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Der Nordstern. [volume] (St. Cloud, Minn.) 1874-1931, April 27, 1876, Image 1

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dieselbe beordert worden ist, sowie die Met«.
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etwa stattfindende« Crtlbtränbtreng, **b der
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tzor Oezahlun* de« volle« Abon»e,«e»ttbetrage«.
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welche ohne Bemerk««« z«r Ausnahme «««gehe«.
werde« so lange ti«*«üt und berechnet, bi« sie
abbestellt werde«.
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Preise« ««gerückt, «ämlich 10 Cent per *"Uicr»
'C: Seile, fit die erste Sinrncknng «nd S Cent« f«r
jede folgende. Kiir ««zeige«, die längere Z«t
stehen bleiben, wird ein bedenkender Abzug er
(«übt.
Die HeranSgeber sind im Besitz einer voll,
ständigen Answahl
tfHft #ef*w«Awtt*t Lettern,
«nd daher sind sie im Stande,
Dr»cks«che ««er Art
in de«tfcher u»d e»«Uscher Sprache
euf'6 Schnellste, Schönste und Billigste
zu liefern
w* empfehle« sich zu geneigte» Aufträgen./.
Gedruckt werbe«:
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«mpsiehtt sich dem Publikum im A«. und
Pertauf von Gruud.igenthum.
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{Hast: nub W'ckfel-Gsfchäft
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Tkos. C. McClure,
Hiiildler in «and. Warrants nub Sand. Strip.
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1 Block vo« der Post Ofsiee, St. Cloud Min».
tiT Diese« Hotel ist ba« älteste in St.
S6iiw»'lHin
h» Betteffuntcr deutscher Küche.
Irwli-hlttt «*b Bette« nicht übertrefft« werden
•«k ®UI«Bfee bew Hotel.
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1
"7 Zi§e»«M»H.
8i«e »«schichte an« dem Lebe«. Bo« Her«»«H
Hirfchseld.
(Fortsetzung.)
III.
ging mit großen
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Tchntttn in seinem Priva»«nm« de«
ypeiten Stutiuwti auf utt niebw mmwi
balfttte und die angrenzenBen 9Wutw
auch mch»sv MchAg mrtgeftaKtt mmn,
«U bit bii unteren @toM, fo waren
doch hier R«chch»mt tu* Eleganz nicht zu
eetfeimen und Xeichchum trug «mch ihr
Besitz« in feinen» Aruheni, fast biG zur
MsichtlichtM. zur Schau. Brillanten»
knöpfe, schwere goldene Kette, bei feinst»
Tuch, der neueste Schnitt i« Anjug —,
Alle« schien berechnet zu imponiren. Au
verschönen vermochte es jedoch den trä
ger aller jener Herrlichkeiten nicht, na»
mentlich nicht in diesem Augenblick, da
eine fichtliche Aufregung sich in den Mie
neu Jakob Weithal'S widerspiegelte.
Der Diener entfernte fich. und kaum
hatte er in den GeschästSräumcn seinen
Auftrag ausgerichtet, als mit dem Glo
ckcnschlage Zwölf die aufgedunsene, ficht
lich verfallene Gestalt Franj Wenzel's
das Bureau betrat und den Ches des
HauseS 1*1sprechen begehrte.
Der alte^ Buchhalter kam ihm entgkgen
und bat ihn höflich, fich von beut Diener
in die oberen Räume führen zu lassen,
wo der Chef ihn bereits erwarte.
Der Lindcndaner fühlte fich geschmei
chelt. fr itiüv ohnebi.v in guter, toctut 01t*
tt:ur.5 evregivr Stimiiiuiif, denn ehe ei
sich in das Handelshaus bezab. war er
seinem Freunde Berneck begegnet und
halle mit ihm einige Flaschen geleert. Er
schritt in Beglriliing des Dieners, der eil«
paar Schritte zurück blieb, über die tep
pichbclegten Stiegen, wie ein Mann von
Welt, den keine Herrlichkeit zu blenden
vermag aber desto heftige? migte in sei
nem Innern der Reid, bei bittere Neid
gegen den Besitzer aller dieser Pracht, der
reich sein mußte reich während er
zum Bettler herabgesunken war und
vielleicht zum ersten Mal pochte das Ge
wissen —, zum Bettler durch eigene
Schuld.
