OCR Interpretation


Pennsylvanische Staats zeitung. [volume] (Harrisburg, Pa.) 1843-1887, November 18, 1875, Image 2

Image and text provided by Penn State University Libraries; University Park, PA

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn84026721/1875-11-18/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

Die IIals-Mug,
Do nerstag, Nov. 18, 187 S.
HarrtSburg. Pa.
I.Georg Kipper, Herausgeber.
Erhielt nicht die Mehrheit der oltt
stimme.
Wie aus den offiziellen Walilbcrichten
erhellt, so erhielt Gov. Hartronft nicht
die Mehrheit der VolkSstim
mc! ES erhielten nämlich im Ganzen
Gov. Hartranft 304.175 Stimmen;
Hr. Pcrsching 292,145, und Hr. Brown,
dcrTcmpercuzCandidat. 12,488. Dem
nach erhielten die Herren Pcrsching ud
Brown zlisamincn, 304,813 Stimme,
oder 438 mehr denn Hartranft! So
laute die offiziellen Berichte, und diese
Ingen nicht. Hartranft ist daher ein
Mindcrhcits-Governör.
Ferner ergibt cS sich, daß in 37
Eoniitics Hr. Pcrsching, und in 29 Hr.
Hartranft eine Mehrheit erhielt. Hr.
Rawlc der republikanische Eandidat für
daö Staats Schabnicisteranit erhielt et-
Iva 2,500 Stiinnicn weniger, als Hart
ranft. Im ganzen Staat ginge dieses
Jahr ohngefähr BN,<lOO Stiniinc wem
gcr ei als vor drei Jahren.
Dir Wetten entschieden
Da eine beträchtliche Anzahl Politi
ker während der letzte Wahl Wcttcn
ans Gov. Hartranst machten, richtete
man die Frage an de Herausgeber des
„Mincrs Journal" in PottSville, ein
republikanisches Blatt. Der Herausge
ber hat n erwiedert: „Alle Diejeni
gen, welche Wette af Hartranft's
Mehrheit machten, haben ihre Wette
verloren, denn Hartranft hat keine
Mehrheit bei der letzten Wahl erhalten."
Eine ähnliche Entscheidung hat auch
der Heransgeber der „IVillces Lpint ok
tbo limes" abgegeben.
Zn einer Klemme.
Die Republikaner befinde sich wie
der in ciner Klemme. Viele nämlich
wünschen Graut wieder als Präsident er
wählt z sehen, während Andere Gov
Hartranft verlange. Es ist dies so ein
kleiner Fainilirnzwis, der sich bald wie
der lege wird; denn Derjenige, der de
größte Brocken austheilt, „führt die
Braut heim." Graut und seine Anhäii
gcr habe die „Brocken," und werden
ihre „Mann" auch wieder durchsetzen,
und wen die Demokraten wieder so
neu recht dumme Streich spielen wie
schon öfters, dann kann Graut auch wie
der erwählt werden. Wir sagen, er
kann erwählt werde, wenn die De
mokraten de Esel spielen, oder wie jener
Affe, den Republikanern die heißen Koh
len anS der Asche holen, waS wir indes
sen nicht hoffen.
Da eben die Rede von einem Präsi
dent ist, nd Graut sehr wahrscheinlich
wieder nominirt werden wird, so ist die
Frage nicht ganz nnßer Ordnung:
Wen werde die Demokraten
nomi iren? Manche spreche von
Pcndlcto, andere von Thnrma, wir
der andere von Gov. Allen,—alle aus
Ohio; andere von Gov. Hcndricks von
Indiana, nd von Gov. Tilden in New
Kork,—lauter tüchtige Männer. Aber
wir sagen unsern Freunden ohne Scheu
in'S Gesicht, daß Keiner dieser
Männer paßt!
Pcndlcto, Thnrinaii nd Allen ha
bcn sich durch die läppische Geldfrage
bei der letzten Wahl in Ohio schlimm
blamirt, weßhalb wir dort auch geschla
gen ivnrden. Hcndricks war thöricht
genug, das fanatische Tcmpcrcnz Gesetz
von Indiana zu unterzeichnen, was ihn
viele tausend deutsche Stimmen kosten
wird Man mag vielleicht lachen, weil
wir sage deiitschc Stimmen; Diejeni
gen aber welche die große Stärke der
Dcntschcn besonders in den westliche
Staaten wissen, lache gewiß nicht, da
sie zugeben, daß sie (die Deutsche) den
Ausschlag werden würden, lind was
Gov. Tilde betrifft, so hat auch er sich
eine große Blöße in der Geldfrage gege
ben, da New Aork, wo die Deinokratcn
50,000 Mehrheit erwarteten, kaum 15,-
000 gab. Und dann kam der letzte Ea
didat (Grceleh) ans New Aork, nd
dicßmal wieder einen aus jenem Staat
z nehme, wäre Thorheit.
Wer ist, oder wer sind im aber die
bevorzugtesten Männer auf demokrati
scher Seite? Wir wissen mehrere, wie
z. 8., Hicster Elyincr von Penn
sylvanicn, Senator Ba yard von De
laware, Gen. Hancock n. s. w., Männer,
auf welche das ganze Volk mit Stolz
blicken könnte.
Obige Bemerkungen sollen jedoch nicht
so ausgelegt werden, als ob wir gegen
andere gute Männer unsrer Partei seien,
sondern sie sind blos ein Ausdruck uns
rer Gefühle, wie sie sich über diesen Ge
genstand in unsrer Brust kundgeben, da
wir Keiner von denen sind, die „den
Mantel nach dem Wind drehen." Was
wir zu sagen haben, sage wir frei und
offen, da wir das Wohl der demokrati
schcn Partei, welcher wir schon sieben
und dreißig lahren angehören, von Her
zen wünscht.
Hoher vesnch Don Pedro. Kai
ser von Brasilien, gedenkt im nächsten
Sommer die Ber. Staaten mit einem
Besuche z beehren.
Am 11. Nov. brach ei großes
Feiirr auf Star Island, N. H., aS,
wobei Eigenthum im Werthe von etwa
4200,000 zerstört wurde.
An Green bounty, lowa, gibt es kei
ne alte dkiick, Nenlich heirathete eine
daselbst, welche blos fünf und achtzig
Jahre alt war! —lB wäre natürlich
bisser.
Wer will' letzt nch läugnen ?
Viele republikanische Blätter haben
c bisher gcläugnct, daß Präsident Tränt
nicht zum dritten Mal al Präsident
schafts Kandidat auftrete werde.
Und jetzt kommt die Nachricht aus
Waschington, daß das dortige "Lunck?
Odroaiole," früher von John W. For-
Ney geeignet, gegenwärtig aber von sei
nem Bruder heransgcgebc, sich offcn
für einen dritten Termin zu
Gunsten Grant's erklärt hat! Ein ähn
liche thut auch der "National lotslli
ßvlloor," früher das leitende Organ der
republikanischen oder Whig Partei.
