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Vorbote. (Chicago, Ill.) 1874-1924, October 10, 1917, Image 2

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« —
Dir von Mi
Woman von P,
(14. Fort
Trotzdem mar der Kurfürst nicht
frohen und gehobeneu Gemüts, son
dern schweigsam und verdrossen ritt er
auf feinen, ''eichgeschirrten Prunkroh
de? Weges dlchin. Die ihn von früher
tuitlii-cil iiitv
hatten. erschraken über sein Aussehen.
Wie ein früh gealterter Mann er
schien er ihnen. Tie böse Krankb-it
des vergangenen Winters hatte snn
.^aar grau, sein Antlitz schlaff und
gelb gemacht. Aber er sah nicht nur
aus wie ein körperlich Leidender, son
dern wie einer, den schwere Zorgen
niederdrücken. Und in Wahrheit na-'te
cine auälende Zorge seit geestrn an
seinem Herzen nnd machte ihn finster
und trübe. Teine Siegeszuversicht
halte troy seiner .deeresmacht ciuen
smrken Ttoß erlitren.
Nickt zwei Monate, das wußte rr
^enau. konnte er diese Landsknechte
und Reitermhnlein zusammenhalten.
Hein Mensch außer seinen vertrau e
5ten Räten abnte, wie schwer es gewe
sen war. das^Geld zu diesen kostspieli
gen Rüstungen aufzutreiben, und wie
man im nächsten Monat den Told
oufbrmgen wollte, war yorläufig ihm
selbst ein Rätse>. Es mußte 'hm des
halb alles daran liegen, das Unter
nehmen gegen den Bodenstein rasch zu
Ende zu führen. Das war nur mög
lich. wenn die Ritterschaft des Landes
ikm beistand, wenn sie ihn durch ihr.'n
,'>uzufl stärkte uud ihm vor allen ?in
gen Lebensmittel für die Mannschaf
ten und sutler für die Pferde lieferte,
verweigerten die Funker ilnn die >?ilfe
gegen nireu ^tatli?csgcnoi?en. so war
seine Lage mißlich, stellten sie sich etwa
^ar aur die Teite des trobigen Nir
'ers. so konnte kein Mensch voraus
sehen. welches Ende dieses ÄVentel'er
nehmen würde.
War das nicht sebr wohl möglich?
Als er sie heute vor sich gesehen hatte,
die Herren, die da hinter ihm im Zuge
ritten, hatte ihm ihre Haltung gar
nicht gefallen, und ihre Treue war
ibm sehr verdächtig erschienen. Zie
hatten Hwar alle ihm die Hand gereicht
t'nd das <,tnie vor ihm gebeugt als vor
ihrem Lehns- und Landesherrn, die
Hagen und Hannein. die Westernha
immer sener pressen sick seine ^ivvcn
auseinander. und Ttralendors, der
ncben ihm ritt, sing einen Blick mir.
vor dem ihm graute.
Auch Bacharell schaute ernannt, ?a
fcist verblüfft umher. Er hatte 5war
bei den Eichsseldern von vornherein
nicht viel Freude iiver de-ö Kurfürsten
Anknnst voran'?geset?t. denn er kannte
die Stimmung de? Landes ^nr Ge
nüge. Aber diese Haltnng de? Volkes
überraschte ihn dennoch, und er flü
sterte Bunthe ^n: ist ja gerade,
als wenn der (hroßtürle einböge m
eine eroberte Ttadt. etwa.? Be
sonderes vorgefallen, jvas die Lente
verstört und zornig gemacht hat?"
“Besonders nicht," erwiderte der
VropA. ^Sie jmd nur ungeh alten.
geu unc> >tnorr. die Wendell und Bo
denhansen ja selvst die beiden Win
tzingerode. Bartholds Vettern, hatten
sich nicht angeschlossen. Aber ihre
Mienen flößten ihm Besorgnis ein.
Dinner, abweisend, üocküeif standen
sie alle vor ihm. keiner tat den Mnnd
ans. nnr kur^ nnd widerivillig gaben
s.-e Antwort ans seine lentseligen
Kranen, bis er sich verstimmt nnd ver
setzt von ihnen abivandte.
?lnch >111 dem ^aiidvolk nnterivegs
hatte er seine Freude nicht gehabt.
^,war hatte die ^chaultn'r nnd Neugier
proste pausen von Männern. Weivern
i nd Bindern zusammcngenihrl. die
den stolzen Zug vernninverr anstier
ten. Aber nnter allen war kein
freundliche-? Besicht gewesen, kein
^och- nnu Heilruf war aus einem
Muni) erklungen. kaum, datz die Leule
mur'.isch ihre Vtapven .^ogen. wenn der
Landesherr vorüverritt.
Was er nnn vollends in .heiligen
üadt sah. erbitterte und erschreckte ilm
i l er die Matzen. Am Tore wartete
seiner der Rat. um ihm die Zchlünel
> l üverreichen. wie es Brauch war..
Eiiig kalt klaug aus dem Munde d<s
Zvrecher-? die Begnistung deS nürslcn.
knr,^ uud nngnädig war die Antwort.
Tann ritt er die lange, breite ?trahe
entkam, von, >ii>.
