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Der Nordstern. [volume] (St. Cloud, Minn.) 1874-1931, March 23, 1876, Image 1

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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tierb«« s« la*9t eingerückt «ad b^te*iiet, bis sie
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Äetie, für die erste «iitttiiang und 5 Ctni« T«r
Mt felfltebt. Kör Umriflfti, fcte längere Ze,t
Gehe« bleibe«, wir» ei« bebeuttiiber AdzuA
fälto.
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Gm»siehlt sich dem Publikum im und
Scrfeuf w« Mckib.-igenihum.
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GM^isbe ahl««g: 92.09.
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MMNUb abbestelle«, »itb aaflemmmtn, b«V st»
IM abawi«*eiil fori,«setze« wünsch».
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«ufl Schßrllst«. Schönste und B^lligst
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««I ewWfhlt« sick zu geneigten tluftrege«.
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#B#e««ge« «eb WOer adrefsire mar
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in St. Cloud, Minn.
«ab «-chf-l.Gesbaft
VCtt
Tkos. C. MrCltire,
GSudler iw Land- IBarrcntS uub l'atib Scrip.
6«3etiewta aller Act werden prouipt brsorzt.
St. Cloud, Min«.
I. W. M-tzrotb,
Mereksnt Äallar,
Händler in
•u:
-Hütt«, Kappen und fertig
machten Kleidern.
w, Metzroth'I 9\oi, ft. Cloud, Minn
.. tl bezahlt sich nü« z« besuchen.
ge-
-t Dr. \YrnT Proesch,
J.'' Deutscher Arzt 5
Office: 3 Thüren unterhalb
SRcttture'S Bank, St. Cl««d, Minn.
mtJ.E Campbell, M. D.
Elektischer Arzt
ao6
Wundarzt,
chronische und ak»te Krankheiten.
..Melrofe. Minn. 14-
Dr. C. S. Weber.
HomoSpathischer Arzt.
H«»»Sp«thische Bacher
•'is
gntzer Autwahl stet« boträthig. *$
St. Sloud Mmn.
-5*rRl
Dr. Schn»«»«,
MvMchtt ttlji, W««wrzl M»Wen Onkel, auch D» thlilft nfti
GebottSheljer,
bietet seine Hieaftc i« diesen Eigenschaften der
VevLltenmg von St. Joseph nnd Nnigegend an.
VST Osfice und Wohnung in St. Joseph,
Stearn« Co.. Minn. l2-»m»
M««es»ta Haus!"
von
^Verhesk
fW «wi »et «ofl Offire, St. Cloud Man
Dies»« Holet ist be#
-»•TT »UM Votfl ist da« älteste in
St.
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Betirffg»ter dentscherÄiche, idj g.schrltbe hide! Aber
^V'
1,*iL
(Fortsetzung)
Ja. ja. der Apfel fällt nicht weit vom
Stamm?» setzt« der ÖuiSfctrr seiner Rede
noch hinzu. Ich hob'« nicht glaubet'
wollen, nie an seiner Mntter Xnbttn
Inger der Rufseher Böhm dir Hotf«
sprach. ES empöru sich mein filttichs?
Gefühl dagrqen und ich nahm den ftna
ben in mein tz,"us. Ich hätte
tt
Nein, Victor, nein. Du lädt Dich in
Deinem Urlbtil über den Menschen durch
Pen Gedanken beeinfinssen, daß er cf
war. welcher Dich a«S einer Lebensge
fahr rettet«! Du schwärmst für die
iühue, verwegene Tb-t^daS lst aÜ«S..
Viktor schüttet»» sehr energisch den
(topf und wollte etwas entgegnen, bä
wurde der Wittftöerr, in Folge ver Krank
heit seine» Tochter vielfach in Anspruch
zenommen. auS dttn Z«,nmer abgeru
fen. Wally und der Onkel blieben allein
zurück, und der Letztere wendete sich, so
halb hinter seinem Bruder die Thür in'S
•54 vfc fiel, an seine Nichte. 6r
wieder ibre zarten Hände zwischen seinc
hageren Finger, sah fie lange liebevoll
und ernst flu und jagte
ArmeS, orm:S Mnd! 'Wie herzlich leid
tbut S mir um Dick »nb um den
jimijÄ Mann! tiber iuijc mil »uii, do
wir allein sind, nur baS Eine: glaubü
Du an Ludwig Steinbach'S schuld, was
jienen Banknotendiebstahl anbelangt?
