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Vorbote. [volume] (Chicago, Ill.) 1874-1924, October 31, 1917, Image 8

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Gaukler und Culchen!
Von D. Col>
Sowohl in Rom als in Griechen
land kann man die Spuren des
Taschenspieler- und Gauklerwesens
bis in sehr frühe Zeiten zurückver
solgen; schon vierhundert Jahre v.
Chr. läßt Xenophon einen Taschen
spieler zu den Göttern beten, “sie mö
gen ihn nur immer dort sein lassen,
wo es viel Geld und einfältige Leute j
gibt". Das Ziel der Taschenspie
/ ler im Altertum war ganz dasselbe
wie heute: Ueverraschung und harm
lose Täuschung der Menge um
Geld. Alle ihre Künste nannten
sie “Miracula" (Wunder); kein Vor
gehen war ihnen zu groß, keine Zu
Aeghplnchcs Gastmahl mit Mu'imnnnn
Jem im Bri>
mutung an die Leichtgläubigkeit des
Volkes zu kühn.
Gelegenheit zu ^chauilettiiiigen
fanden die Taschenspieler des Al
tertums in reichem Maße; bald schlu
gen sie eigene Schaubuden auf, bald
besuchten sie die Märkte und öffent
lichen Plätze, auf denen sie Stadt
und Landvolk ergötzten, bald wie
derum ließen sie sich durch die öffent
lichen Spiele anlocken, oder endlich,
sie forschten nach öffentlichen Gela
gen, bei denen sie dann die Pausen
Mischen den einzelnen Gängen -mit
ihren Produktionen ausfüllten. In
Rom aber waren es besonders die
säkularischcn Spiele, welche eine gro
cmcil ^lMrniier vor, zummmen
gesetzt aus einer bunten Mischung
Amiklcrin (Tck'ivcrtlt'mM'm.) l^ricchi- i
scheö Aascildild. ^t^l. ^l'iis.nni iu I
Berlin.
ße Menge solcher Wundcrinänner
anzogen, für die an diesen Festen,
zu denen ganz Italien imch der Sie
benhügelstndt hinströmte, immer
reichliche Ernte in Aussicht stand.
Einer der berühmtesten Taschen
spieler jener Zeit war Alexander oon
Abonoteichos, uon dessen Wirten uns
Lucian in seiner Schrift: “Alexan
der, der Lügenprophet", ein lresstt
ches Bild gibt. Zunächst verdiene er
nichts weiter, als auf einem Am
phitheater vor den Augen aller Welt
von Affen und Füchsen zerrissen zu
werden, fährt dann aber folgender
maßen fort: “Seine Statur war
groß und schön und hatte in der
Tat was Majestätisches; seine Haut
farbe war weiß, seiu Bart war sorg
fältig gepflegt, und seinen eigenen
Haaren waren fremde so künstlich
angepaßt, daß niemand sie sür solche
halten ko"-te. Der lebhaste Blick
seiner Aug... verriet Begeisterung, der
wohlklingend — kurz, seine Erschei
nung, sowie sein Austreten war ta
dellos. Aber sein Gemüt, seine
Denkuugsart — o. ihr schützenden
Mächte des Himmels! Er besaß
Symposionsszene mit Schlvcritä^cnn.
einen außerordentlichen Scharfsinn,
verwendete ihn aber zu den schlech
testen Zwecken, und war dabei so
“bescheiden", sich mit keinem gerin
geren als mit Pythagoras zu ver
gleichen. Um sich ein Bild von die
sem Manne zu machen, stelle man
spieler im Altertum. !k
9
onius. I ^
!
