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Vorbote. (Chicago, Ill.) 1874-1924, October 10, 1917, Image 5

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Küiistlelsahrtcn.
Von Albert R o d e r i ch.
Herr Lange war mit seinem Min
chen aus der Hochzeitsreise. Er hatte
seinem Freunde, dem HnmorislAi, der
in der Heimatsftadt Huriickgeblieben
war, von Zeit zu Zeit geschrieben.,
und alle seiue Briese atmeten Glück
und Seligkeit. Jetzt war da5 junge
C'hepaar in dem Zeebadeort, in deni
sie die letzten Tage der für die Hoch
zeitsreise restge'eyteu Zeit zubringen
wollten, Torr tras ein langer Brief
des Humorinen an den Maler em.
aus deni aber liier nur das Notwen
digste mitgeteilt werden soll.
“Ob ich T-ich beneide um Dein jun
ges Liebesglück? Ja — nein — ja —
?lch. ich bin bier in den vier Wochen
In der Arche war ick nicht. seitdein Du !
sort biit — ick din so allein so nie
derträchtig allein — ich fühle mich
wenig'ten^ w. Ach. es in ein gräf
liches Elend n?it einein melancholi
schen Humoristen! Dabei habe ich ^
in leMer ^eir untrügliche Beweise i
erhalten, daß ich ein berühiuter M'nn!
hin^ Vor zwanzig fahren hätte mich >
das mit Etolz und Freude erfüllt,
i nd ich wäre unihernvlziert wie ein
vrei^aekrönter Truthahn^ jedt schen'e
ich Di?: die gan.'e Berühmtheit für
ninf Minuten Amtenlialt an einer
treuen Mensckenbrnn . . . Dies elende
Heimweh nach dem Lande, von dem
man weder Naine nocb geographisch
Lage weis;! freund, ich bin tief her
untergekommen. ich habe auch mehrere
lvrische Gedichte gemaäu? . . . ttebri
gens, wenn Dl> diesen. Brief Deiner
verehrten ?crau Gemahlin ^eign.
dann vergifte icb Dich ..."
“Minchen. Du angenehmes Scheu
sal", sagw verr Lange seiner jun
gen ^rau, “lies 'mal diesen Brief von
dem ^eiü. Wenn Tu i!jm aber wieder
sagü. daß iäi Tir den Brief gezeigt
habe dann vergifte im Dicli!"
?)cinchen !aS den Brief und sagte:
“Ach. der arme Mann! Du — der
muß l-eiraten! Warum ist er eigent
lich nicht verheiratet?"
..Weist nickt, ^'t wohl etwas
wählerisch. ^ind nicht eitle so an
irrnchslo^. iric Dein armer, geschla
gener Mann."
Minchen lachte. “Wie alt in denn
eigentlich der Herr ,^-ei'l?"
“Na. so dicht an einer Leite der
Vierziger, ich weist nicht recht an wel
cher. Uebrigens in er unbestraft nnd
kann eine s^ran ernähren."
Minchen hatte einen ?lnger blick
nachgedacht. Plövlich rief sie: ..^ch
weist eine ,^ran für ihn!"
. ..Hab' ich mir gleich gedacht!"
lächelte der Maler. ..Wer in eS
-deun?^ .
“Weißt Dn. tvie ich damals !n
s^ramshansen in Pension ivar. — die
Tochter der Pennonsdorsteherin.
Fräulein L^otte>ach. die ist so klug und
so gnt nnd gelehrt nnd war immer io
gnt gegen mich, icb Hab' ne so lieb ge
habt wie eine Schweiler, lvie eine äl
tere Schwester."
“Lo. Wie alt in denn da-?.? Mäd
chen?"
..Lieben oder acbtnndzwanzig
Jahr."
“Hübsch oder hästlich?"
..^ch nnde sie ganz hübsch. Weifst.'
Du. Mann. Du schreibst sofort an!
Herrn ^ein. er »oll bierber kommen.!
nnd ich schreibe an Lotti Dielemann.!
sie soll auib hierlier kommen, dann
kommt die ^ache gan^ von selbst in
Ordnung."
Der Maler lachte. ..Du nbnnngs
loser Engel, Du! Der ,^-eisr läßt sich
keme ,yrnn >inbäl?gen- der nmrde nn-5
schön abtrt'.nipsen. D>as ntüstte man
»inder? nlnck'cn. Hm. wenn mir beide
nun nach Grimsbau'en gingen, wo
da-? Mädel wohnt, nnd liefen den
,vein dahin kommen? Das iäke schon!
, um einiges harmloser aus." '
“?lch sa. acki ja. liebstes Männchen! ^
ich würde mich schrecklich freuen, die
Lotti wieder zu sehen."
“freilich, wenn Du Dick» schrecklich
freuen wirü. sieben 'vir hin. Aber eins
sage ich?ir, Minchen. selben Mo
nient. wo Feisl merit, das; wir ihn
verbeiraren ivollen, läuft er uns da
von. Ta müstw man — Minchen —
Minckicn. gib mir 'mal seckstausend
sechshundei't >Vime. ich habe eine Idee,
eine kolossale Niefenidee!"
lind als Herr Lauche ici??er kleinen
^-rml feine Idee mitgeteilt hatte, da
meinte sie, die Idee wäre wirklich zum
Künen.
Am anderen Tage reiste da? sunge
Paar nach Grimcchaufen und nahm
Wohnung in dem einzigen dort vor- j
handenen Hotel.
Minchen fuchte sofort ihre alte
Freundin auf und erneuerte herzlich
die alte Freundschaft, und Lange
fchrieb einen Bri?-' an den Humoristen
und lud ihu dringend ein. die leht-m
acht Tage seiner Hochzeitsferien mit
ihm zu verleben.
5tatt der Antwort kam Feist selbst,
“'is iu nett, daß ihr mich auch ein
bistchen in der Sonne siken lassen
Ivollt", sagte der Humorist mit etwas
wehmütiger Betonung.
