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Indiana tribüne. (Indianapolis, Ind.) 1878-1907, February 01, 1907, Image 6

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llftmDcrGare flctlimg aus
5eenol(.
von Kontrkädmiral . D. Ukinhold Werner.
Zu Ar.Sgrng der Vierziacr Jahr
war ich bersteuermann an Äord dcs
Hamburger VollschiffeS Malroina.
Deutschland besaß zur damaligen Sei
noch keine Kriegsmarine und um den
prange meines Hcrzcns, Seemann zu
werden, folgen zu können, sah ich mic!
genöthigt, mich fiir die Handelsmarine
zu entscheiden. iö waren chwcre Vehr
jähre fiir mich, so ganz anders, wie ich
in meinen Jugendträumen mir gedacht,
aber sie wurden überwunden und Dan
meinem vortrefflichen Kapitän, dem
Typus eines echten Seemannes und
von chrenlvcrtlzeslem Charakter, kam
ich schnell vorwärts. (2k war ein Lehrer.
der es ernst meinte ; nach Ablauf mei
nes vierjährigen Kontraktes als Steuer
mannslchrling besuchte ich die Naviga
tiondschule und wurde nach bestandener
Prüfung Ulttcrsteuermann; ein Jahr
spater derzteuermann und im Vaure
der Zeit war das Verhältnis; des Kapi
tanö zu mir eher das eines väterlichen
Freundes, als das eines Vorgesetzten
geworden.
Wir befanden uns auf der Heimreise
von China nach Hamburg und hatten
vlehcr eine schnelle glückliche Fahrt
gehabt, zeit acht Tagen hatten wil
ledoch den schönen gleichmäßigen Pas
satwind, der uns wochenlang begleitet,
hinter uns gelassen und waren in der
Zone veränderlicher Winde zwischen
dem dreißigsten und vierzigsten Grad
nördlicher Breite eingetreten, die für
den Seemann wenig Annehmlichkeiten
bietet.
In ihr treten oft plötzliche schwere
Sturme auf; sie wechseln mit Stillen
von kürzerer oder längerer Dauer, der
Wind kommt aus diesem oder jenem
Kompaßstrich und wenn er nur auch als
Katzenpfote- kaum die Oberfläche de
Wassers kräuselt, macht er ewiges
Brassen der Dianen nöthig, um vor-
waris zu kommen, und diese Unrube bei
-lag und Nacht kann einem das Leben
herzlich sauer machen.
fivir hatten davon auch bereits unser
gn'zz .he:l zu schmecken bekommen.
liitt böser Nordweslsturm nahm uns
vlerin'.dzwanzig stunden lain arq mit
ege! waren fortgeflogen, eines unse
rer cilenboote von den Wogen zcr
schmettert, einige Nahen und Stangen
zerbrochen und wir konnten froh sein,
so glimpflich davon zu kommen. Nin
den vorzilzlü-licn Sec-Cigcnschaftcn
unseres guten Schisses hatten wir es
zuzuschreiben, daß es im Sturm so aut
beilag und dadurch vor den gewaltigen
A k f r 4 1
inrziveilen verjajoni vliev, ote, wenn
sie brcitscits überkommen, gar bald
klar Tcck machen, Alles aus lhm, was
nicht niet- und nagelfest ist, fort-
schwemmen und auch dem Fahrzeuge
selbst großes Unheil zufügen können.