Was sagen jetzt die republikanische
Blätter dazu?
Da Centenniel.-Dir Mucker erhe
ben da Haupt.—Schändliche
Forderung.
Das Ecntcnnicl, oder hundertjährige
Jubelfest welches nächstes Jahr i Phi
ladelphia durch eine großartige Weltaus
stellung gefeiert werden soll, hat keine
wärmeren Befürworter, als Schreiber
dieser Zeile. Daß wir indessen die Sa
che in nscrcn Spalten vielleicht nicht so
oft ivic Manche wünschten, berührten,
hat seine Grund darin weil wir jener
Stadtrcgicrnng und ihren Blutsaugern,
sowie den Park Cvmmiisioncrs nd de
Beamte der Ecntcunicl-Bchörde, kein
volles Zutraue schenkte,
und somit großen Zweifel ob des Gelin
gens des großen Unternehmens hegten.
Ja, es schien lis gleichsam, als ahnten
wir, es werde Etwas geschehe, das
durch eine Stein des Anstoßes zu ei
nem fatalen Fehlschlage der Sache
führe würde.
Und, —zu nnseri großen Bedaner
melde wir es, —sonderbar wie es auch
klinge mag, nnserc Ahnung ist zu einer
wirklichen Thatsache gcwor
den! Nachdem die großen hübschen
Ecntcnliitlgcbände, zu denen die ver
schicdcncn Staaten ivic auch einzelne
Personen ihre Tausende freiwillig bei
stencrte, beinahe fertig sind; nachdem
man die liberalsten Versprechungen gc
macht, und die frühesten Hosinnnge er
weckt, und alle große Mächten Europas
zur Theilnahme eingeladen hatte; nach
dem hübsche und kostspielige Hotels zur
Unterbringung der Tausenden fremder
Gäste errichtet; nachdem die Bürger
Philadelphia s keine Opfer scheute, um
den Besucher einen herzlichen Empfanx
zu bereite, nachdem alles dieses geschc
Herr ist, jetzt, 6 Monate vor Erösft
der Weltausstellung kommt die Nach
richt, daß dieselbe nr an dcnWochen
tagen, nicht abrr an drn Sonntagen
offen bleiben soll !! Z
Ei Rundschreiben dieses Inhalts
nnterzcichnct von dem Gcncral-Direktor
I. T. Goshorn ist an die Herausgeber
von Zeitungen im Lande gcschick!
worden (Wir selbst haben ein solches
erhalten, legte es aber mit Ekel zur
Seite.)
Also, an de Sonntagen soll mar
keine Zutritt innerhalb der
Grenzen dcS Wcltansstcll un g ha
den ? Der Arbeiter also, welcher 5(
Ecnts Eintritt für sich selbst, lind eben
soviel für jedes Glied seiner Familie zn
bezahlen hat, soll auch noch i der Wo
che seinen Taglohn verliere um dir
Ausstellung z besuchen, weil ihm der
Besuch am Sonntag nicht gestaltet wird?
Sind denn die Ecntcnnicl Beamten ver
rückt? WaS wird man in Deutschland
von einem solche rsclhastcn Streich den
ken? Man wird höchstens über dic Töl
pelhaftigkcit nnd Krähwinklerci der ame
rikanischen Mucker lachen, und hübsch zu
Hanse bleiben. Und ivic jene in Deutsch
land und Europa, so wird es anch Tan
sende in Amerika geben, die sich mit Ver
achtiing und Ekel abwenden, und nicht
nach Philadelphia komnien werde, was
ein Verlust von Millionen Dollars für
die Stadt sein wird.
Dieses Rundschreiben geht von dein
Präsidenten des Ecntcnnicl, General
Hawlcy ans, welcher den General-
Direktor Goshorn dahin iiistruirte, das
selbe so z schreiben. (Hawlch ist ein
prominenter Präsidcntschafts - Kandidat
auf republikanischer Seite, und wünscht,
da er selbst ein Aankce ist, es nicht mit
dcnAankceMuckerPfaffcnz verderben.)
DaS ist jedoch noch nicht alles; denn
wie der Philadelphia „Demokrat" vom
Samstag meldet, so hat der Cenleimiol
vaaiä nskinaiioo' nun anch eine Auf
forderung an dicßcstaiiralcnrcdcsEen
tcnniclgrniidcs ergehen lassen, daß sie
(die Wirthe) für jedes Faß Bier oder
Mineral-Wasser das sie verkaufen, die
Summe von L4.so—sage Bier Dol
lar sndfünf z i g E c n t s—an die
Board zn bezahlen habe! Also nebst
der gewöhnlichen Lizcnse sollen diese
Wirthe noch 54.50 extra an die Cen
tennielboard bezahlen, wobei sich jedes
Bärrcl Bier von IS bis Sl7 belaufen
würde!! Und da ein Bärrel höch
stens 4VV Glas Bier enthält, wie ist
es da für einen Man möglich, seine
Kosten zn bestreite, da er nebst diesen
Lizensen anch och andere Auslagen
hat, wie z. B. die Rente für seine Wirth
schaft, für die er eine horrente Summe
(von tzlöyg bis GLlitX) und noch mehr
anf 6 Monate) bezahlen muß!
Ist dieß nicht eine himmelschreiende
Ungerechtigkeit? Man sollte denken, das
Volk müsse mit Prügel drcinschlagc,
und dem ganzen Ecntennicl-Schwindcl
(anders können wir das Gebühren der
Beamten desselben nicht nennen) ein
Ende mache. Wie wird es wohl noch
gehen ? Wird man dem gesunden Men
schenverstand och Gehör schenken, und
dem Muckerthnm einen Riegel vor die
Nase schieben? Wollen die Centenniel-
Beamten denen der nenlichcn Pittsbur
gcr Exposition nachahmen, und die Wir
the ebenfalls beschwindeln? Wir hoffen
nicht. Sollten die Mucker es jedoch
durchsetzen, dann wird die ganze Cen
tennielfeier zu einer läppischen Farce
Möge der gesunde Menschenverstand
sitsten.
Am I. d. Mts. starb Lycurgns,
chrz-Bischof von Syrien.
Die letzte Wohle ntz die iichfte
Präsidentenwahl.
Da die letzten Wahlen Gelegenheit ga
ben, die Stärke der beiden großen poli
tischen Parteien mit Rücksicht af die
Präsidentenwahl des nächsten Jahres zu
beurtheilen, so mag eine solche Zusam
menstellung schon heute ganz am Platze
sein—Da die Präsidcntschafts Clcctorc
durch die allgemeine Abstimmung eines
Staates als Ganzes erwählt werden,
dürfte man der Wahrheit am nächsten
kommen, wenn man jene Staaten, die
republikanische Staats - Verwaltungen
erwählt haben, als republikanisch nnd
die übrigen als demokratisch bezeichnet.