Nein. Oniel. bei Gott, nein Ich ka .»
nicht und Wirde nie daran glauben Ich
kenne sein edleS, reines Her}, ich femu'
seine Seele, möchte ich sagen, wie Nie
maud mehr, und wenn Ludwig gemeinen
Diebstahls fähig ware o—o! ich inüftit
nicht, welcher Scheußlichkeiten alle and«
rvn Menschen auf bem Erdenrund sä».,!g
-ein müßten? ES ist unmöglich, sonn
möglich wie eS ist. daß der Dorfb-.,ä» sei«.
Wasser zu Verge schickte, anstatt zu T'.?al.
Und wenn er vor das ©nicht aesch «vp»
und rechJSlräftig verurtdeilt würde, da
alle Anzeichen so sehr gegen ihn sprechen
in der Tiefe jRcmtS Herzens roürbi
eine Stimme rifeti: er ist unschuldig,
'inschul^.ig! Und mich, mich zwingt mat*
dazu, ihm einen feiten, herzlosen Vries
»u schreiben, der ihm sagt, daß ich nichts
mehr wiss-n will von ihm! Zch hade •.
geschnebtn, ja, ich wai zn schwach
vielleicht nur kölperlich dem '^lndrin
zen zu widerstehen aber diese Lüge wird
mir ewig brennend auf dem Herzen lie
fltiv
DeS Onkels Miene war vielleicht nicht
minder traurig und belütiimm/ ai« die
jenige Wally s. Er sah noch» inuncr in
beS Mädchens thränenfeuchtj, schimaiern
be Augen und sagte, da sie vor Erschöp
sunq schwieg:
Dein Uethei! ist auch wenn auch
nicht mit derselben Leidenschaftlichkeit
daS meinigt, tkinb. Eß tviderstred» Air,
diesen junge» Mann für einen Dieb zn
halten, und ich glaube,
ei
wäre alles
anders gekommen, hätte Bruder «Erich
nicht in ihm den Sohn eines Mörders
sehen müssen. Aber was ließe sich da
thun ES wird mir so schwer, mit sel
ber ts zu gestehen, daß ich rathloS bin.
Onkel! rief Wally auffahrend mit
einer Kraft, deren sie bisher zu trimm
ncn Glauben an seme Unschuld voll und
panz? O Onkel, nun habe ich doch
eine Seele wenigstens, die mich und
«um Fühlen verstehen wird und auch
Men Verbündeten habe ich an Dir ge
wonnen. Sage nichG daß Du ratfolu#
seiest! Du hast ja den Willen, zu helfen
so findet sich auch schon die Möglich
tMdazu. Siehst Du, nun werde ich
an« wieder hoffen, nicht war? Ehe Du
kamst, da hatte ich die Hoffnung ausge
geben nnd do nein, spr- chen
nicht dav. n. Der böse, böse Brief, den
tzt hoff ich
ytche» »itb«, Cnkel, und werde sund
Ter Onkel war aufgestanden «nd ging
J\a"T
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^Toi/a'
Vi f£*/,
*Vt. •.
7 7-
Die -Tochter des
Millionärs:
nicht
tbun sollen!
Ä.'S der Pater Wally tl? Worte von
dem Apfel sprach, der nicht weil vom
Ztamme fällt, bu zuckte c« durch Victor,
als müsse er haftig etwa» entgegnen.
Aber er sag^e doch nichts, sondern fctugtr
sich nieder z« feiner armen Nichte und
iprach ihr mild und lieb Trost zu. ja er
siuflerte ihr heimilch in'8 Ohr von Hoff
iinitg.
59vi'1d blickte ihn durch ihre Tbräne«
hitiKboi un und Ariitfte ihm die Hand.
Nun und jagst Du mir gar nicht, tot!«
cheS Dein Uttbtil über mei»eHaad:u»
weise ist fragte Erich ötrii Btudcr.
Bittor schaute von Wally weg um
auf zu dem fragenden.
Bruder, sagte er fest und ernst ich
3iudt, ich würde nicht so schroff aufge
treten sein, wie Tu e». waS mit innig
leid t!)«t#1nun doch gethan hast.
W«e' auch Du nicht mit eiuverstanden?
Uber irarum denn? Soll ich mein Kind
einem Diede geben, wenn wir schon da
von absehen wollen, daß sein Pater ein
Mörder war? Ist ihth denn nicht de»
Diebstahl nachgewiejen?