Jetzt lagen wir seit dem vorigen
Tage, nachdem der Sturm ausgetobt,
in völliger Windstille. Die See hatte
sich merkwürdig schnell beruhigt ; selbst
oie sonst ln dieser hegend rollende
Dünung hatte sich sehr verflacht und
unser --chlss schwankte langsam und
regelmäßig auf ihr hin und her.
lins kam diese Ruhe sehr zu Stat'
ten, wir konnten ohne arößere Störuim
die erlittenen Havarien ausbessern,
neue ökundhölzer aufbringen und die
fortgeflogenen Segel durch andere cr
setzen. Ich hatte die Morgenwache von vier
bis acht Uhr. Gegen sieben Uhr war
der Kapitän an Deck gekommen und
wir standen Beide plaudernd aN der
Berscbanzunq. Windstillen sind für
Kapitäne, namentlich aber für solche
von Handelsschiffen, kine willkom
mcnc Zugabe. Ihr Ehrgeiz gipfelt
darin, möglichst schnelle Jkcisen zu
machen; sie betrachten deshalb jene als
einen sehr unangenehmen Strich durch
ihre Rechnung und das verdirbt den
meisten von ihnen so sehr die gute
aune, daß die Untergebenen ihnen
chcu aus dem Wege gehen.
Mein Kapitän gehörte jedoch nicht zu
dieser Klasse. Er nahm Derartiges
?i -1 ji f . . p
sieis mir lelchmull) aus uno ircule
sich mit mir über den wundervollen
Anblick, den der Ozean unseren Augen
bot. Im schönsten Azur strahlend, und
dort, wohin die vor Kurzem aufgcgan
gene Sonne ihren Cchein warf, wie
mit flüssigem Golde Übergossen, rollte
sich seine endlose Fläche vor uns aus,
deren leiser Wogenschlag dem ruhigen
Athmen eines schlummernden Niesen
glich. In ebenso sattem Blau wölbte
ich der Himmel über uns, kein Wölk-
chcn trübte ihn und die Atmosphäre
war so rein und klar, daß der Horizont
einer scharf abgegrenzten Kreislinie
glich.
Wir hatten letzteren, wie das an
Bord mit Tagesanbruch wegen der
durchsichtigen Vuft stets zu geschehen
pflegt, mit dem Fernrohr abgesucht,
ohne indessen ein anderes Fahrzeug zu
entdecken, was namentlich auf längeren
Neisen, aus denen man oster Monate
ang mit dem Schiffe allein auf der
Welt zu sein glaubt, eine ersehnte Ab.
wechselung des eintönigen Lebens bic-
et, bei dem an Tag dem anderen
gleicht und man sogar ihre Namen ver
gißt. Ein N"f des Ausgucks ließ jedoch
jetzt unsere Blicke nach Nordisten rich
ten. Dort stieg eine schwache Nauch
säule über dem Horizonte empor, die
nur einem Dampfschiffe angehören
konnte, und wir betrachteten sie durch
das Fernrohr mit um so regerem In
leresse, als zur damaligen Zeit noch
veryaltnißmäßig wenige Dampfer den
Ozean durchkreuzten, während man sie
jetzt fast iSglich in allen Meeren an
tf,t.
Unsere längeren Beobachtunacn er
gaben, daß 'die Rauchsäule kaum ihre
anfängliche Richtung veränderte, aber
allmälig dichter und deutlicher würd:.
Der Dampfer mußte deshalb ziemlich
auf uns zusteuern, eine Wahrnehmung,
die uns hoch erfreute, da wir hofften.
durch ihn Nachrichten aus Europa zu
erhalten, die wir über drei Monate
rang hatten entbehren müssen. Wil
ahnten freilich nicht, daß wir mit ihn
bald in weit nähere Beziehungen treten
sollten.
Unsere Aufmerksamkeit wurde indes
sen jetzt aus einen anderen Punkt ge-
lenll, denn wiederum crlonle der viü
eines oben im Vortop beschäftigten
Matrosen: Ein Äoot qucr ab, an
Backbord!-
Dies regte uns natürlich sehrauf;
ein Boot mitten auf dem Ozean konnte
nur von Schiffbrüchigen besetzt sein und
lein 'chlasal gab unserer Phantasie
freien Spielraum. Da wir das Fahr
zeug vom Deck aus nicht sehen konnten.