Ä'arnns'nst. Links und rechts stan
den die .Unechte nnt ibren in der
Zonne blivei.deii ^niesten und 5takl
bauben. sonst wxir kein Mensch lins der
Etraste zn seben. Nur bier und da
.tti^le ncli schen und versloblen -?in
Weiberkovf an den Fenstern, denn 'bei
dern schonen (Aeschleclne wird die Er
bitterung noch dnrch die Nengier iwer
wogen. Am meisten aber verlebte dis
verschiedene Ausseben der Hänser den
Ctol' des Kurfürsten, ^er eine Teil
der Bürger — das erriet er gar wM
>— hatte ans Ang,>oder irgendwelcher
äußeren Nnckncht seine Manser be
!rän^t. der andere, und ,;war der iveit
ans gröftere. wollte il.in osfen!>ar
durch ttnterlaisuug solcher Ebreube
.^eugaug seine Abneigung an den 5ag
legen.
sinnier herber und verbissener
wurde der Ausdruck «eines (^enebts.
ntzmgerode.
>
«ttl Schreck^nbach.
Ie ? ung.)
daß die Lutherei nun ein Ende haben
soll."
“Ihr habt sie doch nicht etiva vor- ^
zeitig gereizt, habt vorderhand Dul-!
dnng und Schonung geübt?"
“Die allergrößte", log Vunthe!
frech.
“Tos ist gut. Der Kurfürst will
noch zurückhalten mit scharsen Maß-!
^regeln. solange wir die Leute brau-j
chen."
“Wir brauchen sie nickt mehr",
versetzte Vunthe kurz.
Vacharell zog erstaunt die Augen
brauen in die Hitbe. “Wir brauchen
sie nickt mehr? Wieso?"
Der Propst legte ihm leicht die
.Hand aus den Arm und sagte eben
falls mit gedämpfter Stimme: “Ick!
bitt' Euck, ehrwürdiger Pater, erwirkt ^
!m,r sogleich eine Audienz beim Kur->
! surften. Will mick der Herr vor Ti-!
> scke nicht mehr hören, dann sobald wie ^
^ VUNUN» UNI.' cms ^eoen ?!?au.
che er die Abgeordneten des Rate?
i i nd der Ritterschaft empfängt. Sein
^Bescheid ans die »lagen und fragen
ides Adels nnd der Städte wird an
ders ausfallen, wenn er mich gehört
^ liat. Ich habe ihm Eröffnungen ^u
.machen, die wichtiger sind, als alles
Wandere. Ich kann deiner (Gnaden zu
sichern. daß die 5vehde mit dem Win
tzingerode in vier Tagen beendet sein
> wird."
! Vacharell fuhr erschrocken in die!
^Höhe. “Ter Mensch will sich doch nicht!
ietwa unterwerfen?"
! ..durchaus nicht, aber man kann
!ibn unschädlich machen. Ihr werdet
!Euch des Todes Wundern."
..Ihr werdet-der erste sein, den der!
!.verr empfängt, verlaßt Euch darauf." !
erwiderte Vaäiarell.
! Zunächst schien es freilich, als wolle ^
! der .siurnirsr am hentigen Tage über-!
! Haupt nieinand mehr empfangen. Er
i erklärte sich für ermüdet uud ange-j
-griffen von dem Ritte, und der war^
^allerdings bei der Iuuihitze und dem'
> Staub austreugeud genug gewesen. Er!
j^og sich sofort in seine Gemächer ui-!
- rückund behielt nur Bacharell und
i Thnreus bei sich. mit denen wollte er
! speisen. Indessen schon nach einer
stunde hatte Bunthe die (ttenugtu
jung. daß man nach ihm schickte, und
jnach einer weiteren halben Stunde
-ward auch Stralendorf gerufen. Aus.
!d-.'m gemeinsamen Mahl wurde eine
! ganz geheime Ratssitzung. Die Die
! ner jonrden entfernt, die Türen sest
! verriegelt. ein Posten ans der Drepve
verwehrte jedem del? Aufstieg. Erst
! gegen nnn Uhr verließen Buuth^ uud
! Stralendorf das Kemach wieder. Der
z>wlrnirsl eilte ihueu noch einmal nach
iund drückte Bunthe die Hand uud
-nannte ihn seinen lieben Probn nnd
! versicherte beide seiner höchsten (Anade
l iinD Dankbarkeit. Er ivar kamn wie-^
^ derzuerkennen. so srisch uud verjüngt
!sah er aus.
! ..Was ihu am.meinen srenen wird,
wußte der Herr noch gar nicht",
i rauute Buuthe im Hinabsteigen sei
i nem Begleiter zn. “Morgen gegen i
j Abend sällt nns das Weib in die j
Hände, nach dem er sich verzehrt."
Stralendorf snhr zusammen. ..Ihr
^habt Nachricht?"
..Ich bekenn sie vorhin, ehe ich zum
'Herrn gernsen wnrde. Ihr tnt gut.
j noch heute abend alle Wege zu beset
zen. die von Westen ber auss Eichsfeld
^ führen. Zthr möglich, daß sie nicht
idie gerade Ttraße zieht, sondern den
> Weg über die ^hmbcrge wählt. Ein
! hier abkommen. ?ie kann Ench nicht
! entwischen. wenn Ihr's halbwegs klug
j anfangt."
i ..Verdammt! Dtis trifft sich
! schlecht!" rief Stralendorf. “Ich kann
idoch morgen nicht f.'hlen bei der
Lehnslmlc'igung des (trafen! Was
lvürde 5eine Gnaden sagen, wenn der
Landecchauvtina,.,! deriveileu vcr>it<
ten wäre!" >.
Er sagte das mit dem Ausdruck des
>?lergers und des Unwillens, innerlich
^aber freute er sich mächtig. Teun
«längst hatte er darüber nachgesonnen.
