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Pennsylvanische Staats zeitung. [volume] (Harrisburg, Pa.) 1843-1887, December 09, 1875, Image 1

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KnnsManisch c KtMtS'Äitu.'T
Jahrgang IS.
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?tKKs>,lpaischt StatS;eitg,
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Harri. O°er 22,1874-6 MI.
Das deutsche Centralorgan der Demokratie für Penushlvanien und die angränzenden Staaten.
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Schriften und Wochenblätter übernommen hat,
z. B. „Nachrichten aus Deutschland und dcr
Schwriz," „Novellenschatz," „St. A. StaaiS
zeltung," ic., :c. Schreibmaterialien aller Art.
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ferne al alleinige
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burgcr Dampfschiffe
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und von Eurcpa, tüc die Dampfschiffe de
Hamburg-Amcrtkanischcn PackrtfahrlActiin-
Gesellschast,
mit der
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nach New Zfork, für die on Bremen dtrekt
(nicht über England nach New-Llorl und
Baltimore fahrenden deutschen Segelschiffe!
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überhaupt mit allen im Zollhaus zu errich
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Tl. B. RichardkßoaS
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rein >u den billigsten Citp-Preisen zu erkaufen.
Mehl kann man bei ihm an Mühl-Preisen er
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Ferner ist täglich frische Brod, Pretzeln, Ku
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Hand. Für Alle garanlir.
Um geneigten Zuspruch bitte
John Friede. Schönberger,
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ck> ?!->tt derüdmte Solh'Znngen.Par.
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(Der „Pa. StaatZ-Zcituiig" gewidmet
Frank Geiz.
Wenn und Aber.
'Wen und Aber, llrine Worte
Aber an Bedeutung gross,
Oeffnet Wen de Wunsche Pforte.
Wirft sie Aber fest in' Schloss,
„'Kenn ich wäre Die und Jene
Wenn ich hätte Dies nnd Das
Wenn ich könnte, wenn ich wusste!"
Hört man doch ohn' Unterlaß.
Ansicht sitzt in ihrer Kammer,
Ties gehüllt in Traurigkeit,
Ach ibr Herz ist voller Jammer
Dreißig Jahre zählt fie heut.
Dreißig Jahre, meine Damen,
Und noch immer keinen Mann
Alle Kreier die da kamen
Gustchcn nahm nicht Einen a.
„Wenn ich doch," so stöhnt sie bange,
„Wenn ich doch gescheuter war!"
Ach ! ich wäre grau schon lange,
Konnt es sei schon dreizehn Jahr.
Aber mein hochmüth'ges Treiben
Hat die Freier all verscheucht,
Alte Jungfer niug ich bleiben
Wen kein Mann die Hand mir reicht.
Michel träumt o einer Nummer,
Die das große Loos gewinnt;
ist ja nm ein Traum, ein dumincr,
Spricht der Michel, „Glück ist blind."
Ader schon nach wenig Tage
Liest cr in dem Wochenblatt,
Daß die ihm geträmnlc Nummer
'S grosse Loos gewonnen hat.
Michel muss sofort in' Bctte,
Denn ein Fieber tritt Hera,
„Wenn ich doch gesetzt nur hätte.
War' ich heut ein reicher Mann !
Aber ach ich Narr, ich dummer
Lies dem Nachbar diese Kauf
Wen mir wieder träumt nc Nummer
Setze ich gewiß darauf,"
Es ertönt die KriegStrompcte,
Feigling schlüpft geschwind in' Bett -,
AI ertönt die Friedeiisflöte,
Da verläßt er's Lazarcth,
Und nun prahlt er mit den Siegen:
Wenn ich nicht erkrankte schwer.
Wär' von all den schufl'gcn Feinden,
Nicht ein Mann am Leben mehr!
Darum sagt ein altes Sprüchwort,
Da ein schlichter Mensch ersann:
>Ware nicht da Wenn und Aber
War drr Bau'r ein Edelmann,"
Was ich sonst noch sagen könnte
Das ist Ihnen schon bekannt.
Drum sei hier mein Lied zu Ende
Wenn's nur Ihren Beifall fand! ?
Feuitlel on.
Das Aaetotttm.
-(0)-
Humoreske
von
Ferdinand Jozrwiez.
rv.
(Fortsetzung.)
„Er versteht mich falsch, Käfcr," er
widerte die sanftere nnd klügere Alirora.
„Er sieht doch ein, daß die Signora
ein schlechtes Francnzimiiier ist."
