OCR Interpretation


Westliche blätter. [volume] (Cincinnati [Ohio]) 1865-1919, June 30, 1867, Image 1

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045582/1867-06-30/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

eg
•(V
Trung.
Historischer Roman
von
Louise Mnhlbach.
Erste Abtheilung:
Der iltteFrch mil
«lie ueue acit.
(Fortsetzung.)
Na, gebe Er her, rief der König eifrig*
Ich hrny doch vraiment neugierig, des
deutschen Sprachkünstlers Arbeit zu be
wundern, der sich unterfangen hat, den
Tacitus zu übersehen.
Sire, sagte Herzberg und feine Augen
richteten sich mit einem sanften, bittenden
Ausdruck auf das Angesicht deS Königs,
Sire, ich verbinde mit der Uebergabe die
ser Ueberse^ung eine Bitte.
Was ist es? fragte der König. Es ist
fo selten, Ihn eine Bitte aussprechen zu
hören, daß ich schon um deshalb neugierig
bin Sage Er also,.was ist es?
Majestät, meine Bitte betrifft denUe
bersetzer dieser Eapitel des Tacitus. @rj Kr de, Monsieur auf der Landstraße wei
ist, wie ich schon bemerkte, ein junger^ ter pilgern lassen?
Bertiner Gelehrter, C-onrector am Ükjttw Rein, Sir?, ich habe ihn überredet,
nasium des grauen Klosters. Ein junger einen Plah in meinem Waaen anzuneh
Mann von ungewöhnlicher Begabung,! men, indem ich ihm begreiflich machte,
der wahrscheinlich eine große Zukunft vor
sich hat, und jetzt schon als Schriftsteller
manches Bedcutsamt geleistet hat. Als
ich den Director Gedicke bat, mir einen
jungen Gelehrten für die beabsichtigte Ue
Versetzung zu empfehlen, nannte er mir
den Doctor Moritz als den ausgezeichne
testen, und bei dieser Gelegenheit lernte
ich den jungen Mann kennen und schätzen.
Das seh' ich, nickte der König. Er
spricht mit großer Vivacite von ihm, und
da, was mir der Herzberg so warm cm
pfiehlt, ordinairement gut und tüchtig ist,
so fange ich an, mich für diesen Monsieur
Moritz zu interessiren. Das ist es doch
wahrscheinlich, waS Er begehrt? Ich
werde, wenn ich nach Berlin zurückgekehrt
bin, et le bon Üieu permettra que ce sera
«bientot, Ihn sogleich ermächtigen, mir
dieses Lumen zu Präsentiren. Ist Er nun
zufrieden?
Vergebung, Sire, ich wage c8, noch
mehr zu begehren. Meine Bitte geht
dahin, daß Eure Majestät die Gnade ha
ben wollen, dem jungen Manne gleich
jetzt eine Audienz zu bewilligen.
Comment, gleich 'fetzt Er ist also
hier, dieser
sj3f)ömj,
der meinen ruhigen
Minister so warm macht I Wo kommt er
denn her WaS will er denn hier?
Sire, er kommt von Berlin, und er hat
es unternommen, die Relse von Berlin
hieher zu Fuß zu machen. Ich traf ihn
unterwegs auf der Landstraße. Er saß
am Wege auf einem Stein und aß mit
heiterem Gesicht ein Stück Brod, sprach
laut mit sich selber, und war so sehr in
seine Unterhaltung vertieft, die er, bei
läufig gesagt, in lateinischer Sprache
führte, daß er gar nicht aus meinen Wa-
Sroch.
en achtete, der langsam im Sande daher
Ich aber erkannte ihn sogleich, ließ
halten und rief ihn beim Namen. Da
erst lenkte er seine Blicke, die bisher dem
Himmel zugewandt gewesen, auf mich,
aber vollkommen unbefangen, und gar
4Üd)t darüber beschämt, daß ich ihn in ei
uter so dcmüthigen, ärmlichen Situation
«ntraf.