> ob er nicht unter irgendeinem Vor
I van de iveniguens persönlich dem Bu
benstück des Propste? fern bleiben
könne. Die Verantwortung für den
ruchlosen Neberfall mnßte er fa mit
auf sich nehmen, und er lwffte auch,
den klingenden Lohn dafür einzulieim
sen. Aber seine eigenen Hände wollte.
er nicht gern dnrch die Geivalttat be
flecken. So kam ihm BuutheS Nach
richt sehr gelegen.
“Ihr habt recht", knurrte der
Probst verdrießlich. ,.Ta dürft Ihr
freilich nicht fehlen. Schade, schade!
Ich hätte Euch den guten Fang ge
gönnt. Habt Ihr einen unter den
Rottenführern oder uuter den Nitt
iHt'iiii'i'n iii«'
trauen möclitct?"
..Mehr nls einen", versetzte Stra
lendorf. “Ta ist vor allem der Ste
phan Niedinger, ein überaus schlauer,
verschlagener Mann, von früher 5er
Zudem noch ein Todfeind des Wintzin
gerode. der ihm bei Sudershausen ein
>Nuge ausgerannt hat." Bei sich selbst!
- setzte er hinzu: “Außerdem der getvij- j
senloseste, niederträchtigste Halunke,
der Gottes Welt durch sein Dasein
schändet, der patzt dazu."
“Gut, gut!" murmelte Bunthe.
“Gebt ihm ja genau Instruktion. Ein
Mißlingen des Anschlages fällt auf
Euch zurück und kann Euck die Gnade
des KnrWri'tc'n "
“Der Herr weist ja nichts von dem
Plan", warf Stralendorf ein.
“Er wird ohne Zweifel davon er
fahren, wenn nicht durch uns, dann
durch andere, anch wenn er mißglückt.
Ick rate Euch, laßt Euch den Rittmei
ster sobald als möglich rufen und sen
det ihn nock heute abend aus."
“Es soll geschehen", entgegnete.
Stralendorf und trennte sich von ihm
mit einem Händedruck. Er eilte die
letzten Sülsen schnell hinab und
prallte, als er um die Ecke bog, mit
einigen Junkern unsanft zusammen,
die eben im Begriff standen, die
Treppe 5,u ersteigen. Es waren die
edeln Herren Wilko von Bodenhausen.
Heinz und Hans von Westernhagen
und Bertram von Wintzingerode.
^traleni?ors entschuldigte sich bös
lick? und fraqte nach ihrem Bekehr.
“Wir kommen als Abgesandte der
Ritterschaft und müssen sogleich Seine
Kurfürstlichen Gnaden svreckien," rief
Wilko bon Bodenhausen.
“Da? wird nicht ansehen." sagte
Bunthe, der langsain die Trevpe hin
abkam. ..Der Knrfürn ist ermüdet
und wünscht Nuhe."
...Hat er eiu Ohr für seiue Pfaifen.
so muft er auch ein Ohr für den Adel
I-abeu!" schnaubte der dicke Heinz von
Wenernhagen.
Bunthe warf ihm einen hochmüti
gen Blick zn. ..lieber das, was der
Herr tut oder laßt, geziemt Euch nicht
abzuurteilen."
Ter Funker wurde vor Zorn puter
rot und griff an sein Tchwert. ..Wilüt
du mich maßregeln, armseliger
Pfaff?" schrie er. ..Tenkst du. du
kannst so mit einem Ritter reden, weit
dir dein Herr ein goldnes Kreu^ um
den Hals gehangt hat? Was bist du
denn eigentlich? Nichts als ein ent
laufener Knecht B^'tbolds von Win
mngerode!"
Der Protist fuhr zurück, als habe
ein schimpflicher Streich seine Wange
getrorfen, nnd sein Antlik erblich.
“Das Wort ivird Euch gereuen!" stie^
er schwer atmend zwischen den Zähnen
hervor.
“Kommt!" sagte Bertram von
Winhingerodc und legte seine Hand
ans Westernhagens Arm. “Wir kön
nen nicht mit Gewalt zum Kiirfürfren
dringen. Was wir ihm zu sagen ha
ben. das müssen wir ihm morgen vor
seinem ganzen Hofe sagen. Er selbst
will es so."
Er neigte flüchtig das Hauvt geg?n
Stralendorf nnd wandte sich um.
Bunthe nreifte er mit keinem Blicke.
Murrend und fluchend folgten ihm die
andern.
Bunthe nand noch immer auf de'.'
stlben Stelle und starrte ihnen nach,
wie sie den Vorsaal durchschritten.
Als die Tür hinter ihnen ms Schloß
fiel, schrak er zusammen, und durch
seine ttieüalt slog es wie eiu Kramvs.
Stralendorf betrachtete ilm ver
wundert. So hatte er den Probn noch
nie gesehen. “Kommt zu Euch'"
uiiire er. ..,u)r wyt M aus. als tiai'e
Euer (^eisr Euch verlassen."
Punthe rang mühsam mich Fas
sung. Er ballte die pauste und bist
?ich die Livpeu bllitig, um ruhig zu
erscheinen. ..verfluchtes Aunkerpack!"
knirschte er leise.
Ties Wort verletzte Stralendorf,
uud mit einer gewissen spöttischen
Neugier fragte er: “Was meinte denn
der dicke Halunke, als er Euch einen
Knecht deS Wimnngerode nannte?"
Ter Probst ächzte vor Wut. ..Eine
infame Lüge?" zischte er. ..Ich werde
Euch die ^ache noch erzählen. auf die
er anspielt. Jetzt aber nicht, in ein
paar Tagen. wenn wir den alten Woli
gefangen babeu. Jetzt eilt vielmehr,
das; Ihr nichts versäumt! Ich mns;
allein sein, mnft Nuhe haben."
