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Der wanderer. [volume] (St. Paul, Minn.) 1867-1957, November 23, 1867, Image 2

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10
I
I Der Wnkllerer.
i
i
I
Verantwortlicher Redacteur:
E u e n E a
Katholischer Kirchen-Kalender.
gvitv
Smmt»«.' A. flrer.. Chrysogo««».Mari. «BH
Montag. 25. .. Katharina, Junz ««t. jSj*
Dienstag. 26. Äoiirad. Bische's
Mittwoch. 27. Barlaam und 3ria)^dflH|
I Tonnerstag, 28. SostHenc«, Jünger t. hl. MW
Freitag, 20. Saturnin, Bischof, v 250
Samstag, 30. Andreas, Apostel, 63.
Prospektus
des „Wanderer."
Als der gewaltige Tränger Napoleon
seine Armeen über den deutschen Rhein
fctjUc und den Machtspruch des römischen
i Kaisers \u vollziehen gedachte: Theile und
I Herrsche!—da lebte ein junger Mann am
I deutschen Rhein, der lange schon vor der
Fremdherrschaft feilte Landsleute gewarnt,
mit deutschem Herzen und flammender
Liebe die Gemüther für angestammtes
I Recht \ü begeistern suchte und den
ausländischen Bayonettm eben so viele
Leuchtkugeln im Merkur mtgegengewor
I fett. Diesen Mann, Herrn Professor
I Görres, hieß Napoleon 1., nie anders,
als die fünfte Großmacht. Es ist eine
allgemeine, anerkannte und erprobte
Wahrheit, daß eine tüchtig geleitetePresse,
mehr, als alle Industrie, tut Stande
i ist, einVolk umzugestalten und zu gewin
nen. In Bekräftigung dessen hat auch
der jetzt glorreich regierendePapst Pius IX
tu
einer'Allokntio'n
den Ausspruch ge
than „Die Vorsehung scheint in unsern
Tagen der katholischen Presse eine große
Mission gegeben u haben. Es ist ihre
Aufgabe, die Principien der Ordnung
und oes Glaubens da, wo sie noch beste
hen, n erbalten und da, wo Gottlosigkeit
mir kalte religiöse Gleichgültigkeit sie in
Vergessenheit gebracht, dieselben wieder
fortzusetzen. Wenn wir das amerikan
We Leben und-Treiben betrachten, sehen,
wie die Tageblätte.t- und Blättlein
englischer und deutscher Zunge auch in
den kleinsten sogenannten Städtchen wie
filze empor schießen und ohne Unter
ftiurd Schierling und Kohl in dii Welt
hinan o schicken, wie ^begierig unsere
Zeil namentlich nach Schriften hascht,
die Piqnanteö oder Neues aufs Tapet
zu bringen vorgeben, wie das Gute oft
absichtlich entstellt und das Böse, das
ohnehin von selbst all überall gedeiht,
vertheidigt oder wenigstens durch gang
bare Schlagwörter entschuldigt, vielfach
est durch Redefloskeln honigsüß gleich
sam in den Mund gestrichen wird, ist es
gewiß nur am rechten Platze, keine Zeit,
keine Mühe zu sparen, dem verderblichen
Gifte kräftig entgegen zuwirkm. Wir
haben besonders in den westlichen Staaten
ß? wenig deutsche Zeitungen, welche die
Interessen der Wahrheit und des Rechts
vertretenden ganzen Mississippi entlang,
ja nur einen tüchtigen Kämper den
„Herold des Glaubens" in St.
Louis—,
kann man es verargen, wenn wir unsern
„Wanderer" als zweiten Herold der
I Wahrheit und des Rechts, allen geinüth
I lichen deutschen Familien wöchentlich
einmal freundlichen Besuch machen las
fett Unserm „Wanderer" steht als sicheres
Geleite die Genehmigung des hochw.
Bischofs Grace und die Unterstützung
der katholischen Geistlichkeit zur ^ette.