Das erste Stockwerk war durchschritten,
es mar leer, und der Diener lud Wenzel
ein, ihm 1 das zweite z» folgen. Durch
nteh Zimmer hindurch geleitet, betrat
der Liudenbau das 6abittet Jakob's,
der Diener öffnete mit der Meldung:
„Herr Wenzel von Rollendorf!" tb zog
sich sofort zurück.
Der Herr iitn Schreibtisch erhob sich,
und unwillkürlich prallte Wenzel einige
Schritte zurück. Ter Chef des Hauses
Molton u. Comp., sein Hauptgläubiger,
mar ihm nicht unbekannt, es wollte ihm
dünken, als habt er diese Züge vor Iah
schon gesehen nur wußte er nicht, wann
und wo.
„Sie Wünschen mich zu sprechen, Herr
9®in$el sagte der Chef höflich, seinem
Gast einen Sessel anbietend. „Ohne
Zweifel wollen Sie die fälligen Wechsel
bezahlen Sie wissen, in einigen Tagen
ist der schon wiederholt verlängerte Ter
min verstrichen —, wir könnten den Holz
verkauf gleich von dem Betrage ab
ziehen."
„Im Gegentheil, nahm mit er
zwungener Demuth der ßindenhnfbesijter
das Wort, „ich komme vielmehr
Sie zu ersuchen, die Wechsel zu prolong!»
ren auch die Zinszahlung der Hhpo
theken, die ich Ihnen aus meinen Hof
einräumen mußte, bitte ich zu stunden,
dagegen den Holzverkauf, so niedrig Sie
auch den Preis gestellt haben, baar zu
zahlen. Ich bedarf des Geldes."
Und nun begann er dem ruhig zuhö
renden Jakob auseinander zu setzen, wie
»Mterfchnldetes. Unglück ihn herunterge
bracht, wie Mißwuchs und Hagelschlag
seine landwirthschasttiche Thätigkeit ge
lähmt habe. Aber er erwähnte auch zu
gleich die bevorstehende Berheirathunö sn
ner Tochter mit dem Erstgeborenen beS
reichen Silberbauern, der seinen Schwie
gervater aus Roth und Schande reißen
würde, und dann solle Alles zurückgezahlt
werden mit hohen Zinsen.
Jakob ließ ihn ausreden, und erst als
er schwieg, nuhin er kalt und geschäfts
mäßig das Wort.
„Verzeihen Sie, wenn ich von Privat»
fachen rede, wo es sich um Geschäftliches
handeljt. Sie. sprachen, von der Schuld
des Schicksals, das Sie heintgesucht.
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81
ttorf eilten Blick nach der Pendule aus
dem Marmorkamin. Roch wenige ®ti»
nuten, und schlug die zwölfte Stunde.
„8r wird kommen," sagte er halblaut
vor fich hin, „ich werde ihm gegenüber
stehen, wie der Richter vor dem Verbre
cher allein die Hand dt6 Richters ist ge
lähmt, da? Schwert soll ich über seinen
Racken zücken, aber den Streich nicht voll
ziehen. Gleichviel, trifft der Schlag auch
nicht, er soll ihn fühlen."
Er zog die Glocke, ein reich gallo
ntrter Diener erschien.
„Herr Halden ist noch nicht zu Hause
„Rein, Herr Weithal."
Gut, sehr gut. Bestellen Sie unten
im Comptoir. sobald Wenzel aus Kotten
dorf eintrifft, sall man ihn Ihrer Füh
rung übergeben Sie geleiten ihn unter
dem Bonvande, daß der Chef des Hniife4
dort anwesend sei. durch sämmtliche
'Räume des ersten Slockweiks und bringen
ihn dann erst hierher. Sic können Ih
ren Weg durch die guten Zimmer neh
men."
»ty-,
St. €lwl, SMwu, D«««ß«z, ks A. AprN
Kranz Wenzel, bei Schicks«! lag in Ih
rer eigene« Haid. Ihr V»t »erfiel
been es fehlte die leitende Hand bet
Herrn der Herr saß im Wmhshanse
unb spielte unb trau!
„Herr!" Der Lindenbatler wollte auf
falten, aber noch zur rechte« Zeit besann
er fich et »ar ja als Bittender getont»
nun. Der Mann ihm gegenüber hielt
,fehle ganze Zukunft in Händen.