C'est a dire, er ist ein guter Como
tiiant, sagte der König. Er wußte na
türlich, daß Er da vvrüberfahren würde,
und hatte sich expressement dahin plaeirt,
um Seine Attention auf sich zu ziehen.
Sch bitte um Vergebung, ötre, der
Conrecwr Moritz konnte es durchaus
nicht wissen, daß ich ihm b* begegnen
würde. Eure Majestät wissen ja, daß ich
mitten In der Rächt durch den Courier
geweckt ward, der mir von Eurer Maje
stät den Befehl brachte, mich hierher zu
verfügen. Zwei Stunden darauf schon
*, faß ich im Wagen und fuhr unaufhaltsam
:'v Tag und Nacht. Wenn mir daher der
junge Mann, der zu Fuße wanderte, un
gefähr fünf M/ilen von hier begegnete,
•4 so mußte er schon mehrere Tage unter
t.., wegs fein, also Berlin zu einer Zeit der
lassen haben, wo ich selber noch keine Ah
nung davon hatte, daß ich diesen selben
Weg machen würde.
(Test vrai, sagte der König, es war ein
falscher Soupcon von mir.. Spreche Er
weiter? Er nahm den Herrn Moritz in
seinen Wagen, nicht wab
^:,.Jch bot es ihnv,Katimich aA Sir«,Ha.
w
i i
Ein seltsamer Mensch, ein wahres
Origin«l, wie es scheint, rief der König.
Ja wohl, ein Original, Sire. Dafür
gilt er auch bei allen seinen Freunden.
Gr hat Freunde fragte der König mit
einem ungläubigen Lächeln.
Ja, Sire, viele und teilnehmende
Freunde, welche mit warmer Zärtlichkeit
an ihm hängen, und um seiner großen
und glänzenden Eigenschaften willen ihm
gern seine Seltsamkeiten zu Gute halten.
Hör' er. Herzberg. Er ist ja ganz en
chantirt, und Er spricht ja von diesem
Menschen wie ein verliebtes Mädchen.
Süe, wenn ich ein Mädchen wäre,
würde ich mich sicherlich in Morih verlie-'
ben, denn er ist schön
Diablo, ich fange beinahe an, mich bor
diesem Subject zu fürchten. Also schön
ist er, und gelehrt, und klug und ckut, ob«
wohl er zu dem windigen, ausgeblasenen
Berliner Volk gehört! Na, sag' Er, hat
daß er Gefahr liefe, Eure Majestät sonst
gar nicht'zu erreichen, du es doch möglich
sei, daß Eure Majestät schon längst von
Welsdorf aufgebrochen und weiter mar
schirt wären, bevor er dort angelangt sei.
Aber unter keiner Bedingung wollte er
einen Platz im Innern meines Wagens
annehmen, sondern erklärte, nur hinten
auf dem Wagen sich zu plaeiren. Denn,
sagte er zu mir mit seiner trotzigen Ent
schlossenheit, als ein Bettler komme ich
zum König, und darum kann ich auch nur
zu ihm gehen als ein Bettler, und nicht
als ein großer Herr I
Vraiment, c'st un original, murmelte
der König bot sich hin. Weiß Er denn,
was der Mensch von mir will fragte er
dann laut.
Rein, Majestät, erwiderte Herzberg
Er sagte mir nur, daß es sich um das Le
bensglück zweier Menschen handle,.und
daß er außer Gott nur dem König sein
Herz erschließen könne.
Wo ist sein Protege
Sire, er steht draußen vor dem Hause,
und wartet guf einen gnädigen Ruf.
DieS ist nun also meine unterthänigste
Bitte, oaß Eure Majestät ihm eine Äu
dienz ertheilen, und mir gnädigst gestat-'
ten wollen, Herrn Moritz zu rufen.
Na, so thu' Gr es, und
Die Thür ward eben geöffnet, und der
Kammerhusar meldete: Der Geheimse
cretar des Herrn Fürsten von Galitzin ist
soeben von Wien angelangt und bitfet
untertänigst um eine Audienz.
