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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, September 01, 1871, Image 5

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König als Kaiser zu proclamiren, und sich zu des—
sen Vasallen zu machen. Die Katholiken haben
dem leinen Widerstand entgegengesetzt. Es blieb
dem König von Baiern und den andern Kleinstaa
ten nichts Anders übrig, als sich zu unterwerfen,
denn die Unabhängigkeit dieser Länder hatte nie
7 einen andern Stützpunkt, als das katholische Ele
ment ; das protestantische und revolutionäre Ele
ment hiehen zu Preußen.
Wo hat nun Bismard Ursache sich über die feind
liche Haltung der Katholiken zu bekllagen? Dürfte
man nicht vielmehr erwarten, er werde die von
den Katholilen bekundete günstige Stimmung
benützend versuchen, sie vollkommen für sich zu ge
winnen und so das letzte Hinderniß, welches sich
; der ernstlichen und dauerhaften Einigung Deutsch
land's entgegenstellen konnte, aus dem Wege zu
räumen ? Aber das Gegentheil geschah. Nach—
dem die deutschen Könige und Fürsten eben erst
das deutsche Bündniß in Versailles unterzeichnet
hatten, welches ihnen noch Angesichts der feindli—
chen Kanonen vorgelegt wurde, um den günstigen
Augenblick nicht zu versäumen; nachdem der
Frieden mit Frankreich eben erst unterzeichnet war,
ändert Bismarck, welcher in Versailles noch mit
schönen Redensarten für die Katholiken und den
Papst um sich geworfen hatte, plötlich, ohne sich
die Mühe zu nehmen, den unerwarteten Umschlag
hu verhehlen oder zu mildern, seine Taltik, Hal
tung und Sprache. Wenn die Katholiken seine
Unterstühung für das geheiligte Oberhaupt ihrer
Kirche verlangt haben, so geschah das nicht nur
ans PVslichtgefühl, sondern auch, weil 'man ihnen
kurz vorher in Versailles zu versteheu gegeben hat—
te, Kaiser Wilhelm werde es gerne sehen, daß sit
den Glanz seines Scepters und das Ansehen sei
ner Macht, wenn nicht gar sein Schwert zu Gun
sten des gewaltsam und unwürdig beraubten Pap
stes zu Hülfe rufen würden. Wie groß mußte
daher ihre Ueberraschung sein, als sie sich im
Reichotag angegriffen unb herausgefordert sahen,
sie, die sich außer der Macht des natürlichen Rech
tes auch noch ein positives Anrecht auf die Unter
: stütung der Regierung in dieser schwer wiegenden
Frage erworben hattent? ;
Es blieb aber nicht bei dieser einen Enttäusch
ung. Seither mußten die Katheliken noch erle—
ben, daß Bismarck versuchte, sit in Rom zu com—-
promittiren und ihnen von dort einen Tadel zu
zuziehen, dafür, daß sie dem Papste zu Hülfe kom—
; men wollten; daß Bismarck dir Auslehnung Döl
linger's unterstützt; daß er die baierische Regie
rung drängt, die Kühnheit der Bischöfe zu züchti
gen, welche, um ihre Pflicht zu erfüllen/ die De
krete des vatilauischen Coneils verkündigt hahen.
Und jeht rechnei Bismarck es den Ka--
tholiken zum Verbrechen an, daß ·sie mit Je—
nen gestimmt haben, welche er Revolutionäre
Revolutionäre zweifelsohne, weil sie vermessen
genug sind, einige- Stunden ihrhes Tages der
ewigen Anbetung seiner Person und seiner
Werke vorzuenthalten. Mehr ünoch, er drängt
„ sich in die Organisation des kath. Unter—
vichtes, in das durch die Constitution von 1840
den Bischöfen vorbehaltene Gebiet, indem er
die Diözesan - Oberhirten in Schutß nimmt,
welche sich dem vatikanischen Concil nicht unter--
werfen, und sich dadurch ipso facto aus der Kirche
ausgeschlossen haben. Auf der anderen Seite
macht er, weit entfernt davon, dem Papste zu hel
fen, gemeinsame Sache mit seinen Feinden ; Be—
weis dessen, unter andern notorischen Fällen, die
Gegenwart des preußischen Gesandten Brassier de
St, Simon beim Eiuzuge Victor Emanuels am
2. Juli, sowie die Haltung des Hrn. von Arnim
im vorigen Winter, eine Haltung, welche man da
mals zu mißbilligen schien, die aber, nach dem bis
jeht erlebten, ausschließlich seiner Regierung zur
Last gelegt werden muß.