Gleich nach seiner Änkunft machte
das junge Paar mit ilun einen Spa
ziergang durch Wilmshausen und sie
kamen ganz zufällig an der Pension
Tielemann vorbei, ^räuleiu Lotti
stand im (Harten und ward von Min
chen ganz zufällig ausgefordert, em
wenig mitzugehen. Und Fräulein
Lotti holte ihren Hut und ging mit,
nachdem ihre Freundin ihr den neuen
Ankömmling vorgestellt hatte.
Fräulein Lotti voran, und die beiden
Herren folgten in einiger Entfer
nung.
“Also das ist Herr Feist, der
Humorist", sagte Fräulein Lotte zu
1 Hrer Freundin».
> “Ja, er sieht leidend aus, nicht
wahr?,, fragte Minchen.
“Das finde ich nicht!"
“Doch, cr ficht leidend ans. Ist
auch gcijiz natürlich, er leidet ja auch"
— hier fah sich die Schülerin und
Gattin des Herrn Lange vorsichtig
um, als ob sie Horcber in der Nähe
fürchtete, “cr leidet sehr, weißt Tu.
unglücklickie Liebe!"
“Ach! Wie ist denn das?"
“Ich weitz es selbst nichts mein
Mann will's mir nicht sagen, er hat's
dem Herrn Feist auf Ehrenwort ver
sichert. M schweigen."
Air selben Zeit fragte der Humo
rist seinen Freund:
“Wie kommt ihr d?nn zu der
Dame?"
“Peimvn5 - '^erannricvasl meiner
Frau. Prächtiges Hädchen. aber —"
..Aber?"
...Hm. etwas sehr leidend — un
glückliche Liebe —!"
..To?! Wie das denn?"
“Weis; ich nicht, meine Frau will's
mir nicht sagen. iie hat dem Mädchen j
geschworen. nichts zu erzählen."
Ans dem Rückwege gingen ganz zu
fälligerweise der Maler mit seiner
jungen Frau voraus, und Herr Feist
und Fräulein Lotte folaten in einiger
Entfernung.
Die beiden gingen eine Weile
uumm nebeneinander her. Sie fühl
ten Mitleid miteinander.
..Herr Feilt", begann endlich
Lotte. ..ich habe Ihnen zn danken. Sie
haben nur durch Ihre Schriften scbcm
manchen fröhlichen Augenblick ver
schafft."
“Ja, ich bin ein renommierter
Spaßmacher."
“?1ch. nicht doch. Sie sind ein
vmmorist!"
“Wirklich? Woran sehen Sie das?"
,.?ln Ihrem Ernste."
.Herr Fem blickte überrascht zu dem'
Mädchen auf.
...Hm. so. die meisten halten mich
aber dock nur für einen Clown."
“Ich habe 'mal von einem Clown
gelesen, der an Her^kr/impfeu litt.
?as Publikum im Zirkus lachte un
bändig, als er gerade wieder einen
Anrall hatte. Er verzerrte sein bunt
bemaltes (Zeucht aber auch zu ko
misch."
“Hm. hm. — sieh — sieh! Und
^ie sagen, ich hätte Ihnen ein vaar
fröbliche Augenblicke verschafft? Freut
mich, freut mich wirklich sehr. Und
“Herr ^eiü. ich halte Sie für einen
ehrlichen Menschen. Lassen Sie mich
in dem Glauben."
“Wahrhaftig, ich verstehe Sie
nicht."
“9wn, ich denke, wenn Sie in die
sem Augenblicke ehrlich gegen mich
sind, dann sind Sie unehrlich gegen
— die andere."
.Gegen welche andere?!"
^Ult,
müde zu sein, und deshalb blieben er
und seine Frau natürlich zu Hause.
Der Weg vom Hotel zu Lottes Eltern-!
bause führte durch das Gehölz und
dauerte bei gewöhnlicher Gangart'
zehn Minuten. Man konnte aber auch!
zwanzig Minuten daraus machen j
ivenn man bei ungewöhnlicher Gang- !
art, das heißt bei ungewöhnlich lang- >
samer Gangart, einen S-eiteniveg ein- j
schlug.
Es war ein recht herrlicher, duftiger ^
Sommerabend. Der Moid ütuen so
hell, daß er den schweigenden Wald
ersi recht geaeimnisvoll machte. Tie
veiden schritten ?lr:n in Arm mit ver
haltenem Atem dahin. ES war dem
Humoristen, als ob ihm jetzt plötzlich
der Name des Landes bekannt sei,
nach dem er sich im Heimweh geiehnt
hatte. Wie unbewußt preßte er den
Arm seiner Begleiterin an sicb. Lotte
guckte Zusammen und sagte wehmütig
scherzend:
“Herr Feist, Sic sind Schriftsteller,!
da sollten Tie sich nm so mebr vor
Druckfehlern in achl nehmen."
“Hm, was schadet das? Tic kor
rigieren sie ja doch gleich. Uebrigens
wissen Sie denn auch gewiß, daß es
ein Drnckfebler war? Vielleicht ha
ben wir beide nnr eine verschieden
artige Orthographie!"
“Gegen Ihre — unglückliche s
Liebe!" , 5
“Gegen meine unglückliche Liebe?!
Aber, ich bitte Sic um Gottes willen, c
was wissen Sie von meiner nnglück- o
lichen Liebe?"
“Ich weist davon, meine Freundin ^
Minchen Lange hat mir's gesagt." >
“Nichts weiter. Beruhigen Tie
sich. Tie weis; selber nicht mehr, c
Herr Lange hat ^chnen ja ans Ehren- t
wort versichert, nichts weiter zu ver- r
raten." s
“Ha I" Feisr stand einen Augenblick d
wie erstarrt. Wie der Blitz schlug ein
Gedanke in sein Gehirn. Und der
Gedanke zeigte ihm das Attentat ^
seines Freundes nnd enthüllte ihm!
dessen Plan. !