ObschoWisconsin, daß bei Verletzten
Wahl einen republikanische Gouvcrnör
und eine demokratische Legislatur er
wählte, und North-Carolina, wo das
entgegengesetzte Verhältniß stattfand, als
ziemlich zweifelhaft zn betrachten sind,
wollen wir sie als republikanisch ansetzen
und bekommen da mit Rücksicht ans
die Zahl der Clcktoral-Stimmen, zn
welchen die einzelnen Staaten berechtigt
sind, nachstehendes Verhältniß.
Demokratische Staaten.
Alabama 10 Mississippi 8
Arkansas 6 Missouri 15
Californic 6 New Aork 3-'
Connecticut 6 New Hampshire 5
Delaware .1 Tcnnessec 12
Florida " 4 Texas 8
Georgia 11 Virginien II
Indiana 15 West Virginien 5
Kentucky >2
Louisiana 8 Znsammen 188
Maryland 8
R c p b l ika i sche S taatc n.
Colorado 3 Rord Carolina 1t)
Illinois 21 Ohio 22
lowa 11 Oregon 3
Kansas 5 Pennsylvanie 2!)
Maine 7 Rhode Island 4
Massachusetts 13 Süd-Carolina 7
Michigan II Vermont 5
Minnesota 5 Wisconsin 1l
Nebraska 3
Nevada 3 Zusammen 181
New Jersey 9
Ans dieser Zusammenstellung läßt sich
ersehen, daß wenn man de Ausfall der
letzten Wahle als die augenblickliche
Stimmung des Volkes in den verschie
denen Staaten ansieht, die Demokraten
och immer Aussicht habe, den näch
stcn Präsidenten mit der geringen Mehr
heit von 7 Elcctoralstimnlcn zn wählen.
Da aber im Laufe des nächsten lahrcS
in der Stimmung des Volkes sehr leicht
eine entschiedene Ilmwälzung eintrete
kann nnd schon ein weniger größerer
Staat der einen oder audcren Partei
das Uebergcwicht geben muß, sehe wir
im nächste Jahre einem der vcrzivciscl
steil und hartnäckigsten Wahlkämpfe für
das Amt des Präsidenten entgegen.
Zwei Umstände sind geeignet, uns
trotz der letzten Niederlage mit Hoffnung
zn erfüll.'.—Erstens läßt sich mit Recht
annehme, daß die durch die ganz uner
wartete Erfolge des letzten Jahres
übermüthig gemachte Demokratie durch
die am vorletzten Dienstag erhaltene
derbe Lektion besonnen gemacht worden
ist und sich alle Mühe gebe wird, durch
kluges Verhalten diese Scharte gut zu
mache. Zweitens wird nun bald ei
demokratisches Per. Staaten Rrpräsen
tantcnhans zusammcntrctcn, dem ein so
reiches Feld zu einer segensreichen Thä
tigkeit offen steht, daß es bei ernster nnd
angestrengter Arbeit leicht einen aber
malige Umschwung der öffentlichen
Meinung zu Künsten der Demokratie
selbst in jene Staaten erzielen kann, die
sich augenblicklich an den repnblikani
scheu Stcgeslvage gespannt haben.
Biel wird auch von den Nominativ
ne der nächste National-Convcntioncu
abhängen und möchte es uns nicht im
gerinste in Erstaunen setze, wenn die
Republikaner durch ihre abermaligen
Erfolge tollkühn gemacht in den Fehler
der Demokratie verfalle und sich zu ei
ner nnüberlcgtcn Handlungsweise hin
reißen lasse.—Mag auch die republika
nische Presse sich jetzt in einem tollen
Freudentaumel wiegen—todt ist die De
mokratie noch lauge nicht und hängt es
nur von ihren Führern und von ihrem
eigene Verhalte ab, sie zu cinein neuen
Siege zu führe.
Jahresbericht des Steuer-Commissio
nrrS in Washington.
Interessante Notizen über die Steuer auf
vier, Whiskey nnd Taback.
Der Commissioncr sür die Inland-
Steuern hat soeben seinen Bericht über
das am 3V. Juni 1875 endigende Fi
nanzjahr beendigt. Derselbe ist sehr
anssührlich und enthält Angabc über
die Einnahmen aus den verschiedenen
Quellen.
Mit Bezug uns die Besteuerung von
Tobak, Spirituosen und Bier erklärt der
Coinmissioncr, dos; er für Beibehaltung
der Stenermarkcu und Stempel sei.
Wen man das Gesetz strikt handhabe
und es an gehöriger Wachsamkeit nicht
fehle lasse, würde durch die Stempel
am leichteste alle diese Steuern einge
trieben werden können. Wenn cinStcu
erbcamter mit dem Fabrikanten unter
einer Decke stecke, so müßte dieser ihn so
wohl wie auch seine Arbeiter bestechen,
und dies würde sich nicht für ihn bezah
len, wenn man wachsam sei.
In letzter Zeit seien allein 34 Whis
key-Destillerien nd 37 Rectificirungs-
Etablissement mit Beschlag belegt vor
den, i denen nicht weniger als St) Ber.
Staaten Stencrbeamten bei den Betrü
gereien mitbetheiligt waren. So weit
nachgewiesen werden könne, seien vom
1. Juli 1874 bis zum 1. Mai 187 S in
diese Etablissements mehr als eine Mil
lion Gallonen Whiskey nnverstenert bei
Seite geschafft worden, wodurch der
Bnndes-Regicrung ein Schaden von
81,650,000 erwachsen sei. (Gerade hier
möchten wir fragen: Und was ist die
sen Betrügern geschehen?)
Während des letzte Finanz-Jahres
betrugen die Taxe von Bier, die in den
Ber. Staaten bezahlt wurden 88,743.-
744.62, um 8137,085.06 weniger als
im Finanzjahre 1874. Außerdem be
zahlten die Brauer eine Special-Taxe
von 8226,423.44 nd die Kleinhändler
in gegohrenen Getränken eine Special-
Taxe von 173,836.35. Im Ganzen
wnrde also an die Bundcs-Regierung
von dem Bier-Geschäft eine Steuer von
9,144.014.41 bezahlt, um 160,675.31
weniger al im Jahre zuvor.
Während deS Finanzjahre 1875 bc
fanden sich 2,754 Brauereien in den
Vcr. Staaten, und kamen auf Califor
nia 202, Illinois 165, Indiana 109,
lowa 141, Kentucky 36, Michigan 199,
Minnesota IOS, Missouri 113, New
Jersey 92, New Kork 393, Pennsylva
nia 235, Wisconsin 232, Massachusetts
47 und Maryland 76.
Der Werth der destillirten und gegoh
renen Spirituosen, Taback, Cigarren
etr., welche wegen angeblicher Steuer-
Defraudation confiScirt worden sind,
belief sich anf 1,484,648.
