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Der Nordstern. [volume] (St. Cloud, Minn.) 1874-1931, December 07, 1922, Image 1

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j) rrrrrrrrrrrr**"
16
Seiten
49. Zahraana.
Einmütigkeit der beut*
scheu presse.
Berlin, 0. Nov. Die Proteste
gegeil die Absichten Frankreichs und
Rheinland und Ruhrgebiet ntehren
sich uud zeigen, mit welcher Liebe die
Rheinländer am Reiche hängen, und
wie dieses Gefühl im Reiche warm er
wiedert wird. Der Reichsverband
iyat
einen Ausrus erlassen, in dem er das
ganze deutsche Volk auffordert, mit
allen nur irgend möglichen Mitteln
das Rhmeinland gegen Frankreich zu
schützen.
In Trier l)aben die Besatzungs
behörden das Blatt Volksfreund
Landeszeitung lvegen der Verössent
lichung von Protest- Artikeln unter
drückt.
In Metz herrscht große Aufregung,
weil die Finanzkommission der fran
zösischen Teputiertenkamnier beim
Etat den Posten für Landwirtschaft
Unterricht für Lothringen gestriechen
hat. Die Lothringische Volkszeitung
und der Elsässer Kurier bezeichnen
dies als einen offenkundigen Schlag
ins Gesicht Elsaß- Lothringens.
Die Inder Zahl für die Preise in
Deutschland im November ist von
22,006 im Oktober um 102 Pro
zent auf 44,610 gestiegen.
Bayerns Protest.
Eine Jiote der bayrischen Regie
rung über die -Zwischenfälle in Pas
sau und Ingolstadt und die hohen
Geldstrafen, die die Entente wegen
derselben verlangte, diese vergesse da
bei, daß seitens der militärischen Kon
troll- Behörde in den beiden Fällen
versäumt worden sei, die Polizei von
den beabsichtigten Besichtigungen, bei
denen Mitglieder der Kommission tat
lich angegriffen wurden, zu benach
richtigen, daß deshalb nicht möglich
gewesen sei. die Offiziere besonders
,iu beschützen. Die Note betont ser
»uer, die Entrüstung int Volke über
die fortwährenden Demütigungen sei
verständlich und die fortgesetzten un
.. gerechtfertigten Opfer, die seitens der
Entente verlangt würden, müßten auf
hören.
Kanzler bei der Presse.
Berlin, 4. Dez. Reichskanzler
Dr. W. Euno trat am Sonntag zum
ersten Mate seit seinem Amtsantritt in
persönliche Berührung mit der Pres
se bei einem Empfang des Pressever
bandes im Reichstags- Gebäude. Der
Kanzler erklärte bei diesem Anlaß, in
der Entschädigungssache könne Deutsch
land nicht mehr tun, als in der
Note an die Elltente vom 13. No
vember, die noch seilt Vorgänger Dr.
Birth abgesandt habe, enthalten sei.
Deutschland habe bereit* alles gege
ben, was es geben könne, der einzige
Ausweg liege jetzt in Verhandlungen
zwischen beiden Parteien, und ein
Einvernehmen mit Frankreich sollte
unbedingt zustande kommen. Auch
Drohung mit weiterer Gebietsbesetz
ung könne an der Tatsache nichts äll
deril, daß Teutschland nicht mehr lei
steit könne, und es scheine, daß man
auch in Frankreich die Notwendigkeit
einer friedlichen Einigung einzusehen
beginne.
Betreffs der Zwischenfälle in Bay
ern erklärte der Kanzler, was darü
ber zu sagen sei, werde in einer Er
klärung der Reichsregierung im Ein
vernehme» mit Bayern ausgesprochen
werden. Dr. Euno wiederholte, die
Regierung könne unter keinen Um
ständen ihre Zustimmung zur Aufgabe
des Ruhrgebietes oder des Rheinlan
des zu geben.
.protest an die IPcIt.