Ter Humorist atmete tief ans nnd l
sagte — nein, der immer lebendige
Tckml! in ihm lies; es sagen: l
“Nnn denn, mein gnädiges 5vrän- l
lein, wenn Tie es doch einmal wiesen, l
ja. ich habe eine unglückliche Wiedel" t
“Ah!" Wie unwillkürlich zog Lotte
ihren Arm aus dem Arm ibr^ Be- c
gleiters. Wer sie sagte kein Wort. l
“Mein Fräulein, gerade weil Tie ^
mich nicht darnach fragen, möchte ich l
Ihnen Wohl anvertrauen, warum c
meine Liebe eine uuglückliche ist." r
“Ihr Pertranen ist — ist sehr t
ehrenvoll für mich."
“Also meine Liebe ist eine.unglück
liche. weil ich diel älter bin als die
Tame meine? Herzens, uud dann, sie!
ist so bübsch. und ich — ich — ach.
Sie kennen ja leider selber meine
Heldengestalt —" ^ i
“lind deswegen hat nuln Tie ab- c
gewiesen?!"
wagt, meine Liebe zu gestehen. Nein.,
ich habe es nicht gewagt. Unzählige-!'
male habe ich mir in Wedanken eine! <
lange, glänzende Rede ausgearbeitet, j i
und dann babe ich wieder stnuDenlai^. ,
nachgegri'.belt, ob es nicht richtiger ;
iväre, ihr einfach um den Hals zu fal
len und ->ie zu küssen, Ach. meine >
Freundin, nehmen Tie mir's niaiti
übe!, wozu würdell Tie mir raten?" ^
“O, versuchen Tie es doch mit bei- i
den Methoden. Hilft die eine nicht.!!
dann hilf» vielleicht die andere. Aber > i
bitte, lassen Tie uns etwas schneller >t
gehen."
“jawohl. Also mit beiden Me->
thoden, ineinen Tie. Ich danke ^hnen. !
Halten Tie es denn nicht fnr nötig.!:
dast ich zuerst mit dem Küssen ver- c
suche?" l
“Halten Tie das, wie Tie wollen!" c
“Gut. Ich werde es zuerst mu dem !
süssen versuchen." Im selben Mo
ment umschlang der Humorin das
Mädcheu und kiistte es auf den Mund. ,
Das Mädchen stieß einen Tcbrei >
aus, aber von Tchmerz. b',roll oder
Verzweiflung lag nichts in dem -
Tchrei.
“Lotti. ?n sünes. -aeliebte-i
Zie kennen wohl noch nicht einmal
meine besten Wwe. Die sind nnr »nr
Glältbiger und andere bösen Men
schen."
“Wieso?"
“Tie Wiye sind nämlich zum Tot
lachen."
Fräulein Lotte lächle leise. “War
dieser Win auch einer davon?"
lieber das angenehme, gute aber
ernste Gesicht Lottes zog ein Heller
Glanz mmpathischer Freundlichkeit,'
wenn sie lachte.
“Tie mutz ich öfter zum Lachen
bringen", dachte der Humorist.
Grimshausen. ein reizend gele
gener Orr von ein paar tausend Ein
wohnern. war eine vom Mittelslande
gern besuchte Zonrnerirische. Es nnr
im August und alle Zimmer des dicht
tun Gehölz gelegenen Hotels, in dem
unsere Frennde wohnten, waren ver
mietet. Minchen Lange Holle ihre
Frenndin Lotte tägnch ein paarmal
ab und nahm sie mit ins Hotel nnd
ans die gemeinsamen Spaziergänge.
Sobald sie da war, wich Herr Feist
nicht mehr von ibrer Seite.
Am dritten Tage sagte der Maler
zu seiner Frau: ..Minchen, ich gehe
mit Deiner gütigen Erlaubnis unter^
die Mormonen, wenn die Angelegen
heit zwischen den beiden nicht in Ord
nung ist. Die sind ineinander ver
liebt bis über die hochgeehrten Ohren.
Tie ersten Tage unterhielten sie sich
mindenlang über die höchsten Ideale
der Menschheit lind amüsierten sich
köirlich dabei, und jetzt unterhalten sie
nch stundenlang über das allerge
wöhnlichste Garmchts nnd amüsieren
sich noch köstlicher dabei. Das ist die
richtige Höhe! Minchen, ich glanve.
morgen oder übermorgen können wir
die Falle zuklappen."
Am Abeud desselben Tages gelei
^orrc nach >
chen, wenn Tn jetzt nicht sofort sanft. ^
daß Du mein Weil' tverden willt. i
halte ick Dir auch noch die lange, i
glänzende Rede!"
Aber es war nicht nötig. <
“Und nun. Lotti". sagte Herr ^eist, i>
al-5 sie nur noch wenige schritte von >
ihrer Wohnung entfernt ivaren. ^/'n ,
will ich Tir erii 'mal den abgefeiniten ^
Schurkenstreich meines ^-reun^eo
Lange mit der unglücklichen Liebe klar
machen. Aber das sch>vöre ich liiei
bei unserer nun nicht mehr so ganz ^
unglücklichen Liebe: ick will Nachc, ^
Rache. Nache!"
Wlis die beiden nun noch nlles don ^
ihrer Liebe nnd von ihrer^ Nache be- ,
redet, das soll hier nicht weiter der- ^
raten werden- nur die ganz unge- >
wohnliche (hangart des jungen Paares ^
.soll verraten werden: sie haben für
den Weg vom Hotel bis zu Lottis!^
Wohnung zwei Stunden und zwölf >
Minuten gebraucht.
Am Morgen de? nächsten Ta^es ^
trat Herr ^-eist mit dein Anzeichen der
heftigsten Aufregung in das Wohn- ^
zimmer des jnngeu Ehevaares. das
schon lange auf ihn gewartet hatte.
