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Pennsylvanische Staats zeitung. [volume] (Harrisburg, Pa.) 1843-1887, April 13, 1876, Image 2

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Die Slools-Mmig
I. Georg Ripper, Herausgeber.
HarrtSvurp., Pa.
Do crsta g, April 13, 1876.
Von der G setzgebung
habe wir diese Woche wenig zn melden.
Das Wichtigste was geschah, war die
Passiruug der sog. Voom-Lül, sowie ei
ne Bill, um eine große Summe Geld
für einen Soldatcn-Huinbiig auf dem
Ceiittiinialznvcrivilligcn. Auchwiirdcn
eine große Anzahl.Kpeoek vom Sta
pel gelassen, die eben so Hirn wie sinn
los waren.
Eine „hölzerne" Bestechung.
Das ist allerdings eine sonderbare
Uebcrschrift. Was soll damit gemeint
sein? Wir wollen'S dem Leser gleich sa
gen:
In Williamsport, diesem Staat, lebt
ein Mann, Namens Peter Hcrdic,
ei reicher Kauz, der sogar letzten Som
mer eine Kirche, die tansende von Dol
lars kostete, anf seine eigene Koste bau
en ließ.
An sich selbst ist Hcrdic keine so ganz
üblcHaut.abcr wo etwas „gemacht" wer
de kann, da ist der Peter an der Spitze.
Wie bekannt, befindet sich zn Wil
liamsport ein sogenannter „Loom," „m
Flußholz das den Susguchanua-Fluß
herab kommt, aufzufangen. (Ein Boom
ist eine Art Damm, zusammengesetzt aus
großen starken Banmstäminc. deren ei
nes Ende sich vom Ufer bis weit hinaus
in den Fluß erstreckt, so daß, wie schon
bemerkt, eine Art Falle oder Damm da
durch verursacht wird.) Dieser Room
wird von einer Gesellschaft geeignet, zu
welcher Hcrdic gehört. Kommen nun
Flöße oder Baumstänimc den Fluß her
nntcr, waS besonders während dem Hoch
wasser im Frühjahr geschieht, so werden
sie von diesem Boom aufgefangen, wo
für die Gesellschaft einen gewissen Zoll
oder Tax erhält. Frühir erhielt die
Compagnie einen Tax oder Zoll von
81.25 per tausend Fuß, was während
des Jahres ein ganz nettes Einkommen
in ihre Taschen brachte. Allein vor ein
oder zwei Jahre wurde der Zoll auf
81.00 heruntergesetzt, wie er jetzt noch
ist.
Die Holzhändler und Holzfäller wa
ren mit diesem Zoll ganz zufrieden
Nur Peter Hcrdic (oder General Boom)
nicht. Er gab sich alle Mühe, diesen
Winter den Zoll wenn nicht 81.2-">, so
doch anf 1.12) erhöht zu sehen. Eine
solche Bill kam auch vor das Hans, al
lein sie wurde mit zwei Stimmen Mehr
heit abgelehnt.
Darüber ist nun der Peter arg bchc,
nnd beschuldigt die Holzhändler, die Her
ren Gesetzgeber „geschmiert," resp, „be
stochen" zu haben! Darum die Ueber
schrift: „Hölzerne" Bestechung.
8400 solle an verschiedene Herren im
Hanse bezahlt worden sein; ja. selbst
Senator Boycr von Clcarfield habe für
jede Stimme, die gegendicßill gegeben
werde, (gegen Erhöhung des Zolls)
8400 nugeboten!
Die Folge war, daß eine Conimillec
ernannt wurde, um diese Anklage zu nn
trrsttchen. Wie aber die Sachen jetzt zu
stehe scheinen, so beruht die ganze Gc
schichte auf Hörensagen. Der Eine
wills vo seine Großvaters Bruder,
der Andre von seines Onkels Schwester,
der Dritte von seines Vaters
. s. w. gehört haben, daß dieser und
zencr bestochen worden sei. Kurz, die
ganze Geschichte wird wie eine Seife
blase zerplatzen. Das ist, was wir da
von denken Die Republikaner möchte
gerne die Demokraten in eine Patsche
bringen, um ihre eigene Schandthaten
zu decken, damit sie wie rcingewaschenc
Engel dastünden. Der Kniff ist jedoch
verfehlt, und muß jeden rechtlich denken
den Bürger nur mit Ekel erfüllen
Ex-S krrtiir Bclknap' Prozeß.
Der Kongreß hat nun die Anklage-Ar
>kcl gegen den früheren Kriegsminister.
Wm. W. Bclknap, welche von dem
Zusty Committce berichtet war, angc
nommen, und die Männer im Namen
des Hauses erwählt, welche als Anklä
ger von dem Senat erscheinen sollen.
Der Senat, dem diese Artikel zuvor
eingereicht werden mußten, hat sich nun
als hohes StaatS-Tribunal (bixb oonrt
ok iwpeiwbmsot) konstitnirt, und zwar
dadurch, daß der Oberbnndes-Richter
den Vorsitz vertritt nd die Richter des
Bnndes-Gerichts als Beisitzer fungiricn.
Die Senatoren selbst sind die Richter.
Das Verhör soll nächste Montag (am
17te) beginnen; wie es aber heißt,
wollen Bclknaps Advokaten es auf zwei
Woche hinausschiebe. Auch muß zu
erst entschiede werden, ob Bclknap vom
Kongreß verhört werden kann oder nicht,
da er kein Vcr. Staaten Beamter mehr
Bst-
Die Anklage-Artikel sind fünf an der
Zahl. Im ersten Artikel wird der Ver
kauf des Händler-Postens von Fort Sil!
an Caleb P. Marsh aufgeführt, wofür
er von letzterem verschiedene Summe
bezog. Im zweiten Artikel wird der
Verkauf an den eigentlichen Händler
EvanS als Vergehen hingestellt. Der
dritte Artikel klagt Bclknap an, den be
sagten Evans zum Nachtheil de öffcut
lichen Dienstes nd der Offiziere und
Soldaten auf jenen, Posten gelassen zu
haben, obgleich er den Schacher kannte.
Der vierte Artikel enthält 17 Anklagc
punkte wegen Bestellung durch Marsh.
Der fünfte Artikel besagt, daß Bclknap
ivährend obiger korrupter Handlungen
Kriegsminister tvar, und daß sie deshalb
ein hohes Staatsverbrechen begründen.
Die als Ankläger erwählten siebe
Mitglieder des Kongresses sind: I.
Proktor Knott von Kentucky; ScottLord
von Utica, N. Hort; John A. McMa
hon von Maryland; Wm. P. Lynde
von Wisconsin; Georg A. Zenks von
Grookville, Pennsvlvanien; Geo. F.
Hoar von Massachusetts; nnd E V.
Lapham von Canandaigua, New Aork.
Die fünf Erstgenannten sind Dcmokra
e. nnd die beiden Letztere, Republika
nft.
Wieder Einer in der Klemme.
