OCR Interpretation


Vorbote. (Chicago, Ill.) 1874-1924, October 10, 1917, Image 1

Image and text provided by University of Illinois at Urbana-Champaign Library, Urbana, IL

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn83045868/1917-10-10/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

..N-rb
Sozialpolitisch
«ott»! «es »» »a» V,,
»«» so»»e «» ic>
44. Jahrgang.
.
-
K>n einigen Wochen sollen Nihter.'
^ gewählt wrrden. Richter --!
' welch ein Verantwortliche; ^
. mt wird in die .^ände dieser Lente!
7^,^ — und wie wenig kommt den!
^.sten Richtern, die heute im.Amte!
tzen, diese Verantwortung znm Ve
^usztseiu. Tie ineisten von ilmen
nd Berufspolitiker, denen die fette
gründe in erster ^inie gilt und die
mtstatigkeit eine nnangei<lnne
'.ugabe ist. Toch nicht das allein.
^ Amtstecnun isr gewöhnl.i ^ auch!
kaust worden, und die. Ivel he für!
' Compagne zahlten, die sie ins j
lnit bringen balfen, denen liaben sie ^
nachher zu dienen. Tie einslustrri-!
''n Protektoren -aber sind gew^hn
ch grosze -Korporationen. Eisenbah
en und andere gros;e Uitternehmun.
en. ^ii deren Pann neben donn die
''ichter. zu ikiren Gnnslen werden die
^:rteiisäHeit und (Gerechtigkeit?
Toch nicht nur herrschen torrn^te
!ethvden in der Wahl der Nichter
id in der Anoüvnng ihrer Amts
itigkeit, das gan>e Nechtswesen be
N'f einer griindlichen Nenernng.
irgendo herrscht wohl hente noch
iehr Schablone als iil den (Berichten
iid bei den NechtSanwälten. Man
'nke nnr an die verschrobene
Schreibweise. die den Juristen vor^
schrieben wird. Kein Mensch mit
Wundem V^rüand, der kein Jurist
>, kenn sich klar werden über uur
nen Kainvertrag, den ein Jurist
ich der vorgeschriebenen ^-orin ab
it.'saßt hat. ^a und Klauseln drin,
welche der ^aie nicht verstellt und nni
?cher zn gehen, iunß er sich nnbe
nngt eines Tolmetsch"rs bedienen,
?r in diesem T^all eben ein Rechts.
.lebner ist. Am diese Art bat die
lein. ,»rfischt.
-^'auer um sick geigen, die kein
fremder durchdringen kann.
Gebt ec- aber erst an die Auole
'. mg der Gesetze, da lesen zehn Anw
älte .',elm verschiedene Sinne ans
.nem Gesehe berauo. Warum tön
n sich denn unsere Juristen nicht
uier Sprache bedienen, die jeder
nann oerstebeu kann? Wo?u mus;
'enn die Rechtswissenschaft den alten
»opf beibebalten. der in anderen
»weigen deö öffentlichen Lebens
Vingst abgelegt wurde! — Doch je
.nebr Verstectenspielen, ja mehr Ge
i'ääst siir die Herren Juristen, und
um so größer die Äcachtbefngniö der
dichter. Der Nichter ist in unseren
modernen Staaten, besonder» in
Amerika, der grösste Despot.
Und wie sehr kann doch ein Rich
Ii'iilriril. 711 voö ^eoen oes Linzel
menschen eingreifen. Man gehe nnr
aurch 'unsere Gerichtssäle, und bore
die einzelnen Fälle an.^ 'Ter Ge^
iichtssaol ist ein zn^eiter Lrt, wo man
anit Goethes Faust sagen l'ann: “Der
Menschheit ganzer Jammer packt mich
pr".
^ Nirgends enthüllt sich uns das Le^
l mehr vls im Gerichtssaal und
r sind es die traurigen und tran^
sten Seiten, die sich zeigen. Aber
^r Zeigt sich anch wie ungenügend
zu'.ler Gerichtswesen ist.
Versetzen wir uns im Geiste in' ei
U"'.! Gerichtssac^l iin Munizipalge
ririit. Ta lil^t ein Mann auf einen
<'i-,'öhtci, 5ln>ss. vor ihm liegen eine
Nlü'e Alten. Aus denen, die schon
in einer falten, verknöcherten Weise
geschrieben sind, will er den Mann
zidcr die 7>nin kennen lernen, die vor
zln r siebt. d'in Anwalt spricht für
den Angeklagt!!, einer dagegen. Alle
glichen Argii.nente werden ange
5iU'rk, nur das rc n menschlich begreif
Ucie Mori'i wird sortgelassen. Es!
sie t ja ami, nicht Mensch dem Men-!
icb«.n aeaenüber. mndl'nn i
j-em An.wt'Iagteu. Anwalt dein Nn
>v5lt. ^ nne verknöchert unsere Zeit
öok noch i'i! — Tann werden d'e'
anfgernfen und vernommen.!