G'est lui, c'est le baron, sagte der Kö
nig sich an den Minister wendend. 'Sage
Er also Seinem Protege, daß erwarten
muß, und komm Er dann wieder herein.
Der Geheimsecretär des Herrn Fürsten
Galitzin soll eintreten 1
Der Kammerhusar riß die Thür auf,
und in demselben Moment, in welchem
der Minister, von Herzberg hinaus ging,
erschien auf der Schwelle der Baton von
Thugut, außerordentlicher und heimlicher
Gesandter der Kaiserin Maria Theresia,
Nun, mein Herr Baron, sagte der Kö
nig, indem er die tiefen, ehrfurchtsvollen
Verbeugungen des Gesandten mit einem
kaum merklichen Kopfneigen beantwortete,
Sie find also schon wieder retounirt?
Ich ziehe oaraus die Conclusion, daß
Sie Ihre Instructionen nicht unmittelbar
aus Wien von der Kaiserin Königin ge
holt haben, sondern von dem mitregieren
den Kaiser Joseph, der sich, wie ich höre,
zur Armee begeben hat und sich im öster
reichischen Lager befindet
Sire, erwiderte Thugut lakonisch, ich
bin Tag und Nacht mit Courierpferden
gefahren und erhielt unmittelbar bon der
Kaiserin meine Instructionen.
Der König wiegte leise fein Haupt,
und ein unmerkliches Lächeln uaumelte
einen Augenblick seine Lippen.
Und der junge Kaiser ist einverstanden
mit diesen Instructionen fragte er.
Sire, Seine Majestät der Kaiser ist
nur der Mitregent, erwiderte Thugut ha
stig eS ist daher gax nicht nothwendig,
daß meme Souverän»» ihre Entschließ»»
gen von dem Einverständnis} uuLtonm
yerrn Sohn abhängig mache.
-An Mick leuchtete auf in den Augen
I#. 5 :7iJ #1 ».' v t'tf »it
1'
i-i vn ii lrinrum»_»,w_iM_»u
2» Sonntag, ben $0, Juui 1867
er mir sagte, daß er die Reise unternom
men, um bei Eurer Majestät eine Audienz
zu erbitten. Er lehnte es aber anfangs
ganz entschieden ab, indem er sagte, er
wolle zu Eurer Majestät wandern wie
der Pilger nach dem Papste zu Rom, der
ihnen die Seligkeit geben solle, zu Fuße,
im Staube der Landstraße, als demüthi
ger Bettler, welcher oaS Himmelreich
sucht.
»,:!C
If iji
L"
si -,t# iiiij
Sonntagsblatt des Cincinnati Bolksblattes.
des Königs, aber er senkte sie schnell nie
der. Die Kaiserin will den Frieden,
sagte der König zu sich selber, aber der
Kaiser wünscht sich in einem Kriege ein
paar Lorbeeren zu verdienen und möchte
daher die Unterhandlungen seiner Mutter
durch einen Coup de main abschneiden.
Man muß also auf seiner Hut sein I
Eben öffnete sich' abermals die Thür,
und Herzberg trat wieder herein. Sie
sehen, ich habe aus Ihre Rückkehr gehofft,
sagte der König, und ich habe deshalb
meinen Staatsminister, den Herrn_ von
Herzberg hieher beschieden. Dies ist der
Baron von Thugut, mon eher ministre,
der Abgesandte der Kaiserin Königin, wei
chet jetzt Krieg oder Frieden, je nach dem,
in seiner Tasche trägt.
Sire, ich muß mich dagegen verwahren,
e'-ne so wichtige Person zu sein, sagte
Thugut hastig. Krieg uno Frieden liegt
allein in den Händen Eurer Majestät,
und es hängt ganz und gar nur allein von
dem erhabenen König von Preußen ab,
ob er Deutschland den Frieden und die
Ruhe wiedergeben, oder ob er die Schuld
daran tragen will, daß die blutige Geißel
des Bruderkriegs abermals die unglückli
chen deutschen Völker zerfleische!
