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Der wanderer. [volume] (St. Paul, Minn.) 1867-1957, May 04, 1878, Image 1

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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Fortlaufende, No. 547.
erscheint fettn Samstag und so fit bei jährlicher Vor
ausbezahlung
Für die Ver. Staaten und Canada
Jährlich $ 2.50
Halbiätrlich 1.25
Ewjelne Nummern 5 Et«.
Aach Europa portofrei:
Jährlich $ 4.00
Hal!»!.U-rlich 2.00
Für drei Monate 1.25
Man kann zu jeder Zeit auf den
„Sauberer" abonnire'i.
sind das sicherste und billigste Mittel
zur Nebersendung von Geld und soll
ten, wo sie zu haben sind, dazu ge
braucht werden.
5:3enn eine Zeitung von einem Post
amt an ein anderes versetzt werden soll,
so muß immer auch das Postamt ange
geben werden, wo die Zeitung früher
empfangen wurde.
Wenn Jemand fem Blatt nicht re
gelmäßig empfängt, oder sich auf ir
gend eine Weise Fehler einschleichen,
so sollte der betreffende Agent, sowie
die Herausgeber sogleich davon benach
richtigt werden.
Ioö-Arbeiten
jeder Art
werden so schön, prompt und
billig geliefert, wie sie irgend eine
Druckerei liefern kann. Wir liefern
auch für Beamte und Geschäftsleute in
verschiedenen Theilen des Staates:
GefchâftS-Karten,
Circular?, Ilauks, Plakate
a. f. to. auf kürzeste Notiz.
Anzeigen aller Art
besonder» für
Geschäfte.
lauf u. Qcrhauf vonKlMn.
Auskunft ölet Verwandte». Bekannte
tu
f. f. finden durch den »Wanderer"
die weiteste Verbreitung und führen
rasch zum Ziel.
Briefe und Gelder adressire man:
Ausländische Nachrichten.
Italien.
Aus Rom wird vom 6. April be
richtet Heute empfing Cardinal Vc
oochowski die hier anwesenden polni
scheu Pilger. Auf eine Ansprache des
Grafen Zoltowski beglückwünschte er
zunächst die Polen wegen ihrer An
bänqlichkeit an den h. Stubl. Sie
dürften gewiß sein, bei Leo XIII. den
gleichen Gefühlen zu begegnen, welche
Pius IX. für Polen gehegt habe. Un
glücklich, aber stets fest im Glauben,
nähmen die Polen im Herzen des
Stellvertreters Jesu Christi eine bevor
Vtfitc Stelle ein. Mit Freude habe er
(Ledockowski) von ihrem Entschluß
Kenntniß genommen, im Tome von
Krakau, mitten unter den Gräbern der
polnischen Könige, Pius IX. ein Denk
mal zu errichten. Die jammervolle
Lage Polens besprach der Cardinal in
vorsichtigen Wendungen er schloß mit
dem Ausdruck des Vertrauens auf die
Zukunft.
Wie mitgetheilt wird.-sind Unter
Handlungen mit der britischen Negier
ung wegen Beglaubigung eines päpst
lichen Nuntius für England ange
knüpft worden. Wahrscheinlich steht
damit die Audienz in Verbindung,
welche Cardinal Manning am 1. d.
beim Papst hatte. Allem Anschein nach
sind die Verhandlungen bereits weit
vorgeschritten.