Hat Bismarck nach so vielen Beweisen des Ue—
belwollens für die Katholiken wohl das Recht, sich
über die Haltung zu klagen, welche sie ihm gegen—
über beobachten ? Glaubt er, die Verletung seiner
eigenen Constitution in den Punkten, wo sie der ka
tholischen Kirche günstig ist, habe für sie nichts
Verletendes ? Glaubt er; seine Angriffe gegen den
Cardinal Antonelli, dem Staatominister unseres
gemeinsamen Vaters/ würden von den Katholiken
unbeachtet bleiben ? Antonelli ist ein Mann von
Herz u. Genie, der selbst seinen Feinden Achtung ein
flößt und seit 24 Zahren die Kirche und ihr Ober—-
haupt vertheidigt; ein solcher Mann ist den Ka
dholifen theuer; das sollie auch Bismara beden-
Fen, Er hat viel dazu beigetragen ein einiges
Deutschland zu schaffen, er scheint aber auch blind
genug zu sein, diese Einheit wieder zu zerstören.
Das wird er gewiß erreichen, wenn er auf der be
tretenen Bahn fortschreitet und so schon ae
gonnenen Krieg gegen das Papstihum sorsseht.
- Die Katholiken werden vor einem Kampfe nicht
zurüchschrecken, in welchem das junge deutsche
Reich sicherlich zu Grunde gehen müßte; vou lan
ger Dauer wird es ohuedies nicht sein.
14— (. BV. 3)
Was Dollinger über Pius Ix.
Nsagt hat.
In seinem vor ellichen Jahren erschieneuen
Werke „Kirche und Kirchen“ sagt Doöllinger
(S. 62: -
, „Alles was von Pius IX. persoönlich ausgeht,
ist eines Hauptes der Kirche würdig, edelsinnig,
liberal im guten Sinne des Wortes. Kein Fürst
kann für seinen Hof und seine persönlichen Be
dürsaisse geringeren Aufwand machen; als Pins.
Dächten und handelten alle wie er, so wäre der
Kirchenstaat wirklich der Musterstaat. Beide Ge
sandie, der sranzösische und der englische bemerk
ten, dahsdit üngneitlle Verwaltng sich gebessert
habe, der Werih des Bodens im Steigen, der
Ackerbau blühend, daß überhaupt viele Zeichen
des Fortschritto im Hande wahrnehmbar seien.
Was nur immer don einem liebevollen, einzig
im Erweisen von Wohllhaten seine Erholung su—
chenden Monarchen erwartet werden kann, das lei
seet Pius im reichlichsten Maße, Petrans hene
faciendo ( seln Wandel ist Wöhlihum dies Wort, /
von einem viel höheren gebraucht, ist, auf ihn an—
gewendet, doch nur einfache Wahrheit. Man er—
kennt an ihm recht deutlich, wie das Papstthum
(auch als weltlicher Staat), was die Persoönlich
leit des Fürsten betrifft, bei zweckmäßigen Wahlen
die irefflichste aller menschlichen Institutionen sein
könnte. Hier ist ein Mann, nach einer unbesleckt
durchlebten Jugend, nach einer gewissenhaften bi—
schöflichen Amtsführung zur höchsten Würde und
fürstlichen Gewalt erhoben. Er weiß nichts von
kostspieligen Liebhabereien, er hat kleine andere
Leidenschaft, als die, Gutes zu thun, keinen an—
dern Ehrgeiz, als den, von seinem Volke geliebt
zu werden. Sein Tagewerk ist getheilt zwischen
Gebet und Regentenarbeit, seine Erholung ein
Gang in den Garten, der Besuch einer Kirche, ei—
nes Gefängnisses, einer milden Stiftung. Ohne
persönliche Bedürfniße, frei von irdischen Banden
hat er keine Nepoten, keine Günstlinge zu versor
gen; allen gewährt er gleichen Zutritt zu ihm.
