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Pennsylvanische Staats zeitung. [volume] (Harrisburg, Pa.) 1843-1887, May 03, 1877, Image 1

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Jahrgang 11.
Stephan Hartmaier s
Hvtel,
1112 sc 411 t Lancastcr Avenue,
West-Philadelphia.
Mäez So. ld'k-tJ.
General Ballier's
Muwullt Avenue Hotel,
Ecke der -1. k FairmonntAve.,
Philadelphia, Pa.
Reisrndr finden strtS rinr gutr Hrim.Uh nd
dilligc Bedienung in vdigcin Hoi'l.
Jobn F. Ballier.
Philadelphia, Okt. 28.1875.
Louis Beiser s
Wtiu,-Lissnör-örßier Sakoon,
<.O.VKI>UI'B IlOdlb!).
R- 255 Nord Fünfte Straße,
Philadelphia.
Mai!. 871-ZMt.
Joyn Dönges'
Hotel
1031 sc IV3K Girard Avenue,
grzrnüdn dem auf dcm Ernten-
Philadelphia.
Mär :w. t 875-11.
Bergner <K Engel,
Lagerbier-Brauer
Bra erci 32. und Thompson Straßr.
Offirri 412 Library Straßc.
Philadelphia.
März 30.187k-tf.
Pfälzer Heimath.
LoniS Michel's
Hotel,
No. 220 Bainbridgc Straße,
MtadelWa. M.
UM-R'isindr finden dafildst die diste L--
duemlichkeit. Juli 3. 7ä 11.
SM Strohe Hhtcl,
Rro. 11-t Sprucc Straßc,
MitadetMa.
Friedrich La,
Eigenthümer.
Obiges Hotel wurde erst kinzllchncu
rmovirt, und ist für eine großr Anzahl Gaste
auf drstc und hrquemstr eingcnchlcl.
Philadelphia, Pa., Mai 1,1876.
Conrad Friederich's
Aeutj'clle.'i
No. 3216 Markt Straße,
gegenüber dem Penn'a und New-Aorl Bahnhof,
West-Philadelphia, Pa.
p- Reisende finden daselbst billiges
und bequemes Logis.°Ml
Zuit,lNö-3M.
Friedrich Haas,
AtWMer-KMtM)
Front Straße, naht derGay Straße,
V-grieb. Maulick'o berühmtes Bier stets
an Zapf. Jan.7,'7ii-tj.
Alexander Mourer's
-
No. 1203 Nord Dritte Straße
Harrisburf, vß".
Vorzügliches Bier, Porte.-, Ale, Wein, feine
Cigarren, bester Schweizer und Limimger Nase
stet an Hand. Freundliche und prompte Be
dienung wird zugesichert. ,
August IN. 1876-I.J
Eine
Branntwein-Brennerei
zu verkaufen.
Der Unterzeichnete wünscht seine Branut -
wein-Brennerei, gelegen etwa l Meile
on Latrobe, Westmoreland Countp, Pa., zu
erkaufe, da er sich entschlossen hat, vom Ge
schäft zurückzutreten, und sich der Oekonomic zu
widmen.
Die Brennerei ist mit Dampfmaschienerien,
und den neuesten Einrichtungen ersehen, und
befinde, sich in gutem Zustande.
Ein passendes Wohnhaus, sowie ich
rcrc Acker Land, gut cnltivirt, befinden
sich nahe dabei.
Refiecktirende wollen sich gefälligst unter fol
gender Adresse an mich wenden t
Medael Ueis,
I^roijL,>V<Zktmorelantlo().,
Nov. 9.1875-!''.
Dr. Geo. W. Stein,
Zahnarzt
No. 211 Locnst Straße,
Harrisburg Pa.
-eine.
Zollinger <K Burke,
Vcrfcrtigcr von
Oese ök Range,
Blechwaarcn, Kupfer-
Waaren und Geschirre,
Havs-Mnishikg-Goods
u. s. w, 11. s. !v.,
haben obige Waaren in größter und schönster
Auswahl in ihrem nruen .iure,
Ro. SO7 Markt Straße,
Harrlsburg,
stet orräthig. Man spreche bei un vor.
Zo11i ger >d Br e
Hgktisinrg, Oktober 12,1875,
Das deutsche Centralorgan der Demokratie für PemWvanien und die angränzenden Staaten.
Dr. C.. Rahter,
(früher Chirurg i der deutschen Arm.)
Deutscher Arzt,
No. 7Nord-tteStraßc, nahcderMarkct,
neben Beleb' Saddleischop,
Harrisvurg. pa.
April 1. '77-6Mt.
GeschäftS-röffnung.
Dcr Unlerzelchnetc benachrichtigt hiermit sei
ne Freunde und Bekannten, daß er das „W e st-
PrattHa " in Tamaqua, Schuplkill
Eountp, übernommen, und dort ine Hote- und
Lagerbier-Wirthschaft eröffnet hat. Reisende
wie einheimische Gäste werden bei mir stets die
beste Aufwartung erhalten.
Um geneigten Zuspruch bittet.
Conrad Island.
Tamaqua, Januar 18,1877.
Zu verkaufen.
Ei Barbir-Gschäflin Philadelphia
das sich einer guten Kundschaft erfreut, und
vier Stühle beständig im Gehen hat, ist zu ver
kaufen.—Die wöcheiUliche Einnahmen belaufen
sich auf Z6V bis 75. Peel für den Schop,
5.50. Wo ? Ist zu erfahren in dieser Office.
Oavouts, Issigamont, Interkeronoos,
eto prompt! uttenelet to. IdULK
VLNriONL PII.VI lIIVL ULM
mazt Ltill, iu mvt'ca ses, de ooeurcä fix
Uü. Höing opposito tlio I'utootOttioo,
I'atcnt woro prompt!)- anä virtli broa
trom IVasilivgton.
viso as to xatoutab ilit)-. 111 eorresxon
äolläo stiiotl) ooukckontial. Lrioes lov,
KIW M) cn/mec uui.cBB
18 Bcevnkv.
IVo rokcr to oklivials iu tlie I'utont
OlLoo, anä to ioventor in cvoi? B>ato
iu tlio Union. lääros?, iu Csriuan or
lünxlisk
e. a. BKIOIV ck LO.,
Opposito I'atontjOslicc-,
IVIBIIIX6IOX, I>. 0.
diäv. 2y, 1376.