enterte ich mit dem Fernrohr in den
(Lrontop aus. Dort unterschied ich
allerdings in einer Entfernung von
etwa zwei Meilen anen schwarzen,
boothnlichen Gegenstand. Ueber ihm
schwebten große Schaaren von Wasser
vögeln, während wir bis dahin in unsc-
rer Nähe keinen einzigen wahrgenom-
men hatten, obwohl sonst wenigstens die
kleinen schwarz-weißen Scejchwalben
oie schiffe fast über den ganzen Erd
kreis begleiten. Längeres Betrachten
gab mir jedoch die Ueberzeugung, daß
es rein Boot sein könne, da es zelt
weilig unter Wasser verschwand, um
dann wieder aufzutauchen, bis endlich
eine aunteiaer de Fontaine s.'ine wahre
Natur verrieth es war ein Wal, der
uft auöblles.
ES ist sonst nicht Gewohnheit dieser
Thiere, längere Zeit an der Order-
flache zu bleiben. Sie kommen nach
oven, um zu blasen, man sieht den
Oberkörper kurze Reit, und dann tau
chen sie wieder, um eine halbe Stunde
oder langer unten zu bleiben.
Er mußte also wohl an eine dichte
Bank von Mollusken, seine Hauptnah-
rung, gerathen sein-die cnggeschaart
zuweilen in Milliarden wie eine
Mauer und sehr hoch schwimmen, so
dasz sie das Wasser färben um sich an
tynen etwas zu Eute zu thun, oder viel
mehr gethan zu haben, denn nach dem
letzten Auftauchen erschien er nicht wie-
der, wahrend dagegen die Wasservögel
sich ;u Hunderten an der Stelle seine?
Lerschwindens theils auf das Wasser
niederließen, theils wie Pfeile aus der
Luft herunterschössen, um sich ihren
Antheil an der willkommenen Beute
zu holen und sie schwebend zu verzehren.
Sie näherten sich dabei ziemlich
schnell unserem Schiffe, wohl um dem
Zuge der Mollusken zu folgen und nach
-: v . . ? i i r
einer runoe waren sie oicyr ver uns
angelangt. Wir hatten richtig aemutk-
majzt; eine wahre Bank von röthlichen
(Larncelcn. wie sie sich auch in der
Nord und Ostsee finden, erschien,
umschwärmt von Hunderten von
fliegenden Fischen, Delphinen, Bon
niten, Albakoren und Tummlern ja
auch die dreieckige Rückenflossedeö, wo
es etwas zu verrfchlingcn gibt, nie
fehlenden Haies sichelte unmittelbar
beim schiffe die Oberfläche des Was-
serö. Sonst verspeisen sich diese Thiere
gegenseitig, aber heute schwammen sie
friedlich durch und neben einander, um
gemeinschaftlich sich über den reick-
gedeckten Tisch herzumachen.
Natürlich wurde auch bei unö alles
mögliche Anaelaeschirr bereit gemacht.
um Fische oder 'Vögel zu fangen und
damit der eintönigen Scckost auszuhcl-
sen, denn sobald dergleichen in Sicht
ist, läßt man die Arbeit ruhen und aibt
den Leuten die Freiheit dazu. Aber alle
Anstrengungen waren vergebens. Die
Garneelen boten ein :u beauemes ut-
ter, kein Thier biß an, und selbst der
Hai verschmähte die am Haken befind
lichcn zwei Pfund Speck, mit dem wir
ihn zu ködern suchten.
Die Garneelen schwammen so zu
sammengedrängt, daß er ziemlich auf
recht im Wasser stand, während er sonst
wegen seines kurzen Unterkiefers sich
stets aus den Nucken werfen muß, um
seine Beute zu erfassen. Der lanae
Oberkiefer mit dem oberen Theile des
Rvpfes ragte über die Oberfläche, und
in dem klaren Wasser sahen wir. wie
er mit iedem Oeh'nen des aewaltkaen
Nachens Tausende von Krabben sich
einverleibte.