„Euer Gnaden haben cs freilich ge
sagt," bestätigte Käfcr answcichcnd.
„Was weist ich?"
„Aber wenn w i r cs ihm sage, wir,
die Damcn von Flachstem," rief Eula
lia— „so muß cr das glaube, den
dann ist cs wahr I"
„ES muß wohl cbcn wM s4n, wenn
' s von Encr Gnaden für wahr gegeben
wird."
„Und daß dcr Hcrr Obcrst von einem
schlechten Frauenzimmer umgarnt wird,
kann cr doch nicht zugeben, Käfcr!"
fuhr Anrora fort.
„Ich allein kann'S eben nicht hindern,
Euer Gnaden," versetzte Käfcr achscl
znckcnd.
„Aber ich will ihm ja gern dabci hel
fen," klang cS von dcr Hagcrc Eulalia
Lippen.
„Und ich auch, Käfcr," ficl Aurora
ein. Zuerst muß cr über diese Person
da Erkimdigimgrn cinzuzichcn suchen,
Käfcr."
„Einiges lvciß ich wohl schon," warf
Käfcr pfiffig lächelnd hin, und griff ach
dcn Wasscrgefäßtn. „Aber >ctzt muß
ich durchaus zurrst zum Brimnr, Encr
Gnadc, denn ich kann kaum mehr spre
chen, so eine fürchterlichen Durst habe
ich schon wieder."
„So bleibe cr doch da!" gcbot Anro
ra, ihn nm Zipfel seiner kurzen Jacke
fassend. „Er kann ja einen Schluck
Bier bekommen."
Eulalia war nntcrdcsscn schon am
Entkorken cincr Flasche und goß dcm
Dicncr daraus ci, welcher sich'S stumm
gefallen licß.
„Nun trink' er weiter, die ganze Fla
sche nicinctlvcgcnlecr," sagte Anrora
„aber erzähle er auch alle, was cr
weiß."
„Und auch woher er es weiß, ganz ge
nau," fügte Eulalia Hinz, nnd schenkte
daS zweite GlaS ei, da das erste schon
ausgetrunken war.
„Woher ich es weiß, Euer Gnaden?"
sagte Käfer, schmunzelnd wegen des Bic
res. „DaS müssen mir Euer Gnaden
erlasse! man hat so manchmal seine
kleinen Heimlichkeiten und darf sie nicht
ausplaudern. Aber was ich weiß, daS
kann nnd darf ich schon alles erzählen."
„So fange er doch a, Käfer," dräng
te Aurora voller Spannung nnd Neu
gicrde.
„Ich fange schon an, und zw'ar mit
dem Anfange, und der ist schon sehr alt,
Euer Gnaden. Denn der Herr Oberst
kennt die Signora längst."
„Längst? Seit wie kange ? am,
hat er sie zuerst kennen gelernt ? Wo hat
er sie zuerst gesehen?" schallten die Fra
gen wirr durcheinander.
„Die kann ich ans die Stnndc nicht
angeben, Euer Gnade, und den Ort
weiß ich auch nicht genau. Aber cs mag
wohl meinem dnnimcn Verstände nach
in dcrHanplstadt gewesen sein, nnd zwar
damals, als dcr Hcrr Oberst noch cin
frischer, jnngcr Lientcnant war?"
„Als cr noch ci Lientcnant war?"
„Ja wohl, Euer Gnadc,"
„Und dcr Hcrr Obcrst sind, wie ich
gehört zn habcn glanbc, schr rasch avan
cirt iind waren außerordentlich schnell
Hauptmann."
„Zu Befehl, Encr Gnaden. Dcr
Herr Obcrst sind ja heute noch rüstig und
frisch, nnd doch schon seit einer Reihe
von Jahren in Pension,"
„llnd von alledem hat cr bis heute
niemals cinc Ahnung gehabt, Käfer ?"
„Nicht cinc Spur von Ahnung, Euer
Gnaden."
„Es ist also im Grunde genommen
nichts Anderes, als cinc schr altc Lieb
schaft!" bemerkte Eulalia schnippisch
und warf stolz dcn Kopf zurück.