Er winkte ihin mit der Hand zu
und trat in ein Teitengemach. Stra
lendorf entfernte sich kopfschüttelnd
..Das isr ja seltsam, der Tensel werde
daraus klug", mnrmelte er vor sich
hin.
10. Kapitel.
In der Kirche des heiligen Mari'n
,-n Heiligenstadt hatte sich am Vormit
tag des sielienten ^uni eine glänzende
Versammlung eingefunden. Von deki
vier Kirchen und den sechs Kapellen
der Ttadt war vorher eine volle
Ztunde lang das Klingen der blocken
und das (Gebimmel der Glöckchen ^n
l.ören gewesen. Es sollte dem Volke
des Eichofeldes verkünden, daß Volk
mar Wolf. Graf zu Holmstein, hente
dem Kurfürsten und Erzbischof von
Main,4 als seinem Olierlebuskierrn
für das Gericht Bodenstein schwören
und huldigen wollte.
In der Mitte der Kirche zwischen
dem Hochaltar und dem Gral' der hei
ligen Märtyrer Aureus n«d ^ustinus
war ein Holzgerün errichtet, das mit
scharlachrotem Tucki überkleidet war.
und Zu dem drei Ztufen emporführ
ten. Dort saß ans einem vergoldeten
Thronsessel der Kirchenfürst, der den
Kurhut trug und den reichverzierten
Krummstab, das Zeichen seiner, hohen
geistlichen Würde, in der rechten Hand
hielt. Ter Gras von Hohnnein saß
ihm gegenüber auf einem ähnlichen.
V
Räte und ritterlichen Vasallen um- ti
standen. Der ganze Raum um den L
Hochaltar war ausgefüllt von G.eistli- n
wen aller Grade. Im Hintergrund u
standen die gewöhnlichen Psnrrer und L
Kapläne, vorn spreizten sich diei^
Stists- und Kapitalherren und neben
ihnen die Aebte und Aebtissinnen. die
es noch aus dem Eichsselde gab. Auch
die Väter der Gesellschaft Jesu, die
von Mainz mitgekommen waren, be-jü
fanden sich in der ersten Reihe, dickt ^
neben und hinter dem kurfürstlichen l>
Throne. Stralendorf, der neu er- I
nannte Landeshauptmann, hatte sei- n
nen Platz vor den Stufen, dii) zuin n
Sitze feines Herrn h'-nauffübrten. >
Neben ihm standen zwei Pagen mit
gesiegelten Urkunden in den Händen.
Ter übrige Teil des Gotteshauses
war dichtgedrängt voll von den Herren
des landsässigen Adels, den Rntsmit- ^
gjjedern der drei Städte nnd knrnmt
lichen Rittmeistern und Söldnerfüh
rern. Auf das gemeine Volk war nicht
gerechnet, es hätte auch nirgends mebr
Platz gefunden. Eine drückende
Schwüle herrschte in dem Gottesdaus,
nicht nur veranlaßt durch die Men^e
der Anwesenden, sondern auch durch
deu Duft der Weihrauchfässer und der
zahllosen Wachskerzen, di^ man trotz
des hellen Sonnenlichtes das durch
die bunten Scheiben flutete, zur Er
höhung der Feierlichkeit angezündet
hatte.
Ein glänzendes Hochaiut leitete den
festlichen Akt ein. Es N'ard von Vnn
the, dem nenen Landdechanten. Zele
briert'. Der Adel hatte sich vorber
darüber geeinigt. das; man anch diesen
Teil der Feier beiwohnen »volle. Um
den Kurfürsten nicht unnötig zn erb't
! tern, hörte man die römische Meile ^
mit an. obwohl sie den Evangelischen
als ein abgöttischer, widerchristlicher
Mrenel galt. Aber von irgendeinem
Mittun, einer Teilnahm an der got
tesdienülichen Handlung war keine
Rede, der ganze Adel nnd ebenso die
ehrbaren Natsherren blieben ausrecht
stehen, als bei der Wandlung der Erz
bischof und alle die deinen aus die
>5<nie niedersanken. Mancher von den
! älteren Herren fasztc sich an die Ttirn
!nnd fragte sich, ob er wache oder träu
i me; das, Ivtis er sah, erinnerte ihn ia
!an eine Zeit, die vierzig bis fünfzig
^ahre zurücklag, es war ein Bild aus
-seiner Jugend, da er selbst noch in den
^Irrtümern der Pnvstkirche wandelte.
lPon der jüngeren (Generation sahen
j die einen mit grimmigen Blicken nnd
! düster zusammengezogenen Vranen.
!die andern mit spöttischem Lächeln
idem fremden Cchauwiel zu.
VI.IN rimieie oer -
Kanzler des Grafen von Hohnstein im ^
Namen seines Herrn eine wohlgesetzte .^'
Ansprache an den Kurfürsten, die er "
von einein Blatt ablas. Ans b^vegli- 5
chen Ursachen, hies; es da. sehe sich der »
edle und bochgebietende Graf von ti
Hobnnein dazn veranlaßt, dem hocli
Wiirdigen Herrn von Mainz die Ober, e
lelmsherrlichkeit iiber das Bericht Vo^- ^
dennein anzutragen. ?er Knrfnrst d
wolle gnädigst kundgeben. ob er in ^
Gnaden geneigt sei. diesem Antrage lg
zn willfahren.