von Lüge, Trug und Meineid, ge-!^
wandt, unternehmend und verwegen, )
wenn es gilt, Entwürfe zu verwirk-j (
lichen, geschickt, wenn es ^ich dar
um handelt, Zutrauen und Glauben ^
zu wecken: kurz, einen Charakter im ^
Besitz der Kunst, sich besser zu ma- ^
chen, als er ist. Alexander hatte sei- ^
ne Jugend bei einem der vielen Be-^
trüger zugebracht, die sich als Aerzte, jo
Zauberer und Totenbeschwörer großej
Vermögen erwarben, und war von i ^
diesen: als Gehilfe bei seiner Gau-^
nerei benutzt worden. Bald jedoch! -
hatte der Schüler den Meister über-^
holt, und im Bewußtsein seiner!^
Vollkommenheit verband er sich mit i^
cischcn Museum.
einem Komödienschreiber tins By- ^
zanz zu gemeinsamem Wirken. Sie ,
zogen nun beide umher, der Welt
ihre Gaukeleien vorführend. Als sie
einmal mif einer Wanderung durch
Mazedonien eine Art großer, sehr
leicht zähmbarer Schlangen kennen
lernten, tauchte in ihnen der geniale
Gedanke ans, das Kleingeschäft der
Taschenspielerei aufzugeben und eine
Engros-Unternehmuug aufzumachen:
sie beschlossen nämlich, zusammen eine
Orakelfabrik zu gründen.
Als Ort hierzn wnrde Abonoiei
chos — die Heimat Alexanders —
erwählt. Alexander meinte näm
lich, man müsse trachten, anfangs
nur mit beschränkten Menschen zu
tun zu haben, die alles für bare
Münze nähmen, nnd derart wären
seine Landsleute, “ein dnmmes, aber
gläubisches Volk, das jedem Gauk
ler, der mit einem Trompeter her
ankommt, init offenem Munde ent
gegenläuft."
Der Plan war entworfen, nnd
rasch schritten die beiden zu seiner
Verwirklichung. Zunächst wurden
in lvbli^?don im ?fmNi>s d??' Atms- ,
lo eherne Tafeln niedergelegt, welche
folgende Aufschrift trugen: “Näch
stens wird Aesculap mit seinem Va- 5
ter Apollo vom Olymp herabsteigen i
?md in Abonoteichos sür kurze Zeit
seinen Wohnsitz nehmen." Hierauf
reiste Alexander nach Abonoteichos, ^
wo sich die Nachricht von der bevor
stehenden Ankunft Aesculavs und x
Apollos mit Windeseile verbreitet '
halte und wo er sich vorläufig im !
Stillen mit der Pflege und Zäh- ^
niung genannter inazedonifcherSchlan
gen beschäftigte. Am geeigneten Ta
ge begibt er sich früh morgens ?,u den i
Fundamenten des nen zu erbauen- !
den Tempels, in dessen Nähe sichjl
durch den Regen eine schlammige !
Pfütze gebildet hatte, und legt hier 5
ein ausgehöhltes Gänseei, in welchem s
sich eine kleine neugeborene Schlange l
befand, in das seichte Wasser. Kein l
Einwohner hatte etwas von der Ma-- i
nipulation bemerkt. Z
Am anderen Tage stürzt Alexan- ^
der mit fliegenden Haaren auf den
Marktplatz und verkündet der!^
Stadt, daß die angemeldeten Göt- > ^
ter in den nächsten Augenblicken an- '
kommen würden; stürmt dann, die -
Menge hinter sich, zu dem Tempel. ^
schöpft mit Hilfe einer Sckiale das !
von ihm verborgene Ei heraus und ^
ruft dann laut: “Hier habe ich den '
Aesculap!" Alles ist starr vor Er- ^
staunen, uud als er das Ei öffnet '
und die kleine Schlange sich in sei
ner Hand ringelt, da zweifelt nie- ;
mand mehr an der Wahrheit seiner j
Nach Hotienroths Trachienbiich.
Worte. Das ganze Volk bricht in>j
Jubel aus und geleitet Alexander-,
nach seiner Behausung. ^
Dieser hielt sich nun noch einige ?
Zeit slill verborgen, damit noch mehr !
Volk aus der Umgegend zusammen- i
komme. Eines Tages setzte er sich ,
dann, passend gekleidet, in einer Art !