Für ihn sind die Rechte und Gewalten seines Am—
tes nur um der Pslicht willen da. Seine nüch—
terne und sparsame Hofhaltung läßt ihm reichliche
Mittel, nach allen Seiten hin Noth und Leiden zu
mildern. Auch er läßt, wie fast alle Päpste, Bau—
werke aufführen, aber nicht prunkende Palä—
ste, sondern Werke öffentlichen Nutßzens. Schwer
verletzt, mißhandelt, mit Undank gelohnt, hat er
noch nie einem Gedanken der Rache Raum gege
ben, nie einen Act der Härte begangen, hat er im—
mer nur verziehen und begnadigt. Er hat den
Kelch von süß u. bitter, den Kelch der Menschengunst
u Ungunst, nicht blos gelostet, sondern bis auf die
Hefen geleert; das Hosianna hat er vernommen, u.
bald dadurch das „Kreuzige!“ Der Mann sei—
nes Vertrauens, wohl die erste geistige Größe stiner
Nation, ist unter dem Dolche des Mörders ge—
fallen; die Kugel eines Empörers hat den Freund
an seiner Seite niedergestrecht. Und dennoch hat
kein Gefühl des Hasses, lein Hauch der Bitter
keit den reinen Spiegel seiner Seele auch nur
vorübergehend zu trüben vermocht. Unbeirrt durch
menschliche Thorheit, ungereizt durch menschliche
Tücke, wandelt er festen und gleichmäßigen Schrit
tes seine Bahn, wie die Sterne am Himmel.“
Kirchliche Ueuigkeiten.
Dubuque, August 29. Eine große
Freude wurde am letzten Montag dem
Hochwürdigen Herrn Sauter vbon den
Kindern unserer Gumeinde bereitet. Diese
wollten es sich nicht nehmen lassen, das
Namensfest unsers verehrten Seelenhirten
recht feierlich zu ·brgehen, was ihnen auch
vollkommen gelungen ist da unsere ehr—
würdigen Schulschwestern fkeine Mühe
scheuten, sie auf diesen Tag gut wvorzube
reiten. Durch abwechselnden Gesang ünd
Vortrag von Gedichten, in welchen sie dem
Hochw. Kinderfreunde ihre Glückwünsche
darbrachten, bereiteten sie ihm eine jener
frohen Stunden, die selten wiederkehren,
und an die er deshalb mit um so größe
rer Freude zurückdenken wird, Am
Schlusse der Feierlichkeit gab der Hochw.
Herr den von den Kindern erbetenen Se—
gen, worauf er eine ergreifende Anrede
hielt, in der er den Kindern, ihren Eltern
und den ehrwürdigen Schwestern für die
Geschenke und die große Freude die sie
ihm machten, dankte. Er gab den Kin—
dern Ermahnungen, die Schule recht flei
ßig zu besuchen, recht fleißig zu lernen,
ihren Eltern gerne zu gehorchen und be—
sonders die rhrwürdigen Schwestern zu
lieben und zu ehren, da sie sich ja ganz
für das Wohl der Kinder aufopfern und
nichts unversucht lassen, dieselben zu guten
Christen und tüchtigen Bürgern heranzu—
bilden. (Wer könnte an der Wahrheit
dieser Brhauptung zweifeln, da doch un—
sere ehrwürdigen Schulschwestern wohl be—
kannt sind als gute und fromme Lehrer—
innen.)
