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Tägliche Omaha tribüne. [volume] (Omaha, Nebr.) 1912-1926, May 20, 1914, Image 2

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Tägliche Cutafi Ttißüne "
EcrCicrft.
Crzjfjsuna, von Philippe STonnlft.
Einen Zahlsiocher im Munde. den
weisen Schnauzbart aufgewirbelt,
mit seinem roten wulstigen Nacken,
d ihm über den Kragen hervorquoll,
a'thmatifch. schwitzend und gutmütig,
fragte der Borsrnnd fcti Miutiitt
partementS. anstatt ihn zu verabschie
den: .Was macht Frau ÜTJothi?"
Moftu antwortete: .ES geht ihr
gut. Herr Oberst.' . .....
.Die Großmutter?" K
.Es geht ihr gut. Herr Oberst."
.Gugu? Erzählen Sie mir doch
e!'?S von Gugu."
Mottu wuxte. dir ?JIom:r.t Kar
gekommen. Eeit sa die'.n Monaten
überlegte er den JtJlcn hin und her.
lauerte auf dies ögenhelt. Jetzt,
da tu Borstand um ihm zu
schmeicheln, nannl man ihn .Herr
Cfciist" sich m .Vt H.te deS Tom.
niernachmit'.ags zuz',nglich. väterlich
und lässig zeigte, scßi: sich Mottn ein
Herj. Er sagte: .Herr . oe:ft, trenn
Gt uns doch die Ehre erweiien woll'
ten. einmal ern be cheivenes 'acyi
mahl in unserem Hause einzunehmen
gqriz ohne olle gormiicyttiient ,
l Der Vorstand hutie auf seinem
schwarze Lederfauteuil. dessen Sitz
auf ollen Seiten durch seine Körper
fülle überragt wurde, eine Biertel
Wendung gemacht. Stirnrunzelnd
schleuderte er ihm einen Blick zu. dem
er inen martialischen Ausdruck zu
verleihen bemüht war. DaS Abend
drot. Mottu! Aber Der Vor.
stand suchte nach Warten. Er fand
nicht. Da ihm nicht! einfiel, rief
er überlaut: .Wgnu also dieses
MchtmahlZ- i
.Wann kS Ihnen beliebt. Herr
Oberst. Dienstag zum! Beispiel.'
Dienstag?" I
; .Dienstag. Mittwoch' oder an ei
ziem anderen Zag.'
, .DienStag, Mittwoch oder an ei
tiem andere Tag?"
, Mottu begann zu zittern, als der
Vorstand sich plötzlich beruhigte.
' .Gut sagte er. nur hören Sie,
Mottu, nichts als Suppe und Rind
fleisch. Berstanden? Alfa am Dien,
tag." Er hatte sich erhoben und er
riff lachend die Hand seines Sekre
täri mit seiner derben breiten Rech
ten.
.Ich scher' mich einen Pfifferling
darum." dachte Mottu, der sich im
siebenten Himmel dünkte. .Nichts als
Suppe!" Und während deö Nachmit
tagS war Mottu flink und fröhlich
bei der Arbeit.
Um sechs Uhr ging er, nachdem j
seinen Schreibtisch in Ordnung ge;
bracht, sich die Hände gewaschen und
seinen Strohhut vom Kleiderstock ge
nommen hatte, mit einem höflichen
Guten Tag, meine Herren" an den
beiden Unterbeamten, die neben ihm
arbeiteten, vorüber und auf die
Ktraße hinunter.
ES war heiß und der Himmel
Züchtete rosig. Ein Mazin besprengte
, daZ Straßenpflaster, während eine
hübsche Frau inmitten deö aufgewir
belten Staubeö unter hervorsprudeln
den Wasserstrahlen dorbeieilte, ihr
helles Kleid über dem schwarzen
Etrumpf schürzend. Mottu begriff,
daß das Leben fchön war und die
Menschen glücklich. Er empfand daö
Bedürfnis, dem Straßenspritzer ein
herablassendes Wort zu sagen, dann
eilte er leichtfüßig wie ein Student
pach Hause.
Die Wahrheit zu sagen, er konnte
eS nicht erwarten, seiner Frau da!
Ereignis anzukündigen, das ihn ganz
erfüllte. Den Oberst an seinem Tisch
bewirten! Ihn in seinen Familien
kreis aufnehmen! Einen ganzen
Abend lang mit ihm plaudern! Das
fcar eine seltene Gunst, die sich prak
tisch in ein Avancement verwandeln
könnte oder in eine Verbesserung die
jtt Sekretärstelle, in der er seit sechs
Jahren schmachtete. Auf jeden Fall
war ti ein Zeichen von Werischät
zung, da! zwischen ihm und seinem
vorgefetzten Chef herzliche und intime,
gewissermaßen häusliche Beziehungen
herstellte, wodurch er sich bereits in
seinem Ansehen gehoben fühlte. Er
war nicht mehr ein bescheidener Be
amter mit 5000, wie er sich ost allzu
schmerzlich eingestehen mußte, ange
sichiS deS Glückes ehemaliger Kamera
den, die entweder größere Intriganten
waren als er oder vom Glück mehr
begünstigt waren.
