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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, August 18, 1871, Image 1

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————
Herausgeber : Deutsche Katholishe Druck Gesellshaft.
Jahrgang. Dn
p. ʒ ;
Luremburger - Guzette,
ein katholisches Wochenblatt
tkür Reeht und Walirheit,
erscheint jeden Freitag und lostet bei Vorausbezablung
Fr die Ver. Staaten und Canada: ;
Zährlich . . 1442.50
Halbjährlich “—— —— —l 1.26
Für Stadt-Abonnenten:—
Jährlich in Vorausbezahlung. 3.00
2 Nummem. 15 Cls.
Nach Guropa portosrei:
t
Für 3 Meuate. . t eut · di.
Das Postporto ;
in den Ver. Staaten und Careti heträgt W Cents per Jahr
und muß von dem Empsaneer seiner Postoffiee vi ertel
iährlich voraushezablt werden.
Man kam zu jeder Zeit auf dit Luxemburger Gazette“
abonniren. ;
x Einsendungen u. Korre
spondenzen, besonders über kirchliche
und andere wichtige Begebenheiten, sind
jederzeit willkommen, müssen aber vom
Verfasser unterzeichnet sein.
itut tntr dn eteu en
zu haben sind, dazu gebraucht werden.
hltusertuns ugnen tt rac detit ertn;
und Staat genau und richtig angegeben werden.
Wenn eine Zeitung von einem Postamt an ein anderes ver -
seyt werden soll, se muß immer auh das Postami angegeden
werden, wo die Zeitung früher empfangen wurde.
Wenn Jemaud sein Blatt nicht regelmähig empfängt oder
sich auf - eine Art Fehler dialtige sellte t be
trefertt gent, sowie dit Herausgeber segieich benachrichtigt
Die Berantwertlichleit für Geldsendungen für die Zeitung
werden wir nur dann übernehmen wenn dieselben per regi—
strirten Brief oder per Post Office· Money ·Orber geschehen.
Die„ uxemburger Gazette“ nach Europa.
- Deha ummatengun tec eatntere rusehtn
daß die Uebersendung des Biattes an Verwandte und Freunde
jenseito des Oceans ein sehr geeignetes Mittel ist, einen unun
terbrochenen Verteht mit estiben zu unterhalten ünd sie
üüder ru gutaure dieses Landes zu unterrichten, beser als eo
dvrtch Briefwechsel geschehen könnte.
Bestellungen, Briefe »c. sind zu adressiren:
Luxeußurßarß Gazirr“.
s DURUQUE, 10WA.
——
Luxemburger Gazette
(a eathelie Weekly)
published by tlo
GerRMAx Caruoi. ie PRINrING 00.,
DUBUQUE, 10WA.
; . ——
Ternus: 52.,50 per annum, invariably in
udvanee.
Eisenbahn-Züge.
: ——
Zeit-Tabelle.
Abfahrt Rat Osten u. Sũüden um 4.07 Morgeus.
u— „, Suden „1.02 Nachmittag.
2 .lOosten „10.00 Abendo.
Anlunst Vor Süden „H.57 Morgens.
„ Olsten 1621
Osten u. Süeen , 7.02 Abendo.
Abfahrt Nach Westen 7.15 Morgeno.
ata D a Festen 735 Abendo.
Ankunft VBon Westen „13.40 gent
„ „ Welsten „ 920 Abendo.
Mein Heiland sieht herab auf miqh.
e szu tints Beirs Sr-
Cin schlicht nnd einfa usbild;
Des itn Antliß so heilig,
Sein Blick so schmerzvoll und ß mild.
Oft wenn ich Nachis, wo alle schliefen,
Der erte leis' ins Zimmer sua.