Der Commissioncr ist für Erhöhung
der Gehalte der Gängers von 6 auf
7 per Tag. (So, so! der Gehalt die
ser Beamten soll immer noch höher gc
setzt werde ? Und wie ist mit dem
Lohn der Arbeiter, Mr. Commissioncr?
möchte hier die StaatSzcitnng fragen.)
Die Einnahmen vom Taback beließen
sich im letzten Fiskaljahre ans 37,303,-
461, nm 4,060,586 mehr als im lah
rc zuvor; es beschäftigten sich niit der
Fabrikation von Taback, Cigarren nnd
Schnupftaback 115,498 und niit dem
Verkauf dieser Artikel 324.941 Pcrso
cn oder Firmen. ES wnrdcn 119,-
436,874 Pfund Taback und 1,967,959,-
662 Cigarren sabricirt. Nimmt man
n die Zahl derjenigen, welche versteu
erte Taback gebrauchen, als 8,000,000
Personen a, so kommen nach obigen
Zahle nahezu 15 Psnud Taback und
außerdem 248 Cigarren odcrCigaretten
aus die Person. Vom I. September
1862 bis zum 3V. Juni 1875 wurden
von Taback und Schunpstaback 225,-
356,219.78 lind von Cigarren und Ei
garcttc 68,233,206 als Steuern col
lcktirlj
Neues au Veavcr County.
Wie uns ein Freund ans dem radi
kalen Veavcr County schreibt, schalten
und walten dort die Tag- nnd Nachtdie
bc nach Belieben Die Tagdiebe belü
ge und betrüge die Leute, nnd die
Rachtdicbc stehlen das noch wcnige Uc
brigcgcblicbene. So säckcltc vor eini
gen Tagen ein gewisser Man von Phi
lipsburg, Name Charlie etwa 3,000
in die Taschen für Kohlen welche er ver
kauft hatte, ohne die Fuhrleute nnd an
dere Arbeiter zn bezahle Wir woll
tcn wetten, daß der durchgebrannte
Charlie ein Erz. Radikalen ist, die derlei
Tchwindlereicn ans dem FF. verstehen.
Rachtdicbc sollen nicht minder steißig,
sonder jede Nacht an der Arbeit sein.
In der Nacht vom Mittwoch auf Don
nerstag wurde auch „Onkel Sä," von
einem seiner Diebsgesellcn beraubt. Die
Postofsice in Nächster wurde nämlich er
brochen, und daraus die enorme Sum
nie von—B Ce t s—ja acht Cents—
rein gestohlen! Ist das nicht—schreck
lich, wollten wir sage, aber es paßt
nicht,—ist es nicht schändlich, daß ein
Dieb niit 8 Cents abziehen muß? der
Kerl war wahrscheinlich noch ein G r ü
ne r, den Onkel Sams Voys verstehen
das Ding bedeutend besser. Doch, was
nicht ist, kann noch werden. Fürwahr!
wir gehe einer glänzenden Zukunft (für
Diebe) entgegen!
sgür die, Pennsplv. StaatS-Zeitung. j
'S ist Irin Unglück so groß, 'S ist 'n
Glück dobri.
„Im Glücke nicht zu jubeln, im Unglück nicht
zagen." ,
So lehrt un ein alter vernünftiger Spruch,
Ihr dürst nur die eig'ne Erfahrung befragt,
Die sag eS Euch besser als jede Buch.
Der Donner und der Blih, der geuerwind
Verjüngen nd frischen die Erde auf's Neu,
Z ° steckt auch in jeglichem Unglück ein Segen,
„'S ist kein Unglück so so groß, 'S ist ' Glück
dabei."
Herr Springer. einMann uiitgelenkiginßeinen,
Thut Alle i Fluge,' geht immer hopp! hopp!
Kaum seh'n wir ihn rechts auf der Straße erschei
nen.
Dann ist er auch siugs wieder fort im Galopp.
So hat er schon Jahre und Tag getrieben
Da stürzt er und schlagt sich die Nase entzwei,
Doch Kopf und Genick sind ihm feil geblieben --
„'S ist kein Unglück so groß. 'S ist 'n Glück
dabei."
Herr gor ist so reich wie einst Erösu gewesen.
Doch ist er nicht fröhlich bei all seinem Geld,
Sr ha sich nämlich ei Weibchen erlesen.
Die ihm durch Zanksucht da Leben vergäll.
Da findet er einstens erbrochen da Zimmer,
Sein Gold dran verschwunden; gor steht da
wie Blei,
Allein auch sei Weib ist verschwunden für im
mer,
„'S ist fein Unglück so groß, ' ist 'n Glück
Kate, in Mädchen von siedcnzehn Jahren,
„Nein" sagt sie, ,da soll mich der Himmel be
wahren l"
Doch zwingt sie der Vater In' Brautbett hinein.
Acht Tage darauf ist der Grei eine Leiche,
Käthchen wird munter und trilleit - Juchhei!
„'S ist kein Unglück so groß, ' ist 'u Glück
dabei."
Sin armer Deutscher will's Glück ersuchen,
Wa I er glaubte, Australien ihm winkt,
Ei Orkan entsteht. Troß Beten und Fluchen,
Zertrümmert da Schiff z die Mannschaft er
stick,.
Ei gäßchen de Deutsche Blicke erspähen -,
Schlei,
Wa fand er im gäßchen ? Zehntausend Gut
„'S ist kein Unglück so groß, 'S ist en Glück
dabei."
Ein Handwerker hat ein Lotterie! genommen,
Verkauft' aber wieber a ZiehnngStag,
Da hört er da Loo ist heran gekommen
Mit'm höchsten Gewinn fast rührt ihn der
Schlag,
Der Gewinner jedoch nah in schrecklicheSEnde:
E lockt sei Geld Raubmörder herbei.
Da rieb sich der Hanbwerker fröhlich die Hände
„'S ist kein Unglück so groß. ' ist 'n Glück
dabei."
So könnt' ich der Beispiele iel och erzählen,
Indeß denk ich Verehrte, Sie haben e satt,
Doch zum Schluss muß ich de
erwShnen,
Der lelder, vi bekannt, die „Lpleovtiu" hat,
Jedoch noch von schöner Gestalt und Schweif,
Sieht er ein. daß für ihn die Zeil noch nicht
reif
llnd trotz de republltanische Hiebt,
Sind Sti' und Sporen ganz geblieben,
Z frische Roth nd Hellem Krähen,
Bereit, da nächste Feld zu mähen.
Wir find die Ersten in nächster Reih',
„'S Ist kein Unglück so groß, 'S ist 'n Glück
dadei !"
W L
Harris bürg, Pa
Correfponbenzen.
sSorrrspondenj au Braver Eonntp.)
Röchest er, Pa., November!i, 1875.
Lieber Freund Rippcr!