Diese, seine Einbildungen waren
bloße Grillen. Die Menschen waren
gut, die Zukunft rosig, der Oberst
wird bei ihm speisen. Er lächelte
und holte ein paar Handschuhe aus
seiner Tasche hervor und behielt sie
in der Hand. Er beschloß, die Sache
feiner Frau nur so nebenbei anzu
kündigen, ohne besonderes Gewicht
darauf zu legen, wie eine ganz natür
liche und . selbstverständliche Tatsache.
Und während sie vor Entzücken auf
jubelt, wird er ihr sagen: Ah, so
sind die Frauen! WaS ist denn ei
gentlich daran so ungewöhnlich, frage
ich Dich. Mathilde?" .
Nur als er im sechsten Stockwerke
Iti geräuschvollen Zinshauses ankam,
in dem er eine kleine sonnige Woh
ktting inne hatte, erlebte . er eine Ent
tüuschung. Seine Fruu war zu?y
gangen: die bezeuge itir sorgfältig'
s?ordr,kier Arbeiiskorb ri ht Fen
lirmische des SreiwimmerZ. ' "j
- - r" .
Mottu fühlte sich durch diese Ab'I
Wesenheit wie durch einen Toktsehler
verlebt. .Wissen Sie. wohin die
gnädige Frau gegangen ist?" fragte
er Petronella. die in der Küche Peter
silie hockte. Petronella wußte nicht.
Die gnädige Frau wäre vor einer
Stunde ousIkzangen und hätte Gugu
mitgenommen. Und Petronella fuhr
fort, ihre Pclersilie zu hacken, so daß
Mottu nicht wußte, was er tun solle
Er las und überlas eine Einla
dung, die ihm zugekmmcn war. spielte
mit einem Finger eine Melvdie auf
dem Klavier? dann ging er zu seiner
Mutter hinüber. Die alte Frau laö
ihre Bibel im Salbounkcl bei ver
schlossenen Fenstern. Er sagte: 0iu
ten Abend. Mutter, der Oberst wird
Tienstna abend bet uns speisen,
co, jagte die veienoe uno vitaie
über ihre Brillengläser auf ihren
stattlichen Sohn. Fast gleichzeitig
süaie sie hinzu: .Mathilde 1 1 mit
ötiittt ausgegangen."
TaS war alles. Sie hatte eö nicht
begriffen. Ach! Sie begriff nichts
mehr. Das Leben ihres Sohnes be
wegte sich in einer Bahn, die sie
längst verlassen hate. Mit zcdem
Taae zog das Alter ihrem Gesichts
kreise engere Grenzen, beschränkte ihre
Freuden undKummernisse auf gering
fuzigereEreignisse, deren tägliche Wie
derholung sie gewohnheitsmäßig be
schäftigte. Da fühlte sich Mottu
wahrhaft unglücklich, vereinsamt mit
einer Mutter, die sein Leben nicht
verstand, mit einer Frau, die nie zu
Hause war.
Er wollte eben fortgehen, als
Mathilde eintrat. Als sie die Neuig
keit vernahm, errötete sie und wurde
gerührt. Sie lächelte. Sie verstand.
cte umarmte ihn. Ah sie! sie war
in der Tat seine Gefährtin; mit ihr
fühlte er sich ein Herz und eine Seele,
Und Mottu erwiderte zärtlich ihren
Kuß.
- ir, I
. j. 5-
Des Abends, als sie ihre Mahlzeit
beendet und Gugu zu Bett gebracht
hatten, schlug Mottu vor, anstatt wie
gewöhnlich beim Schein der Hange
lampe des Speisezimmers noch ein
wenig zu plaudern, in den Salon
hinüderzugehen. Sie hatten Mühe,
die Fensterladen zu öffnen, die aus
Furcht vor der Sonne und den lasti
gen Fliegen stets verschlossen gehalten
wurden, weil sie vom Anstrich verklebt
waren. Eine Stehuhr aus Bronze
ragte auf dem Kamin empor, ein in
blau und rosa Wasserfarben gehalte
nes Gemälde, das an der Wand hing,
stellte den Besuo dar. Dos Kanapee,
die Fauteuils. die gepolsterten Stühle
verbreiteten einen Geruch von neude
drucktem Tuch, der an den Laden
eines Vorstadttapezierers erinnerte.
Mottu. der. in Gedanken stets mit
dem Oberst beschäftigt, die Bezüge
von den Möbeln und die Verkleidung
des Kronleuchters abgenommen hatte,
erklärte daS Gemälde des Aejuvs
ganz einfach für abscheulich. Ich
begreife nicht," erklärte er seiner
Frau, .wie Tu dieses Scheusal auf
hängen konntest", und er schickte sich
an, es herabzunehmen.
Die Wand mit der großgeblümten
Tapete sah recht kahl aus.
ES fehlt etwas." sagte Mathilde.
