OCR Interpretation


Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, August 17, 1875, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Iowa

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn84027101/1875-08-17/ed-1/seq-3/

What is OCR?


Thumbnail for

Daniel wurde jedoch für den Eintritt in
die dortige Erziehungsanstalt zn alt befun
den und so kehrten die Jünglinge nach
Löwen zurück, um weitere Verhaltungs
maßregeln von dem Oheim zu erwarten.
Maurice überließ sich während der Zeit,
die bis zur Ankunft einer Antwort verging,
seinen Vergnügungen, wogegea Daniel
freiwillig in das Dominikaner- Hymnasium
mrat, und sich zu einem der ersten Plätze
seiner Klasse emporgeschwungen hatte, als
ein Brief des Oheims eintraf, der die Brü—
der nach St. Omer bei Calais in ein von
den Jesuiten unterhaltenes Kolleg wies.
Hier vernahm Daniel mitten unter seinen
Büchern das erste Rauschen der sranzösi
schen Revolution, welche Europa zu er—
schüttern begann. Seine jetzigen Umgeb
„ungen jedoch, sowohl wie seine frühere Er
ziehung, die ihm die höchste Ehrfurcht gegen
die Religion und ihre Diener einzeprägt
hatte, ließen ihn in dem Nothschrei eines
zur Freiheit ankämpfenden Volles nur
wilde Anarchie und den Umsturz aller ge
sellschaftlichen Ordnung erkennen und er
war von so tiesem Abscheu gegen jene Be
wegung, welche die Priester dem bürgecli—
chen Gesetz unterstellte und ihre geweihten
Häupter sogar auf's Blutgerüst zu bringen
nicht zögerte, erfüllt, daß er, kaum am
Borde des englischen Schiffes, das ihn im
Januar 1793 von Calais nach Irland
bringen sollte, angelangt, die 3farbige
Kokarde vom Hute riß und sie mit Füßen
irat. Bis dahin für den geistlichen Stand
bestimmt, mochte er seine Verwandten durch
seine Neigungen doch überzeugt haben,
daß er zu allem Anderen eher, als zum
katholischen Priester tauge. Er war schon
damals ein leidenschafstlicher Jäger und
Angler und auch das schöne Geschlecht
machte auf das Herz des kräftigen Jüng
ling mehr Eindruck, als sich für den tünfti
gen Geistlichen geziemen machte. Zudem
hatte sich für die katholischen Inländer eben
eine neue Laufbahn eröffnet, die eine glän
endere Zukunft verhieß. Von der politi-
Bewegung erschüttert, hatte England
den Katholiken den früher verweigerten
Eintritt in das juristische Fach gestattet.
OConnell war einer der Ersten, die diese
Erlaubniß benutzten; er ward am 30. Fa
nuar in eine der praktischen Rechtsschulen
Londons, in Lincolns-Inn, aufgenommen,
wo er sich mit dem eisernsien Fleiße die
positiven Gesetze einprägte, während er mit
Eifer die Geschichte Irlands studirte und
der aufmerlsamste Beobachter der ganzen
englischen Verwaltung und somit des Be
drückungssystems wurde, unter dem sein
unglückliches Baterland seufzte. Wirkten
die in Frankreich erlebten Greuel auch noch
so sehr in der Seele des jungen Mannes
nach, daß er, wie er später oft selbst gestand,
im Herzen fast ein Troy war, so führte ihn
die aus seinen Rechtsstudien und Beobach—-
tungen angenommene Ertenntniß in Be—
tresf seines Vaterlandes doch bald zu dem
raditalisten Liberalismus hin, besonders
seitdem er Augen- und Ohrenzeuge des be—
rühmten gegen Thomas Hardy vor dem
Old-Baily- Gerichtshofe im Spätherbst
1795 verhandelten Hochverrathsprozesses
gewesen war. Eine neue Welt von Ansich
ten und Gefühlen in der Brust tragend,
tehrte er 1798 nach Irland zurück, ward
Advokat und erwarb sich durch seine ausge—
zeichnete Gesetztenntniß, durch die im eng—
lischen Gerichtsberfahren so wichtige Kunst,
Querfragen zu thun (Kreuzverhör, ero—
examination), durch seine Umsicht, Ge—
wandtheit und scharfe Urtheirskraft, durch
die Klarheit und Präeision, mit der er die
verwirrteste Masse von Beweismitteln zu
entwickeln wußte, durch den derhen Humor,
der stets die Lacher auf seine Seite zog,
durch die ungeheuchelte, in seiner ganzen
naturträftigen Persoönlichkeit sich ausspre—-
chende Siegeszuversicht, welche die Jury
bestach, sehr balb den Ruf eines ausge
eichneten gerichtlichen Redners und im
hodsten Grade gewandten Vertheidigers.
Dies, so wie seine bekannte treve Anhäng—
lichteit an den Katholicismus, die Frucht—
logleit, mit welcher er sich jedes unter
drückten Iren annahm und gegen jede
Ungerechtigkeit der englischen Beamten als
Ankläger auftrat, machte ihn zu einem der
gesuchtesten Rechtsverständigen, wenn auch
der Umstand, daß er als Nichtprotestant
die seidene Toga nicht tragen durfte, ihm
gerade die einträglichste Praris entzog.!
Demnach mußte er sich manche Veschrän
lung auflegen, nachdem er im Juni 1802
sein blutarmes Bäschen Mary, Tochter des
Dr. O'Connell von Tralee, gegen den
Willen seiner Familie, die eine glänzendere
Verbindung wünschte, geheirathet hatte.