Möchte doch unser guter Seelenhirte,
Rev. Sauter, noch recht oft diesen Tag
in unserer Mitte erleben, und noch lange
mit seinem segensreichen Wirken unsere
Gemeinde beglücken. Dieses ist der
Wunsch nicht bloß unserer Kinder, son
dern auch eines jeden edelgesinnten Mit—
gliedes der Gemeinde.
Boston, Mass. —Am letzten Sonntag,
den 20. August, wurde in dem blühenden
Städtchen Peabody vom Hochw'sten Hrn.
Bischof Williams feierlich der Grundstein
zur neuen St. John's Kirche gelegt.
Spriungsield, Mass. —Am 13. August
weihete der hoch'ste Hr. Bischof O'Reilly
die neue St. Laurentius-Kirche in New—
Bedford felerlich ein, wozu schon im Jah—-
re 1866 der Grundstein gelegt worden
war.
Die katholische Gemeinde inCo ope ro
to wn, Wig., erbaut in diesem Sommer
eine neue Kirche, d 0 bei 100 Fuß; die
selbe ist ein Frame-Gehäude und bereits
aufgerichtet Auf die Spite des Thur
ines kommt ein eisernes Kreuz von 10
Fuß Hoöhe. 1
xemburger Gazet
Altoona, Pa. —Am 13. August wurde
durch den hochw'sten- Hrn. Bischof Dome
nec unter Assiftenz des hochw. P. Cölestin
und der hochw. Schnell, Farran, MeCar—-
thy und Lynch feierlich der Grundstein zur
neuen deutschen katholischen Kirche gelegt,
zu welcher Feier sich die katholische Vereine
von Allegheny, Scharburg und Johns--
town eingefunden hatten, sowie auch der
deutsche Verein von Hollidaysburg und
die Vereine an den deutschen und eng—
lischen Kirchen dahier. Der hochw'ste
Hr. Bischos predigte in englischer und die
hochw. Heẽrren P. Cölestein und Schell in
deutscher Sprache. Die alte Kirche ist zu
klein geworden und wurde darumi ein Neu—
bau zur Nothwendigkeit.
East-Newark, N. I.—Am 13. August
legte der hochw'ste Hr. Bischof Bayley den
Grundstein zur neuen St. Pius Kirche da
hier im Beisein von mehr als 2000 Per
sonen.
Die Gläubigen der Diözese Hart—
ford, Conn., haben bei der kürzlich für
den bedrängten hl. Bater abgehaltenen
Collecte 9,148 Dollars beigesteuert.
Boston. Die jährliche Sammlung
für den hl. Vater, welche übrigens noch
nicht in allen Gemeinden vorgenommen
wurde, hat bis jetzt die bedeutende Summe
von 12,694 Dollars eingebracht.
In Meeme, Manitowoc Co., Wis.,
wurde von den deutschen Katholiken jenes
Towns der Bau einer katholischen Kirche
unternommen zu Ehren der hl. Dreifaltig
keit. Das Gotteshaus ist 36 bei 70 Fuß
groß, und, 20 Fuß hoch. Bis jetzi ist die
Zahl der Gemeinde Mitg'ieder nicht größer
als 20 Familien.
Detroit, Mich. —Der hochw. Hr. Krä
mer von St. John's baut soeben eine recht
nette Frame Kirche, 26—44 zu Gaines-
Station, Genesee Co., woselbst sich erst seit
etlichen Jahren Katholiken angesiedelt ha—
ben und noch dichter Urwald die nächste Um—
gebung bildet. Bisher wurde hier noch in
einem Privathause Gottesdienst gehal—-
ten. ——
Am 10. Sept, wird tie n dem be
kannten ausgezeichneten· Delorationsma—
ler Tien in Cincinnati prachtvoll ausge
schmückte Muttergottestirche zu Co
vington, Ky, feierlich eingeweiht wer—
den. ;
Die St. Philomena-Gemeinde in
Cintinnati baut gegenwärtig i—
hübsches, 3stöckiges, 70 langes und 25
Fuß breites Pfarrhaus, das 12 Himmer
enthalten wird. 3
Zu Mittqhell-Station, zehn Meilen
von Ost St. Louis, wird eine neue Kirche
gebaut. Herr Druiding aus St. Louis
ist der Architeli des Gebäudes, welches
von Backsteinen aufgeführt, 68 Fuß lang
und 35 Fuß breit werden soll. Der hochw.