Jawohl fehlt etwas," erwiderte
Mottu. Und in seiner augenblick
liehen Niedergeschlagenheit begann er
nachzudenken. Es fehlte in der Tat
alles. Das Zimmer mit seiner stet
fen, kalten Symmetrie bot den unge
mütlichen Anblick unbewohnter
Räume. Mottu begab sich auf die
Suche und raffte in feiner Wohnung
alles, was er fand, zusammen, um
seinen Salon damit zu schmücken. Er
brachte eine Zeitung, zwei Bleistifte,
ein Buch, einen Handspiegel, ein Pa
Piermesser, eine große Emailbrosche
seiner Mutter, worauf eine Insel ge
malt war, und eine japanische Lack
schale, die auf seinem Nachttischchen
stand und worauf er Manschetten
knöpfe, Uhr und Schlüssel zu legen
pflegte. ' Tann ging er abermals
hinaus und entdeckte auf dem Küchen
fenster eine Strauß Geranienblüten,
den Petronella ihm gern überließ,
und den er in ein Stengelglas steckte.
Für jeden dieser kleinen Gegen
stände suchte er lange den geeigneten
Platz. ' Das sieht schon ganz anders
aus," sagte er zu seiner Frau In
dem er zuletzt den Rock ablegte, schob
er keuchend und erhitzt die schweren
Möbel hin .und her, stürzte die Tische
um und mühte sich ab, den Eindruck
des Unbeabsichtigten, deS Phantasti
schen hervorzubringen, wo steife Re
gelmäßigkeit und Geradlinigkeit
herrschten. Als er nun einige Schritte
zurücktrat, um die Wirkung zu prü
fen, stieß er den Geranienstrauß, die
Untertasse und daS GlaS um, dessen
Inhalt sich auf den Teppich ergoß.
WaS treibst Tu denn?" fragte die
Großmutier, die mit ihrem Strick
strumpf im Speisezimmer geblieben
war. Mottu stand gänzlich verrichtet
da. Die plumpe Geschmacklosigkeit
dieses unbewohnten Raumes verletzte
ihn ebensosehr, wie 'ihn bei Tische
Petronellas nackte Arme und die zer
stocherten Finger Mathilden?, die sich
ihre Kleider selbst nähte, verletzt hat
ten. Tags zuvor hätte er diese unöe
deutenden Einzelheiten nicht bemerkt.
Jetzt bemerkte er sie. Es entgingNhm
glich nicht, daß die Bluse feiner yf cm.
vie cmi,cy gereinigt woroen )l
ar,
am Oberärmel ausgeblaßt war.
Endlich, um Mitternacht,
er j
--A
nichiS mehr zu sagen, nichts mehr zu
tun und nichts mein zu entdecken
hatte, legte er
sich, deS Kampfe
müde, zu Lclt.
Bon nun an wurde in der kleinen
Wohnung droben im fechsten Stock
von nichts anderem mehr gesprochen
cilZ vom Oberst. Bei jeder Unze
schicklichkeit Petronella, rief Mathilde
ouk: ,O, wenn Sie dai vor dem
Oberst so machen!" Und Gugu hatte
man eingeredet, daß der Oberst eine
Art Menschenfresser sei. der Kinder,
die in der Nase bohren, auf der
Stelle verschlinge. Aon jedem seiner
Gänge brachte Mottu irgend einen
Zierrat zur Ausschmückung seiner
Wohnung mit. So kaufte er zwei
chinesische Fächer und eine Viise aus
blauem Porzellan, einen Zigarrenbe
Halter und den neuesten Roman, den
er sorgfältig bis zur Mitte aufschnitt;
unter dem Äorwande eineö ledhaften
Interesses für astronomische Studien
hatte er von einem Kameraden die in
Saffianlcder gebundene Ausgabe von
FiguierS sämtlichen Werken entliehen.
Dus Haus wurde gesäubert. Die
Vorhänge ' gewdlchen. TaS Parkett
frisch gebohnt. ' Die Fensterscheiben
und das Kupfergeschirr wurden spie
geldlank geputzt. Im Vorzimmer
besserte man einen garstigen Fleck in
der Tapete mit einem Papicrfireifen
aus. Für die Lampen wurden neue
Schirme angeschafft und das Klavier
drapierte man mit einer geblümten
Bettdecke.
Mathilde wurde mit jedem Tage
bleicher. Gugu. der weniger beauf
sichtigt wurde, nahm allerlei Unarten
an. Petronella war totmüde. Die
Großmutter, die sich von diesem
häuslichen Umsturz fernhielt, prote
stierte durch ein nur von spärlichen
Bemerkungen unterbrochenes Schwei
gen. Sie sagte: .Ihr macht viel zu
viel Geschichten, meine Kinder. Ihr
solltet den Oberst viel einfacher auf
nehmen." Aber da man nicht auf sie
hörte, zog ste stch mehr und mehr auf
ihr Zimmer zurück, wo sie die Tage
mit dem Lesen ihrer Bibel und mit
ihrer Strickarbeit verbrachte.
PctrcneUa machte ihnen viel Sorge.
Sie hatte so bäuerische Gewohnheiten,
daß sie imstande war, den Salon zu
betreten, wahrend sie an einem Stuck
Brot taute. Mottu gab sich alle er
denkliche Mühe, ihr beizubringen,
beim Sprechen nicht zu schreien, und
Mathilde fertigte ihr aus einem ihrer
Kleider eine schwarze Bluse an, dami
sie beim Servieren beier aussähe.
m iinhMiMr m nrnn mnn -tinrfi htn
V O v...
Speisen in . den Salon, wo Mottu
trotz der großen Hitze den Rock nicht
ablegte und wo man sich zwischen den
chinesischen Fächern, den Werken
Jiguires und der von einem Plüsch
rahmen eingefaßten Emailbrojche in
gewählten Ausdrücken unterhielt.
