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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, August 03, 1906, Image 3

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Jndiana Tibüne, 3. August 1906.
a
G
rauenhaftes Blutbad
Wird unter den gefangenen Meuterern in Rußland
angerichtet.
Militär - Revolution unterdrückt. Geueral ermordet. Höllenmaschiue im
Waschkorbe. Herzenstems Mörder verhastet. Alles friedlich.
Russische Grenze strenge bewacht. Kreuzer Azowa" loyal.
Ein Kreuzer hißt die rothe Flagge. Zu Hunderten
werden die Meuterer erschossen.
Rußland.
Zu Hunderten werden
die Meuterer er
schössen.
Kronstadt, 2. August. Die in
der letzten Nacht gefangen genommenen
300 Meuterer sind heute Morgen er
schössen worden. Noch bis heute Abend
konnte man die Gewehrsalven, welche
die Meuterer zum Tode beförderten,
vom Arsenal hören. Auch 16 Civil!
ften find nach einem kurzen KriegSge
richt niedergeschossen worden. Die rus
fischen Militärbehörden machen jetzt
kurzen Prozeß mit den Aufrührern; je
der Soldat, der den Gehorsam verwei
gert, oder jeder Civilist, der bewaffnet
ist und die Soldaten aufwiegelt, wird
kurzer Hand erschossen. j
Alles friedlich.
Helfingforö. 2. August.
Bei der Meuterei in der Jnselfeftung
Sweaborg waren siebe Kompagnien
Artillerie und die. FestungSdampfer
.Wietrali-, JstvAlat", Rabotschi.
Jmpremier- und MarS- bethelligt,
während die Dampfer Bomba-,
Opit" und Sweaborg- zur Verfü
gung der Behörden blieben. Der
pU" wurde sehr stark von den Meu
terern beschossen. Wahrend der Meu
terei im Barrackenlager auf Skatudden
schoß nur ein KriegZdampfer, der
Sinn", auf die Meuterer, während
die anderen in der Nähe vor Anker lie
genden fürs Kriegsschisse theinahmloö
blieben, weil die Kommandanten der
selben großen Zweifel hegten, ob die
Mannschaften auf ihre Kameraden
schießen würden.
Sechs an Händen und Füßen gebun
dene Civilisten, wahrscheinlich revolu
tionäre Agitatoren, welche sich an der
Meuterei thätig betheiligt hatten, wur.
den heute von der Festung Sweaborg
hierher gebracht. Sie werden wahr
scheinlich während der Nacht erschossen
werden.
Während des Kampfes auf Swea
borg wurden 50 Soldaten und 50
Offiziere getödtet. Ungefähr 200
Soldaten wurden verwundet.
Die Stadt bietet heute ein friedliches
Bild dar; die Mitglieder der revolutio
närm .Nöthen Wache" sind wie vom
Erdboden verschwunden und lassen sich
nicht sehen.
Herzenftein'S Mörder
verhaftet.
T e r i j s k i , Finnland, 2. Aug.
Die sinnischen Behörden haben heute
einen russischen EisenbahN'GenSdarm
verhaftet, der im Verdachte steht, das
frühere Mitglied des aufgelösten Par
lamentS M. Herzenftein ermordet zu
haben. Wie weit der Verdacht begrün
det ist, wurde nicht von den Behörden
bekannt gemacht, jedoch soll der
GenSdarm zur Zeit deS Mordes in der
Nähe deS Gartens der Herzenstein'schen
Villa von mehreren Personen gesehen
worden sein.
General ermordet.
Warschau, 2. August. General
MarkgraffSky, Befehlshaber der GenS
darmerie deS Distrikts Warschau, wurde
heute Nachmittag gegen zwei Uhr durch
eine Revolverkugel getödtet. Die Mord
that wurde im belebtesten Stadttheile
der Stadt ausgeführt und der Mörder
konnte sich unerkannt flüchten.
Kreuzer Azov a-loyal.
St. Petersburg, Mltter.
nacht, 3. August. Großfürst Nikolaus
hat soeben eine Depesche erhalten.
welche besagt, daß der loyal gebliebene
Theil der Mannschaft des Kreuzers
.Pamgat Azova- die Meuterer auf dem
Schiffe überwältigt und sie als Gefan
gene an'S Land gebracht hat.
Ein Kreuzer hißt die
rotheFlagge.