Der Ber. Staaten Marinc-Sekrctär,
Geo. M. Robcson, soll sich ebenfalls in
einer schlimmen Klemme befinden nd
Aussicht habe, impcachcd zn werden,
da er beschuldigt wird, mit verschiedene
Betrügern und Dieben auf Leagnc Is
land (dem SchiffSbauhof nahe Philadel
phia) verbunden gewesen zu sein. (ES
ist derselbe Ort, wo alljährlich kurz vor
der Wahl hunderte Arbeiter angestellt,
natürlich blos um zu stimme, nnd nach
der Wahl wieder entlassen zn werden.)
Wir behaupten zu sagen, daß auch nicht
ei einziger ehrlichcrßea in
ter von Präsident Grant bis zum ge
ringsten Clerk hinunter in Waschingto
ist Die ganze Rotte stiehlt, betrügt,
und ist vo Kopf bis zur Fußsohle cor
rupt.
Doch Passirt.
Die sinnige Bill, 855,000 zur Ein
quartirung von 8,000 bis 10,000 Mann
Militär auf dem Ccntennial zu vcrivil
ligcn, ist endlich doch passirt. Wir Hei
ken das eine reine Geldverprassiing, wel
che mit einem Spott- nd Hohngcläch
ter für das ganze Land enden wird.
Hören wir, was der Philadelphia „De
mokrat" darüber z sagen hat:
Der Senat in Harrisbnrg hat den
Gcsetzvorschlag des Hauses abgelehnt,
810,000 für Ausstellung der Mineral
schätze des Staates auf dem Ccntcnnial
zu verivilligen Dagegen hat er 855,-
000 verwilligt für ein Lager der Mili
zen im Fairmonnt Park während der
Ausstellung. Für eine höchst nütze
Spielerei hat man eine ganz überlric
bene Summe, und aber für eine wich
tige, lehrreiche und nntzbringcnde Sa
che hat man weder Geld och Interes
se. DaL Haus hatte zuvor 810,000
dafür bewilligt. Woher kommt diese,
wenn auch nicht auffallende—denn was
ist noch auffallend in dieser Zeit!—doch
höchst widerwärtige Erscheinung? Die
Mineralien von Pcnnsylvanic haben
kein Votum und sind weder Brüder,
noch Söhne, noch Verwandte der Sc
natorc, aber die Milizen sind liebe
Freunde, sind brauchbare Freunde, sind
8000 oder 10,000 Stimmgebcr nnd ih
neu eine kostenfreie Reise nach Philadel
phia und freies Sommcrguarticr unter
Staatszeitc zn verschaffen ist nicht
dumm nd muß sich lohnen.
Der Grund für dieses Gebühren lau
tet, scrc Mineralien brauchen Nie
manden besonders gezeigt zu werden, die
kennt Jeder, und unser Granit, Mar
mor, Eisen nnd nnscrcKohlen werde sich
auf der Ausstellung ohnedem breit ge
nug machen. Aber unsere Miliz kennt
Niemand, nd doch sollte die ganze Welt
sie kennen lernen Wenn nr die Welt
sich nicht krank lacht, im Fall Ackers
mann George den Coloncl ans rück
wärtsgehendem Maulesel macht; Ge
neral Bill vielleicht vom Pferd fällt,
oder über seinen Schlcppsäbcl stolpert,
während seine Brigade von 200 Mann
ach verschiedenen HimmclS-Gegciidc
dcployirt. Wenn sich die Welt krank
lacht, was soll daraus werden; es sind
zwei kleine Hospitäler anf deni Ansstcl
lnngs-Platz.
Noch einer von Grant'S Verwandt
schaft
Präsident Graut hat eine sehr große
Verwandtschaft Ihne allen Aemter
zu verschaffen, war keine Kleinigkeit.
Jetzt aber, wo sie Aemter haben, ent
puppt sich einer nach dem andern als cch
terHallnuk. Da ist z.B. OrvillcGraut,
ein Bruder des Präsidenten, welcher bis
nn den Hals im Dreck stickt; sein Schwa
ger Casey ist um kein Haar besser; und
jetzt taugt noch ein Verwandter ans, näm
lich der Mann der Schwester der Frau
des Bruders der Frau des Präsidenten,
Namens Bcrnard. Bernard ist äm
lich mit der Schwester der Frau John C.
Denl verheiratbet, welcher letztere ein
Bruder der Frau Grantist. Das ist die
Verwandtschaft, und das Geschäft ist
folgendes Bcrnard erwirkte im Jahre
1867 von General Grant als Oberbe
fehlshaber der Armee die Ernennung ei
nes Hrn. Barrow von New-lork als
Garnisonshändlcr in Fort Union, New-
Mexico, wofür er rin Drittheil des Ge
winnes bezog Obwohl Barrow regel
mäßig zahlte, wurde er doch nach ein
paar Monaten wieder abgesetzt nd
Bcrnard nd einer von den Dent's, sei
nes Zeichens ei „Schwager", über
nahmen den Posten. Und an sie muß
te Barrow mit solchem Verlust vcrkan
sen, daß er bankerott wurde. Während
Dent und Barrow in St. Louis betreffs
der Uebernahme der Magazine verhau-
Velten, verwaltete Bernard dieselben im
Fort; das war während der Präsiden
tenwahl im Jahre 1868, und er wettete
eine Wagenladung Zucker und Kaffee,
daß Grant über 20 000 Mehrheit in
Ncw-B>ork haben würde. Er verlor und
Barrow mußte die Wette bezahlen.
Bcrnard wurde infolge seiner Transak
tionen in New-Mexico respektabel nd
ist jetzt Bank-Examinator in St. Louis.
Barrow hat die ganze Geschichte jetzt
aufgedeckt, und sie Hrn. Clymer's Com
mittee in Washington erzählt-
Ein Bundrs-Tenator wegen Unter,
schleift in Anklagestand versetzt.
Der heutige „Star" enthält folgende
Nachricht:
Senator S. B. Eonovcr von
Florida des Unterter
schleifs angeklagt
Eine Special-Depesche an die Florida
„Union" von Tallahassec vom2B. Pkärz
sagt: „Die Grand Jury de Circnitgc
richts war heute in Sitzung nd erhob
gegen den Ber. Staaten Senator S. B.
Eonovcr die Anklage wegen Unterschla
gung von d4o,>XX>Greeback und „bluc
Scrip." Er wurde vom Scheriff ver
haftet nd später gegen 810,000 Bürg
schaft freigelassen, um sich morgen vor
dem Gericht auf die Anklage zu ver
antworten. Gcncral-Anwalt Williams,
rcher Eooke und Banning Baker sind
die Anwälte des Staats, und Coloncl
Brcvord nebst-anderen Advokaten füh
rcn die Vertheidnng.
Laut der vor einigen Tagen angcsteU
ten Volkszählung, hat Philadelphia eine
Einwohnerzahl von 817,446 Seelen
Die Etatwahl in Eonnrctirut.
Die Wahl welche vorletzten Montag
im Staat Connecticut abgehalten wnr
de, hat ein viel erfreulicheres Resultat
ergeben, als man Anfangs glaubte.