Berlin,r 4. Dez. Die Berliner
Presse bespricht jetzt die neuen Dro
Hungen, aus Paris äußerst enrsthast
und spricht offen die Befürchtung aus,
daß Frankreich dieselben wahr ma
chen und zwei Drittel des Ruhrgebie
tes besonders Esten und Bochum, als
die wichtigsten Industrie- Mittel*
punkte besetze^ könnte. Deutschland
wäre einem solchen Gewaltschritt ge
genüber Hilfslos, And es bliebe ihm
nur übrig, sich in diesem Falle, der
von weittragender Wirkung für die
gaiize Welt sein müßte, einen Protest
an alle Nationen zu richten.
Verschiedene Blätter weisen auf
die Erklärung Reichskanzlers Cn
nos bei seinem Amtsantritt J)in, daß
die neue Regierung keinen fußbreit
deutschen Boden hergeben werde und
befürchtet, daß mit der Ausführung
der Drohung Frankreichs das Schick
sal des neuen Kebinetts besiegelt wä
rc. ...
... 'v. .Sil .'.MM'' Ms
r"
f* ",
Die Fortschrittler Konfe
renz
Washington, D. E. 7. Dez.
lieber hundert Vertreter des Fort
schritte aus allen Teilen der Vereinig
teil Staaten nahmen in Washington
an der Sitzung teil, zu der Senator
La Follette (Rep.) von Wisconsin u.
Repr. Huddleston (Dem.) von Ala
bama einberufen hatten. Unter den
Amvesenden befanden sich auch etli
che vierzig terlSgegemviirtige, teils
angehende Mitglieder des Kongresses,
die am Freitag eine nichtöffentliche
vorbereitete Sitzung abgehalten hat
ten. Außerdem waren die Gouver
neitre, bezw. neu gewählten Gouver
neure einer Reihe von Staten zu ge
gen.
Als Hauptredner für die Vormtt
tagssitzuilg fanden außer La Follet
te, Gouverneur I. I. Blcrtiie von Wis
coiil'iii und Samuel GomPers, Prä
fidellt der American Federation of
Labor, auf dem Programm,. Die
Zusammenkunft, die offiziell vom
People's Legislative Service veran
laßt ist, sollte mit einem Essen zum
Abschluß kommeil, für das La Fallet
te, der bekannte New Uorker Anwalt
S. llmerineyer und der ehemalige
Bundessenator Bristow voll Kansas
vorgesehen war.
Das Ziel der Versammlung^ ist,
Schaffung eines besonderen „Fort
schritts- Blocks" im Kongreß dage
gell ist der Gedanke der Schaffung
eiller dritten Partei von senator
La Follette vorläufig entschieden zu
rückgewiesen worden.
Sämtliche Redner in der Sitzung
am Freitag betonten, wie verlautet,
daß die Konferenz feine Partei poli
tischen Zwecke, vielmehr ausschließlich
gesetzgeberische Ziele verfolge als
Hauptziel wurde wie es beißt, be
zeichnet, einen Block zu bilden, der die
Sonder- Interessen aus der Kontrol
le des Kongresses verdrängen solle.
Nebenbei würden Anträge auf Ab
schaffung des Elektoral- Kollegiums,
allgemeine Durchführung der Vor
wahlen, sowie früherer Zusammen
tritt der jeweils neitgeiütihlten Kon
gresse vorgebracht.
Schüfe für Clemertceäu.
St. Louis, Ma. 5. Dezember
Anscheinend zeitigt der künstlich auf
gestachelte Enthusiasmus für den
Kriegshetzer (£Icnicuccmt weitgehen
de Befürchtungen, man möge versu
chen. ihm etwas zu Leide zu tun.
Es wareil daher hier, wo er seine
vierte öffentliche Rede halten wird,
sehr umfassende Vorkehrungen zn
seinem Schlitze getroffen worden,
lieber tausend Polizisten und Gardi
sten hatten entlang der Straßen, die
der grauhaarige Rachebold auf dem
Wege von Pulitzers Wohnung bis
zum Odeon passieren mußte, Auf
stellung gefunden, oder hielten cb in
der Nähe auf.
Telephon Company muß
zaltpn.
Minneapolis, Minn., 5. Dez.
Eine ljwt Rechtsanwalt George S.