Ah, das klingt ja ganz sentimental,
rief der König lächelnd. Der Herr von
Thugut will zu Gunsten der deutschen
Völker an mein Herz appelliren, während
wir es doch allein hier mit dem Kopf zu
thun haben. Oesterreich will immer der
Kopf von Deutschland fein, und möchte
als solcher Ein deutsches Land nach dem
ändern öerspeisen als angenehmes Futter.
Mais voyons, monsieur le Baron, Wenn
man das Haupt sein will, femn matt nicht
auch zugleich den Magen repräsentiert
denn, wie ich mir habe sagen lassen, kommt,
es nur bei den Werchthieren des Meeres
vor, daß der Kops im Magen steckt und
zugleich denkt und verdaut. Nun aber
gehört Oesterreich vraiment nicht zu den
Weichthieren, sondern hat vielmehr eine
ziemlich harte und undurchdringliche
Schale.« Wir können ihm also nicht per
mittlren, als Magen das zu verspeisen,
waö es als Kops zur guten Beute aus er
sehen hat! Das Kursürstenthum Baiern
darf nicht verspeist werden, dies ist das
nothwendige und vorausbedungene Fun
dament, auf welchem allein der Tempel
des Friedens für die armen unglücklichen
Völker aufgebaut werden kann. Wenn
Sie, oder vielmehr die Kaiserin Königin,
damit einverstanden sind, so sagen Sie
es, und die weiteren Verhandlungen mö
gen dann von den beidep Herren hier ge
führt werden Wenn Sie aber den Frie
denstempel auf einem andern Fundament
aufzuführen gedenken, so sage ich Ihnen
im Boraus machen Sie mit keine Vor
schläge, denn sie würden vergeblich fein 1
Ich bin nicht in das Feld gezogen, um
Eroberungen zu machen, sondern nur, um
das Recht eines deutschen Fürsten zu schü
tzen, und nicht zu dulden, daß Andere
Eroberungen machen im heiligen dent
schert Reiche 1 Ich weiß, daß der Krieg,
wie Sie es vorhin sagten, eine, blutige
Geißel für die deutschen Volker ist, aber,
Monsieur, so sebr sentimental wollen wir
es doch auch nidjt nehmen, und nicht von
Bruderkrieg reden, wenn Oesterreich ge
gen uns in's Feld zieht, Oder wollen
Sie etwa meinen guten Pommern, Mär
kern und meinen anderen deutschen Volks
stämmen beweisen, daß die Kroaten und
Panduren, die Ungarn, Walachen, Jta
liener und Polaken, welche das österrei
chische Kaiserhaus gegen un6 in das Feld
stellt, ihre deutschen Brüder seien. Ich
denke, das diese Brüderschaft sich doch nur
auf unserer Aller Stammvater Adam zu
rücksühren läßt, und in diesem Sinne ist
dann freilich jeder Krieg ein Bruderkrieg.
Jedenfalls immer ein Malheur für dre
Menschheit, und ich habe die Conviction,
daß die Kaiserin Königin ihn eben so gern
ihren Kroaten, Panduren, Walachen, Un
gar» und Galliziern ersparen möchte, als
ich meinen sammtlichen deutschen
Unterthankn.
Auch Eurer Majestät polnischen Unter
tbanen, wie zu vermuthen steht fügte
Baron Thugut hinzu. ,.
Nun, rief der König, meine Kölnischen
llnterihanen sind ein sehr kleiner Bruch
theil meiner Unterthanen,. und verhalten
sich etwa so zu der deutschen Bevölke
rung, wie im Kaiserreich Oesterreich sich
die deutsche Bevölkerung zu den auslän
dischen Völkerstämmen verhält. Aber
genug davon wenn ich auch den soge
nannten deutschen Bruderkrieg nicht aner
kennt, so muß ich doch anerkennen, daß
der Krieg, mit wem er auch geführt wer
den möge, immer ein schweres Unglück ist.
Ich werde daher freudig Alles thun, um
ihn zu vermeiden, Alles, was sich mit.dex
•V-
%V \v -C:
V-»7, v i
A-i ». o
Ja.