Die von allen Seeleuten auf'ö
Tiefste gehaßte Meereshyäne sollte
jedoch nicht ungeschoren davonkommen
und einen gehörten Denkzettel von
mir erhalten. Ich holte meine BUchs
flinte,' zielte auf den kaum zwanzig
Schritte vom Schiffe entfernten Kopf
und feuerte beide Kugeln aleichzeitia
aus lyn av.
mm. . J
Sle mußten aut getroffen baben.
denn wie ein Blib kam der Sckwani
des etwa zwölf Fuß langen Ungethüms
bis zum halben Leibe kerzengerade aus
dem Wasser, fuhr dann mit gewal
tigem Schlage nieder und das Tkier
schoß in die Tiefe, um in einigen hun
der! Schritten Entfernung wieder
empor zu kommen, wie wahnsinnig im
Kreise in'S Wasser zu peitschen und
darauf später zu verschwinden er schien
genug zu yaven.
Aber auck auf das andere Wetm'er
wirkte der Schuß erschreckend. Man
sah nichts mehr von Fischen und mit
Angstgeschrei erhoben sich die Vögel,
um nach allen Seiten auseinander zu
slleven nur dle Garneelen setzten
unbeirrt ihren Weg fort.
Erst nach geraumer Zelt erschienen
die Vögel wieder am Futtervlabe. kiel
ten sich aber in respektvoller Entfer
nung vom Schiffe. Plötzlich schlössen
sie sich jedoch zu einem dichten Kreise
zusammen und cö entwickelte slch jetz
das Schauspiel eines wüthenden Kamv
fes in der Luft, der unser regstes In
rcresse in Anspruch nahm.
Eine große Lomine, von den See
lcuten Malmuck genannt, war von
Westen gekommen, um sich ebenfalls
an den gedeckten Tisch zu setzen. Diese
ogcl von der (vrcrce eines Kolkraben.
die man sowohl in höheren nördlichen
wie sudlichen Breiten mit Kaptauben,
Albatrossenund anderen häufia antrifft.
werdet! von den Matrosen oft geangelt,
um sie mit einem Leder- oder Älei
plattenstreifen am Fuße, auf dem
Name deö Zcliiffes und Twwiaa ciuae
schnitten werden, wieder fliegen zu las-
sen. lc sind ganz schwarz gcsicdert.
wie unsere Raben. Dieser beliebte
Sport könnte auf den ersten Blick arau
sam erzcheilien, ist es aber in Wirklich
keit nicht; da der obere Theil des
Schnabels bei allen diesen Thieren an
der Spitze rechtwinklig nach unten ge
bogen ist, so hakt die Angel dahinter
uno cö geschieht ihnen weiter kein Leid.
Der Neuangekommene Malmuck fiel
uns aber dadurch auf, daß er um den
Hals mit einem breiten weißen Rinac
gezeichnet war, von dem aus nach jeder
ielle lange federartlge Auswüchse von
derselben Farbe flatterten, so daß es
täuschend auesah. als sei ilim eine
weise Kravalte umgebunden.
einer von uns hatte le ein solches
Exemplar gesehen und wahrscheinlich
trug auch seine seltsame Erscheinung
V - f st r r m
uic ujuiu, üciu seine genossen so
seino clia über ihn herfielen, gerade
wie es bei uns geschieht, wenn ein
unglücklicher Papagei aus seinem Käsig
entfliegt und unsere hämischen Vögel
ihn zerzausen.
Ter Kampr war. wie acsaat. sehr
heftig, aber der Malmuck keineswegs
ein Feigling. Er wehrte sick acaen die
Ucberzahl seiner Angreifer auf daö
tapferste uno gar mancher von ihnen
floh, von einem kräftigen Schnabel
hiebe des Ankömmlinas aetnrncn.
schreiend aus dem Kreise.
(Schluß folgt.)
Von einem vereitelten Attentat.