„Unb spielte unb trank." fuhr Jakob
«chig fort „in der Stadt gab es ja ba«
«ich» Hau« Holten «1. €»•*., bat im
met n«ie*6tib aig« Hypothek bbr
streckte tsnb «n Stück Holz nach dem am
bcui kaufte und bwor zahlte, «ich Wechsel
pttrtbttgirte, tatfrbw ftnbwfauec dachte
el a«Bt Mn Ende der Herrlichkeit
e« Wat ein (tat, fage ich Ahn
nerhsckb brii Sage «äffen bie
wie die Zinsen der Hypotheken bezahlt
sein, oder ich laffe Ihnen das Haus ii
dem Kopf zum Bertauf anschlagen."
Der Lindenbauer ward glühend roth.
.Das werdet Ihr nicht thun," sagte er
mit heiserer Stim ne, „um meines armen
Kindes willen! Ja, es ist wahr, ich
bin nicht frei von Schuld, aber man hat
mich verführt. Ein gewisser Verneck, der
zuerst mir den Antrag stellte, dem Hause
Molton u. Comp, eine Strecke meines
Gehölzes zu überlassen, brachte mich zum
Trunk und Spiel. Hättet Ihr mich frü
her gekannt, Ihr würdet gewiß nicht da
ran denken, mich aus meinem Eigenthum
zu vertreiben."
Da erhob fich Jakob Weithal von fei
n,m Sitze, so blitzend, so durchbohrend
richtete er ans Wenzel seinen Blick, daß
der kräftige Man» in der Ahnung dro
henden Unheils erbleichte.
„Franz Wenzel. eben weil ich Dich
kenne, seit achtzehn langen Jahren weil
ich weiß, daß Du nicht der Verführung
Bemeck's Raum gabst, sondern glücklich
warst, einen Kumpan zu finden, der
Deine Neigungen theiltc, eben deßhalb
treibe ich Dich von HauS und Hof. Cr
innere Dich deS T« s, wo ein armer
Knabe verzweifelnd Dir zu Füßen lag
in armseliger Hütte rang seine Mutter
mit dem Tode und breitete nach ihm die
Arme aus. Du aber hieltest ihn zurück
mit rohem Spott und mit Gewalt, Du
schwangst die Peitsche über seiyem Haupte.
8inbti*tiuer unb als er fich selber aus
Deiner Macht befreite, da wares zu spät,
die alte Frau war ti»dt todt
Er hielt inue die Erinnerung schien
ihn *11 überwältigen. Keuchend drang
der Athem aus seiner Brust. Leichen
blaß saß Wenzel da. hin unb wieber lief
es wie ein Zittern durch seine starken
Glieder.
..Der verachtete Zigeitneijungf
aber,"
fuhr Jakob Weithal sort, „that
einen
Schwur der Rache, er gelobte, wen« Gott
ihm Glück unb Segen schenke ban«
wolle er als Herr einziehen aus dem Lin
denhof z« Vollenders, ueb Ihr müßtet
betreibe« als Bettler verlasse». Frauz
Wenzel, die Stunde ist da der verach
tete. verspottete Zigeuuerjunge weist
Euch die Thür aus Eurem tigrethnm
er kann sein t&eUibniß erfüllen, be»» ich
Eurer Gläubiger, bi» Jakob Weithal."
Er schwieg, wie vernichtet saß Fra»z
W.'nzel ba.
„Jakob Weithal." murmelte er mecha
nisch" „Jakob Weitbai!"
„Ja, Jakob Weithal!" wiederholte der
Ches des Hauses Molton u. Comp..
..reich, geachtet, und Ihr der stolze
Linbenbauer, ein elender Bettler, —wenn
eine Gnade Euch nicht rettet!"
„Ich ging nach Amerika." fuhr er nach
einer Weile fort, „bort fanb ich meinen
Oheim. Aber et hatte ben Namen Wei
tbai abgelegt, ein «aufmann Namens
Molton hatte ihn lieb» gewonnen, ihn
aboptirt und ifcn Flamen und Geschäft
hinterlassen. Ich bin join Erbe gewor
ben. Ich war es, der Berneck zu Euch
füttbte ich war eS, der Euch die Hand
bot, Euch selber zu Grunbe zu richten.*
Der Linbenbauer wollte sich erheben,
aber seine massive Gestalt schwa»kte, unb
vernichtet sank er zurück.0
„Verzeiht!" murmelte er, „verzeiht!"