Die EChe war heimlich geschlossen worden
und als sie nach einigen Monaten bekannk
wurde, zersiel er mit seiner Familie, doch
stiftete die Liebenswürdigl·it Mary's bald
Versöhnung.
O'Connell war nicht von Ehrgeiz frei,
als er sein öffentliches Wirken begann.*)
Fiel sein erstes Austreten doch in eine be
wegte Zeit, die Männer von Kopf und Herz
in Anspruch nahm und für ihr thätiges
Mithandeln Ruhm und Ehre verhieß.
England hatte umsonst gehofft, die gerech
ten Klagen Irlands durch einige Gnaden
geschenke zu beschwichtigen. Es klebte zu
viel irisches Blut an den Händen des erste
ren. National-, Religions- und Partei
haß hatten sich zu sehr in die Hände gear—-
beitet, die Klust zwischen Celten und Sach—
sen weiter zu reißen; Englands mit der
laltblütigsten Grausamtkeit verfolgter Zwect,
das irische Volt zu unterdrücken, zu ver—
nichten, war durch zu viel blutige Blätter
der Geschichte bewiesen, als daß Versöh—
nung möglich gewesen wäre. England
hatte nie aufgehört, seinen Raub wie eine
Eroberung, die besetten Iren als recht-
mäßig erworbene Skllaven zu betrachten
und als solche zu mißhandeln. Die Feder
sträubt sich, die Gruelthaten zu beschreiben,
die sich Heinrich VIII. und Elisabeth zur
Einsührung englischer Gesehe und der pto—-
testantischen Religion in Irland erlaubten.
Die Iren wurden wie wilde Bestien behan
-9) Im Delirium des Nervenfieber s, das er sich
1798 durch Erkältung bei der Jagd zugezogen,
wiederholte er öfters solgende Zeilen aus der
Tragötdie „Douglas:“
„Ich sterbe unbekannt und namenlos ;
RNur ein'ge edle Geister, eig'nen Unibeils,
Ahnen vielleicht, wie ich mich konni erpreben
Und daß nur Leben meinem Ruhm gefehlt.“
delt, auf die man im vollen Sinne des
Wortes Jagd machte; sie wurden verfolgt
gemartert und gemordet und ihre Güter
ohne Weiteres zum Vortheil der neuen
Herren konsiscirt, ein System, das man mit
so fkonsequenter Grausamtkeit verfolgte, daß
es bald nur noch protestantische Besitzer
und katholische Bettler gab. Cromwell
allein ließ Tausende von Iren spießen und
schlachten, 80,000 nach Westindien verschif
fen und dort als Stklaven verkaufen.
Hatte England durch diese Schandthaten
das Land allmählig zu germanisiren ge
hosfft, so erreichte es diesen Zweck keines—
wegs. Die Iren widersetzten sich vielmehr
nur um so standhafter und erfolgreicher
der englischen Kultur und selbst die eng--
lischen Kolonisten in Irland, die „Irländer
bei Blut“, wie sie zum Unterschied von den
„Ir!änder von Geburt“ hießen, waren trotz
der strengsten Verbote so sehr Jeländer ge—
worden, daß von ihnen das Sprüch—
wort galt: Ipsis HHybernicis hybernio
res lirischer als die Iren selbst)h. Mehrere
Vereinigungsversuche von Seiten Eng—
lands waren ohne Erfolg geblieben und
selbst die jüngsten Koncessionen waren nicht
von bedeutendem Belang gegen das, was
Irland zu fordern, gegen das Elend, wel—-
ches das irische Volt der 7 Jahrhunderte
langen Unterdrückung zu verdanken hatte.
Von 7,000,000 Irländern waren in Folge
der endlosen Ackerräubereien, die den
Grundbesitz in die Hände der Protestanten
gespielt und die vermögenden Klassen Altir—
lands aus dem Lande getrieben, 6,000,000
Bettler, versunken in Rohheit und Unwis—
senbei da ihnen erst seit wenigen Jahren
erlaubt war, Schulen zu besuchen, dem
uet Preis gegeben, da ihr geringer
Erwerb darauf ging, die hohen Steuern
zu bezahlen und eine zahllose Geistlichkeit,
die einen fremden Kultus übte, ihnen als
schwere Last ausgedrungen war, zu ernähren.
Zwar hatte Irland— oder vielmehr die eng
lische Kolonie in Irland—eine Voltksver—-
tretung, ein Parlament; aber die Freehol--
ders waren seit uralter Zeit gewöhnt, ihre
protestantischen Grundherren, Fcemdlinge,
die sich durch den Erwerb der ktonfiseirten
Ländereien ein Recht in Irland erwarben,
aber mit jeder Faser ihres Herzens an den
Interessen Englands und der Hochkirche hin
gen, zu wählen. So war in den Gemüthern
Zunder noch in Masse vorhanden, den ein
Funke in Flammen versetzen konnte. Die—
ser Funke war die franzoösische Revolution.
Irland hatte von Anfang an diese große
Volksbewegung mit reger Sympathie be
trachtet. Es hatte Vortheil davon gezo—
gen und hoffte noch ferneren Vortheil da—
von zu ziehen, ja, das Joch seiner Zwingher—
ren gänzlich abschütteln zu ktönnen. Dies
war namentlich die Hoffnung der „verei
nigten Irländer“, einer Verbindung war—
mer, thatträstiger Vaterlandsfreunde, wel—
che die Wiedergeburt Irlands mit den
Waffen in der Hand zu erringen fuchten.