Von einem wohlgevlanton. aber
mc zur Ausführung aolanatm At
tentats egon Napoleon III. erzählt
Jules Clarotie im Pariser Tcmvs"
folgelrde aeheimninvolle Gefifricftfrv
ux selbst hat sie vonictorren Sardou
gehört, lmd ölcsem wurde sie. wie er
vermuthet, nach dem 4. September
von einem hohen Beamten des Kai
serroichö anvertraut. Bei dmr Deli
katosscnhändlor Ehevot. d?sson Laden
noch bis 1900 unter den Arkaden des
Palais Noyal in das Gebäude der
Eomödre Franaise eingeschaltet war
um der tm ersten tock. Wand an
Wand mit dem Theatersaale, ein Nc
staurant für Feinschniecker hatte, re
chionen eines Taaes rnirdie Mittags
stunde zwei junge Russen. Sie woll'
cn die Mahlzeit mit Kaviar eröffnen.
aber als sie ihn gekostet hatten, er
klarten sre ihn für ungenienbar und
versprachen dem Wirthe, der sich ent
schulditste und meinte, sein 5Zav:ar
habe visner immer Anklana aefutt
den. ihm solchen von der echten Sorte
zu bringen. Bald darauf kamen die
Veröen wieder, diesmal mit einem
Fäfzchen Kaviar, den der Wirth kosten
nuute und der dann rn einem
Schranke für die nun häufig erschei
nenoen Russen aufottvahrt wurde.
Schließlich war das mitgebrachte
Fäüchen aber leer, und die nordischen
Gaste wreieil neu Kaviar ocs Hauses,
der ihnen zur Aushilfe voraoieut
wurde, mit Abscheu zurück. Weniae
Tage darauf trat einer der jungen
Leute n den Laden und verlangte
den Kellner zu sprechen. Diesem
iberaab er cm neues Kavianäuchen
und nnpfahl ihm. es in .den: bnvuß'
en Schrank des kleine alons zu
verwahren, wo er mit seinem Freun
de zu speisen Pflegte. Ter Kellner
that, wie ihm creli?mcn. aber beim
Hinauftragen des Fäßchens üben'ie.
lon ihn Zweifel hinsichtlich des In
Halts, denn os war viel schwerer als
das erste. Dieser Gedanke lies? ihm
keine Ruhe. Er theilte Chevct seine
Bedenken mit und forderte ihn auf.
nach dmr Kaviar zu sehen. Obwohl
der Wirth den Verdacht lächerlich
ano. aab er dem Drangen des Kell
ncrs nach, und als der Teckel abgeho
ben wurde, entdeckte man. bah das
Fäszchm bis zum Rande mit Pulver
gefüllt war. Wenn es ervlodirt
wäre, so hätte es unfehlbar die kai
serliche Loge über dem Restaurant
zertrümmert. Die Polizei wurde be
nachrichtigt und das Lokal scharf
übenvacht. Von den Russen, die
vielleicht keine waren, sah und Horts
man aber nichts mehr.
Die Z u ck e r r ü b e n e r n t t
Europas für 1906-1907 wird au
6.473,000 Metertonnen geschätzt.
A u st r a l i e n enthält im Ver
hältnisz zu seiner Gesammtfläche mehr
unerforschtes Land, als jeder andere
Erdtheil.
Die Srinväizeri.
Frau: Du. mit dem Papagei
sind wir angeführt worden, der spricht
ja gar nicht." Mann: Mein
Gott, so warte doch ab. Du hast ihn
ja noch gar nicht zu Worte kommen
lassen."
Eine räthsclhastc Manövrrgcschichtr.
Ende vorigen Jahrhunderts wohnte
der russische Feldmarschall Suworow
den Manövern bei, welche im Kau
kasuö stattfanden. Die Truppen Suwo
rowö hatten in einem engen Thal ihr
Lager aufgeschlagen, und der Feld
marschall, überzeugt, in diesem Versteck
vom Feinde," welchen der General
Wassemski führte, nicht überrascht zu
werden, hatte nur an dem Thalein
gange Posten aufstellen lassen. Das
war sehr unvorsichtig, und der berühmte
Fcldmarschall wäre in einem Ucberfall
von seinem eigenen General besiegt
worden, wenn ihm nicht zur rechten
Zeit verrathen worden wäre daß Was
semski über einen Paß gekommen sei,
bereits im nahen Walde verborgen
liege und einen Ucberfall plane.
