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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, August 17, 1875, Image 4

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Die Gazette.
-
Dienstag, den 17. Augnst 1875.
—————————————————————————
Katholischer Kirchen - Kalender.
;
34. Vom ungerechten Mammon. —Mth. 6.
Sonnt. den 22. August Symphorian, M.
Mont. „, 23. „ Philipp Benizi.
Dienst. „ 24. „ Bartholomäus.
Mittw. „ 25. „ Ludwrig, König.
Donnerst., 26. „ Joseph Chalas., O.
Freitaga „ 27. „ Gebhard 11,, Bisch.
Samstag, 28. „ Pelag. Auguñinus.
m —————————————————————
Dem „Wahrheitssreund“
unsern Gruß zum Beginne seines neuen
Jahrganges. Möge er blühen und gedei—
hen, der alte Freund und Pionier auf dem
Gebiete der katholischen Journalistik Ame—-
rika's; er verdient es wohl, daß ihn die
Katholiken auf's Beste unterstützen.
—u— —— ——
Besten Dant
Allen unsern Herrn Collegen von der kath.
Presse, die uns den Gruß beim Beginne
des õ. Jahrganges der „Lux. Gazette“ zu—
gerufen haben, unsern besten Dank; aber
besonders dem Collegen Herrn Müller von
der „Stimme der Wahrheit“, der bei der
Gelegenheit dem „Wahrheitsfreunde“ und
uns folgendendes Compliment macht, das
wir unserer Leser wegen hier abdrucken:
Wir wünschen dem „Wahrheits
freund“ in Cincinnati und der „Luxembur—
ger Gazette“ in Dubnque, ersterem Blatte zum
Antritt seines 0., Letzterem zum Begizne seines
o, Jahrganges, Gottes reichsien Segen und eine
steis wachsende Verbreitung unter den vielen deut
schen Katholiken in unserer großen und ausce—
dehnten Union. Beide Blätter sind mit Umsicht,
Murch unnd Wür de redigirt und verdienen die
Unterstütung ihrer deutschen Glaubensbrüder.
Bei diejer Gelegenheit können wir nicht unterlas
sen, unserer Freude darüber Auedruck zu geben,
daß unser lieber Freund und College Gonner,
der die schöne nachahmungswerthe Tugend besitzt,
stetsfrei von der Leber wegzureden,
wie er denkt, in der erssen Nummer des neu—
en Jahrganges seiner„Luxemburger Gazette“ so
offen und energisch gegen den Präm ienun—
fug aufstritt, indem er wörtlich schreibt:
„Bis dato haben wir jährlich denjenigen Ab
nehmern, die ihre Jahresbeiträge im Voraus ent
richtettn, eine „Prämie“ ertheilt. Wir haben
dazu nicht alte Ladendüter gekauft, nein wir ha
ben unsere Prämien erxtra für den Zweck mit aro-
Ben Kesten anfertigen lassen. Leider mussen wir
gestehen, daß die Prämien ihren Zwec
ganzund gar nicht erfüllt, eine Er—
fahrunga, die andere kathol. Blätter eben falls ge
macht haben.“
Werthe Freunde und Collegen vom „Wahr
heitssrtund“ und von der,„Luremburaer Gazet—
e“! So Gott will, sehen wir uns bald auf dem
dath. Editoren-Congreß, der hoffent
lich za Stande kommt und nicht zu Wasser wird
zum größeren Nutzen und Vortheil einiger Zei—
mngomagnaten, aber zur Schmach und Schande
der Feuischen kath. Zeitungoherausgeber dieses
Lankes.
Rüge eines Mißbrauchs, den
man hierzulande mit der ka
tholischen Presse treibt.
Bald sind die Schulferien zu Ende, rie
fen wir gestern Abend, als wir unter den
eingegangenen Briefsen ein gewichtiges
Schriststück, eine lange Correspondenz, mu—
sterten. Nun Correspondenzen sind den
Redactionen schon lieb, gewiß, aber in Fäl—-
len, wo die Correspondenzen nicht aus Lie
be zur guten Sache, sondern gewissermaßen
aus Eigennutz und dabei auf die Gutmü—
thigteit, wir möchten sagen, Dummheit der
Redoctionen rechnend, geschrieben werden,
sind dieselben nichts weniger als lieb und
willkommen.
Es gibt Erziehungsanstalten in den V.
St., welche die katholische Presse geradezu
als ihre Magd, als ihre gehorsame Dienerin
betrachten. Solche Anstalten glauben, es
sei nicht mehr als Pflicht und Schuldigkeit
der katholischen Blätter, jährlich ein oder
zweimal ihre Spalten zu ösfnen, und in
hochtönenden Worten der Anstalt Lob in die
Welt zu posaunen. Gewiß, die katholische
Presse ist bereit die Zwecke der Erziehung
und des Unterrichts zu fördern, so gut sie
kann, daß sie das aber auf Kosten der einen
und zum Vortheil der andern Anstalt thun
joll, dazu ist sie nicht da; sie ist nicht da,
daß man Mißbrauch mit ihr treibt. Hier
nun die Illustration dieses Unfugs.
