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Der wanderer. [volume] (St. Paul, Minn.) 1867-1957, December 07, 1867, Image 2

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V
26
Der MMllerer.
Verantwortlicher Redacteur:
E u e n E a
Katholischer Kirchen Kalender.
Jrhannes im Gefängniß.
Damasu», Papst. 384.
Synrftue, Märtyrer. BS.
Jodok. Luzia. Ottilia.
Ricusius Bischof.
Die katholische Kirche und deren
Oberhaupt Pius IX.
(Schluß.)
Victor einatmet und Napoleon, die
eine „gewisse Welt" für das Mißlingen
der Garibaldi-Campagne verantwortlich
macht, und die beiden Herren auf alle
mögliche Weise denunciren, beschimpfen
und bedrohen, weil sie den Raubzug
nicht unterstützt, ja sogar vereitelten,Jam
ben unserer Ansicht nach, in dieser Affäre
gehandelt, wie der Asse in der Fabel, in
welcher sich derselbe derKatze bedient, um
die Kastanien aus dem Feuer zu holen.
Denn belehrt durch die vielen Beispiele
ihrer Seigänger wagten sie es nicht, of
fen gegen 1icm zu operiren. Die katho
lischt: Bevölkerung Frankreichs, Deutsch
lands, ja der ganzen Welt, würde ihnen
ein „Halt!" zugerufen haben und sie,bei
einem etwaigen Angriffe auf Rom, den
Sitz des heiligen Vaters, und das recht
mäßige Eigenthum des Katholicismus,
verhindert haben. Oder ist Rom nicht
etwa gerade so gut eine "legitima po
sessiö" der römisch katholischen Regie
rung wie Petersburg den Russen, Con
stantinopel den Türken gehört it. s. w.
Die Existenz dieser Regierung datirt sich
auf 1000 Jahre zurück, Rom war von
jeher als der rechtmäßige und ausschließ
liche Sitz des Oberhauptes der katholi
schen Kirche anerkannt. Mächtige Rei
che, Nationen und Dynastien erstanden
und erloschen, während demBestande der
einzigen glorreichen majestätischen Regie
rung, die ungestört um das Wüthen und
Schreien der sie bedrohenden Menge, im
mer ihre würdevolle Ruhe bewahrt und
ihre Macht von Tag immer mehr ent
faltet. Aber gerade da liegt ja eben der
Hauptgrund der ewigen Anfeindungen
und Angriffe auf die erhabene Kirche,
denn nur was groß ist, wird beneidet,
angefeindet und bestritten. Auf keine
andere Kirche, Religion oder Sekte sehen
wir derartige wüthende
(Angriffe
im
Gegentheil werden diese vielfach von den
Feinden unserer mächtigen Kirche unter
stützt, nicht etwa, weil sie diese als
besser anerkennen, oh nein! sondern
um sich derselben als Waffe gegen jene,
die ihnen ihrer Größe wegen längst ein
Dom im Auge ist, zu bedienen und ihr
den Todesstoß zu versetzen. Wie erfolg
los diese fortwährenden, intriguanten
Bestrebungen sich stets erwiesen, ist ge
nügend dargewiesen, und um so lächer
Itcher erscheinen die Behauptungen unse
rer Feinde, die unsere heilige Kirche stets
als sich überlebend, im Zerfall begriffe»
ihrem Ende nah u. s. w. erscheinen las
sen, nud doch alle Hebel in Bewegung
setzen, die ganze Welt umHüffe anrufen,
„die Ueberlebte" vernichten zu helfen
bekämpfen sie mit unzähligen Bayonet
ten und Geschützen, Flugschriften und
allmöglichen andern Waffen, um ihre
Zerstörung herbeizuführen.
Was bezwecken sie? Sie können trotz
all ihrer Machinationen und Bestür
mnngen nicht die geringste Erschütterung
der erhabenen Beste bewirken. ImGe
gentheil bestättigt sich bei ihnen stets das
alte Sprichwort, „wer Andern eineGru
be gräbt, fällt selbst hinein." Victor
Emanuel und Napoleon haben auch
wohl an die Grube gedacht, die sich viele
ihrer Vorfahren gegraben, deßhalb nahm
man seine Zuflucht zu Garibaldi, auf
dessen Popularität man rechnete das
Volk mußte durch ihn sondirt werden,
einige tausend Aufwühler und Lazzaro
nis, die mit ihrem Geschrei: „Tod dem
Papste und der Kirche!" dasPalais des
„Regalantuomo" umlagerten, glaubte
man die Kundgeber der Stimmung des
italienischen Volkes zu sein. Also einen
Aufstand Italiens und insbesondere
Roms hatte man sicher erwartet. Ga
ribaldi mußte den Sturm auf Rom wa
gen, ganz Italien schloß sich ihm an.