Bude auf einem Polster nieder und l
lahm eine große Schlange — die'jd
leine sollte inzwischen zu dieser.?än- l
e herangewachsen sein — auf den
?choß; den Schwanzteil der Schlan- ^
ie ließ er auf die Erde herabhän- ^
ien, ihren Kopf aber verbarg er ^
geschickt auf seiner Schulter. An ^
stelle jenes ließ er dann aus den i
galten seines Mantels einen künstli-j
hen Drachenkopf hervorblicken, so >,
»aß es den Anschein hatte, als ge- j ^
>öre der Kopf der Schlange. Der ^
dachen des fein bemalten Drachen
opfes wurde durch Pferdehaare auf- ^
ind zugemacht und ließ eine fchwar- ^
e, gespaltene Schlangenzunge se- .i
?en, die ebenfalls durch Haare in Be- ^
vegung gesetzt wurde; mit dem Ra- ^
hen dieses Wundertieres aber stand
in Nohr in Verbindung, vermittelst I ^
'essen eine verborgene Person durch ^
)en Drachenkopf sprechen konnte, j
i)iese Rolle mußte sein Kompagnon ?
-esorgen. 5
Die Orakelspruche erteilte Aesku- j c
ap auf versiegelte Anfragen, und l
nan kann sich denken, wie groß das l
Erstaunen der Menge war, wenn l
)er Fragende seine Frage versiegelt s
vie vorher zurückerhielt und Aescu- :
ap ihm trotzdem die gewünschte Ant- 'c
vort erteilte. l
Dieses Wunder, das auch in der !
nodernen Taschenspielerkunst nicht :
inbekannt ist, erklärt Lucian in fol- ^
gender Weise: “Das Lesen der ver
siegelten Fragen geschah mittelst des ^
ogenannten Collyriums, einer aus
Pech, Wachs und Mastix zusammen- '
zesehten Masse. Das Collyrium >"
vurde am Feuer erweicht und, nach- ^
?em das Wachssiegel mit etwas Fett '
bestrichen, an demselben abgedruckt.
Während nun das Collyrium h^irt s
ind trocken wird, wozu es nur we- s
'.iger Augenblicke bedarf, öffnet uud l
iest man den Brief nnd siegelt ihn 11
nit dem feilschen Stempel, welcher! l
Cii^clliiiizcrin.
^ricchischeö Nelicf im K>il. Muscunl
Zll Berlin.
?ann nutürlicheriveise dem c'.sten
Vecherspiel gebraucht Gourde, hatte i
man bestimmte Namen; der aus- !
libende Künstler selbst hieß bei den (
Kömern “Calculator" (von “calculi", i
Iteinchen), später “Canculator", und c
loUlg gleich jieyt. ^
Dreißig Jahre lang trieb Alezan- s
^er sein Gaukelspiel, ja selbst ms 5
r im Besitze ungeheurer Reichtümer ,,
inter Antonius Pills starb. bestand s
eine Oralelsabrik noch lange fort,
ind seine Jünger und (Genossen c
lritten sich um die Nachfolge in der s
^rophetenwürde. 1
Unter die beliebtesten Stückchen ^
?er Taschenspieler im Altertum ge- ^
zörte das Feuerspeien und das ^
".-.gefährdete Angreifen brennender
ind glühender Körper; man wählte
)ieses Stückchen ans dein Grunde
o gern, weil ja doch des Zauberers
M)ste Macht darin bestehen muß,
)ie zerstörenden Kräfte in der Na
ur sich selbst gegenüber unwirksam ^
>n machen. Die Alten besaßen meh
rere Mittel, mit deren Hilfe einem
)as Feuerspeien ermöglicht wnrdc.