Für Governör waren vier Candida
ten im Feld, nämlich der Demokrat In
gersau, der Republikaner Robinson, der
Temperenzler Smith, nd der Grccnback
Kandidat Atwater.—Hr. Jngcrsoll er
hielt eine Mehrheit vo 7310 Stimmen,
und über alle zusammen 3708!
In der Legislatur haben die Demo
kraten bei gemeinsamer Abstimmung
eine Mehrheit von 89, da sie 18 Sena
toren, nnd 160 Repräsentanten erwähl
ten, während die Republikaner blos drei
Senatorc, und 84 Repräsentanten ha
be. Letztes Jahr war die dcmokrali
schc Mehrheit bei gemeinsamer Abstim
mnng 34; sie hat sich also mehr als
verdoppelt.
Wie die Republikaner nn noch be
haupten könne, daß dies kein demokra
tischer Sieg sei, geht über gewöhnliche
mathematischeKcnntiiisse. Andere, wel
che die republikanische Niederlage in ih
rer volle Ausdehnung zngkstcben, schic
bc die Schuld dem schlechten Weiter zu.
Als ob cS in Counecticiit nicht jedesmal
am Wahltage regnete!
Wohl durfte unser „Roostcr" letzte
Woche krähen ; aber es kommt och bes
ser, wenn die große Schlacht nächsten
Herbst losgeht. Da wird den Republi
kanern das Fell noch vollends über die
Ohren gezogen.
In Rhode Island, das kaum größer
als ein Fuchsncst ist, fand ebenfalls eine
Wahl statt, bei welcher indeß keiner der
Govcrnörs-Candidatcn vom Volk er
wählt wurde, da Keiner die gesetzliche
Mehrheit hatte. Da indeß die Repu
blikaner eine Mehrheit in der Gesetzge
bung haben, so wird ihr Candida vo
diesem Körper erwählt werden.
Skizzen hervorragender Männer.
Vor uns liegt ein kleines Heft betitelt:
„Legislatives Skizzcnbuch, enthaltend
Nückcrinnernugcn der Legislaturen und
persönliche Skizzen der Häupter der
Staats-Verwaltnng nd der Mitglieder
der Gesetzgebung, zusammgciigcsctzt von
Geo. H. Morgan von Harrisbnrg."—
Dies ist ein sehr interessantes kleines
Buch, das dessen Verfasser zur großen Eh
re gereicht. Er schildert in demselben die
Personale der verschiedenen Häupter
der Staats Regierung nnd der Reprä
scntaiitc ans eine Art und Weise, wcl
che für manche der Betreffenden sowohl
als ihre resp. Frciiudc eben so intcrcs
sent wie schmeichelhaft ist.
Unter den Repräsentanten im HauS,
erfreut sich keiner eines besseren Rufs
lind höheren Achtung wegen seiner Cha
rakterfestigkeit und biederen, männliche
Verhallens, als der Achtb. William
Keyser von Bedford County. Schlicht
iuseinti Benehmen, gcnicßter die wärm
ste Anhänglichkeit Aller die ihn kennen.
Höre wir, was der Autor des obigen
Skizzcnbiichcs von Hrn. Keyser zu sagen
hat:
„William Kcyscr, einer der Repräsen
tanten von Bcdford County, obschou
nicht bekannt als ein öffentlicher Redner,
ist immerhin dennoch ei Man von
bedeutenden Kenntnissen. Er ist ei
ncrZder verträglichsten und „gradcaus
sprechenden Männern" (wie man zu sa
gcu pflegt) im Hause; und diese Eigen
gcnschaften, verbunden wie sie sind mit
großem moralische Werth in allen sei
nen Verhältnissen dcS Lebens, sind die
natürliche Ursache der hohen Achtung, in
welcher er unter seinen Mitgcuosscii, bei
der Parteien steht. Er sieht keinen Nn
tzeu im vielen Reden, es sei denn, daß
dadurch der Weg zur praktische Aus
führung der Geschäften gebahnt werde.
Hr. Keyser besitzt ausgezeichnete Ken!
Nisse über beinahe alle Gegenstände Ivel
che vor daS Haus kommen, während sei
ne Redensart einen klare Kopf und
gründliches Urtheil verrathen. De
Sitzungen des Hauses wohnt er pünktlich
bei, nd ist besonders im Committce-
Zimmer ein fleißiger Arbeiter; mit ei
nem Wort, er ist cm Mitglied von gro-
Hein praktischen Nutzen
Hrn. Kcyser's frühere Zchiilbilduug
war blos auf zwei Monate iim Jahr)
beschränkt, nnd genoß dieselbe in einem
alten Blockschnlhans im Lande Durch
Energie, Treue und Fleiß gelang es ihm
jedoch endlich als Scheriff von Bcdfvrd
County erwählt zu werden. Seine ge
genwärtige Beschäftigung ist die eines
Kaufmann's nnd Farmers, und ist et
wa SV Jahre alt."
Das ist Hr. Kaiser von Bcdfvrd Co.
Seine Conslitneiitcn dürfen wohl stolz
auf ihn sein, da er ihre Interessen auf's
beste vertritt. Hr. K. spricht auch flie
ßend Deutsch, und ist einer von Denen,
die gegen die Passiruug der Bill kämpf
tc, welche die Deutschen Blätter des
Staates in Betreff der Veröffentlichung
legaler Anzeigen hintenan setzte. Alle
Ehre dem Manne.
Noch schlimmer wir hier.
Wir klagen in Amerika über schlech
te Zeiten, aber in Deutschland gehen die
Geschäfte noch viel schlechter wie hier.
Man lese nur, was ein Korrespondent
ans Berlin schreibt: Von schlechten Zei
ten läßt sich nicht viel erzählen. Es ist
immer dasselbe Lied. Man blickt in
den Anzcigethcil der Zeitungen hinein
nd findet, daß die Ankündigungen von
gerichtlichen Verkäufen immer länger
werden. Jeden Tag wird ei Dutzend
Hänser und unbekannte Grundstücke
ausgeboten und an drei oder mehr Stel
len werden Waarenlager gerichtlich aus
verkauft. Zum Einzelverkauf haben
die vom Gericht bestellten Verwalter
nur noch in der Minderzahl der Fälle
Zeit. Meistentheils kündigen sie an,
daß sie Angebote ans die gesammtcn
Bestände .eines Geschäftes entgegcnneh
mcn. Als ein sehr deutliches Zeichen
der schlechten Zeiten in der Hauptstadt
Deutschlands wird angeführt, daß der
zweite Snbscriptionsball im königlichen
Opernhanse zum ersten Male seit Men
schcngtdcnkcn ausfallen mußte, weil es
an der nöthigen Betheiligung fehlte.
Die Stimmung der beschäftigungslosen
Arbeiter ist so besorgnißcrregend, daß es
die „hohe Obrigkeit" nöthig fand, den
Carncval-Umzug durch ein Massenanf
gebot von Schutzleuten zu Pferde nd
zu Fuß begleiten zu lassen
Da Ecntcnnial in Philadelphia.