Dacht' ich, dem milden Blic eenr:
„Dein Heiland sieht herab auf dich!“
Und wenn ich bei der Lampe Schimmer
Miüt Se und Kummer Sum
Wenn alles Weh in mir erwachte,
L- yrei E 2 4 ng, :
ob die nen 7
Th unwlutürlich ber miqe den,
Und tiet ertelqtert und erleuchtet:
„Dein Heiland sieht herab auf Dich!“
Und oft in bangen Zweifelstunden,
Wo sich die Seele ni verliert,
Wo sich Berdienst und Schuld vbermischen,
Wo ahnwit s mit Loorbeern ziert,
Da, wenn q nsank, artemanel
Erblttert auf die Welt u 4
Ein Blid von oben, —und ich fühlte:
„Dein Heiland sieht herab auf Dich!“
Wenn in der rtenit Fiebergluten
Auf meinem Bett ich stöhnend lag,
ur ungedulela. Ehur an Stunde,
Nachzählte jeden Ham
Laquit ich auf zu rla
Der ß viel mehr nch litt als iq
Und spürte Trost in dem Gedanlen:
„Dein Heiland sieht herab auf Dih!“
Und lat mir krank der Meinen eines,
Unb ru 'ich in Gefahr mein Kindh,
Und bangte mir um ferne Freunde,
Sah lq zum Bild enper osgryn. 51
Ich es nicht in 8 öne ; 2
„QNaqh leiner Formel. 77 1
Und ten solen mir n sagen:
Dein delland seht derad aut Dh
nne
t; Lerl n 4 3 Mteten,
teinst der Ted an melne Thür.
Und wenn ich stumm und siarr dann liege,
So sprecht pn Segen über mich:
„Du e m Tod auch nicht verlassen ;
br- nd sieht herab auf dich
Luxemburger Gazette.
Die
Ait Recht und Wahrheit.
Europũische Uebersicht.
In wie fern unter dem „unenen Ne—
gime “ sich die Zustande in Rom gebessert haben,
mag der Leser aus folgender, getreuen Schilde—
rung der Lage Rom's entnehmen :
Heute sind es elf Monate, daß die Piemontesen
ihren Fuß über die päpstliche Grenze setzten, und
da ist es von ganz besondern Inleresse, einen
Rückblick auf jene Tage und auf die Schrist
stücke zu werfen, die damals von Italien's Regie
rung in die Welt versandt wurden. Ant 7. Sept.
ließ Victor Emman uel den auswärtigen Höfen
erklären : als Herrscher einer katholischen Nation,
bedacht auf das Heil und das Wohl des Ober—
hauptes der Kirche, nehme er· im Angesichte Eu
ropa's und der latholischen Welt die Beschützung
des h. Stules in seine Hand. Am 9., also zwei
Tage später, überbrachte der Graf Ponza di San
Martino das eigenhändige Schreiben des Königs
an den Papst - er wende sich an ihn mit der Er—
gebenheit eines Sohnes, mit dem Glauben eines
Katholilen, Ein gefahrvoller Sturm bedrohe
Europa; die allgemeine Revolution erbebe tãg
lich kühner ihr Havpt und bereite besonders in
Atalien und m Kirchenstaate den letzten Stoß vor
gegen Königthum und Papstthum. Als tatholi
scher und als italienischer Herrscher, somit als von
Gott gesehter Wächter und Schirmer des Weh
les von ganz Italien, trage er auf seinen Schul
tern die Verantwortlichkeit für die Aufrechterhal
tung der Ordnung, für die Sicherstellung des h.
Stuhles. In dem Einmarsch der klöniglichen
Truppen in das päpstliche Gebiet dürfte der h. Va—
ter leinen Alt von Feindseligleit sehen x......