Da? scheint allerdings so und ich will
auch gestehen, dop mir der Mauden da
ran schwer wird. Du habest Dich ir
gend einer Weise täuschen lassen. Aber
immerhin, so »ie dieser junge Mann
aussah, so sieht kein Spitzbube aus. ob
derselbe nun rofftnirt wäre over erst ein
Neuling in'frturtn unsaubern Handweif.
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Warum sagst Du denn nichts Onkel 9
Zst meine Hoffnung unbegründet und
kannst Du bteftibt nicht »heilen I Bitte,
sprich Dich lieber offen aus. anstatt so
zurückhaltend zu sein.
Liebe Wally, der Fall ist tin itngt«
heuer schwieriger, und so leicht dürfte die
Lösung dafür nicht zu finden sein. Aber
beunruhigt Dich darum nicht auf jeden
F.'.ll '»ast Du in mir einen treuen Ver
bündeten Deiner Liebt, der sich die Auf'
klärung der Sache als feintr eigenen
wird angelegen sein lasten. Zndess.'n
wird t# stch empfehlen, mit den geeignet
x^ichetnenden Schritten ohne Zögern
vorzugehen, und darum mußt Du mir
vftauen, Dtch allein zu lassen.^ ^ch
werde Dir tine Ditnerin schicken.
tdutti Onkel! flüsterte das Mädchen
und behielt seine Hanl», die er ihr zum
-lbschitüt gereicht hatte. W,e lieb Du
bist! Dein Kommen und Dein trostrei
ches Eintreten für den atmen Ludwig
tliitt mir wohler, all d«S ArzteS beste
°?ked»in. Wie gut Du bist!
V.cior Werdend rg wendete daS Ange
ficht in tiefer Bewegung ab.
Sage daß nicht, erwiderte er leise
sage das nicht, Wally. Du kannst nicht
wissen, ob nicht mein Interesse aufs Leb
hafteste mit in Frage kommt.
(Fr machte bit Hand von der ihrigen
tos und ging rasch hinaus..
jÄK
Ohne Zögern riß Ludwig da? Convert
:io» dem Briefe herunter. WaS
& »',
St. Clc«tz, Mi«»., D««erß«ß, tztti lkZ. Mtrz Z87K.
lange Zeit, ohne tin Wort zu sagen,
nachdenklich im Zi«mtr hin end her.
Da wurde Wally »Der Ängstlich und
fragte:
WSfS'l
XXVI.
Als Ludwig nach jener Scene auf der
Landstraße, wo er denjenigen gerettet
hatte, den er gerade jetzt am meisten haßte,
nach dem Nordheim'schen Oute kam und
sein Zimmer betrat, fand er zwei für ihn
bestimmte. Schreiben vor In der Huf
ithrift de? einen erkannte er, wenn auch
zitternd und unklar, Wally'S Hand und
im Augenblicke schien es, alS solle sich der
Aufruhr in seinem Anne»« leget?. a!8 solle
das «ute. welches-den «eundzug^ines
Wesens bildete, dennoch die Oberhand
gewinnen über die seinem Herzen sonst so
fremden Regungen des Hasses und der
Äachzier. Ein Brief von ihr! So hatte
seiner doch nicht vergessen, und Iva#
Ludwig'«^ Dämon, der wlle Heinz, von
ihr prophezeit*—daß auch fit fei
neu Glau
ben betrügen werde daS sollte nun
doch nicht eintreffen.
rt
Later W illy's früher in Betreff seiner
Korrespondenz mit Wally versprochen.
daS haue nach der eben erst in Brendiin
nahm gfn erlebte» Sc ne jede Berechtigung
verloren. Ludwig fühlte sich moralisch
•licht mehr dunden durch sein damals
gegebenes Wort, keinen Brief der Gelieb
ten mehr in Empfang nehitvit zu woHen.
vatie sich doch der junge Mann verge
jcits nach einer vernünftigen Erklärung
»es ilnn im Brendlingtr Herrendause zu
gefügten Schimpfes' suchen». Werden
serg's BetZlSgen znlctzt lünstlich dahin
gedeutet: derV.tc Herr babe sich zu jenen
dem
Horten hiiircißen lassen, um bei dem be
vorstehenden Besuche seines Bruder«, dem
vr seine Tochter also doch nicht mich Eng»
a lib senden konnte, die drohende Mög
'ichteit eines nochmaligen brieflichen Ver
.rhrs ber beiden jungen Leute vorweg zu
hintertreibcu.