In vorletzter Nro. der „Staatszci
tung" versprachen wir, weiteres Interes
sante in Betreff des Centennials oder
Weltausstellung zn bringen, und er
wähnten am Schlüsse das hübsche Ge
bäude der Japanese, sowie auch die
Hotels nnd Salons mehrerer unsrer
persönlichen Freunde. Heute erlauben
tvir uns noch Einiges über verschiedene
andcre Gebäude nnd Pavillons zu
bringen.
Einer der schönste Pavillons ist der
des Staats New Jersey, dessen mit ro
then Ziegel eingedeckte steile Dächer
und eigenthümliche Banart überhaupt
dem Besucher auffalle' muß. Derselbe
hat den Ehrenplatz zwischen dem Pavil
lon der Fra und dem Restaurant dcS
Südens. Nicht weil von demselben wird
der großartig angelegte Pavillon des
Staates Kansas soeben aufgeführt, ein
Ban von 140 Fuß Länge und gleicher
Breite, welcher sich auf dem Dach durch
geschmackvolle Bauart aiiszcichiict.
Der Pavillon vo Ohio, ein aus
Ohio Steinen aufgeführter Ban von 60
Fuß im Geviert, an welchen sich ei An
bau von 40 Fuß Tiefe anschließt. Das
Gebäude ist bis zum Dach fertig.
Indiana erbaut eine Pavillion von
60 bei 45 Fuß, welcher beinahe fertig ist
und wegen seines cigcnth'inilich geboge
nen Daches nnsfält.
Für de Staat Kalifornien ist man
soeben an dem Ban eines großartige
Pavillons von 110 bei 60 Fuß, der eine
Zierde der Weltausstellung sein wird.
Der Pavillon des Staates Mississippi
ist ein geschmackvolles im "insiic
ausgeführtes Landhaus.
Der Ban des alten LandhanseS, in
welchem die Commission vo Connecti
cut ihr Hauptquartier haben wird, ist
vollendet. Das Gebäude ist unansehn
lich und verschwindet nebe den benach
barten Bauteil.
Massachusetts läßt soeben einen gro
ßen originelle Giebel-Ban, dessen Sei
te mit Schindeln bekleidet sei werde,
aufführe, welcher der Slaats-Commis
sion genügende Räume für den Empfang
der Bürger des Staates geben wird.
Ebenso ist der elegante Pavillon des
Staates New Aork, welcher vo einer
Bcrandah umgeben ist, ein geräumiges
Gebäude, welches den Beifall aller Be
sucher finden wird.
Nicht minder hübsch ist das Club-
Haus, bekannt unter dem Name "Ilm
BouU>," das vo einem Hrn. Edward
Mcrccr auS Atlanta, Georgia, in Ge
mciiischaft andrer Südländer errichtet
wird. Das Gebäude soll 140 Fuß lang
werde, mit einem Speisesäle' der 500
Mensche fassen kann,und einem Lcsczim
icr. wo Zeitungen aus allen Theile der
Welt zu lesen sind. ES hat indeß weder
Thüren noch Schlafzimmer, nd ist zwei
Stockwerk hoch.
Ein anderes sehr schönes Gebäude ist
die,.Welt Zickel- nndNachfrage Office."
wo Billets für Eisenbahnen wie auch
für Schiffen nach fast allen Theilen der
Welt zu habe sind. Auch werden zu
verlässige Personen angestellt, um Aus
kunft nach verschiedene Theilen des Lan
des wie auch Europa zu geben.
Auch eine Postofficc wird im Haupt
gcbände errichtet, in welcher Briefkästen
von siebe verschiedenen Sprachen zu
finden sind.
West-Virginia, Arkansas, Missouri,
Illinois, Wisconsin d andcre Staa
te, lasse ebenfalls hübsche Pavillons
errichten.—Der Pavillon für den Staat
Pennsylvanicn war noch nicht begonnen,
als wir den Eciiteniiialgruiid besuchten.
Der Pavillon des Deutschen Reiches
wird aus Stein aufgeführt nd wird
einer der schönsten nnd geschmackvollsten
der Ausstellung werden. Daneben sind
Arbeiter soeben mit der Ausstellung des
brasilianischen Pavillons beschäftigt.
Beide sind bereits weit vorgeschritten
Drei französische Gebäude und der
Pavillon für Ausstellung des Brauerei-
Gewerbes werden nahe der Ackerbau-
Halle nnsgtsührt
Nebst diesen Prachtgcbäudcn, sollen
auch Statuen und Gemälde berühmter
Männer auf dem Ccnteiinialgruiid auf'
geführt werden, wie z. B. eine Statue
von Humbold, dem uusterblicheu deut
che Astronom; ei kolossales Gemälde
weS Kronprinzen von Deutschland und
Preußen, das jetzt auf dem Wege über
Bremen nach Amerika ist. Professor
Stcffeck hat es in den letzlvcrgangcne
Tage zur Vollendung gebracht. Es
stellt den Sieger von Wörth in etwas
überlebensgroßer Gestalt dar, wie er
von seinem Schlachtroß, einem kräftig
gebauten Fuchs, im kurzen Galopp über
da? Feld dahingctragcn wird, welches
vo de zur Linken sichtbar werdenden
Höhen her durch die in Dampf gehüll
ten Batterien der Frauzoscn bestrichen
wird. Der Kronprinz trägt den Helm,
den bestaubten Wasfcnrock, dessen Brust
neben dem Stern bereits das Eiserne
Kreuz erster und zweiter Classe, wie den
Hals das große Comthurkrcuz desselben
Ordens schmücken, nnd die hohen Stie
feln. Der Säbel mit schwerem Gefäß
fliegt an seiner linken Seite. Der Kopf
wendet sich nach der linken Seite, wäh
rend seine rechte Hand am etwas erhobe
nen und ausgestrecktem Arm auf die
feindliche Stellung hinweist. Weiter
zurück erkennt man auf bäumendem
Pferde, dem Kronprinzen folgend, den
baicrischcn General v. d. Tan, an des
sen rechter Seite General von Blumen
thal. hinter ihnen noch ein paar Offizie
re des Gefolges. Das große Bild ist
mit bedeutender Bravonr gemalt und
wird auch hier in de riesige Räumen
des AussteUiingS-Palastcs, i welchen
Werke kolossalen Maßstabs sicher immer
am Beste zur Geltung komme werden,
seine Wirkung ebenso wie durch den Gc
gcnstand und scincAnffassung, auch durch
die Art seiner Malerei erzielen.
Auch eine Statnc vo Columbus, dem
Entdecker Amerika's soll den Platz zieren.
Eine andere Sehenswürdigkeit ist das
"Lsutsnnial loemtai," welches die Ei
rischen Temperenzler daselbst errichten.