Das Schuljahr ist zu Ende; eine gewisse
Anstalt braucht nächsten Cursus mehr Zög—
linge, sie hat ihren Lehrplan erweitert u.
dgl. Was ist da natürlicher, als daß sie
das in öffentlichen Blättern anzeigt. Dies
hun viele Anstalten und ihre Annoncen
sindet man denn auch, sowohl in nicht ka—
tholischen, als in katholischen Zeitungen.
Nun giebt es eine andere Art Erziehungs—
anstalten, die sind klüger. In nichtkatho—
lischen Blättern bezahlen sie die Anzeigen,
während sie ihr Ziel in katholischen Blät—
tern auf ganz andere Weise zu erreichen
juchen. Da müssen die Correspondenzen
helfen, die sind „billig“ und erfüllen den
Zweck besser. Sehen wir uns eine solche
Corresponden;z an. Voran tömmt eine
Nachricht über irgend eine kath. Feier, sie
ist die Ursache der Correspondenz, dann be—
ginnt eine Befthreibung der Anstalt, es wird
das Clima, die Gegend nach Gebühr gelobt,
dann folyt eine Beschreibung der Gebäude,
danu kommen die Leistungen des letzten
Jahres, dann wird das Lehrcorps aufge—
zählt, der Studienplan mitgetheilt und end—
lich angegeben zu welchen Preisen, die
Schüler angenommen werden -c. Ist das
nicht eine complete Anzeige. Damit nun
diese Anzeige auch die gehörige Verbreitung
findet, wird sie nicht etwa in einem Blatt
publizirt, nein sie wird in fast so vielen Co—
pien gefertigt, als es katholische deutsche
Blätter gibt und allen diesen Blättern eine
Abschrift, womöglich als“, Original Corre—
spondenz“, zugesandt. Eine solche „Ori—
ginal Correspondenz“ wird aber jährlich von
Jemand Anders in die Welt geschickt und
damit wird der Schein der Neuheit gewahrt,
gleicht auch oft die „Original Correspon—
sdenz“ von 1875, der von 1874 in der
Hauptsache wie ein Tropfen Wasser dem
andern.
Dasselbe Manöver wird womöglich in
der englisch katholischen Presse widerholt.
Daß hier eine Täuschung doppelter Art
vorliegt, brauchen wir unsern Lesern nach
dem bereits Angeführten wohl nicht zu sa—
gen, daß dabei aber auch auf die „Gutmü—
thigkeit“, oder wir möchten fast sagen
„Dummheit“ der kath. Redactionen specu—
lirt wird, liegt ebenso auf der Hand.
Wir für unjsern Theil sind in Zukunft
nicht mehr gewillt, solchen „Corresponden—
zen“ so ohne Weiteres die Spalten unserer
Blätter zu eröffnen. Wir sind gern, gern
bereit, Alles zu thun, was in unsern Kräf—
ten steht die gute Sache zu fördern, aber
wir wollen nicht und dies ist der Haupt—
grund unserer Rüge, eine Anstalt auf Kosten
einer andern, die nicht zu solchen „smarten“
Mitteln greift, schädigen und sind auch nicht
gewillt es zu dulden, daß man sich vielleicht
über unsere Gutmüthigkeit lustig mache.
Wir wissen, daß diese Worte grade nicht
jedem angenehm sein werden, aber sie sind
wahr, sie rügen einen Mißbrauch, der be—
reits viel zu lange gedauert hat und dem
wir für unseren Theil ein Ende zu machen
suchen. Was die andern katholischen Blät—
ter thun, ist ihre Sache; ob sie den Muth
haben oder nicht, den Mißbrauch abschaffen
zu helfen, kümmert uns am Ende wenig.
Das Werk des hl. Paulus.
Einem Artilel der letzten Nr. des „Ohio
Waisenfreundes“ entnehmen wir Folgendes
über die Einigung der katholischen Presse:
Unser Vorschlag, die so ivünschenswerthe
Einigung aller katholischen Blätter zu be—
treiben und praktisch ins Werk zu setzen,
hat in der ganzen deutschen katholischen
Presse des Landes einen freudigen Wieder—
hall gefunden. Abgesehen von einem Blat—
te haben sich alle Zeitungen zustimmend,
keine tadelnd darüber ausgesprocheu. Doch
Zustimmung allein bringt das Werk nicht
zu Stande, wir müssen selbst Hand anlegen
Zu diesem Zwecke macht die „Luxemburger
Gazette“ (und Jowa) allein einen praktischen
Vorschlag, nämlich eine Versammlung aller
oder der Mehrheit der Redacteure und Ver—
leger deutscher katholischer Blätter. Zuerst
aber sollen drei Vertreter der Presse ein
provisorisches Statut entwerfen und als
diese werden vorgeschlagen die Herren Max
Oertel von New York, I. I. Spannhorst
von St. Louis und der Redacteur des
„Ohio Waisenfreundes.“ Als Ort der
Versammlung wird Cincinnati und als Zeit
der erste Montag im September vorgeschla—
gen. .