Mottu hatte einen Revolver neben sich
gelegt. TaS machte sich gut.
Es blieb nur noch die schwierige
Menufrage. Sie wurde am dritten
Tage kühn m Angriff genommen.
Sie war die langwierigste und die
meist umstrittene von allen. Die
Großmutter meinte, man solle dem
Manne Suppe und Rindfleisch vor
setzen, wie er es gewünscht hatte,
natürlich unter der Bedingung, daß
beides vortrefflich zubereitet sei.
Mottu und seine Frau hatten dazu
gelacht. Man mußte im Gegenteil
den Oberst gut bewirten und em nur
so obenhin gesprochenes Wort keines
weas ernst nehmen. Es wäre dieZ
ein schlechter Lohn für feine herab
lassende Liebenswürdigkeit, wenn sie
ihn wie ihresgleichen einfach mit
Rindfleisch abspeisten.
Mottu gab sich Mühe, sich auf die
auserlesensten Dinge zu besinnen, die
er bei den offiziellen Banketten feiner
Gesellschaft gegessen hatte. Er suchte
alte Menukarten hervor. Je kompli
zierter und ezotischer ein Gericht war,
desto besser schien eS ihm. DaS
muß vortrefflich fein," sagte er dann.
Insbesondere hätte er gern allen
Speisen Trüffeln beimengen lassen
und hätte es am liebsten gesehen, daß
während der Tafel Sorbet gereicht
würde, denn er hatte einmal in einer
Zeitung gelesen, .daß der König von
Siam so bewirtet worden war.
Seine Frau stellte ihm indessen
bor, daß sie sich, wofern nicht ein
Aushilfskoch genommen und eint
Anleihe gemacht würde, mit der
Kochkunst Petronellas begnügen muß
ten' die librigens zu jener Zeit eine
tüchtige Köchin war. Mottu sah
dies, wenn auch mit Bedauern, ein
und verzichtete schließlich zugunsten
der einfacheren Brotsuppe auf die fei
nere Krebssuppe. Nach vielem Hin
ud "Hemden, genaueren Berechnun
gen und langen Konferenzen mit den
Eßwarenlieferanten wurde das Menii
bis in alle Einzelheiten ausgearbeitet.
Alles in allem kostete es, wenn sie sich
nicht verrechnet hatten, ungefähr 87
FrS. 33 Centimes. DaS war ohne
Zweifel eine Summe. Aber man sab
auch nicht alle Tage den Oberst ber
sich. WaS die Weine betrifft, die
Mottu anvertraut waien, wählte mctf
fünf verschiedene Sorten. Einen
leichten Rotwein, einen weißen Tisch
wein, die von MathildenS Wochenbett
übrig gebliebene Flasche Madeira,
zwei Flaschen Bordeaux, die sie bei
Julien, und eine Flasche Asti Spu
rnnte, die sie bei Dürr zu kaufen be
schloffen. .' ; ' :
Eigentlich war Msttu mit dem
... A .
Asti nicht recht einverstanden. Aber
ver Preis det echten Champagners
war unerschwinglich, und so hatte
Mottu sich darein ergeben und nahm
sich bloß vor. zu dm Oberst zu
sagen: .6 ist nur Asii. Herr Oberst,
aber ich habe ihn von einem Freunde
in Italien bekommen und da wollte
ich, daß Sie ihn probieren sollten.
Sie kamen liberein, daß Gugu
Nicht bei Tische essen werde. Gugu
war seit einigen Tagen unerträglich.
Wenn er artig sein würde, wollte
man ein wenig Konfekt vom Nachtisch
für ihn übrig lassen. AbendS plau
derten Mottu und seine Frau noch
lange in ihren Betten, und erst nach
dem sie allel be prochen hatten.
schwiegen sie. Sie schliefen jedoch
nicht ein, sondern jeder hing feinen
Träumen nach. Mottu wälzte in
seinem Kopfe siolze Gedanken künfti
ger Größe und Malhilde fing an zu
wünschen, daß diese Unruhe ein Ende
haben möchte.
Ter Dienstag kam. ES war ein
bedeckter Tag wie viele andere. Am
Morgen regnete eS ein wenig, ober
gegen 10 Uhr hellte sich der Himmel
auf. und man konnte für den Abend
schönes Wetter erwarten. AIS Mottu
nicht ohne den Oberst an sein Ber
sprechen erinnert zu haben. deS
Abends sein Bureau verließ, begab er
sich in ein Bad. ' In der Badewanne,
wo er lange verweilte und sich da
durch gleichsam geläutert fühlte, tart
ein neueS Leben mit verfeinerten Ge
wohnheiten vor fein geistiges Auge.
Er gelobte sich, gewisse triviale Ne
densarten abzulegen, wie zum Bei
spiel: .DaS ist eine reechte Schweine
rei", oder das ist mir ganz
Wurscht", die er allzu häufig im
Munde führte. Auch beschloß er. sich
von nun an einer gewählteren AuS
drucksweise zu befleißigen und ein
Abonnement in der Badeanstalt zu
nehmen, denn er sagte sich, deß man
durch die Beobachtung äußerer For
inen ein ganzes Dasein neu gestalten,
gewissermaßen zu einer höheren
Stufe emporheben könne. Nach
Hause zurückgekehrt, schlüpfte er eilig
in seinen Gehrock. um alles noch ein
mal mit einem letzten prüfenden Blick
zu übersehen.