5o erzählt Florus, dec bekannte
^enerspeier Ennus habe eine mit
Zchwefel gefüllte Nuß im Miinde
ehalten; Diodor hingegen läßt es
mie glimmende Masse fein, etwa ei- (
re Flachskugel, wie sie die Tafchen
pieler unserer Zeit zn gebrauchen
pflegen. Auch Spnren einer Siehe- z
lung findet sich schon vor: so mein- e
!e ein cilter Schriftsteller, die Hirpi, i
uelche bei den Festen zu Ehren der
Heronia mit bloßen Füßen über g!ü- r
l'-ende Kohlen liefen, hätten ihreFü- ^
durch Anstreichen niit gewiffen <
Pflanzensäften präpariert. Es müs- ^
len also dergleichen Mittel schon da- ^
^nals bekannt gewesen sein. ,
Einen großen Teil der Taschen- c
spielkünste machen so wie heute auch i
bei den Alten die verschiedenen Fer- c
ligleiten aus, die zur Ueberraschung i
iind Verwunderung der Zuschauer '»
gezeigt wurden; dahin gehören die 5
-inzähligen Spiele mit Bällen und !
Bingen, die mannigfachen Valanzier- s
Übungen, das Becherspiel, welches bei i
den Alten fast ganz in derselben ^
Keise durchgeführt wurde w'.e heut- ^
zutage, und welches schon von Al- k
'iphon, also 200 Jahre v. Chr., de- e
schrieben worden ist. Für die Scha- (
!en sowi- für m-iS s»'5
>avon dürfte eben das WortGauk-!
er herstammen. ,
In unseren Schaubuden führen!
lthleten Bravourstückchen auf und ^
assen sich bewundern. Solche Ath-^
eten gab es unter den Gauklern bei -
len Allen eoensaus, oarumer ^eyr
>erühmte. Einem derselben wurde
ogar die Ehre zuteil, unter die
Götter versetzt zu werden: er hieß
^heagenes. Schon im neunten Jahre
rug er. als er eines Tages aus
>er Schule nach Hause ging, ein
Hernes Götterbild, das ihm beson
»ers gefiel, vom Marktplatz nach der
Vohnung seiner Eltern und brachte
s, als ein großer Lärm darüber
ntstand, wieder an seine Stelle.
!lus der späteren römischen Zeit be
ichtet Plinius der Aeltere, daß eiu
icwisser Salvius zweihundert Pfund
Gewicht an jeder Hand und jedem
suß uud vierhundert Pfund auf den
schultern eine Treppe hinaufgetra
;en habe. Plinius selbst sah den
herkulischen Athenatos in einem
bleiernen Brustharnisch, der fünf
hundert Pfund wog, und mit ebenso
'chweren Stelzschuhen über die Büh
le schreiten. Zu Martiais Zeit trug
)er Niese Linus auf ^edem Arm fie
len bis acht Knaben, und der Dich
ter benutzt dies, um einen unwider
tehlichen Geäen seiner Zeit, der an
edem ??inacr ^ebn Mädckien bänaen
jabe, damit zu vergleichen. Der Usur
pator Firmus ließ sich eineu Am
?oß auf die Brust setzen und mit
großen Hämmern uuter äußersten
!iraftanstrengungen darauf schlagen,
'in Kunststück, das ihm seitdem viele
lachgemacht haben.
Mit deu Athleten nahe verwandt
ind die Schwmgkünstler und Lust
priuger, die ihre Künste an einem
)vhen und starken Schaukelgerüste
nachten, das wahrscheinlich nickt fest
'tand, sondern dem Sprnnge durch
iuen emporschnellenden Stoß zu
^ilse kam. Auch brennende oder
Mühende Neiseii wurden zum Durch
pringen benutzt.
Au die Luftspringer schließt sich
)er Wanderer auf der lustigen Bahn
)cs Seiles, von welch letzterem ein
ütes Rätsel sagt: “Wenig breit ist
ne ?vüs;e." Die Aorstellnngen der
Exilian.',er fanden meist im Theater
tatt. Äie mail heutzutage das Seil
nelfach von den Türmen zu den
ifsentlichen Pläheil herabgezogen
ieht, so haben cs die Alten an den
Ochsten Swibbögen des Theaters be
estigt und nach unten herabgeführt.