„Ja ich glaube, das ist so der Name
dafür. Dcr Hcrr Obcrst waren damals
wie gesagt, Lieutenant und seine Eiter
lcbtc och und wohnten auch in dcr Rc
sidrnz. Die Ziguora aber kam ach
dcr Residenz alo Sängerin nnd halte ri
nc iibändtgeii Zulauf, daß im Theater
niemals ein Plätzchen leer blieb. Gar
Seine Majestät ud dcr ganze Hof wa
ren immer im Iheater. wenn sic sang
nnd manchmal mnßtc sic an dcn Hof kom
mcn und dort vor Ihren Majestäten ihre
Stimme erschallen lassen nnd die
Stimme soll wtiilderschön, himmlisch gc-
Wesen sein."
„Woher hat er das, Käfcr? Das
iß cr nns sagcn!" bcharrtc Anrora.
„Je nun, das kann ich wohl ohne
Sünde sage, Encr Gnaden. Ich fand
vorhin cin altes Zritungsblatt nnd da
stand daS drin nnd ich habe auch bei
dcm Hcrr Obersten schon cin Bild, ci
altes, kleines Gcmäldc, von cincr jungen
Dame gesehen, nnd das mnß wahrhaftig
dir Signora in jungen Jahren gewesen
sein, das kennt man hcntc noch aber
schön, sage ich, Encr Gnaden
schön!"
Dabci machte dcr schnnrrigc Mensch
ein ganz vcrhimincltcs Gesicht, als sei
cr von Signora Orlosi's Schönheit hin
gerissen.
Die Aligcn dcr beiden Jnngfrauc
sprühten Blitze gerechtesten Zornes.
„Wenn sie auch früher schön gewesen
sein mag, dicsc Person," bcmcrktc Eula'
lia schnippisch, „so muß doch Jeder
mann. dcr nicht gerade blind ist. dir
Nachricht davon gleich cincm vcrklnngc
ncn Märchen ansnchinen. Sic ist ja
schwarz wie cine Mulattin!"
„Bielleicht fließt in ihren Adern wirk
lich cinigcs Ncgcrblnt," versetzte Aurora.
„Eine Thcatcrprinzcffin weiß nie, woher
sie stammt."
Und Käser innßie mehr Bier trinke
nnd mußtc ivcilcr von dem Obersten
nd seinem Verhältniß zu dcr Signora
erzählen. Was dabei zn Tage kam, war,
tcr Hinwcglassttiig der Rede dcr bei
den Schwestern, die dcn Dicncr fortge
setzt unterbrachen, Folgendes:
Als dcr Obcrst noch ein junger Offi
zier nnd die Signora Diana Orlosi eine
gefeierte junge Künstlerin war, da Irrn
tcn sich Bride in dcr Residenz kennen,
und unter dcm großen Schwärm aller
Derer, welche sich huldigend an dir bc
rühmte Sängerin herandrängte, durf
te drr Lieutenant von Roscnbcrg sich rüh
me, anf das Herz dcr Italienerin einen
Eindruck gemacht zu habe. Cr wollte
die Signora hcirathcn, nnd er wäre in
dieser Ehe gewiß glücklich geworden.
Aber in jenen Tagen waren die Helden
der Bretter, welche die Welt bcdcntcn,
noch nicht so gesellschaftlich grachtct, wie
hcnt. Es blcbtc an ihnen noch etwas
von dcr Bcrächtlichkcit dcS wandcrndcn
Eomödiantcnihnms, und des Obersten
Familie konnte sich von dcn noch ziemlich
allgemein geltenden Boriirthcilcn auch
nicht losmache. Alles, was sich in
Bewegung setzen ließ, das wnrdc in Be
wegung gesetzt, nm die Verbindung dcr
altadcligcn Familie Derer von Roscn
bcrg mit cincr berühmten italienische
Sängerin von niederer Herkunft zn hin
tcrtreibcn nnd zuletzt griffen die In
triguantc zn dcm letzten Mittel und
verleidete dcr Signora de Aufenthalt
in dcr Hauptstadt.
Sie zog fort, weit gcn Süden, nnd
dann gcn Westen; dcr Oberst aber war
z gleicher Zeit in eine entfernte kleine
Garnisonstadt an dcr Landcsgrcnzc vcr
setzt worden, nnd wenn auch diese gc'
waltsame Trcnnnng dcr Licbcnden ihre
Liebe nicht aufziihcben vermochte, so
blieb ihnen doch als BerbindnngSmittel
fortan nur mehr die Corrcspondenz.