An das Publikum.
Fr. Wu. Schur er,
Deutscher
und
Flinten-Fabrikant,
No. I2K Ehcstimt Slrußc,
(zwischen der Front nd Zweiten Straße,)
Harrisburg, Pa.,
macht dem Publikum ergrbcnst die Anzeige, daß
er bereit ist, alle Arien
Schlosserarbeit,
sowie Repariern on Schießgewehren. Revol
vers z versorgen. Auch werden alle Arien
Werkzeuge prompt und nach Wunsch reparirt.
Da er selbst ein praktischer Schlosser und mit
den besten Zeugnissen versehen ist, so fühlt er
sich geschmeichelt, ans die Gunst des Publikums
zu hoffen. Um geneigten Zuspruch bittet,
Fr. Wm. Schürcr,
Harrisburg, Juli 13,1876,
Zur Beachtung
für fleißige und streisame Deutsche!
Auskunst ertheilt
I. K. O. Sherwood,
61 Broadwny, New Jork.
Fcb. lö. '77—3 M
Ayer s
Haar-Vigor.
Um grgaeu Haare ihre natür
liche Farbe ad Lebensfähig
keit wiederzugeben.
dcr Frische
der Jugend. TüiincS Haar wird wie
der stark, daS AuSsall de' Haare wird
verhindert und Kahllöpsigkeit wiid durch sei
nen Gebrauch oft, wenn auch nicht immer
lurirt. Nichts kau die Haare wieder her
stellen. wenn die Haardrüse zerstört oder die
Wurzeln lrasilos und abgestorben sind. Sei
gelegentlicher Gebrauch verhindert das Haar
grau zu werden, so wie das Aussalleu, wo
durch Kahlköpfigkeit vermieden wird. Frei
von allen nachthciligen Substanzen, welch
einige Präparate so schädlich und gefährlich
machen, ist unser Haarstärle-Mittel nicht nur
nicht schädlich sondern höchst wohlthätig.
Wenn es nur als
Haar-Putzmitttl
gebraucht wird, kann es nichts schönere und
angenehmeres geben. Da es weder Oes noch
Fardistoss enthält, so beschmutzt es nicht
weiße Leinwand ic. hält aber dennoch lange
und gibt dem Haare den schönen weichen
Glanz und einen sehr angenehmen Woblge
ruch.
Dr. I. . Ay-r t Co..
Praktisch und analytisch Chemiker,
Lywell, Mass.
Msie.
(Auf Verlangen eingerückt.!
Der Hausschlüssel.
Ve Phil. C. Ranniuaer.
Einst führt das Schicksal einen Freund',
Deß Wohnsitz ans dcm Land,
Mit dcm ich'S herzlich gut gemeint,
Mir gütig an die Hand
Ich hielt stets sonder Zweifel ihn
Für ein recht treues Blut;
Demi cr war gleichfalls, wie es schien,
Mir auch von Herze gut.
Doch hielt cr sich als Innggcscll
Bon allen Frauen fern,
Und spielte gern an Ort nd Stell'
Den unabhäiig'gcn Herrn.
Zwar war cr g radc von deni Glück
Nicht sonderlich bedacht;
Doch raubte keinen Augenblick
Ihm dies den Schlaf bei Nacht.
Nur blieb cr von dcr Zwcifclsucht.
Die keinen Glauben ehrt,
Und Alles zn bekritteln sucht,
Ganz uncrhört beschwert.
Oft lud ich in dcr Wintcrzcit,
Dcr langen Weile satt,
Da die Entfernung nicht sehr weit.
Ihn zu mir in die Stadt.
Er brachte dann oft nioiidcnlaiig
In sorgenloser Ruh',
Gemüthlich im gcwvhiilcn Gang.
An meiner Seite z.
Einst als cr wieder auf Besuch,
Nachdem cr auf dem Land
Sich müd' mit tausend Grillen schlug.
Bei mir sich längst befand.
Ward ein ganz ncrivart'tcr Fall
Für ihn'herbei geführt:
Er wurde zn dcm Hochzcitsball
Dcr Schwester invilirt.
„Dies steht mir nicht nach mcincmS i!"
Rief cr verdrießlich ans,
„Wer zu dcm Ball geh n will, geh' hin,
Ich bleibe schön zu Hans."
Ich sprach ihm aber in s Gcmülh,
Und ließ nicht eher nach,
Bis, daß cr meines Zuspruchs müd'.
Zum Ball z geh n versprach.
„Den Schlüssel" sagt' ich. häng ich Dir,
Bleibst D etwa spät aus.
Gleich innen an die Kcllcrthür,
Zum Eintritt in das Hans "
Die dcr Bequemlichkeit zu lieb,
Von Vorsicht unbedacht,
Von Außen nvcrschlo.scn blieb,
Bei Tag, so wie bei Nacht.
Er ging, und ich, ich kam getreu
Dem ihm Versprach neu nach,
Und schlief alsdann, von Sorgen frei,
Vis spät zum lichten Tag.
Doch sehr befremdend war cS mir,
AIS ich nicht gleich bei Hand
Des Morgens innen n der Thür
Im Schloß den Schlüssel fand.
Ich sah mich nach ihm nm und in.