Nun, heute sind elf Monate verslossen, seit wir
mit den Piemontesen ge segnet sind, oder vielmehr,
seitdem Victor Emmanuel ,„im Angesichte Euro—
pa's nnd der ganzen latholischen Welt die Be
schützung des h. Stuhles, die Aufrechterhaltung
der Ordnung in die Hand genommen“. Die Ge
schichte kennt Beispiele, daß ein gegebenes könig
liches Wort nicht gehalten worden ist, in so
feierlicher Weise es auch gegeben sein mochte; aber
so schlecht wie das Königowort Victor Emmanuels
wurde bis auf die Gegenwart wohl noch keins ge
halten. In Rom herrschte Ordnung bis zu der
Stunde, wo seine Bersaglieri in die Bresche von
Porta Pia dit Tausende von Gesindel hereinsand
ten, die dem Heere gefolgt waren; seit jener
Stunde ist die Ordnung, die öffentliche Ruhe auf
den Straßen, die Sicherheit von Person und Ei—
genthum, die Achtung vor der individuellen Ueber—
zeugung verschwunden. Dem heiligen Vater aber
hat Victor Emmanuel „mit der Ergebenheit eines
Sohnes“ den quirinalischen Palast, das Privat—-
eigenthum des hl. Stuhles, entrissen; unter den
Augen seiner Beamten ist der Papst während all
dieser Zeit mit unzähligen Schmähungen in Bil—
dern und Zeitungen überschüttet worden, und das
„Tod dem Papste“ hat nicht geschwiegen bis auf
diésen Tag. „Mit dem Glauben eines Katholi—
ken und unter der Betheuerung der tiefsten Ehr—
furcht gegen den Stellvertreter Christi“ hat der
König von Italien die Vertreibung trige
Ordensleute aus ihren Köstern unterschriebch ;
zwei Mal ist er in Rom gewesen, aber „der erge—
bene Sohn“ hatte ein so reines Gewissen, daß er
beide Male nicht wagte, vor dem greisen, gefange
nen Papst zu erscheinen. Der Florentiner Cor—
respondent der Augob. „Allg. Iw.“ sagt, man
habe am Feste der Uebertragüng der Hauptstadt
lein großartiges Feuerwerk vetanstaltet, wie es
sonst bei Papstfesten üblich gewesen, aus zarter
Schonung gegen den heiligen Bater, allein diese
zarte Schonung ist eine pure Erfindung des Cor
respondenten gewesen, denn hoch oben auf der
Engelsburg war drei Tage lang eine mächtige
italienische Tricolore. aufgepflanzt; am Abende
aber strahlte dort vor den Augen des Papstes „der
italienische Stern“ mit seiner grellen Beleuchtung
nach dem Vatican hinüher, während aufder Piaz
za bei den Ruinen der serristorischen Kaserne die
grün-weiß-rothen Rakleten so abgebrannt wurden,
daß sie sämmtlich über dem Petersplatze und also
vor deri vaticanischen Palaste plagen mußten.
Derselbe Correspondent berichtet, der König habe
bei seiner Ankunft am Sonntag- Morgen mit al—
ler Gewalt eine Messe hören wollen, seine Mini—-
ster hätten's ihm aber ausgeredet. Da er jedoch
erst um halb zwölf Uhr ankam und erst gegen halb
ein Uhr n den Quirinal gelangte, so hätte das
wohl eine Nachm ittagõmesse gegeben. Auf wel—
cher Sëte ist da die „heilige Einfalt“, auf Sei—
ten des Correspondenten, der so etwas glaubt,
oder auf Seiten des Königo, der, falls die Anga
be richtig wäre, Mücken gewissenhaft seihete und
Elephanten ebenso gewissenhaft verschluche - Sehr
tosthar ist auch die Angabe, daß der pr e uß i fhe
Ge sandte, der von Florenz mit hei ibergekom
men, sich einer besonderen on von
Seiten des Volles erfreut habe. la, die dier
Häiduden, die wn ren rotben Anzügen dem gan
hem deshugt den rse voraufritten, bie
ur s- tiner besendern Aufmerlsamlei don
Selten des Voltto ju erfeeden inden de deia
ihre Hitte / dle Damen ihre weihen Lalgennige
schwenkten; allein den preuhischen Gesandien
kannte lein Mensch, und so entging er der beson
dern Aufmerksamleit des Pöbels. An den Palã
sten des dem Papste ergebenen Adels hatten ge
Dubuque, Jowa, Freitag, den 18. August 1871.
wisse Leute in der Nacht vor dem Sonntage Pla
cate angeklebt, auf welchen in höchst primitiver
Pinselei das italienische Wappen nebst· den ge
wöhnlichen Evviva-Ausrufen gemalt war; Der
Correspondent der Angob. „Allg.“ ein Mann von
geläutertem Geschmack, ist ganz entzückt über die
sen „feinen Spoti.“ ;
dn Frankreich steht Heet Thieẽd am
Staatoruder und versucht mit trästiger Hand das,
durch“den legten Krieg etwas lec gewordene
Staatoschiff wieder herzu stellen und wird ·es ihin
hosfentlich auch gelingen Reben ihm wirdGam
betta die Hauptrolle spielen, wenn beid- im Ein
verständnisse handeln. “ Sollie dieses: nicht der
dall sein, so würde ein / parlamentarischer Zwei—
kampf erfolgen, der in einen ,nationalen Hariei
lampf übergehen müßte· Gambetta ist der Füh
rer der radikalen Republilauer, nicht der bloß pro
visorischen, und wird das Mögliche ihun, uũ der
Rehublit der Gegenwatt eine nft zu bereilen.