Rom, 9. April. Heute um 8 Uhr
srilh wohnten die österreichischen Pil
ger, wie ein Telegramm des Wiener
Vaterland meldet, einer h. Messe im
St. Petersdome bei, während welcher
Cardinal Franzelin die h. Communion
spendete. Auf 12 Uhr war die Audi
enz anberaumt. Anwesend waren Fürst
Georg Lobkovic, zwei Fürsten Win
disckgrätz (Graz), die Grafen Blome,
Mittrowvsky, Palffy, Seilern, Pejae
sevich. Fxiedrich und Franz Schönborn,
Pergen, Alfred d'Avernas, Zichy, An
ton Brandis, die Gräfinnen Schön
born und Brandis, die Barone An
drian, Reyer, Sommaruga, der Chef
Redacteur des Vaterland, Hr. Jnthal,
und noch viele Andere aus verschiede
neu Ländern der Monarchie. Se. Hei
ligkeit empfing zuerst separat zwölf
Herren, so daß jedes Land vertreten
war. Um halb 1 Uhr erschien Papst
Leo XIII. im Thronsaal. Fürst Lob
koste verlas in französischer Sprache
die Huldigungs-Adresse. Der Papst
erwiederte in italienischer Sprache, daß
er dasjenige, was er sagen wollte, be
reits dem Fürsten Lobkovie und den
erwähnten elf Herren mitgetheilt habe,
und er beauftragte den Fürsten Lobko
vie, den Pilgern seine Antwort mit
theilen zu wollen. Hierauf wurden
alle zum Hand- und Fußkuß vorge
lassen. Der h. Vater richtete an jeden
Pilger freundliche Worte die geist
lichen Vertreter ermächtigte er, den
apostolischen Segen in ihren Pfarreien
ertheilen zu dürfen. Das Benehmen
des h. Vaters war liebreich und
höchst leutselig. Die Pilger begaben
sich sodann noch zu Sr. Eminenz dem
Cardinal-Staatsseeretair Franchi, der
sich Viele vorstellen ließ. Dann be
suchten die Pilger noch das Grab des
unvergeßlichen Pius IX. Die meisten
Pilger verlassen bereits heute Abend
Rom. Den zwölf Repräsentanten der
Pilger drückte der h. Vater seine Freu
de über das Erscheinen der Oester
reicher aus. Er saate ungefähr: daß
in Oesterreich die Kirche nicht verfolgt
werde wie anderwärts, sei vorzüglich
dem allerhöchsten Kaiserhause zu ver
danken doch seien auch in Oesterreich
die Dinge so, daß eine Vereinigung
der guten Elemente dringend nothwen
dig sei.
Deutschland.
Mehr als die große Politik beschäs
tigen einzelne Ereignisse und Zustände
in den verschiedenen Staaten das
Volk. So schreibt man aus München
vom 9. April: Es sind wieder einige
Militär-Ereignijje zu verzeichnen. Der
heutige Polizei-Bericht meldet: Ter
Artillerie-Soldat, welcher sich, wie be
richtet, neulich im Englischen Garten
durch einen Revolverschuß entleibte,
war der Kanonier Eugen Aufschläger
aus Freyung, kgl. Bezirks-Amts Wolf
stein, nach dem Zeugnisse seiner Vorge
setzten ein Mann von seht guter Führ
ung. Da in zwei von demselben hin
terlassenen Briefen übele Behandlung
seitens zweier Sergenten als Beweg
gründ angegeben worden ist, wurde
gegen letztere strafrechtliche Untersuch
ung eingeleitet. Das kgl. Militairge
richt hat den Sergeanten des 2. Feld
Artillerie-Regiments, Karl Stadler,
wegen dreier militairischer Verbrechen
des Mißbrauches der Dienstgewalt,
verübt durch Mißhandlung von Unter
gebenen, zu sechs Monaten Gefängniß
verurtheilt. In der Militair-Straf
einst eilt zu Oberhaus hat ein Sträfling
einem ehemaligen Sergeanten, welcher
gleichfalls eine Strafe abzubüßen hat,
vier Metterstiche beigebracht, so daß der
Verletzte sofort in das Militair-Laza
reth gebracht werden mußte. Frühere
Feindschaft vom Regiment her soll die
Ursache der That gewesen sein.
SOCIETY,
1 'i i
Ein liberales Blatt stellt die oben
erwähnte Begebenheit dar, wie folgt:
Im englischen Garten in München hat
sich der «oldat Aufschläger des 1. Ar
tillerie-Regiments erschossen, und zwar
soll derselbe die unselige That deßwe
gen vollbracht haben, weil er von sei
nen Unteroffizieren auf's Heftigste cht
kanirt wurde. Das erwähnte Blatt
schreibt nämlich: Der arme Artiller
ist, von dem hier die Rede ist, mußte im
Unteroffizierszimmer schlafen, und
wenn nun die Sergeanten Schutze
und Großhof des Nachts betrunken
nach Haufe kamen, so müßte ihnen die
ser Mann die Stiefel und Kleider
ausziehen, und, man staune, sogar
Nachts um 12 oder 2 Uhr noch Frei
übungen im Hemde machen, woran sich
dann Schulze und Großhof vortrefflich
ergötzten. So lange der Artillerist
sich damit noch begnügte, beiden Herren
Gelt auf NichtWiedersehen zu leihen,
blieb es beim Guten, als er es aber
nicht mehr that, ging das Drangsali
reit los.
Aus Plittersdorf, Rheinprovinz,
wird folgendes berichtet: Am Sonn
tag-Morgen drangen während des
Hochamtes drei Individuen in das
hiesige Pfarrhaus ein, fesselten die
einzige im Haufe anwesende Person,
eine Nichte des Pfarrers, der das
Hochamt eelebrirte, dem auch die Haus
hälterm anwohnte, und versuchten
dann, der Armen einen Knebel in den
Mund zu stopfen, was aber durch die
verzweifelte Gegenwehr des Mädchens
vereitelt wurde. Dann warfen die
Unmenschen, laut der Deutschen Reichs
ztg., das Mädchen die Treppe herunter
und traten da^elbe mit den Füßen.