Schlimm ohne ihn beschickt,
Doch blich dem Aug', wie ich mich drnm
Auch mühte, er entrückt.
Und da ich nirgends oben ihn
In meinem Zimmer fand,
Ward durch den Gang zum Keller hin
Mein Schritt rasch zugewandt.
Ich stuhle aber hier jedoch
Auch wieder nicht gering,
Als unbcnüht der Schlüssel och
Hier an dem Nagel hing.
Mein Freund kam also, wie ich dacht'.
Vom Ball und Hochzcitsschmaus
Dcmnoch in der vergang nen Nacht
Ganz sicher nicht nach Haus.
Ich nahm sonach von seinem Ort
Den Schlüssel mit hinauf
Und schlich alsdann damit sofort
Die Thür des Hauses auf.
Doch wer begreift mein Staune nicht,
AIS aus dem Zimmer nah
Mit blulbcslccklcm Angesicht
Ich ihn hier kommen sah.
Bestürzt frug ich: „Ist etwa draus,
Ein Unglück Dir gescheh n ?
lind wie vcrmocht'st Du in das Haus
De Eintritt; brgch'n—"
„Du kannst noch frage!" rief er bleich,
Von hcsl'gcm Zorn erfüllt,
„Du hast mir einen saub ren Streich
Die lchtc Nacht gespielt!"
„Wie, ich ?" frug ich und stand verblüfft,
Wie man mich selten sah.
Gleich Einem, de der Blihslrahl trifft,
Bor dem Erzürnten da.
„Ja Dn ! denn nimmer brachtest Du,"
Fuhr er erbittert fort,
„Den Schlüssel, wie versprochen, zu
Dem mir bewußten Ort;
Den IM'st Du dich nachMir'und Pflicht
Do mit als Freund gezeigt,
So hätt' die lchtc Nacht mich nicht
Das schlimmste LooS erreicht."
Schnell wandt'ich ein mit crnstcinSinn,
Nicht zart davon berührt.
„Der Schlüssel wurde pünktlich hin
Znr Stelle cz'pcdirt,
Und nahm ich ,hn erst heule früh,
- Da er Dir in dem Lauf
Der Nacht nicht seine Dienste lieb,
Auch wieder selbst heraus."
„Dem, der dies glaubt," rief er, „ge
bricht's
An Kopf und an Verstand ;
Denn wo Nichts ist, da sind't man Nichts,
Wie aller Welt bekannt;
Drum, als ich gestern spät bei Nacht
Mich hier zum Hause wies,
Und sich der Schlüssel, wie gesagt,
Durchaus nicht finden ließ."
„Ward plöhlich der Gedanke drauß,
Frei ohne Schuh und Dach
Jetzt durch den Keller in daSHaus
Zu dringen, in mir wach ;
Rasch sprang. vonSchncc und Regen naß,
Ich in denselben ein,
lind fiel zum Unglück in ein Faß,
DaS nntrn stand, hinein.
Und als ans seinem schmuh'gc Ranm
Ich endlich wieder doch
Mit Hand und Fuß mich mühsaig kaum
Der engen Haft entzog,
Harrisburg, Pa., Donnerstag, Mai S, 1877.
Da stürtz' ich nicht drei Schritte weit,
Da mir kein Lichtstrahl schien.
Auf Töpf' und Flaschen lang und breit
Und Brcttcrhanfcn hin.
lind riß mir da die Haut nicht blos
An Kopf und Händen wund,
Ein Stück vom Rock ging auch mit IoS
Ans dcm verwünschten Grund.
Mein Hut flog gleichfalls hier auch och
Dabei mir obendrein
Vom Kopf, wer weiß in welches Loch,
Im Kcllcrranm hinein.
Rasch hnichlc davon nnfgeschenchl,
Ein ganzes Rattcnhcer,
Das scheu dcm Tageslicht entweicht.
Dazu rings nm mich her.
Ich raffte in dcr Dunkelheit,
So gut es ging, mich drauf,
Nicht von dem innern Ausgang weit,
Dann endlich wieder cnif.
Doch stieß ich mir noch gar zuletzt
Hier an dcr Slnfeiiwand,
Als wär' vom Bösen ich gehetzt,
Den Kopf schwer an die Wand.
Ich wußte bei dcm Anstoß kaum.
Halb sinnlos, was gescheh n,
Es schien der ganze Kcllcrraniii
Mit mir herum zn geh .
Bier Zähne gleichfalls stieß ich mir
Bei dcm pcrwiinschtcn Graus,
Was noch das Allcrschlimmstc hier,
Sogar noch selbst mit ans.
Ich glomm sodann diesseits dcr Stieg,
Am Ende meiner Bahn,
Verwundet, wie im ärgste Krieg,
Zum Gang in s Hans hinan."
Ich wandt ihm dranf ach dcm Bericht
Dcr ttbcrstand'ncil Pein,
Auf die cr ein so groß' Gewicht
Gelegt, erwiedernd ein:
„Gewiß hast Du," sagt' scherzend ich,
„Dir zu viel zugetraut
lind gestern zu nllmcistcrlich
In s Glas hinein geschaut."
„Dcr Kopf natürlich wurde schwer,
lind getreu die Hand,
So daß sie nicht den Schlüssel mehr
Dort an dcm Nagel fand.
„Wie!" brach cr voller Bitterkeit
Höchst aufgeregt hervor,
„Dn setzt noch Spott mir plump und breit
Mit frecher Stirne vor?"
„Nachdem durch diese That Du hier,
An Tücke unerreicht,
Die lcckgcword'ncFreundschaft mir
Im hellsten Lich gezeigt,
Kannst Dn dazu mit schaalcm Witz
Dich hier noch untersteh',
Von Scham kein Funken im Besitz,
Dich obendrein zn bläh n?"