Daranf gab Stralendorf im Na
inen seines Herrn die Vernchernmi!''
ab. dasz Zeine .^nrfürnliche Gnaden!
bcreit seien, den Lehnseid des Grafen!^
entgegenzunehmen. nnd verlas dei^-'
Vertrag von Blcichcrode. ?ie stelle.
, die das Versprechen freier Neligions
^iibung entliielt. sprach er mit ganz be- ^
isonderen? Nachdruck nnd mit lanter ^
! Ttimme. Es erhob sich danach ein
! Gemurmel unter dem versammelten
Adel, aber es war nicht zu erkennen.
was damit ausgedrückt irerden scstlte. ^
^iveifel nnd Misttranen oder Beifall.^
> L.'lilln e^ivu NM ver nnxi Nieg ^'
-die Stufen zu dem erzbischöflichen!^'
! Thron emvor. Dort lies^ er sich am L
ein Knie nieder und sprach den Lehn?- s,
eid nach, deu Stralendorf ihm Dorlas, l'
Dann leckte der Landeshauptmann ^
das rot-wcif?e Banner der Herrschaft
Bodenstein in die Hand des Kurfür- ^
! sten. der übergab es dem Krafen. nnd <
! der ttjraf reichte es dann, nachdem er b
es eine kurze Weile in der Hand be- c
halten hatte, an Stralendorf zurück.
Damit war der symbolische Alt der ^
Belehnnng vollendet, und von dem ^
Augenblick an war der Knrfürst von
Mainz Oberlehnsherr über das (^e- ^
richt, das seit Tagen der staunscheu ^
Kaiser die Grafen von Hohnstein als "
Lehnsmannen des Reiches beherrscht '
hatten. Es >var ivohl keiner unter den ^
anlvesenden lutherischen Herren, der
die freiwillige Unterwerfung des ^ra
fen unter Mainz irgendivie billigte. >
Die allermeisten emvfanden im s^e-I^
aenteil den Vorgang, der sich d.i vo>
ihren Augen abspielte, als etwas tiefi^
Bedauerliches, ia als etwas Scbändli
! ches. Es war ibnen veinigend und!
demütigend, daß sie Zeugen sein muß- ^
tcn, wie ein evangelischer Reichsgr.'.f! i
van uraltem, vornehmem Geschlecht!"
einem römischen Priester den Lehns-^5
eid schwur. Als daher jetzt der Kur-!
fürst den knienden Grasen bei derjt
Hand faßte, ihn gnädig aushob und^d
umarmte, brach wieder ein brausendes c,
Gemurmel los, aber diesmal unter-,
schied man deutlich Nufe des Mißsal- s,
lens, ja sogar von da oder dort einen n
kernigen Fluch. d
Befremdet ließ der Kursürst leine u
schwarzen Augen im Kreise umherge- a
hen und winkte mit der Hand, ^o- ^
gleich trat tiefe Stille ein. “Meine ^
lieben, andächtigen- und getreuen z
Stände ^Äc?^n er mit klarer, weit-Ii
x
.inender Stimme. “Wir hatten, wie
^uch bekannt ist, für die nun kom
mende Stunde eine Tagung angesetzt,
m mit Euch zu beraten, was dem
!ande nui)t und frommt Gewichtige
Gründe bestimmen Uns aber, für jekt
avcm abzusehen. Es wird Uns eine
Ireude sein. Euch heute und morgen
.-iiNN'Ute rnmg ^niuielimcn. i?er ^i?c>
?ar nickst geivitlt. sich al^ Luft be
mckit-'n ^n lanen.
Martin von ^annein fastte sich ?n
rit. Er trat vor lind nellte sich deni
urfiirsieii gerade in den Weg. “(Anä
iger .?>err' Erlangt Enern getrenen
bänden, ein ?lnliegen vorzubrin
en!" rief er.
Er,Lischt" Tanies sah ihm salt in
Besicht. ..?er Innler doi? Hannein^
x'nn ich nicht irre?" fragte er.
..Ter lnn ich. 5Uimirslliche Gna
en. "sollet :>ne erlangen. daft ich im
uiineii der Ritterschaft eine Bitte
ortrage!"
scharf nnd fnr^ klang die Gegen
eage: ...^'t Ench die adlige Land
Haft damit beauftragt?"
..Nein!"
“5o kann ich nicht mit Ench ver
andeln. lrie ^br sewst einscben wer
>. t", sagte der Hnrsnrn nnd wollte an
lnn voriiberschreiten Aber ,vvimt<n!i
ich sich nicht einschüchtern. Er reckte
!ch zu seiner ganzen beträchtlichen
iäuge empor nnd schrie mit aewalti
cr stimme: ..Gebt mir Voll
uicht, edle Herren und freunde, für
l^nch mit deiner Kunden .zu reden?"
.. Ja! ^awobl! .veil Haustein I
?eebt geredet!" erscholl es von Men
leiten. Es entstand einige Äugen
licke ein obrenzerreißendeS Getöse^
in Gedränge nnd Geschiebe, denn
^der wollte möglichst aus nächster
?ähe beobachten, wie der Austritt li:r
aufen werde.
Knrnirst Daniel blickte in alle dic
insreren nnd drobenden Gesichter um
I'n her. und eS kam ilun die Erkennt
lis, daß er dein Verlangen der Nit
erschast nachgeben müsse. Diesc
?!en'chen sahen zum Teil aus. als
chenten sie anch vor einer Gewalttai
icht zurück. Anßerdein ivar es sa im
nerhin möglich, daß Bunt lies ?ln
chlag aec^en den Vodemteiner unh
ang. Dann war er ans die Hülfe dee
,'ichstelder Adels sebr anaeiviesen und
ante deshalb die lutberischen Junker
licht allzusehr reizen und ^'rbittern^
Lav erst der verwünschte Wintzinge
ode sicher niedergeworfen, so konnte
-an andere Taiten aufzielm. Darum
Wang er sich zn einem Lächeln und
agte, als vlöklich wieder Ttille ein
rat: ..^ch sehe, daß die Herren vin
er Ritterschaft Ench als ihren Zpre
-er anerkennen. redet!"