St. Petersburg, Mitter.
nacht, 3. August. Eine Schreckens
Nachricht berichtet, daß der russische
Kreuzer Asia", welch 'nach Abo ge
schickt wurde, die rothe Flagge gehiß
hat. Der Kreuzer ist nicht im Hafen
von Abo eingetroffen, sondern er
dampfte in dtr Richtung von Swea
borg davon. Die Meuterer auf dem
flsia" wissen wahrscheinlich noch nicht,
daß die Militür.Revolte in Sweaborg
unterdrückt worden ist.
Militär. Revolution un
t e r d r ü ck t.
St. Petersburg, 2. Aug. Die
plötzlich hier und dort zum Ausbruch
gekommene Mllitärrevolution im nord
westlichen Theile des russischen Reiches
ist noch ein Mal glücklich unterdrückt
worden. ES hat sich dabei gezeigt, daß
der größere Theil des Militärs noch
oyal ist und daß es den Revolutkonü
ren nicht lo leicht fallen wird, wie sie
wohl geglaubt haben, diese Schutzwehr
deS Czaren zu brechen. Der Czar sei
der und seine Familie hatten jedoch zur
Vorsicht Alles vorbereitet, um in'S AuS
and fliehen zu können, wenn die Re
volution sich weiter ausgebreitet hätte.
Nachdem die Militärputsche jetzt vorüber
find, soll der Szar und die kaiserliche
Familie Schloß Peterhof v:rlassen und
die kaiserliche Residenz in Schloß
TsarLkoe Selo aufgeschlagen haben.
Die Meuterei in Sweaborg ist un
erdrückt worden, und die Meuterer be-
sinden sich in HelsingforZ, wo sie von
einem Kriegsgericht summarisch abgeur
heilt werden sollen. Die meuternden
Matrosen und Soldaten in Fort Con
ftantine sind nach einem desperaten
Kampfe, bei dem sie über hundert
Todte und Verwundete verloren haben,
ebenfalls überwältigt worden und sehen
einer exemplarischen Bestrafung entge
gen. Die Meuterer, welche das be
rühmte EiserneThor bei Derbant im
Kaukasus besetzt hatten, find von den
Kosacken auseinander getrieben worden
und haben sich ergeben.
Gegen Abend traf die Nachricht ein
daß der gepanzerte Krezer Pamya
Azava" an der Küste von Kurland in
Händen der meuternden Besatzung sein
soll. Der Kapitän und vier Offiziere
find getödtet und die andern Offiziere
find sämmtlich gefangen genommen
worden. Diese Schreckensnachricht hat
eine wilde Panik erregt und man
glaubt, daß die Lage kritisch werden
wird, wenn noch mehrere solche HiobZ-
botschaften hier eintreffen sollten.
Höllenmaschine im Wasch.
korbe.
Moskau. 2. Aug. Ein Ver.
such wurde heute Nachmittag unter
nommen, das hiesige Polizei Haupt
quartier mit Dynamit in die Lust zu
sprengen. Die Revolutionäre hatten
eine sogenannte Höllenmaschine in einen
Korb mit schmutziger Wüsche gelegt.
aber das Ticken der Uhr in der Hüllen
Maschine wurde gehört und das gefähr
liche Ding rechtzeitig beseitigt.
Czarenpalast lnFlammen.
Odessa, 2. Aug. Laut Depe
schen auS Livadia in der Krim haben
die Revolutionäre den dortigen Som
merpalaft des Czaren in Brand gesteckt,
und eine Volkserhebung in der ganzen
Krim wird befürchtet'. Der Palast ltegt
in herrlicher Umgebung am südlichen
ttrimufer nahe dem Badeorte Jalta.
Die Gegend ist während der Herbstsai
son ein LieblingSaufenthaltort der rus
fischen Prominenz, welche dort zahl
reiche Villen und Schlöffer befitzt.
Spion getödtet.
St. Petersburg, 2. August.
Versammlungen von Arbeitern, in
welchen revolutionäre Redner Anspra
chen halten, finden jeden Abend heim
lich in dem Industrieviertel von St. Pe
tersburg statt. In einer Versammlung
von Arbeitern der großen Putilow'schen
Eisenwerke wurde gestern Abend unter
den Anwesenden ein Spion entdeckt, der
von den Leuten aus der Stelle getödtet
wurde.