M-t diesen Gedanken. Schlüss'N und
itqibkii griff Ludwig nach Wally'S Ab
sagebrief. weichen sie aus de» Vaters hart'
und entschieden gegebenen Befehl noch
im Seit hatte schreiben müssen. Dir
Wirkungen dieses Schreibens, welches
veii Erwartungen des V^r outers schnür
strack« entgegenlief, war eine betäubende.
Der lollc Heinz behielt mit seinen V^r
auSsagunzrn dennoch Recht! Nun war
saS letzte Bund der Rückstchlnadme »nd
jeglicher milderen Gesinnung zerschnitten,
und ob auch Ludwig höhnisch, sich se.ber
zum Trost, einen Moment zu überreden
versuchte Wally sei e« nicht werth sich
um sie zu grämen, und die ganze Wer
deuderg'sche Aamilie sei es nicht Werth
and er. Ludwig würde pm Leben über
all und dtfler wie in der Heimath findtti
zuletzt drang doch das unendlich bit
lere Gefühl, in seinen heiligsten Regun
gen betrogen zu Mn, durch und be
herrschte ihn ganz.
ES ist der Gelvsack, der alle« macht,
sagte er mit eisiger Stühe es ist der
Geldsack, nichts Andere« der tolle
Heinz hat Recht. Gut, demüthigen wir
den Geldsack, da wir eS können, und fltl
ieti wir das Andenken eines unschuldig
Gemordeten wieder her. Ist daS gesche
hen, dann fort in die weite Welt.
Er ging an den Schreibtisch, um so»
fort eine schriftliche Anzeige an die Be
hörde zu verfassen da fiel ihm jetzt der
zweite Brief in die Hand, welchen er über
dem ersten ganz vergessen hatte. Er öss
nett das etwas umfangreichere Schrei
ben, ij^d einigt Banknoten sielen heraus,
iow» ein kurzer Brief:
..Andem ich Ahnen Ahr Gehalt für
„das nächst Quartal überreiche, for
„dm ich Sit auf, nach Empfang die
„seS Schreibens mein Gut augenblick
„lich zu verlassen. Mar Nordheim."
Abgekartet Spitl! Murmelte Ludwig
mit einem fast gerinzschätzigtn Lächeln
und legte dtn Brief bei Seite. Da»
konnten die H-rrschaft sich spann und
wärt« frflita zum ele gekommen.
Mir kann t« nur lieb fem, wenn ich
(läng!'* freie Hand bekomme. Indessen
will ich ihre« zukünftigen Gatten H«iS
«tt »einer (Meiire.irt auch wirklich kei
nen Augenblick länger als eS nSthig ver
unziete«.
Er ging «ach dem Hofe und besttLtt
eine« Bit***, der ihn und seine Effekten
nach her Residenz bringen sollte. Er
stlbtr pqcktt in Eilt ftint Sachen zusam
men und war nach Verlauf titter hatten
Sknnde, seit tr Aordheim'« Brief gelesen
hatte, |itr Abreist völlig gerüstet. Für
daß Btnithalten eines WaaenS mußte
wohl auch der Herr dtS Gute« selber
schon UM jungen an feint Leute gegeben
haben, denn auch ditstr stand, noch the
Ludwig f» weit war, angespannt da.
Aetzk wollte ich. der tc«f Heinz kämt
mir wieder in dtn Weg. um ihn gleich
miUunehMe». dachte Ludwig. Jetzt
würde «mit mir rnohUufTieden sein.
Er setztt sich in dt« Wagen. In einem
Winket W GutshofeC stand tin Rudel
Arbeiter bei einander und sah seinem
Abzug« erstaunt zu und lauscht den Wor
ten des Aufseher» Böhm, welcher da»
wunderbare Ereigniß zu trklärtn schien.