Eines der Häupter dieser patriotischen
Association, Wolse Tone, bat zu Gunsten
seines Vaterlandes Frankreich um Hülfe.
Die Republikt bereitete hierauf die beiden
Erpeditionen von Hoche und Humbert vor,
von denen die eine ohne Nutzen blieb, die
andere unglücklich ablief. Die Folge war
eine Reatltion, die den Irländern einen
Thei der errungenen Vortheile wieder ent—
riß. Nicht zufrieden damit, die Insu:gen—-
ten niedergeschmettert zu haben, wollte der
Haß der Engländer das unglüclliche Irland
auch des letzten Scheines seiner politischen
Nationalität berauben. Das Parlament,
obgleich dem Voltsinteresse fremd, konnte
denaoch zum Mittelpunkt eines dem eng—
lischen Interesse zuwiderl. ufenden politi—
schen Lebens werden und England beschlvß
seine Auflösung. Pitt wollte dies durch
Bestechung bewerkstelligen, um aber den
dazu verwendeten Millionen besseren Nach—
druck zu geben, ward gleichzeitig in Irland
die Habeas-Corpusakte abgeschasft, das
Nriegsgesetz proklamirt, die Folter einge—
führt, die Presse unterdrückt, gesetzliche Ver
sammlungen auseinander getrieben. Un—
ter dem Schutze dieser Maßregeln ward der
mit einigen Millionen erkauste Veschluß
dieses feigen Parlamentes ertrotzt, wodurch
es selbst auf sein Recht verzichtete, Irlands
Stimmsührer zu sein. Die Union brachte
dem Lande 840 Millionen Schulden, deren
es für sich eigentlich 20 hatte, und redueir—
te seine 176 Mitglieder des Unterhanses
auf 100, die noch dazu, auf einen fremden
Boden verseht, dem Volle, das sie vertreten
sollten, entrückt wurden. Dieser von Eng—
land durch die Revolution von 17988 er—
rungene Sieg war so wichtig, daß man nich
ohne Anschein von Wahrheit behauptet hat
England selbst habe jene unglüclliche In—
e surreltion angestistet, um sie nachher zu sei—
; nem Vortheil auszubeten. Auch Irland
begrisf die Wichtigkeit dieses Sieges
Pitts Gold und Englands Waffen abe
„waren stärker, als der Weheschrei eines un—
) terdrückten Volles. Umsonst ward de—
· Gerichtshof von Dublin zusammengerufen
ʒum gegen die legislative Verschmelzunt
; beider Länder zu protestiren, umsonst nahn
.O'Connell, der als Gemeiner in der „Juri
1 stenartillerie“ die irische Rebellion mitge
tämpft und sich bei mehreren Gelegenheiten
durch Tapferleit und Menschlichleit ausge
- zeichnet haben soll, wiederholt das Wor
- und schilderte mit feuriger Beredsamtkeit di
-Größe des erlittenen Verlustes, betrauert
den Urtergang des letten Schattens iri
rscher Selbstständigleit. Er erntete nu
. Bewunderung seiner hochherzigen Rede
- die als ein Meisterstück gerühmt wird, sei
rner Gesinnung, seiner Energie, mit welche
· er den entschiedenen Ausspruch that: Lie
dber das alte Strafgesetzbuch in seiner gan
e zen Härte, als die Union!
; (dortsehung folgt.)
Elsaß-Lothringen.
i Zur feierlichen Einweihung der pracht
r vollen Gasilika von Saint Cypre begabe
sich viele unserer Mitbürger in den letzte
i. Tagen nach Naney. Das Fest, bei wel
chem dem Vernehmen nach das österreichisch
Kaiserhaus durch eine Deputation vertrete
ch war, dauerte drei Tage und hat eine
n, prächtigen Verlauf genommen. Von de
großartigen Demonstration gegen Deutsel
land, welche nach einer Pariser Correspor
denz der „Köln. Ztg.“ bei dieser Geleger
n heit stattfinden sollte, habe ich bis jetzt no—
“ nichts gehört.
Lurxremburger Gazette.
Ausland.
Deutschland.
Rheinland und Westfalen.
Ems, 14. Juli. Obwohl unser Bade—
ort bis jetzt eine vermehrte Frequenz gegen
die Vorjahre aufzuweisen hat, so werden
doch viele Klagen über schlechte Geschäfte
laut. Einestheils dürfte dies darin seinen
Grund haben, daß die meistens ungünstige
Witterung viele Fremden eher als begbsich
tigt war, hat abreisen lassen und nur gFerin—
gen Zuzug veranlaßte, anderntheils aber
auch darin, daß durch die äußerst lebhafte
Bauthätigkeit so viele Logis geschaffen wor—
den sind, daß die Preise derselben dadurch
nothwendig herabgedrückt werden mußten.
Einigen Antheil an den flauen Geschäften
dürste auch wohl die überall herrschende
Geschästsstille haben.
Aachen, 16. Juli. Der Director der
Actien -Gesellschast „Rothe Erde“ wurde
heute oor dem hiesigen Zuchtpolizeigescht
in eme Gefängnißstrafe von 18 Monaten,
wovon sechs Monate als durch die Vorhast
bereits verbüßt erachtet wurden, und in die
Gerichtskosten verurtheilt. Der Antrag
der Statsanwaltschaft lautete auf fünf
Jahre Gefängniß, und 3000 Thaler Geld—
buße.