Ter Hnmorist warf sich lautlos anf '
einen ain Tische stehenden Stuhl. .
stützte die stark gefurchte 'Stirn in die
Hand und stierte mit einer beson- !
deren Art von blödsinnigen (Gesichts- ^
ausdrücken V0F sich hin. Tann sprang '
er plötzlich auf und begann im Zim- ^
mer anf nnd ab zn laufen.
..Nanu. Feiit. w'as laufst Du denn! ,
wie ein wildes Tier im Käfig um- !!
her? fragte verwundert der Maler.
Herr freist stand still nnd sah seinen ^
Freund .nit rollenden Augen an.
“Wie ein wildes T^er im Käfig? ^
Wundere Dich nicht, wenn ich wie eine -
ganze Herde wilder Tiere im .''iäfin :
herumlaufe und dann mit den Bestien ^
ertra die Wände hinauf." ^
“Mensch, was hast du denn?" '
“Kopfschmerzen. niederträchtige ^'
Kopfschmerzen! Wollte Dir aber nur!
sagen, daß Tu angelogen bist. Das!/
Fräulein Lotte Ttelemann leidet nicht ^
an unglücklicher Liebe, sie leidet an
glücklicher LieVe. Wissen Sie. meines
verehrtenen Herrschaften. gestern i'
abeud int Walde, da habe ich gesehen. ^ ^
dtTsz Fränlein Lotte Tieleinann einen
Mann geküßt hat. oder der Mann hat .
sie geküßt, so genau weiß ich's nicht. !
O, mein Kopf!"
Ter Maler und seine jnnge ^-rau!^
sahen einander besorgt an. Jetzt erst!!
>!«.! >?errn ^ange c>a>? irrnppige Haar ^
und die unordentliche Kleidung seine-?
freundes auf.
..Feist, tvie siehst Du aus! Woher ^
kommst Du denn?" ^
“Ich?! Aus dem Wald. Bin gleich
dageblieben steuern adcnd. War solch i
herrlich schöner Abend gestern, ^a.
nnrklich. solch herrlich schöner Abend! l
Hahaha!"
..Haben Tic denn Lotti nicht nach c
Hause gebracht?" fragte ängstlich
Minchen. '
* “Ja, ja wohl, gewiß. — o mein ^
Kopf? Habe sie wenigstens beinahe t
nach Hause gebracht. “To. nun kehren k
Tie um. mein lieber Herr Feist",
sqgte sie, — ich kehre also um, und r
Nachher-kehre ich nochmal um.-und da^s
ah ich denn — ha. wenn ich den
Renschen jetzt hier hätte, so und so!!"
Äibei puffte Feist sich krätig ge
ien die Brust und rief immer: “O.
>. »nein Kopf!"
“Herr'Feist", sagte nun zitternd
?rau Minchen Lange, “ich werde
neine Freuudin zur Rede stellen."
Feist sprang nun so wahnsinnig
ins das gute Mincheu los. daß kein
wirklich Wahnsinniger es hätte besser
nachcn können. Tie solle sogleich,
ofort, auf der Stelle zu ihrer Freun>
>iu gehen uud sie zur Rede stellen.
(hegen Miitag kam Minchen ins
>otel zurück und berichtete erst ibrem
Kann und dann dem zurückgekehrten
Humoristen, der sich inzwischen
MM neue ^nmauen emnuoiert
»attc. das Resultat ihrer Forschung.
?llso Lotti hatte ihr^gesranden, al
erdings erst nach langem Zögern nnd
allerlei Ausflüchten. das; die Sacke
uit dem süssen im Walde ihre Rich
igkcir habe.
Nack dieser Mitteilung brach Feist
mf einen Ztnhl nieder und vergrllb
ür einige Zeit sein Besicht in den
fänden. -Das war ihm nämlich an,
'eqnemsten. Dann verlangte er in
inem sonderbar kreischenden Tone
iu wissen, wer. wo. wie nnd was der
;ebeime Bräutigam sei.
Daruber konnte aber Frau Min
ben nichts weiter sagen, denn sie tiabe
?otti nnr ganz kurze Zeit sprechen
önnen.
?nick diesein Berichte schien die
Tobsucht des Herrn Feist in eine sanft
nelanckoliscke Versimpeluug überzu
ichen.
“Feist", sagte sehr ernst der Ma
er. ..wir reisen hente abend ab."
..Wie ihr wollt, ^ck bleib' hier,
^ck mns; erü diesen Mem'cken sehen,
^ck mutz ihn kennen lernen. M
nus; wiiscn. wie ein Mensch sein
nun. inn Fräulein Lotti abends 'in
Walde küssen zu dürfen.
Bei den letzten Morien h/tte der
Ing'.ürklicke beinahe geweint, jetzt
'rüilte er wieder:
..Ha. wenn der Mensch ein Lunw
ü. ein Haluuke. ein Schuft — Hölle
'aun, das lvird sich dann finden,
ind Teufel! — nun. das findet sick
'ann gebt's nickt gnt ab!"
“Feisr. sei vernünftig!"
“Wenn's aber ein anständiger, ein
reinen oder ein Tpiel Karten hervor.
Er war ein kleiner Rentier, der ab
olut gar nichts zn tun hatte und ein
rarkes Talent besah, sich und andere
511 langweilen. Er hatte herausge
unden. dast die Zeit sich am schnell
:en beim .Kartenspiel vertreiben laste.
5r hatte auch den Maler und den Su
norisren schon mehrmals zum Zpie
eu aufgefordert, aber bisher immmer
'ergeblich.
Frau Minchen stand auf und ging
hrer Freundin entgegen.