Unter diesem Ehrengeleite und diesem
Schule darf der „Wanderer" frohen
Muthes die Reise antreten, auf reckt
freundliche Aufnahme zählen und es
werden daher auch Privat- Anzeigen'
in seine Tasche niedergelegt, starke
Verbreitung finden. Was auf kirchli
chent und politischem Gebiete sich Wis
senswerthes in Minnesota, in der gatt
zen Union, ja in allen Ländern der
weiten Welt ereignet, wird der „Wände
Ter" sachgetreu zu berichten sich bestreben
und nebenbei für unterhaltenden, wie
belehrenden Lesestoff besorgt sein.
Die Herausgeber.
New Jersey. DerHochw'ste
Beschof Bailey von Newark N. I. er
theilte vorigen Sonntag sechs jungen
Candid atm des Pn'esterthum die hl.Prie
sterweihe. Am nämlichen Tage ertheil
te er auch über dreihundert Personen in
West-Hoboken das Saerament der hl.
Firmung.
Die katholische Kirche und deren
Oberhaupt Pius IX.
Wenn euch die Rebel des Trübsinn's umgrauen,
Hebt zu den Sternen den sinkenden Muth
Heget nur männliches, Hobes Vertrauen
Guten ergebt es am Ende doch gut.
Die Lehren die Satan seinen gelehrt
gen Schülern Voltaire d' A i m
e t, 2) erot, d' Amilaville
e v e i u s je. :c. iuspirirte und
•che diese mit rastlosem Eifer zu ver
•tint bemüht waren, fanden—wie ja
Böse—geneigtes Gehör und ergie
Rgen Boden.'
Voltaire das Haupt der datna
ligensoit-disaut Intelligenz-Partei,
hatte häufig den Wunsch ausgedrückt,
Zeuge der blutigen Katastrophe sein zu
können, die er und seine Genossen her
aufbeschworen hatten und wohl heran
nahen sahen. Aber es war ihm nicht
gegönnt die Zeit blutiger Ernte zu erle
ben, er sollte das Vergnügen nicht haben
wie einige seiner Freunde und Anhänger
die meisterhaften Leistungen der Guillo
tine, die er indirekt in's Werk setzen half,
z u e w u n e u u e s ö n i e o e n zu
können.
^Die Revolution, besser gesagt die
^chreckenszeit Frankreichs erfolgte 1789
großes Weh brachte sie über Kirche, Volk
und Staat. _Xic Furien der Hölle
schienen entfesselt, wenigstens waren sie
würdig repräsentirt durch Robes
pierre, Marat, Danton, Col
let d'Herbois,
Hebert, Con-
o n, Saint Just:c. :c. Diese waren
die treuen Ereeutoren der Principien der
Diabologic Voltaire's und
Consorten ihnen mußte die Religion,
die Lehren des Guten und Wahren, der
Nächstenliebe, der Vergeltung ein Greuel
sein, solche Lehren waren ihnen hinderlich
im Wege. Sie rasteten nicht eher, bis
das Allerheiligste niedergeworfen und
geschändet war. Die heilige Religion
und deren treuen Anhänger wurden auf
die scheußlichste Art und Weise verfolgt
und mißhandelt.
Den 10. November 1793 wurde die
Kathedrale (notre Dame) von Paris,
die bisherige Stätte der Verehrung in
den Tempel der Vernunft umgewandelt.
Die Göttin Vernunft durch eine
Schauspielerin dargestellt wurde auf
etilem antiken Wagen durch die Straßen
von Paris gezogen, gefolgt von allen
Sectionen der Convention und einer
großen Schaar Sanscülotten, so wurde
sie nach der profanirten Kirche geführt,
auf den Altar des wahren Gottes ge
stellt tute wo bisher Gott geopfert ward,
empfing die Schauspielerin die Huldi
gungen ihrer Anbeter!— Dieses Deli
rium war das Signal zur vollständi
gen Anarchie die Tribüne wiederhallte
blos mehr von Blasphemien.'
Die Kirchen werden beraubt, be
schmutzt, geschlossen die Statuen und
Bilder der Heiligen, die geheiligten Or
namente im Schlamme herumgezerrt.