Dan starb dcS Obersten Vater. Anf
seinem Sterbebette hatte dcr Obcrst dcm
zäh an dcr Reinheit seines Stammba
meS festhaltenden alten Herrn noch das
Versprechen anf scinc Ehre geben müs
sen, daß cr die Signora niemals heira
then wolle und blutenden Herzens
hatte dcr Sohn das Verspreche grgcbcn
und die Geliebte davon benachrichtigt.
So geschah cS, daß Beide, der Obcrst
und Signora, unvcrmählt bliebe. Auch
hatten sie sich wenig gesehen, denn NM
nicht in fortwährendem Conflict mit sei
ner Familicz leben, legte sich dcr Oberst
lieber einigen Zwang auf.
Ueber alledem waren sowohl Signa
ra Diana Orlosi als drr Obcrst alt gc
tvordc. Dir Signora lcbtc scit gcrau
mcr Zeit in Nord Italien, dcr Obcrst
hatte sich pciisionircn lasst und wollte
anfangs in seiner alten GarnisoiiSstad
bleibt bis cr znlctzt dirsrlbc doch
verließ und zum Verwundn allcr Ka
ninadcn ach dem klcincn Pnlenhcini
zog Er wählte aber gerade diesen Ort
mit Absicht aus, weil cr stinc LcbenS
abend zwar nnvcrmählt, aber doch gern
in dcr Nähe dn geliebten Diana vcr
bracht hätte, und zu cincm solchen Vcr
kehr, obschon in allen Ehren, schien ihm
die Gesellschaft in dcr Garnisoiisstadt
nicht recht geeignet zn sein.
So also war dcr Obcrst nach Perlen
heim gerathen, nicht in Folge cincrKiin
de von dcm Borhandciisti zweier Edcl
fränlei von Flachstem, wie diese bis
weilen in aller Bescheidenheit zn hoffen
gewagt hatte, Käfer erzählte cs ihnen,
ohne beschönigende Ausdrücke zn ge
brauche, in cincr beinahe täppischen
ehrlichen Weise nd Aurora nnd
Eulalia wollten vergehen vor Herzeleid
und niisäglichei Wehe, da sie de Ab
gründ erkannten, dcr sich vor ihm ans
that.
„Das ist alles, was ich weiß, Encr
Gnadc," schloß Käfer „rein allrs."
„Lcidcr ist cs weit, weit mehr, als ich
zuhöre gewünscht hättc!" seufzte Au
rora,
„Gott, Du kannst Dich kaum bckla
gcn," versetzte Eulalia spitz. „WaS ist
denn Dir Absonderliches begegnet?
Aber ich, ich bin die Betrogene, denn
ich vcrmicthctc das Hans in dem guten
Glanben, dcr Obcrst zöge ein nd
iin kommt diese Person!"
„So enlscrnc sic doch, Eulalia ! Du
hast ihr ja doch nicht crinirthrt!"
hetzte Aurora.
„Ich gche auch hcntc wirklich noch znin
Notar!" cifcrtc Eulalia. „Dicsc Pcr
so mnß heraus!"
„Euer Gnaden," ivarf Käfcr bedenk
lich dazwischen —„wenn Sic dcn Hcrr
Oberst nicht erzürnen wollen "
„Nun?" drängten beide Schwestern
dcn stockenden Chrysostomiis Käfer.
„So wcrdc Sic gut thun, nichts gc
gcn die Signora zn iinterziinchnirn,"
fuhr dcr Lohndicncr fort. „Was dir
Signora anbelangt, so ist dcr Oberst
Cavalicr gcnng, m betreffs cincr Da
mc, die sich iintcr scincn Schutz gestellt
hat, keine Spaß z verstehen."
Betrübt sahen die Schwestern cinan
der an nnd die Signora blieb nnbc
heiligt wohnen.
VI.
Wochen waren vergangen, ohne daß
sich etwa Besonderes in Pcrlcnhcini zu
getragen hätte. Die Bürger des Städt
chens, voran drr Bürgermeister, grüßten
sehr Höstich die Signora, sobald sie dcr
sclbc ansichtig wurde! Schlächter,
Bäcker n. s. w. hatten sie sogar weit lic
der als die Damcn von Flachstem, weil
die Italienerin nicht so knauserig lcbtc,
wie jene! dcr Obcrst ging von Zeit zn
Zeit, wenn das Wetter gerade schön war,
mit seiner „Freundin" spazieren—oder
cr war in ihrem Hansc und mnsicirtc
niit ihr, denn cr spielte vortrefflich die
Violine nnd die Signora sang och im
mer entzückend schön oder cr sorgte
für ihren Garten genug, dcr Obcrst
von Roscnbcrg war seit dcm Eintrcffcn
der Sängerin für sich allein nicht mehr
denkbar, sondern mir in Verbindung
mit Signora Orlosi.