Doch hat auch Thiers gelobt daß er nichts gegen
die Republit e werde/ ünd er verdient
um so eher Glaben, als die · Moenatrchie ohne
Staatostreich nicht eingefuhri werden könnte/ und
lein Prätendent vorhanden ist, dem bit Macht hu
einem Staatostrëche zw Gebole steht! Denn bie
Armte gibt sich den Orleaniden nicht hin und duf
den gestürzten Kaiser rollt eine Scholle Schmach
noch der andern; sowie die Jahrestage von 1870
wiederlehrön. Gambetta will die Bauern zu Re
publitanern ziehen ; sie werden es sein, ohne daß
man sie besonders zu manipuliren braucht/ wenn:
1. die Republil den inneren Frieden gibt, 2. sie
nicht wie die von 1848 mit Steuererhdhung bela
stet, 3. die Kirche nicht besehdet.
Letzteres ist eine Grundbedingung. Es ist aber
auch keine leichter zu erfüllen; denn die tirchliche
Freiheit verträgt sich recht wohl mit der politischen.
Waren ja doch die Gründer der alten eidgenẽssi
schen und friesischen demofratischen Republisen
gut katholische Bauern, die Gründer der mittel—
alterlichen Städie-Republilen in Deuischland und
Italien gut latholische Bürger, und ist den Ka
tholiken in Nord-Amerila die politischt Freiheit so
werth als den Presbyterianern, Meihodisten u. a.
Oder haben etwa die französischen Bischöfe und
Kleriker weniger Patriotismus gezeigt, als die an
deren Franzosen?
Was man wünscht, das glaubt man gern, sag
ten die guten Alten, und daß es bei den Neuen
nichts anders ist, konnte man recht deutlich sehen,
als die Freimaurer Presse ein Schreiben des Hrn.
Thiers an den Papst inittheilte, worin derselbe
dem hl. Vater erklärt haben soll, daß Frankreich
ihm kein Asyl öffnen könne, daß es ihn aufzuge
ben genöthigt sei und ihm dafür rathe, sich mit der
italienische Regierung abzufinden und sich gefallen
zu lassen, was sie gegen ihn gethan habe und thun
werde. Jede Zeile des Machwerks verrieth einen
des diplomatischen Stiles untundigen Journali
sten, und dahß derselbe rein nichts davon wußte,
wie entschieden Thiers sich in der Angelegenheir
des apostolischen Stuhles als Historiker u. Staats
mann ausgesprochen hat. Da war große Freude
im Lager der Logen und auf's Neue wurde ver
kündigt, dah der römische Papst dem frauzösischen
Kaiser nachstürzen müsse; daß der Romanismus
von den Germanismus überwunden, die Refor
mation des 18. Jahrhunderts durch den Sieg der
deutschen Waffen im 19. vollendet sei. Jetzt sieht
man sich dupirt und schneidet Gesichter wie ein
Bube, der Confelt zu genießen glaubte, aber
Wurmpulver verschluckte. So lange Thiers die
Politik Frankreich's leitet, sanktionirt es die Be--
rauhung des Papstes nicht; denn das Volt ist in
seinem Kerne ein katholisches, und sodann hat es
nicht den mindesten Grund, den Ranen des Ita
lianïmus Vorschub zu leisten. Sollte dieser jur
Großmacht erstarken (er ist nur durch fremde Hülfe
emporgekonimen), so wird Italien der Rivale
Frankreichs's im Mittelmeere und haralysirt oder
verdrängt dort den Einsluß, den Frankreich von
jeher ausübte, und zu dem es sich berechtigt glaubt.
Die italienischen Bevollmächtigten gelten gegen—
wärtig schon in Constantinopol, Athen, Alexan
drien, Tunis, Fez, Madrid, selbst in Bern, mehr
als die französischen.