Aus einer Waffcnfabrik im Waffill
Oftrow'Diftrict wurde gestern Abend
ein Maschinengeschütz gestohlen. Der
Verdacht besteht, daß der Diebstahl mit
Beihülfe deS Militärpostens vor der
Fabrik bewerkstelligt wurde.
Die Polizei verhaftete in einem Lo
girhaufe an Sadovaya Straße fünf der
Hauptmitglkeder des ExecutivcomiteS
der Sozialrevolutionäre. Sie hatten
dort die Ankunft der anderen Mitglie
der erwartet, um eine Sitzung der Exe
cutive abzuhalten.
Deutschland.
Russische Grenze strenge
bewacht.
B r e S l a u, 2. August. In Folge
der unruhigen Zustände in Russisch'
Polen find die russischen Grenzen in
den Provinzen Schlesien, Polen und
Oft und Weftpreußen durch starke
GenSdarmerie-Abtheilungen bedeutend
verstärkt worden. Von russischer Seite
ist dieses ebenfalls geschehen, um pol
Nische Ruhestörungen in den der Grenze
benachbarten Dörfern sofort unter
drücken zu können.
Großbritannien.
Verfassung für TranS
v a a l.
London, 2. August. Winfton
Spencer Churchill, ParlamentZsekretär
deS Kolonialamts, legte heute Nachmlt
tag im Unterhause den Vorschlag der
Regierung bezüglich der Verfassung
dar, welche der TranLvaalKolonie ge
währt werden soll. Der leitende Grund
satz, erklärte er, würde sein, keinerlei
Unterschied zwischen Briten und Buren
zu machen, sondern beiden die vollsten
Vorrechte britischen BürgerthumS zuzu
wenden.
Alle männlichen Einwohner im Alter
von mindestens einundzwanzig Jahren,
welche sechs Monate im Transvaal
wohnhaft gewesen sind, mit Ausnahme
von Mitgliedern der britischen Garni.
son. sollen zum Stimmen berechtigt sein
und jeder Distrikt, ohne Rückficht anf
die Bevölkerungszahl einen Vertreter
im Parlament haben.
ES liegt im Plan, dem '.Rand zwei
unddreizkg Sitze zu geben, Pretoria
sechs, Krügerödorp einen und dem Rest
deS Transvaal dreißig Sitze.
Die Affembly von Transvaal wird
aus 69 Mitgliedern bestehen, welche auf
fünf Jahre gewühlt werden und Ge
halt beziehen. Sowohl die britische
wie die holländische Sprache kann bei
der Führung öffentlicher Geschäfte ge
braucht werden.
Italien.
Das Bild deSPapfteö.
Rom, 2. Aug. Cx.Richter Pal.
mieri von New York, welcher als Ver
treter des Hearft'schen HilfS. Comites,
das Unterstützungen für die 32,000
Opfer des Vesuv-AuSbruchS gesammelt,
nach Italien kam, wurde heute vom
Papst in Audienz empfangen. Der
Heilige Vater hörte dem SituationSbe
richt Palmieri'S mit großer Aufmerk
samkelt zu und bekundete große Befrle
digung über die Opferwilligkeit der in
Amerika ansässigen Italiener, welche
ein neuer Beweis für die Italien und
Amerika verknüpfenden FreundschaftS
bände fei.
Der Papst wünschte Herrn Hearft sei.
nen speziellen Dank sür dessen wohlthä
tigeS Werk auszudrücken und vergaß
auch Jener nicht, die zu diesem Werk
beigesteuert und mitgeholfen. Dann
schritt der Pontifex an einen großen
Tisch, legte eine große eingerahmte
Photographie von sich auf denselben,
schrieb am unteren Rande seinen Na
menSzug hin und segnete die Photogra
phie ein. Hierauf überreichte er letz
tere Ex. Richter Palmieri, ihn bittend.
er möge sie Herrn Hearft bringen als
Ausdruck und Werthschätzung der wohl
thätigen Bestrebungen des eminenten
New Vorker Staatsmannes und Refor
merZ.
Spanien.
ZumBesuchbelKönlg
A l s 0 N S.
M a d r i d,,2. Aug. ES wird de
kannt gegeben, daß KaiserWilhelm nach
einer Kreuzfahrt im Mittelländischen
Meer im September in Alicante. Spa
nlen, landen und den König AlfonS
besuchen wird. Letzterer wird sich im
August zum Stapellauf des Kreuzers
Reina Regenta- nach Ferrol begeben.