„Kanu ein Zigeutterjunge verzeihen?"
fragte Jakob voll bitteren Hohne«, „traut
Ihr ihm wirklich so viel Ebelsinn zu?
Doch ich will gttäbig sein, wenn ich Euch
auch nicht ganz die Strafe erlassen kann,
Linbenbauer! Ich habe einen jungen
Vetter, ein hübscher Bursche und wohl
habenb, er hat Eure Tochter gesehen,
unb das Mädchen gefällt ihm. Willigt
ein, daß ein Paar batons werbe, unb
1) streiche jene Schuld, so groß sie sein
mag."
Wie elektrifirt sprang Wenzel auf.
„Ich mein Kind einem hergelaufenen
Menschen, einem Zigeuner verkaufen,
nie niemals!" i?
Jakob blieb ruhig.
.,Entweber ober! Uebetßegt's Euch,
Wenzel kehrt nach Rollendorf zurück.
Erhalte ich Euer Jawort in vierund
zwanzig Stunden, so komme ich morgen
nach dem Lindenhof und händige Euch
sämmüiche Papipe ein, Ihr seid dann
aller Schuld ledig. Meinen Bettet be
stelle ich einige Stunden später dorthin.
WeiSt Ihr meinen Vorschlag zurück, so
seid Ihr übermorgen bei dem Gericht ein
geklagt."
„Aber Marie kann Euren Bettet nicht
lieben!" schrie Wenzel, „selbst des Sil
berbanern Sohn würde sie nur gezwun
gen ihre Hand reichen. Seit vorgestern
ist ihr Herz nicht mehr frei ein junger
Reifender, dem sie im Hanse einer Fratn»
bin begegnete, gewann es. Vielleicht ist
W-. 4 V' .,
•'Htatf *-**.'
ii
». ««a. me.
es »er tine kindische Einbildung des
Stibchtü aber (eine Macht ber Welt
würbe fie in diesem Augenblick zu ber
Verbiitbiuig mit einem. Anbeten zwingen
könne»."
Ei« leiser Schimmer bet Zufrieben|tit
stahl sich übet Jakob'? Antlitz, bamt aber
sagte erlalt:
„Ihr feid ber Herr Emes st»
muß gehorchen, «nb im Rvchsall trotto
ich fettet ein ernstes Wart mit cht »eben.
Jetzt geht, ich haba Eit» unb fitor»
legt «ch wohl: entoeb» nein Vetter
wird fi»cr Schwiegersohn oder bet
Cteeutei stattet Euch einen Vefuch ab,
ehe Ihr'« erwartet* Dann beutet an
des Mgmnerinabm Mach», 8titbertftm»t,
b«« schwingt »etfUsifelnb bit Peit
sche Ļt dem eigenen Haupt, wenn Ihr
als WWKr Hau« um Hof verlassen
müßt bann sinkt von Stufe zu Stufe,
um schließlich im Herker ober am Galgen
als Verbrecher zu enben."
Mit diesen Worten entfernte er sich
durch eine Seitenthüre, Franz Wenzel
blieb allein. Mit großen Augen stierte
er Jakob nach, feine Lippen murmelten
unverständliche Worte.
„Ein hergelaufener Kerl mein Schwie
gersohn Franz Wenzel's Schwieger
sohn —1 ich hab'S verdient, es gibt einen
Gott ber Gerechtigkeit. Aber nun ist's
genug weiter kann Er die Prüfung
nicht treiben wollen der Silberbauer
mich helfen es bleibt mir leine Wahl,
ich muß mich ihm entdeOen."
Er erhob sich von seinem Sitz unb eilte
ans dem Zimmer. Keiner begegnete ihm,
als er eilig das Hans verließ unb den
Wagen bestieg, um zum heimathlUhen
Dorf zurückzukehren. Bei dem Hause
deS Silberbauern ließ et anhalten es
mar das reichste unb schönste ber ganzen
llmgegenb, ein Zeugniß für den Fleiß
«nb die Sorgfalt feiner Bewohner.