Grimes gegen die Northwestern Te
lephone (irchange wegeii schlechter
Dienstleistung eingeleitete Entschädi
gungsklage wurde im Distriktsge
richt Minneapolis Minn., zugunsten
des Klägers entschieden. Grimes
hatte geltend gemacht, daß er täglich
zufolge Wartens auf die Verbindung
eine halbe Stunde seiner .Arbeits
zeit verloren habe. Er forderte $3,000
Entschädigung. Das Gericht erkann
te auf Schadenersatz in Höhe von
$1,000. Die Tel eph gesellsch« ft er
klärte die Berufung einlegen Zit wol
len.
Stadtviertel niederge
brannt.
Newbern, N. E. 5. Dezember.
Im Weftlichcil Teile der Stadt brach
ein Feuer aus, das einen halben Tag
lang aller Bemühungen der Feuer
wehr seiner Herr zu werden, spottete
und einen auf zwei Millionen Dollar
veranschlagte» Schaden anrichtete,
lieber dreihundert Wohnungen mein
mit Farbigen besekt, zwei Gotteshäu
ser mehrere Fabriken und Läden,
sind dem verheerenden Element-zum
Opfer gefallen. Glücklicherweise ist
kein Menschenleben dabei verloren ge
gangeil, wenli auch viele Personen ge
ringfügige Verletzungen davontrugen.
Mehr als tausend Personen sind ob
dachlos geworden.
y"'
p*'"
Ordentliche Tagung er
öffnet.
Washington, D. E. 6. Dez.
Der Bundes Kongreß brachte sei
ne vierzehntägige außerordentliche Ta
gung zum Abschluß und begann mit
nur zehn Minuten Pause sofort die
ordentliche Winter- Tagung, die letz
te des gegenwärtigen Kongresses.
Am Freitag wird Präsident Har
ding voraussichtlich seine Iahres-Bot
Schaft an den Kongreß verlesen, in der
vermutlich die noch unerledigt geblie
bene Schiffs -Subventions Vorlage,
Bodenkredit für die-Landwitrschaft u.
Etats- Angelegenheiten obenan stehen
werden. Der Präsident stellte am
Molltag dem Kongreß seine regelmä
sige^Äudget- Botschaft zu,, in der die
Ausgaben der Bundesregierung fürs
nächste Rechneungsjahr auf $3,180,=
843234 veranschlagt find, ewa eine
halbe Milliarde Dollars niedriger,
als im laufenden Jahre. Ter Präsi
dent betont, es sei bei der Ausarbei
tung des Budgets äußerste Sparsam
keit zur Richtschnur gemacht worden,
etwaige weitere Ersparnisse könnten
nur auf Kosten der Beteiligung der
Bundesregierung an der Förderung
wissenschaftlicher Forschung, und ein
Ausgaben für weitere Entwicklung,
bezw. Verbesserung des Landes ge
macht werden.
Vau einer Verbindung.
La Salle, III., 3. Dez. Gmw.
Leu Small weilte am Freitag in dem
am Illinois Fluß gelegenen Starved
Rock, III.,, wo er Befehl gab, im Bau
einer Verbindung zwischen den ^gro
ßen Seeeil und dem Missiüippwyluß
fortzufahren.
Er gab zu einem Plan zur An
läge von fünf Sleusen, zwei .da
von größer als die größten des
Panama Kanals, seine ^Zustim
mung und, forderte zur k'öntraktli
chett Vergebung der Arbeite»-^-uoch
innerhalb 60 Tage auf.
Tie Durchführung des Planes
ist mit einem Kostenaufwand von
$19,000,000 verbunden. Hinzu
kommen noch 1,000,000 die bei
den Arbeiten an Belle's Island be
reitS verausgabt wurden.
Zusammen mit Bürgermeister
Thompson von Chicago und eini
gen andereil Persönlichkeiten be
sichtigte der Gouverneur die zwi
schen Lowport und Starved Rocks
bestehende Wasserverbindung, ehe er
sich, zu einer Entscheidung entschloß.
Der Kanal würde Barken von nicht
mehr als 1,000 Tonnen Schiffsraum
die Passage gestatten. Dafür ließen
sich aber die Barken zu Flotillen von
je neun arrangieren, sodaß tatsächlich
9000 Tonnen auf einmal befördert
werden können.