Abte waS kümmerte da» olle« den
Scheidenden^ Er sagte nicht einmal
irgend Jtmandtm Lebewohl. Er war
nur mit seinen Plänen zum Verderbe»
seines Woblthäteis beschäftigt, und diefe
Gedanken erfüllten ihn nut einer Aus
schießlichkeit. daß er zu anderer Zeit vor
sich selber erschrecken wurde. Er wollte
die kurze Zeit der Fahrt nach der Resi
denz möglichst ausnützen, um in seinen
Entschließungen sich völlig klar zu wer
den unß dann bei der Ankunft in der
Stadt ohnt Säumen an'S Werk zu ge
hen. Mit fa'.ttr, ja eisiger Ruht über
legte er den zuerst nöthigen, dann die
nachfolgenden Schritte, er theiUe sich
Stande um Stunde seine Zeit ein. und
„im Ganzen ergab sich, daß er für die
nächsten Tagt einer athrmiosen Tbätig
keit entgegensah, in welcher er, wie er sich
trotzig selber sagte, die vollkommenste in
ntrt Ruht finden würde. Der Abschied,
den tr von Nordhtim bekommen, beschäf
tigte sttntn (fttist dabei gar nicht. ES
erschizn iNn nicht einen Augenblick aufr
fällig, daß er unter Auszahlung »es für
die nicht innegehaltene Kündigungsfrist
ihm zustehenden ÄehaltS urplötzlich ent
lassen würden war, weil nur das Schrei
ben Rvrdbeim zu gleicher Zeit mit dem
jenigen Wally in bit Hände kam. Er
iah darin nichts, a» tin gemeinsame»
Borgthen der Reichtn gegen ihn, den
Armen, nach vorher besprochenem Plane.
Man tttrfoängtt ihn. man machte ihn
unmöglich, um durch seine fatale Persön
lichkeit nicht mehr gebindert zu sein.
Nicht im Entferntesten kam es dem Ber
tnebenen in den Sinn, eine andere Teu
tnng-der plötzlichen Dienstentlassung zu
versuchen.
»Pald war die -Stadl und da» Hotel,
in welchem er nach seinen»,Weggangk von
Brendlingen schon Wohnung gen tun men
hatte, erreicht. Ludwig richtete sich in
dem Zimmcr. das ihm angewiesen wurde,
tusch notdürftig ein und war damit
eben zn Ende gekommen und im Bt. r:sf.
sich nach der Wohnung desjenigen Be
amten zu begeben, bei welchem er persön
lich seinen Antrag aus Revision des Hro
zessiS gegen seinen Vater anbringen
wollte, als der Zimmerkellner bei ihm
eintrat und ihm mittheüte, daß ein alter
Herr die Erluuduiß erbitte, ihn auf sei
nem Zimmer besuchen zu dürfen.
Ein alter Herr? fragte Ludwig voller
Staunen. Ein ilter Herr Solltf das
doch «ein. den Herrn Herdenberg von
Brendlingen kennen Sie ja persönlich.
Gewiß kennt ich Herrn Werdenberg
aber der ist e» nicht.
So ersuchen Sie den Herrn, bald zu
kommen.
Der Kellner entfernte sich wieder, einige
Mittuten später wurde an Ludwig SiM
merthür gepocht und der junge Mann
rief sein H.eei«!
Die Ti-iir öffnete sich und vor Ludwig
stand -r- jener gebeugte, alte Herr mii
dem schneeweiße» Hiinr und Bart und
den mtidtn, verfallenen Zügen, welchen
Ludwig vor so kurzer Zeit erst au« der
augenscheinlichsten Gefahr gerettet hatte
und den tr doch zu verderben trachtete
der ihm unbekannte Victor Werdenderg.
Um Vergebung, mein Herr, sagte er
eintirtfkid ich erfuhr Ihren Namen,
nnd da ich an Ihnen das lebhafteste In
teresse nehmen muß, so suchte ich Sie auf,
und zwar, wie ich gleich bemerken will,
in Ihrer eigenen Angelegenheit.
Ludwig, welcher allerdings über diesen
Besuch tltoa# erstaunt war und bei den
letzten Worten desselben besonders^auf
merksam wurde, lud höflich zum Sitzen
ein, welcher Einladung der alte Herr gern
Folge leistete.
Zunächst gestatten Sie, hob Victor
Werdenberg an, nachdem er sich gesetzt
hatte daß ich meinerse tS auS gewissen
Gründen mich Ihnen noch nicht vorstelle.
Lassen Tie mir mein Anco^nito dasselbe
wird im rechten Augenblicke schon fortge^
nommen werden. Ich hoffe, daß Si:
mir diese kleine Bitte, odschon sie etwas
sonderbar sein mag. nicht zu «füllen ver
sagen.
Ludwig, tvefflftm sein Gast immer tu
teressanter wurde, nickte demselben in er
wartungsvollem Schweigen seine B?
jahung tu.
Gut, fuhr Wally'« O&tim fort Sit
tbun mir bitsrn Gefallen, wie ich es er
wartet.hatte. Nun «ber zu Weiterem.
Ach sprach davon, daß ich in Ihren eige
nen Angelegenheiten mich hitr befände.