5ie wie in einer Zwickmühle ans allei
Birten examiniert werden, um hinter
^lmidwurdigt'eit Zil kommen,
^ailge iiide-5 dauert die ganze Ver
i <i'i.d!nn^ uicht, der Richter hat bald
lein. Urteil gefällt, oder er verschiebt
di.n nnd dann schiebt sich eine
andere (''niilwc Menschen vor den
^icktersnwl und die Prozedur be
.ijnnt von nenem. Ost treten in
^ kr und ums Ltunden cm ver^
i^edei'e solcher (Gruppen vor den
hier, Ta kaun das Urteil mir
ell gefaszt werden nnd inus; nnr
oft ungerecht sein. Was aber
wert es den Mann ans den Rich'
ihl, wie viele Menschen er iiente
-te"
hes Grgan
ilttart«? Nicht»» i
»k «lletZ j
(12 Seiten.)
»
derei
noch tiefer inS Ungliick stieß, er wird
sich dessen garnicht bewußt. Er hat
den Buchstaben des Gesetzes befolgt
und das genügte ihm.
q- !i! ^
Ter Angeklagte hat diesen oder je^ I
neu Paragraphen des Gesekes ver- >
lebt, darans steht diese oder jene!
^trase vorgeschrieben, hier nnd da!
last: der Richter wohl wildernde Um- >
stände gelten, doch verurteilen m!iß ^
er nnd verurteilt, ohne das; deshalb ^
in deuiueislen Fällen der Gesellschaft!
irgend wie genützt wnrde, nnd noch!
weniger den Angeklagten.
Wie der Angeklagte da'.u kain, das
ven ihm begangene Vergehen aus
'lisiihren. daucch wird iu deu wenig
sten Fällen gefragt. Wolier sollte
wan auch <)cit sinden, nin diesen ost
so seinen Verkettungen von Uinslän-!
den uach^nspüreu, und wao lütte es
auch sür eineu ^ilueck. Tas gauze
heutige Nechtc-wesen siele dabei zu
saminen, iveil man dann bald kein
schnldig ntebr sprechen könnte und
! dnh'n geleitet würde, daß man zu der
Cinsicbt kommen müßte, daß es gar kei
ne wirklichen Verbrecher gibt, so wie
! wir sie heme betrachten. Großher
zige und wissenschaftlich gebildete Pu
rinen betonen auch wieder nnd wie
der. daß es keine Verbrecher giebt,
sondern das die, welche wir bente ckls
^cbeluie uud Verbrecher ansehen, ent
weder durch die miserablen wirt-1
schaftlichen Verhältnisse anf der Ver-!
brecherbatm betrieben wurden, oder
aber Geineskranke imd, die in eine'
.<?eilansmlt, aber nicht hinter Ge !
fängnisinanern geböken.
Gerade im GeriäMsaal tritt die
gan')? Perkebrth'eit und Un^nläng
'lichkeit unserer ökonomischen Per
^ bältnisie so recht ,'>n Tage. Not, Un
'nheit, - Mangel nn jeder <5r5re
hung neben b-inter den Angeklagten.
Wa-> für bedauernswerte Menschen
trifft man da, nnd in tausend fallen
5 sollte die Gesellschaft angeklagt wer
den. welche die Unglücklichen soweit
unken ließ, an Stelle'der angeklagt
! ten Jammergestalten.
Wil' Menschen smb^n im?,
! uns selbst entiernt. Unsere ganze
Gesellschaft ist moralisch und psychisch
ebenw verseucht, so wie sie körperlich '
trank in. Wir können nns an de
nen. die wir als Wilde bezeichnen, ein ^
Beispiel nehmen. So erzäblen uns j
j die Forscher von den Eskinios, das !
! de?eu ^u'^iger Gerichtshof die öfsent.
! liche Meinung ist, die allgemeine
! Strafe besteht dann, dasz die, die sih
vergangen haben, vor den Augen des
Volkes beschämt werden. Wie him
melweit stehen die Eskimos in alle !
ihrer Unkulinr doch über unserer
Kultur?
Doch die Habel, auch keiu Privat
eigentum, ib'r Leb^i m aus den Kom ^
mnnismns atlfgebaut.
Ehe wir im Stande sind, uus ein I
so großes uud doch so natürliches j
Rechtsgefübl anzueignen, wie es die!