Offensive der Trockenen.
Washington, D. E. 4. Dezember.
Von wtittüu der Prohioluonsbeam
ten wird nder Zukunft eine bedeu
tend strengere Durchführung der Be
stimmungen des Bolfteadgesetzes ange
Lxihnt. handelt sich darum, Oert
lichkeiten, die als Operatioilsbasis für
Stiefelschäftler und ^chnapSverschlei
ßent osfentnndig werden, zu sperren.
Hierüber hat sich der Prohibi
tionskommissär Haynes mit dem Ge
neralannxilt Daugl)erty verständigt.
Es ist fernerhin im Plane, die Fa
brikation von Malzgetränk auf das
Schärfste zu überwachen, um dem
nächst dem Vorrate und der Zufuhr
von' gutem Bier ein Ende zu be
reiten.
Ausfuhr geht zurück.
Washington, D. C. Die Verei
nigten Staaten haben die Führung
als größtes Ausfuhrland für Vieh
und Fleisch an Argentinien^ abgege
ben, macht die Bundes- Tarifkomnlif
fion bekannt. Während lie bisher ei
ne dominierende Stelle als Ausfuhr
nation einllahmeil, müssen sie jetzt für
heimischen Gebrauch mehr Fleisch im
portieren, als sie exportieren. Mit
Ausnahme der Kriegsperiode, als
Amerika die europäischen Länder er
nährte, hat die argentinische Industrie
ununterbrochen Gemimte zu verzeich
nen.
Die Gründe für diesen Wechsel
liegen in der Verminderung von
Ackerbaulaild im amerikanischen
Westen, der Verminderung von
Viehherde» und in dem Wachsen der
Bevölkerilng-in- solchem Maße, daß
eine Nachfrage vorhanden ist, die alle
Nonnalvorräto übersteigt.
4*
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-"'f'v-'ly
St. Cloud, Minnesota, Donnerstag, den 7. Dezember, 1922.
Herr Nicholaus Gönner, Ehrenprä
sident des D. R. K. Zentralvereins,
und Herausgeber und Schriftleiter
der kath. „Daily American Tribune,"
zu Dubuque, Ja., ist auf einer Auto
fahrt nach Milwaukee in einem Bach
nahe South Wayne, Wis., am Sams
tag, 2. Dezember, Vorm. ertrunken.
Das Auto geriet beim Versuch
eine Brücke zu kmtzen Ins Gleiten
und stürtzte in einen Bach, der Wasser
ill der Tiefe von 31/-i Fuß hatte. Herr
Gönner, dessen 20 Jahre ilte Tochter
Anna, und der ebenso alte. John
Schroeden aus Dubuque, Ja., die sich
in der geschlossenen Maschine befan
den, konnten sich nicht befreien und
ertranken.
Herr Gönner totir am 8 Juli 1^870
in Cape Girardean,Mo., als Sohn
von Nicholas (Montier, einem ans
Luxemburg gebürtigen katholischen
Zeitungsmann geboren. Er genoß
seine Erziehung in der St. Marien
Pfarrschule zu Dubuque, Ja., und in
Luxemburg, und trat dann in das Ge
schäft seines Vaters ein, der 1871 in
Dubuque die „Luxemburger Gazette"
gegründet und später unter dem Na
men „Iowa" eine allgemeine deutsche
Wochenzeitung herausgab.^ "Letztere
wurde später von dem jetzt so plötzlich
aus dem Leben abberufenen Sohne in
„Der Kath. Westen" umgetauft. Der
Sohn war auch der Gründer der jetzt
im siebenten Jährgange erscheinenden
„Daily American Tribune," der ein
zigen katholischen Tageszeitung in der
Landessprache. Mit deren Erscheinen
als Tageszeitung gingen die beiden
deutschen Zeitungen Gönners ein.
Gönner hatte von Jugend auf dem
kath. Vereinslebelt großes Inte
reffe entgegengebracht' und bereits
189*2 war er Vizepräsident des D. R.