Vater König, Pfarrer an der St. Hein—
richs-Kirche in Ost St. Louis, wird die
seelsorgliche Leitung der neuen Gemeinde
übernehmen.
Am 28. Juli, entschlief im Herrn der
hochw'st. Hr. Modestus Demers, Bi—
schof von Vancouyers Island in britisch
Amerika. Bischof Desiers lam in Be—
gleitung des gegesupartigen greisen Erz
ischofs Blanchei von Oregen schon im
September 1838 von Canada nach Fort
Vancouver, wo er seitdem als Missionãr
und Bischof, die eifrigste Thätigkeit ent
wickelte. Den Hirtenstab trug Bischof
Demers seit dem 30. November 1847.
; R.1..
In Milwaulee soll unter den Au—
spicien des serlentifrigen General-Vikars
und Apostels der Slaven in Amerika, Ve—
ry Rev. Joseph Maria Gatiner, so
wie der hochw. Herrn Vater Hessoun,
Pfarrers der St. rten - Nepomudks-
Gemelnde in St. Louls, und Vater Mo—-
litor, Pfarrer an der St. Wenceslaus—
kirche inChicago, ennigl ein latholisches
Wochenblält in boöhmischer
Sprache herausgegeben werden. Wir
begrüßen nnsern nëen Collegen auf der
Arena der kath. Journalistik von ganzem
Herzen und wünschen ihm besten Erfolg.
In gighland Park, Ills. 8 Mei
len von Groß -Point wurde unter Rev.
Heslemann, welcher von letterem Orte
aus das an der Chicago - Milwaulte-
Bahn in der Nähe des KRighant ge-/
legene Highland part versieht, eine Kirche
tnl
-
dige dao vn Ehicago disge s
St. Lonis, Mo. Wie verlautet, soll
für die neue, der großen Metropole des
Etr-e würdige Kathedrale endlich ein
passender Bauplatz gefunden sein. Es ist
dies ein unfangreichẽd Viereck zwischen der
23. und einer neuen weiter westlich lie—
genden Straße. Der Loreiten - Convent
soll die Grenze bilden. Die erzbischöfli—
che Residenz soll gleichfalls in die unmit—
telbare Nähe der projektirten Domkirche
verlegt werden.
Ceooperstown, Wis. Tie hiesige
kathol. Gemeinde erbaut in diesem Som—
mer eine neue Kirche, 40 bei 100 Fuß: die
selbe ist ein Frame-Gebäude und bereits
aufgerichtet.
——
(Correspondenz aus New Wien.)
New Wien, 24. August 1871.
Was für einen Lohn wollen wir Ihm geben, oder
was lann da würdig sein fr ee extesenen Lerl
nnt ir L An i diese würdig genug
vergelten? (Tob. Kap. 19.
Kaum ein Jahr ist verslossen, als Deutschlands
Söhne durch das Kriegshorn vem Segen spen—-
denden Weizenacker zur Schlachtordnung gerufen
wurden. Trauernden, zurückgelassenen Müttern
und Kindern, wurde das sonst so erhebende Ein—
scheuern des Erntesegens überlassen; und in
Schweiß und Wehmuthsthränen gebadet unterzo
gen sich die Zarten der anstrengenden Arbeit, um
für sich und ihre in fremden Landen fürs Vater
land kämpfenden Gatten, Brüder oder Söhne den
nöthigen Lebensunterhalt aufõ kommende Jahr
zu sichern. Aber wie manches ergiebige Frucht
feld mag im Herbste 1869 von dem germauischen
Adclersmann umsonst angebaut worden sein; wie
mancher prächtige Weizenacker mag sich 1870 ver
gebens nach der Sichel gesehni hahen! —Tausende
der friedlichen Acerbauer des betriebsamen Ale—-
maniens haben während der Erntezeit jenes ver—
hängnißvollen Jahres mit ihrem Blute die fremde
Erde gedüngt. Frankreichs reiche Gefielde und
blühende Weingärten wurden von den lämpfen
den Heeren zertrelen und der Wüste gleich ge
macht. Ach ! mancher Leichnam mag dort, wo un
längst das milde Lied des Winzers gehört wurde,
vergebens nach der mitleidigen Hand sich sehnen,
welche ihn der Ruhe des kühlen Grabes vertraut.