!luch (5'lef^ten richtete man zum
Äehen auf dem Seile ab. Zuerst
ies; der nachmalige Kaiser Galba
inen Elefanten auf dem Turmseilc
n die Höhe steigen. Weit schwieri
ger war aber für den Riesen der
Tierwelt oaS Herabgeheu: dennoch
rzwang auch dies der unsinnige Ne
ri, uud statt des sonst gewöhnlichen
l^egertnaben muszte ein römischer
bitter aus vornehmem Geschlecht
!uf den Elefanten reiten.
Elastische Kraft, geschmeidige Fiig
amteit der Muskelu und Taschen
pielerbehendigkcit ersorderten ferner
ne Künste der “Aeutilatores" und
Pilarii". ivelche, wie Oliiutilian
agt, “alles, was sie von sich warsen.
oieder in ihre Hände zurückkehren
>der. wo sie nwllen, niederfallen las
en. '.'uiMil oer meiauenen ^ic:lie
lehmen einige Jongleure Ringe,
-childe und lindere Dinge, selbst Dc
M nnd Schwerter. Ter Tänzerin
lenophons wurde ein rings mit ge
Muscliiii in Berlin.
iickten Degcn gespickte?, rundes Ge
tell hingesetzt, in welches hinein sie
in Rad schlng nnd sich wieder rück
värts herausschwang.
A. Horb-.ger zeichnet ein hübsches
Vild einer Gauklervorstellung, die
lach beendigte:^ Gastmahl in dem
karten des Hanses stattfindet, wo
)in der Wirt die Gäste führt. Zu
rst treten Gauller auf, die sich mehr
nals überschlagen und gleich Vö
leln in die Lüste schnellen, oder
nit einer Menge Bällen oder Ku
leln spielen, die sie ebenso geschickt
verseu und fast mit allen Teilen des
Körpers wieder auffangen. Ein her
niisch gebauter ^ann gibt Beweise
einer Körperstärke, indem er meh
ere s^nciben gleichzeitig auf Kops,
^lrmen und Händen balanziert. Ein
^nabe klettert auf einer, vom Her
ules gehaltenen Leiter blitzschnell
mpor und führt cmf der obersten
sprosse pantomimische Stellungen
ms. Hierauf folgen die Produktiv
en der Seiltänzer. Zuerst eniwik
elt eine hübsche Dirne auf straffem
-eile nicht geringe Kunstfertigkeit
ind schreitet mit gleicher Sicherheit
ib und auf. Dann tanzt ein junger j
Mann ciuf einein so dünnen Seile,
daß man es fast gar nicht erblickt
und er frei in der Luft zu schweben
scheint. Zuletzt tritt noch ein jun
ges Mädchen auf, welches für eine
^Spanierin ausgegeben wird uud mit
! Holzklappern in d-n Händen einen i
i hübschen Tanz auf ebener Erde aus- ^
^ führt. Daß die Holzüappern die ^
^noch heute in Spanien üblichen Ka- ^
! ftagnetten s'nd, bedarf wohl keiner a
i besonderen Erwähnung. s
! Wohnen wir noch der Vorstellung 5
l einer meist aus jungen und hübschen i
Mädchen bestehenden syrisch-ägypti- 5
schen Gauklerbande Einige
Sklaven tragen ein etwa sechs Fus^ .
im Geviert haltendes Bretterpodium ^
> herbei, nnd es erscheinen zwei etwa '
zwölfjährige syrische Mädchen, die c
phrygisch rote Mütze cms dem Haupte
und nur mit ganz kurzen, engan
schließenden Beinkleidern (Trikots)
angetan. Sie stecken schnell eine
Menge Dolche mit aufwärts gekehr
ten Spitzen und kaum handbreit
voneinander entfernt iu jenes Po
dium und beginnen nun mit ge
senktem Kopfe und nach der Decie
gestreckten oder über den Kopf zurüä
^ebeugien Leinen auf den Händen Z
gehend zwischen den Dolchen einen!