K. Zeutralvereins,dessen Präsident
•et von 1899 bis r^CU-C
Wahl
kanllt. Goil»'r war aut^unter jenen
Zentralvereinsmännern, welche die
N'otlvendigkeit der Organisation von
Staatsverbältden erkannten,' und be
kleidete im Staatsverballd Iowa so
ziemlich alle Aeintet1:. An der Grün
dung der Zentralstelle nahm er eben
falls regen Anteil und zählte er zu
den Mitgliedern des Z.- V. Ausschus
seS für Soziale Propaganda feit des
sen Bestehen. Er zählte ferner zu deu
Gründern der American Federation
of Catholic Societies und nahm nach
deren Auflösung regen Anteil am
Nat. Catholic Welfare Council, in
dem er mehrere Stellen innehatte.
'Dabei ^wat er im-Dienste der kath.
Presse unermüdlich tätig. Seit meh
reren Jahren suchte er, da das Feld
in Dubuque ihm zu klein erschien, die
„Daily American Tribune" nach einer
größeren Zentrale zu verlegen und
sein Streben schien dem Ziele nahe..
Sollte doch das Blatt in Kürze-nach
Milwauke verlegt rberden, dessen
Erzbischof Msgr. Meßmer, den Plan
begünstigte. Auf einer Fahrt nach
Milwaukee kaut nun das Wirken des
unermüdlichen Vorkämpfers, kath.
Jdealle zu "eiüem allzufrühen Ab
schlusse.
Gegen Hungersnot in
Deutschland.
Washington, D. C. 7. Dez.
Von einer Anzahl Kongreß- Re
präsitanten wurde am Montag, im
Hause eine gemeinschaftliche Resolu
tion zur Bewilligung von- $70,000,=
000 zwecks Ankaufs von Getreide u.
sonstigen Lebensmitteln hier in Ame
rica eingereicht, die dann später vom
amerikanischen RotenKreuz in Deutsch
land und Oesterreich zur Steuerung
der Hungersnot zur Verteilung font
men sollen.
1
Resigniert als Bürger
meister.
Detroit, Mich., 4. Dez. Wie
der stellvertretende Bürgermeister
Lodge von Detroit, Mich., bekannt
gab, dürfte James Couzen, der zum
Senatsmitglied ernannt worden, kom
menden Dienstag als Bürgermeister
von Detroit resignieren und Mittwoch
die Reise nach Washington antreten.
Durch diese Ankündigung wurde
Äelt Gerüchten ein Ende bereitet,
daß Couzens das Bürgermeister^
amt beizubehalten wünsche. Die
Leitung des städtischen Straßenbahn
Systems wird hingegen auch weiter
in Händen Senator Couzens blei
ben.
Iii
Amerikaner bleiben am
Rhein.
Washington, D. C. 2. Dez.
Im weißen Haus in Washington
wurde am Freitag versichert, die
Bundes- Regierung teile an sich die
Anficht derjenigen, die glauben, die
amerikanischen Besatzungtruppen am
Rhein sollten vollends zurückgezogen
werden. Es wird aber hinzugefügt,,
bis jetzt fei der Befehl dazu noch nicht
gegeben worden, weil derselbe eine
irrtümliche Auslegung veranlassen
könnte betreffs der Haltung der Ver.
Staaten zu einer Zeit, da in Europa
Fragen von weittragender Bedeutung
im Vordergrund stünden. Präsident
Harding, wird mitgeteilt, ^habe das
Gefühl, die Anwesenheit der Ameri
kaner am Rhein werde einen heilsa
men Einfluß haben angesichts der wi
derstreitenden Interessen, die dort ge-
geiltvärtig int Spiel seien.
Es wird darauf hingewiesen, daß
voll diesem Gesichtspunkt aus Groß
britanien und Belgien um weiteres
Verbleiben der amerikanischen Trup
pen ersucht hätten, damit diese bei der
erhöhten Spannung zwischen Deut
schen und Franzosen beruhigend wirk
ten.
Berlin erfreut.