—lintb nachdein D eutschlanbs und Frankreichs
Söhne ht Leben für den Ehrgeiz und die Länder
gier xines Despoten und einer junferirenden Oli
garchie ausgehaucht hatten, war hier wie dort
Mangel an Arbeitskräften auf den Gebieten der
Industrie, des Handwerkes, besonders aber bei der
Landwirthschaft. Unter solchen Umständen mußte
wieder ein hetirächilicher Theil der zu bestellenden
Aecher im vorigen Herbste unterbleiben. Und wo
sollen auch jeßt bei dem harten unerbitterlichen
Milizzwang die Arbeitoskräfte hergenommen
werden, um die wenig stehenden Getreide unter
Dach zu bringen ? —Wo aber auch die Zuchtgeißel
des Krieges die übrigen Völler Europa's nicht ge
iroffen, dori hat die Sonnengluth, die anhaltende
Dürregrößtentheils die Früchte des Feldes am
Gedeihen gehindert. Der erzürnte Weltenschöp—
ferThat noch weit mhehr Zutchthäuser als gerade den
Krieg, worin er seine entarteten Söhne, die Ihm
in ihrem gescheidt sein wollenden Materialior u
Nrñt die Herrschaft streitig machen m hten, in
Ketten schlagen kann. Welcht und wie viele
Trauerkunden dringen ni täglich aus der alten
Heimath und den be achbartey Trierlanden zu uns
herüber! Was die Cholera vor einigen Jahren
alldã verschonte, wagen jeht die schwarzen Blattern
für den bittern Tod einzuheimsen.
wir uns von diesen betrübenden Trauerspielen der
alten Welt weg, und werfen wir unsere Blicke
auf unser Adoptivvaterland Amerika! Friede
herrscht im Lande der Freiheit. Friede im Nor
den und Süden; dFriede waltet im Osten u. We—
sten. —Wohl vernimmt man zuweilen in diesem
unsern politischen Frieden das Gezeter eines ab—
gefeimien Demagogen oder Aemterjägers, und
mancher Comune a la übergeschnappten Karl
Heinzen faselt vom Tode unserer nationalen Frei—
heit durch das Nichtzustandekommen des Frauen—
stimmrechts; genau so, wie während einer mond—
stillen Nacht die Eule mit ihrem ohrzerreißenden
Geschrei den nervösen verspäteten Wanderer in
bange Angst verseht und in diesem Gekrächze er den
Vorboten eines Sterbefalles zu erblicken glaubt.
Ungestört kann der amerikanische Farmer seiner
Arbeit nachgehen, und eine gesegnete Ernte lohnt
den Schweiß seines unentbehrlichen Berufes.
Ueberall, wohin das Auge blickt, gewahrt es des
Himmels reiche Gaben. Fruchtstöcke gleich Pyra—
miden erheben sich all überall über den Stoppel—
feldern. Von allen Seiten dringt das Sausen
der geschäftigen Dreschmaschine zu unsern Ohren.
Von wiehernden Gäulen gezogen, fähri die wuch
tige Ladung Weizen der Wohnung zu, um dort
zum kommenden Jahresbedarf aufgespeichert zu
werden.
Dankbarkeit ist das ergebenste Merkmal einer
edlen Seele. Amerila ist schuldg dem Herrn zu
danken. Die Wohlthaten welche wir im Laufe
des Jahres von der glitigen Hand Gottes empfan—
gen haben, sind so groß und vielfältig, dah wir sie
weder zählen, noch viel weniger vergelten können.