Sie mögen da« («nderbelr finden, da wir
«in» h»«t vohl zum erste» Vial jähen
'4ft#
WWSS
und da Kie annthmen durften, daß ich
jetzt O»n Ihnen kaum mehr wissen
könnt, a!« den Namen. Zn dtr letzteren
Annahmt ti«schtn Sie sich ich weiß
«ihr von Zhntn, ich ktnnc Ihre Ber
haltniste, Ihre momentane Lage, «nd
IM« Sit mit dort auf der Landstraße
durch««« nicht «tittheilen mochten der
K«««er. MM Michem Sie niederaedrückt
tmften tjt «|ir.frin Gtheinmiß mehr.
Um Vergebung, «ei« Htrr, lasten Sie
mich ruhig zum End» kommen! Vielleicht
defürchten sie. ich sei hier trschitnen, um
mtintm Daukgesübl durch da» Angebot
einer Summe Geldes Ausdruck zu ver
leihen. Sit würdtn dergleichen zurück
weisen und daß, wa» Sit drückt, kann ja
doch nicht durch Ge'd get oben werden.
Meine Pflicht ist eS. in wirksamerer Weise
zu helfen und beabsichtigte ich aller'
d-nqS.
Abs» mein Herr, warf nun Ludwig
doch tin verzeihen Sie, daß ich trotz
Zhrer Bitte unterbreche, da es mir
wirklich nicht möglich ist, zu glauben,
daß Tie mein -»iaentlicheS Unglück ken
nen. Was Sie dafür wahrscheinlich Hal
ten. die Entlassung «M meiner Stellung
bei Herrn Northeim,- davon wurde ich.
um ihnen die Berechtigung meiner Watt
zu beweisen, tast in Kenntüiß gesetzt,
nachdem ich auf dir Landstraße
Ahnen zulämmengetroffen war. Ich a»'
erkenne Ihren guten WWen. indessen .,.
Er zuckte dedauernd die Schultern und
vollendete den Satz nicht.
Mit dem lebhaftesten Interesse hatte
inzwischen Victor Werdenderg des jungen
Mannes ganze Erscheinung gemustert
»nd sagte nur mit leisem Kopffchiitteln
Die Jugend ist gar rasch in ihrem
llrtheil. Beantworten Sie mir zunächst
offen die eine Frage: Kennen Sie den
Grund Ihrer plötzlichen Entlastung?
Betroffen blickte Ludwig auf und dim
alten Herrn tu die Augen voll peinlichster
Spannung, bann fugte er mit düsterer
Stimme:
Wie kommen Sie zu dieser eigen»
thSmlichen Frage?
JKP
a
Keine Gereiztheit, um Gottes willen
keine Gereiztheit! Diese Fragt wird
mir diftirt durch das lebhafteste, innigste
Antereste für Sie und Ahr Glück. Habe
ich denn fein Anrecht darauf, Ihnen
dankbar sein zu dürfen? Ach habe es
doch, ich habe e» im allerhöchsten Grade,
und nochmals alsd: Keunen Si? den
Grund Ihrer plötzlichen Entlassung?
Ach will Ihnen, da Sie es augen
s(heinlich gut meinen, versetzte nun Lud
wig nicht wehe thun, durch ein fort'
ges«tztes Sträuben, und Ihnen also eine
Antwort geben, von welcher Sie hoff nt
lich befriedigt fein werden. Daß ich die
Veranlassung meiner Dienstentlassung,
die mir übrigens nichts weniger als un
angenehm ist. kennt, daS läßt sich nich!
iagen aber ich ahne sie, ich sütile sie, ich
weiß sie sozusagen iitstivcüo. Worin sit
besteht, das Jhneli mitziithtilen wird wohi
nicht nethig sein, sondern es dürste ge
nügen zu erfahren, daß diese Veranlas
jung in mir, in meinem Thun und Be
tragen nicht liegt, sondern daß sie
anß rbalb meiner Perjon zu suchen ist.
liie iminer heftig gewordene Span
nung und Aufregung itt Werdcnbcrg's
Antlitz, weiche den ^'.ltrn Mann znlep!
abwechselnd blaß und rvlh werden ließ,
mochte einer plötzlichen Freude Platz.
Also doch! tief er j.ibelnd also doch
unschuldig! Ich wußte es ja!
Und er trat au Ludvig heran, ersaßtc
dessen Hände nnd sah ihm mit dem Aus
drucke innigster Liebe und Theiinahme
in Angesicht.
Verwuidert schauie Ludwig drein,
als mäff: er in die ZurechnungS
sadigteil des cigenthüiiilichcn Graukvpfe»
einigt Zweifel setzen.