Köln, 12. Juli. Auch die berliner
königliche Porzellanmanufactur mit ihren
schönen Vasen -c. wird auf der internatio—
nalen Gartenbau-Ausstellung mit den Eng—
ländern und Franzosen um die Palme des
Sieges ringen. Der französische Finanz—
minister hat den Befehl ertheilt, die franzö—
sische Tabakregie in würdiger Weise vertre—
ten zu sehen und Collectiv:Ausstellungen
sind nunmehr von Dänemark und Griechen—
land angemeldet.
Billerbeck, 18. Juli. Gestern Abend
trafen über Billerbeck zwei Gewitter zu—
sammen. Ein Blitz traf um sieben Uhr
das Haus des Colonen Middendorf in der
Bauernschaft Osthellen, das Haus stand
alsbald in Flammen, in welchem vier
Pferde und zwei Kälber ihren Tod fanden.
Obschon die Bewohner der betreffenden
Bauerschaft wegen der nächtlichen Arbeit
verhindert waren, sich an der heutigen Pro—
cession nach Telgte zu betheiligen, und viele
junge Leute wegen Militäraushebung an—
wesend waren, so übertraf dieselbe doch durch
die Zahl der Theilnehmer alle früheren.
Sie wird auf 1500 Personen geschätzt.
Die „Diedenhofener Zeitung“ vom 14.
Juli schreibt: Die Subseriptionen für den
überschwemmten Süden Frankreichs haben
hier in Diedenhofen guten Erfolg. In der
Stadt sind bereits 8000 Franken gesam
melt. Die ehemaligen Mitglteder einer
geschlossenen Gesellschaft haben 400 Fran—
ken beigetragen, die bei Auflösung der Ge—
sellschaft in der Kasse verblieben, und der
landwirthschastliche Verein hat 250 Fran—
ken bewilligt.
Provinz Pommern.
Die „Kölnische Zeitung“ schreibt, daß in
Pommern die Trunksucht der unteren Volks—
classen in einem solchen Grade zugenom—
men hat, daß beispielsweise die Regierung
zu Cöslin eine öffentliche Mahnung zu er—
lassen sich genöthigt sieht, in welcher sie es
geradezu ausspricht, daß die in der bedroh—
lichsten Weise zunehmende Trunksucht und
die dadurch schon herbeigeführte oder noch
drohende törperliche, geistige und sitiliche
Verkommenheit der Einzelnen und der
Verfall des Familienlebens im pommerschen
Volke auf das dringendste auffordern,
Alles zu thun, was geeignet ist, der Weiter
verbreitung des bereits übergroßen Scha
dens entgegen zu wirken, um allmählich
wieder gedeihlichere Zustände herbeizusüh—
ren. Auch ein Zeichen der Zeit!
-
Italien.
Rom, 13. Juli. Im Sommer steht die
herrliche Basilika SBt. Paolo fuori le mura
ziemlich verlassen draußen in der Campagna.
Die Benedietiner, welche das nebenanlie—
gende Kloster bewohnen und das Grab des
Weltapostels bewachen, müssen vor der Ma—
laria nach Rom ziehen, und den Römern
list der über eine Stunde weite Weg zu be—
schwerlich, als daß sie oft diese ehrwürdige
Stätte besuchten. Dieses Jahr scheint je—
doch für einige Wochen eine Ausnahme zu
sein, denn da ich vor einigen Tagen einmal
hinging, fand ich einet große Menschenmenge
dort, und es wurde mir gesagt, daß so jetzt
täglich zahlreiche Römer hinauswanderten.
Angezogen werden nämlich Alle von dem
ungeheuern Mosaikbilde an der Facade der
Basilika, die nach der Tiber zu liegt, ein
Werk, welches nach 13jähriger Arbeit in
diesem Jahre endlich vollendet und am Feste
St. Peter und Paul enthüllt wurde. Dies
Meisterwerk verdient es in der That, daß
man ceinen Tag die Hitze der Campagna
nicht scheut. Unter dem Pontificate Gre—
gor's XVI. wurde der Maler Philipp Agri—
cola beauftragt, die Modelle für diese Mo—
saikarbeit anzufertigen, derselbe starb je—
doch, ohne die Zeichnungen ausgeführt zr
haben, und Pius IX. vertraute dann di
Ausfũührung dem rühmlichst bekannten Ma—
ler Consoni an, der sich derselben gemäß
dem festgesetzten Plane zur größten Zufrie
denheit unterzog. Die Oberfläche det
Vildes beträgt nicht weniger, als 36:
Quadratmeter. Es ist in drei Theile ge
theilt: in den Giebel, den Fries unter den
Giebel und einen unteren Theil. In den
Giebel ist auf Goldgrund der Heiland au
dem Throne dargestellt, wie er den Seget
spendet; an den Stufen des Thrones zz
beiden Seiten sitzen der hl. Petrus un
Paulus. Ersterer streckt seine Hand au
und weist auf den Herrn, indem er zugleie
seinen Blick auf ihn richtet, als wollte e
sagen, Du bist Christus, der Sohn des le
bendigen Gottes. Der hl. Paulus wende
·sein Gesicht ebenfalls zu dem Erlöser un
hält die rechte Hand auf seine Brust, al
wollte er ihn seiner Treue und Begeisterun
rversichern. —ln dem Fries sieht man in de
Mitte das göttliche Lamm auf dem Berge
von dem die vier Hauptströme Asiens ent
springen; zwei Heerden zu beiden Seite
»symbalisiren gemäß den alten Mosaiklen i
den hriichen Vasiliken die zwölf Apostel
im Hintergrunde stehen zwei Städte, Jeru—
salem auf der einen, Bethlehem auf der an
deren Seite. —Der untere Theil des Ge—-
mäldes ist durch die Fenster der Basilika in
vier Theile getheilt, und in diesem vollen
den vier stehende Figuren auf Goldgrund
die Decoration. Es sind die vier großen
Propheten Isaias, Jeremias, Ezechiel und