Großbritannien.
Englische Matrosen wollen
kein amerikanisches
Fleisch.
London, 2. August. In 53t
antwortung einer Anfrage im Hause
der Gemeinen sagte heute der Sekretär
der Admiralität, Robertson, daß die
Marinesoldaten eingepökeltes Rind
fleisch aus Australien und Argentinien
verlangen, jedoch sollte erst das vor
handene amerikanifcheRindfleisch. unge
fähr anderthalb Millionen Pfund,
welches im Jahre 1903 gekauft worden
fei, verzehrt werden, bevor andere Be-
zugSquellen zum Einkauf deS Fleisches
gesucht werden könnten.
Gin Japau.r ülcr Japan.
Das Quch eines Japaners über Ja
S2N nimmt man heute nicht mehr ohne
Mißtrauen in die Sand, denn von Ob
iektrvltät und wissenschaftlicher Wahr-
heit ist in den japanischen Veröffent-
lichungen erfahrungsgemäß wenig zu
spüren, wenn es sich um das eigene
Volk handelt. Ganz frei von diesen
Fehlern ist zwar das Japanisch:
Volksseele" betitelte Werk Okakura's.
von öem hier die Nede sein soll, auch
nicht, aber man wird doch bei der Lek-
türe sehr angenehm enttäuscht, denn
was hier geboten wird es sind Vor
lesungen, die an der Londoner Univer
sität gehalten wurden . steht hoch
über dem Durchschnitt dessen, was man
sonst von Japanern zu hören gewohnt
ist: es ist eine geistvolle, Wissenschaft
lich ernste Analyse des japanischen
Volkscharakters, die auf gründlichen
Kenntnissen, selbstständiger Kritik und
einem offensichtlichen Streben nach
Objektivität beruht. In klarer, über
zeugender Weise führt der Verfasser die
Entwickelung der japanischen Volks
seele mit ihrer verwickelten Eigenart, in
der sie uns heute erscheint, zurück aus
die Einflüsse der konfuzianischen Ethik,
der uralten Vorstellungen der Taoisten
von Natur- und Ahnendienst, sowie
der lebenverachtenden Lehren desVudd
hismus, Einflüsse, die in ihrer Man
nigfaltigkeit zwar bestimmte Züge im
japanischen Charakter herausgebildet,
aber seine durch den Schintoismus be
dingte Grundform nicht beseitigt haben.
Von Anbeginn an nach Okakura
beruhte die gesellschaftliche Ordnung
Japans auf der kindlichen Liebe und
Pietät, einer natürlichen Folge des
Ahnenkultus, sowie auf Altruismus,
Loyalität und Vaterlandsliebe. Diese
Eigenschaften aber konnten durch die
praktischen Lehren der konfuzianischen
Ethik nur verstärkt werden. Die Phi
losophie der Taoisten und die Meta
Physik des Buddhismus, für die das
japanische Wesen ursprünglich wenig
Aufnahmefähigkeit besaß, haben dann,
besonders durch die Lehren der Zen
Sekte, in dem Charakter der Japaner
die Selbstbeherrschung? die Kaltblütig,
keit, kurz, alle die Eigenschaften en
wickelt, die den heutigen Japaner von
echt nationalem Typus merkwürdig
erscheinen lassen. Geistreich und fein
sinnig, wie Okakura's Herleitungen
sind, und obwohl er am Schlüsse seines
Buches die Hoffnung ausspricht, daß
es ihm gelungen sein möge, die Stär
ken und Schwächen feiner Landsleute
zu offenbaren, ist doch in Wirklichkeit
bei seinen Ausführungen von solchen
Schwächen nichts zu merken. Zwar
wird einmal in zarter, kaum erkennba
rer Weise die Oberflächlichkeit des Ja
paners angedeutet, aber von den sonsti
gen Flecken des strahlenden Gemäldes,
von der Unzuverlässigkeit. der Unauf
richtigkeit besonders Fremden ge
genüber und von der maßlosen Ei
telkeil erfahren wir nichts. Hier zeigt
sich eben auch Okakura durchaus als
Sohn seines Landes: die Begeisterung
für das Land der Götter" duldet kei
nen Mackel am eigenen Volksthum. und
wo es sich um ' den nationalen Ruhm
handelt, da müssen Kritik und Objek
tivit'ät schweigen.