Um nun die angestrebie Einigung zu
Stande zu bringen, ist es unsers Erachtens,
wie auch die „Columbia“ von Cleveland
ganz richtig bemerkt, zuerst nothwendig,
daß das Ziel der Berathungen einer Ver—-
sammlung zuerst in mehr oder winder mar—
kirten Umrissen vor Augen stehe. Es hat
sechs Wochen gedauert, bevor unsere erste
Anregung zur Einigung durch die Blätter
gelaufen war. Wenn wir oder sonst Je—
mand nun unsere Gedanken über die prak—
tische Verwirklichung der Einigung ausspre—
chen, so wird die weitere Kenntnißnahme
derselben wohl abermals ·6 Wochen oder
längere Zeit erfordern. Aus diesem Grun—
de halten wir auch den auf den ersten Mon—
tag in September angesetzten Tag für die
Zusammenkunft eines Committes für ver—
früht.
Unserer Ansicht nach ist das Nächste, was
zur praktischen Ausführung des Vorschlages
zu thun wäre, daß Jemand die Zwecke der
angestrebten Vereinigung und die Mittel
zur Erreichung derselben genau ausspräche
und dann zu vernehmen, welche Vorschläge
und Verbesserungeu die verschiedenen Re—
dacteure an einem solchen Entwurfe zu ma—
chen haben.
Nachdem das geschehen ist, und so schon
jeder Redakteur Gelegenheit hatte, seine
Meinung über einen vorliegenden Entwurf
einer Convention zu äußern, ist es eher zu
erwarten, daß die Sache von Erfolg sein
und die ersehnte Einigung schon bei der
ersten Zusammenkunft der Vertreter der
Presse zu Stande kommt.
Aber wer will den Entwurf einer solchen
Vereinigung von deutschen katholischen Re—
dacteuren schreiben? So fragten wir am
Schlusse unsereres ersten Aufrufs. Bis
jetzt ward nur im Allgemeinen über die Zweck
mäßigkleit einer Einigung gesprochen, soll
sie aber zu Stande kommen, so muß Alles
genau präcisirt werden. Es handelt sich
darum, etwas ganz Neues für unsete Ver—
hältnisse Passendes zu schaffen. Wir kön—
nen keine Institutionen anderer Länder hier
einführen, denn die Stellung unserer deut
schen katholischen Presse ist in vielfacher
Beziehung eine ganz andere als in anderen
Ländern. Wenn wir hier eine Einigung
der kath. Presse zu Stande bringen, so
muß dieselbe der katholischen Sache, die
wir vertreten, zum Vortheile gereichen und
sie muß Dauer haben. Das wird aber
nur dann der Fall sein, wenn bei der Ei—
nigung unsere Verhältnisse berücksichtigt
werden.
Da nun die „Luxemburger Gazette“
(„Jowa“) allein mit dem Vorschlage, wie
die Einigung zu erreichen wäre, aber sonst
noch Niemand mit dem Vorschlage über
Lurxrembnurger Gazette.
specielle Zwecke und Mittel der Einigung
hervorgetreten ist, so wollen wir selbst in
einem folgenden Artikel uns daran wagen,
unjere Ansichten hierüber klar und deutlich
auszusprechen. Es kann nur von Nutzen
sein, wenn andere Blätter dasselbe thun.
Wenn so in einigen Monaten die Ansichten
der Vertreter der deutschen katholischen
Presse bekannt geworden sind, dann wird
es sich bald herausstellen, ob und wie die
Einigung zu erreichen ist.
Es freut uns zu sehen, daß die angestrebte
Einigung Fortschritte, wenn auch langsame,
macht. Als wir vorschlugen drei Redac—
teure mit dem Entwurf eines Statutes zu
betrauen, waren wir nicht im Geringsten
im Zweifel, daß der hochw. Vater Jessing
vom „Ohio Waisenfreunde“ bereit sei, solch
einen Entwurf vorzulegen und daß ihn nur
die Bescheidenheit zurückgehalten habe, einen
solchen anzubieten. Jetzt, daß der hochw.
Herr sich bereit erklärt, seine Ansichten in
einem folgenden Artikel darzulegen, verein—
facht sich die Sache bedeutend. Ist der
Entwurf zum Statut gegeben, dann kann
jeder der Redacteure und Verleger darüber
nachdenken, sein Für und Wieder ausspre—
chen und in ein bis zwei Monaten ist die
Sache soweit gediehen, daß sie bei einer
Zusammenkunft schnell erledigt werden
kann.
Da die Angzelegenheit sich weiter in
die Länge gezogen hat, als wir dachten, so
wird der erste Montag im September ver
früht sein und besser ist's, die Versammlung
auf den ersten Montag im October nach
Cincinnati zu berufen. Um zu wissen, wer
von den Blättern dort erscheint, sendet
man jedem ein gedrucktes Circular mit der
Frage zu, ob sein Redacteur oder Verleger
oder beide Willens sind, die Versammlung
zu beschicken, das sie dann bejahend oder
verneinend beantworten können. Wir
würden auch dies Vater Jessing überlassen,
da aber die Arbeit die auf, dessen Schultern
ruht, bereits so eine äußerst beträchtliche ist,
so sind wir, falls keiner der Herr Collegen
etwas dagegen hat, bereit dies zu thun und
das Resultat hernach bekannt zu machen.