ebenso gefährlichen als 'unstrcichen.
immer wilder werdenden Tanz. Ih
re Stirnen berühren fast die Spitzen
der Dolche, die auch bei dem gering
sten Fehlgriff die Hände schonungs
los dnrchbohren müssen. Nack) been
detem Tanz raffen sie die Dolche zu
sammen und entfernen sich. Fast
völlig erwachsene, hochgeschürzte
Mädchen treten an ihre Stelle. Diese
verraten durch ihre bräunliche Haut
farbe ihren ägyptischen Ursprung
deutlich genug und schmiegen mit
wunderbarer Gewandtheit bald das
eine, bald das andere Bein, bald den
ganzen, zart gebauten Körver vor
wärts nnd rückwärts durch kleine
Reisend Jetzt tritt ein junges, Mir
mit kurzen Beinkleidern angetanes
Mädchen auf, das, blos? auf die
Hände und Arme gestützt und die
Zehen statt der Finger gebrauchend, ^
erst mit über deu Kopf zurückgeschla- j
genen Beinen einen Bogen abschiebt ^
und nie ihr Ziel verfehlt, dann aber
in derselben Stellung einen mit dem <
lmleu Fust gehaltenen Becher mit- s
telst oder von 'den Zehen des rechten ^
Fiches gehaltenen Schöpfkelle süllt 5
und ibu zum Munde sührt. W'^.der k
ein andere^ Mädchen tan'>t auf einer r
sich rasch fortrollenden Töpferscheibe, ^
ohne das Gleichgewicht zu verlieren. ^
Weniger schwierig, aber doch von ^
ebenso großer Gewandtheit nnd Ela- s.
^ :— ^
bei Mädchen selieuen Muskelkraft y
zeugend, sind die Produktionen an- ^
derer, die, übereinander binwegge- ^
beugt, gleich einem dahinrollcnvcn
Nade einen fortgesetzten it,reis be
schreibende Purzelbäume schlagen, ^
oder mit einer auf ihrem gekrümm- «
ten Rücken reitenden Gefährtin gegen ^
einander anrücken, dann diese bei den _
Füßeil fassen und über ihren Kops'
hinwegschleudern, s» daß sich die
selben iu der Lust überschlagen und ^
nun nnt dein Liopfe auf die rasch ^
in die Höhe gestreckten Füße der an
deren zu stehen kommen, auf denen
sie in dieser schwierigen Stellung
lange Zeit balanciert werden.
.Schließlich müssen wir n.'ch der ^
Marionettenspieler gcoenken, die ^
gleichsalls zu dein Gaunertum der ^
alten Welt gehörten. i^'as ivir jetzi I
“Marionetten" nennen, uennt z. B. ^
Herodot Bilder oder Puppen, welche
durch Fäden bewegt werden. Im
,5! -t' < ---
^ragl 0
krates einen Eharlatan. wie er bei
seiner traurigen Beschäftigung so
lustig sein könne. Ter Mann ant
wortete: “Ich lebe sehr angenehm
von der Torheit der Menschen, die
mir viel Geld bringt, indem ich etli
che Stückchen Holz in Bewegung
sehe." Auch Aristoteles redet von
dergleichen menschlichen Figuren, die
mit Fäden gezogen werden und da
durch Kops, Hände und Fi'che bewe
gen. Ein Athener sagt bei Plato,
daß die Leidenschaften in unserem
Körper eben das hervorbringen, was
die Fäden an den hölzernen Figuren
bewirken.
Alles schon dagewesen! sagt der
weise Ben Abila. Die Boscos, die
Alondins, die Schäffers waren be
reits bei den Griechen und Römern
vorhanden, und ein antiker Holtei
hätte einen lnstigen Roman “Die
Vagabunden" schreiben können. Es
gab Kautschukmänner nnd Seiltän
zerinnen in Trikots, abgerichtete Hun
de und dressierte Elefanten. Auch
Kunstreiter fehlten nicht, die Produk
tionen zu Pferde ausführten, von
einem auf das audere voltigierten,
neben dem Pferde eine Strecke her
liefen und sich auf dasselbe schwan
gen, ohne es anzuhalten, — ganz
so, wie es noch, heutzutage geschieht.