Der katholische Cultus war procinbirt,
man konnte sich nur mehr mit Lebensge
fahr als Katholik bekennen. Tausende
von Priestern und frommen Gläubigen
wurden auf das Schaffst geschleppt, wo
sie als Märtyrer für die heilige Sache
der sie treu gedient, verbluteten, oder
wurden Jahre lang in grausamer Ge
fangenschaft heruingezerrt, bis sich Gott
ihrer erbarmte, indem er sie zu sich rief
und ihren Leiden ein Ende machte.
Die Hölle triumphale, die Kirche, die
Dienerindes Herrn trauerte.
Robespierre der Bluthund, sandte
nnzähligeOpser auf das Schaffet.
Die Anhänger der rovalen Partei, so
dann die Bekenner des wahren Glau
bens, hatten entweder den Tod durch die
Guillotine erlitten, oder irrten obdachlos
in der Verbannung umher. Da kam
die Reibe an die Girondisten (die ge
mäßigtePartei,) V e n
i
a u Bris
s o und die andern Chess der gemäßig
ten Partei wurden am 31 Oktober hin
gerichtet. Andere folgten ihnen, worun
'ter der berüchtigte Herzog von Orleans
16. November welcher das Glück hatte
sich zu bekehren und bereuend zu sterben.
Den 24. März 1794, kamen Hebert,
von Glootz und verschiedene andere
Häupter der Ungläubigen. Danton
mit sechs andern, den 5. April. Vom
2. Juni bis zum 27. Juli 1794, sah
man Vierzehn Hundert Opfer fallen,
unter denen die berühmtesten Namen der
.Monarchie: Montmorency, Rohan,
Noailles, die engelgleiche Madame
Elisabeth, Schwester Ludwigs XVI. so
dann tririt benH«te, fromme Bischöfe
und Priester. Dieser schreckliche Dcspo
tismus fiel endlich vor dem Schrei all
gemeiner Entrüstung. Da Robespierre
inmitten der Convention, der Tyrannei,
angeklagt war, einsetzte sich derFeige beim
Gedanken an die Rache des Volkes, er
wollte Selbstmord begehen, sich mit einer
Pistole das Gebirn zerschmettern, zer
schmetterte sich aber blos die Kinnlade
und am 28. Juli 1794 küßte er mit
Couthon und Saint Juste (seinen zwei
Hauptgenossen) die Rose. (Die dama
lige Benennung der Enthauptung durch
die Guillotine.)
Marat der blutlechzende Tieger war
am 13. Juli 1793 durch den Dolch der
heldenmüthigen Charlotte Corday ge
sallen.
Der Fall Robespierre's bewirkte eine
allgemeine Reaction gegen den Terror
ittVd die Terroristen. Die Convention
berief die Girondisten zurück, der infame
Carrier, sowie mehrere andere Satelliten
der revolutionärenTyrannen, büßten ihre
Verbrechen auf dem Schaffote. Die
Gefängnisse öffneten sich endlich wieder
für die Priester, die Decrete vom 21.
Februar 1795 und vom 30 Mai gaben
ihnen die Freiheit und die Kirchen die
nicht verkauft waren, zurück. Mit der
Rückkehr der Kirche und der Ausübung
der Religion trat die gesetzliche und so
stak Ordnung wieder an Stelle der
Anarchie das Volk das schwer in Sün
den verfallen war, kam wieder zur Er
kenntniß des Wahren und Guten Gott
hatte das Gebet seiner treuen Diener er
hört, die Kirche, die verfolgte und miß
handelte, sollte schließlich mit der Hilfe
des Herrn siegreich aus dem Kampfe
hervorgehen.
Gewiß ein frappantes Beispiel für
die Liebe des Herrn zu seiner geliebten
Kirche.