1
1
4
jymii*MuE£2wu
!,!!.!', 1! t^jgvki Ikt. T**
onneur und der Gloire meines Hauses
owohl, als Deutschlands überhaupt ver
trägt. Lassen Sie also hören Wie hat
die Kaiserin Königin meine Proposition
nen aufgenomen, und welche Antwort
bringen Sie mir?
Sire, erwiderte Thvgnt, indem et die
Actenstücke, welche er mit sich gebracht,
aus den Tisch legte, den Bindfaden, mit
welchem sie zusammengebunden waren,
aufknüpfte, und die Papiere auseinander
schlug. Sire, ich bitte um Erlaubniß.
Eurer Majestät die betreffende«' Acten
stücke vorlesen zu dürfen.
Nein, Herr Baron, erwteberte ber Kö
nig rasch, diese näheren Details gehen
meinen Minister an. Referiren Sie mir
nur kurz den Inhalt!
Nun denn, sagte Thugut, wie Eure
Majestät befehlen. Die Kaiserin Koni
gin erklärt sich bereit, den mit dem ver»
storbenen Kurfürsten Carl Theodor ge
fchlossenen Erbvertrag aufzuheben, aus die
baierische Erbschaft zu verzichten und alle
in Besitz genommenen Districts wieder
herauszugeben, wenn Preußen sich ver
pflichtet, bei eröffneter Erbfolge der
Markgrafen Anspach und Baireuth die
Markgrafenthümer nicht als neue Pro
vinzen in Preußen aufgehen, sondern die
selben als unabhängige Fürstenthümer
mit selbstständiger Souveränetät in
Deutschland bestehen zu lassen
s heißt, Oesterreich, welches un
rechtmäßiger Weise.sich an Baiern ver
großem wollte, möchte Preußen selbst die
einen Moment in seinen Augen aUf. Ich
will vorläufig diesen Nachsatz nicht gehört
haben, und mich nur satissaisirt erklären
mit dem Vordersatz, daß Oesterreich fei
nen Ansprüchen aus Baiern entsagen will.
Sirc, nur unter Bedingungen, welche
der Ehre, den Wünschen und Bedürfnissen
meiner erhabenen Gebieterin gemäß sind 1
Sie hören. Mein lieber Herzberg,
wandte der König sich lächelnd an seinen
Minister, c'est tout comme eben nous.
Es wird nun Eure Aufgabe fein, solche
Bedingungen zu finden, welche weder der
Ehre des Einen, noch des Andern zu nahe
treten. Und dazu mögen sich die Herren
Diplomaten hier in der.Nähe, etwa im
Kloster Braunau, zusammenfinden, denn
hier bei mir in meiner ärmlichen Hütte
wird das nicht angehen. Die Herren
Diplomaten pflegen zu ihren Konferenzen
und Verhandlungen allemal viel Zeit zu
gebrauchen, während wir Kriegsleute we
nig Zeit übrig haben 1 Gehen Sie also
nach Braunau, während ich mit meiner
Armee weiter ziehe.
Wie denn?,t Eure Majestät wollen von
hier aufbrechen fragte Thugut uiit ficht-,
barer Ueberrafchung.
Ein feineS Lächeln umspielte die Lip«
pen des K.önigs. 3a wohl, sagte er, ich
will avanciren, denn mein Stillstehen
käme einer Rettaite gleich. Die diplo
matischen Künste könnten die Verhand
tun gen so in die Länge ziehen, bis daß die
Kaiserlichen alle ihre fremden Völker
schaffen gesammelt und zum sogenannten
Bruderkrieg hätten Heranmarschiren las
sen. Also, mein Herr Baron, beeilen
Sie die Unterhandlungen, denn jeder
Tag des diplomatischen Friedens mehr ist
für das unglückliche Böhmenland ein Tag
des fouragirenden Krieges mehr, und ich
weiß nicht, ob Sie die Euchen nicht auch
zu den deutschen Bruderstämmen zählen,
denen die Kriegsnoth verderblich ist
Also, mein lieber Minister Herzberg, Sie
haben es von nun an mit dem Herr Ba
ron von Thugut zu thun. Denn ich
hoffe, Sie nehmen es doch an, mit mei
nem Minister im Kloster Braunau einige
diplomatische Feldzüge zu machen?