Berlin, 2. Dez. In Berlin ist
man sehr erfreut übet die Nachricht,
daß die amerikanischen Truppen vor
läufig noch im Besatzungsgebiet blei
ben werden. Die Börsenzeitung weist
darauf hin, daß verschiedene Zwischen
fälle gezeigt hätten, daß die Amerika
ner. eitlen zügelnden Einfluß auf die
fraitzöfifche Leidenschaft für militari
'sche Uebergriffe und nutzlose Vergeu
dung deutschen Besitzes ausübten. Als
Beispiel wird angeführt, daß die Frau
zofendurch die Amerikaner kürzlich
davon abgehalten wurden, in Kob
lenz für ihre Truppen, die. zur Ablö
sung von amerikauifchen dorthin ver
legt mufdettr neue Kasernen zu' ver
langen der amerikanische General
major H. T. Allen, der noch immer
das Kommando über den ganzen einst
von den Amerikanern besetzten Ab
schnitt führt, bedeutete ihnen, die
Quartiere, die bisher zureichend gewe
seit seien, würden es wohl auch jetzt
noch sein.
^chiedsgerichtsvertrag.
Washington, D. C. 0. Dez.
Die BundeshandelSkammer kündig
te Sonntag in Washington die Un
terzeichnung eines SDedsgerichtsver
trags mit der Republik Kolumbia an.
i^tnxtii ge Äöeinungsverschiedenheitei^
wie sie der Handelsverkehr ittit sich
bringt, sollen auf diese Weise schieds
gerichtlich aus der Welt geschafft wer
den. Aehnliche -Verträge bestehen
bereits mit Brasilien, Argentinien,
Panama, Venezuela, Uruguany und
Paraguany.
Untergang eines Dam
pfers.
Calumet, Mich., 2. Dez. Bei
dein Untergang des kanadischen Damp
fers Maplehutst. sind der Kapitän uild
zehlt Mann der Besatzung ums 'Le
ben gekommen. Der Dampfer lvar
voit Lorain nach Port Arthur be
stimmt und hotte den erstgenannten
Hafen am 26. November verlassen.
Er wurde gestern nachts von einem
wütenden Sturm gepackt, der das
Schiff leck werden ließ und mit dem
Sinken bedrohte. Kapitän Bernard
glaubte, nachdem sein Dampfer den
Portage Lake Kanal verlassen hatte,
es werde sicherer sein Copper Har
bor zu erreichen, als in den Kanal
wieder einzulaufen.
Wieder in Hast.
Marquette, Mich., 4. Dez. Ei
nem Aufgebot von 100 Gefängnisbe
amten und Polizisten gelang es Frei
tag, die letzten zwei der noch auf frei
em Fuß befindlichen Flüchtlinge, die
Sontag ans der Strafanstalt Mar
quette. Mich., ausgebrochen waren,
wieder festzunehmen.
Es handelt sich um Eddie Weis
man und seinen Gefährten Philipp
Salnadra. Die beiden wurden in
der Nähe von Rapid River aussin
dig gemacht. Ganz ausgehungert
und ohne Waffen, setzten sie ihrer
Verhaftung keinen Widerstand ent
gegen. Alles, was sie verlangten,
waxen Nahrungsmittel. Man brachte
sie nach einem Restaurant, um sie nach
her wieder in's Gefängnis zurück
zuschaffen.
-.-..rV.r. .,::'"- iORlCAll
MMUMK
BmIIS
Repräsentant ZTtaim ge
storben.
Washington, 1. Dez. In seiner
Wohnung in Washington erlag am
Donnerstag unerwartet nach nur ei
tier Woche Krankheit Kongreß-Neprä,
sentant James N. Mann vom 2. Jl
linoiser Kongreß Bezirk, einer Lull
genentzündung die Gattin war am
Sterbebette zugegen.
Repr. Mann, der im Jahre 1850
geboren war, wurde zum ersten Ma
ie tu den 55. Kongreß gewählt und
gehörte seither ununterbrochen sechs
uildzwanzig Jahre lang dent Reprä
ientmitcnlxms an, in dem er seit
Jahren einer der einflußreichsten re
publikanifchen Führer war. Trotzdem
lehnte er es stets mit größter Be
stimmtheit ab, sich zum Sprecher oder
zum republikanischen Parteiführer des
Hauses aufstellen zu lassen, zwei Aem
ter, zu denen ihm die Ertvählung si
cher gewesen wäre.