Zum erste Male seit doß ich ein
Abonnent Ihrer werthen Zeitung bin,
nehme ich mir die Freiheit, an Sie zn
schreiben. Die Wahl ist vorüber, und
wie zu erwarte, das Geld und der
Betrug in der Stadt der „Bruderliebe"
war zu viel für uns Demokraten, die
kein Geld wegzugeben habe, wcnigstcns
nicht für Wahlzwccke, und folglich gc
hört der Sieg nicht unser. Wir i Bra
ver Connti, schämen uns nicht über das
Resultat in nnscrin Co), da Hart
rauft nur die winzige Mehrheit von 64
hat, uud och dazu, weil Hie radikale
Partei mit bezahlten Leuten an dem
Wahltag arbeiteten, und 800 Mehrheit
erwartete.
Aber gewißlich schämen wir nnS als
Deutsche, daß wir nicht unser wackeren
nnd kcrnscstcn dcnikchc Demokrat, Hrn.
R. Albi Schin dt, zum Cvnimis
sioner habe crwä- könne. Die
Hanptlirsachc seiner Niederlage war,
weil er ein armer deutscher Taglöhner
ist, und Sie wissen eS. daß diese Vielen
in's Ange sticht. Und zweiten, daß
sein Kamerad, oder wenigstens seine
Freunde ihn aufopferten, darinnen, da
in vielen Distrikten er nur ei paar, und
sein College die volle Parteistimmc er
hielt; dahingegen Hr. Schmidt seinem
Kamerad die volle Partei - Stimme
gab, mit dem ehrlichen Vorsatz, alles zu
thun, um Beide Eandidaten zu eriväh
len. Also können Sie gleich sehen, un
ter welche Verhältnisse der arme deut
sche Taglöhner handelte; und beinahe
wäre er doch noch erwählt worden, denn
er erhielt 2,659 Stimmen!
H R
T U r o n c, Pa., 8. November 1875.
Geehrter Herr Ripper!
Die Schlacht ist geschlagen
Stille herrscht ringsum; nd da jetzt
der Pnlvcrdanipf sich veizogen und eine
freie Uebersicht über de Kampfplatz ge
boten ist, wirkt es um so niedcrschmcl
ternder, wenn man eben da die schwer
sten Verluste erblickt, Ivo man des Sie
ges im Voraus schon, so zu sagen,
gewiß war. Doch es hieße Eulen
nach Aihc trage, wollte man sich in
alle die Einzclnhciten über das Resultat
der Niederlage cinlasscu, wo ohnedies
schon des Gilten —zn viel gethan; ge
nüge es daher, ein'ach zu sagen, daß wir
jetzt zwar geschlagen wohl, aber deßhalb
doch och nicht dczimirt sind, nnd ns
bei der nächsten Gelegenheit um so furcht
barer rächen werden.
Keinem ging cS aber auch mehr zu
Herze, Keiner Hot de Verlust durch
die Thnt mehr bewiesen, ols unser be
währter Freund nnd Kampfgenosse, Hr.
John Rein Hort, vondcn Firmn's
Müller sc Rcinhart, (Contraktorcn) und
Friedr. Bogt K Co., (Klciderwaaren-
Handlung,) dodurch nämlich, daß er
gleich nachdem das Resultat der Wahl
bekannt war, den raschen Entschluß faß
te, statt sich seine Leidensgefährte
nach dem Salzflnssc anzuschließen
wozu schon, beiläufig gesagt, alle Vorkeh
rungen getroffen werde, nnd nach dem
hiesigen „Herald" zu schließen, selbst nu
scr geniale Kämpe für die gute Sache,
Herr Israel Miller, zur Mann
schast des Schiffes beigezählt ist das
große Weltmeer vorzog, um dort drü
den, in der alten Heimath, die er seit 25
Jahren nicht mehr gesehen, nutcr seine
zahlreiche Frenndc und Bekannten,
die herbe Niederlage zu verschmerzen,
nd neue Kräfte z samnicln, für den
verzweifelten Anprall, der gewiß das
nächste Spätjahr nicht ausbleibe wird.
Fürwahr, ei rascher Entschluß; kaum
gedacht, und schon vollbracht. Mögen
die Wellen ihn sanft wiegen, eine glück
liche Fahrt ihm bcschicdcn sei; und
nachdem er dcS Gute im alten Vater
lande in Hülle und Fülle genossen, der
Verlust verschmerzt, hier das Schlacht
feld geräumt, nnd ei noch weit heftige
rer, ei allgemeinerer Kampf entbrannt
und in Borbereitung ist, möge er wohl
behalten, und zu neuem Kampfe ansge
rüstet ans dem Schauplatz der Thätig
keit wieder erscheine, nd in den Kreis
seiner Familie und zahlreiche Freun
den zurückkehren.
Ihr F V
(Eorresponbenz.)
Beaver Tonnt p. Nov. 6, '7S.
vetrug und Sorruption überall;
leider auch im demokratischen
Lager.
Lieber Freund!
Dem ehrlichen gute deutschen Michel
hat man hier in Bcaver County ivicder
einmal eine fürchterliche Rase gedreht,
und de für das Commissioner-Amt
aufgestellten Candidat, R.A.Schmidt,
der mit seinem vertrauten College C.—
ohne etwas BöseS dabei zu denken so
oftmals vor der Wahl „bniul-obnlct:,"
ist von dessen Helfershelfern, auf die ge
meinste Weise am Stimmkastcn betrogen
worden! Aber diesmal trifft der Betrug
nicht die Republikaner, sondern leider die
Demokraten, die sich die frechsten Sc
mrinheiten, die wohl noch je in diesem
County bei Wahlzeiten stattgefunden
haben, zu Schulden kommen ließe;
denn in einem einzigen Distrikt, in Ivel
chem beinahe 60 demokratische Stimmen
abgegeben worden, erhielt Schmidt
da man zu Gunsten seine Collegen sei
neu Namen ausstrich blos eine
vote! Und an vielen anderen Plätzen
wurde der Betrug verhältnißmäßig eben
so großartig betrieben. Viele deutsche
Demokraten die mich aufgefordert ha
ben, Ihne diese mitzutheilen, haben
sich, hinsichtlich dieser schändlichen Hand
lungsweise, vorgenommcn nie wieder—
doch dies halte ich für eine unüberlegte
Acnßeriing das demokratische Ticket
z stimmen, ausgenommen, Deutsche
seien dabei interessirt.
Ja, ja, lieber Alter, so thut man den
aufrichtig und redlich denkende Deut
schen tölpelhaft bchumbiiggcn. nd viele
dieser Deutschenhasser äußern sich oft
mals, sogar ganz nngcnirt, daß der
Deutsche gezwungen sei, Schottcnstroh
zu fressen, wen man es ihm vorwirst.