Daniel, von denen jeder das Buch seiner
Weissagungen trägt. St. Paul ist jetzt
durch drei Mosaitbilder aus den verschie
densten Zeiten des Christenthums ausge—
zeichnet: durch dieses neue Bild an der
Facade, das ich eben beschrieben habe, dann
durch die Mosaiken der Galla Placidia aus
dem Anfange des fünften Jahrhunderts,
welche, welche sich am Triumphbogen befin
ded, und endlich durch die Mosaiken der
Tribüne aus dem dreizehnten Jahrhundert,
welche die Päpste Honorius 111. und Nico—
laus 111. anfertigen ließen, und die von
dem großen Brande im Jahre 1823, der
die alte Basilika St. Paul zerstörte, vec—
schont wurden. Nirgends fühlt man es
mehr, wie in Rom, der Stadt der Kunst,
wie sehr die Kunst darniederliegt, besonders
nachdem unserem hl. Vater die Mittel ge—
nommen sind, dieselbe zu unterstützen. Er
ermunterte die Künstler, er gab Arbeit, er
belohnte, und wenn auch die neue Kunstrich
tung nicht ganz zu loben war, ja an großen
Mängeln litt, die hier durch Gegenüber—
jstellung der Meisterwerke alter Zeit beson—
ders fühlbar waren, so wurde doch wenig—
stens gearbeitet, es war Hosfnung vorhan—
den, daß man durch getrenue Nachahmung
der Alten wieder zu großartigen Leistungen
kommen werde. Viele Ateliers stehen jetzt
leer, und mir ist es vor kurzer Zeit in einer
südlichen Stadt Italiens passirt, daß ich in
einem Hotel einen sonst gar nicht verachtens
werthen römischen Bildhauer als Kellner
angestellt fand—die Kunst hätte ihn Hun—
gers sterben lassen.
Frankreich.
Paris, 21. Juli. Für Ansiedelungen
in Algier wurden gestern 2, 930, 000 Franes
durch die Nationalversammlung bewilligt.
Ein Deputirter hatte eine Herabsetzung die
ser Summe um 500,000 Franes verlangt,
wurde aber abgewiesen. Es sollen 38
neue Dörfer dafür in Algier gegründet wer—
den, indem die Regierung für Herstellung
der Brunnen, Verbindungswege, Kirchen-,
Schul- und sonstigen Gebäude sorgt, wel—
che für eine neue Gemeinde nothwendig
sind. Es wurde dabei nachgewiesen, daß
die Ansiedelung in Algier nur geringe Fort—
schritte mache, der größte Theil der Ansied—
ler sogar nicht einmal Franzosen seien.
Letztere lasse sich oft monatelaug durch die
Regierung in einem neuangelegten Dorfe
ernhren und gehen dann in ein anderes,
um dort wieder von den Unterstützungen des
Staates zu leben.
Die Ausgaben für das Heer sind mit
500,038, 115 Franes genchmigt. Die
Wiedereinstellung des Kriegsmaterials und
einer Reihe von Befestigungen an der neuen
Grenze werden zusammen 9,820,643,000
Francs Kosten verursachen. Da eine solche
Summe nur in einer längeren Reihe Jahre
beschafft und verwandt werden dürfte, kann
man ermessen, wie lange es noch dauern
wird, ehe Frankreich wieder kriegstüchtig ist.
Probduction, Cousumtion und
Preise des Weines in
Frantkreich.
Unter den weinbauenden Ländern Euro—
pa's, ja man kann sagen: der Welt, nimmt
Frankreich einen der ersten Plätze ein. Von
den Ebenen der Champagne bis zu den Hü—
geln des Bordelais, von den Mündungen
der Loire bis zur Rhone sind etwa 3 Mil—
lionen Hectare mit Weinberge bedeckt.
Mehr als 7 Millionen Arbeiter sind in den—
selben beschäftigt. Der jährliche Ertrag
der Weinberge Frankreichs erhebt sich in
günstigen Jahren auf 70 Millionen Heecto—-
liter. Im Durchschnitt der letzten 16 Jah
re stellte er sich auf rund 50 Millionen Hee
toliter, im Durchschnitt der ersten 50 Jahre
dieses Jahrhunderts dagegen nur auf uuge—
fähr 30 Millionen Hectoliter, und zwar so,
daß die Erträge der schlechtesten Weinjahre
nicht unter 20 Millionen, die der besten
selten über 40 Millionen Hectoliter veran
schlagt werden konnten. Die Periode von
1847 bis 1857 war eine in jeder Hinsicht
außerordentliche für Frankreichs Weinbau;
es sielen in dieselbe die reichsten Ernten,
deren früher niemals ähnliche dagewesen
waren, aber auch die enormen Verheerun
gen, welche das Auftreten des Oidiums mit
sich brachte. Diese gegenwärtig glücklicher
weise nicht mehr furchtbare, weil heilbare
Krankheit verminderte beispielsweise den
Ertrag der Weinernte im J. 1854 bis auf
10,800,000 Hectoliter. Nach 1857 traten
zwar zufolge elementarer Ereignisse oder
anderer Ursachen auch noch schlechte Wein
jahre ein, so 1859, 1861 und 1873; jenes
Minimum ist jedoch niemals wieder erreicht
worden, vielmehr haben die guten Wein—-
jahre 1865, 1866 und 1874 den jährlichen
D thmi c.. 1—
Durchschnitts. Ertrag in den letzten 16 Jah--
ren um 20 bis 22 Millionen Hectoliter
über den jährlichen Durchschnittsertrag in
der ersten Hälfte des laufenden Jahrhun
derts erhoben. Das Jahr 1864 ist, troß
dem etwa ein Drittel der gesammten, mit
Wein bebauten Fläche Frankreichs unter den
Verheerungen der lbylloxera vastatrix zu
leiden hat, und trotzdem die Spätfröste im
Frühjahr nicht unerheblichen Schaden ange—
richtet hatten, zu den besten Weinjahren des
Jahrhunderts zu rechnen.