Sire, ich nehme es an, erwiderte Thu
gut, dessen Miene jetzt düsterer und ern
ster geworden war, seit er von dem beab
sichtigten Vorrücken des Königs vernom
men hatte, ja, ich nehme es an, und
ich werde, wenn Eure Majestät mich ent
lassen wollen, mich sogleich auf ben Weg
nach Braunau begeben.
Thun Sie das, Herr Wron, fbflfe der
König. Die guten gastfreien Mönche
werden schon für ein gutes Souper und
weiche Betten Sorge getragen haben,
denn ich ließ den Herrn Prior durch ei
nen Courier von der baldigen Ankunft
der Herren Diplomaten benachrichtigen.
Eure Majestät hatten also die Gnade,
von meiner Wiederkehr überzeugt zu sein?
fragte Thugut.
Ich war von deck zärtlichen Herzen der
^aisetin Königin überzeugt, daß Hoch
dieselbe in ihrer christlichen Barmherzig
keit eS noch tinmal gnädigst versuchen
würde, einen so alten Barbaren. und Ke
ita, wie ich es hin, zu bekehren/ Gehen
j-.i.
x-»
v w
a
-4
4
n .,
W
v
,.
Vn_j_nE_»Mijurfinr«~M"i~«-«~~^^i^"i"'"»~iW^-»nrVriJrv-inrrir*ii~in~r-«-rrr«~»~ri~'~rt''~| r*~rf~r~0' 'r»'«'rVirv-irir-ir»-rv"-ir»r,w~*-~ir»~M-w'M'nnr_i *"J-»jTirmrujj^-j~j-ji_fi~Lru~Lriji-ruutrt
Herr von Thugut nahm diesen letzten
wohlgezielte» Mich seines königlichen
rechtmäßige Erbschaft entziehen, rief der Gegners mit einem etwas verlegenen Ge
Kömg, und ein zorniger Blitz wlchtete i ficht hin, und beeilte sich, den Bindfaden
aufzuheben^und sich zu entfernen.
«TS
e K o n i u n e i e e n e
Der König blickte ihm lächelnd nach
und trat dann an's Fenster, um durch die
kleinen grünen^ Glasscheiben noch einen
Blick auf den österreichischen Diplomaten
zu werfen, welcher eben unter seinem
Fenster vorbeiging.
Ein schlauer Fuchs, sagte er lächelnd,
aber ich werde ihm beweisen, daß wir uns
ein wenig auf die Fuchsjagd verstehen,
und uns bon seinen Finten nicht täuschen
lassen.
Eure Majestät wollen also wirklich
heute schon aufbrechen, fragte der wieder
eintretende Minister.
Ja, mon eher ministre. Das heißt,
ich will nicht, aber ich muß, um den Frie
densunterhandwngen einen kriegerischen
Nachdruck zu geben. Merkt Er denn
nicht, daß der Feind keinen Frieden, son
dern nur Ausschub will, um mit seinen
Kriegsrüstungen zu Ende zu kommen
Die Friedensvorschläge kommen von der
Kaijerin, aber die Bedingung mit der
Anspach'fchen Erbschaft kommt von dem
Kaiser, und ist der Ensapsel, welchen der
kriegslustige Herr auf die T«ifel wirft, an
der seine Mutter und ich gern die Frie
denspfeife mit einander rauchen möchten.
Ihm, Herzberg, steht es nun zu, um den
Frieden zu feilschen, während ich den
Erisapfel aufnehme und ihn ein wenig
auf der Spitze meines Schwertes balanci
ren lasse. Morgen in der Frühe breche
ich mit meinem Eorps auf und marsch ire
vorwärts. Aber vorher wollen wir noch
eine Besprechung haben, Er wird er
mühet sein von der'beschwerlichen Reise.