Suworow traf schnell seine Vorbcrci
tungcn, und als der Feind' nächtlicher
Weile erschien, fand er Suworows
Armee schlagfertig und wurde in die
Flucht getrieben.
Am anderen Morgen ließ Suworow
den Hauptmann Daschkcff von der drit
ten Kompagnie des Kaluga-Ncgimcnts
zu sich rufen.
Hauptmann," redete er ihn an, in
Deiner Kompagnie befindet sich ein
Kosak Namens ,'ubbin."
Nein, Ercellcnz, den 'Namen kenne
ich nicht."
Es wäre gut, wenn Du die Namcu
der 5!ompagnie im Kopfe hättest."
Ercellcnz. ich versichere Dich
Still, überzeuge Dich erst. Ich
habe den Mami mit dem Abzeichen
Deiner Kompagnie heute Nacht vor
mir gehabt. Ich will ihn zum Kor-
porai ernennen, sichre mix den Mann
vor."
Nach einer Viertelstunde meldete der
Hauptmann, daß ein Mann Sl'amcns
Lubbin in seiner Kompagnie nicht stehe.
Aergerlich ließ Suworow sämmtliche
Leute der Kompagnie ausrufen, ohne
daß eS ihm gelang, den gesuchten Lubbin
zu finden.
Das ist die räthselhafte Manöver
geschichte. Besagter Lubbin ist weder
in der betreffenden Kompagnie noch im
ganzen Kaluga Regiment gefunden
worden. Wer war es also? Wie machte
Suworow seine Bekanntschaft, und
weöhalv wollte er lyn zum Korporal
ernennend
In einem der Aauernhäuscr. welche
am Eingang des Thales standen,
wohnte der Muschlk Lubbin mit seinem
erwachsenen Sohne Wassili. Dieser
Letztcrc war verlobt mit Minka, der
Tochter des Bauern Ruppschin, dessen
vaus am andcrcn Ende des Thales
stand. Zwischen den beiden Häusern
befand sich das Biwak des Feldmar-
schalls Suworow. Nun lag die Ge-
chlchte so. Am onntaa Morgen war
noch keine Spur von den Soldaten zu
sehen. Am Vormittag bestellte Minka
beim Kirchgange den Wassili zu einem
tellcicheni, das in der Nähe deS
Nuppschin'schcn Hauses Abends um
zehn Uhr stattfinden sollte. Gegen
Mittag rückten die Soldaten in das
hal ein, und es wurde sofort der Bc-
fehl gegeben, Elvilpersonen durch das
Lager nicht passiren zu lassen. Auf
den beiden Aergscitcn das Lager zu
umgehen, war unmöglich. Wollte
Wasslll die Zusammenkunst nicht ver-
säumen, so mußte er unbedingt mitten
durch das Laacr.
Es war Befehl acaebcn worden, daß
sämmtliche Soldaten, welche fnr die
Nachtwachen von ein Uhr Nachts bis
sieben Uhr Morgens bestimmt waren.
am Tage in die Äauernhäuser ein-
quartllt wurden, um dort zu ruhen,
bis die Reihe an sie käme. Die von
der dritten Kompagnie deö Kaluaa-
RcgimetS gestellten Wachen wurden
dem Hause deö Bauern Lubbin zu-
ertheilt. Diese cutc schllcsen am
Abend. Sie lagen ausgekleidet auf
Strohsäcken, mit ihren Märnel be
deckt, in der geräumigen Schennc.