So ist es ein starkes Stuck, daß ein
so kenntnißreicher Mann wie Okakura
in einem wissenschaftlichen Vortrage
kein Bedenken trägt, von dem göttlichen
Jrmmu Tenno, einem Urenkel der
Sonnengöttin", als von einer histori-
schen Persönlichkeit zu reden und sei
nen Zuhörern allen Ernstes erzählt,
daß dieser erste Kaiser" vor 2563
Jahren den Thron bestieg und damit
die Dynastie begründete, deren 121.
Monarch heute Japan regiert! Herr
Okakura wird so gut wie Jeder, der
.sich auch nur oberflächlich mit japani-
scher Geschichte befaßte, davon Kennt-
niß haben, daß Jimmu Tenno" und
etwa vierzig seiner Nachfolger theils
Erzeugnisse der japanischen Phantasie
sind, theils in Bausch und Bogen aus
den chinesischen Klassikern und Ge
schichtswerken entliehen, zu Japanern
umgeschaffen wurden, und im Jahre
785 nach Christus ihre stolzen kanoni
schen Namen" erhielten. Er wird auch
wissen, daß das erste verläßliche Da
tum in der japanischen Geschichte das
Jahr 461 nach Chr. und daß selbst
die Nachrichten bis zum Ende des 7.
Jahrhunderts nur theilweise Vertrauen
verdienen. Wie lange die japanische
Dynastie in ununterbrochener Ge-
schlechtssolge zurückgeht, wird sich nicht
feststellen lassen, daß es aber nicht an
nähernd so lange ist, wie die Japaner
und mit ihnen Herr Okakura anzuge
ben pflegen, ist zweifellos, denn von
irgend einem historischen Wissen oder
gar von einer zusammenhängenden
Chronik vor dem erwähnten Jahre
kann keine Rede sein. Die trotz aller
Widerlegungen immer wiederholte Le-
gende von der Jahrtausende alten.
auf göttlichen Ursprung zurückgehenden
Dynastie" mag für das nationale
Selbstbewußtsein, ja für die ganze
Ethik der Japaner ein wichtiges Mo
ment sein, sie aber als eine geschichtliche
Thatsache in eineoissenschaftliche Er
Lrterung einführen zu wollen, zeug!
von Unaufrichtigkeit. die eben auch ein
Charakterzug der japanischen Volks
seele ist.
Der frühere Kommann
d c u r der Schutztruppe für
Tcutsch'Südwcstafrika, Gencralleut'
nant v. Trotha 'nimmt demnächst sei
ien ständigen Wohnsitz in Godes
berg a. Rhein.
n Cüdc fita
ist die Lage bedenklich geworden. Die
englische Regierung erhielt aus
Transvaal Nachrichten, daß cm all
gemeiner Aufstand der Eingeborenen
in ganz Südafrika zu erwarten sei.
Die Eingeborenen legen eine noch
nie dagewesene Frechheit den Ween
gegenüber an den Tag. Es heißt,
demnächst werde das Signal zu einer
allgemeinen öcicdermetzelung der
weißen Frauen und Kinder seitens
der Zulukanern gegeben werden.
Es ist leider nicht mehr zu U$oü
fcln, daß der Aufstand der Eingcbo
rencn trotz der Siege der Truppen
immer mehr um sich greift. Iohan
ncsburg lebt in vollständiger Panik.