Ich sah ihn wie versteinert an
Und wußte nicht fürwahr,
In diesem Falle hier woran
Ich mit dem Tollkops war.
Hier half nicht mehr der Wahrheit Wort;
Bald eilt' auf raschem Fuß,
Er—und daS that mir weh'-drauf fort,
Fort ohne Abschicdsgruß.
Dies hat gewiß mich lange sehr
Mit Leid und Schmerz berührt;
Und nie hat ihn das Schicksal mehr
An meine Seit' geführt.
Doch riß dcr Frcundschaftßand auch mir
Hier nuvcrschnld't entzwei,
So glaub' ich doch, das schwör' ich hier,
A Freundschaft, Lieb nd Treu!—
So hat schon manche Kleinigkeit
Nicht von Vernunft bewacht,
Oft namenloses HcrzcnSleid
Unheilbar eingebracht,
Gleich wie ans einem Funken est,
Wenn Vorsichrs Schutz entweicht,
Ein Flammenmeer sich niwcrhosft
Verheerend schnell erzeugt.
La ncafler, Pa.
'f e u i u e l o n.
Die Haiderosen.
Novelle
so
HanS Tliaran.
VII.
(Zorlsttzung.)
Noch einmal öffneten sich die schönen
blauen Angcn, welche die Seinen schon
im letzten Schlummer geschlossen iväku
teil; er wandte sich zu dem Eingetrete
ne, indem ei Ausdruck tiefer Befrie
digung über seine Züge glitt, und zum
ersten Male seit seiner Erkrankung dran
gen vernehmliche, wenn auch leise flü
sternde Worte über seine Lippen; auch
diesmal die Vergangenheit mit der Ge
gcnwart, den Jugendfreund mit dessen
Sohn verwechselnd : „Harald, alter Ka
merad !—mcicKindcr—versprich mir!"
„Ich verspreche!"
Der alte Man schloß die Augen wie
der, ei Leuchten wie aus einer andcrn
Welt zog verklärend über seine Züge,
noch eine kurze Stunde, und er schlief
den letzten Schlummer, die Hand seiner
treuen „Rahcl" in der seinen.
Als Harald leisen Schrines das Ster
bczimmcr verließ, nm Mutter und Kin
der bei dcincrstcnAuSdruck ihrcsSchmcr
zcS sich selbst z überlassen, bemerkte er
zum ersten Male Herrn von Brachhoff,
der sich gleich ihm entfernte.
Nie war ihm derselbe so unangenehm
gewesen, wie in diesem Augenblicke, al
lein er fühlte sich verpflichtet, noch dazu
in einer solchen Stunde, einem dem
Verstorbene Nahestehenden mit Höflich
keit zn begegnen.
Herr von Brachhoff hatte ihn bis da
hin stets einer so auffallenden Mißach
tung gewürdigt, daß der junge Mann
überrascht war. von ihm um eine kurze
Unterredung ersucht zu werde. Was
mochte er ihm mitzutheilen habrn?
Möglicherweise irgend eine letzten
Vu'i.jch des Freiherrn, Nicht ohne
Spannung folglc cr dem Vorangehen
den i das Wohnzimmer.
Herr vo brachhoff bot ihm feinen
Stuhl an. wohl ans Zerstreutheit und
Erregung, wenn man bei seiner kalten
Natur solche Empfindungen voraussetze
konnte. Auch ging cr ohne jedwede
Einleitung zur Sache über.
„Ihre früheren frciindschastlichcn Be
ziehungen zn meinem verstorbenen
Schwager, sowie ei anderer Geniid,
dcn ich Ihnen gleichfalls nennen werde,
Herr von Altcncgg, bestimmen mich,
Ihne eine Mittheilung zn machen, die
unlcr anderen ttmsländcn von keiner
Bedeutung für Sic wäre: Sic sehen in
mir nämlich den jetzige Besitzer von
HnnS Haidcrodc nd müssen sich daher
für die Dancr Ihres hiesigen Aufent
halts als meinen Gast betrachten."
Sprachlos vor Erstaunen blickte dcr
junge Mann den Sprechenden an.
„Aber wie wie ist das möglich?"
frug cr, sobald cr Worte finden konnte.
Herr von Brachhoff klopfte mit spöt
tischem Lächeln auf seine Tasche.
„Besitz ist Recht, junger Mann!"
antwortete cr. „Die Schuldscheine sind
in meiner Hand, die Unterschrift des
Freiherr ist amtlich beglaubigt und
wird in diesen Tagen dem Gericht zur
Bestätigung vorgelegt werden, zugleich
mit dcm Testament des Verstorbenen,
laut welchem ich zum Vormund seiner
Kinder ernannt bin. Doch wie gesagt,
ich würde mich kcincswcgcs verpflichtet
fühlen, Sic hiervon in Kenntniß zu
setzen, wenn ich nicht anS Rücksicht für
Sic und die Gefühle, die ich glaube bei
Ihnen erkannt z haben—es soll mich
Ihretwegen freuen, wen ich mich geirrt
—lhnen dir wcitcrcMitthciliingmachm
wollte, die ich übrigens bis ans weiteres
als strengstes Geheimniß zu bewahren
biltc, daß ich mich in nächster Zeit mit
cincr meiner sogciianntcn „Nichten" zn
vcrhciralhcn gedenke."
Ei Ausruf des Entsetzens drang über
Haralds Lippen.
„Welche?" rief cr athcmlas.
Herr von Vrachhass weidete sich an
seiner Spannung.
„Ich sehe nicht ei, weshalb ich meine
Miithcilsamkeit noch weiter ausdehnen
und Ihne dcn Namen meiner Braut
nennen soll," bemerkte cr mit angenom
mener Glcichgiltigkcit; „ich wciß nicht,
ob sie mir die Einhüllung nnscrcs Ge
heimnisses gegen einen Fremden nicht
verdenken würde?"