Auf der Spitze befindet sich eine Statue
von Moses, wie er mit seinem Stab das
große Wunder verrichtete, nd Wasser
aus einem Felsen hervorbrachte. Das
Wasser fließt vom Felsen herab in einen
großen Behälter oder Ilasi, vo Ivel
chcm sich wieder vier Acrinc oder Plat
forniS in Gestalt ciiicS maltesischen
Kreuzes aiisdchncii Ans jedem dieser
Platsormcn ist eine Wasser- oder Trink
fountaiiie von 12 Fuß Höhe, während
sich auch ans jeder dieser Platsormcn
Statue befinden. Diese.Statue re
prästiilircii Coiiimodor Joh Barry,
der „Vater der Amerikanischen Flotte";
Erzbischvf John Carroll, der patriotische
Priester der Revolution; Charles Kar
roll von Carrolltou. der katholische Un
terzeichner der Uuabhängigkeits-C'rklä
ruiig, und der große Temperenz-Apostel,
Vater Mathcw. Die Statuen werden
in Tyrol von einem jungen Philadcl
phiacr Namens Hcrin an K i r, ei
Schüler des berühmten denticheiiKünst
lers Steinhäuser verfertigt.
Auch eine Statue der „Göttin der
Freiheit" nebst einem Knabe, der in
seinen Händen eine Urne hält, in wel
cher die heilige Flamme brennt, nd sie
ach dem Himmel richtet; zn de Fü
ßen der großen Statnc ein großer Ad
lcr, der mit seine Klauen eine Schlan
ge packt, als Zeichen der Zerstörung der
Sklaverei und der Befreiung vom Brit
tischen Joche, ist daselbst crrichlet worden.
lim vieles Laufen anf dem Centrum
algrund zn spare, werden Straßen-Ei
senbahncn mit einer Länge von vier
Meilen hergerichtet. Der gewöhnliche
Fahrpreis der Straßcu-Eisenbahiicn in
der Stadt ist 7 Cents,, oder vier Tickets
für 25 CcntS. Erchaiigc-Tickcis kosten
9 Cents; mit diese kaun man aber auf
beinahe allen Slraßcn-CarS vo irgend
einem Theile der Stadt nach dem Ken
tcnnial, oder irgendwo sonst hin, d. h.
innerhalb der Stadtgrcnze fahren.
In nächster Nummer werden wir och
Einiges über das Ccntciinial und Phi
ladelphia nachholen, damit solche unsrer
Leser welche die Weltausstellung besu
chen, wen nicht einen ganz genaue
Begriff, jedoch hinreichende Auskunft
über daS Ccntcnnial und Philadelphia
haben, m nicht im Dunkel umher
irre z müssen.
Ter Bankräuber Rolland in Eham
bcrsburg.
Wie es jetzt ans Tageslicht kommt, ist
Kol. Rolland (wie man ihn früher
nannte) ivclchcrnculichmit einem Spieß
gesellen den Versuch machte, die Bank
in Chambcrsbnrg zu berauben, ein ver
schmitzter Schurke, und niemand anders
als Charles C. Clcriiion, ein bcrüchlig
lcr Schüler des gefährlichsten lebenden
Fälschers und Gauners, WallerPatlrr
lon. Er wurde als Solcher von Pin
kcrlon's Detektives erkannt.
Clcrinont ist jetzt 26 Jahre alt und
lebte vor 8 Jahren in Chicago, wo er
als Car-Conduclor seine Lebens Unter
halt verdiente. Er hat ein äußerst an
genehmes Acußcre, gcntile Manieren,
ein cinschmcichcliidcS Wrsen nnd bald
gelang es ihm, sich die Liebe der Toch
lcr einer geachteten Familie Namens
Mand L. Margrave zn erwerben, die
ihm noch heute so innig zugethan ist, daß
sie für ilm stets selbst Verbreche nicht
scheut und seine treue Helferin und
Schützerin ist.
Clermont wurde in Chicago mit Pol
tersou bekannt und war riii so gelehri
ger Schüler, daß er sich bald auf eigene
Füße stellen konute. Die Banken, in
Baltimore, Richmond LonisviUe, Mein
phis, New Orleans und Chicagc wissen
vo ihm zu erzählen. Er hat sie sämint
lich um größere Summen begaunert.
DicS führte er folgcudcrniaße auS:
Er kam nach einer Stadt in Begleitung
eines Clerks, etablirte irgend ei Ge
schäft und eröffnete ein Conto in einer
Bank, bei der er mehrere Tausend Dol
larS dcponirle. Am Schluß jeder Wo
che zog er Geld, das er aber immer wie
der durch neue Depositen ersetzte, bis er
sich daS Vertrauen als tüchtiger, solider
Geschäftsmann erworben hatte. Dann,
wenn die Zeit gekommen, ließ er durch,
seinen Clerk, der überhaupt alle Bank
gcschäste für ihn besorgte, fast seine gan
zc Bilanz aus der Bank ziehen und de
pouirtc einen Wechsel von bedeutender
Höbe af ein bekanntes Bank-Gcschäst
in New Äork oder Boston, ans welche
hin er dann gerne mckrcre Tausend
Dollars vorgestreckt erbicli Mit die
sc verschwand er und Tags nachher
kam der Wechsel mit der Aufschrift „gc
fälschte Unterschrift" zurück.
Im Jahre 1872 tauchte Clermont in
einem Hotel in Long Brauch dem „West-
End" ans, wo er sich für einen cnbani
scheu Flüchtling Namens La Dczma
ansgab. Hier wurde er mit einer Er
bin aus West-Philadclphia bekannt, wcl
che er hcirathctc, trotzdem seine Frau zur
Zeit ebenfalls in Long Brauch war.
Wie die Polizei glaubt, hat diese davon
gewußt. Er zog mit der neuen junge
Frau nach West-Philadelphia und nach
dem diese ihr Vermögen zn Gelde ge
macht, um mit ihm ach Europa zu rei
sen, verschwand er plötzlich mit ihren
Diamanten nnd ihrem Gelde.
La Dczma floh ach San Francisco,
wo er einen Schwindel verübte, welcher
dem Präsidenten Va Valkcnburg der
Atlantic und Pacific Eisenbahn 81S.000
kostete, ging dann nach Europa und
tauchte dann im Jahre 1874 in New
Aork auf, wo er sich in Stock-Spckula
tioncn aus Kosten seiner Brokers einließ.
Nach dem er vergeblich den Versuch ge
macht hatte, durch Fälschung echter
Stock-Ccrtificatcdcrßcading Eisenbahn,
die er i einer Philadclphiacr Brokers
Office unter dem Namen O. B. Sa
geant von seiner Frau einkaufe liest,
wurde er letzten Mai in New Aork als
Diamanlcudieb vom Dctcctiv Franklin
verhaftet, nach Philadelphia gebracht, u.
mit Mad. Clermont No. 2 confrontirt,
vo dieser aber laufen gelassen. Von
da ab war er der Gchcim-Polizei ans
den Augen entschwunden. Er hat seit
jener Zeit als Coioncl Rolland in Cham
bcrsburg mit seiner Frau gelebt, und
dort wurde er, wie bereits oben bemerkt,
bei dem Versuche, jene Bank zn berau
ben, festgenommen.