Voesie und Nro s a. Er:
Endlich, liebe Hedwig, ist das Werk
vollendet, heute habe ich die letzte
Zeile von dein Trama, an dein ich
seit snns Monaten arbeite, geschrie
ben; ich werde dir sogleich das Ma
nuskript vorlesen.
Sie: Gleich, lieber Waldemar, will
ich zuhören; ich möchte mir nur
schnell ein Paar zerrissene Strümpfe
holen, die ich dabei stopfen werde!
Der mile Varl
Jeder, der die herrliche Wartburg, n
n früheren Jahren besucht und in' ^
l a
>en ehrwürdigen Räumen weihevolle ^ Z
stunden verlebt hat, wird gern auch > I
in die trauliche alte Wartburgwirt-! .6
chaft zurückdenken. Entstanden in ^ ^
'en Jahren 1860 und 1861, war sie ^ ^
n Ihrem ehemaligen Zustand eine ^ fi
glückliche Schöpfung. Trotz der ver- ^ u
chiedenen Anbauten aber, die sich an ^ ^
>en Llern des ursprünglichen GeKäu-! ^
>es im Laufe dec Zeit anschlössen.! ^
MÜgten diese Näume nicht mehr i d
>ein wachsenden Verlehr unv den mo- d
'srnen Ansprüchen. So mußten sie t?
lach dem Entschluß des Großheizcgs h
^ill^li'.i Ernst fallen. Ter stattliche g
'tt.ni.iun ir'tiive naai oen flauen,
;es Prof. Cbliardi aiisllle des al-l
en Baues mit einer Bausumme von
tiva einer Million Mark errichtet
Die vielen Befürchtungen zahlreicher
Lartburgverehrer des In- und Aus
andes, der Neubau de» viel größe
eu Hotel» werde das Wariburg^itd
verunstalten, sind durch eine glücll-che
Lösung des Baumeisters gänzlich zer
tört; -denn der felsige Baugrund ist
im etwa 6 Meter abgesprengt wor
»en. Dadurch ist eine wesentlich u:n
angreichere und tiefer liegende Bau
läche entstanden. Gesehen wird der
Neubau nur von der Rückseite der
Lartburg, von den dort liegenden
öergen aus. und dort reichen die ho
len, alten Buchen des Burgberges so
licht an den Bau heran, daß man die
dauern des Hotelgebäudes keines
wegs störend empfindet. Die Mauern
ind außerdem aus demselben Stem
raterial erbaut, aus dem auch die
iingmauern der Wartburg bestehen,
o daß der Neubau das Gepräge ei
,er Biburg trägt. Dazu kommt,
aß das Gebäude in allen architekto
Mllttcr.
'(ich i.u'mnl es so — die Iiawe ?»achi
'ad' ich an eines nur gedacht:
'aß jene Fmu, die mich geiviegr,
-o >veit in fremder Erde liegt.
ie lrug viel nno .^er^eleu?,
!anh' binnen >var ihr lchics »leid —
^>ie tönnt' ich. iviird' sic Hein' erivachen,
hr ^ebcn so viel ivarmer machen!
'mi liegt ganL ohne T.'liii'.ick und Tlein
Iii.' .<>ugel in den langen Nei'hn.
ie schlaft verlassen nnd verlöre!',
nd Hal drei Binder doch geboren.
ch glaub', sie wartet Tag in» Tag,
^ keiner von uns kommen mag.
uc würd' iin-ö schon am Lchriu erlen
ncn
nd l?cimlich nnsern Nanien nennen.
- Doch ^ahre gch'n, der Platz bleibt
leer,
iräser Iviichern nm ihn her.
'as Grab zerfällt, nnd ich bin froü
ud fern und fr?md — das grämt mich
so!