Der weise Osorius spricht; „Weil wir nun von
Getit so viele Gulthaten empfangen haben, sind
wir auch schuldig zu sorgen, und daran zu denken,
wie wir Ihm dieses würdig vergelten können.“
Oft sollen wir mit David sprechen: „Was will
ich dem Herrn vergelten, für das was er mir ge
geben hat ?“ (Ps. 150.) Was willst Du nun
thun, armseliger Mensch? Wie willst du Gon
deine schuldige Dankbarkeit zum würdigen Opfer
darbringen ? Katholik, du sollst es wissen; Das
größte Danklopfer, das du deinem Gott darbringen
lannst, ist die h. h. Messe. Denn so spricht der
grohe hl. Irenäus (Buch 4. g. d. Här. Kay.
Das h, h. Opfer ist dëwegen eingeseht, damü
dir anserm Oott nicht undanklbar sind. —ln la
tholischen Farmer - Gemeinden, wo das religiöse
Gefühl noch nicht den Krebsgang angetreten,
versammeln sich die Gläubigen um den Altar um
allda ihren Dank, vereint mit dem des reinsten
Opferlammes Gott zum Lobe darzubringen. Und
wie schön, wie erhebend ist dieser fromme Gebrauch!
Er erinnert uns an die Macht und Güte Desjeni—
gen, der da sendet befruchtenden Regen, Thau
und Sonnenschein zur rechten Zeit; an den lie
benden Vater im Himmel, der für seine Kinder
sorgt, —wenn sie seiner nur nicht vergäßen. —Die
alte katholische Gemeinde von New-Wine ließ sich
die Ehre auch dieses Jahr nicht nehbmen, in dieser
Beziehung zu zeigen, daß der wahre Geist des
Christenthums ihre Herzen durchdringt. Heute
Morgen um 10 Uhr begann das h. h. Dankopfer
auf dem mit allen Insignien der Chre geschmück
ten Hochaltare der reich dekorirten Kirche.
Das feierliche Levitenan t Hochw. Vater
Hannash von St. Johannes (Luremburg). Ihm
zur Seite standen Hochw. Vater Schulte von New
Wine als Diakon und Ehrw. Kleriker Oberbröck
ling ebenfalls aus New Wine, als Subdiakon.
Ein wohlgeleiteter Chor irug ungemein dazu bei,
die Bedeutung der hohen Feier zu veranschauli—
chen. Nach dem ersten Evangelium bestieg Hochw.
Hannasch die Kanzel. Der erfahrungsreiche
Hochw. Herr zeigte in der Einleitung seines treffli
chen Vortrages die Beweggründe unserer schuldigen
Dankbarkeit gegen Gott, und brandmarkte dann
im fernern Laufe seiner Rede alle diejenigen, die
gleich dem unvernünftigen Vieh die Gaben Got
tes genießen ohne des Spenders dankbar zu geden
ken. Nach der h. h. Handlung bewegte sich die Ge—
meinde, in ihrer Mitte das Hochwürdigste Gut
unter einem prächtigen Baldachin getragen, unter
dem sonoren Geläute der Glocken in schöner Pro
zession um die Kirche. Ins Gotteshaus zurückge
kehrt, wurde der versammelten Gemeinde noch
einmal der Segen mit dem Allerheiligsten er
theilt, worauf der Ambrosische Lobgesang: „LDe
Deum laudanns“ die ergreifende Feierlichleit be
schloß. ;
Zu wünschen ist, daß die brave Gemeinde von
New Wine in dieser frommen Sitte recht viele
Nachahmer finde. Kirchen.
R Die Jolgende Zuschrift eines Freundes
aus Ohie, wird unsern Lesern zeigen mit wel—
Gefühlen die „Gazette“ auch in der Ferne auf
genommen wird!
Verehrte Herausgeber der Lur. Gazette!