Tagte doch einmal ein vormals bei mir
wohnender, gewisser K...N Nachbar,
nachdem ihn seine Frau aufgefordert
hatte, bis zur Drcschcnzcit bessere Le
bensmitteln anzuschaffen, "dasi Roggen
brod und Kartoffel gut genug sei für
den 6 ckutob. >"
Doch mos hilft oll' dicsks unnütze
Plappern; den Amerikaner trifft auch
nicht allein die Schuld, daß er da
Dcutschthnm so haßt, ei, sonder gc
rode die Deutschen sind am leisten dabei
zn blainirc, da dieselbe stets unter sich
selbst aufeinander zn gehässig und oft'
nials auch zn albern sind in einsehen
z lernen, daß man sie incistcntheils nr
als Werkzeug sowohl zn benutzen als
auszubeuten sticht. Ebenso gibt es auch
Viele, die sich ihrer Muttersprache zu
sprechen schämen; und diesen Tadel
trifft vielleicht keine Nation in der Welt
mehr als gerade unsere hier in diesem
Lande lebende Deutsche, und halten da
her auch keine deutsche Zeitung, wodurch
natürlich das Denlschc aus Hans gleich
sam wie verbannt wird ; kurz und gut,
sie suche sich selbst vordem Amcrikancr
ans die bornirtestk Art und Weise zu
verlang!, und dadurch hcrnnterzn
würdigen Ich für meine Theil bin
stolz darguf, daß ich ein Deutscher bin,
und würde mei linden Ische Abstammung
um keine Preis der Welt hergebe, und
deßhalb auch ebcusoweuig jemals zn vcr
hehlen suchen. Aber ich frage Sic hier
mit. Freund Rippcr: -Haben Sic noch
jemals gehört, daß ei wirklich gebilde
ter Deutsche seine Rationalität verläng
et? Gewiß nicht, sondern es kenn
zeichnet stets nr de ungebildete rohe
Schasskopf. ( )
Erwicder ng. Wir können
nicht umhin, ohne dem chrcnwcrthen
Einsender des obigen einigc Worte zn er
wiedern. Daß es Demokraten gibt, die
ns Deutsche nur als daö fünfte Rad am
Wagen betrachten, ist wahr. Aber wes
sen Schuld ist eS? Niemand anders als
iisre eigne. Es gibt zn Viele, die ihr
Vaterland, das Land wo einstens ihre
Wiege stand, verachten, und sich dadurch
i der Achtung der Amerikaner herab
würdige. Aber abgesehen von allem
dem iß doch zugegeben werden, daß
die Zahl solcher Demokraten sehr klein
ist. Den Demokraten haben wir es viel
mehr zu verdanken, daß wir Deutsche
das Stimmrecht haben, und nicht de
Republikaner. Wenn es nn aber
demokratische Esel gibt, die mit Vcrach
tnng auf uns blicke, so haben wir ihnen
blos zu zeigen, daß wir ebenbürtig und
eben so gut sind wie sie, indem wir ein
st im Ii g für deutscheCandidatcn stim
inen. Aber, und da ist der Knote,
wie Viele Denlschc gibt es, die für deut
sehe Candidatcn stimme ? ES herrscht
zn viel Neid und Mißgunst unter uns,
und da ist es eben, was uns die Ach
tnng der Amerikaner raubt. Wir ha
bcn genug Deutsche, die lieber für den ge
hässigsten Deutichenfresscr, als für ihren
Landsmann stimmen würde! lind
daß wir auch Viele haben, die sich schä
inen Deutsch zn sprechen, und mit ihren
Kindern ein solch kauderwelsches Eng
lisch plappern das sie selbst kaum vcrstc
hcn, ist ebenfalls wahr; aber das sind
blos ngebildctc, bornirtc Hohlköpfe, die
och nie was gelernt, und auch noch nie
was vergessen haben. Kein gcbildc
ter Deutscher schämt sich Deutsch zn sprc
che, noch seine Rationalität zn verläng
neu. Ein schönes Beispiel hierin ge
ben nnS dieFranzosc nnd sogar die Zr
ländcr. Hat man och je gehört, daß
ein Franzose oder Isländer sich schämte,
seine Muttersprache zu sprechen?
Der Herausgeber.
Gnropäifcbes.
Deutschland. —B crli , 15. Nov.
Robert v. Mohl, der berühmte Staat-
Mo und Staatsrechtslehrer in Zubin
gen, ist mit dein Tode abgegangen.
(Mohl wnrdc am 17. August 17!!> in
Stuttgart geboren.)
Die militärische Borrathskamincr zn
Rendsburg, Holstein, wuide neulich
durch Feuer zerstört. Vierzig Zausend
Buchse ginge zu Grunde. Der Ge
sammt-Schaden durch dos Feuer belauft
sich auf 5 Millionen Mark.
Darm sta dt. — Aus dem Haupt-
Boranschlag derStaats-Einnahmen und
Ausgaben für 187! —78 ist zu ersehen,
daß Hesse seit 1871 von der französi
scheu Kriegsentschädigung 18 Millionen
Gulden erhalten hat.
Am 15. wnrdc der neue Ludwigs
bahnhof dem Verkehre eröffnet.
London, 18. Nov. Die „Daily
News" veröffentlicht ein Spczialtele
gramni aus Berlin, nach welchem der
Siß der Central-Regicrung für Elsaß-
Lothringen nach Berlin verlegt und für
diese Provinze vermuthlich ein eigenes
Ministerium ernannt werde wird.
Stuttgart. Die für die nächsten
Tage bevorstehende Hopfenansstellnng
in Tettnng nimmt ganz außerordentliche
Dimensionen an. Hopfen, Hopsenbau
gcräthk, Modelle, Zeichnungen, Schrif
ten, photographische Ansichten von Ho
pst ,c. sind von ganz Deutschland ein
getroffen. Die Post und die Gütcrcx
pedition habe mit dem Transport
der viele Muster de ganzen Tag
vollauf zu thun, und da Ezckntivkomi
tc ist von Tagesgraucn bis in die tiefe
Nacht mit Uebernehmcn, Buchung und
Aufstellung der zum Theil in nie grsche
ncr Schönheit ausgestellten Hopfen be
schäftigt. Die prachtvollen Räume deS
Schlöffe hat Hr. Wirth in Kaltenberg
mit bekannter Meisterschaft auf Ge
schmackvollste mit Hopfenranken, Fah
nen nd Wappen der hopfenbauenden
Städte und Länder dckorirt.
Der Deutsche Kaiser hat dem würtem
bcrgischcn Militärbevollmilchtigten in
Berlin, Oberst Fabcr d Faur, den Ro
then Adlerorden 2. Klasse verliehen.
Es wird Dies als ein Kompliment be
trachtet, das dem 1. (würtcmbcrgischc)
Armeekorps gilt, über welche sich der
Kronprinz von Deutschland nach der
diesen Herbst stattgehabte Inspektion
beim Kaiser sehr günstig ausgesprochen
haben soll.
Staatsrath Goppclt, Großhändler in
Hcilbron. im März 1948 Finanzmini
stcr nd Mitglied des erste deutschen
Reichstages, ist am 12. Oktober hier ge
storben.