Von den gegenwärtig sährlich im Durch—
schnitt genommenen 50 bis 52 Millionen
Hectoliter Wein werden, nach Ausweis der
vom Finanzministerium veröfsentlichten Ue—
bersichten, eiwa 15 Millionen Hectol. steu—
erfrei von den Producenten verbracht; der
übrige Verbrauch im Inlande bezissert sich
im Durchschnitt der Jahre 1866 bis 1873
auf etwas über 28 Millionen Hectoliter,
5 Millionen werden zur Herstellung von
Altohol, 300, 000 Hectoliter zur Essigbe
reitung verwendet; der Rest entfällt auf die
Ausfuhr Der inländische Verbrauch hat
sich in den letzten 8õ Jahren relativ verdop—
pelt, wenn anders ian die frühern Schätz
ungen bezw. Berechnungen für zuverlässig
halten darf. Nach Lavoisier fiel 1790 auf
den Kopf der Bevolkerung ein Weinver—
brauch von 6Litern jährlich; die Berech—
nungen für die erste Hälfte des laufenden
Jahrhunderts weisen einen Mehrverbrauch
um 14 Liter, also auf den Kopf 75 Liter,
nach; nach obigen Zahlenangaben wurde
gegenwärtig ein Verbrauch von 120 Litern
auf den Kopf der Bevölkerung zu rechnen
sein. Ob man diese Zunahme des Wein—
genusses, die an sich nicht bedenklich wäre,
als eine vortheilhafte Erscheinung ansehen
darf, steht umsomehr dahin, als ueben dem
Mehrverbrauch von Wein auch der Genuß
von Spirituosen mehr und mehr Umfang
gewinnt, ja sogar in größerem Maßstabe
um sich greift, als jener. So wurden bei—
spielsweise im Jahre 1820 350, 000 Heeto—
liter vorzugsweise aus Wein bereiteter Spi—
ritus verbracht, 1850 schon 620,000 Hee—
toliter; 1869 dagegen wurden sogar 980,
000 Hectoliter für den Verbrauch im In—-
lande versteuert, und zwar war diese Spi—
ritusmenge zum größten Theile aus Rü—
ben, Kartoffeln und Getreide hergestellt.
Diese Zunahme des Spiritusverbrauchs
steht in keinem Verhältniß zu der Vermeh—
rung der Bevölkerung, wird vielmehr mit
Recht als eine ungesunde Erscheinung an—
gesehen, insbesondere von französischen
Aerzten, welche die in den letzten Jahren
ermittelte relative Bevölkerungsabnahme
schon mehrfach auf den immer mehr um sich
greifenden Alkoholgenuß zurückgeführt ha—-
ben.
Die Mehrgewinnung von Wein in Frank—
reich hat bei dem stetig steigenden Verbrauch
nicht, wie sonst vielleicht der Fall sein wür—
de, einen Rückgang der Preise im Gefolge.
Eine Darstellung der Bewegung derselben
würde aber sehr verwickelt und umfangreich
werden, wollte man alle die verschiedenea
Qualitäten innerhalb der letztern in diesel—
be mit einbeziehen. Wir geben für die ge—
wöhnlichen Weine folgende Preismittel mit
Unterscheidung einzelner Departements.
Im Jahre 1862 galt z. B. der Hectoliter
in nachbezeichneten Departements: Giron—
de 48.11, Marne 48.13, Maine-et 415.55,
Franes, während in 14 anderen Departe—-
ments der Preis nicht 25 Franes erreichte
und im Durchschnitt des ganzen Landes nur
28.52, Francs betrug; 1790 war letzterer
noch 6 Franes, 1,840 noch 11., Franes
und 1852 noch 13,44 Franes; 1650 kostete
der Liter Wein im Einzelverkauf 0.45 Frs..
gegenwärtig mindestens 0.59 Franes. Von
1840 bis 1882 stiegen die Weinpreise um
150 pEt. Die En-gros-Preise standen 1850
auf 20, 18668 auf 28, 1867 auf 34, 1868
auf 27, 1869 auf 25, 1870 auf 27, 1871
auf 29, 1872 auf 40 und 1873 auf 45
Frances per Hectoliter. Das Jahr 1874
weist etwas niedrigere Preise auf.
Großbritannien u. Irlaund.