Eskimos beute besitzen, mus; erst das I
gesamte 'wirtschaftliche und Gesell- i
schaftsleben umgemodelt werden,
neue Grundlagen müsieu geschasfen
tr«erdeu. ciue ueue Weltauschauung
mus; Einzug b'alten. Diese neue bes
sere Weltauschauung ist nuu bereits!
atlf dem Wege, und wenn mir in die
sein Herbst sozialistische Richter wäh
len, so Helten wir damit dieser neuen,
besseren und menschlicheren Weltan
schauuug ein Stück vorwärts. Alle
die in der heutigen Rechtspflege be
stehenden llebelnäude werden aller
dings auch die sozialistischen Nichter
nickt gleich ausmerzen 'können, da>u
Hedars es schou der Aenderilng der .
gesamten Gesellschaft.
Doch die schlimmsten llebel werden
sie beseitigen, so weit das nnter den!
heutigen Verbältnissen möglich .ist.
Vor allem aber werden keine Anwälte
der großen Korporationen aus dem
Richterstuhle sitzen, sondern Volksrich
ler, sie vaS Volt in semen Leiden ver
stehen, nnd ihm gerecht zu werden ver
suchen.
Russische? Anlsnucrk.
Nichland in da5 on Pferden reich
'ie ^ond. Und der Russe liebt das
Pferd. Irov alledeiu in der Pferde
sport in Rns^land nicht so dntwickelt, '
wie in anderen Ländern, vor allein
wie in ^'ngü-nid, ^-rantreich, Tentsch
lond. ?o<' beim der sachqemäß de- -
triebene Reiui'veirt. Weit mehr In
teresse i'it der Ä>ii.inn onS dem Volte
an Fakrsport. Spaziersahren und >
WettiVtlzre". sieben net-? e.nf dem Pro^ '
qramm der Vergnügungen m Tors ^
M
Abhängiges OrgNi
!
tnd Stadt. Und dem Nüssen liegt
Sas.kutschieren iin Blut. Ter Bau
ernbnrsche von gestern findet sich so^
fort iin Vertehrsgewimmel der Groß
stadt unrecht. Kaum irgendtvo sonst
in E iropa wird so rash in den Stra^
ßen auch der großen Städte gemb
ren, ivie in Nnßland. Man sieln dort
natürlich sehr viele westeuropäische
Canipagen. ^lber charakteristisch, ty
pisch sind in? Sommer die “Troshka"
— übrigens ein russisches Wort, das
wir von dort-übernommen baden —
verdeckt und niwerdeckt, serner die;
kleinen und großen Schlitten, die!
ein- , und Meispännigen, und die!
Troika". das weltbekannte russische
Dreigespann, das nicht bloß im Per
ke'brsleben eine sehr hervorragende
Nolle ivielt. Insbesondere iin Win
ter. C'M Nenndroschi'e ist die kleine'
Troschke. ans der der ^brer rittliitgs !
Plat; nimmt. Tie amerikanischen
zweirädrigen Nennwagen lwben sie
noch lange nicht verdrängt, nnd an
dererseits siebt man diese russischen
Nenndroschken oft auch außerhalb de->
Neunplatzes. Wenn der ..Iswot !
sct it" die Mittel l?at, sich ein Gestüt^!
Pferd nnd eine herrschaftliche Eqni-!
page ^uuilegen, so aveucirt er Zum j
..^ichatsch", hvt das Vorrecht, an den!
Straßenecken zn halten tiud bean-!
spracht das Vier- nnd fünffache ge-!
wohnlicher ^ahrvreise. Tas Nnm^!
merschild br'ngt er an seinem ^-nbr
iverk ineist so verborgen an daß das
Gan^e vollständig den Eindruck einer
berrschaftlichen Rampage macht. Necht
dUle, bärtige Kutscher sind besonders
“chic". Tas rechte Bein wird anßer
l'.ilb des Schlittens gebalten t.nd
nützt sich anr einen besonderen Vü- i
gelbaken: der ^nß steckt dann in ei-j
nein mamigen <^lzuietel. Tiefe
Sitte erkläri sich natürlich dadurch,
das; der Lenker so leichter von seinem
5m abüeigen kann. Grosser Lnrus
wird mitunter mit dein (Geschirr ge
trieben. Am größten ist der Lurus
rei den Treigespannen. Soll'o ganz
echt i-nd ve.->i>'lnu sein, 'so
mnsz das Mittelpferd iin Trab aeben,
jedes der beiden ZÄtenpserde aber in
kurzem Galopp. Sie werden dazu
besondere dnrch den Gebranch je ei
nes kurzen Dingels dressirt und sind
dann später, n.wlge der gewolmbeits-!
in an ig schieben .Haltung des Halses
kanm lliehr in einein anderen Aw
spann zu gebrauchen.
Mm st««!» llii' Wilki
. Melk. >iWs!!. !
itt»5. pioleiniini?