Rom erhob sich, warf die Priesterherr
schast nieder, die Tricolore wurde auf
dem CapitolRoms aufgepflanzt, die ita
lienischen Truppen besetzten Rom, und
Viktor Emanuel sah sich höchst unfrei
willig, trotz allem Streben, zum Einzug
in Rom als der nunmehrigenHauptstadt
Italiens genöthigt durch die Stimme
des Volks.
Die Welt würde man abgespeist ha
ben. „Wir konnten demDrange derZeit,
dem Willen des Volkes nicht widerste
hen
U. f. W."
Aber "Errare humanuni
est" und Napoleon, Victor Emanuel it.
Garibaldi sind sehr viel Mensch, deßhalb
ist ihnen ihr diesmaliger Irrthum schon
verzeihlich. Denn wie sich der Aufstand
Italiens und Roms, der Feldzug nach
Rom und schließlich der Triumphzug
nach der heiligen Stadt gestattete, ist
weltbekannt.
Vergebens wird das Cabinet zu Flo
ratz es versuchen, sich von der Compli
city mit der Garibaldischen Affäre rein
zu waschen. Demi wie können wir uns
anders Garibaldis Flucht von Caprera,
die ihm ermöglicht wurde,erklären? Wo
bekam der „arme" Garibaldi, den seine
Gläubiger in der letzten Zeit so sehr
drängten, um iHrGeld zu bekommen, die
Mittel zur Organisation eines Frei
corpse Wie tonnteGaribaldi mit seiner
Bande durch einen Cordon von 30,000
Mann durchschlüpfen und in den Kir
chenstaat eindringen? Oder war das
vielleicht ein schlafendes Observations
corps? Ferner: Warum hat man,wenn
die päpstlichen Truppen den Garibaldi
zurückschlugen, letzterem stets den freund
lichstcn Schutz gewährt, ihm sogar er
laufet, seine gelfchtetenRethen in der ita
lienischen Armee aufzurekrutiren?
Brauchen wir noch mehr Beweise an
zuführen, um das Spiel des Cabinets
zu Florenz mit Garibaldi unter einer
Decke darzuthun? Als aber Victor
Emanuel und Napoleon merkten, wie
kläglich ihre perfide Speculation Fiasco
machte, da beeilte man sich, eine gute
Miene zum bösenSpiel zu machen, man
wollte wenigstens den Schein retten.
Garibaldi, den man bisher scheinbar be
droht hatte, wurde nun auf einmal in
ungeschminkter Wahrheit gesagt, daß er
ein Stümper sei. Victor erließ eine
Proklamation, Louis schickte eine Erpe
dition zur Unterstützung des heiligen
Vaters, beide beeilten sich, ihre Hände
in Unschuld zu waschen. Oh, Humbug!
Sie rochen den Lunten. Die Kirche ist
diesmal wieder glorreich aus dem Kam
pfe hervorgegangen und steht verHerr
lichter da rote jemals. Das Geschrei
das sich auch in der letzten Zeit wieder
vernehmen ließ, „die katholische Kirche
hat sich überlebt, sie ist ihrem Untergän
ge nahe!" ist wieder verstummt. Die
Beweise die wir für die Lügenhaftigkeit
der endlosen Behauptungen hirnloser
Schreier angeführt haben, dürften genü
gend sein. Allein es kann uns in un
serer Anhänglichkeit an die Kirche nur
bestärken, wenn wir dieser lügenhaften
Behauptung näher auf den Grund
schauen.