In der Tat, ihre kleine Wohnung
sah heute recht gemütlich aus; sie war
nett und behaglich. Auf dem Büfett
des Speisezimmers standen schön ge
ordnet die Weinflaschen, die man
künstlich mit einer Staubschicht bedeckt
hatte, um ihnen ein ehrwürdiges An
sehen zu verleihen. Im Salon brann
ten zwei Lampen unter dem großen
seidenen Lampenschirm, und überall
in den Vorräumen wie in den Zim
mern war öer Tust von frisch ge
bohntem Parkett und feinen Speisen
vorbereitet. Mottu ging wegen des
glatten Fußbodens wie ein Matrose
mit gespreizten Beinen umher.
Die Stunde kam heran. Nun wa
ren alle im Salon versammelt. Ma
thilde, die ihr hübsches rosa Kleid
angezogen hatte. Die Großmutter.
die sich hatte überreden lassen, ihre
Sonntagshaube aufzusetzen. Mottu,
den ein neuer Hemdkragen sichtlich be
engte. Er sagte nichts. ,n Erwar
tung der unzähligen freudig erregten
Worte, die er im nächsten Augenblick
zu sprechen gedachte.
Er klingelte. Mottu. der plötzlich
bleich geworden war, ging hinaus,
um zu öffnen. ES war der kleine
Austräger deS Konditors mit der
Eisbombe. Am liebsten hätte ihn
Mottu geohrfeigt. ES verging noch
eine Viertelstunde. Eine ängstliche
Spannung lag in der Luft. Die
Großmutter hatte ihr ewiges Strick
zeug wieder aufgenommen, dessen ein
töniges Geklapper mit dem TickTack
der Pendeluhr abwechselte. Mathilde
las in dem zur Hälfte aufgefchnitte
nen Roman. Mottu hatte sich anS
Klavier gesetzt und spielte wie ge
wohnlich mit einem Finger eine Melo
die.
Abermals ertönte die Klingel,
diesmal stürmisch, gebieterisch, daS
Klingeln des Obersten. Sie eilte
ihm entgegen. Türen wurden geöff
net und zugeschlagen. O weh! An
statt des Alten mit der sonoren
Stimme und dem keuchenden Atem
war es ein ' Lausbursche aus dem
Bureau mit einem Brief, der ein paar
flüchtig hingeworfene Worte enthielt.
Mottu näherte daS Papier der GaS
flamme des Vorzimmers und las ihn
laut vor:
Mein lieber Mottu,
ich bin ganz untröstlich! Soeben
kommt Trimoulet ganz unerwartet in
der Ihnen bekannten Angelegenheit
zu mir, und ich bin gezwungen, den
Abend mit ihm zu derbringen, um
ihm die erforderlichen Aufklärungen
zu geben. Aber aufgeschoben ist nicht
aufgehoben. Ich bitte Sie, mich, bei
Ihrer Frau Gemahlin höflich zu ent
schuldigen und stets zu glauben an
die aufrichtige Freundschaft
Ihres
Chalumeau."
Da öffnete Patronella, du ln
ihrem schwerzen Kleid und der wei
hen Schürze tadellos aussah, feier
lich die Flügeltüren deS Speisezim
merS, und ein verschmitztes Lächeln
in ihrem gutmütigen Gesicht, meldete
Sie: Bitte die Herrschaften zum
Speisen!" . -
KindlicherWunsch. Fritz:
(vor dem Automaten): Ach. wenn
eS doch auch Automaten gäbe, die
gute Zensuren derkavtts!'
tu cklövnKi.rls.
CrzZhlun, den Wiktor Wickstroin.
Jnterlaken ist einer der entzückend
M ind großartigst gelegenen Orte
der Schweiz. Zwischen den hellgrün
schimmernden Wassern del Tbuner
und Brlenzer SeeS gelegen, von sie!
len. grünbkkleideten Bergen umgeben.
deren Fus, sich in der Aare und Lut
schine badet, während ihre Häupter
von silbern leuchtenden Wolken um
geben sind, bietet eS doch da Aller
schönste in dem herrlichen Anblick der
Jungfrau, die blendend weiß in ihrer
Schneetracht zwischen den grünen
Äorbergen hervorblickt. Einen auf
fallenderen Kontrast zwischen Sem,
merprncht und Winterlälte kann man
sich nicht denken.
In Jnterlaken findet sich alle
Schönheit der ?!atur mit allem mög
lichen Komfort der Welt verbunden.
i-eine Hotels, in denen jährlich Mil
.wnen umgesetzt werden, wetteifern
mit denjenigen der Weltstädte. Nicht!
fehlt hier von den Gütern dieses Le
denS.