Vcn A n na 5 chlesi n g e r.
D?e deutsche Sprache in sebr reich
an Fremdwörtern, von denen sich
viele bereits so eingelebt l>aben, daß
wir sie gar nicht niebr entwehren
könnten. Wenn wir diese Wörter
aussprechen, kommt uns gar nicht!
mebr znm Vewnßtsein, das; sie einer l
anderen Sprache eiünommen süld.
Ader ivenn nur il'.rer Herknnit !
nachgeben, so vermögen uns diese
Wörter manches Interessante zn er^
zählen.
Schemen wir uns einmal einige
davon, die in der Arbeiterbewegung
eine groste Rolle spielen, näber an. !
Streik und Pmikvtt.
Täglich lv'ren nnd lesen '.vir diese
Worte, ^bre Heimat aber liegt sern
von un^-> sie stammen ans England.
Streiket! kommt von: englische»
ans Deutsch beiszt: “die Arbeit mit
Wucht niederlegen". eigentlich ..die
Arbeit hinhauen". Tavon wurde
dann das >)anptmorti der ..strike" >
(sprich: Ltreik) gebildet, und dieser^
Alssdruck wurde seit ungefähr
in England für Arbeitseinstellung!
gebräuchlich. den 5ech',igerjah-!
ren bürgerte sich dieses Wort auch iu
Teutschlaud eiu. .'»iierü wurde es
nach englischer Orthography “Strike"
geschrieben und darum auch neu den
Arbeitern wie ^trici'c ausgesprochen.
Während deo Atreitc- der Zimmerer
iu Berlin im Satire bies; eo
darum'auch in einem i^ied, die
Kranen —
“brancheu si.-li uicht mehr mit stricken
.iU guäleu,
^.ebt sirickeu ja gar schon die Limmer
gesellen". ^
Voutotr bies; eiu Engländer, dei^
üiii das ^atu' Verwalter an? j
den Gütern eines lärmen in Irland!
nar. Durch seine Härte und ^'rau
saiuteit fielen die Pächter des Hra
sl'n er sich den Hos; des a^nzen
^audes> zu. ^napp vor der Ernte
fündisiten ilnn alle 1'lrveiter nnd
Diemlboten. ^ .^e!n ^nln'mertsbesitzer
vollte für ihn Wren, kein Bäcker
lind t'eiii Fleischer verlauste il'iu die
nötigen ^eliensmittel. Alle Hotelbe
l
n für dis Intsress
Cljicaqo, Mittwoch, !9. Oktober l!U?
......... ...
L-urc
Viel Augen sind, die Hein
cms schn<eren Widern quill
sie werden* sich zu eiueiu !:
und rauscheild um uns fli
Vieltanselldsliiuinig sliisle
von jeneli Leben, die dalu
Hier rulit das arme (^liict
das uns teiu Ziegessnlxv
Und dunkle stunden U'er!
Tech l rennt nwlil endlich
Er nurd die Träneu in d'
und nurd sie rings d^r di
Was an-:' d?n Lideril quo!
wie gmiie Wolke aus den
und eure Peiu nnrd sluin>
Ulid ties befruchten alles '
UM'! l n ». ,»
zu gewähren, ja sogar die ^ tische
Eisenbahngesellschaft lehnte es ab,
sein Vieh zn befördern. To ivnrde
Boykott schliestlich geMnngen das
Land zn verlassen.
Seitdem lvurde der Ausdruck “bon
rotting" für Verrusserklärnng zuerst
in Irland nnd Ellgland iiblich nnd
später auch ans dein !>estlond allge
mein gebräuchlich.
Warnm hat sich aber die Arbeiten
schalt die Ausdrücke iür ibren täg
lichen stampf ans der fremde ent
lehnte
Wenn lvir eineil Blick ans die Ge
schichte der ^obrikarbeitersäiaft wer
sen, wird uns das begreiflich werden.
In England b'lde^ sich f? 'iüer c?ss in
allen anderen Ländern ein Fabrik
Proletariat. Tenn dort ivnrden die
ersten Maschinen erfunden nnd ange
-wendet. Twrt entstanden zuerst rie
sige Fabriken, in denen an den Ma
schinen Tan/ende von Männern.
Kranen nnd ^tiildern furchtbar outz
gebelltet wurden nild nngehenre Neiäi
tümer fiir die ^-abriMfitzer erzeug
ten.
Wollten die Arbeiter aber nicht
elend zugrunde geben, dann niMren
sie sich znm energisäien .^aniv> gegen
die Kapitalisten zusaniineilschlie^eil.
To eiltstandeil in England zuerst
lnächtige Gewerkschaften, die zum
Vorbild wurden für die Arbeiter al
ler Lände^. Voit ihreiu Lehrmeister
ini Kampfe um höbere Löhne nnd
kürzere Arbeitszeit hoben die Arbi
ter anderer Länder auch die Linien
für die Kampfmittel übernommen.