Ruhe Er also erst, dann dinirt Er mit
mir, und nach dem Diner die Konferenz.
Sire, und mein Protege, der Eonrec
tor Moritz
Sagte Sk kW, daß dieser Mensch
gern eine geheime Aubim bei mit haben
möchte?
Sire, er hat den weiten Weg van
Berlin hieher gemacht nur zu diesem
Zweck, und ich versichere Eurer Majestät
auf mein Ehrenwort, daß ich auch nicht
die leiseste Ahnung habe von d«m, wo*
Moritz von seinem allergnädigsten König
erbitten möchte.
En bien, so sage Er jetzt im Himmsge»
hen seinem Protege, daß ich ihm die nach
gesuchte Audienz bewillige, um Sei»
netwillen, Herzberg. Er ist ja ein so
wunderlicher Mensch, daß Er niemals für
sich, sondern immer für Andere etwas zu
erbitten hat, und daß, wenn man sich ge
gen Ihn
reconnaissant
v,
vism *«1
h.') ?i v.'*$*.y, i'1 f* %. V' -F
*%,•* ',tI#S lyH'f A
V- ir, '. '!iJlI"- v
liN,
iu+rf,
..
V'
5
-V v I
i.
i
,.Ui jytS K'rt
"j
v:
VtW
zeigen will, dies
immer Anderen zu Gute kommt. Laß
Er mir also diesen Menschen hereinkam
men und schlafe Gr jetzt, denn nachher,
wenn Er mit dem Thugut zusammen
kommt, wird Pr die Augen recht weit
offen haben und recht aufgeweckt, sein
müssen. Au revoir 1
Minister Herzberg «itsernte M'«n5B
gleich darauf erschien auf der Schwelle K
des Königlichen Geryachß sie ernste, Biet*
che Gestalt des Eonrectors Philipp Mo-H
it lit/ and!
,:

v 1 4
j'4,
1
Ro. 67.
S,e also, Herr Baron, verfügen Sie sich
nach Kloster Braunau, und wenn ich mor
gen mit meiner Armee borten botübet#
ziehe, so werde ich nicht verfehlen, zur
Erbauung der Diplomaten ein frommes
Lied blasen zu lassen, etwa: „Meine
Seele gleicht dem 'Hirschlein, welches zu
Dir schreiet," oder auch „Oh K-rr, ich
bin Dein alter Hund," oder sonst irgend
ein frommes und gottseliges Lied, damit
meine Herren Diplomaten recht gottselige
Gedanken aus den Klängen meinet Mili
tärmusik schöpfen. Und somit empfehle
ich Sie dem Schuhe Gottes, Herr Baron
Er nickte ihm einen kurzen Abschieds
grüß zn und beauftragte Herrn von Herz
berg lächelnd, bit Rolle eines Ob er kam
merhetm zu übernehmen und dem Abge
sandten der Kaiserin das Geleite bis zu
seinem Wagen zu geben.
Der Baron von Thugut hatte seine auf
dem Tisch ausgebreiteten Papiere zusam
mengerafft und war jetzt im Begriff, das
Zimmer zu verlassen, als der König sei
nen Namen rief.
Eure Majestät hatten die Gnade, mich
zn rufen fragte Thugut, sich hastig um
wendend.
Ja, erwiderte Friedrich lächelnd, indem
er aus den Bindfaden hindeutete, mit dem
die Papiere Thugut's umwickelt gewesen.
Sie haben da etwas vergessen, mein Herr,
und ich liebe es nicht, mich mit dem Ei
genthum eines Andern zu bereichern.
•4
lim«?
/U
'*.
t*v
.^v
tS
ü. 5
v
?4-
-r.,-
4 k sj sA
"Vi-*--* v V ii
o. "1& b, jpys

HniULWckr» ran G. Hot & K AnMurck. im uoM'Mchm KW^ck» CourtkAukp *e der Mnr.MMt. (fiririimittt, @!tie.

xml | txt