Ich saß eineS Abend! auf der Be
randa des Kursalont und lauschte
vem vortrc tttchen Orchester, all ich
Plötzlich durch einen Schlag ouf die
schütter und einen schwedischen Gruß
überrascht wurde. Ich wandte mich
um und sah zu meiner Freude meinen
Kameraden Brenner, seines Zeichen
Doktor der Philosophie und natur
wissenschaftlicher Gelehrter. Bald
waren wir In ein Gesprach über schwe
dische Verhältnisse vertieft. ES dauerte
aver nicht lange, bis ich bemerkte,
daß er nicht mehr im Besitz seiner
früheren ansteckenden Munterkeit war
und sein früher so reicher Vorrat an
witzigen Einfallen ein Ende genom
wen hatte.
Wir machten einen Spaziergang
vor vem Muiikpaviilon, um die
Jungfrau besser im Mondschein sehen
zu können, und ich fragte ihn offen
denn wir waren alte Freunde ,
waS ihm fehle.
Ich habe mich gerade danach ge
sehnt, einen alten Freund zu rreisrn,
um ihm mein Herzeleid mitteilen zu
lönnen," sagte er und blickte mir trau
rig in die Augen, und da ich nun
einen solchen gesunden habe, so will
ich die Gelegenheit benutzen und mein
Herz erleichtern. Ich wohne", so er
zählte er, im Hotel Beau Rivage.
Weil in der ersten Zeit meines hiess
gen Aufenthaltes noch wenige Som
me.rgäste da waren der Frühling
war ungewöhnlich kalt gewesen so
konnte ich ungestört meinen Studien
obliegen; aber eines schönen Tages
fand ich es langweilig, noch länger
des Einsiedler zu spielen und begab
rich deshalb in den Kurpark. Tank
fam englischen Gelehrten, dessen Be
kanntschast ich dort machte, wurde ich
in eine angenehme Familie eingeführt,
die auS Mutter. Vater und Tochter
bestand. Die letzte war, offen ge
standen, entzückend."
Er hielt einen Augenblick in feiner
-Erzählung inne.
Und da verliebtest Tu Dich na
türlich", siihr ich fort, sie erwiderte
jedoch Deine Neigung nicht, sondern
reiste ihrer Wege, und damit ist die
Geschichte ,u Ende."
.Zu Ende, aber nicht auf diese
Weise," fiel er mit einem traurigen
Ton in der Stimme ein. Es ist
wahr, sie ist abgereist, aber vorher
während mehreren Tagen ... ah.
wenn ich daran denke .... so mit
dem Herzen eines MauneS spielen zu
können!"
Er weinte beinahe, der starke Mann
an meiner Seite.
Aber waS ist eS denn?" fragte ich
teilnehmend.
DaS sollst Du hören. Die engli
sche Familie wohnte im Hotel Bikto
ria, was zur Folge hatte, daß wir
unS meistens im Freien trafen. Wäh
rend der Zeit ihres Aufenthaltes in
Jnterlaken verging kaum ein Abend,
5hne daß wir zusammenkamen. Ich
hatte daS junge Mädchen om ersten
Abend kaum beachtet, weil ein wif
senschaftliches Gespräch meine Auf
merksamkeit fesselte; aber an den fol.
genden! Du hättest sehen und hören
sollen, wie begabt, wie schön und
gut sie war!"
.Kenne daS!" lachte ich. Aber
Du tröstest Dich wohl bald."
.Niemals! Du kennst Sie nicht.
Du weißt nicht, welch ein Engel sie
ist, und wie vertrauensvoll sie sich on
mich anschloß, wenn ich von 'meiner
Heimat mit den hohen Bergen und
den tiefen Tälern berichtete. Sie saß
wie .... doch lache nicht .... wie
Tesdemona, die den Schilderungen
Othellos lauscht.'
.Aber wie entstand denn dieser
Bruch?" fragte ich teilnehmend. Dei,
ner Beschreibung nach zu urteilen,
war ja die Sache völlig klar."
.So dachte ich auch und sie wohl
ebenfalls, wie es mir schien. Wir
hatten mehrmals Gelegenheit, allein
über die wichtigsten Fragen dei Le
ienö zu sprechen, und ei bedürfte nur
eineS Wortes von mir, um unseren
Bund zu besiegeln."
Aber warum rücktest Du denn
nicht heraus mit dem, waS Du auf
dem Herzen hattest? So hätte wohl
die Geschichte einen anderen Ausgang
genommen."
Ich war just eincS Abends ent
schlössen, die, zu tun. als ich hinab
in den Garten ging, wo wir ge
wohnlich nach dem späten Mittagessen
unseren Kassel einnahmen. Aber
diesmal traf etwas ein, das meinen
ganzen Plan zerstörte."
.Du machst mich wirklich neugierig.
Erzähle!'
Wir saßen in schönster Ruhe bei
sammen nd plauderten. An den
vorhergehenden Abenden war ei sehr
kühl gewesen, weshalb ich Uederrock
und Handschuhe getragen hatte, nun
aber herrschte daS herrlichste som
merwetter, waS unsere ohnehin hei
tere Laune noch bedeutend erhöhte
Ter Kaffee wurde serviert. Ich zog
meinen Ueberrock und die Handschuhe
auS und wollte iust meiner Geliebten
den Kaffee präsentieren, alS sie oder
ich .. ich weiß nicht wer durch
Zufall ihre Ta se umstieß, deren In
halt sich über ihr weißeS 5lleid er
goß. Ich wollte sie just wegen meiner
Ungeschicklichkeit um Entschuldigung
bitten. nIS ich zu meiner Verwunde
rung sehen mußte, wie sie aufsprang
und mir einen Blick voll deS b,tter
ften Vorwurfs und AbscheuS zuwarf,
Meine Bewunderung verwandelte
jich in Schmerz, als ich sie den Arm
ihrer Mutter ergreifen und worrios
und ohne Gruß sich tntfernen sah.