Hat dann die Mehrheit aller Blätter sich
dafür ausgesprochen, wird die Versammlung
berufen, tritt zusammen, organisirt sich u.
s. w. im andern Falle bleibt die Sache lie—
gen bis sich bessere Gelegenheit bietet, sie
wieder aufzunehmen, denn daß die Einignng
zu Stande kommen wird, unterliegt nach
unserer Ansicht keinem Zweifel. Ist's nicht
heute, ist's morgen.
Turnerisches.
Man hört sehr oft die Worte: „Nun die
Turnvereine sind doch nicht schlecht, da wird
der Körper und der Geist ausgebildet; von
Religion ist keine Rede; der Gesellschaft
kann jeder anständige Mann beitreten“. Frei
lich so sprechen diejenigen, die nicht weiter
sehen und auch nicht weiter denken. Daß
dem nicht ganz so ist, beweisen z. B. die
kürzlich gefaßten Beschlüsse der Turner—-
tagsatzung Wisconsin's. Wir führen die—
selben hier wörtlich an:
1. In Anbetracht dessen, daß die Turne—
rei in Wisconsin, trotzdem ihr letzten Herbst
Exemplare der an die Staats-Gesetzgebung
gerichteten Denkschrift zu Gunsten gleich
mäßiger Besteuerung zugesandt waren, diese
gerechte und nothwendige Reformbewegung
fast gar nicht unterstützt hat, sieht sich diese
Tagessatzung veranlaßt, die Turner daran
zu erinnern, daß es, wo immer eine solche
Frage auftaucht, ihre Pflicht ist, nach besten
Kräften für die Durchführung des Rechts—
grundsatzes der Gleichheit zu wirken, und
daß man von ihnen bei künftigen Agitatio—
nen dieser Richtung eine thatkräftige Mit—
wirkung erwartet. Die Turner sollten in
ihren Wahlbezirken jedem Candidaten für
die Gesetzgebung vor der Wahl öffentlich
die Frage vorlegen, ob er für oder nicht für
Aufhebung der Kirchensteuerexemtion ist.
2. Beschlossen, daß wir das Unterneh—
men des deutsch-amerik. Lehrerbundes, ein
deutsch-amerikanisches Seminar zu grün—
den, um tüchtige Lehrer auszubilden, die
als Pioniere für die Einführung des deut—-
schen Erziehungswesen in den Volksschulen
wirken und für die humanen Ideen eines
Disterweg, Pestalozzi, Fröbel und anderer
Propaganda machen, mit Freuden begrü—
ßen und daß unserer Ansicht nach eine neue
Epoche in der Culturgeschichte des deutschen
Elementes in den Ver. Staaten beginnen
wird.
3. Beschlossen, daß die Turnvereine,
obwohl jede Politik denselben ferngehal
ten werden soll, sich entschieden derjenigen
Partei mit ihrem Einflusse anschließen, de—
ren Candidaten den von den Turuvereinen
und dem Bezirke angenommenen Beschlüs—
sen am nächsten stehen.
4. Beschlossen, doß wir die Freischulen
als das Fundament(? !)unserer republikani
schen Verfassung anerkennen, daß wir deshalb
mit eifersüchtigen Augen über dieselben wa—
chen und mit aller Entschiedenheit jedem
Einflusse, denselben einen anderen Charakter
zu verleihen, entgegentreten wollen und
daß wir namentlich das Bestreben, eine
Theilung des Schulfonds herbeizuführen,
bekämpfen und keinem Candidaten unsere
Stimme geben wollen, der in dieser Sache
Einsluß hat und unsere Meinung nicht ver—
tritt.
5. Beschlossen, daß wir unsern besten
Einfluß ausüben, um durch die Staatsle—
gislatur ein Gesetz zu erzielen, welches den
obligatorischen Schulbesuch vorschreibt.
Aus diesen Beschlüssen geht klar u. deut
lich hervor, daß die Turnvereine Wiscon—
sin's nicht·das sind, wofür man sie gewöhn—
lich ausgibt, sondern daß sie sich an die
Spitze des „Culturkampfes“ im Badger—
staate gestellt haben und es daher sür die
Katholiken gerathen ist, sich denselben nicht
anzuschließen.
Obwohldie Politik diesen Gesellschaf—
ten ferner gehalten werden soll, so ist es
doch grade die Politik, welche auf Empfeh—
lung der Tagsatzung als Mittel im Kampfe
gebraucht werden soll. Schöne Logik das!
Daß die gefaßten Beschlüsse meist dazu
angethan sind, die katholische Kirche zu
schädigen, kann nicht geleugnet werden.
Wem soll wohl F 1 anders gelten als
den Katholiken? Und auch F 4 ist gegen sie
gemünzt.