“Gnädiger Herr!" begann Han
lein, “laßt mich frei von der Leber
^eg reoen. nne ec' innere i'lrr nr an?
cm Eichsfeld. Wir alle. der gan.^c
KloM^sessene Adel des Landes, stehen
nf dem Angsburgischen Bekenntnis,
^ie Alten haben es angenommen, die
fingeren, die meisten sind darin er
oaen und gro^ geworden. Es ist unZ
ieo. und wert und Mer alles heilig
'stlich zu bcwir m, und Wir laden
ie edeln Herren i..on der Londschast.
'wie die Räte Unserer getreten
Städte zuvörderst freundlich ein. nachh
er im Saale des Rathauses mit
lns Zn speisen. Poi. Geschäften jej?t
ichts mehr! Wir werden zn gelege
crer Zeit eine Tagung mit Euch Hal
m."
Er neigte würdevoll das Hauvt
nd schickte sich an. von seinem erhöh
'n Sitze herabzusteigen. Verwirrt
nd verdutzt blickten die Ritter einnn
er an. Was sollte denn das heißen?
wn der Angelegenheit. die alle G"
>üter mir dem Eichgeld beivegte. der
>-ehde mit Virthold von Wintzinge
ode. sollte überhanvt kein») Rede sein?
"er ^urfürü lud sie ^u Schmaus nnd
'ankett ein. ohne sie über ihre stal
ling in dem bevorstehenden Kamvi
uch nnr Zn besragen! Meinte er denn
in Ernst, er könne ihres Beistandes
an^ entraten und den sesten Boden
ein allein überwältigen? Das war
cch kanm denkbor. so verblendet
.mitte er wahrlich nicht sein. Denn
ienn er anch ihres Schivertes nicht
edurste, ohne ivillige nnd ansgiebigc
iefernngen der Landschaft an Pro
°ant konnte er eine lange, vielleicht
Monate hindurch andauernde Bela
dung niennus ausführen. Die hat
/n sie ihin aewöbren wollen, da? war
a ihrer gestrigen geheimen Sitznnci
eicrionen worden. dagegen sollte
er Knrn'irst feierlich geloben und be
chwören, das^ er sie ohne alle Krän
»nsi bei Lutbers Lehre lassen nnd die
ieligionsbedrückung im Lande abnel
.'n «volle. Nnn war mit einem Mal
er stanze klug ausgedachte Plan
urchlreint. Der 5uirfiirsr liefz sic
chtlos beiseite stehen, gestern hatte er
N'e Tepiitierten nicht empfangen,
dite schickte er die ganze Ritterschaft
iufnch nach vause. 5leiu Wunder,
ast die stolzen Herren, die sich nn
ntbehrlich gedüntt hatten, im ersren
Augenblick wie gelähmt dor Erstaunen
nd Bestürzung dastanden.
Aber ihre Verblüfftheit verwandel
c- sich bei den meinen sehr rasch in
Erbitterung und Zorn. Tolcb eine
Behandlung ivaren sie nicht gewöhnt,
as wollten sie sich doch nicht bieten
^sfen von diesen? hochmütigen Pfaf
m. den sie ihren.verrn heisten mus;
^n. otNrohl sie ihn nnd sein gan'.c?
Gelichter im Innersten hastten nnd
erachteten. Mochten die Ellenritter
nd Käsekrämer in den Städten solche
!Nun geht ein Gerücht im Lande, dai
^Cuer Gnaden die Religion änderi
! wolle, und es ist etliches geschehen
!>?as diesem Gerücht Nahrung gcbei
kann. Ter Propst von Nörten ha
einen Pfarrer mis Heiligenüadt ver
trieben, der lange Jahre in Zegen fte
tvirkt hat. Derselbe Propst von Nörtei
hat einem in unserem Mauden Ver
swrbenen das ebrliche Begräbnis ver
weigert. Wohin soll das führen? ^s
das mit Eurem Willen und Beif^l
geschehen. gnädiger Herr? Toll da>
^ Agsburgische Bekenntnis ausgerotte
werden im Lande? Was micli anlangt
werde ich mir eher daö Her^ au>
dem Leibe reißen lassen, als ein Ver
> räter werden an meinem Glauben,'
Auf diese tapferen Worte folgt
eine tiefe Ztille. Ter Kurfürst wa
zunächst sprachlos vor Entrüstnng nn'
Empörung. Tieser lutherische ^chnf
wagte es nicht nur. vor ihm seine Ket
zerei gan^ öffentlich und frei zu be
kennen, er septe ihn auch durch sein
^rage in die reinlichste Verlegenheit
! Gab er eine schroff ablehnende Ant
wort, so konnte er gewärtigen daß de
- Landadel in der nächsten Srund
heimritt. Vielleicht machten die verwe
! genen Gesellen sogar gemeinschaftlich
Zache mit ihrem Standes- nnd Glan
>bensgenonen aus dem Vodensleiu
Versprach cr dagegen Abhülfe der rit
! terlichen Beschlverde. so gad er em
Zusage, an die man ihn stets erinileri
^ konnte, nnd die er doch nicht haltei
^wollte. Am liebsten hätte er den ,^-re
^ cken. der ihn vor eine solche Wab
stellte, von seinen Trabanten nieder
srofzen lassen. Aber cr fas;te sic
^ schnell. lange war er in de
Schule des Paters Bacharell geiveser
, nm nicht zu ivissen, was er zu tm
hatte Vor allen T'ngen mußte e
diese erhihten Kövfe beschlvichtigeii
Deshalb gab er ruhig nnd gemessei
! zur Antwort: “Ihr hättet Euch di
Nede sparen können, Junker voi
Haustein. Ä-as der Provn von Mr
ten getan Hal. in mir unbekannt un
nicht von mir besohlen. Ich werd
darüber Bericht fordern. Im übrigei
versichere ick Cnck: Ich denke nick
daran, die herkömmlichen Rechte dere
i von Adel zu schmälern. Ich werd
' Ihnen allen in innerlichen Gewissens
sacken ein gnädiger Herr sein nnd di
Gewissen frei nnd unbeschwert lasser
Ties mein Bescheid."