Sozialismus.
Tiefes Wort stammt aus dem La
teinischen, der Nömersp räche. To
lN, ^ sUjcll . t.
nosse, der (^efälnte. Tavon abge
leitet ist das Eigenschaftswort “so
zialis" — gesellschastlich. Ans die
sem wurden dann die Wörter “So
Mlist" und “Soziolismns" gebildet.
Tiese Wörter gab es aver zur ",eit >
der alten Römer »och nicht nnd n ir ^
dürfen ans diesen Wörtern nicht etwa,
den Schluß ziehen, daß wir die Ideen
des Sozialismus von den alten Nö <
mern iiberuoniluen haben, äbnlich.!
wie wir früher gesehen, , .isz nur vie j
les für den gewerkschaftlichen .^anivf
Vvn. den Engländern gelernt ivben. >
Wohl tauchte auch schou unter den >
Griechen nnd Römern die ^.dee au',
das^ das Privateigentuin schädlich sei ^
uud beseitigt werden müsse. Aber die >
^l'änner, die diese Ansicht vertraten.!
naimten sich nicht Sozialisten. und!
ihre Anschauungen nuterschied^'n sich!
sehr wesentlich von den unseen, '.nie
ivir ans den ..Porlänfern de^ Sozia
lismus" vou ^'arl ^antsrn lernen!
können. Ter moderne So^alismns
der das Privateigentum an den Ar
beitermitteln abschaffen will, isl s.'
alt wie der >!apitalismns nnd ist mit
diesem unzertrennlich vert'nuvft. Ta
rum ivurde das Wort “Sozialist"
Quch zuerst in dem Geburtsland des
Kapitalismus, ill England, gebraucht. ^
l^s taucht? zuin erstenmal iin Novem >
der !8^7 in einem englischen Vlatt!
ans. Das Wort..Sozialismus" tain
in Frankreich ans. wo der spiralis ^ ^
inns sich auch früher als in Deutsiii^
land nnd Oesterreich entwickelte.
Das Wörtchen sozial finden wir
auch in dem Worte Sozialdemokratie
wieder. Demokratie kommt aus dorn
Griechischen und - heißt Polksherr
schatt. -Im alten Griechenland, in
Aktien, finden w:r auch dn '.rste aus
gebildete denwkratische VerMung.
i
SN des Drolstsrik
! Trcinsn.
und Heinil ich weinen;
I.der Tro^nen Heer;
-troin vereinen.
iten wird ein Meer.
rt dann die.^tlage
ig-eftreä't;
der armen Tage,
l niehr erweckt.
>en nnl nns schiveben,
wieder Sonnenschein:
ie ^üste heben
irsl'gen Erde lveiisn.
II, wird niederregnen
hellen Sand,
ne Herzen segnen
!l'olk nnd ^cind.
Proletariat.
^liich dieses Wort stammt ans den?
Lateinischen. 'Iber im Gegensatz zu
dem Went “Sozialisulus" wlirde eö
schou von den Römern gebraucht.
“Proletarius" — ..Proletarier" ist
abgeleitet von dein Worte ..proles",
das ..Nachkommenschaft" bedeutet.
Prolewrier wurden im alten Rom
nnr diejeliigeu genannt, die so arm
waren, das; sie keine Stenern .zahlen
konnten nnH. daber dem Staate ge
wissermaßen nnr dadilrch dienteil, das;
sie minder nnd damit nene Staats
angehörige in die Welt setzten. Im
cilten Rom brauchten nämlich diejelli
gen. die keine Stenern zahlen tonn
ten, ganz in! Gegensalz zu unserer
.'',eit. alich keinen.^riegsdien.s! zu lei
sten.
Tie ^ezeichnnng “Proletarier"
siir den moderilen Fabrikarbeiter kam
dnrch den sral^.ösischen Sozialisten
Saiilt-Simon und seine Schüler in
deil Treis^igerjabren des 19. Iabr
blinderts ans und drung bald in alle
anderen kapikiliniscben Lällder ein.
Aber die "age des modernen ^
brikoroletariats nnd seine Bedeimulg
für Wirtschaft uud S^ot iü durchaus
verschieden von-- der des römischen
“vroletarius".