“Der küssende Mann im Walde
>atte dieselbe Gestalt", zischelte Feist;
.nun, ich werde gleich herausbringen,
>b er es ist I" »
Minchen war jetzt mit Fräulein
?otte in die Laiwe getreten. T^er
Humorist verbeugte sich übermäßig
ier vor dem Fräulein und saate nnt
>öhnischer Freundlichkeit:
“Mein allergnädigstes Fräulein,
vürde es Ihnen vielleicht angenehm
ein^-wenn lvir den Herrn^da, mitä>em
wnnetter Mensch ist. Lange, hör'
nal, dann bin ich aiich ein anirändi
;er. ein honnetter Mensch, dann wol
en wir ans Fräulein Lottie Hochzeit
nnen Hawtulk aufführen. daß die
^eure vor Lachen umfallen.
,,^a wohl. Feist, aber loniin jebt."
“?anke Tir. Lange. Wenn wir
nin aber aar nicht znr Hochzeit ge
aden Iverden?"
“?ann gehen wir dock hin. Aber
nucht anch nett heute abend mit
ins nach Haine reisen."
..Hoho, Unnnn! W Hab' auch noch
>rst ein paar Worte mit diesem Frän
ein Lotti zn reden, ein paar recht
jumorinische Worte, ja wohl!"
..?ie Zache ist schlimm", sagte der
Raler 511 seiner Frau, als sie allein
raren.
..^ck bin schrecklich ängstlich",
mminerte Minchen, “lvie er immer
)ie Angen rollr! Acb Gotr. hätten
rir doch nichts angefangen!"
ivar nachmittags nnd unsere
vreunde. die Herren Feist, Lange nvd
Gemahlin sas;en beim Kaffee m einer
'er La ich eil in den Gartenanlagen
)or dem Hotel. Tn sahen sie Frau
en Lotte durch die Pforte in die An
agen treten. Feist, der bis jetzt in
'iner besonderen Art von dumpfen
brüten dagesessen hatte, richtete sich
'lövlich ani und sckii'n in
eguug Zu geraten. In den Garten
mlagen spazierte ein Mann, der bei
voltes Herannahen ihr eine Verven
Niilji machte nud einige HöflichkeitS
ihrasen mit ihr wechselte.
“?lh, ich glaube, das ist er"! rief
n wilder Ekstase Feist.
Ter Mann aber hieß Philipp Dett
nerich und wohnte bereits seit sechs
lochen iin Horel zn GrimShansen.
5s ivar ein Mann in den Vierzigern,
.'ötlich bloud. bartlos, von blühend
'rischer Gesichtsfarbe und hatte sich so
y:t konserviert, daß er allgemein für
inen Dreißiger galt. Für die ineisten
?)äne des Hotels zu Grimshansen
var er zu eiuer Art von gelindem
schrecken gelvorden. Saß an einem
tische ein einzelner Herr, so setzte sich
ihne Zweifel Herr Tcttmerich zn ihm
ind' fragte ihn nach einem kürzeren
'der längeren Gespräche: ..Wollen
vir eine Partie Domino spielen?
Hein? Wollen wir denn eine Partie
Sechsundsechzig spielen?" Sah aber
5>err Dettmerich an einem Tische
;wei oder mehrere Herren sitzen, so
ragte er ganz sicher nach dem einlei
-enden Gespräche: “Wollen wir
'inen Skat macheu? Nein? Wollen
vir denn eine Partie Whist spielen?"
Erhielt er eine zustimmende Antwort,
o zog Herr Tettinerich im selben
?'.ngenblicle aus seiner Nocktasche je
nachdem ein Kästchen mit Domino
ie sich eben so l'ebenSwürdig unter
sten haben, auch ein wenig hierher
-inmcn liefen?"
Fräulein Lotte schien in Verlegen
nt zu geraten und stammelte einige
^zusammenhängende Worte. "
“?lha. die Sache ist richtig," rief
eist. “Sic da. Herr Tettmerich, ist
hnen jetzt vielleicht eine Partie Slar
esällig?"
Im Nu war Herr ?ettmerich in
cr Laube und zog seine Spielkarten
us der Tasche. «Mein Herr, danke
>hr, bitte schön, ganz zu ^hrer Ver
igung."
“Setzen Sie ach nur dahin, neben
'ränlein Tieleiminn; die Tnme ivird
ichtS dagegen haben, denke ich," rief
>err Feist und seine Aufregung schien
neder zuznuehmen.
Herr Tettmerich setzte sich schüch
:rn an Fräulein Lottes Seiie.
“Wir Wielen doch nicht hoch, nicht
xihr. meine Herren?"
“O nein, um ein ganz geringes,
m Weiberliebe!"
.c!
AN
Herr Dettmerich blickte ein wenig I ten
ngftlich ^u Herrn ^eist binnber. Die
'r sah ihn mit scharf forschenden
Bicken an und sagte: , j grc
..Wissen Sie. Herr Dettnierich.
cim Spiel da kann man den Charnk<
:r eines Menschen am besten erken
en. Da kann man sehen, ob er ein
hrlicher, ein gentiler, ein gntmntiger j gei
nd friedfertiger Mensch, oder ob er!
in Mvcher. ein Zänker, ein (Gruben- M
räber. ein Lnmv ist. Ja wobl. das i an
inn man. nicht wahr. Herr Dett-j
'erich?" l roc
“I<t Wohl, gewiß, da? wird man
)ohl können." slannnelte Herr Dett-i
icrich nnd hielt ängsrlich einen Mo- 5
lent mit t>em Herumgeben 'der Ncrr- ^
?n inne.
..Sie mögen wob! nicht gern gelien.
>err Dettmerich. wie?! Dil. Lange,
lerkst dn. geben nrag er nicht gerne. ^ ^
>err Dettmerich. kenilen Sie den ver- > "
orbenen Sh<ikeweare?"
..Ja wohl —, freilich — alleh
ings —"
“Dann kennen Zie ivobl anch sei-!
?n noch in'.mer lebenden Hamlet und i
?ine Mausefalle?"
“Mmisefalle. gewiß, ja. kenne ich
uch."