Oestcrreich. —Wi c . Die Icßtc
Schling der, östreichischen Delegation
darf den traurigen Ruhm für sich in An
spruch nehmen, die peinlichsten Momen
te der bisherigen Session zu Tage geför
dert z haben. Bei der Berathung des
OrdinariiimS des Heercsbndgels wur
den vor Allem zwei Thatsachen festge
stellt: Die eine dieser Thatsachen ist,
daß der östreichische Soldat am Schlech
testen nter allen Soldaten Europas er
nährt wird, und die zweite stellt fest, daß
die Sterblichkeit in der östreichischen Ar
mee in geradezu erschreckendem Maße
zugenommen hat und och fortwährend
im Steigen begriffen ist. Was die Ver
pflegung anbelangt, so hat ein Dclegir
tcr nachgewiesen, daß der Soldat i Oest
reich 11, in Deutschland 150, in Ruß
land l"4, in Italien 200, in Frankreich
00 nd in Großbritannien 75 Gramm
Fleisch täglich erhält. Ein äußerst in
teressante? Geständnis! legte der Kriegs
minister Herr von Koller ab, als er er
klärte, er habe von den besprochene Zu
ständen schon seit langer Zeit Kenntniß
und sei auch bestrebt gewesen, der „im
abweislicheii" Forderung Rechnung zn
tragen. Er häitc ins Budget eine ent
sprechenden Antrag cingestclli gehabt,
aber im Ministcrrathe sei derselbe ge
strichen worden, weil die Kanoncnfordc
rnng eine so große gewesen sei und die
Enlschcidnng zu Gunsten der Kanonen
und zum Nachtheil der Soldaten getrof
fen wurde. Wer in dieser Richtung die
Verantwortlichkeit trägt, welche bei den
Kanonen der Ausschuß der Delegation
in so feierlicher und nachdrücklicher Wei
se dem KricgSniinistciiiim allein aufge
bürdet, und die dieses auch zn trage
bereit ist, wird freilich von Niemandem
gesagt.
Der Ausschwung im Schwabculändle.
Der auch als Literat bekannte Eniil
Klanlrcckit, der frühere amerikanische
Consiil in Stuttgart, macht in einer
Korrespondenz an das „Eine. Vlksbl."
über den Ansschwiing im „Schwabcu
ländle" folgende interessante Mitthei
lung:
„Wie niancher der alte schwäbische
Pioniere drüben, der Granen vor nnd
der Grüne ach 48. würde sich heule
bei seiner Ankunft in Württemberg die
Augen reibe, nngcfähr so wie General
Lafahcttc, als er, in de W-cr Jahre
drüben zum Besuch angekommen, all die
großen Pcrändernngcn sah, die das Land
crlcbl. Wo isl ihr altes Schwabcnland
geblieben ? Ucbcrsponncn wie es ist,
vom sausende Webstuhle der Zeit, daß
man es kaum wieder entdeckt!
Alle Städte und Ortschaften volkrci
chcr, erweitert nnd verschönert, überall
Schienenwege mit eleganten Bahnhöfen
und brausende Fracht- nnd Personen.
Zügen, welche das von der Welt früher
abgeschlossene „bändle" in die Nähe von
Paris, Wien, Berlin und a das Welt
meer gerückt i Telcgraphcndrähtc, wo
raus es in ein paar Stunden von San
Francisco Antwort erhält, überall Fa
briken mit gnalmcndcn Kaminen nnd
zwar ohne die Factorcn der Industrie,
Wasser, Kohle nnd Eisen ; überall ein
anderes denkendes Geschlecht, ncnc Mün.
ze, neues Maaß, eine neue Nationalfah
e, ein neues Kriegsherr i der Pickel
haube unter einem preußische Feldycrrn,
Die Residenz Stuttgart selbst zu einer
Großstadt aufgeblüht, von Pferdcbah
cn durchzogen; ans der Königstraßc
ein wahre Babel von Sprachen, Bon
levard-Gestaltcn, Demi wnä eben
Bcßinger und Steinlachcr Unschuld, neue
elegante Stadtviertel mit Allee be
pflanzt, Borstädtc, deren Bewohner durch
den Verkauf ihrer Krnndstnckc halbe
und viertel Millionäre geworden, Drei
spih d ltcdcrhosc an den Nagel gehängt
und als Stockhaltcr im „Pilotig"-Hut,
in Stehkragen und Wicncr-Frack zur
Börse stolziren; in den alten Straßen
Prachtbauten von neuen Hotels nnd
Banken, colossale Fasaden voll strotzen
den Bildwerks, überall Trümincr des
Alten Banniatcrial, zu Ncnci! !?oa
beä! poa-Iiei!! ist die Losung im al
terthüinlicheu Württemberg.
Kein Schiller, Körner, Uhland Hut
solchen Fortschritt seines Bundes geahnt.
Und alles dies trotz der riesigen Aus
ivandcrniig, obgleich das „Ländle," in
den letzten Jahrzehnten an 300,000 Ar
bester, darunter mindestens 200,000
Männcr des kräftigste Lebensalters an
Amerika abgegeben nnd die Bcvölke
rnngsznnahmc unter allen deutsche
Staaten am nngünstigstcu steht, 2 Pro
zent seit 20 Jahre, also nur ei Drit
theil dcS ZnwachsvcrhältnisscS in Preu
ße nd Sachsen.
Die Wechselwirkung dcS amcrikani
sehe Fortschrittes nnd der großen dcnt
schcn Zeitereignisse haben diese wunder
varen Perändcrnngcil nollbracht. Für
erstere standen im letzten Jahrzehnt
Tausende on Arbeitern bei den Maschi
nen. Der Ezportwerth an Mannfnktn
rcn, Farbwanren, Chemikalien, Znstrn
menlcn . betrug in diesrrZeit2B Mjl
lioncn und ist erst seit der letzten Krisis
zurückgegangen. An amerikanischen
StaatS-Papicrcn gewann Würtembcrg
wohl 30 Millionen wovon dann freilich
einige Millionen abziehen müssen, die
es durch seine leichtsinnige Betheiligung
am amerikanischen Eisenbahnschwindel
verlor. Amerika zahlt at> Würtembcrg
für Erbschaften, Waaren, Pensionen
n, s. iv. fünfmal so viel als es von die
sem empfängt; das gleiche Verhältniß,
wie im „Manch Order" Postshstcm, wo
Amerika im letzte Jahre 406,401 fl.
einzahlte! Würtembcrg 20,084 st. Es
bildet ein Talent sich in der Stille nnd
so haben sich ganzallmähligHandcl und
Industrie Wnrtcnibcrg'S ans dem frü
heren Ackerstaate entwickelt, ähnlich wie
in den Ren England Staaten, wovon
mancher auch, durch Altswandcrnng
nach dem Westen in der Gesammtbevöl
kernna stationär, an Fortschritten im
Fabrik- nd Eisenbahnwesen, in Cultur,
Verfeinerung dcS Geistes nnd Bodens
allen andern Unionstaate voransteht.