Tie röillisme Wirtschaft berubte
ans der Sklaverei, die freien Arbeiter
spieltei: eine ganz geringe Rolle. Tas
römische Heer war in ältester '>eit ein
Söldnesheer, das immer mebr aus
Ausländern besenders Gerniaile»,
'.uwulmengesetzt wor. Die besitzlosen
4.'I me UNI III ver <5iavr?Nl)iN
ansaininelten. lebten unn frönten
Teil nicht von ilner Hönde Arbeit,
sondern sie ivnrden am 5taat?toslen
qespeisl. Tenn sie waren nuninberecli
tigt 'nr Wabl der Veaniten nnd diese
Veaniten wellten sich die stimmen der
Proletarier nir die nächste Wabl er
bellten, ^der diese Lente fanden
ihren Unterhalt bei einzelnen reicheil!
Nöniern. ?asiir begleiteten sie diese!
nornelinien seilte, io ort sich diese ans!
die streike begaben. ?enn die Groh
grnndbesiver, die in Noin van den.
Neichuimern. die ibnen ibre Allanen
ans den iernen Landfiltern erarbeite
ten, ein inrnriäseo ^eben siibrten,
überboten einander durch die l^röße
de? (^efolaeo. ini: dein sie an ässent
lichen Urteil austraten.
Tie römischen Proletarier waren
grosztenteil? Zchinaroker sie glichen i
niebr niiseren ^ninoenproletarierii.!
nnd das nändige '?s>nr.ichsen diesem
Proletariat? bat ^nni lintergan^ de?
Momerreictieo mit beigetragen.
moderne Proletariat l'ber iit i
bellte die n'icl-tigs.e blasse im Ztaate.!
Tie Proletarier find eo. die allen l
^ieichtlüli schaffen, an? iln'er Arbeit!
bernlu lmsere.Kultur.
“'We ^?äder flehen füll.
Wenn dein narter Arm eo will ",
rmt der Tichter dein Proletarier zn.
T<>r lirspruugliche 5iun deo Wor
tes “Proletarier" alc> Bezeichnung
siir einen, der nnr durch seine Nach
t'onnnenschaft dein ^taote dient, hat
also bente seine Bedeutung gain ver
loren, denn der Proletarier M beute
derjenige, der am allermeisten für
Äaat und Gesellschaft leistet.
'Aber seit-Marr und Engels im
kommunistischen Älaniieü den Arbei.
tern zuriefen: “Proletarier aller Law
der vereinigt euch!", isl der Name
Proletarier zum Ehrennamen gewor
del,, den jeder klassenbewußte Arbeiter
mit Ltolz führt. . , .
-
/
l"
Abonnements
h per?
VSr ein Jahr, im Vor
. . in Canc
. . in'S Lli
“v«r»«te- »i
cts.
per i
Für ein Jahr, im Vor
in Can
W S Ll,
OSe« »
(12 Seiten.)
'
Die Größe der Heere in
alter Zeit.
In unseren von .<>i,rieg und Kriegs
gefchre^ widerhallenden T^en ist ein
kurzer Rückblick auf die Stärke der
Heere in alter Zeit gswis; nicht unwill
kommen. »Ein solcher Nückbl'.ck zeigt
militärische Leistungen, die selbst uns,
die Zeitgenossen der Millionenheere,'
mit Bewunderung erfüllen können,
verweist über auch die Vorstellung von
Hunderttausende!!, wie sie in weiten
Kre'sen sür gewisse Abschnitte der Ge
schichte besteht, ins Reich der Sage.
Das letztere gilt, um mit dem Alter
tum zu beginnen, für die Perserkriege.
Die Zahlen, die He^odot angibt, sind
nnißlos übertrieben. Da2 täm^rende
Heer der Perser zählte bei Marathon
keinesfalls mehr als 23,000 Mainz,
und bei Platää (479) war es sogar
noch etwas schwächer als das 20,000
Mann umfassende Heer der Griechen.
Gleickwohl bedeutete das Unternehmen
des Perserkönig^- mit e'nem Troß von
50,000 Mann samt den dlizu gehöri
gen Pferden hinsichtlich der Verpfle
gung immer noch eine hervorragende
Leistung für d'e damalige Zeit. Ein
griechisches Heer von der Stärke des
t.-ci -piulua >ui.
lange Jahre nicht mehr^ auf einer
Stelle zusammen, so zahlreich die
Söldnerscharen auch waren, d!e zur
Verwendung kamen.
Erst Alexander der Große über
schritt diese Zahl. Am Granikus (334)
und bei Jssus (333) siegte er mit etwa
30.000, bei Gangamela (331) mit
47,000 Mann über den ^ihlenmä';ia
schwächeren Gegner. So stattl'ch diese
Leistungen sind, so bleiben sie doch im
Verhältnis weit hinter denen Noms
zurück, des Staates der allgemeinen
Wehrpflicht, fast von Anfang an. In
der Fr>llhzeit der Republik betrug seine
Streitmacht bei hiner Bevölkerung.von
60.000 Köpfen sck,on 9000 bis 19.000
Mann. Bei Cannae s216) traten den
32.000 Mann des Hannibal 70,000
Nl>ne.r entgegen, und eine Vorstellung
leren Verlaufe des Krieges mit Kar
thago gibt die Tatsache, daß Rom da
mals jahrelang 7.3 Prozent seiner
freien Bevölkerung unter Waffen
hatte.