Vor allen Dingen ist es als gewiß
anzunehmen, daß Diejenigen, die soVie
les über die Altersschwäche und über den
baldigen Untergang der katholischenKir
che zu reden wissen, selbst nicht daran
glauben weder an ihre Altersschwä
che noch an ihren Untergang. Ein al
tes Mütterlein, die am Stabe einher
schwankt, die mit ihren Augen den Bo
den sucht, wo ihr Grab sein wird, deren
Tod man alle Augenblicke erwarten darf
die belästigt man nicht mehr, die läßt
man ruhig ihresWeges gehn. Würden
demnach die Feinde der Kirche so fest da
ran glauben, wären sie ihrer Sache so
gewiß, daß die Kirche sich überlebt habe
imfc ihrem Untergange nahe sei,— dann
würden sie gewiß nur wenig sich darum
bekümmern,' sie würden wenig Notiz von
der alten Matrone nehmen, die ihnen
nicht imWege steht, und die sie höchstens
durch ihren Anblick genirt und belästigt,
im Gegentheil, sie würden dieselbe
unangefochten ihre wenigen Augenblicke
noch zählen und ruhig und gemächlich
sterben lassen. Dies aber ist nicht der
Fall. Nichts steht ihnen mehr imWege
als die Kirche, Nichts erregt mehr ihren
Aerger, Nichts greifen sie so sehr an bald
mit verbissener Wuth, bald mit hellen
Wuthausbrüchen, Nichts können sie we
Niger leiden, weniger ertragen, als die
verhaßte katholische Kirche. Was be
weist dieses? Das beweist, daß sie selbst
nicht an die Lebensunfähiakeit derKirche
'glauben, daß sie vielmehr selbst von ihrer
I
Der Wandele.
Lebendigkeit und ungefchwächterIugend
kraft mehr als thuen lieb ist über
zeugt sind. Man wird es vergebens
versuchen, dieses ihr Benehmen anders
zu erklären.
Das päpstliche Rundschreiben.
(Aus dem „Mornale di Roma" vom 26. Okt.
Folgendes ist derjenige Brieftheil des
neulichen päpstlichen Rundschreibens,
welches sich auf jene Freunde der Revo
lution bezieht,welche verlangen, daßRom
je., dem Papste weggenommen und zur
Hauptstadt von Italien (d. t. der beab
sichtigten italienischen rothen Republik),
gemacht würde.
„Ehrwürdige Brüder! Heil
und apostolischen Segen!—
Blicket um Euch, geliebte Brüder, und
ihr werdet sehen und mit uns beweinen
die abscheulichen Gräuelthaten, welche
hauptsächlich unser unglückliches Italien
verheeren. Was uns betrifft, so müssen
wir in Demuth den unergründlichen
Rathschluß Gsttes anbeten, welcher uns
bestimmt hat, in einer so traurigen Pe
riode zu leben, wo durch die Akte einiger
weniger Männer, welche die öffentlichen
Angelegenheiten in Italien leiten, und
welche die heiligen Gebote Gottes und
die Gesetze der Kirche gänzlich verhöh
nen, die Gottlosigkeit ungestraft ihr
Haupt erhebt und Triumphe feiert. Da
her all' die Gottlosigkeit, all' die Uebel
und Verbrechen, welche wir zu unserem
innigsten Bedauern wahrnehmen müs
sen, Daher die zahlreichen Zusammen
rottungen vonMännern, welche inGott
losigkeit leben, dienen unter der Fahne
des Satans, auf deren Front geschrieben
steht: „Lügen J" Sie erheben ihre
Stimme gegen den Himmel, lästern
Gott, beschmutzen und verachten alles,
was heilig ist, und treten alle göttlichen
und menschlichen Gesetze unter dieFüße
sie dürften nach Blut, wie reißenve Wöl
fe sie verlieren ihre Seelen durch ihre
schweren Sünden nehmen mit Gewalt
das Eigenthum Anderer hinweg
bedrängen die Armen und Schwachen
vermehren die Zahl unglücklicher Witt
wen und Waisen, und in der Verdor
benheit ihres Herzens stöhnen sie ihren
Leidenschaften zum großen Schaden
der menschlichen Gesellschaft. Diese
Classe von verkommenen Menschen
ist es, welche uns gegenwärtig umzingelt,
ehrw. Brüder! Getrieben von einem
wahrhaft teuflischen Geiste, versuchten
diese Menschen die Fahne der Lüge selbst
in unserer geliebten Stadt, nächst dem
Stuhle Petri, dem Centrum der Wahr
heit und Einigkeit zu entfalten.—Die
Häupter der piemontenschen Regierung,
deren Pflicht es gewesen wäre, solche bös
willige Menschen zurückzuhalten, schäm
ten sich nicht, dieselben mit allem Eifer
zu unterstützen, ihnen Waffen zu geben
und was ihnen sonst dienlich ist, und
ihnen den Weg nach der Stadt zu bah
nen. Aber mögen sie zittern, obgleich
sie (die Häupter der piemontesischen Re
gierung,) an der Spitze einer weltlichen
Macht stehen, so haben sie durch ihr Ver
halten (ipso facto) die ganze Schwere
der kirchlichen Strafen und Censuren
auf sich geladen. Und obgleich wir in
Demuth unsers Herzens nicht aufhören
zu beten und Gott um Seine Bamher
zigkeit anzuflehen, auf daß Er über diese
unglücklichen Verirrten eine heilsame
Buße sende und sie auf den rechten Weg
der Gerechtigkeit, Religion und Fröm
migkeit zurückführe, so können wir doch
bei so großen Gefahren, denen wir in
dieser dunkeln Stunde ausgesetzt sind,
nicht stillschweigen.