Die „Pall Mall Gazette“ brachte kürz—
lich eine Reihe höchst interessanter und sehr
gut geschriebener Artikel über das Verhält—
niß zwischen England und der Türkei. Der
Verfasser führt darin aus, daß die Erhal—
tung des letzteren Staates aus drei Grün—
den eine Lebensfrage für Großbritannien
sei, und'zwar erstens: durch das freundliche
Verhältniß zwischen dem Sultan und Eng—
land werden 20 Millionen Mohamedaner
in Indien, welche zu den kriegerischsten Be—
wohner dieses Landes zählen, zurückgehal—
ten eine feindliche Stellung gegen die an—-
glo-indische Regierung einzunehmen. Es
ist urkundlich nachgewiesen, daß die Miß—
stimmung der Mohammedaner in Indien
durch Befehle und Rathschläge des geistli
chen Oberhauptes des Islam unterdrückt
und in eine freundliche Haltung England
gegenüber verwandelt wurde. Zweitens:
die Eroberung Constantinopels durch eine
andere Macht bedeutet für England dessen
Verlust der Suprematie zur See; denn im
Besitze der Dardanellen und des Marmora—
Meeres würde Rußland Herrin der Meere.
Drittens: die Türkei ist eine der besten
Märkte Englands und zwar nach zwei Sei—
ten hin; dessen Rohproducte versorgen uns
mit billiger Waare, während unsere Ma—
nufactur-Waaren, Dank der niedrigen
Zölle der Türkei, dort einen von Jahr zu
Jahr wachsenden ungeheueren Absatz fin
den. In einer „russischen Türkei“ würden
in Folge der hohen Schutzzölle unsere Waa—
ren von jenem Markte vertrieben werden.
Asiten.
Ein alter und höchst unwillkommener
Gast hat seine Erscheinung in den morasti
gen Gegenden zwischen dem Tigris und dem
Euphrat Di Es ist die Pest, welche
unter dem Namen „schwarzer Tod“ in Eu
ropa wãhrend des Zeitraumes von 1347 bis
1331 ungefähr 25,000, 000 Menschen weg
raffte. Italien verlor damals die Hälste
seiner Einwohner, Deutschland ungefähr
1,240,000 Seelen und London allein
100,000 seiner Einwohner. In China
sollea 13,000,000 und in anderen Ländern
des Ostens 24,000, 000 Personen der Epi—
demie zu Opfer gefallen sein, welche sich
im Süden bis Afrika und im Norden
Grönland ausgedehnt zu haben scheint.
Eine so verheerende Geißel war vorher nicht
bekannt gewesen.
Seit dẽr Zeit hat sich die Pest in Europa
zu verschiedenen Malen verbreitet, aber ihre
Verheerungen waren auf engere Grenzen
beschränkt. Im Jahre 1576 starb der de
rühmte Maler Tizian in Venedig an der
Pest. Im Jahre 1665 wüthete sie in Lon
don und rafste ungefähr 70, 000 Menschen
hinweg. Im Jahre 1720 starb beinahe die
Hälfte der Einwohner von Marseilles daran
und 1790 zerstörte sie viele Menschenleben
in Rußland und Polen. Die Krankheit
endet in den meisten Fällen mit dem Tode,
der in weniger als einer Woche nach dem
ersten Anfalle eintritt.
Die Symptome der Krankheit sind nir
gends auf eine getreuere und lebhaftere
Weise beschrieben als in Defoe's wunder—
barer Beschreibung des Pestjahres in Lon—
don. Es sind ungefähr dreißig Jahre
verflossen, seit die Pest Aegypten und Klein—
asien zuletzt verheerte. Man glaubte be—
reits, daß sie ihr Ende erreicht habe, da be—
merkte man im Jahre 1867 wieder einige
Fälle in der niedrigen feuchten Gegend
Mesopotamiens. Die Krankheit verbreitete
sich nur langsam und erregte nicht eher
Aufmerksamkeit, als am Schluß des Jahres
1873. Seit jener Zeit haben sich die Fälle
vervielfältigt and das Fcld der Infektien
hat sich erweitert. Einige Gegenden haben
schrecklich gelitten. Bis jetzt kann man noch
nicht sagen, ob die Pest auf die Gegenden
beschränkt bleiben wird, wo sie am meiste
heimisch zu sein scheint, oder ob sie auch ci
vilisirte Länder besuchen wird.
Vuntes Allerlei.
Die schönste Rose der Welt.
Santa Barbara in Californien behauptet,
im Augenblick die größte undrschönste Rose.
der Welt zu besitzen. Diese,„King » No
sette“ genannt, mißt im Umfange 16 und
querüber von Blattspitze zu Blattspitte mehr
als 6 Zoll. Der Stengel, welcher sie—
trägt, ist drei Fuß lang und wuchs inner—
halb sechs Tagen an den Spalieren der in
sonniger Lage besindlichen Gartenmauer
des Dr. Dimmick empor. Die Blume hat
einen wundervellen Geruch und eine zarte
eitronengelbe Farbe.
In Lille wird gegenwärtig an der
Herstellung eines Luftballons aus Eisen—
blech gearbeitet. Es ist gelungen, denr
Metall die Tünne ron Papierstreifen zu
geben. Der Arostat wird 2000 Cubit
meter Gas enthalten können und mit Ven—-
tilen und Klappen aus Kupferblech verseher
sein. Wenn der Versuch gelingt, jo wer—
den große Vortheile für die Luftschiffjahrt
erzielt sein; man würde dann eine fast ab
jolute Undurchdringlichkeit des Ballons er
zielt haben und das Entweichen des Gases
nicht mehr befürchten müssen.