In dir Falle gerathen. Eine An
zahl Eiscnbahuarbcitcr zwischen Potts
villc und Hamburg, gewöhnlich
ihr Mittagcffcn in Kesseln mitnehmen,
bemerkten seit einiger Zeit, daß Jemand
ihnen dasselbe verzehren hals, ohne daß
es ihnen gelingen wollte, den Thäter zu
entdecken. Sie thaten daher ein wenig
Eroton Oel in eine besonderen Theil
ihrer Nahrungsmittel, nd die Folge
war, daß ein gewisser Mann heftig er
krankte. Seit jener Seit bleibt ihr Es
sen unberührt.
k'cu'.gkcUcu.
Lauras er, Pn
Do nncr st aJ>, April 13,1876.
Verhaftet.— August Meyers, welcher
bisher im Barbier-Salon des Hrn. Geo.
Böhringer i Lankastcr gearbeitet hatte,
wurde vor einigen Tagen anf den Ver
dacht hin verhaftet, den Talon dcSHrn.
B. neulich beraubt zn haben. Meyers
hat eine Frau und 4 Kinder, nnd soll
ein sehr guter Barbicrer sein
Schweinisch.—Hr. H. S. Long vo
Pusayville, Lankastcr County, verschiffte
am Freitag eine Carladung Schweine
—39 Stück,—welche zusammen 10,622
Pfund wogen, im Durchschnitt 271
Pfund jedes Schwei. Das ist schwer
zu übertreffen.
Wird nichts dran.- Aus dem Bau
einer neuen Stadthallc in Lankaster wird
wohl nichts werden, da sich der Sclckt
Council wie auch viele Bürger der Stadt
dagegen erklärt habe.—Das Banen
kostet Moneten, nd da die Stadt schon
über Hals und Kopf in Schulden stickt,
so hält man es für'S klügste, zuerst die
sc Alp—die Schulden—abzubezahlen.
Begnadigt.—Thos. I. Onin, wel
cher wegen Pfcrdcdiebstahl vo der Lan
kastcr County Court im Jahr 1873 anf
5 Jahren Gefäiigiiißstrafc vernrlheilt
worden war, wurde vo der Brgnadi
gnngSbchördc dem Governör zur Ent
lassung seiner Strafe empfohlen, welchem
Gesuch derGovcrnör ivabrscheinlich durch
die Freilassung O.iiinn'S achkomme
wird.
Mammy Hcndcrson, eine excentrische
nd sehr bekannte alte Frau, starb am
Freitag i Lankastcr, im Alter vo 63
Jahren. Ehe sie starb, befahl sie, keinen
Prediger noch irgend welche religiöse
Ucbiingc bei ihrer Beerdigung zu ha
bc. Sie war eine höchst sonderbare
Frau, und wurde öfters nur kurzweg
„Hexe" genannt. Wo sie herstammte,
weiß Niemand. Unserm Agenten, Hr
Wcsthäffcr, war sie sehr zugclliaii, und
klagte ihm öfters ihre Leiden.
Hr. John Pohn van Cacrnarvo,
Lankastcr County, hat eine Stute mit
fünf Füßen. Sie wiegt etwa 1,000
Pfund, ist 8 Jahren alt, und laust noch
ziemlich schnell. Der fünfte Fuß ist
nicht ganz so groß wie die übrigen, nd
hängt an der inwendigen Seite des
rechten Hinteren Fußes. Er ist ohngc
fähr i Zoll kürzer als der andre Fuß,
nnd berührt auf ebener Straße nicht den
Grund; übrigens hat der Fuß dieselbe
Gestalt wie die ander.
Hübsch ertappt. Während zwei
wohlbekannte Strolche am Mittwoch
Abend im Hofe der Wohnung des Hrn.
Golllieb Wcningcr i Lankaster waren
um dessen Hühner zu stehle, wurde
plötzlich au ihrer Arbeit gestört, da
Hr. W. sie ganz hübsch dabei ertappte,
ohne daß es ihnen jedoch gelungen war,
mit ihrer Beule davon zu kommen.
Sie baten Hrn. W. auss dringendste
nichts von der Sache zu sagen, da sie
nie wieder sei Eigenthum betreten wür
den, worauf Hr. Weninger sie auch lau
sc ließ.
Wieder eine Abortion und Mord.
—I Lankastcr Kit ist wieder eine
Schandthat z Tage gekommen, ähnlich
der des Fräulein Buffer vo Mayiown,
welche durch Abortion ibr Leben vgl ei
nigen Wochen einbüßte. In
jedoch ist dieser Fall noch schlimmer als
jener Die Sache verhält sich wie folgt:
Vor etwa zwei Woche kam ein junges
Franciizimmcr im Alter von etwa 22
Jahren, die ihren Name als Anna
Rcilley, und wohnhaft in Harrisbnrg.
augab, ach der Wohnung der Frau
Mary Speacc au der Nord-Mnlbcrry
Straße i Laukasler, um Arbeit von
Frau Speere z erhalten. Der wirk
lichc Name des Mädchens war jedoch
Sa llicl.C o n u c r deren Eltern in
Colnmbia wohne. Sic war ei ziem
lieh schönes Frauenzimmer, hatte ganz
schwarzes Haar und schwarze Auge,
befand sich aber in anderen Umständen.'
Wie es scheint, hatte ein gewisser Joh
B. Develin von nahe Monntville, ge
genwärtig Gchülks - Ticket - Agent der
Pennsylvania Eiscnbahn-Compagnic in
Colnmbia, Umgang mit ihr, und sie oh
ne Zweifel verführt. Um ihre Scham
zn decken, kam sie (wie vermuthet wird,
auf Auralhkn des besagten Develin)
nach Lankaster, um sich, wie leicht er
klärlich, einer Abortion zu nntcrwcrfeii;
wer dieselbe an ihr bewerkstelligte, weiß
mau och nicht genau. (Wie Frau
Spcace angibt, soll es eine Zigeunerin
gewesen kein.) Ei todtes Kind war
die Folge der Abortion ; es wurde auf
einer Lotte der Frau Spcace begraben,
nachher aber wieder von dort hervorge
holt, in zwciStückcn gcschnit
tcn,uudinci n e Z i g a r r c bo z c
verpackt! Fräulein Conncr war der
Abortion unterlegen, indem sie am Frei
tag starb. Sowohl Develin wie auch
Frau Speere wurden anf die Anklage
hin verhaftet, den Tod des Mädchens
nnd Kindes durch Abortion hcrbcige
bracht zu haben. Develin leistete 81,-
000 Bürgschaft,—sage ein tausend Dol
lars. denn nur so viel scheinen zwei Men
schenleben in Lankastcr County werth zn
sein, während Frau Spcace wegen Man
gel an Bürgschaft nach der Jail gebracht
wurde.—-Was wird wohl in Betreff die
ses Doppclmords geschehen? Nichts.
Develin ist ein notorischer politischer
Drahtzieher, und diese dürfen ja heut zu
Tage Stehlen, Morden nnd Plündern
so viel sie wollen.