..Wie der Hamlet herausbringen
nll. ob der König da-? verbrechen be
angen hat. fekien Sie. da gnctt er ihn
z an — so —!"
Dem Herrn Dettmerich ivird eS
nmer unheimlicher, aber da? Sviel
egann. Herr ^eisr wielte eine nn
lanblicke Art von Skat uud geber
ete sich immer toller.
...Herr," schrie er jetzt plötzlich den
rinen Herrn Dertmerich an. “Herr,
larnm haben Sie meine Dame ge
oininen! 5). o. warum haben Sic
leine Dame genommen??"
..Dadurch Hab' ich ja gr<rd das
-viel aewonnen." wandte sämchtern
ha
ser
lei
uu
ne
"V

NU
E
Äll
Wi
fas
Pr
^il
gei
Ni
gel
dec
'.err Tettmerich ein.
?a schlug Feist nnt der .H<ind auf
eu Tisch und kreischte:
“Herr, verhöhnen Sie mich nicht,
der es geht nimmer gut!"
.('err Tettmerich batte schon lange
Ii seiner ?lngsr nach einer Anorede
emckt. um aushöreu zu können. ^tzt
iel ihm Fritz Neuter ein und der
^ann. der innner bei Kartenspiel
ilte Füße bekam. ivenn er geivonnen
atte. Aber jetzt ivar es Angnst nnd
?hr irarm. Plötzlich erhob sich Herr
)ettmench nnd sagte schüchtern:
Meine Herren, ich — ieb bitte nin
Entschuldigung, ich kann nicht mehr
vielen —"
,.Varun7 denn nicht!"
..^ch — ich — bekomme so warme
?nf;e!"
Tabei hopste Herr ?ettiner;ch
mschichtig auf beiden Beinen davon,
'ine Karten im Stiche laüend.
Herr Lange batt^ nch ivährend d?r
onderdaren Trielpartie sebr ruhig
erhalten. Er hatte Berdacdt ge
iiöpft. Sein Freund Fein benenn
ch etwas .zu sonderbar und Oran
na Lotte war eine schlechte Zchau
lielerin. Es ivar dem Maler auch
iumal so porgekonnnen, als ob sein
?rennd dem Fräulein Lotte unter
cm Tische die Hand aedrückt liö?te.
ange winkte seiner Hrau. Bä
“Ein Wort. Minchen!" Cr iaßte sich
e unter den Arm nnd si'chrte iie aus
er Laube, anscheinend eifrig auf sie ^
insprechenl). gil
Dann trat er schnell hinter die De
aube. bog vorsichtig ein paar
iweige ^auseinander und sab. wie (sh
'in freund, der Humoriü, das sijx
-räuleiu Lotte schnell ein vaarmal an
:s)te. M'
“Minchen, sei't kenn' ich aber den ein
eimlicheu Bräutigam uon dieser ab- ej,i
efeiinten Lotte!" ,in
“Nun?!" .in
“Der Feii't isr's. der nnserable Sc!
omödiant! Eben hat er sie da drin- /a
en gerade fo geküßt ivie genern Ti
bend im Walde." Bo
..Ah, und die Angst, die wir aus- tet
estanden haben!" Til
“O. warte nur, danir sollen iie mä
üßen!" . Hr
“Hast du's deiner Mutter ge- De
igt?" fragte während dessen Feist!Po
ine Braut. ' ^a
“La, Liebner." ' voi
“Und was sagte.sie?" Eh
“sie ist glücklich über mein bu>
ilück." - Wl
“Aber sie kennt mich ja gar nicht." l'le
“Doch. Tic kennt dich durch deine! üic
Schriften und dnrch mich." Bri
“Von jekt an sollen eS die Schmie-! i>b!
ermütter gut habeu bei mir." Ml
“Aber Liebster, nnn laß es genug ba
nn des grausamen Spiels. Sag's Ba
inen und laß sie, mit nns zu meiner der
?utter kommen.'^ Be
“Ja. ich will nur erst den dum- na>
len Lange noch einen Augenblick Ne!i
uslachen. Strafe Inuß sein. Er >
zt uns beide doch eiaentlick nn'am-! tlei
>enaek>ekt...
Der Humorist fand den Maler vor
er Veranda des Hotels auf- ?md ab
ehen.
“Nun, lieber Feist." fra-5.'.'Lange,
hast etwas VeruhSgA" ^.süd
wo
UUI

Ge
her
“Ja. ich habe dem Mädchen ardent- i
I gesagt, was ich von ihr denke." c
“Recht so. ^.ch habe genug gesehen; r
bsit von diesem Mädchen wirklich !
abscheulich genarrt worden." j
Herr ^eisr seufzte tief auf. >
“Ja, alter Freund," fuhr der Ma- s
fort, “dw tust mir leid, aber ich z
^ic dich gerächt!"
“Wie das?" <
..^iequ on oenn niazt. oay oasu
!idchen den Herrn Tettmerich. die-!?
i Strohkopf, ebenso fopvt. wie sie ^
h gefoppt hat? Ten Menschen kann! 5
doch nnmöglich lieben! Aber ich!.
ie sie in ihrer eigenen Schlinge ge- j z
»gen." ^
“Wie so?" l ^
“Ich habe der alten Klatschbase'1
r im Hotel, der Frau Müller, die ,
schichte von dem Küssen im Walde
d der heimlichen Verlobung erzählt. ^ >
ins Minuten später hat es die ganze''
'sellscbast hier gemußt. ^let?t kaun ^
älilcin Lotte gar nicht umhin, sie ^
iß den alten, dummen Kerl heira- >
..Mensch — bin du —!?" .
..Siehst du — da — meine Aran ^
itnliert ihr schon!"