R o m a l s W e l t in a ch t.
Anck in der fvolgeze't Hielten die
miltärischen Leitungen Schritt mit den
Aufgaben, die sick der zum Weltreiche
entwickelnden Republik und den ein
zelnen Macktbaöern boten. Cäsar ver
nichte in Gallien über 100,000
120,000 Mann, von denen die Hälfte
etwa auf den Train kam. Seine An
gaben über die Stärke seiner sve'nde
sind übertrieben. In den entscheiden
den Schlachten hatte er fast stets die
Uebermacht. Bei Bibrakte l58) schlug!
er mit mindestens 26.000 Mann böcks !
stens 1,6,000 Helvetier, nnd Ariovist
l-)8) nnd die Nerviey (57) erlazen,
jener mit annähernd 20,000. diese mit
etwa 25,000 Mann, ihrem doppelt so
starken Gegner Unaemhr gleich war
allerdings das- Verhältnis im Auf
stände des Äercingetorix mit gegen
7^,000 Kämpfern auf beiden Seiten
Cäsar hinterlies^ 49. Antonius und
Oktiivnin halten nn Jahre 36 v. Chr.
gar 75 Leg'onen, eine gewaltige Macht,
wenn mim bedenkt, dnst eine Legion!
mit der ibr zugeteilten Kavallerie undj
den.ssüfstrupven durchschnittlich
bis Mann stark war. J'n ^
Lause seiner Negierung rzrminderte^
der Kaiser Augustus die Zahl der Le ^
gwnen auf L?. von denen etwa MMs)!
Mann die Rh?inarmee des Drusus!
bildeten. Au' dieser Höhe hielt sich!
das kmserlich-römische Heer mit gerin-!
aen Schwankungen für etwa ^wei!
Jahrhunderte. Schätzt man die Ein ^
wohnerzahl des Reiches eins 65 Mil-^
l'onen. so bedeutet dies etwa über ein
Drittel Prozent der GesiVmtbevölte
rung.
D.a s y r ö L l? H e e r d e s Al t e r -
t u m s.
Die größte im Altertum gegen einen
einzelnen Gegner mobilisierte Armee
war die des Antonius in seinem ??eld
zuge gegen die Parther. sie belief sich
auf 2W.0W Mann. Möglich waren
derartige Leistungen nur auf der Ba
sis der Geldwirtscha^i. Daher ver
^ivanoen, ms oieie '.in oriiien ^ayr
hundert mich Christi der Naturalwirt
schaft wich, die großen Heer?, so daß
fur eine geraume Zeit d''e aeschichtlichen
Entscheidungen durch verhältnismäßig
kle'ne Aufgebote erfolgten. Julian >
hatte in der Schlacht bei Strasburg!
(Z57) hoch gerechnet 13,MV, Kaisers
Valeus bei Adrianopel (378) etwa^
12.000 Mann. Ihre Gegner, die Ale
mannen, bezw. die Westvoten, verfüg
ten übex 1t),000, beuv. 18,000 Mann.
ncinomen grunoeren ?yr asrirani
sches Reich mit nicht mehr als
Kriegern. Narses brauchte zur Äer
1
-Bedingungen
« « e»;
ms bezahlt..... .52.00
»da S.50
island S.MZ
»d “Fackel-:
Lost
ms bezahlt ZZ.yg j
lada 4.0Y !
b.00 !
»i Seeema ?!»»« IMS »» td»
t L^«c»Uv. lUivot». »oct« ^ct 0/ It»rcd ^ :»Ztz>
^Nnmmcr 4l.
nichtung der weit schwächeren Ostgoten
bei Taginae (ööö) ung'fähr 15,0000
Söldner. Allein schon aus diesen Bei
spielen ergibt sick, daß die Vorstellung
von den im Stile der russischen
Dampfwalze gegen das römische Reich
sich heranwälzenden Germanenscharm
unhaltbar ist. Mehr als 15.000 Krie
ger hatte kein Germanenvolk der Völ
kerwanderung.
Je mehr in der Folgezeit die Be
rittenen die Hauptwaffe wurden, desto
kleiner wurden ^die Heere. Karl der
Große wird selten mehr, als 6000, frei^
lich überwiegend berittene Krieger mit
einem gleich starken Train, auf einer
Stelle» zusammengehabt haben-. Qttq
der Große schlug auf dem Lechfelda
(355) mit höchstens 8000 Reitern div>
Ungarn, die schwerlich stärker waren.