Die Leiche des verstorbenen Kon
greßlitamt wurde am Samstag nach
einer Trauerfeier int Kapitol zur
Beisetzung nach Chicago gebracht.
Irlands Gouverneur.
London, 7. Dez. Der durch seine
jahrelange Tätigkeit im Britischen
Unterhause bekannte Timothy Healy,
hat den ihm angetragenen Posten ei
nes Gouverneurs von Irland ange
nontmen. Seine Ernennung soll der
Unterzeichnung der Irischen Frei
heitsverfaffung durch den Köllig auf
dent Fuß folgen.
Das gegenwärtige Provisorische
Regime Irlands endet Donnerstag
nach Sanktion seiner neuen Verfas
sung durch die Krone. Der zurzeit
in Tagung befindliche Tail Eirean,
wird zum Unterhause des neuen iri
schen Parlaments, dem noch ein aus
00 Mitgliedern bestehender Senat bin
zugefügt wird. Die Hälfte der Se=
natsmitglieder wird durch den Prä
sidenten ernannt, die Hälfte geht
durch Wahl aus dem Unterbcmse her
vor.
Freistaat Zrland.
London, 0. Dez. Tie Autono
mie Irlands war Dieilstag so gut wie
vollzogene Tatsache. In den beiden
Häusern wurde die Verfassungsvor
lage ohne die geringste Aenderuug
angenommen, und bedarf zu ihrer
Gesetzwerdttng nur Noch der Unter
schrift des Königs.
Dies geschehen, erlischt die Tätig
keit der provisorischen Regierung Jr
lands und die Freistaats- Regierung
tritt offiziell in ihre Rechte. Der Ab
zug sämtlicher noch in Irland statio
nierter englischen Truppen macht be
reits rasche Fortschritte und dürfte
bis zum 18. Dezember vollzogen feilt.
Dtehaus ellung eröffnet.
Chicago, III., 3. Dez. Am Sam
stag wurde in Chicago dze 33. jähr
liche internationale Viehausstellung
eröffnet. Mehr -als 10,l100 Stück
reinblütiges Riildviehs, Pferde und
Schafe, wurden aus allen Teilen des
Landes zu der eine Woche in An
spruch nehmenden Ausstellung ge
bracht.
Neben dem Vieh gelangen auch
Heu und Getreide zur Ausstellung,
Es wird darauf hingewiesen daß die
Beschickung dieses Jahr alles bis
her dagewesene übertreffe. Nam
hafte Preise gelangen zur Vertei
lung.
Für die Unterhaltung der Besu
cher wird durch verschiedene Veran
staltnngen gleichfalls gesorgt.
Heimreise Amerikaner.
Koblenz, 3. Dez. Von Kob
lenz reisten 07 ehemalige amerikani
sche Soldaten, die noch,inl Weltkrieg
mitgefochten haben, nach Paris und
Cherbourg ab, um mit dem Damp
fet Präsident Polk die Rückreise nach
den Vereinigten Staaten anzutreten
siebzehn hatten Frauen, sechs auch
Kinder zei sich. Die meisten von.ih
neu waren mittellos und werden ans
Regierungskosten heimgeschickt.
Der Danksagllngstaa wurde von
den Besatzungstruppen mit Fußball
spielen. Boxkämpfen und ähnliche»
Veranstaltungen^ sowie den üblichen
Festessen gefeiert.
I«. Europa kann man mit einem
amerikanischen Dollar fast Mes
kaufen,^ in Amerika fast nichts. Da
wäre es doch das Einfachste, daß wir
mit Europa tauschten, dam/ wäre
uns beiden geholfen.
München, 2. Dez. In München
fanden fünf riesige Massenversamm
lungen zum Protest gegen die »dro
hende Besetzung desRuhrgebiets durch
die Franzosen" statt. Die Nersamm
lungen, zu denen viele Tausende sich
einfanden, waren von den neuen
„Nationalsozialisten", auch bayrische
Fascists genannt, veranstaltet in al
len fünf Versainmlungen sprach un
ter anderen der Führer der Bewe
gung Adolph Hitler, der auch als
„bayrischer Mussolini" bezeichnet wird
Zu gleicher Zeit war die Stadt mit
nationalistischen, teilweise auch an
tisemitischen Plakaten ltnd Flug
schriften tiberschwemmt.