^n der Tat sah ^eiü in der nach- >,
>l Laube die beiden Rainen einait
: umarmen und küssen. Er stürzte ^
ihnen und der Maler folgte ihm '
nessenen Schrittes. ''
..Lotte." rief Herr Kcist, ..der '
ensch. der Lange, hat ein Unglück '
gerichtet!"
..Tarüber kann man erst urteilen. ^
nn ihr zehn Satire verheiratet^
d." sagte der Maler.
..Was?!" ^
.Ack. Liebster." sagte Lotte. “Min-^
n hat mir'? eben gesagt, sie wissen ^
längst, daß du —" j'
..Das Mäoel im Walde geküßt!
st." ergänzte Lauge; “ja. Fräulein^
tte. ich hab's ilun eben schon gesagt', ^ ^
e können gar nimt umhin, Sie müs-!"
t den alten, dummen Kerl heira-i'
i. Fein, wer von uns beiden hat!
n gesiegt und iver ist geschlagen?" ^
Ter Humorist ergriff die Hand sei- l
r (beliebten und küßte sie zärtlich.!'
^ch bin geschlagen," ries er; “ach. jt
'chle ich w geschlagen bleiben bis an! i
'in seliges Ende!" >l
in mcrklviirdigcr Brsuch^
^n dem altiranzösischen Nomeinli
xasiin und Nicolette. der um ):e !
mde des 1A. Jahrhunderts der- i
)t und teils in Versen, teils in I
osa geschrieben ist, wird uns er- .<
ilt. das; Aucasnn nach einer lan- l
l Meerfuhrt mir seinem Liebchen «
colette in ein unbeklinntes Land i
angte. , Tie Bewohner des Lan- 1
! sühnen gerade einen Krieg gegen <
i benachbartes Volk, und als er (
ch deni König fragte, antwortete. !
in ihm: “Er liegt im Kindbett. 1
.'r seine ^-rau ist mit den Kriegern i
f der Heerfahrt!" Aneassin wun- >
^te sich gar sehr, und als er in l
Kummer tmn. wo der Könia laa. -
f er ihm zu: “Was machst du da. ^
Narr?" Tann ergriff er einen !
ock. priigelle den König vom La-^
: ans und ritt mit ihm ins ,>-eld>t
l' Königin, >vo gerade mit geröste-!«
> .^ol,gipfeln, Eiern nnd frischen
sen eine Schlacht geliefert wuri'e,! >
bei allerdings jegliches Morden!.
lindsähtich verboten war. Wenn l
e eine solche märchenhafte (de
ichte lesen, so halten wir sicherlich
spaßhafte Schilderung der!
b-lacht für einen ebensolchen er
nteten Einfall, wie die Erzählung i
l dem Wochenvett des Königs, nud > ^
-h lehrt nns ein Blick in die Ge-^
ichte und die Völkerknnde. daß das!'
^nnerkindvett ein nralter, iveit- > '
:breiteter Branch ist. Schon der ! ^
e ariechische Geschichtsschreiber!
radot. der Pater der Geschichte,!'
lählt von den Völkern Nordafrikas, >'
s; sie dieser Sitte huldigten, was
n da? Kopffchntteln mancher Ge->
rten eingebracht hat. die der Mei- ^
ng waren, da»; er sich habe einen ^
ren anfbinden lassen, nnd dock, hat!'
> später herausgestellt, das; er nur '
e Tatsache berichtet hatte.
5ie Tan'ack^ des MännerkindbettS ^
t heute allgemein als verbürgt. ^
r Dichter ?lppolonius aus Nho- ^
?, der im dritten Jahrhundert vor ^
risluS lebte, erwähnt in seinen ^
dichten, daß bei den Tibarenern ^
der Züdküste des schwarzen '
?ere? der Ehemann, dessen Frau .
Kind geboren hat. stöhnend mit ^
gewickeltem Hopf im Bette liegt ^
d sich von der Fran mit «peis? ^
d Trank bedienen läßt. Diese ^
Milderung wird ein paar hindert '
hre später von dem röniischen !
äuer Valerius Fsaccus bestätigt. ^
n den ^crern in Spanien berich
Strabo und von den Kornkanern ^
odorus Siculus, daß sich die 6'he- ^
nner nach der Niederkunst ihrer '
au ivie kranke ins Bett legen. '
r mittelalterische Reisende Marco '
lo ans Venedig, der kurz vor dem
hre 1300 Asien bereiste, erzählt ^
! dem ..Volke der (Aoldzähne" in ^
ina. daß sich der Mann einer ent- '
^denen Fran mit dem Kinde ins
ichenbett legt, wo er 40 Tage ^
ibt nnd die Glückwünsche der Be- ^
her in Emprang nimmt. Dieser ^
inch in iu jeuer legend noch heute .
>.u, nils oer >
ztnkkeninsel Burn bader die Fr-'u '
? neugeborene Kind in, nächsten ^
ch und bedient dann den Mann. ^
ivie cill kranker im Bett liegt. ^
i den AinoZ geht di? /yran sofort 5
ch der Niederkunft lvieder ihrer '
Mnlichen Beschäftigung nach. ^
brend der Mann sich festlich gc-j?
det an den hänslichen Herd seht. ^
er raucht, Reisbranntwein trinkt ^
) sich von den Freunden beglück- 5
nschen läßt. ?!n Amerika ivar der
allgemein verbreitet. Bei vielen
ameriaknischen Völkern muh sich ix
?er Ehemann während dieser Zeit
rllerlei Entbehrungen auferlegen, er
nutz eine strenge 4Vtägige Fastenzeit
mrchmachen; bei einigen Ttännnen
n Paraguay fastet die ganze Ver
wandtschaft mit. In Sardinien legt
ich der Mann nur auf einen Augen
ilicr znr Wöchnerin ins Bett, sich«n>
ich ein symbvlischei.- Ileberrest des
früheren Brauche?; bei Heu Esten
vird der Mann nach der Tanfe fei
les Kindes von der Hebamme imt
'iner Nute geschlagen-, bei manchen
Völkern darf der Mann einige Wo
ben nach der Geburt seines >Uinde<?
schweren ?l-rtleiten verrichten,
md bei andern lvird ihm die War
...>A »t-'v ve? <^ang"
ings übertragen. während die Wöch«
icrin der Arbeit nackgebt.