Eine Art Methusalem, ein sm
seinem hundertundfünfunddreißigten Le—
benjahre stehender Mann, lebt in der
Provinz Tulea in Chili. Derselbe heitzr
Felir Rojas, wurde im Jahre 1740 gebo—
ren und bekleidete unter den Spaniern die
Stelle eines Sergeant-Majors in einem
Linienregimente, während er später sich mit
Begeisterung den für die Unabhängigkeit
seines Landes kämpfenden Truppen an—
schloß. Gegenwärtig läßt der Vereran von
zwei Dienern sich jeden Tag in einer Sänfte
zur Kirche, sowie auch spaziren trager
Ein sachverständiger Hunde—
züchter sagt in einer Wiener Zeitschrift
„Ein Hund mit einem Mautlkorb kann nie
gesund sein: der Maulkorb hindert den
Hund am Gähnen, und jeder rationelle
Hundebesitzer weiß, welchen Werth das
Gähnen für den Hund hat, der ohnedies
in der Stadt leicht zum Moroswerden neigt
Ein moroser Hund wird leicht wuthkrant.
ein gesunder frischer Hund nie wena er
nicht infieirt wird. Als sicherstes Zeichem
für die Gesundheit eines Hundes darf marr
übrigens fas einzig und allein das Gähnemn
erklären, bei dem er die halb unthätigem
Lungen wieder einmal mit Luft füllt, bet
dem sich alle seine Mustkeln strecken und da
jür den „Stadthund“ der einzige Ersat
für die frische, krästigende Gymnastik ist.
die der Hund auf dem Lande, wo Wuthan—
fälle zu den größten Seltenheiten gehören.
immer genießt. :
Es ist ganz erstaunlich. mit
welcher Schnelligkeit die Kohlenproduktion
in den letzten 40 Jahren in Europa zuge
nommen hat. Im Jahre 1830 wurden iz
Deutschland 1,200, 000 Tennen Stceinkoh—
len gefördert, im Jahre 1872 war es bis
auf 33,306,418 Tonnen gestiegen. In der
gleichen Zeit stieg sit in Englond oom
20,000,000 Tonnen auf 131,3308,097
Tonnen, in Frankreich von 1,596,70
Tonnen auf 15,204,170 Tonnen, und ir
den Vereinigten Staaten von Nordanieril
von 1,400,000 Tonnen auf 42,794,000
Tonnen. Nordamerika zeigt also die süct
ste Steigerung, nämlich 1:30,57, denn
folgt Deutschland 1:27,75, dann Frankreich
1:9,5, dann Belgien 1:8,21 und zulett
England 1:6,6. Obgleich nun wegen des
starken Imports resp. Erports von Kohle,
die im Lande selbst geförderte Kohle keinrn
absoluten Maßstab für die Consumtion vvn
Kohle in dem Lande gibt, so wolben wir
doch bemerken, daß, der Förderung nach.
in England auf jeden Einwohner ein Koh—
n onglenr von 4,1 Tonnen, in Belgiræ
von 3,0 Tonnen, in Amerika 1,11 Tonnen,
in Deutschland von 0,81 Tonnen in Frank—
reich von 0,43 Tonnen kommt.
Dr. Franlin vermachte seiner Zeit
den Städten Boston und Philadelphia e
fünftausend Dollars. Dieses Capital sollt
an verheirathete Handwerker ausgeliteher
werden um ihnen zur Errichtung eigenen
Geschäftes behülflich zu sein. Die Zinsen
dagegen sollten hundert Jahr lang zum Ea—
pital geschlagen und nach Verlauf dieser
Zeit soll dann das Vermächtniß mit dem
aufgelaufenen Zinsen zu öffentlichen Ban
ten verwendet werden. Fünfundachtzie
Jahre sind jetzt schon verflossen. Das Le—.
gat der Stadt Philadelphia ist unterdesse—
auf sechsundvierzigtausend Dollars ange—
wachsen, während dasjenige von Boßer—
nunmehr nicht weniger als hundertundzwer—
undachtzigtausend Dollars beträgt.
Die„Turiner Volkszeitung“ bringt eine
interessante statistische Notiz uder die Anzahl
der Gewehre und Pferde in den verschiede
nen Staaten. Nach dieser verfügt das
deutsche Reich über 3,500, 800 Gewehre.
nämlich 1,000,000 Dreyse-, 200,060
Chassepot-, 300, 000 Werder- und 1,800,
000 Mauser-Gewehre; Rußland über ,
650,000 Krka- und Berdan - Gewehre;
Frankreich über 1,700,000 EChassepois
Oesterreich über 1,374, 000 Gewehre, nn—
lich 688, 000, Wänzl- u. 686, 000 Wernbi-
Gewehre; Italien über 805, 000 Gewehre.
nũmlich 617, 000 Careano, 3000 Reming—
ton- und 150,000 Vetterli-Gewehre, und
England über 175,000 Gewehre, ämlih
100,000 Snyder- und 75, 000 Martin-
Gewehce, macht also in summa die Kle
nigkeit von 9, 204, 800 Gewehren inDentsch—
land, Rußland, Frankreich, Oesterrerh.
Italien und England—zur
europãischen Friedens. —Eme zweite
sammenstellung läßt die Anzahl der Pferb—
in den einzelnen Staaten t Vorun
steht hier das europãische Rußland mit den
respectablen Zisfer 10, 072, 000, dann folgt
Deutschland mit 4,391, 196, Oesterreich
Ungarn mit 2,560,484, Frankreich mit 2,
7106,000, England mit 2, 690, 000, Italie
mit 570,000, Numänien mit 506,
Schweden mit 428, 500, Holland mit 252
054 und die Schweiz mit nicht weniger ale
105, 859 Pferden.

xml | txt