Welcher Art die Freiheit ist, welchẽ die
Turner empfehlen, davon gibt F 5 ein bere—
detes Zeugniß.
Zum Schluß unserer Bemerkungen fra—
gen wir die Herrn, wie sie wohl 2 mit 84
zusammenreimen? Warum muß ein ei—
genes deutsches Lehrerseminar gegründet
Derden, hat doch der Staat „Normalschu—
len“? Wozu ein,deutsch“·amerikanisches
Lehrerseminar, wenn sie (die Turner) mit
eifersüchtigem Auge über dieselben (die Frei—
schulen) wachenu.mit aller Entschie—
denheit jeden Einfluß densel—
ben einen andern Character zu ver—
leihen entgegentreten wollen?
Erzbischof Purcell
von Cinecinnati reiste am vorigen Sonntag
nach der Stadt New Richmond in Ohie,
um dort das Sakrament der Firmung zu
spenden. Unterwegs traf er einen Herrn,
der sich von ihm Auskunft über die Stellung
der Katholiken zu den politischen Tagesfra—
gen erbat. Namentlich kam die Rede auf
die jüngst in Ohio und in anderen Staaten
neuerstandene geheime Organisation, die,
wie dem Erbischofe von seinem Reisegefähr—
ten bemerkt wurde, den Zweck habe, die
Katholiken in den Vereinigten Staaten aus—
zurotten, unter dem Vorgeben, daß sie un—
seren freien Institutionen feindlich gesinnt
seien und daß sie sich mit der demokrati—
schen Partei identifizirt hätten, um diese
Feindseligkeit zu fördern. Der Erzbischof,
wie er selbst in dem „Catholie Telegraph“
mittheilt, erwiderte, daß man seines Wis—
sens seit mehr als fünfzig Jahren verschie—
dene ähnliche Versuche gemacht habe, ob—
gleich kein Grund für die Anklagen gegen
die Katholiken vorhanden sei. Im Revo—
lutionskriege floß auch das Blut von Ka—
tholiken in den Laufgräben der Freiheit.
Charles Carroll von Carrollton, der zuerst
die Schlacht für die Freiheit mit der Feder
in seinen Briefen an Charles For, den
britischen Minister, kämpfte, setzte als Ka—
tholik in der Vertheidigung unserer Unab—
hängigkeit sein Leben und Millionen auf's
Spiel. In jenem Kriege gab es keinen
katholischen Arnold. Im Jahrr 1812
blieb kein Katholik zurück und kein Katho—
lik zeigte blaue Lichter, um dem Feind zu
helfen, wie Nicht-Katholiken dies thaten.
Im Kriege mit Mexico, einer katholischen
Republik, weigerten die Katholiken sich
nicht, gegen Katholiken für die Aufrecht—-
erhaltung der Oberhoheit unseres Landes
zu kämpfen. In dieser, sowie in jeder an—
deren Hinsicht, werden wir mit Lügen und
Verleumdung angegrisfen und antworten
mit Thatsachen. Gibt es katholische
Republikaner? fragte dann der Reisege—
fährte des Erzbischofs. Die Antwort war:
O, ja, viele. Wir sagen aber nicht, zu
viele, denn wir machen die Politik eines
Menschen nicht zur Bedingung für die Ge—
meinschaft mit der Kirche. Die Katholi—
ken wünschen keine Vereinigung von Kirche
und Staat, wie boshaster Weise behaup—
tet wird. Es gibt auf dem ganzen Er—
denrunde keinen Staat und kein König—
reich, wo die Katholiken eine Veranlas—
sung haben, die Vereinigung von Staat
und Kirche zu wünschen. In den ersten
dreihundert Jahren erlitt die Kirche zehn
blutige Verfolgungen unter Königen. Als
Constantin ein Christ wurde, geschah dies,
weil das Heidenthum, obgleich ein Meer
von Blut geflossen, das Christenthum nicht
überwältigen konnte. Wenn Könige vor—
gaben, daß sie das Christenthum annähmen,
erstickten sie dasselbe in ihrer Umarmung.
Wir wollen daher keine solche Umarmung,
keine Vereinigung von Kirche und Staat.
Die Einwanderer, welche nach den Vereinig
ten Staaten kommen, thun dies, weil sie
die Freiheit lieben und sich vor dem Des—-
potismus flüchten. Sie haben Augen, um
zu sehen, wie die Kirche durch den Staat
in Deutschland, in der Schweiz, in Spa—
nien, in England, in Portugal und in
Südamerika verfolgt wird. Sie haben keine
Lust, in Amerika eine Verbindung herzu—
stellen, die überall, wo sie besteht, nichts
Gutes zur Folge hat.