Der Versuch, Schränke und Commo
den zu erbrechen, mißlang. Das Ge
sindel muß später Gefahr gewittert ha
bett denn es machte sich unter Mit
nahme einiger Silbersachen eiligst da
von. Als das Mädchen befreit wer
den konnte, kämpfte es bereits mit dem
Erstickungstode.
Aus dem Badischen, 5. April: Die
Krisis in der Geschäftswelt greift im
mer mehr um sich, und fast täglich hört
man von neuen Ganten. Selbst für
bewährt gehaltene Firmen falliren zu
weilen, und die hierbei eintretenden
I Verluste ziehen dann auch weitere
Ms
Äanöe efe e!
Herausgegeben don der Deutschen Katholischen Druck-Gesellschaft, No. 17 Wabashav Straße, zwischen der 3. und 4. Redigirt don Faßbiud.
Mit Approbation der Hochw'sten Herren Bischöfe Thomas L. Grace in St. Paul, Minn., und Michael Heiß in La Crosse, WiSe.
Kreise in Mitleidenschaft. Daher ist,
zumal auch mit Rücksicht auf die allge
meine politische Lage und die lange
anhaltende kalte Jahreszeit, die Stim
nutng eine gedrückte, bei dem Ge
schäftsmanne wie bei dem Landwirth.
Ein Aufschwung der Geschäfte, auf den
man fortwährend hofft, will sich immer
noch nicht einstellen.
Ein anderer Bericht sagt: Es ist
eine unbestreitbare Thatsache, daß die
Zahl der Vergehen und Verbrechen
seit einer Reihe von Jahren in stetem
Wachsen begriffen ist, und daß man
sich bezüglich der Unterbringung der
Strafgefangenen in Verlegenheit be
findet. Man sucht mitunter diese trau
rige Erfahrung damit zu beschönigen,
daß man behauptet, die verschiedenen
Verbrechen seien nicht zahlreicher als
früher allein das Reichs-Strafge
setzbuch sei strenger als das frühere
Strafgesetz, und deshalb falle jetzt
manche Handlung unter Strafe, die
früher gar nicht strafbar war. Dies
ist jedoch nicht richtig denn die Sta
tistik der Strafrechtspflege beweist, daß
auch, seitdem das neue Strafgesetz in
Kraft steht, die Verbrechen fortwäh
rend in der Zunahme begriffen sind.
Die Bevölkerung des Großherzog
thums Baden ist in großer Aufregung
wegen der Taback Industrie, welche
die deutsche Reichsregierung nach dem
Muster Frankreichs und Oesterreichs
an sich zu ziehen sucht. Wie bedeu
tend der Anbau und die Fabrikation
von Taback für das badische Ländchen
ist, beweist folgende Mittheilung:
Nach neuesten Ausnahmen gibt es im
Großherzogthum 480 Tabacksfabriken
mit 43,496 Arbeitern und einer Iah
resproduktion im Werthe von etwa 5
Millionen Mark. In den Händler
und Fabrikantenkreisen ist man gegen
die deutsche Zoll- und Steuerpolitik so
erbittert, daß man sogar für die So
eialdemokraten stimmen will.
In Würtemberg dagegen scheint die
Stimmung für die Reichsregierung
günstiger zu sein. Man schreibt näm
lich aus Stuttgart: Der Landtags
Abgeordnete Mohl tritt in der Allg.
Ztg. entschieden für des Tabak-Monè
pol nach dem französischen System ein.
Dieses Monopol allein gewähre dem
Staat hohen nttdnziellen Ertrag, be
schränke die Defraudationen im Innern
des Landes auf ein Minimum und
lege dem Schmuggel fremder Tabake
unendlich mehr Swierigkeiten in den
Weg als ein Fabrikations Steuer
system. Wie bekannt, hat sich auch die
königliche Regierung durch ihren Ver
treter im Bundesrath für das Tabak
Monopol erklärt.