Im neuen deutschen Reiche, welches doch
laut küiserlichem uud bismarkischem Versprechen
ein „Reich deo Friedeno“ sein sollte, geht man
den Katholiken immer schärfer und ungerechter zu
Leibe. Zeitungoschreiber, Advolaten, Bierphili—
ster, mit einem Worte der ganze fortschrittliche u.
freimaurerische Troß, jauchzt und jubelt, daß die
preuhische/ Regicrung durch ihr unbegreistiches
Auftreten gegen den Bischof von Etmeland den
Katholilen einen so empfindlichen Faustschlag in's
Angesichi verseyte. Auch die jüngste königl. Ber
ordnung, durch welche die seit 1811 —also seit der
friedlichen Beilegung der bekannten „Kölner Wir
ren—hestandenen gesonderten Abtheilungen fsr
latholische und protestan tische Kirchtnangtlegen ÿ
hlten inn Eultuonisniherium aufgebden werhen,
Vird von den Uextvil cor- Kirche alo
tint forts 3 e; den Kalholilen schäpliche sẽr
ruz enschaft tuu etn vun den Berlust
r Vcghscgrischen Insttitioa un
qhwer berschnerzen nu
Im Parlamente ist jungst ein Be—
richt verösfentlicht worden, der interessanten Auf-
Office : ANational· Demotrat“ · Gebäãude.
schluß über die Stellung der katholischen Kirche
sin England gibt:
„Es sind heute noch, so heißt es in ihm, eine
ganze Reihe Gesete in Kraft, welche den Zweck
haben, die Klöster und mildthätigen Anstalten der
Katholiken, die einen ausgesprochen religiösen
Charaklter haben, gänzlich aus England auszu
schließen. Bis vor vier Jahren waren nicht nur
Männerklöster verbotene Anstalten, sondern alle
mildthätigen Anstalten von rein katholischem Cha—
ralter wurden vom Gesetze als auf Aberglanben
begründet und in ihrem Wesen ungiltig erklärt.
Nichts desto weniger stellte es sich im Jahxe 1860,
wo ein Gesetz durchging, welches solche Anstalten,
die vor 1832 gegründet waren, nachträglich lega
lisirte, heraus, daß nicht weniger als 100 solcher
Anstalten vorhanden waren, die unter die Contro—
le ber Behörden gebracht wurden. Das Gesetz
war bis dahin einfach mittelst dbes Systems gehei
mer Verwaltung durch Curatoren umgangen wor—
den· Bis heute noch sind alle Vermächtnisse für
Seelëmessen te.» die unter die Kategorie „aber—
gläubischer Zwecke“ gebracht werdew können, ge
sehlich ungiltig; aber die·Folge ist nur, daß man
auch hierbei den Buchstabeu des Gesethes umgeht.
Was die/ Männertlöster anbetrifft, so sind noch
heute mehrere Abschnitte der Emaneipations-Aete
in Krast/ nach denen es ein Verbrechen und mit
lebenglänglicher Verbannung strafbar ist, inner
qhalb des ver. Königreiches in einen geistlichen Or
den für Männer zu treteu, oder Jemanden die
Gelübde eines solchen Ordens abzunehmen. Eine
gleiche Strafe wird über die Augehörigen religiö—
ser Orden verhäugt, welche den englischen 80-
den beireten ohne die ausdrückliche Erlaubniß des
Staa irs, welche nur auf einen Zeitraum
von h da gewährt werden kann. Die
natürliche Felge ist, daß alle Vermächtniste an
Männerkloöster ungiltig sind, was anch auf mild—
thätige Stiftungen sich erstreckt, falls dieselben der
Verwaltung von Möonchen zugewiesen sind. Die—
se ausdrücklichen Bestimmungen beziehen sich zwar
nicht auf Frauenklöster; indessen sind andert
Gründe vorhanden, aus welchen auch für diese
die Ungiltigleit coustruirt werden lann. Wie
machtlos übrigens die geseylichen Schranken in
beiden Fällen sind, ist aus dem Umstande ersicht
lich, daß, obschon nach der Behauptung protestan
tischer Autoritäten vor der Emancipations·Arte
keine Männerkloster in Großbritanien bestanden,
seitdem einige 70 sich gebildet haben, während
gleichzeitig die Zahl der Frauenklöster seit 1830
von 16 auf 233 angewachsen ist. Die Güter
dieser Klöster stehen nicht unter gesetzlichem Schut
ze, sondern werden nominell von einigen Mitglie