So mag man Würtembcrg da Mas
sachusetts von Deutschland nennen, mit
dem Unterschied, das joviale Schwaben-
Völkchen das puritanische straffe Haar in
eine pietistischcn Zopf gebunden trägt
kein Kaltivasscrnarr ist, sondern ebenso
fleißig wie die Kirche, das Wirthshaus
bcsucht Vom „Wirth am Bergst"
stammt Würtemberg nnd Schiller singt:
„Ein Würtemberger ohne Wein"'
„Könnt' das ein Würtemberger sein ?" I
Lokale Neuigkeiten.
tz!ancater, G.
Donnerst a g, Nov. IS, 1875.
nrtztn entlasse.-Vier Polizisten
wurden dieser Tage in Lankastcr entlas
sen. weil sie während ihrer Dienstzeit
geschlafen hatten.
Tin Sohn des Thos. I. Swinglcr i
Columbia versah letzthin seinen Fuß für
ein Stück Holz, und war nahe dran, die
Hälfte desselben anf dem Holzblock zu
verlieren.
Zn ohrerstown, Lancaster County
wurde am letzten Sonntag die eure
novirte Lutherische und Reformirte Kir
che feierlich eingeweiht. Eine sehr große
Anzahl Menschen hatte sich dazu ringe
fllNdtN.
Die efonuirte Stzuode welche
letzthin ihre Sitzungen in Lankaster
hielt, hat beschlossen, ihre nächstjährige
Versammlungen in Reading z halten,
und zwar am zweiten Mittwoch im Mo
at November, 1876.
BloS ei und sechzig Eandidaten ha
ben sich bis jetzt für das Amt eine Gc-
Hülfs-Collcktor der inländige Revenue
in Columbia gemeldet!" Vob Carroll
von Marictta soll >e-I>e6 sein Warum
nicht Frank Curran ?
vonduktor Trump welcher ohnlängst
ein Fränlei Kapp heirathete, wofür ihn
die Central Eisenbahn Compagnie ent
ließ, ist nn wieder ans der New Jersey
Eisenbahn aufgctrnmpt. indem er
zwischen New Aork und Long Brauch
angestellt ist.
Der „Schweizer Grütli-Bercin" von
Lankastcr, wird am Montag den 22stcn
November einen große lahrcS-Ball in
Fusion Halle abhalten, nnd da die
Schweizer ein ganz gemüthliches Völk
chen sind, so wird eS selbstverständlich
bei dem Volle auch recht gemüthlich
hergehen.
Letzte Woche hielte die Lehrerc von
Lankastcr County ihre jährliche Eon
clav, resp. „Bummelzcit," wobei hoch
tönende Phrasen und dummes Geschwätz
i die Welt hinausposaunt wurde. Die
Lehrer gehören in die Schulen, nnd nicht
in's Courthaus m gewissen Prahhän
sc zuzuhorchen.
Schrecklich.
Etwa eine Meile östlich von Colum
bia wnrde am Samstag Abend ein un
bekannter Mann von einem Frachtzug
überfahren und förmlich in Stücke ge
schnitten, indem von seinem ganzen Kör
per blos der Kopf und die Füße nbe
schädigt blieben. Er war sauber barbirt,
hatte gute Kleider, nnd einen hohen
schwarz seidenen Hnt.
Hopfen-Dieb.—lrgend ein elender
Schurke hatte vor einige Nächte die
Frechheit, ans Hrn. Fr. Manlick's Brau
erci in Mariclta einen Sackvoll Hopfen,
und aus Hrn. Em. Engwicht's Hof, eine
O.uantität Kleider zu stehlen. —Hopfen-
dicbstahl ist etwas Neues, über das sich
selbst Freund Manlick wnndcr muß.
Aber in jetziger Zeit geschehen Zeichen
und Wunder.
Ein köstliche Meßgewand.
Pater Paul von der St. Anthonys
Gemeinde, erhielt dieser Tage ei
prachtvolles Meßgewand, daß von den
Carmelitc - Name z Zuspruch in
Tyrol für ihn verfertigt wurde. Am
letzte Sonntag trug er e zum Ersten
mal beim Mrsstlcst. Es soll da
schönste Gewand in diesem Theile des
Landes sein, nd kostete 2000 Gnlden
(etlva 81,100 Per. Staaten Geld), ohne
Zoll und Transportkosten.
Die Banner Wahldistrittrn von
Lankaster County, welche die meiste
Stiinniknzahl zu Gunsten der Demo
kratc abgaben, waren die Achte Ward
i Lankastcr, Marietta, die Dritte Ward
in Columbia, und Drumore Townschip
Die Btc Ward gab den Demokraten eine
Mehrheit von mehr den 300 Stimmen;
Marietta gab in 1872 Hrn. Hartranft
eine Mehrheit von 183 Stimmen, die
scs Jahr blos 11; die 3te Ward in Co
lumbia gab in 1872 Hartraiist eine
Mehrheit von IS, und dieses Mal ging
es demokratisch mit 101; und Drnmore
gab ihnen damals 7 Mehrheit, und
diesimal 73 für Persching-Hätten alle
Distrikte so gut gethan, so wäre das de
mokratische Ticket erwählt worden
DaS graße Concert, oder die eigent
liche Einweihung der prachtvolle neuen
Orgel der St. Anthonys Kirche in Lan
kaster, fand, wie vorher schon bekannt
gemacht, am Dienstag Abend statt. Es
hatte sich eine beträchtliche Anzahl Mu
sikfreunde dazu eingefunden, die über die
Leistung der trefflichen Orgel sehr befrie
digt sind. Es hat uns leid, nicht selbst
der freundlichen Einladung, dem Con
cert beizuwohnen, nachkommen konnten,
da wir ein großer Freund von guter
Musik sind. Wir gratnliren der Ge
meinde z ihrer prächtigen Orgel, und
wünschen, daß deren herrliche Töne recht
viel zur Erbauung nd Andacht der
Zuhörer beitragen möge. Auch Bater
Kaul gebührt die wärmste Anerkennung
für seinen unermüdlichen Eifer und gro
ße Anstrengung in der Herbeischaffnng
dieser Orgel.
Entsetzliche Schandthat.
Z Monoeacy, Berk County, wurde
am Dienstag Abend einem halbblinden
Pferd das andere Auge ansgtstochen,
während es im Stalle stand. Allen
Fischer und Daniel Neider von Dong
laßville hatten das Pferd von D. D.
Hunter geliehen nd waren damit nach
Monoeacy gefahren. Nachdem sie sich
dort mehrere Stunden anfgehalten hat
ten und sich auf den Heimweg machen
wollten, fanden sie, daß da Geschirr
ihres Fuhrwerkes geschnitten und wie
oben erwähnt dem Pferd da Auge aus
gestochen war. Keine Strafe scheint zu
schwer für einen Teufel in Menschenge
statt, der ein solche Verbrechen begehen
kann.

xml | txt