Dcr junge Manu stichle seine O.ualc
zu verbergen, auch er sprach m't erkün
stelter Ruhe.
„Sic werden begreifen, Herr von
Brachhoff, daß ich mir nicht leicht die
Stellung eines bloßen Fremden znivei
scn lasse, nachdem, wie Sie vielleicht
selbst hörten, dcr Verstorbene mir die
Sorge für seine Kinder noch aus Herz
legte."
Herr von Brachhoff lächelte. „Der
sehr begreifliche Irrthum eines Sterben
den! Sic vergesse, Herr von Altcncgg,
daß mein armer Schwager nichts von
Ihrem Kommen ähnle und jedenfalls
Sic nicht mehr erkannte. Als Sic im
so plötzlich au sein Bett traten, glaubte
er unzweifelhaft Ihzcn Herrn Vater vor
sich zu haben, was auch aus seinen Wor
ten hervorging. Ucbrigcns bin ich es,
deni er in gesunden Tage, mündlich
wie schriftlich, die Sorge für die Lciiii
gen anvertraute, eine Sorge, die ich
ganz in seinem Sinne auszuführen
glaube, indem die eine Tochter meine
Fra wird nd die andere mit dcr Mut
ter bei uns bleibt.".
In dem Augenblicke steckte KlanS sein
ehrliches verweintes Angesicht zur Thüre
herein—die Freifrau lasse ihren Bruder
bitte, zn ihr zu kommen.
„Ich hin gleich wieder bei Ihnen,"
bcmcrklc Herr vo Brachhoff, indem er
dem Diener folgte, „und werde dann
vielleicht Ihre Ncngicrdc befriedigen nd
hoffentlich Ihre Glückwünsche entgegen
nehmen. Es steht dann bei Ihne, ob
Sic noch länger als mein Gast hier vcr
weilen, oder unter de obwaltenden Um
stände es vorziehe, wieder abzureisen."
Und damit verließ er das Zimmer.
Bebend vor Zorn, gefoltert durch die
Ungewißheit, schritt-Harald ans und nie
der. ES kochlc ihm in allen Adern, sich
dem Hohne, der schimpflichen Behand
lung nntcrwcrfcn z müssen, die ihm
von dem ach, daß er ihn so nennen
mußte neuen Besitzer von Haidcrodc
widerfuhr.
Sein erster Gedanke war dcr, keine
Augenblick länger unter einem Dache zu
weilen, wa ihm ans so verletzende Weise
so zu sagen die Thür gewiesen wurde.
lind dennoch mußte er bleiben, denn
einmal, hatte er nicht sei Wort einem
St.'rbcudc verpfändet, der ihn, jener
Eleiidc mochte es deuten wie er wolle,
ihn selbst zum Beschützer seiner Kinder
ernannt ? Dann aber, war es ihm nicht
nm Gewißheit zu thun in der wichtig
sten Frage seines LcbcnS ?
Gewißheit! und Halle er sie nicht ei
gentlich schon erhalte, d:c bitterste, trau
rigstcGcwißhcil? Ja, sein hciligstcsGc
heimnist, in das einen Einblick zu thun
er nr audeiltniigSwcisc seiner Mutter
gestattet, weil er selbst ja noch nicht wuß
te, ob sein Hoffen gekrönt wndc oder
nicht, es war längst von einem Manne
durchschaut worden, dessen feindliche Ge
sinnungen >r stets einpfundrn ohne je
mals den Gsnnd vollständig z begieß
scn. Jetzt kannte cr ihn. Es war dcr
Nebenbuhler, dcn Herr von Brachhoff
von Anfang an in ihm crkannt nud
gehaßt hatte, und es war ihm gelunge,
de Sieg über ihn davon zu tragen.
Gelungen? Nein! Das kanittc, das
durfte nicht sei ! Er wollte ihm nach,
cr mußte ihm den Widerruf vo dcn
Lippen nehmen!
Fast ohne zn wisse, was cr that, riß
cr die Thür ans; da kamen Schritte die
Treppe herauf, und Lisa stand vor ihm,
bleich und mit dcnSpiirc ticscnSchmcr
zcs ans ihrem lieblichen Gesicht. Den
noch zog etwas wie cinFrcndcnschinimer
über ihre Züge, als sie Harald erblickte
und ihm die Hand entgegenhielt.
„Gott sei Dank, daß Sic gekommen
sind, noch znr rechten Zeit gekommen!"
sagte sie.
„Ist es och rechte Zeit?" frug cr
stürmisch. „O Gott, ich bin fast an
dem Gedanken verzweifelt, es sei zu
spät! Höre Sic mich a, Lisa!" fuhr
cr fort und zog sie in das Zimmer, „ich
weiß, es ist dies kein Augenblick, nm
von solchen Dingen zn reden. O wie
anders hatte ich mir diesen Moment ge
träumt ! Aber eine Mittheilung, die mir
Ihr—lhr Onkel so eben machle, zwingt
mich, das ansziisprechc, Ivos sich viel
leicht nicht in ein Tranerhaiis paßt."
„Ich wciß, ich verstehe, aber es hat
NN einmal so sein sollen," sprach Lisa,
„und so ist es fast, als habe dcr geliebte
Vater noch seinen Segen darüber aus
gesprochen, als sei es sein letzter Wunsch,
dcr in Erfüllung geht."
„Lisa!" rief cr jubelnd und streckte
beide Hände nach ihr ans, doch sie wich
zurück und wandte de Blick von ihm ab.
„Nein, nicht m i r dürfen Sir dan
ken," sagte sie, „ich bin nur die Vermitt
lerin und die Ucbcrbringcrin dcr gnicii
Botschaft, daß Lora Sic liebt,-Sic lange
geliebt hat, danken Sie es ihr selbst!"