Wie bereits gemeldet, wird von her
vorragenden Katholiken in Deutsch
land eine Pilgerfahrt nach Rom vor
bereitet zu dem Zwecke, dem Papst Leo
XIII. die Huldigung der deutschen
Katholiken darzubringen. Nun schreibt
die Köln. Volkszeitung: Dem Ver
nehmen nach wird die Theilnahme an
der beabsichtigten Pilgerfahrt, nach den
schon jetzt eingelaufenen Anmeldun
gen zu schließen, eine überaus große
werden. Erfreulich ist namentlich, daß
die Anmeldungen aus den verschie
densten Gegenden eintreffen, so daß
voraussichtlich kein Theil Deutschlands
und keine größere Stadt untertreten
sein wird, wenn es gilt, dem neuen
Oberhaupte der Kirche die Gefühle der
Verehrung und Liebe, sowie das Ge
löbniß der Treue und des Gehorsams
auszudrücken. Die Abreise wird ge
gen Mitte Mai von München aus
stattfinden und wird das Nähere noch
veröffentlicht werden.
Aus Westerstede, Oldenburg, find
am 1. April 42 Personen nach Ame
rika ausgewandert.
In Deutschland herrscht noch immer
die Unsitte des Duells. So hat kürz
lich in Prenzlau ein Duell zwischen ei
nem Hauptmann und einem Premier
Lieutenant des dort garnisonirenden
8. Brandenburgischen Jnfanterie-Re
giments Nr. 64 stattgefunden, wobei
letzterer in die Brust geschossen wurde
und sofort todt niederstürzte. Der
Hauptmann hat sich der Behörde ge
stellt. In Schalkowitz wurde am 4.
April der stud. jur. I. Mauset, ein
ziger Sohn feiner dort wohnenden El
tern, beerdigt, der in Breslau in Fol
ge eines Zweikampfes gestorben war.
Aus Schlesien wird geschrieben:
Erhebend ist der Anblick unserer katho
lischcn Volksvereine resp. Versamm
lungen. Die Begeisterung unseres
Landvolkes dafür ist so groß, daß es
trotz Wind und Wetter meilenweit
geht, um denselben beizuwohnen. Vor
züglich gilt das von denjenigen Ge
meinden, die entweder keine Geistlichen
mehr oder „Staatspfarrer" haben, wie
in Leschnitz und Groß-^trehlitz, wo
regelmäßig 500 bis 600 Männer dem
Redner ihren Beifall zollen.
Bei Staenfen auf der braunschweig
ischen Südbahn entgleiste am 6. April
ein Güterzug. Acht Waggons wur
den umgeworfen, von denen fünf stark
demolirt sind. Unter den Trümmern
wurde der Bremser Schacht, furchtbar
zerquetscht, todt hervorgezogen, wäh
rend ein anderer Bremser schwer ver
letzt ist das übrige Personal soll un
versehrt geblieben sein.
„Schafskopf" ist unter die gericht
lich anerkannten Scheltwörter in
Preußen aufgenommen worden denn
man berichtet aus Mengede, 4. April
Der Frhr. v. Plettenbetg Mehrum
wurde wegen Beleidigung des Sta
tions Vorstehers, den er einen
„Schafskopf" genannt hatte, zu 100
M. verurtheilt.
In Weimar verhandelte kürzlich das
Schwurgericht in der gegen den Fuhr
mann Langlotz wegen vierfachen
Mords, verbunden mit Raub, Mord
versuch und Brandstiftung erhobenen
Anklage. In der Nacht vom 25. zum
26. Aug. v. I. waren der Mühlenbe
sitzer Jünger zu Vogelsdorf und dessen
28 Jahre alter Mühlknappe Karl
Reinhardt aus Ostramonra zum Wil
dern verlockt und ermordet worden.
Die Verbrecher drangen sodann in die
Mühle ein und steckten dieselbe, nach
dem sie die Müllerin und deren 16
jährigen Sohn gleichfalls erschossen
hatten, in Brand. Die 9jährige Toch
ter der Jünger'schen Eheleute rettete
sich jedoch aus dem brennenden Hause
und machte die Greuelthat ruchbar.
Gegen den Angeklagten lautete das
Verdict der Geschworenen auf schuldig,
und vertheilte ihn der Gerichtshof
zum Tode. Der Mitangeklagte Vater
des Verurtheilten hatte sich durch Er
hängen dem Richterspruch entzogen.
Das Schwurgericht in Mainz ver
urtheilte am 10. April die Raubmör
der Göttelmann und Müller von Uff
Hoven zum Tode.
Oesterreich.