Wahrhaft hoch erfreut begrüße ich das Erschei
nen der Lux. Gazette. Wenn dieselbe gut redi
girt wird, muß ihr eine glückliche Zukunft bevor
stehen. Ihre Abonnenten wird sie hoffentlich bald
in allen Theilen der Union, in allen Doörfern der
alten Heimath haben, wird sie bald zu Tausenden
zählen; denn sie wird nicht allein einfach unter
stütt werden, sondern die Luxemburger“ hier im
Lande werden es sich ohne Ausnahme zur süßen,
angenehmen Pflicht machen, sie in jeder Hinsicht u
unterstühen und zu ermuthigen durch B eitrãge
und Gunstbezeugungen, wohin sie n“ mmer ihre
Wendung lenlt, und das lieb alte Vaterland
wird ihr helfen, da sie sie auch da drüben neben
dem„Lur. W. W. „ R. gewiß gut liest und
lesen wird.
Bachelt auch mitleidig ein Theil der Presse
Ihren Versuch, nimmt man auch an, daß das
Blatt nur für uns,„Lux.“ Intresse haben dürfte, se
wissen wir, daß dit den der Herausgabe eine glüc
liche ist und aue a die Herucgabe be- -
lohnt; denn wir kennen nser Bott hüben u, brk
sben. Zwar wird die Zeitttng in nächster Zeit auf
seigener Füßen stehen müssen bis ihr Erscheinen in
den Kreisen, in welchen sich zubewegen, sie zunächst
bestimmt ist, bekannt sein wird'; dann aber darf sie
getrost anklopfen, dann wird sie, wie ein lieber
dFreund aus dieser und der alten Heimath empfan
sgen werden, und dann ist ihr eine Herrliche
Zulunft beschieden. Ein jeder unserer Lands
sleute wird Ihr Agent sein.
Mögen auch dann und wann die süßen Töne
unserer Landessprache aus diesem Blatte an unsere
Herzen schlagen, u. die goldene Sage unserer In—
gendtage immer und immer wiedererzählen!
Möge Ihrem Beginnen und dem Fortgange
Ihres Versuches, uns die Golde Heimoth nahe zu
bringen, Gottes Segen blühen!
Etwaigen Freunden und Belkannten in Du—
buque sende ich durch Sie meinen Herzlichsten,
wärmsten Gruß, und bitte Sie zugleich mir für
den beiliegenden Betrag Nummern zu schidkeen.
Ich werde natürlich, sobald mir Subscriptions--
preis belannt ist, aboniren und auch Andere zum
Aboniren zu bewegen oq
Einstweilen verbleibe ich Ihr
j gen ergebenster I. B. B.
Freestone, P. 0. Seioto Co. Ohio. ;
(Eingesandt.)
New Trier Minn. Aug 15. 1871.
An die Redaction der Lux. Gazette!
Heute lam uns Nummer 11. der „Lur e m
burger-Gazette“ zu, und freut es mich, im
Stande zu sein, Ihnen die Abonnenten -Liste von
hier einsenden zu können. Aus derselben können
Sie ersehen, daß die „Gazette“ bei uns will
lommen ist, —lch glaube nicht, daß auch nur ei n
Luxemburger bei uns zu finden ist, der dieselbe
nicht nähme. —Die , Gazette überraschte uns gera—
de mitten in der Ernte, und deshalb war es eini—
germaßhen unmöglich, thatlräftig für dieselbe zu
wirlen. —Sie müßen halt eiwas Geduld mit uns
haben ! —Was die von der Gazette verfolgte Ten—
denz anbelangt, so sind wir recht wohl zu frieden
damit, wenn auch dieselbe nicht gerade „preußelt
oder biomarkelt, —Beim Vertheilen der G aze ite
heute fand ich, daß ich um eiwa 25 Exe m pla
re zu kurz kam. —Sie schichen mir bloß 56 Num—
mern, und aus der eingesandten Liste sehen Sie
dah ich, 88 Exemplare bedarf. —Schiden Sie
mir also die fehlenden Nummern nach um die
jedigen Abonnëten defriedigen zu können, —ln
kurzer Zeit werden Sie hleder hbren rr Fen

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