Wassili nahm heimlich eine der Unifor
men und legte sie an. Dann machte cr
sich auf den Weg. Die Soldaten im
Lager lärmten und tranken und kümmcr
ten sich nicht um ihn. Als er bereits
mitten im Lager war, erscholl plötzlich
das Signal, welches zum Schlafengehen
aufforderte. Ter z.'ärm verstummte,
die Soldaten begaben sich ungesäumt
in ihre Zelte. Wassili aber schritt wei
ter und befand sich bald am Ende des
Lagers.
Wohin?" fragte der Posten.
Urlaub vomHauptmann ! " brummte
Wassili.
Gut. Kamerad, hinaus kannst Du.
aber hinein kommst Tu nicht ohne
Weiteres. Und aus dem Thal hlnaus
ommst Tu auch nicht."
Ohne zu antworten, aina Wassili
weiter und kam ungehindert zum Rupp-
schln'schen Hause. Zu seiner Verwun
derung war Minka noch nicht da, ob
wohl die verabredete Zeit verstrichen
war. Endlich kam sie. Sie hatte ein
Körbchen am Arm.
o spät?" fragte Wassili vorwurfs
voll.
Freu' Dick nur. daß ich überbauvt
da bin. 5ick war im WolonSkcr Wald
Beeren suchen, da haben mich die So!
taten bis jeyt festgehalten."
Welche Soldaten?"
Ach, der ganze Wald ist ja voll
Soldaten, viel mehr alö hier im Thale,
das ganze Wasscmski'sche Korps ist'S."
Eine Stunde später nahm Wassili
von Minka Abschied. Kaum war er
hundert Schritte gegangen, als ein
Offizier vor ihm stand, niemand An
ders als Suworow selbst, der eö liebte,
in eigener Person das Lager zu inspi.
ziren.
Woher kommst Du, Hundcsohn?
donnerte er ihn an.
Vom Wolonskcr Wald." sagte Was
sili mit der schnellen Geistesgegenwart
des gemeinen Russen.
Was hattest Du da zu suchen?"
Ich war auf Kundschaft. Das ganze
Wassemeki'sche Korps liegt im Walde
im Hinterhalt."
Verdammt! Wenn Tu wahr
redest! Komme mit !"
Sie schritten zur Feldwache am Aus
gange des Thales. Suworow übergab
Wassili einem Offizier als Gefangenen
und befahl, sofort Schleichpatroüillcn
nach dem Wolonskcr Walde zu senden.
Tie zurückgekehrten Patrouillen bc
stätigtcn die Mittheilung Wassilis.
Nun ließ der Fcldmarschall sich diesen
vorführen.
Wie heißest Du?"
Lubbin."
Wie ich an Deiner Achsel sehe, bist
Du von der dritten Kompagnie des
Kaluga-Ncgimcnts. Gut, Du hast mir
einen großen Dienst erwiesen. Ich
ernenne Dich zum Korporal. Jetzt geh'
zu Deiner Kompagnie und morgen früh
melde Dich bei mir."
Wassili aber eilte heim, entledigte
sich der Uniform, warf sie in die
Scheune zu den noch immer schnarchen
den Soldaten und dachte nicht weiter an
die ganze Geschichte. Im Kaluga
Regiment aber forschte man noch lange
Zeit nach dem Soldaten Lubbin, den
der Fcldmarschall persönlich zum Kor-
poral ernannt hatte, und der nicht zu
finden war.
Cinc'lMorischc Zirähk.
Noch in den vierziger wahren unseres
Jahrhunderts fiel den Äcfuchctn des
ParkcS von Versailles eine alte Krähe
auf, die dadurch besonderes Interesse
erregte, daß sie einstmals im ?eben
der unglücklichen Marie Antoincttc
eine gewisse Rolle gespielt hatte.
Dies hatte folgende Bcwandtniß.
An einem schönen Oktobcrlage des
Jahres 1785 stand Marie Antoincttc
am Fenster ihres Boudoirs, das aus
den Garten von Trianon hinausging.
