genannte Baum in reicher Menge vor-
kommt. Die Fasern haben die Länge
des ganzen Stammes, der mit Aus
nähme der Rinde und einem schmalen
Markstreifen ganz aus solchen besteht.
Die Pflanze wächst sehr schnell, der
Stamm erreicht schon in einem Iah?
einen Durchmesser von zwei bis drei
Zoll. Der Papaya soll durch die Spa
Hier von den Molukken nach Mezilo
eingeführt worden sein.
Der Luftballonkünstler
W. D. Herrguth machte neulich
Sonntags in Oshkosh. Wis., bei Ge
legenheit der Eröffnung der neuen
White City dortselbst einen Aufstieg
mit seinem Ballon. Das Luftgefährt
wurde aber vom Winde auf den
Winnebagosee hinausgetrieben und
fiel dort eine Meile vom Ufer nieder.
Der Luftschiffer wurde durch Hilfe
eines Ruderbootes, das zufällig in
der Nachbarschaft war, vor einem
nassen Grabe bewahrt."
Ueber einen eigenartigen
Umzug wird aus Aankton, S. D.,
erzählt: Der Kaufmann C. V. Pac
ker aus Aten hat beschlossen, nach
Grotton, 18 Meilen südlich, überzu
siedeln und drei große' Maschinen und
zwölf Pferde sind nun im Begriffe,
sein ganzes Haus, welches 60 Fuß
lang ist, quer über die Prairie naa)
seinem neuen Bestimmungsorte mit
einer Geschwindigkeit von zwei Mcl
len per Tag zu befördern. Das Ge
schäft wird im ebenerdigen Trakte
weiter betrieben und auch die Familie
bewohnt das Haus während seiner
Beförderung.
Eine drollige Polizeige-
schichte wird aus Berlin berichtet.
Von Passanten wurde in der Lynar
straße ein dreijähriger Knabe, nur im
Hemdchen, angetroffen, der weinend
seine Mutter suchte. Da war guter
Rath theuer. Man kam auf den Ein
fall, den kleinen Ausreißer nach der
nahe gelegenen Wache zu bringen.
Das geschah denn auch, obwohl der
Junge furchtbar schrie und jammerte.
Hilfsbereit wie die Schutzmänner im
mer sind, nahmen sie sich des Kindes
an. Der kleine Schreihals machte
solch einen bemitkeidenswerthen Ein
druck auf die Familienväter, daß sie
kurz entschlossen unter sich eineSamm
lung veranstalteten und für den Er
lös einen Anzug und ein Paar
Strümpfe kauften. Während . man
diese Kleider beschaffte, wurde der
Kleine gewaschen, gekämmt und ge
füttert. Bald war der Anzug da,
und schnell wurde aus dem Hemden-
lemper ein drolliger, lustiger Bengel.
Jetzt erschien die Mutter. Ihre Klei-
der waren zwar sauber und ganz,
zeigten aber die Spuren bitterer Ar-
muh. Sie hat die.RLckchen über den
Armen und thränenden Auges fragt
sie, ob hier ein Kind' zugelaufen sei.
6m Kind? Ja, sogar ein Junge !"
ist die Antwort. Die Mutter traut
ihren Augen nicht. Mir freudigem
Schreck nimmt sie ihr Kind und ver
laßt unter Dankesworten mit ihrem
stolz einherschnitenden Jüngsten die
Waje. .' .

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