Wir erwarten mit ruhigem Gemüth
den Verlauf der Ereignisse, mögen sie
durch Betrug, Verläumdung, Verrath
oder sträfliche Falschheit herbeigeführt
werden wir setzen all unser Vertrauen
und Hoffen auf Gott, den Urheber
unserer Erlösung. Er ist unsere Stütze
und unser Trost in allen Trübsalen Er
wird nicht zugeben, das unsere Hoffnung
und Vertrauen zu Schanden werden
Er, welcher die Fallstricke der Bösen ent
hüllt und die Macht der Sünder zunichte
macht."
Ein prachtvolles Geschenk
des heiligen Vaters, Pius
IX., für die amerikant
s ch e K i ch e.
Bei Gelegenheit des neulichen Besu
ches unseres
Hochwürdigsten
Erzbischofes
Apostolischen Delegaten der bei dem letz
ten Plenar-Coneilium zu Baltimore den
Vorsitz führte, eine wunderschöne Mo
saik des römischen Pantheon und dessen
Umgebung. Vielleicht ist kein ähnliches
so kostbares Kunstwerk im ganzen Lande
aufzuweisen. Nichts kann schöner,
nichts natürlicher dargestellt werden.
Die Mosaik ist 18 Zoll bei 12, und die
Effekte des Lichts und Schatten sind mit
einer erstaunlichen Natürlichkeit hervor
gerufen. Drei von den vier Fontänen
an den 4 Ecken vom Fuße des Obelis
ken in Front der Kirche ausströmend,
sind durch eine äußerst geschickte Combi
nation kleiner Marmortheilchen, die für
das unbewaffnete Auge kaum bemerkbar
sind, mit einer wunderbaren lebhaften
Natürlichkeit dargestellt. Man sollte
glauben, das Wasser perlen und in den
weitenMarmorbassin fallen zu sehen!
Das Tonnenlicht und die Schattenpar
tie im Hintergründe sind ebenfalls von
großer (Schönheit, während das Por
tico uns unwillkürlich an unsere hie
sige Kathedrale erinnert. In Fakto, als
der heilige Vater unsere Kathedrale er
blickte, (ein chromatisches Gemälde von
Kellog, die Prozession der Bischöfe des
letzten Plenar-Conciliurns darstellend,)
welches ihm durch unsernHochwürdigsten
Erzbischof präsentirt wurde, rief er so
gleich aus "Ecco hanno il Pan
theon a Baltimora „Sieh da!
Ihr habt das Pantheon in Baltimore!"
Die in Roth gekleideten Chorknaben er
blickend, bemerkte er scherzweise: „Ihr
habt also auch kleineCardinäle"—"Car
dinaletti".
„Ja wohl, heiliger Va
ter," erwiederte unser Erzbischof, „und
auch kleine Bischöfe, wenn Ihre Heilig
keit gefälligst jene in Purpur Gekleideten
beachten wollen."
(Balt. Mirror.)
E u o i s e s
Europäische Korrespondenz
für den Wanderer.
V o e i n
9ten November. —Die Gewitterschwü
le, die in Italien über dem politischen Horizonte
schwebte, scheint sich langsam verziehen zu wollen,
um einer frischen Atmosphäre Platz zu machen.
Nachdem die Franzosen ins römische Gebiet ein
gezogen waren, und daher die päpstliche Armee zu
einem energischen Angriffe ans die Freischaaren
disponibel gestellt werden konnte, ruckten die
päpstlichen Truppen ins Feld und stießen bei Ti
voli auf die Garibaldianer. In einem heftigen
Gefechte wurden, des „CorriereJtaliano" gemäß,
500 Garibaldianer (nach andern Blättern 3000)
kampfunfähig gemacht. Garibaldi entkam,wur
de jedoch von italienischen Behörden in Foglia
verhaftet und mit seinen beiden Söhnen nach
Varignaer^ einem Fort bciLa Spezzia, abgeführt.