Daraus entstand wieder eine kurz
stille, denn solches zu hören, hntt
nieinano erwarler. ^ai; elil >tnrtnr'
5 des heiligen römischen Reiches ein
! ganze Adelsversammlnng beliige
! wolle, das war doch schwer zu gl au
^ bcn. Sprach er aber die Wahrheit, s
> j war man einer großen Sorge ledig
! So schlug mit einem Mal die Stim
, > mling völlig nm. Pon allen Seite
! erklangen Hoch- und Heilrnfe ans de
Landesherrn, der sich vlö^lich so gan
anders zeigte, als man gefnrchtt
hatte.
Der Kursiirsr nickte Martin vo
' .Canstein gnädig zn. neigte sich lnild
^ voll dankend gegen die Umslehendei
mld schritt, geleitet vom Grasen nn
Stralendorf dein Ausgang zn.
> Das Gotteshaus leerte sich nn
sehr rasch, denn jeder war sroh. all
dem schweren Weihranchsdnst hinali
in Gottes freie Lnst zu komnlen. Iln
ter den Letzten, die hcranstvtiten. Iva
ren die Gebrüder Wintzingerode nn
der dicke Heinz von Wesrernhager
Ter veleivte Innker schlviyte nn
stöhnte fürchterlich. “Ten Teufc
mich!" brummte er. “Tolch ein
Ttaatsaktion bringt einen ja fa
uins Leben. Diese Hwe! Diese Enge
lind dabei der schändliche Geruch, de
l die Balsvfaffeni.ausslrömen! Zn de?
i allem trampelt mir der Esel, der Bo
> denhausen. ans ineinein besten Leich
dorn hernm. konnte mich kaum de
Brnllens enthalten. Konmit. Freun
de. begleitet mich in den Natskellei
' Ein srischer Trunk Dude-rslädter wir
uns allen wohltun!" ^
..Das ist eilt trefflicher (ijedankc
! Westeruhageu!" rie.s Hans von Win
« Kingerode. ..Auch inir klebt die Znng
^ am (Baumen. Ich glaube, ich mnszt
verdorren, wenn ich bis .zu Milta
! warten sollte. Auf nach dem Nats
keller!"
Bertram erklärte gleichfalls sein
Bereitwilligkeit nnd fügte hinzn: ..E
> ist borauszufeheu. daß wir viele dm
treffen, uud ich bin neugierig zu hö
ren. Ü.XV? sie über des Kurfürsten Zu
! sage reden."
l “Nun, ich meine, der Herr hu
woülgesprochen! Hätt's ibm. bei bwti
nicht zugetraut!" rief Äenernhager
“^ch iveis; doch nicht", erwidert
'^crrram zogerno. ..'.'Uics c>as klan
mir zu unbestimmt."
l Indem trat ein schlanker. junge
Mann, der in die kurfürstlichen Har
, den gekleidet war, an die (Gruppe
heran. Er lüftete höflich seiu Bare!
uud fragte mit einem verbindliche
! Lächeln: “Zelie ich die edeln nnd ge
strengen Junker von Wmvingerod
vor mir?"
Bertram bejahte.
“Lo möchte ich die Herren bitter
nur zu folgen, denn Seine kurfürstli
chen Gnaden verlangt Euch zu spre
' chen."
' “Uns?" rief .vans in ehrlicher
> Schrecken. “Geh du allein. Bertram
i Du magst für mich mit reden!"
Aber Bertram ergriff ihn am Arr
und raunte befehlend: “Tu bist nick
?eckit gescheit! Wenn der Kurfürst un
! beide sprechen will, so kann nicht nu
^einex kovnvcv^ v —
z! Teufzcnd folgte ihm Hans
!! Hundertmal lieber wäre er mi-^-^i,
, von Westcruhagen zum Früht"u^k i
i den kühlen Keller hinabgestiegen, a'
t vor das Angesicht des Hurfürncn
- treten. Teun de.r Himmel hatte
- die Gabe zierlicher und geivan!
! Rede gänzlich versagt, er mußte
- > rechten Augenblicke die Worte se
-! zu finden und batte deshalb mit
r! Großen und Gelehrten dieser
l ^ uickit gern etwas zu tun.
s Ter Kaminersuuker des Kunü'
t geleitete die Herren ins Martins
führte sie die Treppe des linken <
? tenflügels empor und ließ ne i»
- reich auSgenattetes Gemach
' Dort warteten sie lvohl eine Viei
e uunde lang, so daß beide schlie'
r Z und Hans uur mir Mühe von T
tram zum Bleiben be.vogen iver^
t konnte.