Der Htberbauer war anwesend, aber
feine LaiüNe schien nicht die beste zu sei»,
als er feinen ehemaligen Zechgenossen
empfing
„WaS bringst Du, Lindenbauer?"
fragte er „nut nicht#, was mich auf
regt. Hab' des PergerS genug mein
Schlingel von Buchen hat bei feinem
letzten Aufenthalt ber Stadt bumme
Streiche verübt. Schechen zerschlagen
Schneen gemacht der Batet kann'S ja
bezahley. Seid froh, daß Ihr keinen
ftabt,'— eine Tochter macht keine Um
stände."
Der Liudenhosbesitzer seufzte.
„Doch. Freund, doch, da hat ein
Fremder es meinem Kinde angethan,"
ertnieberte er, „geh, der nächste Wind ver
weht's ich hielt es jedoch für gerathen,
sie baruiufiii erinnern, daß sie sich als
Braut Eures Peter zu betrachten hat. und
ich mir dergleichen LiebeSgeschichten ver
bitte. Die Sache muß nun z«m Ziel,
•eine Marie soll keine alte Jengser btei
ben, finb ich will's auch noch erleben.
Nachbar, auf wane setzt Ihr bie öffentli
che Verlobung fest?"
Der (Bilbftbauer schob ßch die Mütze
zurecht und räuspere fich, als suche er
eine Einleit»»g zu dem, waS et zu sage»
beabsichtigte.
„Seht." nahm er nach einer Weile das
Wort, während Wenzel mit lächelnder
Miene, aber töbtlicher Angst it» Herzen
seinen Ausspruch erroaUftc, „aus der
Geschichte kann doch wohl nichts werden
der Peter ist ein»zu wilder Bursche, als
baß er sich jetzt schon in's Ehejoch fügen
könnte, httS nun nun was soll ich'
verschweigen, da munkelt man über Euch
und Eure Verhältnisse eben nichts Gutes
und des Silberbauern Geld ist zu gut,
ufh dem andern Geld nachgeworfen zu
werben,» das durch die Ritzen und ©pal
ten des Lindenhoses gestogtnist, bis Dach
unb Fach selber klafften unb die Felder
erlagen, nicht unter der Last des Gottes
segens, sondern unter der Last der Schul
den. Mich kümmern Eure Verhältnisse
nichts, aber wenn man dem Silberbauer
zumuthet, Schwiegervater einer Bettler»
tochter zu heißen
Franz Wenzel war so tief gedemiithigt,
so innerlich gebrochen, baß ihn bie rohe
Aeußerung des ehemaligen Freundes, die
ihn sonst zu Ausbrüchen des Jähzorns
hingerissen hätte, nur noch tiefer beugte.
„Ja," rief er, „ich bin ein Bettler, und
wenn Ihr nicht helft, geschändet oben»
brein, der Spott eines elenben Zigeuner
buben, der mich in feiten Klauen hflflt
und mein Kind für Einen von feiner
Sippschaft als Lösegeld fordert. Seid
barmherzig, Silberbauer. Denkt an bie
früheren Tage, Haus und Hof will ich
Euch verschreiben, rettet mich!"
„Ihr wollt verschreiben, was gar nicht
mehr Euch gehört," meinte ber Silber
bauer achselzuckend. „Bielleicht hätte ich
auf Euer Wort gehört, wäret Ihr eher
gekommen aber da habt Ihr lieber den
Stolzen gespielt. Keiner sollte sehen, was
das ganze Dorf wußte, nüi^tht selber
zu, wie Ihr Euch helft nur laßt mich
mit Euren Anträgen in Ruhe."
Er wandte sich ab, Franz Wenzel,
ber stolze Mann, follte den Kelch der
Demüthignng bis auf die Neige leeren.
Scheu wie ein Verbrechet schlich er nach
seinem Hanse bort angekommen, begab
er fich in sein Zimmer, das er, für Keinen
sichtbar, hinter sich verschloß. Ruhelos
hörte man ihn auf und nieder wandeln,
dumpfes Aechzen entwand sich seiner
Brust. Endlich war Alles still, et fetzte
sich zum Schreiben nieber, feine Hand
zitierte, fein Auge war wie von trübem
Schein umflort. .„,,r
i- ,-A *S|\
Da« Schreiben mar an Jakob Weithal
gerichtet, e« lautete:
„Ich nehme Eure# Votschlag an.
„kommt mit ben Papieren nach bem Lüt
jenhof, und finb wir einig, so mag Euer
„9toter4»äter nachkommen.