Doch die Prüfung derselben war noch
nicht vorüber, noch einmal sollte sie
Heimgesucht werden und zwar:
Als Kaiser Napoleon I. den frommen
und ehrwürdigen achtzigjährigen Pius
VI. in die Gefangenschaft nach Frank
reich abgeführt hatte, da glaubte er über
Leben und Tod der Kirche verfügen zu
können, und es hänge ferner von ihm ab,
ob der alter schwache Greis einen
Nachfolger haben werde oder nicht
und als das verfolgte Oberhaupt der
Kirche in der Gefangenschaft zu Valence
durch einen sanften Tod von allen irdi
fchen Leiden erlöst wurde,—da jauchzten
die Jllurninaten jener Zeit und verkün
deten höhnisch die Weissagungen, daß
nach Pius VI. kein Papst mehr den
Stuhl Petri besteigen werde. Aber ging
die Weissagung inErfüllung?—Keines
wegs, eben so wenig wie die tausend
Vorhergehenden —denn nicht nur be
stieg nach dem Tode des sechsten Pius,
ein Papst mit demselben Namen den
Stuhl des heiligen Petrus, sondern heute
ziert denselben Stuhl einer der edelsten
Männer, ein Pius mit der Bezeichnung
des Neunten. Und Napoleon, sollte er,
der es gewagt hatte den ersten Diener
des Herrn zu mißhandeln—der die stolze
Meinung hegte, Christus uud Reich
hänge von seiner Willkür und Laune ab,
—der staatliche Ordnung nach Belieben
umänderte,—Fürsten und Könige nach
Gutdünken suspendirte oder einsetzte:
sollte er wirklich ungeahndet ausgehen
für feine Vergehen? Hatte Gott seine
arme trauernde Kirche vergessen? O
nein, denn das Wort des Erlösers ist
ewig, er sprach: „Sehet, ich bin bei
Euch alle Tage, bis an's Ende der
Welt."—Wir wollen deßhalb den Lauf
der Sonne von Austerlitz auf ihrer Sie
gesbahn verfolgen, und sehen, ob sie
wirklich in all ihrem Glänze das Ende
ihrer Bahn erreichte. Halb Europa
seufzte unter dem Joche des Eorsen, un
aufhaltsam drangen seine siegreichen
Heere Ins in's Herz des mächtigen Ruß
lauds vor, bald sollte^(inch der Koloß
des Nordens, den (^iegeswagen des
Welteroberers verherrlichen helfen.
„Contre Napoleon il n' y a
pas de resistance," war sprüch
wörtlich geworden die mächtig
sten Fürsten Europas neigten ihre stolzen
Häupter vor dem Sohne des Advokaten
Bonaparte aus Ajacco, „le petit
a or a l", hatte ihre größten Feld
Herren besiegt, und ihre niächtigenAnnem
überwältigt „l e parvenü" hatte sie
—die stolzen Legitimen, deren Ahnen
in's graue Alter reichten—in den Staub
gebeugt, er betrachtete sich schon als den-.
Beherrscher der Welt. Da erreichte ihn
die „Nemesis"—die Ausdrucksweise der
sogenannten Aufgeklärten, wir aber ttett
nen es den rächenden Arm Gottes.—
Gott erhörte die Stimme der Kirche, die
Gcbeie des bedrückten Volkes, und die
Erlösung war nahe. Wer hat nicht ge
lesen von den Scenen von Moskau, dem
Rückzüge, dein Uebergang über die Be
rezina, den herzerschütternden Scenen
auf den Eisfeldern Rußlands? Der
Sieger von Jena, Austeiln), Wagram
:e. X. an der Svitze einer halben Mil
lion der auserlesensten Krieger im Sie
gesmarsche nach Moskau ziehend, jeden
Wiederstand niederschmetternd, nun
auf der Flucht mit einigen Trümmern
jener einstens so gewaltigen Armee!
War das nicht der Fingerzeig Gottes?
Der Verbannung in Elba folgten noch
die 100 Tage, ein letztes Aufliefern des
Stents, dessen Glanz lange Jahre hin
durch alle andern verdunkelt hatte. In
Waterloo sollte er auf immer verlöschen!