Wie vr. Compto, Mädchen
behandelte, seitdem meldete, habe sie
ihm erklärt, daß Develin nicht Schuld
dran wäre, daß sie nach Lankaster gc
komme sei.
Haben unsre Leser noch je von so vie
le Schaud- nd Mordthaten gehört
wie jetzt? Aber was kann man von ei
ner Ration erwarten, deren höchste Bc
amlen sich der schändlichste Buben
streiche schuldig machen?
Lo>a!c Xen'.ykcitcn
Harrisbnrg, Pa.
D 0 nnerstag, April 13, 1876.
Neue Anzeigen. Folgende neue
Anzeigen erscheine in der heutigen
„Staats-Zcitnng " auf welche wir unse
re Leser aufmerksam machen:
Älcidcr-Storc—Ferdinand Engel.
Courl-Proklamation—W. Jennings.
Neue Lokal-Anzeigcn . s. w
Kirchliche Anzeige.— Wir sind er
sucht worden zu melden, daß der Ehrw.
Dr. S Pangc bcrg von der hiesigen
deutsche Zions Gemeinde, M 0 rgcn
Vormittag, als am Char-Frcitag,
Gottesdienst in der St. Michaels Kirche
halte wird —Alle sind herzlich dazu
eingeladen.
Tantabstattiing.— HH I. Marks
6 S o h , die wohlbekannten Kleider-
Händler dieser Stadt, erstatte tvir un
sern wärmste Dank für eine Partie sog.
„Matzen". Sic munde vortrefflich
Wie vielmehr befriedigender Ist e doch,
denselben Prei für dasselbe Kleid für jeden
Kuiiden zu haben, wie die In Wanamaker k
Brown' Kleiderstore, Ecke der Sien und Markt
Straße, Philadelphia geschieht. 7.
Tie Haupt-Wurzel ller Krankheiten
st schlich te Verdauung. DaS Blut wird dünn,
die Nerven schwach, der Geist matt und da Le
den werthlo. Da beste Mittel dagegen ist
vr. August König' Hamdurger
Oeffentlichrr Notar Governör
Hartranft hat Hrn. Fr. Wm. Lies
i a nn von hier, als öffentlichen Notar
ernannt. Die Ernennung findet all
gemeine Beifall. Wir haben jetzt zivci
deutsche öffentliche Notare in Harris
bürg, nämlich Hin.Licsman nd Hrn.
Lücrsc. Wir gratulircn.
Dir Eröffnung drsErntcnnialS oder
der Weltausstellung findet am Mitt
woch, den 10tcn Mai statt, nnd nicht
am 16. des Monats, wie früher bekannt
gemacht —Präsident Grant hält die Er
öffnungsrede. Wie die Committce da
zu kam, Grant als Festredner anzustel
len, ist uns ei Räthsel, da er doch durch
aus gar kein Redner ist. Oder will
man etwa—Hlitiibiig treibe ?
Vramtcn-Wahl. Bei der am letz,
te Dienstag Abend stattgehabten Wahl
dcö „Deutschen Frauen Kraiikcn-Unlcr
stützungs - Vereins" wurden folgende
Beamte für de laufende Termin er
wählt:
Fort mit ihr.— Am Samstag Abend
wurde eine gewisse Frau Jane Moore,
auch Madame Fischer genannt, hier vcr
haftet, da sie den Versuch machte, junge
Mädchen nach New Aork zu verlocken,
um, wie es jetzt erhellt, in übel berüch
tigten Häuser untergebracht zu werde.
Mehreren derselben bot sie Kleider und
andere werthvolle Sachen a. wen sie
mit ihr ginge. Mayor Paltrrso
nahm sie am Montag in s Verhör.
Verlegt.— Hr. R. Councll y, der
bekannte BerschönernugSküiisllcr von
hier, hat seinen Barbier Salon verlegt,
und zwar gerade nebe dem State Ca
pital Hotel, Ecke der Dritten und Wal
mit Straße. Da sein Salon sehr hübsch
renovirt ist, nd lauter tüchtige Arbei
ter (wornnder die beiden Söhne der
Wittwe Zeiler) angestellt sind, nnd Hr.
Connelly selbst auch als einer der beste
Barbicrer bekannt ist, so wird er ohne
Zweifel auch in seinem neuen Lokal von
einer zahlreichen Kundschaft beehrt wer
den—Siehe Anzeige.
Eine Ncbrrraschung. Unsere bes
scrc Ehehälfte feierte am vorletzten Dien
stag ihren SSstcn Geburtstag. Diese
muß einige ihrer persönlichen Freund
innen zu Ohre gekommenes, denn
siehe! am Abend kamen An
zahl derselben in unsre Wohnung, und
überraschten das muntere „Wciblc" auf
auf eine höchst angcnchinc Weise mit al
lcrlci guten Sachen, die den Magen und
auch das Herz stärken. Auch die Her
rcn Gemahlen der liebe Frauen san
den sich später ei, so daß wir eine recht
nette Gesellschaft hatte, nd mehrere
Stunden miteinander im fröhlichen
Kreise verbrachte. Freund Wagner
vom „Mansion-Haus Hotel" überreich
te unsrer Gattin eine Flasche vortreff
lichen „Lebensbalsam," als Geburtstag
geschcnk. Sie hatunS ersucht, de lie
be Freunden und Freundinc ihre
herzlichste Dank abzustatten.
Stödtischr.— Der Sclckt und Com
mon Council hielte am Samstag ihre
regelmäßige Sitzungen.—Laut des Be
richts des City-Schatzmeisters Herr,
belicfen sich die städtischen Einnahmen
während dem Monat März ans 88,349.-
64, und die Ausgabe auf 89,071.62.
Mayor Pattcrson hat die Ordonnanz,
81,000 zum Ausbau eines neue Spri
tzenhauses aus „Allisons Hill" mit sei
nem Veto belegt, weil die Stadtschuld
jetzt schon zu hoch ist. Eine Mehrheit
der Stadtväter stimmten dem Mayor bei.
Mit den HH. W. F. Bay si Bro.
habe beide Zweige des Stadtraths ei
nen Contrakt abgeschlossen, wonach sie
Lampenpfosten zu 89.70 per Pfosten,
Gitter für Wassereingänge der Trat
toirs zu 2k Cents per Pfund, Stopcocks-
Decken nd Frame zn 85.00 jedes,
Fcncrplng Kästen zu 87.50 per Stück
zu liefern haben, und für Lieferung des
sogenannten UeiullizKt.OclS nebst Ma
terial für sämmtliche City-Lampen, zn
819.00 per Pfosten.
In Philadelphia steht eine Presby
tcrianer Gemeinde im Begriffe, sich zu
trennen, und daS Eigenthum zu theilen,
weil sie im Betreff der Frage. ob die
Mitglieder der Kirche geheimen Gesell
schaften angehören dürfe, getheilter
Ansicht ist. Kürzlich wurde ein Mit
glied ausgestoßen, weil es den „Odd-
Fellows angehörte.
Pastor Pfuhl' Annahmrschreißen.