Wenzel."
8kmgfr$tunben daraus traf bie Anl
VKbe«:
„(gnvMttf mich morgen Abend, ich
„tteifeea» bem Dorfe absteigen unb zu
„»ch Di»»Anb«ch»f kommen, da ich vor»
„her noch tent ehemaligen Ktugwitth eine
„Vtittfceiluna zu tnarfjen habe. Es soll
„(hue Schab« «chb stzin, wenn Ihr ver»
„mmpig feib. Weithal."
Wenzel Augen blitzto» auf, als er
diese Zeiten fart fein» Züge vuyrrten
fich. War et fein Wfer Geist, bet diese
Unheil beutenden Zeichen in sein ÄrtMfr
grub?
„Er kommt zu Aich, lvmmt durch den
Wald." murmelte er vor sich hin, „und
bei sich führt er, was in feinem Besitz
mich zu Grunbe richten, tn meinem aber
mich retten kaim. Rein, nein, Franz
Wenzel, Deine Tochter heirathet keinen
Zigeunerjungen, Du selber wirst wieber
reich fein, wie Du gewesen, und nichts
kostet eS Dich, nicht« als eine kleine Ku
gel. Jeder Steg im Walbe ist mir be
kannt wer hat's gethan vielleicht
gar ber ftrugnrirth? Wer kann's be
zeugen
Des «Überbaue™ Gestalt stieg bro»
nb vor ihm empor. „Ich war ein
Dummkopf, mich ihm zu vertrauen," rief
er im Setbstgefpräch. „aber. ich kann ja
sagen, es sei Alles Schein und Lug ge
wesen. seine Gesinnung zu pnifen. Die
Wechsel sind bezahlt, die Schutbscheine
vernichtet, was kann ich dazu, wenn bem
Manne Menschliches begegnet! —«Jtri«
umphire nur, Jakob Weichal noch ist
nicht da« letzte Wort zwischen uns ge
wechselt, und ich denke, es wird Dir nicht
bleiben bann magst Du Dir eine Braut
aus dem Grabe für Deine Sippschaft
suchen."
IV.
Es war ein milder Abend, als Jakob
Weithal den Mieth«agen, ber ihn aus
ber Stadt nach Rollendorf geführt hatte,
in einiger Entfernung von bem Ort sei
ner Bestimmung verließ, um seine Reise
zu Fuß zu voflenbtn er wollte ben trug*
wirth. be« Vater seines Heeunbe«. in fei
nem Waldhäuschen aufsuchen, ihn auf
das Kommen Georg'S vorzubereiten, unb
bann auf ben ihm aus feiner Jugenb her
bekannten Wegen dem Linbenhofe zu
wandern.
Nun halte er den Walb erreicht. Alle?
war einsam und menschenleer, nur die
Vögel zwitscherten ihr Abendlied, unb
leise, leise rauscht es in den Kronen der
Bäume. Ihm däuchte es, als rufe es
ihm „willkommen", als fangen die
Vögel, als tauschten bie BS»me zu setner
Hhte ihm schwoll d«s Herz, da« mtch
tige Gefühl der Heimath, der er so lange
fern gewesen war, überkam ihn mit sei
ner ganzen Macht. Er gebuchte, wie oft
er an ejer Stelle geweilt, ein halbwüch
frev Knabe, einsam ueb in Thränen,
wenn bie Rohheit ber Dorsj»ge»b sich
bis zu thätlichen Angriffen »erstieg
er bachtc ber tobten Mutter aber nicht,
ber Groll, sanfte Wehmuth war es, die
ih»besch!ich ben» versöhnen» wie eine
Harmonie zwische» geüenbe» Diffonan
zeit stieg bas Bilb Heines Fre»»bes zwi
sche» ben Schatte» seiner fri»ner«n|
empor.
Ute Georg'« Wille» that er be» Schritt,
gegen be» sein Herz sich gesträubt hatte
im trotzigen Aiberstanb, unb erst am
Grabe ber Mutter, an ber Stätte be«
Friebens, war sein Entschluß befestigt.