Der Rest seiner Bande wurde von der italieni
schen Regierung entwaffnet. Die Franzosen, die
bei ihrem Einzüge von dem römischenVolke ziem
lich kalt empfangen wurden, hatten es den päpst
lichen Truppen möglich gemacht, in der nöthigen
Stärke auf die Freischaaren loszustürmen, und
ist daher die günstige Wendung der Lage Roms
dem Einrücken der französischen Truppen zuzu-
schreibe«.
Der Conflict, den mehrere Blätter zwischen
Napoleon und dem König von Italien befürchte
ten, scheint nicht zum Ausbruch zu kommen, da
die italienischen Truppen Befehl erhalten haben,
sich aus dem Kirchenstaate zurückzuziehen. Die
französischen Truppen werden, wie verlautet,Rom
ebenfalls verlassen und für die Dauer der diplo
matischen Verhandlungen nur Civita-Vecchia be
setzt halten.
Napoleon hat es auf einen europäischen Con
greß abgesehen, wo die römischenAngelegenheiten
abgewickelt werden sollen. Vielleicht denkt er auf
einem solchen Congresse noch mit andern Fragen
herauszurücken allein dann dürfte ein solcher
Congreß schwerlich zuStande kommen. Es wird
indeß eine schwereAufgabe sein, diese Angelegen
hetten so zu ordnen, daß sie nach allen Seiten
hin eilte dauernd friedliche Zukunft verheißen.
Soll dies geschehen, dann darf von den verschie
denen Parteien ein kleines Opfer nicht gescheut
werden.
Ein Zollvertrag ist zwischen dem nord
deutschen Bunde und Baiern abgeschlossen wor
den. Obschon die baierischeReichstagS-Kammer
sich lange dagegen sträubte, in den Vertrag ein
zuwilligen, so fand dieselbe sich doch zuletzt
gen, darauf einzugehen indem zahlreiche Einga
ben von dem baierischen Volke an die Reichs
rath-Kammer gemacht worden. Worin man den
Zollvertrag forderte.
Ueber die Vermählungsfeier des griechi
KönigSpaareS findet sich in russischen Blättern
folgende Beschreibung der Toilette der Königin
resp. Braut: „Das Kleid der Braut bestand aus
Silberstoff und war mit gesticktenSilberbouquetS
übersäet. Vom am Rock befand sich eine Reihe
von Diamantenknöpfen, die sich an den breiten
Gürtel anschlossen, der ebenfalls reichlich mit
Diamanten besetzt war. Auch die Taille war
nach einem griechischen Muster ebenfalls mit
Diamanten verziert. Endlich erglänzten Hals
band, Armbänder, das Diadem auf der Stirn
u. die Krone auf dem Chignon im reichsten Di
amantenschmucke. Wie manches kleine Für
stenthum hat mit all seinen Schätzen nicht den
Werth, wie dieser Brautschmuck!!!
In Konstantiuopel starb jüngst die
vierte Frau Sultan Seims des Dritten, (der
1789 den Thron bestieg), über hundertJahre alt,
und an demselben Tage verschied auch der jüng
stc S^Jdt^ regierenden Sultans, Prütz Weh
met.
Ans Ierusalem wird berkWt, Hch der
Kuppelbau an der Kirche des hl. Grabes tüchtig
voranschreitct und zum nächsten Osterfest schon
vollendet sein wird. An der Straße von Jeru
salem nach Jaffa wird auch rüstig gearbeitet und
noch vor Jahresfrist wird die Hälfte Weges bis
an den Fuß des Gebirges fahrbar gemacht sein.
Aus bester Quelle vernimmt man, daß
Dänemark definitiv sein westindisches Vesitzthum
an die Washingtoner Regierung für 14 Mill.
Reichsthaler verkauft hat. Der frühere Gou
verneur Carstensen wird mit den betreffendeuPa
Pieren ehestens nach Washington reisen, behufs
Erledigung der nöthigen Formalitäten.
Aus Dublin meldet man den Tod des be
rühmten Astronomen Earl of Rosse, der das
größte Riesenteleskop auf seinem irischen Gute
Parsonstown hatte errichten lassen, welches über
50,000 Pf. St. gekostet und woran man sieben
volle Jahre (von 1838 —1845), gebaut hat.