Sic wandte sich znr Thür, dach cS
war ihr, als höre sie de Ausruf „Barm
herziger Galt!" hiittcr sich, und als sie
sich umsah, bcmcrkic sic, wie Harald
nach einem Stuhle griff und sich tau
melnd ans ihn niederwarf.
Ein Zustand halber Bctvnßilosigkcit
folgte, in dcm cr nur flüstcriidcSlimmeii
nm sich hörte, und als cr wieder zu sich
kam, kiiiclc Lora eben ihm und drückte
seine Hände au ihre Lippen.
„O, Harald, Harald!" ichlnchzle sic,
„jetzt wciß ich eist, wie D mich liebst!
—Verzeihe mir. daß ich je daran ge
zweifelt !"
Vlll.
Die crnstlichc Erkrankung ihres jun
gen Gastes bcschäfiigic die Bewohner
von Haus Haidcrodc in nicht geringem
Maße während dcr ersten Tage nach
dem Tode des Freiherr.
Dcr Arzt erklärte sie für eine heftige,
ans der langen winterlichen Reise cnt
standcnc Erkältung. Die Freifrau und
Lora fügten noch als weiteren Grund
die Erregung hinzu, welche, wie Lisa
ihnen bcrichlclc, die Mittheilung des
OnkclS Harald verursacht.
Nur Lisa selbst war dcr wahre Grund
znr cnlsctzlichcn Gewißheit geworden, sie
war von deni nncrmcßiichcn Schmerz
einer solchen Entdeckung fast zusammen
gebrochen, und Tag und Nacht ringend,
beinahe verzweifelnd, bewegte sie die
Frage vor ihrem Gewissen, ob sie schwei
gen dürfe, ab sie nicht jetzt noch das auf
klärende Wort sprechen müsse?
Was aber würde dann aus Lora?
Sic erimicric sich des fast an Irrst
streifenden Tones, mit welchem ihre
Schwester gesagt: „Wenn nicht bald
die Entscheidung kommt, so verliere ich
den Vclstand!" Wie würde aber das
stolze Herz es ertragen, jetzt, nachdem
diese Entscheidung ihr das höchste Glück
gebracht nd sie sich demselben rückhalt
los hingegeben, es sich wieder entrissen,
ans die dcmüthigcndstc Weise entrisse
zn sehe ? Welch eine Zukunft erwartete
sie aber an dcr Seite Franz Brachhosss,
dessen Antrag sie jetzt wohl schon aus
Verzweiflung nnnchmc würde!
Vermöchte aber sie, Lisa selbst, jemals
ihr eigenes Lebensglück aufzubauen auf
den Trümmern von dem ihrer Schwe
ster? Nimmermehr! Aber Harald?
War es nicht auch sein Glück, um das
es sich handelte? Das war dcr Gedan
ke, der ihr die heißesten Thränen, den
schwersten Kampf kostete; allein sie kam
zn dem Schluß, daß so lange er ihre Ge
genliebe nicht ahne, dicFragc einer Tän-'
schung ihm gegenüber nicht obwalte, und
weil er es nie erfahre sollte, so würde
ohne Zweifel, wenn einmal dcr erste
herbe Schmerz überwunden, seine Liebe
zn Lora erwachen und er durch sie Glück
und Befriedigung finde.
Schweigen wir über die Stunden,
die schlaflosen Nächte geistigen Todes
kampfes, die Lisa durchlebte.
Wenn cS schwer, unendlich schwer ist,
eine ncrwicdertc Liebe schweigend im
Herzen zn tragen, wie viel schwerer, sich
geliebt wissend, kein Zeiche dcr Erwie
derung geben zn dürfe, sondern die
eigenen Gefühle ntcr scheinbarer Gleich
gilligkcit zu verbergen! Und wen ein
mal Lisa sich selbst zum Opfer brachte,
und cS war ihr klar, daß dies ihre Auf
gabe sei, dann war dieses die erste unab
wcislichc Folge: nie durste Harald es
ahnen. >a in ihre. Innern vorging,
nie iS tvissl", daß ihre Liebe ihm gehöre.
Nicht ans einmal erstarkte das Mäd
chcnhcrz zn solcher Sclbsicntänßcrniig,
nicht ohne lange heiße Kämpfe errang
sie sich Kraft und Muth, dcn einsame
Leidensweg zu gehe, vo dcm sie selbst
dcr geliebten Mutter nicht sprechen dnrf
te, dcr armen Mutter, deren einziger
Trost in diesen ersten schweren Tage
ihres Wittwcnstandcs in dem Glück ih
rer Lora bestand, i dcm doppelten Glück,
sie in dcr Hand eines Mannes wie Har
ald zn wisse und geborgen vor de selbst
süchtige Absichten ihres Stiefbruders.
Ais Siegerin ging Lisa aus dcm
Kampfe hervor.
Freilich waren dicLpurc liefen Wehs
in de dnnkclbcrändcricn Augen, ans
de bleichen Wange zn lesen, allein
die Trauer m dcn Verlust des theuren
Baicrs erklärte dies genügend, und ihre
seltene Selbstbeherrschung ließ nicnia.
den eine andere Ursache ahnen.
Nur wenn Harald znweilc eine
wehmüthig fragenden Blick auf sie rich
tete, dann war cS ihr, als müsse ihr
Herz stille stehen vor unsäglichem Weh.
Doch indem Haralds Genesung vor
aschri!t, kamen solche Momente selte
ner vor. Dcr fast verzweifliingsvolic
Geisteszustand, unter dem cr auch kör
perlich znsammciigcbrochcn war, gab ei
ner ernsten männlichen Ergebung
Raum.
Lisa liebte ihn nicht, das war ei
Schlag, de er, so lange daS Leben
währte, l icht überwinden würde; aber
sollte er darum Loras Herz von sich sto
ßen ? das Herz, das ihn liebte, wie er
es einst von dcr Schwester gehofft?