Die Königin hielt gerade ein Biskuit
in der Hand, das sie in eine Tasse
Milch tanchte, als plötzlich eine 5?rähe
heranflog und heftig an das Fenster
pickte. Obwohl der Anblick des schwor
zen BogclS die Königin zuerst ängstigte,
so gab sie ihm doch ein Stück Biskuit ;
dann schloß sie nachdenklich das Jen-
stcr. An der Frühstückstafel erzählte
sie dem König den Vorfall und ver
hehlte ihm auch nicht den peinlichen
Eindruck, den das Thier auf sie ge
macht hatte. Am folgenden Tage
spielte sich zwischen der Königin und
dein Vogel wieder dieselbe Szene ab,
und das Thier wurde schließlich so
anhänglich, da cö der Fürstin stets
nachflog, wenn dicfe den Park betrat,
um ihre Schafe zu besichtigen oder in
dem Teich zu fischen.
Vom Jahre 1789 ab war der Vogel
verschwunden und wurde erst im Jahre
I! wieder gesehen. Damals hielt
sich die Kaiserin Marie Luise, Napo
lcons zweite Gf ti, einige Zeit in
Trianon auf, und bei einer Mahlzeit,
welche man im Vark einnahm, be
merkte sie eine Krähe, welche die Tafel
heftig krächzend umflog, als wenn sie
etwas zu fressen haben wollte: das
war die Krähe der Königin Marie An
toinctte. Der Vorfall wurde Napoleon mitgc
theilt, der bekanntlich sehr abergläu-'
bisch war und sofort den Wunsch aus
sprach, Marie Luise möchte das Schloß
verlassen. Doch im Jahre 1814 kehrte
sie, nach der Entthronung Napoleons,
nach Trianon zurück und empfing hier
am 19. April ihren Vater, den Kaiser
von Oesterreich. Sie gingen allein zu
sammen in den Alleen des ParkcS spa
zieren und nahmen nach kurzer Zeit aus
einer Bank Platz. Tie Kaiserin gc
dachte der schönen Zeiten, die sie hier
verlebt, und erzählte ihrem Vater von
ihren Zukunftspläncn, als plötzlich ein
heftiges Krächzen zu ihren Ohren
drang; sie wandten sich um und sahen
eine Krähe auffliegen. Marie Luise
stieß einen Schrei des Entsetzens aus,
denn sie hatte den Unglücksvogel er
kannt. Marie Luise verließ noch an demscl-
ben Tage Trianon, doch die historische
Krähe ward noch lange Jahre hindurch
im Parke beobachtet.
Tie Schrift des Sultans. Ncch
heute besteht das amtliche Schriftzci
chcn des türkischen ultans aus Schrift
Zügen, die zusammen die Form einer
ausgestreckten Hand haben. Dieses
Zeichen rührt von Sultan Murad dem
Ersten, dem Sohne Urchans, her. Er
sollte im Jahre 1365 den Vertrag mit
der Republik Nagusa unterzeichnen.
Der daraus erwachsenen Verlegenheit
machte Murad schnell entschlossen ein
Ende. Er ließ ein flaches Gefäß mit
Tinte füllen, drückte seine Handfläche
darauf und dann unter das Pergament :
die Unterschrift war fertig, wenn sie
auch nicht gerade sehr sauber aussah.
Man hielt seitdem an dicscm Schrift
zeichen fest, nur daß der Abdruck der
Hand mit Buchstaben zierlich ausge
füllt wurde.
Verunglückter Beweis. Der Pro'
fessor Hartmann in Leipzig gehörte zu
denen, die an arger Zerstreutheit lei
den. So schloß er zum Beispiel einst
einen Vortrag über die Lebensweise
und den Charakter dcr Eskimos mit
folgende Worten: Rührend ist die
Liebe und Sorge der Eskimofrauen für
ihre Kinder; sie lassen sie nie auö den
Augen und tragen sie deshalb stet in
einem Korbe auf dem Rücken. -

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