Armer, armer junger Mann! nahm
V.ctor Werdenberg ii^essen wieder pol
ler Rührung daS Wort durch die
Fahrlässigkeit und den dösen Willen An
derer so tief in Unglück gestürzt! Ihre
MutHmaßung in Betreff Ihrer Ent-as
sung ist salsch, falsch! W'fsen Sie. wel'
chen Grund Herr Nordheim dafür an
gibt Ei sagt, Sic hätten den bekann
ten Einbruchdiebsiahi verübt!
Was schrie Ludwig, starr twr Entsetzen
tibtr diese Bthaupiung.
Ja wohl, bestätigte Victor Werden
derg— er behAiiptet es und erwürbe auch
in der Lage sei», einen Beweis dafür
führen zu können Von seiner Seite ist
eS ein böser Wille. Absicht und wenn
er Ihr Ansehen an einer dritten Stelle
dadurch zu untergraben trachtete, so ist
ihm daS ja, wie Sie wissen, gelungen.
Ich meinerseits glaubt an Jhrt Unschuld,
zweifelte von Anfang an an Jh:er
schuld, obschon dies den Beweisen ge
genüber, die Nordheim in's Feld führte,
vielleicht schwer fein konnte. Andere
glaubten ihm und daher Ahr vollstän
diges Unglück. Sehen Sie nun ein, daß
ich Sie verstehe?
*1 rJf *&Ä
Mein Herr, ich möchte Sie nun doch durfte, daß Ludwig hier auf dem fiorri
um Ihren Namen bitten. bor, wo fortwährend Menschen hin und
Nicht doch, nicht doch, mein Name ist
I
gleichgiltig, wehrte Victor Wtrbenberg bringen würde, zu sagen, wer tr fei.
ab. Später will ich mich entdecken, jetzt Das trtann!« dtr alte Herr unschwer,
nicht. Vertrauen Sie mir nur und fuß die Nennung seines Namen« auf
glauben Si» mir, daß ich t« nur gut stintn Schützling wider Willen unfehlbar
meine —und vereinigen Tie sich mit mir,
um diejenigen Mittel ausfindig zu ma
cht«, welche geeignet sind, den stattgefun*
dcntii Betrug ai« solchen aufzudecken.
Dazu ist in erster Linie nöthiq, sagte
nun Ludwig, der wirklich zu btm alten Schluß entgegen, jedoch ist bereit« fiT
Herr« Vertraut« faßte, daß ich er- ne ucht intenfsante neue EyShlu-g
fahre, in «etcher Veife Nordhtipjtzorge getraMe» »o-dea»
5 &
uj
Xi
.!
sr
e*.iv-•
S3idW#rr'•?* ":.
a^l.t-,* .5 "...
«s. 14.
möglich machte, dritten Person«« gi«n«
tibtr gcradt herausgesagt: gegenübt?
dem Herrn Erich Werdenderg auf Brtrtb«*
linqtiP und gegenüber besten Tochltf
Wally— mit fti«tt schändlichen Btr»
Itumbutifl Glaube« zu finden.
Ich will Ab nett erzählen, wie her junge'
Nordheirn dem Herrn Werdtnbtrg auf
Brtndltng.n dit Sache vorgeführt hat.
WaS W geben werde, wird nicht« fein,
als ein einfacher Bericht de« !halfiichli
cht« Hergänge« dubti.
Und nun tizähttt Victor gtkrtnlich,
wie Nordheini nach Brendlingen gel#«'
men. mit tr den Sattlermeifter mitge
bracht und seinen Ptwet« für tzudzvig'«
Ehrlosigkeit «ngttrtR« «nd hjerauf ballt
Herrenhaus verlaflcn hatte. Roch tear
Victor's Btricht nicht am (iitbt. als drau
ßen auf degt Corridor tin dumpfe« Ge
wirr leiser, unterdrückter Stimpitn unb:,
tin schmerzhaftes, näher und naher fpme
mfiidtS. Stöhnen vernehmbar tourdt.
Anfangs achteten weder Ludwig noch
Piftor darauf aber plötzlich wurden
sie Beide aitfinctfsam, und Victor unter
brach seine Erzählung, um zu lauschen,
denn Beide hatten gehört, wie der 9{amt
,Nordheim' war ausgesprochen worden.
Hat er nicht heute ein Duell gehabt
fragte Victor zuerst und leise.