dern gemeinschaftlich besessen und sind dadurch al
len Gefahren des Privatbesißers ausgesetzt, wobei
man nur an die einfachsten Dinge, Beruntreuung
oder Bankerottfälle zn denken braucht. Unter sol—
chen Verhältnissen mußte der Bericht des Aus—
schusses, der sich nur an Thatsachen hält, noth—
wendig glinstig für die Entfernung der erwähnten
Schranken lauten, um so mehr, da die Ver
hältnisse es mit sich brachten, auch einen Blick auf
die geseßlichen Bestimmungen in Betreff anderer
Confessionen zu werfen. Es wird nämlich hervor—-
gehoben, daß die Mitglieder der englischen oder der
griechischen Kirche volle Freiheit haben, klösterliche
Gelübde abzulegen und Klöster zu fundiren. Au—
dererseits stellt der Bericht auch die eigenthümliche
Anomale an's Licht, daß die „abergläubischen Ge
bräuche“ der Katholilen, wo denen das Geseh
syricht, durchaus nicht verboten sind, und somit
kein Grund vorliegt, Stistungen zu dem Zwecke
ihrer Vollziehung n verbieten. Die öffentliche
Meinung bezüglich der Cultusschranten wird von
Jahr zu Jahr mehr liberal, u. die „Times“, die in
dieser Angelegenheit das Wort nimmt, spricht es mit
Entschitdenheit aus, daß es am besten sei, sich so we
nig als möglich in die inneren Angelegenheiten
einer Confession zu mischen, und daß täglich weni
ger Veranlassung geboten sei, zwischenw den Ka
tholifen uad anderen Confessionen gehässige un
terschiede zu ziehen.“
(Und das ist ganz in der Ordnung-)
Der Sultan beschämt die christli
chen Fürsten. Aus Constantinopel,
meldet der atlantische Telegraph: „Die Heraus
gabe des Blattes „Turquie“ ist auf Befehl der
türkischen Regierung suspendirt worden, weil es
einen Angriff gegen don Papst in seine Spalten
aufnahm.“ Wie jetzt die raditalen. Blätter auf
den Sultan schimpfen werden! Der Türten
kaiser schüht den Vater der Christenheid vor dn—
sulten, verübt durch die Presse, und im neuen
deutschen Reiche hat Bismarch durch die Presse ei
nen Kampyf gegen die katholische Kirche organisitt.
So ändern sich die Zeiten!! Wir fürchten uns
aber auch vor einem „christliche n“ Berfolger
der ·Kirche nicht
Osnahrück, 11, duli. Ei allgeinclner
Unwillen, schreibt man dem „W. M.“ gibt siqh
hier unter allen Katholiten kund über diẽ lalho
litenfeindliche Haltung unserer offieibsen ,Anzei
gen“, Zu der jeyt Mode gewordenen allgemei
nen Katholilenhehe trägt sit ihren redlichen Theil
dei Es erschtint keine Rummer, wo nicht über
Kathblilen hergefal en wird. Selbst im deuil
leton werden sie und ihre heiligsten Institute ver
höhnt und gelästert. Das wurde früher nie ge
duldet.
Redakteur: John A. Koob.
Nummer 3
(Correspondenz ans Luxemburg)
; Mitte Juli 1811—
Liebe Landsleute! ;
Diejenigen aus Euch, die vor 20 oder
mehr Jahren von hier ausgewandert sind,
glauben es kaum, welche großartigen Ei—
senbabnen bei uns siud gebaut worden
seither. Daß dieselben uns viel, viel Geld
gelostet, ktönut Ihr leicht begreifen. Die
Chambre votirte einmal 9 Millionen
Franken zu dem Zwecke, und das blos als
Unterstütung. Die bis Dato gebauten
Bahnen gehen alle von der Hauptstadt
gus und erschließen einen großartigen
Handel mit bem Auslande. So setzt uns
die Luxemburg - Trier - Bahn mit Trier
den Rheinlanden und mit Deutschland
überhanpt in Verbindung; Die beiden -
Bahnen: Ost-Bahn u. Lurembung Ar
lon, befördern unsern Handel mit Belgien ;
Luremburg-Diedenhoven aber brachte uns
in Geschäftsverbindung mit Lothringen,
Elsaß und so mit dem übrigen nth
Jetzt natürlich, seitdem die Faust des
Stärkern zum Rechtstitel geworden, ist es
etwas anders geworden; Leitrinten und
hat sind heute „reichsunmittel än
folglich bringt uns die letztgenaunte Bahn
sr drimgt mit dem „Reichsunmittel
bar“ .