Die Herren behandelten mich mit küh
ler Artigkeit, und die ganze Familie.
die doch wenigstens noch einen Monat
in Jnterlaken hatte bleiben wollen,
war om folgenden Tag nach Montreuz
abgereist, wie ich nachher vom Por
tier des Hotels vernahm...."
Eine merkwürdige Geschichte."
murmelte ich tm stillen. .War sie
wirklich so aufbrausenden Charak
ters?"
.Und denke Dir, wegen eineS ein
fachen Waschkleides stellt sie eine solche
Szene an! Sie. die nach meiner
Meinung so sanft und nachsichtig
tosr! Und ich glaube auch, daß sie
elbst die Tasse umgeworfen hat."
Ich dachte einige Augenblicke über
die Sache nach und brach in ein
lc.utej Lachen aus. Jetzt verstand ich
alles. Und je länger ich über die
Sache nachdachte, desto komischer er
schien sie mir. lin derber Puff von
feiten meines Freunde! veranlaßte
mich doch, meine Lachlust zu bezäh
men.
.Glaubst' Du. daß dieS recht ist
von Dir, so meines Unglücks zu spot
ren? rief er und warf mir einen
Blick zu, der mich mit ewiger Un
gnade bedrohte.
,O, Tu einfältiger, gutmütiger,
verliebter Narr, verstehst Du denn
ar nicht, wie die Cache zusammen
hängt? Tu hattest Teine Hand
chuhe ausgezogen, sagtest Du?"
Ja! WaS mehr?" Sein Gesicht
bildete ein einziges großes Fragezei
chcn.
Und da hat die englische Miß
Deinen Toklorring gesehen, begreifst
Du jetzt?"
Mit einem Sprung hatte er die
Bank verlassen, auf die er sich gesetzt
hatte, erfaßte mit beiden Händen
meine Schultern, die er frenetisch
chuttelte und lachte und schrie:
Du hast recht! .... Du hast
recht! Mein Doktornng! ... .
Mein Dottorring! .... Daß mir daS
nicht eingefallen ist! Welch ein
Narr ich gewesen bin! .... Zu glau
den, daß sie wegen eines befleckten
KleideS so böse war!"
Am folgenden Tage reiste er nach
Montreux.
Es verhielt sich, wie ich mir gedacht
hatte. Unbekannt mit dem Gebrauch
unserer schwedischen Toktorringe, hatte
die junge Engländerin, als sie ihn
sah. geglaubt, daß Brenner verhei
ratet wäre. Nun, die BerlobungS
karte, die ich einige Tage später er
hielt, war von einigen Zeilen beglei
tet. mit denen mir Brenner mitteilte,
daß er von seiner Braut die Erlaub
niS erhalten habe, den BerlobungS
und den Doktorrrng am glerchen Fm
ger zu tragen.
-EinGemütimensch. Rich
ter: (zum Angeklagten): .Wenn Sie
wirklich nur auS momentaner Not
zum Dieb geworden sind', wie kamen
Sie dazu, gleich den ganzen Stall
Mit drei Schweinen auezufteylen?
Dieb: .Lerr Gerichtöbof. i' bad'
immer a' weich'H Herz g'habt. Wie
'i die erst' Sau aus 'm Stall hab'.
hat s traurig nach den andern
umg'schaut, daß i' glei' g'sehn'n hab'.
die kriagt 'S Heimweh nach ihre
Kameraden. Und weil V bU net
mit anschcm'n hätt könna, hab' i'
auch noch die zweit' g'holt. Nun
wär' aber die dritt' allein 'blieben,
und um der den Schmerz zu erspa
ren, hab' i' s' halt auS Mitleid auch
noch mitg'nommen!"
Der Drachen. (Im Wirts
hauS.) Warum bestellen , Sie denn
gleich zwei GlaS Bier, Herr Muckel
berger V
.Wissen S, Damit der Wirt denkt.
mer Alle wmmr aieicy nacy... oa
raut er sich wenigstens nicht, schlecht
einzuschenken!"
In Monte Carlo. Frau
(zu ihrem Gatten, der mit seinen
Freunden den Spielsaal besuchen
will): Da sag ich Dir, Geld
nimmst Du mir aber nicht mit in
den Saal. Wenn Jhk unbedingt in
Monte Carlo spielen wollt, dann setzt
Euch nachher draußen hm und spielt
Skat." ' ; -
Zwangösi!t!kkng. , ;
Wie sie ! den enlMe Gesänguistk
handhabt ick.
Mary Richardson, die Londoner
Bilderstürmer!, die wegen ihrer
Schandtat zu sechi Monaten Qt'ii-
nIS verurteilt wurde, Ist mit engli
schen Frauengefängnils bereits vo.