Auf die letzte Frage: „Warum wollen
die Katholiken die ösfentlichen Schuleu
zerstören?“ antwortete der Erzbischof
„Sie wollen dieselben nicht zerstören. Wir
wünschen die Erziehung der ganzen Ju—
gend, damit sie den Segen unserer freien
Institutionen erkennen lernen und zur Er—
kenntniß und Würdigung unserer Religion
tommen. Dies kann nicht geschehen,
wenn sie nicht lesen lernen. Wir wünschen
auch die Erziehung unserer eigenen Ju—
gend, und zu diesem Zwecke machen wir
außerordentliche Anstrengungen. Niemand
schätzt den Werth der Erziehung höher als
die Katholiken, aber wir halten es nicht
für Recht, daß Diejenigen, welche die össf
entlichen Schulen controlliren, uns be—
steuern, um dieselben zu erhalten, wenn
wir so viel zu thun haben, um für den
Unterricht in unseren eigenen Schulen zu
sorgen. Gegen eine vernünftige Schul—
steuer würden die Katholiken nichts haben.
Aber wir protestiren gegen die Errichtung
von palastartigen Schulhäunsern, worin
die Kinder reicher Eltern Unterricht in der
Musit, im Zeichnen, Französischen, Latei—
nischen und in andern Dingen erhalten,
für welche das allgemeine Publikum und
ganz besonders die Armen nicht besteuert
werden sollten.“
Die Geistlichkeit, Obern von Ordens—
häusern und Andere werden gewarnt, sich
vor einer Betrügerin zu hüten, welche sich
Miss Mary MeDermott nennt und die Ver.
Staaten durchzieht.
Ein interessantes päpstliches
Breve
bringt die neueste Nummer des Pariser
Univers. Denn obwohl dasselbe nicht an
den Gesammt-Episcopat der katholischen
Kirche, sondern nur an den Theil desselben
gerichtet ist, der den Erzdiöcesen und Diö—
cesen Siziliens vorsteht; so enthält es doch
Sätze, die nicht blos für jeden Bischof und
Priester, sondern für jeden Katholiken der
Welt von Bedeutung sind. .
„Dieweil wir wissen, ehrwürdige Brüder
—dies ist sein Wortlaut —wie herzlich ihr
uns liebt, wie unverbrüchlich fest ihr diesem
Stuhle des heil. Petrus ergeben seid, wie
muthvoll ihr mit uns für die Sache der
Kirche streitet und mit welcher Sorgfalt ihr
euch bemüht, dem stets wachsenden Uebel
entgegenzutreten; —so haben wir gern eure
Huldigungen und guten Wünsche entgegen
genommen, für deren Verwirklichung ihr so
thätig seid.
Mit Freuden haben wir wahrgenommen,
daß eure Zuversicht sich vor Allem auf die
wahrhaft wunderbare Art stützt, in der die
göttliche Vorsehung unsere Schwachheit stets
geleitet hat und noch leitet. Derartige
Zeugnisse beweisen, daß Gott mit uns ist,
und müssen darum unsern Muth heben und
uns die Hoffnung einer unanfechtbaren
Hülfe und eines glänzenden und sicheren
Sieges gewähren.
Und wahrhaftig, wenn es die Eigenthüm—
lichkeit eines weisen Mannes ist, Mittel an—
zuwenden, die der Beschaffenheit des ge—
setzten Zieles gemäß sind; so darf es Nie—
manden seltsam erscheinen, daß wir uns
auf außerordentliche Ereignisse vorbereiten,
da der Weg dazu in einer gewissen Weise
durch eine zusammenhängende Reihe von
außerordentlichen Vorgängen schon gebahnt
ist.
Ist denn die Kirche nicht gewohnt, aus
jedem Kampfe mit einer um so glänzende—
ren Siegeskrone hervorzugehn, als der An—
griff heftig und die Gefahr groß war, die
sie vorher bestanden?
Wohlan denn! Gab es je etwas Verderb—
licheres ais die gegenwärtige Verfolgung,
zu welcher sich überall Betrug, Hinterlist,
Verläumdung, falsche Wissenschaft, unge—
rechte Gesetzgebung und Gewaltthat ver—
bunden hat ? Eine Verfolgung, die sich über
die ganze Erde ausdehnt und die von einer
einzigen Direktion* nach einer und derselben
Regel geleitet wird. Eine Verfolgung, in
welcher die Gottlosigkeit sich bis zu der Un—
verschämtheit verstiegen hat, gegen die Re—-
ligion offenen Haß zu bekennen. Und
während von ihr früher wohl diese oder jene
Wahrheit bestritten ward, erklärt sie jetzt,
die ganze übernatürliche Ordnung der
Dinge und Gott selbst über den Haufen
werfen zu wollen.
Aber dieser allgemeine Umsturz aller
Prinzipien, der bisher unerhört war, und
diese über die ganze Welt verbreitete Ver—
schwörung so vieler gegen die Kirche feind—
licher Gewalten erweckt in uns, während er
uns das Schauspiel einer völlig ungewohn—-
ten Verfolgung bietet, auch in höherem
Maße als je sonst den Glauben an die
Nothwendigkeit einer außerordentlichen und
handgreiflichen Dazwischenkunft des All—
mächtigen.
Was sich nun auch immer ereignen mag,
die Gewißheit, die wir von dem Triumphe
der Kirche haben, und die Geduld, die eben
falls ein Zeichen der himmlischen Gnade
ist, sollen uns Krast geben und uns im
Kampfe eifriger machen.