Eine andre Bahn, vielleicht vow noch
größerem Nutzen für das Land, wie die
obengenannten, wird jetzt gebaut. Sie
heißt, die Prinz Heinrich- oder Grtel
bahn, sogenannt zu Ehren unseres Statt
halters, dem Prinzen Heinrich, und well sie
das Land wie ein Gürtel umgibt oder
umspannt. Dieselbe fängt nämlich hei
der Stadt Echternach an, geht nach Die
kirch, kreuzt die Ostbahn und wendet sich
auf Redingen ; bei Klein-Bettingen kreuzt
sie wieder die Luremburg - Arlon Bahn,
läuft gegen Esch zu und macht Belannt
schaft mit der Esch Zweigbahn, durchschnei
det die Luremburg-Diedenhoven Bahn u.
sindet in der Stadt Remich, an der Mo—
sel ihren Terminus. Diese Bahn muß
unbedingt den Handel des Landes beson--
ders heben. Ueber die Lertnenriglei und
den Nugtzen derselben herrscht daher auch
unter Volk und Regierung nur eine
Stimme· Bezahlte Landesverräther
möchten jedoch gerne dieses große Unter—
nehmer vereiteln, einerseits um ihren in—
dividuellen Interessen zu dienen, ander
seits aber, um das Land materiell ver
sumpfen zu machen, damit sie es desto leich
ter für einen Judaslohn verschachern könn
ten. Auch arbeiten dieselben Judasse
d'ran, unsre Eisenbahnen in preußische
Hände zu spielen. O, die Verräther!
diese wird der gerechte Abscheu eines pa
triotischen Voltes treffen, und der Lohn
des Verräthers wird für sie nicht ausblei—
ben! Daß aber die Regierung nicht schon
längst diesen Schuften das unsaubere
Handwerk gelegt, kann ich nicht begrei—
fen.
Soeben heißt cs, sei der Regierungo
präsident aus Trier, Herr von Ernsthau—
sen, hier eingetroffen, um Verhandlungen
mit unserer Regierung anzuknüpfen, in
Betreff unserer Eisenbahnen.
Der Weg, den die Regierung in dieser
Frage einzuschlagen hat, ist ihr Larret
lich vorgezeichnet, wenn sie dem Willen
des Luremburger Volles gerecht will wer--
den. —Je eher die Unterhandlungen mit
Preußen in dieser Sache erledigt werden,
um so lieber wird es dem Volte sein
Wenn wir es nicht erfahren hätten, wie
mitunter das Recht der Gewalt weichen
muß/ dann wären wir in Betreff dieser so
wichtigen Eisenbahnfrage ganz beruhigt.
Wir stehen auf unserm guten Recht;
will Preußern nun ein Rechtostät sein,
worauf es mitunter so hart pocht, nun,
dann respeltiere es auch das Recht An
derer! Es soll wissen, daß Frankreich ihm
bei den Frankfurter· Verhandlung, in Be
treff unserer Bahnen, kein Recht einru
men konnte.
Wir wollen abwarten und sehen, was
die Zukunst uns in dieser Sache noch
bringen wird.
Einer unserer ausgezeichnetsten Maler
ist Hr. I. Macia s Jahren wohnt er
in Paris und hat uns ein Gemälde, das
Innere unserer Kathebrale darstellend/ ge
llefert, vegr lobenswerthe Annerken
e tade ue
hi der geniale Kanstler einen Mäce
nas unser den Korlphden des Landes sin
den.
?s lebe das Recht X. v.2.

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