Ja wohl, versetzte Ludwig. Wtnti tr
verwundet oder tobt wäre?
Tobt nicht wenn tr bat war, dann
ist er nur verwundet, denn tr stöhnte
ganz vernehmlich. Ah, man bringt ihn'
in daS Zimmer nebenan Herr Stein»
dach wir rotsten nicht, ob dieser Mensch
schwer oder leicht verwundet ist. Gestat--Z
ten Sit. daß ich gehe und Erkundigun
gen einziehe.
Ich gehe mit Ihnen, mein Herr, ich
gehe mit! Ich sage es ihm in'S Gesicht,
daß er daß er der schandlichste Schurke
ist, den ich nur kenne!
Nicht doch, nicht doch mit biebr
Hit« richten Sie nichts aus. Er hat Me
Beweise gegen Sie in der Hand, seien
Sie alio besonnen und versuchen Sie e«
in anbrtfr Weift,
Wollen Sie da« handeln «ir überlaf»
sen?
DaS Stöhnen und Aechzen im Neben»
zimmer nahii^ in erschreckend heftiger
Weise zu, wahrscheinlich weil der gtibMtbt
iu tin Bttt gebracht wurde. 5
E« ist NordHtirn, sagte Lnbmg
stimmt ich erkenne seine Stimme.
Nun denn, so beherrschen Sie sich urtb^
!ommen Sic mit mir an sein Bett.
Unwillkürlich leistete Ludwig der
fr.tb.uuiig Folge, ohne ein Verfvrecheu
zur Selbstbeherrschung gegeben zu haben.
Er nickte nur mit dem Kopfe, und da des
alte Herr die Thür öffne»? so schritt tr
hinterdrein.
Auf dem Korridor standen Kellner und
Stubenmädchen,
War das nicht Herr Gutsbesitzer 9lorb«
tfim sragtt Aicior Werdcnberg.
Ja wohl, mein Herr Kugel in den
Unterleib.
Ist die Wunde gefährlich? 7
Der Arzt machte ein gar bedenkliche«
Gesicht. *Jch glaube, es steht schlimm.
Ludw'g „nd Victor suchten Eintritt zu
.•rlangtn und wurden zurückgewiesen, da
der Arzt gerade mit da Untersuchung der
Wunde beschäftigt fei. Bald indessen
kam ein junger Assistenzarzt für turz«i
Zeit heran«.
Verzeihen Sie, redete ihn Victor Wer
veuberg an —dieser junge Mann hier
:ft der GutSverwultcr deS Verwundeten,.^
und ts ist dringendst iiötliig. daß tine,
schleunige Unterredung mit £«:rn Nord»
heim stattfindet.
Sie kommen leider zn spät, meine Her
ren oder zu früh, entgegnete der jungt
Meviciner. Sceüen wurde die Kugel
entfernt, und bei dem jetzt folgenden An
legen b.s Verbandes, während dcstcn ich
Sie nicht dors eintreten Jessen, wird
der Verwundete in Folge des «orange
gangene» starken Blutverlustes entschie
0.11 ohnmächtig werden. Indessen, wenn
sie eilte kurze Weilt sich gedulden wol
!en, so will ich Sie hier abholen, sobald.
es nur möglich ist, Jemand dem Leiden-'
den sich nähern zu lassen.
Noch Eins, Herr Doctor, drängte nun 2
Ludwig. Hatten Sie die Wunde für.
gefährlich oder ist da« Leben Nord»
beim'« außer Frage
Der Assistenzarzt zuckte in vieldeutiger
Weise mit den Schultern.
Wer will darüber «in sichere« Urlheil
fällen fagit er. Die Wunde ist schwer,
und leider sind edlere Theile nicht gänz
lich unverletzt geblieben.
Mit diesen Worten wtndtte tr stch ab.
und Victor blieben auf dein Corridor an
der Thür zurück. Ludwig war so voller 5
Spannung, daß er an die Mö ^iichkeit,
in srinern Zimmer den Ruf de« Assistenz«
arzte« zu erwarten, gar nicht dachte
und Victor Wtrbenberg. welcher sehr,
wo^l baran dachte, hütete sich, diesen,•
Vorschlag zu machen, wtil er annthmen
hergingen, doch nicht auf's Neu« tn ihn
mißtrauenerweckend wirken miistt ob
schon tr, Victor Wcrdenbcrg, nicht wußte,
daß tr dem armen Ludwig verhaßt sei.
(3*tfetzent folgt.)
(Hnmerk. Die Gesch chte geht ihre»
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