Carl Busse.
Gegen Warzen, die man
urch Anwendung von Höllenstein,
'alzsäure, Eisessig, durch Auslegen
l'N Ziviebelscheiben nicht sertbrin
eu lann, liilst ein einfaches -vüb
eraugenpslaster, das einige Male
llf die Warze ausgelegt wird.
adcanitalt im ^chcii. Erriclnet ! m.l Note
hinter der
Hurzj-GMHol.
ischeii Formen absichtlich so schlickt
ls möglich gehalten ist. Sie tragen
en Charakter der thüringischen
jurgbauten aus dem Ende des
iahrhunderts. Tas Odergeschoß Me
egen, das die Logierzimmer enthäir.
t im thüringischen Fachwertd.'u
nsgeführt. Durch eine derartige
icchslung ist das Hervortreten gleich
armiger, langer Fensterreihen vcr
lensctzung von gan.i verschiedenen
Filarien lieg! das Geheimnis dcr
uilerischen Wirkung. Nach eimni
anz besonderen Verfahren sind an d
ie alten Dachziegel hergestellt, jo
ilirg-GnsihLs.
aß auch sie das Gepräge des Allni
cagen. Ter Wartvurgneubau ent
ölt einen Fest- und Kon
reßfaal in der stattlichen
!änge von A Meter, der von L.
:chnug überaus reizvoll ausgemalt
't. Wenn man bedenkt, daß der
t!eiße Saal des Berliner Schlosses
nr Meter länger ist. so sieht man
araus am besten, welch ansehnlicher
kaum in dem Neubau entstanden ist.
ln diesen Saal grenzt ein mehr als
alb so langer Vorraum, der als
lierstude, uuö ein Meter langer
5aal, der als Weinstube eingerichtet
st. Außerdem sind Logierzim
ler mit 26 Betten geschahen. Dazu
?mn't ein geräuiniges Konversa
ions.jiinmer. Das; die innere Ein
ichtnng und Ausstattung des Laues
er allehrwürdigen Wartburg würdig
!t. bedarf keiner weiteren Ansfüh
ung. Die hnseisenförmig errichteten
jcbaude unischließen den geräumigen
llirtscbaftshof, der vollständig gegen
lug geschützt ist. Geräumige Terras
n an der Süd-, West- und Nord
ite ermöglichen dein Besucher re^z
olle Ausblicke auf die Stadt
usenach und ihre Umgebung sowie
uf den Thüringer Wald und vie
chön.
schriftlicher ^'np^vrt des Amtodie«
iicrs Schtnmps.
,,^ur ^lhnzeige, daß dor Gemein«
'liirt von dem Ochse von ^rug
üirt ^'al^'i- Heimler ohne weitere
era > 11ass11ng <' tä! ig! eit sormsiößlich
ll >ireiz beschädigt lvurd'' und wege
erarzneihlich ioluifchtatiehrter
clmierze verliindert ischr. Wo sich
?er der arbeitvlobje '.Uiaurer Vach
rsepp erbiebtet die rindvieliliche
emeindeverlretiing ans der Orts
eide zu ieberuehme."
“Der Solui de-> Ortsangebörigeu
eter Mieblfeld. der Iobanu M>ehl
ld Juni ohr, hat dein L^ater Geld
ngeiioiiiüie und sür sich ohnerlaub
ch verbraucht und. iu..chet auch
chnlde, Ivo er solches nicht benötigt
,hr und einen nahrhaften Vrannt
einhaiidel fi'ie fich betreibt, wo
iim der p. p. Mieblse.'> Sein ohr
>zielmitich durch mich vorfchtellig
lit — seineul ^.uni ohr eine ämt
^e Verbietuug zu kommen zu
sie."
— D .1 s Be st e. “Mein Nlann ist
hr turzsichtig."
“Ter meine ist weitsichtig."
“Und meiner ist — michsichtig."
u Kreuz in dcu Vo^'scu, 2 Kilometer
Uoiir.

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