Lcidcr machten die Damcn von Flach
stein dicsc Bemerkung z ihrem Acrgcr
noch zeitig genug. Allein war dcr O
bcrst nicht zu haben, stets nnr mit dcr
„schwarzen Runkunkel," wie die Sän
gcrin bei dcn Schwestern Anrora und
Eulalia hieß—und wenn sich ini auch
jede der beiden Schwester für ihr Theil
gern überwunden hätte, selbst in dcr Gc
scllschaft seiner „Person" nm dcs gern
gchcirathcten Obersten willen ansznhal
tcn, so war doch nicht abznschc, wir
man cs anfangen mnßtc, m die Sig
nora auch ansziistechcn.
Da kam ein furchtbar schwüler Tag,
heiß nnd drückend, nnd m dir Mittags
stnndc konnte man mit Sicherheit ci
Gewitter als bcvorstchcnd prophczcic.
Und richtig, gcgcn vicr Uhr Nachmit
tags, als Käfcr bei den Edeldamen ein
trat, da meldete cr auchl
„Binnen cincr Viertelstunde bricht
das Donncrlvcttcr los. Der Hcrr
sind schon wieder anf nnd davon."
„Was ist, Käfer, was ist?" fragte
beide Schwester ans einem Mundc.
Das Donnerwetter bricht los nnd dcr
Herr Obcrst sind anf und davon?"
„Wie ich cS sagte. Encr Gnaden,"
entgegnete Käfcr, sich dcn Schweiß von
dcr Stirne wischend.
„Aber wie meint Ihr den das?
Was für ein Donncrlvcttcr bricht los ?
Wohin sind dcr Herr Obcrst?" fragtcn
Aurora nd Eulalia.
„Herr Gott, Euer Gnade, es ist doch
fürchterlich heiß, und wenii's heut kein
Gewitter gibt na, hören Euer
Gnade, wie es donnert ?"
Dumpf und dröhnend erscholl ans der
Ferne der erste Donner, und die ersten
großen Regentropfen fielen ans die dur
stende Erde herab.
„Ein Gewitter I" rief Aurora und
eilte, alle Fenster zu erschließe.
Nro. IS.
„Aber, Käfer, das hat doch och cinc an
dcre Bedeutung, was cr da sagte. Wie
kommt cs, daß cr den Herrn Obcrst so
gewissermaßen damit in Verbindung
bringt nd sagt, cr sci wieder anf
nnd davon ?"
„Ja wissen den Encr Gnade das
wirklich noch nicht?" fragte Chrvsosto
mus sehr erstaunt.
„Nein, lieber Käfer, ivir wissen noch
gar niclits," bcthcncrten beide Schwc
stcrn.
„Ach, gehen Sic. Encr Gnaden, daß
ist ja rinc alte Gcschicht, nnd wir Encr
Gnade für dir Eigciihcile dcs Hcrr
Oberste sich interessire.
„Aber so doch. Käfcr!" drängte Eu
lalia in fieberhafter Cpaiinnng, „nd
Anrora vergaß das Schließt der Fr
strr.
„Nun, ich für nicinr Person, Encr
Gnaden, habe die Beinerkiing schon bald
die erste Zeit gemacht, daß dcr gnädige
Hcrr Obcrst sich sehr im Freien bewegen,
sobald ein Gewitter im Gange ist. Noch
niemals ist cr während cincs Gewitters
in s-inri Wohnung gcwese, nnßcr cin
cinzigcs Mal, Ivo cr ivnndc Füßr hatte
nnd damals hat cr geklagt, daß cs ihm
unmöglich sci. anszngchrii,
Dcr Donner rollte näher nnd näher,
lanlcr nnd lautre. Die Tropfen sielen
immer reichlicher nnd dichter lind ver
mochten doch de Staub nicht zn lösche,
welcher von dem Gewitterslnrin in
lächltgcn Säulen aufgewirbelt ward
Aurora wollte etwas erwidern —da
machte ihr Eulalia cin heftiges Zrichrn.
sic möge stillc sci.
Ans dc Donner, ans das Gewitter
überhaupt hatte keine der Schwestern
mehr geachtet, dafür war das Interesse
an Käfers Erzählung bei Beiden zn
groß. Aber ini plötzlich war an En
lalicns fcincs Horchcrohr cin Ton ge
schlagt, dcr zum Gewitter nicht gc
hörte.