- Endlich öffnete sieb eine Seitenr.
- und beide schnellten von i'nren 5itz>.
e empor. Aber uichl der ^urfü'.n tra
. ein. ivie sie erwartet hatten, senden
- Pater Bacharell.
r ^ ^cb bitte die Herren zu entscbuldi
e gen, daft ich sie warten ties;", began:
. er in sehr höflichem Ton. bi>
e an einem solchen Tage mir! presner
- Bitte die Herren, sich der Stuhle z
. bedienen. Wir können im 5tche
- nicht gnt verhandeln."
e Er lies; sich selbst nieder v.ud in ach?
a eine einlade,i!>l'
!l>.viitts sogleich folgte. Bertrani >vhc
'blieb stehen und sagte: “Ich din
l l rufen worden, um mit Zeiner knr
-! fürstlichen l^naden ?u verhandeln."
k> “Nehmt immerhin mit mir do'
r lieb." entgegnete der Jesuit und tr
l. chelte. M bin des Kurfürsten Beict
^ tiger und sein Nat. nehmt. ivaö i
r Euch sage. so aus. als bkttc
l> Gnaden selbst es gesagt."
a “Uud der Name des Herrn'',
e fragte Bertram.
a ..Wie? Ihr kennt mich nicht?" r
- der Pater befremdet, und ein flüchi
d geo Not huschte über sein sables E
e ficht.
>i “Ich babe den perrn im Gefol
t deiner Gnaden gesehen, aber t
r Namen kenne ich nicht." ^
e “Ich lieisze Ludwig Bacharell.
-! ter der Gesellschaft Jesu."
e ^ “Ah!" entfuhr es Bertram muvil
>. kürlich. Das war also der Mann, d
^ nach den Nachrichten ans Main? lrc
seines schlichten Gewandes der En
war am Hofe, und der, wie eiui^
sagten. die Zeele desKurfürsten re
niel nach seinein Willen nnd Gefatlc
bog und modelte wie weiches Waeh
-. ?l'ach der Meinung Bartholds war
0. der ^pnukt' der Best'eb'.i.
l-1 geu. die sich flehen das Evangeliui
- ^ ans dein Eichofelde richteten. Wen
n, er init dein verhandeln mnf;te. so M
'! es. die Ohren ossen nnd den Nacle
^ steif Zn halten. (5r neigte sich gegc
t ihu nnt tiihler Höflichkeit nnd nah:
j Plah.
a “Wir nnd bereit, ?u hören. we
Zeine Suaden uns dnrch Euer
Mund,;u nnssen tuu null."
,.5o ivoileil >vir ohiie Uinschivei
,^nr Zaä'e kommen", begann der Pa
ter. “Der >Ulrfiirs: befindet sich i
,xehde mit Cnrem Vetter Vartdol
von Wintzingerode. Wie Teine Gini
den in Erfahrung gebracht hat. Hab
^hr des öfteren mit ihm in Stre'
gelegen und mancherlei Verdrießlich
1. ^ keit nnd Widerwärtigkeit mit ihm ge
ker?"
“Tie alten ?päne sind geschlichtet
Iii den letzten fahren war Fried.
I! zivischen uns", erlviderte Bertmu
n! Zurückhaltend.
“Und doch ist ersi in allerjüiigsre
^eit voil Eurem Better eill schiverei
Ilebergriff in Euer Necht geschehen"
fuhr Vacha rell fort. Er ilabin eine
von den Totlinieitten. die auf einen
Zeiteutische lagen, und reichte ^
Bertram. “Hier eine Klage dn
Brüder Geilkalis nnd einer Frau
mens Gertrud. das; Barthold
Wintzingerode mn bellen lichten !a,
ihren Brnder nnd Gatten crselione>
hade. Der Mann ivar Euer Förster
Ihr Herren. Eo hat ^eine Gnadei,
befrenldet. daß Ihr Euch nichl mii
einer »läge gegen den Landfriedens
brecher gelveildet habt."
Bertram stieg das Blut in die
Ttirn. Tieser Pfaffe erkühnte sich,
ihm in versteckter A!eise einen 5adel
au^llsprecheil! Äm liebsten hätte er
erwidert: Das geht weder Euch, noch
den Kurfürsten etwas a,i. Aber er be^
herrschte sich lind sagte rnbig:
batten wir begrüildeie Ursache. Ter
Geilbaus lvar der Mordbrennerei
di'iinii'iid auch mar er. wi^
^ !vir nerchher vernahineu. ein Mem'cki.
r l der heilnlich Mord und Aufruhr pre
- ^ digte. Was ist daran gelegen. >ven>l
solch ein 5>crl mis der Welt geschafft
t i lvird! Nel'er daZ nlles hat ihn Vart
n! hold iu der Notwehr erschossen."
-! “Diirin irrt ^hr Euch." versetzte
e Bachnrell scharf. “Ter Nitter von
j Wintzingerode imr nicht die Olni^
! keir des Geilhlius. hatte also kciu
i, ^ Necht, iu sein Haus zu dringen und
- l ihn sesrzuuehlnen. auch iccnn er nch
- von ihm geschädigt glaubte. GeillMs
! n>tir ganz iin Recht, wenn er sich der
n Verhaftung widersetzte. Er befand
!! sich in der Notivehr. nicht sein Wu
! sacher!"
seinen Verbrecher festhalten '
sj tvenn die Furcht des Missetäte'
rj besorgen neht." bemerkte Bert:
^ ^(Fortsetzung folgt.).

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