Wien. Einige jenseits der öster
reichischen Grenze erscheinende italieni
sche Blätter, namentlich die Arena in
Verona und La Provineia dt Brescia,
gefallen sich darin, die italienischen
Staatsmänner zur Annerion von
Süd-Tirol zu animiren, ohne aber et
was anderes zu erreichen, als daß sie
von der Regierungspresse zu Rom en
ergisch abgetrumpft werden. Neuestens
suchen sie den Gedanken zu verbreiten,
Oesterreich werde Bosnien und die
Herzegowina anneetiren, müsse aber
als von Rußland verlangte Compensa-
Jahrgang 11.—No. 27.
tteit das rechte Jsonzo-User in der
Provinz Görz an das Königreich Jta
lien abtreten. Diese Nachricht hat, wie
hiesigen Blättern aus Görz gemeldet
wird, unter den treu zu Oesterreich
haltenden slowenischen und surlanischen
Bewohnern des rechten Jsonzo-UserS
große Beunruhigung hervorgerufen,
und der slowenisch-politische Verein
„Sloga" in Görz hat nachKoischko eine
große Volks-Versammlung einberufen,
auf welcher gegen jedeAnnerion anJta
lien Protest erhoben werden wird. Zu
gleich wird eine Loyalitäts-Adresse an
den Kaiser unterzeichnet werden, in
welcher gebeten wird, die Bewohner
des rechten Jsonzo-Ufers unter dem
Scepter der Habsbnrgischen Krone zu
erhalten. Die Agitation für ten Be
such der Volks-Versammlung ist eine
sehr lebhafte, und dürfte sich' dieselbe,
da aus allen slowenischen Orten der
Grafschaft Görz Theilnehmer erwartet
werden, zu einer großen Demonstration
gegen die Jtalianissimi gestalten.
Zur Vorbereitung für den von Vie
len befürchteten Krieg hat die öfter
reichische Regierung ein Anleihen von
60 Millionen Gulden in Gold abge
schlossen.
Frankreich.
Aus Paris wird vom 7. April ge
meldet Es bestätigt sich, daß in den
französischen Kriegshäfen gegenwärtig
eine gewisseAnzahl von gepânzertenFro
galten und Corvetten ausgerüstet wird,
um die Geschwader im Mittelmeer und
im Canal zu verstärken. Wie ver
lautet, beträgt die Zahl der ausge
rüsteten Kriegsschiffe Frankreichs ge
genwärtig 114, nämlich 10 Panzer
schiffe ersten Ranges, 2 zweiten Ran
ges, 19 Kreuzer, 25 Avisos, 13 Kano
nenbote, 2 Kanonen-Schaluppen, 10
Goeletten, 16 Transportschiffe, 5 Pon
tons, 5 Küstenschiffe, 5 Corvetten und
2 Küstenwachschiffe. Die Reserve be
steht aus 80 Schiffen aller Art. 19
Schiffe sind im Bau begriffen und
werden binnen 18 Monaten fertigge
stellt sein.
Die bevorstehende Feier deS bun
dertjährigen Todestages von Voltaire
und Rousseau scheint die Anhänger
dieser Vorläufer der Revolution ver
rückt zu machen. Man schreibt näm
lick aus Paris: Die Voltaire Feier
wirst schon jetzt allerhand sonderbare
Blasen. Die Pyat'sche ,Commune'
hält es für geboten, vor Einseitigkeit
zu warnen und meint: „Voltaire ohne
Rousseau das ist derEgoismus. Rous
seau ohne Voltaire das ist der Misch
masch. Rousseau sieht die Gleichheit
nur von unten und führt uns in den
Busch Voltaire sieht die Freiheit nur
von oben und führt uns zu den Köni
gen. Rousseau allein macht den Men
schen zum Vierfüßler Voltaire allein
macht ihn zum Kammerdiener: beide
zusammen machen ihn frei, gleich und
sonverain." Ein vortreffliches Recept
zur Herstellung deS Ideals derMensch
heit.—
Ferner: Am 30. Mai werden 100
Jahre seit dem Tode Voltaire's ver
flössen sein, und das ungläubigeFrank
reich rüstet sich, das Centenarium sei
nes geistigen Vaters zu begehen. Wie
man aus dem ,Rappel^ ersieht, haben
die französischen Studenten eine Sub
scription für das Fest eröffnet, und der
Studiosus der Jurisprudenz E. Levy
hat dafür von Victor Hugo folgendes
Anerkennungsschreiben im bekannten
Lapidarstil erhalten: „Sie haben
Recht, mein Herr ich apellire an die
Jugend. Der Name Voltaire beben
tet Licht und Freiheit, und die Jugend
ist das lichtvolle und freie Lebensalter,
I lichtvoll für den Fortschritt und frei
gegenüber den Vorurtheilen. Ich zolle

Post IHoney Orders
Letterheads. Billheads,
W A N E E
L. B. 0.
ST. PAUL, MINN.
St. Paul, Minnesota, Samstag, den 4. Mai 1878.

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