Grund auf vertraut. E!e h2t kürz
lich in der .Suffragette' eine Art
GefängniStagebuch veröffentlicht und
beschreibt darin aust anschaulichst
die Zwangsfütterung, wie sie in lkng
land gchandhabt wird:
Die ZivangSfütterung wird im
Holloway'Gefängnisse täglich wenig
stens zweimal ausgeübt. Ich selbst
habe diese Folter erduldet und ich
bitte olle.' die an die rast dei Ee.
bete! glauben, zu den beiden Stunden
des TageS ya10 und um ya5
zu beten, daß die weiblichen Gesänge
nen sobald wie möglich befreit wer
den und daß unser Ml Verzeihung
für da große Verbrechen erlangt, dai
ei begeht, wenn ei an ffrauen dies
barbarische und schreckliche Folter
vollzieht. Einige Leute behaupten,
die Opfer der Zwangtifütterung hät
ten weniger auszustehen, wenn sie sich
nicht wehrten. Man wehrt sich, weil
einen die Schmerzen ußer sich hin
gen nd weil die Nerven der Augen,
der Ohren und bei ganzen Gesichtes
solche Schmerzen verursachen, daß ei
unmöglich ist. nicht wenigsten
Widerstand auS allen Kräften zu
versuchen. Man wehrt sich auch auS
einem anderen Grunde: eine Zwang!
flltterung erdulden heißt einen
schändlichen Eingriff in die Person
lichkeit gleichzeitig mit einem entsetz
lichen körperlichen Ccbmerz dulden,
und widerstandslos eine solche Be
Handlung hinnehmen, wäre ein Ler
brechen.
Die ZmangSfütterung beginnt mit
einem Kampfe gegen acht oder neu
Wächterinnen. Meistens erliegt man
der lleberzahl, man fällt zu Boden,
dann wird man aufgehoben und auf
ein Bett geworfen, die Wächterinnen
ergreifen einen an Armen und Bei
nen, drei der Frauen legen sich einem
über die Beine und pressen einen mit
solcher Gewalt, daß fast die Knochen
brechen, dann weiden einem die
Schuhe ausgezogen, und eS krallen
sich Hände in die Knöchelgelenke ein.
Zwei weitere Wächterinnen packen
einen bei den Schultern, vier halten
die Arme und zwei weitere bohren ei
nem die Knie in die Hüftengegend, so
daß man fast erstickt. Tann wird
man in ein Tuch gewickelt. daS Kopf
und Stirn umschlingt, und eine
Wächterin bohrt einem dabei die
Daumen in die Schläfen.
In diesem Augenblick kommt der
Arzt. Man sieht mit halb geschlosse
nen Augen seine Hände sich bewegen,
er führt vorsichtig einen Gummi
schlauch in die Nasenlöcher ein. dann
stößt er ihn kräftig bis zum Schlund
vor, waS zu Zerreikungen und Ent
Zündungen führt, und nun wird daZ
fast ein Meter lange Rohr durch den
Schlund in den Magen geführt.
Langsam fließt die Arznei, oder rvaS
einem sonst verabfolgt wird, in den
Magen. Man kann nicht erkennen.
was es ist. denn das Gefäk ist un
durchsichtig. Jetzt kann man nicht
mehr widerstehen, man erstickt fast
und hustet furchtbar, bis der Vorgang
vorüber ist. Wider Willen rinnen ei
nem die Tränen aus den brennenden
Augen. Schließlich zieht der Arzt
das Rohr mit einer kräftigen Bewe
gung heraus, die sich anfühlt, als be
käme man einen Peitschenfchlag ins
Gesicht, der Rest der Flüssigkeit sdrikt
einem über daö Gesicht, der Arzt geht
r jL -Y w-. an'ij i . . ,
iqnell oaoon, oie Wacyierlnnen iaen
los, keuchend, taumelnd und halb be
täubt sucht man sich auf sich selbst zu
besinnen, man bringt seine Kleidung
wieder in Ordnung und setzt sich.
wenn man dazu noch die Kraft hat,
vor die weiße Wand und wartet sie
ben Stunden, bis die Folter von
neuem beginnt."
-Unter Schusterjungen.
Hat Dein Meester aber 'ne iroße
Hand."
.Und nu denke Dir mal. unter
dem seiner B e h a n d lung zu sein.'"
Cln Skeptiker. A.:(Ehe.
mann): Ich kann Ihnen die Ehe
nur empfehlen; Sie werden fehen,
daß Sie in jeder Beziehung lil
liger lebend
B. (Junggeselle): Eben deshalb
bin ich mißtrauisch waS billig ist,
taugt gewöhnlich nicht!!'
- Dankbarkeit. 1. Freund:
.Was? Den Doktor Müller willst
Du zum Hauöarzt nehmen? Der soll
doch in seiner PraziS ganz unbedeu
leno sein!
2. Freund: .Schon möglich, aber
er hat gleich bei seinem ersten Besuche
meiner Frau dai viele Reden derbo
ten."
Di 'Hauptsache. Postöe
amier (einen betrunkenen Studenten
bringend, den er im Chaufseegraben
auffand): .Entschuldigen Sie, wohnt
dieser Herr bei Ihnen!"
Vermieterin (die Lande über dem
Kops zusammenschlagend): Aber Na
turltch, das ist ja Herr Spund
jetzt wird er sogar schon mit der Post
nach Hause geschickt ist er denrz
wenigstens frankiert?'' -.
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X
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