Auch er kämpfte keinen leichten
Kämpf, auch er frug sich in bangem
Zweifel, ob er schweigen dürfe, und auch
er kam zu dcm Schlüsse, daß er es müsse.
Eine Enthüllung des wahren That
bestandes schied Lora auf iuiiiicr von
ihm. Indem er aber die Liebe dcr ei
nen Schwester von sich wies, erwarb er
sich nicht die dcr andern, sondern eine
unüberwindliche Klnft schied ihn von
beiden; nie würde es ihm möglich sein,
das dem Sterbenden gegebene Wort zu
erfülle. Seinen Eitern aber, die weil
er dcr letzte seines Stammes, dringend
seine Vcrhciralhniig wünschlcn, würde
er mit dcr Zeit dennoch eine Schwieger
tochter zuführen müssen, und wenn es
nicht Lisa sein durste, weshalb nicht die
Hand festhalten, die Lisa selbst in dir
seine gelegt?
„HaralZ ist biet crnslce geworden,"
äußerte Lora eines Tages gegen ihre
Schwester, als ihr Bräutigam die
stille Verlobung hatte bereits stattgefun
den—wieder als hergestellt betrachtet
werden konnte, „doch ich iciuc, er ge
fällt mir so noch viel besser als früher,
wenn das auch wohl begreiflich ist.
Wenn ich aber daran denke, daß er jetzt
bald wieder abreist, und er sagte heute
noch, es brcimc ihm unlcr den Füßen,
noch länger als Onkel Vrachhosss Gast
hier zu bleiben, dann icinc ich, ich er
trüge es nicht, von ihm gclrennt z
sein."
„Es wird ja nicht ans lange sein,"
entgegnete Lisa, „dann holt er Dich !"
„Nicht ans longc!" wiederholte Lora
mit etwas vo ihrer alten Ungeduld.
„Das sagst Dn so, weil Dn's nicht ver
stehst ! Warte nur, bis D einmal
Braut bist. Lisa, und sollst dann wäh
rend mehrerer Monate Deinen Bräuti
gam nicht sehen!"
„Ich werde nie Braut sein," antwor
tele Lisa ruhig, „ich bleibe bei uscrcr
Müller."
„O Lisa, wie gut Du bist, wie viel
besser als ich !" rief Lora mit dem plötz
lichen Umschlag der Stimmung, der ihr
eigen war, und warf sich der Schwester
au den Hals; „ich sagte neulich och zu
Harald, ich begriffe cS nicht, daß er mich
nimmt, wo Du noch z haben bist!"
„Aber Lora!" unterbrach sie die
Schwester vorwurfsvoll, „wie konntest
Dn das?"
„WcShalb nicht ? ES ist doch wahr!
Und weißt Du, waS er mir antworlctc?
machte ein ganz ernstes Gcsichr und
sagte - Engel erwiedern nicht die Liebe
sterblicher Mensche!—lch antwortete:
Aber, Harald, damit sprichst Du ja eine
große Beleidigung gegen mich aus. und
wenn es nicht Lisa wäre, so hätte ich ei
volles Recht, eifersüchtig zu sein, so aber
verzeih ich Dir s, denn Lisa ist immer
mein guter Engel gewesen, und auch
Deiner, mehr als Dn's weißt! Und dann
erzählte ich ihm, wie D mir immer zu
gesprochen hast, wenn ich nahe daran
war, den Glauben an seine Liebe zu
verlieren, wie Du ihn entschuldigtest,
wenn ich ungeduldig wurde über sein
langes Ausbleiben, ja wie Du mich cS
gelehrt hast, was lieb haben heißt! Er
hörte mit der größten Ausnkrrksamkeit
zu und frug plich och allerhand über
das, was Du gesagt hattest und wie nd
wann, und auch als ich ihm erzählte.
Dn hättest versichert, Du würdest nie
Onkel Brachhoff gchciralhcl haben, weil
Du es für eine Sünde hieltest, ohne
Liebe zu hcirathc, wurde er ganz auf
geregt nd wiederholte ein paarmal:
„Eine Sünde? Sagte sie das wirklich?
Eine Sünde?" Und dann frug er, ob
Du diese Behauptung wohl unter allen
Umstände anfrccht halten, oder nicht
Vach .zugebe würdest, laß besondere
Verhältnisse hierin einen Unterschied
machen? Jch saHle,md antwortele. das
Stro SS.
könne er Dich selbst fragen, jedenfalls
würdest Du Onkel Brachhoff nicht nrh
mc, auch wenn ers wollte, und damit
war Harald sehr einverstanden."
Es war kein Wunder, wenn Harald
dcr Boden unter den Füßen brannte,
bis cr das Hans versassen konnte, wel
ches cr jetzt als das seines crbittrrtslrn
Feindes betrachten mußte.
(Fortsetzung folgt.)
Die südlich Demokratie.
Herr I. Randoiph Tuckcr, erwähltes
Eongrcßmitglicd aus Virginia, hält sich
gegenwärtig in Washington auf und
spricht sich i recht interessanter Weise
über die politischen Verhältnisse im Sü
de ans. Er sagt, die Demokraten sei
nes Staates sind dcm Herren Haue
durchaus nicht besonders dankbar für
seine südliche Politik, denn, wie Herr
Tuckcr behauptet, thut Haycs nur das,
wozu ihn die demokratische Partei gc
zwnilgcil hat. Nach der Ansicht de
Herrn Tncker würde da Volk sich we
der ruhig verhalten haben, noch mit ir-
gend einer anderen Politik zufrieden ge
wesen sein, im Angesicht der Thatsache,
daß Haycs über eine halbe Million
Aolksstimmen gegen sich habe. Herr
Tuckcr besteht darauf, daß die Politik
des Herrn HayeS die demokratische Plat
form vom letzten November und da Re
sultat dcr Aeußerungen der Partei im
Eongrest und außerhalb desselben sei, nd
daß die dcmokiäiische Partei gar nicht
daran denke, Haye oder irgend einem
seiner Genossen das Verdienst für die
friedliche Lösung dcr südlichen Frage zu
überlassen.