Damit ihr also ernstlich und ohne Furcht
streitet, erbitten wir von Gott für euch sei—
nen Beistand und die reichen Gaben seiner
Gnade. Und indem wir das harren, er—
theilen wir euch ehrwürdige Brüder, als ein
Pfand solcher Gaben und als ein Zeugniß
unseres besonderen Wohlwollens den apo—-
stolischen Segen. :
Gegeben zu Rom, beim h. Petrus am
sten Juli 1875, im 30sten Jahre unseres
Pontifikats.
*) Die Freimaurer Retd.
—— —ff —— ——
Der Liberalismus und die deut—-
schen Schulen.
Die in Leipzig erscheinende „Zeitung für
das höhere Unterrichtswesen Deutschlands“
brachte in den letzten Nummern eine Ab—
handlung unter dem Titel: „Der staatliche
Kampf gegen den Ultramontanismus in
Preußen.“ Diese Abhandlung hat ein all
gemeines Interesse, da sie ganz unverhüllt
zeigt, wohin der herrschende nberhullt
die Schulen Deutschlands führen will.
Der Verfasser polemisirt zunächst gegen
die „Kölnische Zeitung“, die in jüngster
Zeit die Forderung gestellt hat, daß an die
Stelle des obligatorischen Religionsunter—
richtes in der Volksschle und an höheren
Schulen ein facultativer Religionsunterricht
gesetzt werden möge. Das hieße, meint
der Verfasser, ungefähr so viel, als alles
beim Alten lassen. Nachdem er dann das
Geständniß gemacht, daß 90 Prozent der
protestantischen Bevölkerung sich gegen das
Christenthum ziemlich gleichgiltig verhalte;
nachdem er ferner seine Entrüstung über
das Processionswesen in der katholischen
Kirche ausgesprochen; nachdem er endlich
constatirt, daß es in den östlichen Provin—
zen viele Eltern gibt, die ihre Kinder nicht
taufen lassen „sie haben wahrscheinlich ihre
guten Gründe dazu“, heißt es, —: rückt er
damit heraus, wie der Religionsunterricht
nach seiner Ansicht betrieben werden soll.
Der Religionsunterricht soll an höheren
Lehranstalten nicht von einem besonderen
Religionslehrer, sondern von dem Lehrer
der Geschichte und der Naturgeschichte er—
theilt werden, so daß Katholiken, Protestan—-
ten und Juden daran Theil nehmen kön—
nen. Er beginnt mit der germanischen
Mythologie, dann lernt der Schüler den
Buddhismus kennen, der schon 500 Jahre
vor Christus Milde und Erbarmen gegen
alle Wesen lehre. Es folgt der Rabbi
Hillel und endlich auch wohl Christus. Das
Beitneeiel ist als das ursprünglich ger—
manisch heidnische Wodansfest aufzufassen;
daher auch der Weihnachtsbaum mit seinen
Lichtern. Die drei Weisen aus dem Mor—
enlande, der Stern, die Hirten und die
enia sind eitel Beiwerk. An die Stelle
der „pensionirten“ heidnische Göttern hat die
katholische Kirche ihre Heiligen gesetzt. Die
Frage, ob Jesus die Taufe eingesett, dürfte
kaum mit Ja zu beantworten sein. Bei
Gelegenheit der mosaischen „Schöpfungs—
mythe“ muß auch die Kant-Laplace'sche
Theorie mitgetheiit, und endlich muß der
Darwinismus besprochen werden. —ln der
Voltsschule soll gar kein Religioasunter—
richt ertheilt werden, sondern erst in der
Fortbildungs- und Sonntagsschule. Von
dem unvernünftigen Gehorsam Abrahams,
seinen Sohn zu schlachten und von vielen
ähnlichen biblischen Geschichten darf den
Kindern nichts gesagt werden. —Am Schlusse
richten sich des Verfassers Haare gewaltig
darüber in die Höhe, daß jetzt von Chri—
stenverfolgung geredet wird. Bei der Ge—
legenheit sagt er, auch die älteren Christen
hätten an den Christenverfolgungen durch
ihr halsstarriges Wesen doch stets selbst die
Schuld getragen. Kaiser Julian habe, sie
mild und gerecht behandelt, und zum Dank
dafür hätten die Geistlichen das Volk zu
Aufruhr und Empörung aufgestachelt!!!
Diese kurze Uebersicht läßt mit unmißver
ständlicher Klarheit erkennen, wohin die
Jugend in Deutschland von dem Liberalis
mus geführt werden soll. Auf den Trüm—
mern der christlichen Kirchen soll ein moder
nes Heidenthum erstehen, dessen oberster
Götze das Geld, dessen erstes Gebot der
Servilismus ist. Das zu erkennen, ist
Pflicht eines jeden Christen, gleichviel ob er
Protestant ist oder Katholik. Wer aber
diese Erkenntniß gewonnen, wie kann der
noch zögern, den Liberalismus mit allen
erlaubten Mitteln zu bekämpfen, um so das
drohende Verderben von Kindern u. Enkeln
abzuwehren?