Die Gelehrten haben sich viel
!>iühe gegeben, »di: Ursache und den
5inn dieses seltenen Brauches zn
ergründen. Der Forscher Bastian
M die Auffassung vertreten, dasz
hm die Absicht zugrunde liege, die
öi'en Geister, die der Wöchnerin
chaden könnten, zu tauschen und aus
ine falsche Fährte zu lenken. So
.iflegt auch bei südamerikanischen
^ölkersränunen ein Krieger, der
nnen Heind erschlagen hat. um die
liachegeisrer irrezuführen, sich eine
Zeitlang ins Bett legen, und später,
mchdem er neue Kleider angezogen
,md einen neuen Namen angenom
i.en hat. wieder aufzustehen. An
fänge an solche Täuschungsversuche
iuden wir auch dann, datz man in
Thüringen ein ^c'annshemd vor das
Fenster der Wocheustube hängt, und
'rsren Ausgange die Husen des Man.
^.es anzieht.
Neuerdings deutet man die Sitte
des Männerkindbetts ^nde^rs. Man
lninmr an, daß nach der Meinung
?es Volkes eine geivine geheimnis
volle Verbindung <, beüeht zwischen
!>ater und Kind. und das; alles, was
>er Pater tut. den'. >tinde Schaden
?der Nutzen bringt, hieraus erklärt
:s sich, daß einige Völker dem Vater
'ines neugeborenen Kindes ganz ge
tan vorschreiben, wie er sich zu Ver
halten hat. Er darf keiue schweren
betränke zu sich nehmen, keine
'chwere Arbeit verrichten. kein
vleisch von eniem wilden Tiere essen,
ncht durch einen kalten Fluß sckwim.
nen, weil dies dem Kinde nachteilig
ein würde. Er handelt also von
nesem Gesichtspunkt aus sehr richtig,
venn er sich ins Bett legt und ent
haltsam lebt, weil er dadurch sein
»und schont. Sogar bei der
Schwangerschaft seines Weibes muh
'r bestimmte Vorsichtsmaßregeln
innehalten, und wenn trotzdem das
Kind Schaden leidet, so wird er mit
Lorwürfen überhäuft, als ob er die
-chnld daran trage. Die Sorge für
las körperliche und geistige Wohlbe
sinden des Säuglings hat also wohl
Sie Ursache darin, daft das Kind als
nn Teilstück des Vaters angespro
chen wird, von dem es Leid nud
Zeele erhalten habe. Wahrschein
lich in diese Auffassung esst nach
?em Auskommen des Vaterreckits
entstanden, das bekanntlich in seiner
iiißersien Formulierung so weit ge
wngen ist. die Verwandtschaft eine?
Kindes mit der Mutter überhaupt zu
eugnen und den Vater als den ein
zigen Urheber des neueu Menschen
nnznsiellen.
Vermischtes.
— R l .i m i s che A nsgra -
) ungen in Luksor. Ter
französische Archäologe Legrain ist
weiter von Ausgralumgsarbeiten in
)em durch seiuen Ainiuontempcl be
iihmten Luksor. Arbeiten, die zeit
weilig wegen Geldmangels unter
nochen werden mußten, die aber zu
lelegener Zeit lvieder aufgenommen
Verden sollen. Mit Bezug c.uf die
zwischen dem Ammontemvel und dem
).'il ausgen'ihrten Arbeiten hat der
belehrte kürzlich dein ägyptischen
Institut in Kairo Mitteilungen zu
ommcn lanen, die fur die ^enntin-5
?lesinptens unter der
chaft besonders bedentungovoll sind.
Z'as gilt vor allem snr die beiden
Anschriften, die sich ain Piedeüat des
Dorums von Lntior befinden. Und
)eren völlige llcbereinüimmung Le
^rain fest^nftellen vermochte. Ter
,-cu ihm gegebene Tert besagt:
,?lurelius (^iuus. ein ?.1!ayu von
adellosem Wert und Gouverneur der
Provinz Theben. hat dieses Tenkinal
)em bochedlen Cäsar, dem hohen
Souverän. gewidmet, der, nnt der
höchsten Macbt bekleidet, dreimal
»lonsnl war. und bor denen A>cht
:nd Majestät er sich stets in unbe
'chränkter Ehrfurcht Zeigte." Auf
>!-rund seiner Untersuchungen versi
5äsax ^nlianus der Abtrünnige oder
'icbtiger, Flavins Claudius Iulia
niS war. der im, Jahre 361 den
>laisertitet annahm. Ueber Aure
ins Ginns selbst, den (^onvernenr
on Theben, fehlt jedoch jede genan
!re .Kenntnis. Das ^orum von
^uksor, wo diese Inschrift gefunden
vnrde, bietet iin übrigen ein klägli
ches Beispiel der römischen Städte
nldnng in Aegypten. Man findet
>ort dieselbe Anordnung wie im
Kutterlande, dieselben großen Stra
hn. die sich rechtwinklig schneiden,
ind an'deren Ecken sich Triumphbo
ien erheben, die der Verherrlichung
es Alexander Severus und des Iu
ianns Avoslata gewidmet sind. Tie
neisten der Dokumente, die bisher
n Aegtipten aufgefunden wurden,
oaren in ägyptischer oder griechi
cher Sprache abgefaßt; Dokumente
n lateinischer Sprache und. in latei
lischem Stil sind große Seltenhei
en, ein Grund mehr für die Wert
chäyung der von Legrain mitgeteil
en Inschrift.
Denn die Schmerzen wiederkommen, a«»
raucht Pike'S Lahnlchmersen-Trovka. .“ .

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