Zum zweiten mal in die Verbannung
geschickt, sollte der vormals so mächtige
Kaiser nun in Einsamkeit als Verbann
ter, fem vom Schauplatze seiner großen
Thaten, dahinsiechen. Vom Unglücke
mürbe gemacht, bereute er wie ein
zweiter Antiochus nur mit einem bessern
Erfolge—Alles, was er derKirche ange
than, und starb als katholischer Christ in
den Armen der katholischen Kirche. „Ich
glaube an Gott", sprach er in den letzten
Stunden seines Lebens zu seinemBeicht
vater „ich bin in der katholischen Kirche
geboren ut will die Pflicht erfüllen,
welche sie auferlegt und mich der Hilfe
bedienen, welche "sie spendet." Hierauf
beichtete er, empfing die beilige Wegzeh
rung, und die letzte Oelung. „Ich bin
glücklich," sprach er zum General Mon
tholon, daß ich meine Pflichten erfüllt
habe, und ich wünsche Ihnen, General,
bei Ihrem Tode dasselbe Glück." Auf
dem Throne habe ich meine Religion
nicht geübt, und ich bereue jeden Scha
den, den ich ihr zugefügt habe jetzt aber
macht mir der schall der Glocke Freude
und der Anblick eines Priesters rührt
mich. Ich wollte aus diesem Allen ein
Geheimniß machen,—aber dies ist mei
ne Schwäche, ich will Gott die Ehre
geben." Darauf verordnete er selbst,
daß man im Nebenzimmer einen Altar
errichte zur Aussetzung des allerheilig
sten Sakramentes und zur Abhaltung
des vierzigftündigen Gebetes. So starb
Napoleon, froh den Trost jener Religion
im Tode zu genießen, die er im Leben
verfolgt hatte, und froh, daß diese Reli
gion in dein Augenblicke noch bestand,
wo er von einem größern Heere zum
Gerichte seines Lebens beschieden wurde.
Möge sein Neffe der gegenwärtige Kai
ser von Frankreich Napoleon III.
wohl beherzigen, was sein Verfahren
auf dent Sterbebette gesprochen er
scheint uns eine höchst zweideutige Rolle
zu spielen in Betreff der Kirchenfrage.
Doch hievon ein anderes Mal.
(Fortsetzung folgt.)
E u o i s e s
Wien, 21. Okt.—Die Abreise des
Kaisers nach Paris ist heute Vormittag
10 Uhr erfolgt. Der Kaiser uud das ge
stimmte Gefolge waren in Civilkleidern.
Vor der Reise spendete der Kaiser 4000
Gulden andie Annen Wiens. Die Erz
herzoge Ludwig Victor und Karl Lud
wig begleiteten den Kaiser nach Paris.
Bade
n-B aden, 22. Okt.—Der
König von Preußeu und der Großherzog
von Baden begrüßten heute Morgen 7
Uhr den Kaiser von Oestreich auf der
Station Oos.
a i s, 14. Nov. Ter Moniteur
veröffentlicht ein.kaiserliches Dekret, wel
ches folgende Mütiftermlemenitungeit
macht.
Marie Oscar Pennard, Minister
des Innern und Pierre Mague, Finanz
minister.
Kurz vor dem Abgange der ftanzösi
scheu Truppen von Rom gab der heilige
Vater den gestimmten Stabsoffizieren
eine Audienz tut Saale des Vaticans
und redete dieselben in der gefühlvollsten
Weise an. Er drückte seine Zufrieden
heit darüber aus, abermals französische
Soldaten um sich zu sehen, besonders
jetzt, seit er einer großen Gefahr ausge
setzt gewesen sei.
Er dankte den Offizieren, Frankreich
und dem Kaiser Napaleon für seilte
Befreiung und sagte, er sei mit Gram
erfüllt, sehen zu müssen, daß Italien
als Vorhut gegen Rom eine Bande von
Antichristen ausgesendet habe, auf derM
Flaggen Raub, Gewaltthätigkeit und
Zerstörung verzeichnet sei. Während
der Muth der päpstlichen Truppen den.
-Boden der Kirche erfolgreich vertheidigt
hätten, sei die französische Armee gekom
men und habe die glänzende Vertheidi
gung gekrönt.
Der Papst schloß, indem er sagte, in
mitten seiner Trübsalen habe er den
Trost, aus allen Theilen der Welt die
aufrichtigsten Aeußerungen katholischer
Symvathie zu empfangen.
Seine Heiligkeit schloß die Audienz
mit Ertheiluug des apostolischen Segens
an die Armee, das Volk und den Kaiser
von Frankreich.