Frankreichs Kämpfe um die Frei-
heit der Schule.
Frankreich ist es, das zuerst in Europa
den Bruch des Staates mit der Religion
vollzogen hat. Frankreich ist es wieder,
das zuerst die Frucht dieses Abfalls in so—
zialer Auflösung und politischer Entkräf—
tung erfahren hat. Endlich ist es aber
auch Frankreich, das zuerst den Weg der
inneren Umkehr beschritten hat in Organi—
sation der katholischen Volksschichten, in
Formulirung der kirchlichen Forderungen
an den „modernen Staat“, in fortdauern—
der politischer Arbeit für die katholischen
Interessen. In dieser Umkehr mag es
manchen Aufenthalt, manchen augenblickli—
chen Rückfall geben, aber die Bewegung im
Ganzen ist eine rückläufige. Die religiösen
Ideen sind daran, sich wieder die verschie
denen Kreise des socialen Lebens, den einen
nach dem andern zu unterwerfen. Ist die
Gesellschaft wieder erneuert, dann ist erst
eine wahre politische Restauration möglich
und wird sich dann auch naturnothwendig
vollziehen und Bestand gewinnen, da sie
nicht äußerlich aufgedrungen, sondern in—
nerlich vermittelt ist.
In dem Grade, in welchem Frankreich
in politischer Ernüchterung fortschreitet,
verfallen die anderen Staaten Europa's
dem Taumel, der von jenem gewichen ist.
Mit einer unnatürlichen Gier haben Deutsch—
land, die Schweiz, Italien u. s. w. den in
Frankreich entbehrlich gewordenen politi—
schen Apparat der ersten Revolution sich an
geeignet und sind nun daran, alle politi—
schen und socialen Verbände zu zersetzen
oder gewaltsam zu zerreißen und damit dem
Staat selbst allen Halt zu entziehen.
In den neulichen Verhandlungen der
Nationalversammlung reiste den franzosi
schen Katholiken eine Frucht vieler Arbei—
ten und Mühen, die volle und ganze Unter
richtsfreiheit. Nachdem unter Louis Phi—
lipp das Monopol des Staats zunächst auf
dem Gebiet der Volksschule gebrochen wor—-
den ist, nachdem die Republik von 1848
die Freiheit des mittleren gelehrten Unter—
richts den Katholiken eingetragen hat, vol—
lendet nun die dritte Republitk die Emanci—
pation der Schule durch Freigebung der ho—
hen Schulen, des Universitätsunterrichts.
(Schweiz. Kirchztg.)
Aus den „Weckstimmen“ für das katholische Volk.
Der Diberalismus
Ursprung, Wesen und Folgen
geschildert von
Heiurich v. Hurter.
(Schluß.)
7. Je mehr der Liberalismus sich aus—
breitete, um so gauenvoller gestalten sich
seine Früchte. Die katholische Kirche wird
verfolgt, und das alte christliche Leben der
Völker versinkt immer mehr in's Heiden—
thum. Die politische Freiheit wird gefesselt
und die Rechte der Bürger werden von der
liberalen Partei unterdrückt, sobalb sie nicht
zu ihrer Fahne schwören. Das Familen—
leben löst sich überall auf, die Ehe wird der
Würde und des Segens des Sacramentes
beraubt und zur sogenannten wilden
Ehe, die Jugend verwildert, die Dienstbo—
le- lehnen sich auf, und von einem Respect—
gegen die Auctorität ist schon bald keine
Rede mehr. Die Arbeiter sind die käufliche
und verkäufliche Waare der Arbeitsgeber,
werden wie die Citronen ausgepreßt und
weggeworfen. Der liberale Schwindel
und Krach hat die Armuth groß gezogen
und Jammer und Elend durch alle Stände
heraufbeschworen. Die Völker seufzen un—
ter der Last der Steuern, und die Staaten
starren in Waffen, jeden Augenblick bereit,
sich gegenseitig zu zerfleischen.
Die gegenwärtigen Zeiten gleichen voll—
kommen jenen, als der Erlöser nahte. Da—
mals seufzten die Völker tief auf nach ei—
nem Erretter, denn die Schlechtigkeit, die
Verwirrung und Bedrängnisse überstiegen
schon alles Maß. Aber so mußte es kom—
men. Zwei Wege sollten die Menschen
durchwandern. Der eine war der Weg der
Wissenschaft des Bösen, wie es Golt im
Paradiese den ersten Eltern verkündet hatte.
Nachdem die Menschen Gott verlassen hat—
ten, tauchte ein Abgrund von Verderbniß
und Elend auf, welcher sie mit Entsetzen
ersüllte und ihnen den Angstschrei nach dem
Erlöser auspreßte. Der zweite Weg war
der Erkenntniß des Guten, damit Alle,
hilflos und zerrüt.ct, um so mehr die Größe
der göttlichen Erbarmung erkennen und
dorthin ihre Hände ausstrecken mögen, von
wo sie allein Rettung hoffen konnten —vom
göttlichen Erlöser.
Gerade so ist es heutigen Tages. Nach—

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