In der Schlacht bei Leguano s1176)
nnterlag Kaiser Friedrich Barbarossa
mit 3000 deutschen Rittern und Knechs
ten und Ml) Bürgern aus Como«
Friedrich derZweite, sein Enkel, ver«
fügte bei Cortenuopa (1237), wo beidtz
Teile ihre ganze Kraft eingesetzt Hätz
ten, über höchstens 10,000 Mann, ein;
schließlich 2000 deutschen Rittern.' 52er«
g>^ t)ucic ln
der Schlacht bei ?)iorgarte (1315^
3000, sein gleichnamiger, Neffe h^j
Sembach (1386) etwa 4000 Mann.
Die Heere der Kreuzzüge.
Dementsprechend erlangt man einj
wahrheitsgetreues Bild der Kämpfe
der Araber und der Kreuzz'ücie erst
durch die Verminderung der Zahlen,
die durchgängig sür die Geschichte des
mittelalterlichen Kriegswesens geboten
ist. Der schon genannte Friedrich der
Zweite verpflichtete sich, 1227 einen
Kreuzzug mit 1000 Rittern anzutre
ten nud für 2000 Ritter und ihre Be
gleitung. Pscrde und Schiffe bereit zu
halten. D'e höchste Zahl von Reitern,
die aus christlicher Seite in einer
Schlacht in Palästina genannt wird,
ist 1200, die höchste Zahl von Fußsol
daten 9000. Naturgemäß entsprach der
Kleinheit der Heere der Kreuzfahrer
der militärische Charakter der Gegen
seite. v.. '
In dem Maße wie mit dem ausgeh
! enden Mittelalter auf Grund einey
j Vermehrung des Edelmetalls der Geld
! uinlauf sich steigerte, wuchsen auch die
Heere, weil man nun die Ritteraufge
bote durch stärkere Söldnerscharen zu
vergrößern vermochte. Bei Crecy
! l1346) zählten die Engländer 14,000
! Mann. Kahl der Kühne stellte den
Schweizern bei Granson (1476^ 14.
! 00?> nämlich 2000 Ritter und 12.000
Schüben uud Spießer, bei Murten so
gar 19.000 Mann entgegen. Damit
erreichte das mittelalterlich? Kriegs
wesen seinen Höhepunkt. Gleichzeitig
aber ist mit den Niederlagen des Bnr
gunderherzogs im Kampfe gegen den
“Igei" der S'.l-weizer, die erste ??orm>
der neuzeitlichen Infanterie in den ge
samten Schlachten da? Abstarben de?
Nitterheere dssieaclt. M t den Schwei
zern begännt das Kriegswesen der Neu
zeit.
Tie Kvrpcrgcstnst bc rill? unter Mätt
ncr.
'^ei Nachwrschungeil nach der <^>e«
slalt derülnnler ^niiier bat sich erge«
den. das', das Idealbild inansder
Melden. von der niiliternen Wirtlich
feit ennao angekränkelt, farrigiert
inerden inns',. Tartän?'. der deriiluntg
griechische >iainpfdichter, war lalnn;
?!es>'v, der Fabeldichter, mar 'elig;
Altera Ii der der l^ros^e hatte einen
5chiell)al5: Seller >5cott batl^ einen
sagenannten ^lnmpfns',: Ta!l>"^and.
der beriilmite französische Tiplamat»
litr an e^'er Deformität der rechten
lit! an einer 'Dwrmität ds
litt an einer Tefarmitä ded rechten
^uszev: ^'aron, da^ englische nnlfani
sche l^enie. hatte einen Klinnpmy,
w.io aber den britischen Dichter nicht
im geringsten binderte, als erster den
Pa5l.wrn5 bei .^ianstantiiwpel zn
durchschwimmen und so einen Rekord
hei",;is:ellen, n>ie er vorber nicht be
sannt warden i>r. ''lnch andere bedeu
tende Männer leiben dnrH ihre kär'
verliche Mingeüalt feinen Verlust
ilirer iieifrigen Kraft erlitten. Und
rech viele g^as'.e Menschen unserer
Kultur, wie MeudelSsabn. Voltaire
nsw. baben reichlich dnrch vlwsische
Fähigkeit wett.iewacht, wav itmen an
i'ärverli^en Gaben ermangelt. Sel
ten nnr iiuden wir geniale Begabung
und tärperliche Untadeligkeit zusam
men.
Jeder Soldat erweckt schon durch
seine Kleidung in Waffen die Ueber
-eugung. daß die Menschen immer noch
ohne Totschlägerei oder wenigstens
ohne Drohung mit Totsch<ägerei nicht
leben lönnen.
?liich n der jährlichen Bücherslut
ZchwinuüL oft oben das leichteste

xml | txt