„Hörst Du. Alirora?" fragte Eula
lalia gedämpften Tones nnd die Hand
am Ohr.
„Bei allen Heilige!" bestätigte Au
rora nnd führte die Hände über dcm
Kopfe znsaminc. „Beim Gcwittc
gottlose Lieder zn singe!"
Entsetzen rieselte durch die Gebcinc
dcr cdlcn limgfranrn. Deutlich vcrr
ahmen sie. wie Signora Orlosi im Nc
bcnhansc ci Lied sang.
„Das ist das Lied, waS dcr Hcrr
Obcrst so gern haben," sagte Käfcr.
„Signora üben cs cbcn."
„Aber jrtzt, während dcs Ausbruchs
cincs fürchterlichen Gewitters!" vrrsctz
Alirora.
„Ja, Signora haben ebc auch ihre
Eigcnhcitc," erwiderte Käfcr achsclzuck
end. „Gerade während eines Gcwit
ters singen Signora gern."
„Folglich," rief Anrora, von ciiicin
himmlischen Gedanken durchzuckt—
„folglich geht dicsc Person niemals mit
dem Herrn Obcrst ans, wenn derselbe
beim Beginn eines Gewitters den grü
nc Ochsen und die Stadt verläßt, Kä
fer, ist cs nicht so?"
„Es ist allerdings so, Encr Gnaden,"
bestätigte Käfer nd nickte mit dem
Kopfe.
(Fortsetzung folgt.)
Vermischte s.
Ohio hatübcr 30,000 Freimaurer.
Falsche 50-Ccnt-Notcn im Umlauf.
Jeff. Davis ist jetzt 70 Jahre alt.
Jetzt ist die Zeit um eure Waaren
für die Feiertage bekannt zu mache.
Fort Waync, Indiana, consiimir
tc in Monat Novcmbcr 970 Faß Bier.
Die Bummlcr und Eckenstehersn
che jetzt die sonnige Seite der Straße.
Am Mittwoch starb in Paris der
berühmte französische Maler, Alexander
Colin.
Präsident Graut wiegt jetzt 187
Pfund. Schwer gcnng, um dem
Lande im Magc zu licgcn.
Dcr Mörder, Carl Kraut, welcher
cbcnsalls im Gefängniß daselbst sitzt,
wnrdc z 21 Jahre Zuchthausstrafe
vcrurthcilt.
Die neuen 50-Ccts Roten sind so
eben erschienen; dieselben sind nett nnd
zeigen das Portrait dcS Win. H. Craw
ford, Schatz Sekretärs initcr dcm Präsi
denten Monroe.
Mittwoch Nacht wnrdc die Erste
Rational Bank von Monroc. Michigan,
in ctiva Kl 7,000 bis 818,000 beraubt
Eine Belohnung von 82,000 ist anf die
Ergreifung dcr Ränbcr ansgcsctzt
I cincr dclitschc Familie in hie
siger Stadt ist ein junges Mädchen, wel
ches so sittsam ist, daß cs jeden Morgen
beim Ankleide de Vogelkäfig mit ei
nem Tuche zudeckt, weil dcr Eanaricn
vogcl ci Männchc ist!
Am Mittwoch zerstörte eine Gas
cxplosion die Bierbrauerei des Hrn. D.
Jones i Rcw-Nork. Verlust 8350,000.
Versicherung 83,000.000. Etwa 300
Arbeiter, welche in der Brancrci brschäf
tigt waren, sind jctzt arbeitslos.
Die beiden großen Erprcß-Eom
pagniccn Nord Amcrtka's (Adams nnd
America) verwenden 8,000 Menschen,
1,900 Pferde, 1,200 Wägen nnd .1.000
feste Geldschränke. Ihre Agenten lege
täglich über 100,000 nnd jährlich über
32,000,000 Meilen zurück.
Sehr wahr.
Carl Schurz sagte Ictztbin: „Dicßä
tcr dieser Republik wnrdcn uns sogen
wenn sie könnten, daß wir sie weniger lo
ben, desto mehr aber ihrcmßcispiele fol
gen sollte."— Das sind wahre nnd gold
nc Worte, die nicht genug beherzigt wer
den können. Würde man dem Beispiel
der Bätcr der Republik folgen, so hätte
man nicht über Betrügereien, Schwin
deleien und Eorrnption zu klagen.

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