Aus London werden die Schiffsverluste,
die in der ersten Hälfte dieses Jahres bekannt
geworden, wie folgt angegeben:
5525 Segelschiffe und 502 Segelschiffe wurden
von Unfällen heimgesucht. 67 Segelschiffe und
i
7 Dampfer werden vermißt. Verlassen wurden
208 Segelschiffe und 2 Dampfer 190 von die-
sen Schiffen gingen gänzlich verloren. DieZahl
der Kollisionen mit 808 bei Segelschiffen u. 147
bei Dampfern angegeben. Im ganzen sanken
85. Es strandeten 1483 Segelschiffe und 126
Dampfer, und 3 Schiffe wurden vonSeeräubern
genommen 65 Schiffe und 5 Dampfer ver
brannten. Im Ganzen gingen 1072 Segel
schiffe und 37 Dampfer ganz zu Grunde, und
von 29 dieser Schiffe kam auch die Mannschaft
um. DieZahl der verlorenen Menschenleben
beläuft sich auf 887.
Der Ej-D
if later Langieviez zeigt in dm
Berner und Züricher Blättern an, daß er, von
Konstantinopel zurückkehrend, zur weiteren An
werbung freiwilliger Kosaken, Polizisten, ic. für
den türkischen Dienst beauftragt sei. Die itt
Zürich gegenwärtig tagende polnische National
Regierung ist nicht dagegen, daß Flüchtlinge, de
nen die Heimkehr verwehrt ist, sich auf diescWei
sc gegen Rußland verwenden lassen. Ueber die
sen Kreis hinaus will sie indessen Anwerbungen
nicht befördern.
Ruhestörungen undVolksaufläufe fin
in Folge der hohen Preise der Lebensmittel so
wohl in Frankreich als in England statt. In der
Stadt Exeter in Devonshire fand kürzlich ein sol
cher Tumult wiederum statt, wo der Volkshaufen
3000 an der Zahl, einen Angriff auf die Bäcker
und Fleischladen machte. MehrereVerhaftungen
wurden vorgenommen, trnd die Aufregung war
eine große.
Einen seltsamere nWeg hat wohl kaum
jemals einen Brief genommen, als derjenige,
welcher vor einem halben Jahre inBerlin in den
Briefkasten mit der Adresse des Herrn N. R. in
Frankfort an d. O. gesteckt wurde. Vor einigen
Tagen gelangte er erst in die Hände des Adressa
ten, und zwar direkt aus Peking Das beige
fügteSchreiben eines dort stationirten preußischen
Beamten klärt die Sache dahin auf, daß, in den
Falten eines Packetes deutscher Schriften, besag
ter Brief die Reise nach China gemacht habe.
In Luxemburg ist man mit der Schlei
fung der Festung beschäftigt.
In Folge der in Holland neuerdings aus
gebrochenen Rinderpest ist die Grenzsperre wieder
verhängt worden.
(Eingesandt für den Wanderer.)
Aus der Schwei z.—Durch ein
gegen Ende Juli aus Rom nach Zürich
zugereistes Knäblein eines Schweizer
künstlers, das unter Cholera ähnlichen
Anfällen starb, wurde der „schwarze We
cken" in Zürich zum Herd weiterer An
fteckung und seit Anfang August ist die
Cholera in genannter Stadt mit einer
solchen Heftigkeit aufgetreten, wie in der
Schweiz noch nie. Erst kamen an 800
Erkrankungen vor, wovon 500 mit Tod
endeten—eine furchtbare Erscheinung sür
eine Bevölkerung von ungefähr 40,000
Seelen. Gegen Mitte Oktober war die
Epidemie im Abnehmen. Der rühm
lichst bekannte Mildthätigkeitssinn der
Züricher erprobte sich auch in dieser Zeit.
Erst wurden für die Cholerabeschädigten
Unterstützungsbeiträge gesammelt. Zur
•ear

St. Paul, Minnesota den 7. Dezember, 1867.
Evanz. Math, Ii
ÄZNlitsA, 8. Dcz.
Montag, A»
Dicnstuz, #6.
Mittwoch, 11.
Donnerstag, 12.
Freitag, 13.
Samstsz, 11.
Maria Empf.
Leokadia Jungfrau und Mart.
MelchiadeS, Papst, i 314.
Spaulding von Baltimore in Rom,
überreichte ihm der heiligeVater,alS dem

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