—Bereits letzte Woche wurde in diesem
Blatte gemeldet, daß. laut einer telegra
phischcn Depesche, der Ehrw. Pastor
Pfuhl von StcnbcnviUc. Ohio, der
ncuerwähltc Prediger der hiesigen dent
scheu St. Michael s Gemeinde, den an
ihn ohnlängst ergangenen Ruf angc
nommen Habe —Noch einem seitdem vom
Kirchcnrath jener Gemeinde erhaltenen
Schreiben, bestätigt Hr. P. die Annah
mc des Berufs, und gedenkt Anfang
oder Mitte Mai hier einzutreffen. Den
genaue Tag kann er noch nicht bestim
men, da es sein Wunsch ist, vorerst seine
Gemeinde in StcnbenviUe mit einem
ander Prediger versorgt zu sehen.—
Die Nachricht, daß Hr. Pfuhl den Ruf
angenommen habe, hat unter de Glie
dern der hiesigen Gemeindc große Freu
de erregt, nnd mir sind überzeugt, daß
ihm nnd seiner Familie ein herzlicher
Empfang bevorsteht.—Hr. Psiih! ist ein
Schwager des Hrn. Apotheker Abel in
PittSburg, den wir sehr gut persönlich
kenne.
Dir "Ilazinnlcer" (die Heumacher).
—Den Bürgern von Harrisburg steht
ein großer Genuß bevor, dem Jeder
Freund einer guten Oper beiwohnen
sollte. Die "Harmonie 8oolt?>" eine
Gesellschaft junger Herren und Damen
vo hier, beabsichtigen nämlich heute
über acht Tage (am 20stcn April)
eine große Cnntata unter dem Namen
Dil llazmaleer-," (die Heumacher) im
Opera Haus vorzutragen, bei welcher
Gelegenheit ei voller Chor durch Ge
sang die Natur und den Charakter ei
nes Gewittcrsturnis in aller seiner Kraft
beschrieben wird. Die "llarnwnio So
eist/' besteht aus de allerbesten Sän
ger unsrer Stadt, deren Oper—Esther
—im vorige Jahre solch' großen Bei
fall cindtcte. Keiner vergesse, sich bei
Zeiten ein Ticket zn verschaffen, da dieß
eine der schauerlichste nd zugleich in
teressantesten Cantata's ist, die je hier
vorgetragen wurde.
Ein Gcburtskag-Lunch.— Wie uns
ein geschätzter junger Freund aus Alleg
hcny City meldet, so gedenkt jener alte
Veteran, und Mitglied des „Rippcr'-
scheu Corps", Hr. Joh Jahn, senior,
ans nächste Ostcr-Montag seine 70sten
Geburtstag zu feiern. Und um den
frohen Tag auch recht hübsch nd ge
müthlich zn begehen, hat dessen braver
Sohn, Hr. John Jahn, jiin, sich ent
schlossen, in seinem nettem Saloon, Nro
140 Chcstnut Straße, einen famosen
Lunch zu serviren. Es soll zugleich
auch ein Abschieds-Liinch sei, da Hr.
Jahn (wie es scheint) jene Wirthschaft
aiisziigcbcu beabsichtigt. Daß der Lunch
ein ganz vortrefflicher sein wird, läßt sich
Wohl denken, da Hr. ?. cS versteht, einen
solchen tip op vorzutragen.—Unserm
70jährigen alten Freund, wünschen wir
noch recht viele Gcbnrtstagfcste und noch
viele fröhliche Tage in seine Abcndjah
rcn, nd wen einstens sein Feierabend
stündlcin schlägt, ein seliges Ende.
Wiederum traurige Todesnachrich
ten. Letzten Freitag erfuhren wir
durch Hrn. Adam Seippel. daß die Gat
tin des John Klippert von
Chambcrsbnrg gestorben sei, und am
Sonntag beerdigt werden würde. Die
Verstorbene war eine gcbornc Gött
inn, gebürtig aus Brandau, im
Darmstädlischcn. Sic war eine Schwe
ster uusres vor vielen Jahren verstürbe
neu Schwagers Georg, und dessen eben
falls verstorbenen Bruders, John Gött
mann. Als Gattin, Mutter nnd Nach
barin war sie von Alle geliebt nd ge
achtet. die sie kannten Ihre Herzens
güte und mütterliche Sorge übte ei
neu höchst wohlthuenden Einfluß anf ih
rcn Gatten, Kinder nd Umgebene ans,
und lauge och, wenn des Grabes
Moos schon längst ihre Hüllt deckt, wer
den sie ihrer gedenken, dir sie im Leben
geliebt nd geachtet haben. Da HS
nähere Einzeluheiten fehlen, so können
wir heute ihr Alter c.>. nicht angeben.
Am Montag erhielten wir eine tele
graphische Nachricht, daß auch nnser lie
ber Schwager Hr. Friedrich Fe
ncl von Chambcrsbnrg gestorben sei!
Also zwei Todesfälle innerhalb wem
ge Tage in unsrer Verwandtschaft!
Wir sind heute außer Stande, Näheres
über dessen Tod mitzutheilen, werde,
abcr in nächsterNunimcr Weiteres brin
gen. Nur so viel sei gesagt, daß Herr
Fcnnel einer der friedlichsten und red
lichste Bürger von Ehambcrsburg war;
Feinde hatte er unsres Wissens keine,
und starb wie gelebt, als treuer Gat
te und Vater, und biederer Christ, im
Alter von etwa 7S Jahren. Mögen
die selig Entschlafenen sanft ruhen.
Persönliche.— Am Freitag beehrten
uS wiederum mehrere unsrer Freunden
milßesnchcn, nämlich, die Herren A dn m.
Seippel und M. H außer von
Ehambcrsburg; in ihrer Begleitung
war noch ein andrer junger Mann, des
sen Namen wir aber nicht erfuhren.
Wie wir vernehmen, waren sie als Zeil
gen in Betreff des Ersten Turner Clubs
in Ehambcrsburg vor dem Vcr. Staaten.
Commissioncr wegen Verkaufens vom
Bier gelade, da der Clnb von einem
Tcmperenz-Schnüffler angeklagt worden
war. Wie das Zeugenvcrhör ablief,,
haben wir nicht erfahren.
Hr. Elli s Ea rdl y von New Ber
lin, Union Eounty, ein kreuzfidel er alter
Kamerad, stattete uns ebenfalls einen
kurzen Besuch ab, und brachte zugleich
auch einige Läpplen fürs Geldsäckle.
Der wackere Haudege ist wenigstens
sechs Fuß hoch, und paßt vortrefflich)
als „Flügelmann" fürs Ripperscha
CorpS^
Hr. John Aldinger von Ling
lcstown, Hr. Charles Zern von
Lykcnstown, nd Hr. Thomas
Swabvon Elisabcthvillc, diesem Eon
ty, drei unsrer pünktlichsten Abonnenten,
beehrten uns gleichfalls mit Besuchen.
Jeff. Dt>i wird am I. Mal nach
Europa reisen. Was wird Blaine
zu sage ? /

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