Letzte Frist.
Washington, D. C. 4. Dez.
Das Staats Departement in Wv
shiilgton bringt in Erinnerung, daß
Ansprüche Amerikanischer Bürger ans
Deutsche Reich oder deutsche Bürger
auf Ersatz für Verluste oder Ent
schädigungen, die- sie seit 31. Juli
1914 erlitten haben, bis spätestens 1.
Januar 1923 der aus Amerikanern
und Deutschen gebildeten Gemischten
Anspruchs Kommission in Washing
ton, D. C. unterbreitet werden müs
sen. Der amerikanische Agent dieser
Kommission ist Robert C. Morris.
Zur Verhandlung vor der Kommissi
on kommen:
1. Ansprüche amerikanischer Bür
ger ans der Zeit seit 31. Juli
1914, die sich auf Schädigung oder
Beschlagnahme ihres Eigentums,
ihrer Rechte und Interessen bezie
hen.
2. Andere Ansprüche, entstanden
durch Schädigung von Personen,
Eigentum, Rechten oder Interessen
infolge des Krieges feit 31. Juli
1914.
3. Guthabeii,' die. ^MMi^anischc
Bürger von der deÄsMÜ'^Mgie
ruitg oHer von deutschen Bürgern
einzufordern haben.
Bei Anmeldung von Ansprüchen
muß natürlich her Nachweis er
bracht werden, daß der Antragstel
ler Bürger der Ver. Staaten ist
und derselbe muß seine Ansprüche
entsprechend begründen.
Frankreichs letzte Pläne
geheim/
Paris, 7. Dez. Es verlautet
jetzt
in Paris,
"jwi
M(j.
,-.. .:^.,(.v,,1...
16
Seiten
Nummer 5
Massenversammlung in
München.
Ministerpräsident Po-
incares vielbesprochener Plan für ei
ne endgültige Regelung der Entschädi
gung^ Frage im Sinne Frankreichs
solle noch, wie man angenommen hat-,
te, in der Vorbesprechung der Enteilte
Minister vorgelegt werden, die am
Samstag in London stattfinden soll,
vielmehr erst in der eigentlichen Kon
ferenz in Brüssel .letztere wird, wie
es jetzt heißt, nicht mehr vor Weih
nachten, bezw. Neujahr sein, ist viel
mehr vorläufig auf 4. Januar an
gefetzt. Dagegen soll Poincarc vor
bereitet. sein, in der Vorbesprechung
utitziifcile», was Frankreich zu tun
gedenke, falls Deutschland nach Ab
lauf der jetzigen halöjährigen Stun
dungsfrist die erste nene Zahlung,
die mit lf). Januar fällig würde, nicht
einhielte. Er solle die Absicht haben,
in diesem Zusammenhang der Ent
teilte Frankreichs vollständiges Pro
gramm für seip Vorgehen im Rhein
land und Ruhrgebiet vorzulegen.
pause eingetreten.
Lausanne,' 5. Dezember. Die
Konferenz über die nahöstliche Frage,
die seit einiger Zeit in Lausanne rm
Gange ist, ist nunmehr endgültig auf
dem toten Punkt angelangt, lieber
die Frage der Meerengen, der Oel
konzessionen von Mosul und die
Grenzen der in Betracht kommenden
Länder in Europa kann keine Eini
guillg zwischen den Delegaten erziehlt
werden. Es wurde deslialb-beschlos
sen, vom 15. Dezember ab
sen. vom fünfzehnten Dezember ab
eine ^sechswöchige Pause eintreten zn
lassen.
Dadurch wird es Ismet Pascha
dem Führer der türkischen Delega
tion möglich sein, mit der Regierung
in Angora zu beratschlagen und ihre
Instruktionen iiber die streitigen
Blinkte entgegenzunehmen. Es be
steht die Absicht, die Konferenz nach
Beendigung der Brüsseler Bespre
chung über die deutsche Kriegsc'ntschä
digung lvieder aufzunehmen.
r„

•l"" "f, 2 "'x'

Nicholas Gönner ertrun
.ken.

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