Nur noch wenige Stunben, unb ber
Freundschaft war ein Opfer gebracht, ein
Opfer
Was schleicht bahin aus einsamen
Walbespsab mit scheuen Blicken, sorg
sam jedes Geräusch vermeibettb und einen
unterdrückten Fluch murmelnd, wenn das
Knistern des Laubes seine Anwesenheit
oerrieth Der böse Geist hatte jebe gute
Regung be« Gewissens in Franz Wen
zel's Seele erstickt. Ein anderer wollte
et werden, das hatte er sich selber gelobt,
ein spckrsamer Wirth. ein orbentlicher
Hausvater, ober zu biesen» Zwecke,
bas mit einem Schlage wieder zu errin
gen, was er verloren, bazu bünkte ihm
ein Kerbrechen nöthie? unb Franz Wen«
el.wollte» es vollbftDgeu. Von einer
Ifttlejtnte er, von Jakob's Ankunft
icnachrrchtigt, d:n Reisewagen halten
und ihn demselben entsteigen sehen. Fester
umklammerte stine Hattb ben Revolver,
ben er unter feinem Rock verborgen trug,
unb nun hatte auch er ben Walbweg ein
geschlagen,— tiefer, immer tiefer— unb
je weiter es ging, besto dunkler senkte sich
der Abendschatten nieder und verhüllte
seine That. Jetzt zuckte er zusammen:
nun mußte es fein, ober nie Wie ein
Raubthier, das seiner Beute harrt, lag
er hinter dem Gebüsch, das der Sohn der
Zigeunerin streifen mußte, wenn er den
engen Waldpfad verfolgte. Jakob's
Schritte kamen näher. Er erkannte die
Züge feines Todfeindes, er fah im Geist
auf der Brust des Manne« bie Tasche,
welche die Papiere enthielt, 41m leren
willen er sich zum Sklaven vor ihm er
niedrigen sollte, den er als armseligen
Burschen gekannt.
inder Haß mehr als Ueberlegung
leitete-seine Hanb er drückte los, und
mit einem dumpfen Wehelaut sank Jakob
Weithal zu Boben.
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,?* «n *v:S
«f'•'
«». 19.
„Franz Wenzel?" tönte röchelnd
au« seiner Vrust. War e« Ahnung, ober
hatte ein vetttthetischet Schein die Züge
des Mörsers enthüllt Da»« mar. «s
still ringsum wie ein Grab.
,1
Wenzel war feinem Opfer nahe gewe
sen, bit blutige That war wenig gerSnfch
voll abgelaufen, und dennoch fchie« e«
bem Vanet, als muffe ber Ton de« Ge
troffenen die ganze Welt erfülle«, und
Himmel und Erde gäben fein Echo wie
der. Zitternd unb bebend stand bet starke
Mann vor bem Gemorbeten. Manche
rohe That hatte ber Linbenbauer began
gen, ein Mord besteckte zum erste«
Mah seine Hand und seine Seele, keine
Sophismen vermochten den Abscheu sei
nes Gewissens zu betäuben.
Dennoch mußte gehandelt werde«,
wollte et sich nicht selber um die Früchte
feines Verbrechen« bringen. Vor Allem
mußte bie Leiche entfernt »erben der
Linbenbauer kannte manch gutes Versteck,
wo Keiner das Opfer feiner That zu su
chen vermochte. Aber vorher galt es,
sich der.Beute zu bemächtigen.—er wußte,
daß Weithat die Papiere bei sich trug:
dort das Taschenbuch auf des Ermorde
ten Brust barg fie gewiß! Hastig steckte
er sie zu sich, auch de« Kaufmanns
übrige Sachen im schlimmsten Falle,
wenn Jakob's Leiche gefunben waet».
konnte er das Opfer von Roubmönbeet
geworden sein. Wenzel hob den Stif
per, bei dessen Berühmtng ihm schau
derte, in die Höhe, um ihn hinweg^che«»
en—es mußte sein aber kaum hatte er
and an ihn gelegt, als er zusammen»
zuckte die furchtbare Aufregung Haid»
sein Ohr doppelt geschärst er ver
nahm deutlich Schritte, bit sich ber Steflb
näherten.