Herr Tuckcr erklärt, daß die Demo
kraten von Virginia mehr als je auf ei
nen künftigen glorreichen Sieg dcr de
mokratischen Partei hoffen, und daß sie
über die Berichte dcr Republikaner
lachen, welche die demokratische Partei
als dcr Auslösung nahe bezeichnen.
Lobenswerthr Fortschritte.—Phila
delphia war die erste Stadt in den Ber.
Staate, welche die Straßen-Eiscubah
neu einführte: sie ist auch die erste, in
deren Straßen Dampfwagen in größe
rem Umfange zur Verwendung kom
men. Allerdings wurde dieselbe
schon früher iu Baltimore nud New Or
leans eingeführt aber nur in den Vor
städtcii, während dieselbe iu Philadel
phia den Verkehr auf einer dcr größten
und belebteste Straße, dcr Market
straßc, vermitteln. Bereits sind siebe
Dampfwagcu iu Verwendung und zehn
Pfcrdceiscnbahuwagcn wurden außer
Gebrauch gestellt. Die letzteren könne
vermittelst verschiedener Aenderungen
bei dem neuen System verwendet wer
de. Seit der vor neun Tagen stattge
habten Probe ist es einmal vorgekom
men, daß dcr Wagen wegen zu große
Schmutzes auf den Schienen nicht wei
ter fahren konnte. Mit den Dampfwa
gen fährt man iu dcr Hälfte der seithe
rige Zeit von Froutstraß nach dem
AuSstcllungSgcbäudc. Es sind zweie
lci Dampfwagen zur Probe in Verwen
dung, dic Troy und die Baldwincar.
Jede derselben verbraucht 2! Tonne
Kohle in dcr Woche.
Ein schrecklicher NnsaN.
Am letztn Mittwoch Rachmittag er
eignete'sich im Depot der Westchester
Eisenbahn zu Philadelphia ein schreck
lichcS Unglück, bei dem ei wohlbekann
ter Advokat von Westchester sein Lebe
verlor. Herr Joseph Wilson war mit
seiner Frau und Tochter nach dem De
pot an der 31. und Market Straßc gc- ?
gangen, um nach Westchester zu fahren.
Als die Damen schon iu der Cor saßen,
sprachen sie den Wunsch aus, noch eine
Erfrischung mit zu nehmen. Herr
Wilson stieg aus und ging in den War
tesaal, um au einem dort besindlichcu
Obststand einige Früchte z kaufen.
Als er wieder in die Thilrc trat, war
dcr Zug schon in Bewegung. Er lief
ihm ach und faßte den eisernen Griff,
um auf die Platform zn springen, wo
bei er ausglitt und einen Fehltritt that.
DerCondukteur, derauf dcrPlatform
stand, ergriff ihn; da aber Wilson cm
sehr schwerer Mann war. sali er sich
nicht im Staude, ihn hcrausziiziehen.
ließ los nd Hr. W. fiel unter die Rä
der, welche über ihn gingen und ihn so
fort tödctcn. Dcr Zug hielt au und
als Frau und Fräulein Wilson auf die
Platform gingen, um zu sehen, was die
Ursache sei, sahen sie zu ihrem Schre
cken den verstümmelten Leichnam ihres
Gattin und Vaters auf dem Geleise lie
gen. Die Leiche wurde nach Westche
ster gebracht.
Die Lokomotivführer —ln den Miß-
Helligkeiten zwischen der Neading Eisen
bahn-Eompagnic nd deren Lokomotiv
führer. Heizer nd Conduktors ist noch
keine Veränderung vorgekommen. Die
Sinkenden finden sich gewöhnlich in der
Nachbarschaft des Mcrchants Hotel in
Philadelphia zusammen. Einige von
ihnen, welche zu arbeiten angefangen
hatten, hörten wieder ans, weil sie es
für bcgnemcr finden sich von der „Bro
thcrhood os Engincers" für Nichtsthun
SM auszahlen z lasse, als nm den
gleichen Lohn sich zu plagen.
Man sagt, das Eommittce der „Bro
thcrhood" habe den Versuch gemacht
auch andere Angestellte zur Arbeitsein
stellung zu veranlassen, doch ist e ihnen
vorläufig noch nicht gelungen die Rea
ding R.N.Eo. in Verlegenheit zn brin
gen. Das Verladen von Kohlen ist
noch nicht im Geringsten gehemmt.
Seit dem Erscheinen des Circular
von Präsident Gowcn, in welchem er
eine Erklärung über das Verhalten der
Neading R. R. giebt, haben die Sym
pathien für die Lokomotivführer bedeu
tend abgenommen. Durch ihre Ver
suche die Arbeit in de Minen zu stö
ren, haben sie ebenfalls viele Sympa
thie verloren.
Bis jetzt sind noch keine Fälle von Ge
waltthätigkeiten vorgekommen. Ueber
mehrere Uiiglückssällc wie Zusammen
stößt, Entgleisungen zc.. welche vorgc
kommen sind, wird viel gesprochen, aber
man will die Schuld an denselben nicht
den Sinkenden beimessen, obwohl diese
Unfälle sich hauptsächlich seit dcm Strikc
ereigneten.
Da? Ende vom Lied wird sei, daß
die Lokoinolivsuhrer und ihre Anhänger
den Kürzeren ziehe werden, denn mit
großen und reichen Eampagulen ist
„nicht gut Kirchen essen

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