Die Stadt ist zu einem bewaffneten
Lager geworden. Häuser werden
vcrbarrikadirt und die Waffenhänd
ler können kaum den an sie gestellten
Anforderungen genügen. Während
man bisher immer noch den Loyali
tätsvcrsicherungen des Oberhaupt
lings Tinizulu traute, wird jetzt all
gemein versichert, daß seine Sendbo
ten für die hcrrschendenZustände ver
antwortlich sind. Außerdem richten
die Prediger der äthiopischen Kirche
durch die Predigt über den Grund
satz Afrika für die Afrikaner" gro
ßes Unheil an. Man glaubt, das; die
llnruhen in Johannesburg erst durch
die vernichtenden Schläge gegen die
Zulus in Natal zum Ausbruch cjc
bracht wurden. Im Verlaufe eines
Monats wurden 20 Europäer in Ja
bannesburg von Eingeborenen über
fallen. Tic letzteren vergewaltigten
auch sechs weiße Frauen, die unvor
sichtig genug waren, sich nach An
bruch der Dunkelheit auf die Strafe
zu wagen. Zwei der Opfer starben
und andere bssindcn sich in bedenk
lichem Zustande. Die Angriffe aus
die Europäer kommen hauptsächlich
in den südlichen Vorstädten von Jo
Kannesburg vor. Einwohner von
Johannesburg, die wissen, was ein
Aufstand der Eingeborenen heifzt,
verproviantiren ihre Häuser wie für
eine Belagerung. Aus Kapstadt
wurden Waffen beordert. Die einge
borcnen Diener legen ein unver
schämtcs Benehmen an den Tag. Ein
Diener sagte seinem Herrn, die Wei
fccn würden demnächst in die See ge
trieben werdm. Die Polizei hat
Eingeborene verhaftet, bei denen sich
Gegenstände fanden, die den übend
lcnen Weißen gehörten. Aus ganz
Transvaal kommen beunruhigende
Nachrichten. Die beunruhigendste ist
Vielleicht die, daß sichdie Eingebore
nen in hellen Schaaren der äthiopi
schen Kirche anschließen. Der Korre
spondcnt ' des Standard" glaubt,
festgestellt zu haben, daß die Einge
borcnen einen Nachrichtendienst or
ganisirt haben. Er behauptet, daß
die äthiopische Kirche ihre Agenten in
Europa und Amerika habe.
Um 20 Millionen.
Eine interessante Erbschaftsangele
genheit beschäftigt die juristischen und
politischen Kreise der französischen
Hauptstadt. Vor einigen Tagen starb
dort der 20-fache Millionär Charles
Rubens, der ein luxuriös eingerichtetes
Hotel in der Avenue Alma besaß und
eine große Rolle in der Gesellschaft
spielte. Da Rubens als amerikani
scher Staatsbürger galt, wurde seine
Wohnung unter Intervention des Kon-
suls der Vereinigten Staaten versie
gelt. Nun meldeten sich plötzlich etwa
40, zumeist aus dem Elsaß stammende
Personen, die Crbschastsansprüche er
hoben, indem sie behaupten, der Ver
storbene habe mit seinem richtigen Na
men Charles Woog geheißen und in
folge einer heiklen Angelegenheit im
Jahre 1868 seine Vaterstadt Mülhau-
sen im Elsaß verlassen. Woog sei
nach Amerika ausgewandert, wo er un
ter dem Namen Rubens in Industrie-
Unternehmungen ein großes Vermögen
erworben habe. Vor etwa 15 Jahren
hatte sich Woog in Paris niedergelassen
und erfreute sich namentlich in der
amerikanischen Kolonie des besten An
sehens. Falls der verstorbene Rubens
mit dem Mülhauser Woog thatsächlich
identisch ist, wird noch festzustellen sein,
ob er wirklich amerikanischer Staats-
bürger war. Falls er seine Ursprung.'
liche Nationalität beibehalten hat, ent-
steht die Frage, ob er als Franzose oder
Deutscher anzusehen ist.
Wie Andrer Kriceöminister wurde.
Zu den Memoiren des Generals
Andrö liesert das Journal des
D6bats" einen hübschen Beitrag. Der
Memoirenschreiber hatte im Matin"
herzbeweglich geschildert, wie Zweifel
und Bedenken sein Herz zerfleischten,
ob er das ihm .angebotene Kriegsporte
seuille annehmen dürfe, wie ihn erst in
der entscheidenden Stunde der Zauber
der Persönlichkeit Waldeck-Rousseaus
zu dem Opfer" vermocht habe, seine
persönliche Ruhe dem Glücke Frank
reichs aufzuopfern Das Jour
nal des Döbats" erzählt es ganz an
ders, wie dieser Herkules am Scheide
wege das Angebot des Ministerpostens
aufgenommen habe: Als Waldeck
Rousseau fragte: Kann ich für das
Kriegsministerium auf Sie zählen?"
antwortete General Andr6 sofort
mit der ihn auszeichnenden Einfach
heit und Freimüthigkeit: Seit zehn
Jahren schon präpariere ich mich da
für!" Und Waldeck-Rousseau hat
herzlich über diese Antwort gelacht und
sie weitererzählt.
Aerzte.
Dr. LEO HERBERT
Wiener Arzt,
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oledo, ?haolund INchiaan Erpreß. 7.15 tia.ll
Nm. Nm.
Xoltho, Detroit und Chicago Am tii.30 t .
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