Pari
s, 18. Nov.—Die französisch
en Kammern versammelten sich heute.
Napoleon sagt in seiner Thronrede, daß
die französische Regierung nichts mehr
gegen die Einheit und' Consolidirunö
Deutschlands einzuwenden habe.
O e st e e ch.—Die Nachricht von
der Zusammenkunft des Kaisers von
Oesterreich mit dem König von Preußen
in Oos hatte in dm liberalen Kreisen
Wiens sehr befriedigt man meinte, doß
ihm dies eine festere Stütze gegenüber
möglichen Zuntuthungen, die ihm in
Paris gestellt werden könnten gegeben
habe.
a i s, 12. Nov.—Der Moniteuer
sagt heute
ktn
seiner offiziellen Spalte:
Der Kaiser, nachdem er sah, daß Italien
entschlossen ist, seine Pslicht zu thun und
alle seine Verbindlichkeiten unter dem
September-Verträge erfüllt,
hat alle fran
zösischen Truppen aus der Stadt Rom
und anderen Theilen des päpstlichen Ge
bietes nach CivitaVecchia zurückgezogen.
Paris, 17. Nov. Die französischen
Erpeditionstruppen in Italien treffen
Vorbereitungen für ein Winterquartier
in Italien.
Gm. Doumas wurde als Nachfolger
von Marshall McMahon, Herzog von
Magenta n id General Gouverueur von
Algier, im Comando des 7. Armrecorps
ernannt.
Berlin. Der erste norddeutsche
Reichstag ist durch Sr. Majestät, den
König von Preußen persönlich geschlos
sen worden. Die Thronrede, die er ver
lesen, ist in mancher Beziehung sehr
wichtig. Er dankt den Neichstag-Ab
geordneten herzlich für die Zuvorkom
menheit, mit der sie sich nicht nur all den
schwierigen Arbeite» unterzogen, sondern
hauptsächlich auch so bereitwillig auf
die Intentionen der Regierung einge
gangeu seien. Ueber Italien spricht er
als von einem Lande, mit dem sie durch
sehr wichtige Interessen verknüpft seien.
Ebenso spricht er zum Schlüsse die Hoff
nung aus, daß er die Herren recht bald
wieder, und zwar im Verein mit süd
deutschen Abgeordneten zum Zollparla
ment hier versammelt sehen würde.
Aus Frankreich haben wir
das Wichtigste über den Aufenthalt des
Kaisers Franz Joseph von Oestreich in
Paris zusammengestellt, und in Betreff
der italienischen Angelegenheiten zwei
wichtige Aktenstücke, die Circularnotedes
Marquis de Mousticr und eine Paokla
mation des Königs Viktor Emanuel
mitgetheilt.
London, 14. Nov. Abend. Die
letzten Depeschen aus Italien sacken:
Das feindselige Gefühl der Italiener
gegen Frankreich hat den höchsten Grad
erreicht.
Die Autoritäten haben Vorsichtsmaß
regeln getroffen, einen neuen drohenden
Ausbruch zu verhindern.
Vpn Toulon find weitere Truppen
nach Eivita Vechta abgesendet worden.
König Victor Emanuel und Premier
minister Mütebrea sind beim Volke sehr
unpopular.
Baron Ratazzi, der frühere Premier
minister, hat sich öffentlich der radikalen
Partei angeschlossen. Der König hat
die Reserve der italienischen Armee in
den Dienst gerufen und die Bildung von
3 Lagern angeordnet.
General Garibaldi ist immer noch in
enger Haft.
Kirchliches.— Der Hochw'ste Erzbischof
McCloskey von New Jork legte am vorige»
Sonntage (10. Nov.), in New Jork den Grund
stein zur neuen Kirche, welche von den Hochw.
Väter Dominikaner an Lexington Avenue, nahe
Koste Straße gebaut wird. Den Ceremonien
wohnte wie gewöhnlich eine große Volksmenge
bei.

St. Paul, Minnesota ten 23. November, 1867.
Math. 24.—Grauet der LerN'uftâkMW
Der Wanderer.

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