Entdeckt! «Kalter Schauet schüttelte
Mf Mörder. Fort mit ber Leiche» in'#
Gebüsch mit ihr bi« zur Nacht, nnd dann
eingescharrt, spurlos verschmuribm bit
zum jüngsten Tag! Er überwand sein
Grauen, er schleppte den starten Körper
in'« Dickicht, aber mit einem unwillkür
lichen Aufschrei ließ er ihn sinken unb
entfloh, so rasch sein Fuß ihn zu tragen
vermochte. Jakob Weithal war todt, er
hatte selber sein Herz befühl», es hatte
aufgehört zu schlagen, er hatte seine
Hand gefaßt, die kalt und starr Hernie-.
derhing, unb boch war es ihm. als öff
neten fich die Augen des Gemordeten,
mit grellem Mick-ihm entgegen starrend,
als öffneten sich die bleichen Lippe« unb
murmelten: „Mörder!"
Die Dunkelheit barg fein Verbrechen,
ungesehen kam er auf dem Hufe an.
Nim in der Einsamkeit seines Zimmers,
schämte er sich seiner kindischen Furcht
er nahm sich vor, sobalb es Nacht war,
auf's Neue an ben Schauplah seine«
Vtzrbrechens zu eilen und die Leiche z«
verscharren, die bis bahin Keiner gefun
ben haben konnte. Er zog aus feinet
Brusttafche das Portefeuille hervor feine
Hand hielt, wie et glaubte, ben Preis
der blutigen That, und doch vermochte er
feiner Nicht froh zu werden. Er griff zu
feinem gewöhnlichen Mittel, sich eine an»
tere Stimmung zu verschaffen, allein der
Wein widerstrebte seiner Zunge, ber roth«
Saft ber Reben dünkte ihm wie Blut,
und schaudernd stellte er Glas und Fla
sche zur Seite. Er öffnete das Porte»
jeuille, aber ein Todesschrecken riefelte
durch seine Glieder, die gesuchten Pa
piere enthielt es nicht. Er durchwühlte
jede Tasche, jedes Blatt: geschäftliche
Notizen, werthlose Auszeichnungen—keine
Spur6 der Papiere, die Jakob Weithal
Gewalt über de» Lindenhofbesitzer gaben,
ein Morb war umsonst vollzogen!
Aufächzenb sank Franz Wenzel in einen
Stuhl ihm war e«, als müsse auch er
nun sterben, all dem Elende zu entflie
hen. Er bebeckte sein Antlitz mit betben
Hänbei, als wolle er Augen unb Ohren
verschließen, aber besto brohenber unb
vernehmlicher sprach bes Gewissens mah»
nenbe Stimme in seiner Brust, unb ba«
büftere Gespenst b?s Zweifels unb ber
Ungewißheit stieg in feiner Seele empor
was konnte bie Zukunft ihm bringen
Leise pochte es am Eingang. Mit bet
Angst beS bösen Gewisietts fuhr Wenzel
zusammen inbeß sogleich erhob er sich,
unb nachbem er das Taschenbuch unb bie
dem Ermordeten abgenommenen Gegen»
stäube in eine Schttblabe geworfen hatte,
offnerer. Wie ein Alp 'M"es von sei
ner Brust, als er sah. baß es Niemand
anders als feine Tochter war. die Einlaß
begehrte. Das junge Mäbchen trug einen
Leuchter mit angezündeter Kerze, deren
Schein ihr liebliches Antlitz hell beleuch»
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„Du sitzest noch so spät im Dunkeln,
Bater," sagte sie, „ich wollte Dir Licht
bringen nicht wahr, bu zürnst mir nicht?
Auch habe ich Dir einen Besuch zu mel-„
ben." vii
Ein zarte« Roth bedeckt für einige Se
cunbeit ihre Züge, während ber Linden
hof bauet erbleichte.
„Einen Besuch wiederholte et ge
dehnt.
„Vater, nimm ihn freundlich auf
der junge Mann, von dem ich Dir er»
zählte, den ich im Hause meiner lieben
Freundin kenne« lernte, er wünscht mit
Dir zu reden, darf ich ihn hereinführen?"
Ei« Gedanke fuhr durch Wenzel'«
Seele: wenn die blutige That entdeckt
ward, jo konnte ja jener Fremde als
Zeuge diene«, daß et an jenem Abewb 1
sein Hau« nicht verlassen habe.
(5 «Wut Mflf
5-

I O t- a
Tt. Clou^. Minn.
J.W. Metzroth,.
Merchant TaUor,
McClure's Bant, St. Cloud, Minn.
Melrose, Minn. 14-
St. Cloud Mnn.

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