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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, August 17, 1875, Image 5

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dem unter der Herrschaft des Liberalismus
schon bald die Mehrzahl der Menschen
Gott und der Kirche den Rücken gekehrt hat,
ist eine solche Verwirrung, Entsittlichung,
Zügellosigkeit und Verarmung aufgetaucht,
daß Alle tiefe aufseufzen und angstvoll nach
Errettung sich umschauen. Diese Rettung
kann einzig noch die katholische Kirche brin
gen. Sobald die Fürsten und Völker zu
. dieser Erkenntniß gelangen und ihre Hände
nach der Kirche ausstrecken, wird auch das
politische, sittliche und sociale Elend unter
ihrem heilenden und segenden Einfluß da—
hinschwinden und der Liberalismus wie
Rauch vor der Sonne, wie die Lüge vor
der Gnade und wie die Gottlosigkeit vor
dem lebendigen Glauben vergehen. Die
Hand Gottes ist nicht verkürzt. Glorreich
wird die heilige Kirche wieder walten und
als barmherzige Schwester und gute Mutter
die Wunden heilen, welche der Liberalis—
mus den Völkern geschlagen hat. Die
Kirche wird dann abermals gleich der Tau—-
be Noe's den Oelzweig des Friedens brin
gen und die gute Botschaft verkünden, daß
die Sündfluth des Liberalismus, welche
als gerechte Strafe über die Menschheit
kam, glücklich vorübergezogen sei. Die
Völker werden, endlich erlöst von dem
unheimlichen Liberalismus, neu aufjubeln:
„Gepriesen sei, der da kommt im Namen
des Herrn!“
Eine alte Sage erzählt, daß Satan nei—
disch wurde auf die Erschaffung des ersten
Menschen, welcher als König der Schöpf—-
ung mit den herrlichsten Gaben der Schön—
heit und Unschuld, der Gnade und Unsterb—
lichkeit geschmückt war. Darum wollte Sa
tau auch einen Menschen nach seiner Weise
erschaffen, und dem Ebenbilde Gottes sein
Bild entgegenstellen. Und er erschuf den
Asfen. Eine große Wahrheit liegt in die—
ser Sage. Satan hat als Affen, als
scheußliches Zerrbild die Sünde der Gnade
entgegengestellt, der Offenbarung das Hei—
denthum und der katholischen Kirche den
Liberalismus. Es ist daher höchst bezeich
nend, daß der Liberalismus so gerne zum
Affen zurückkehrt und den Menschen als
dessen Abkömmling proclamirt.
Der Liberalismus ist in Wahrheit nichts
Anderes als eine Fratze, ein Affe, im Ge—
gensatz zu jenem erhabenen Liberalismus,
welchen Gott und die katholische Kirche übt.
Wahrhaft liberal in der herrlichsten Be—
deutung dieses Wortes ist Gott, welcher
die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit ist,
und in seiner unendlichen Erbarmung seines
eingebornen Sohnes selbst nicht schonte, um
das Heil der Menschen zu erwirken. Wahr—
haft liberal ist Jesus Christus, welcher als
göttlicher Erlöser das echte Volkswohl suchte
und daher des Elendes und der Kranken
des Volks sich erbarmte und selbst sein Leben
und sein Blut hingab zur Erlösung Aller.
Wahrhaft liberal nach dem Beispiele
Gottes und des göttlichen Heilandes ist die
heilige katholische Kirche. Sie lehrt die
wahre Aufklärung durch ihre Glaubens—
wahrheiten, welche die Menschen erleuchten
und ihnen den wunderbarsten Aufschluß
über Gott, über die Seele und über die
Zeit und die Ewigkeit mittheilen. Der
Glaube tröstet und stärkt Alle und erfüllt
Alle, das Kind wie den Gelehrten, den
Unterthanen wie den Fürsten, mit himmli—
schen Kenntnissen, die tausendmal erhabener
und herrlicher sind, als alle irdischen Wis
senschaften.
Die tatholische Kirche verkündet die wah—
re Sittenlehre, welche die Menschen empor
hebt über die thierischen Leidenschaften und
über die Laster der Welt. Diese Sitten
lehre, wenn sie befolgt wird, macht die Erde
zu einem Orte des Friedens, einigt die
Völker zur Eintracht und erhebt die Familie
zur Stätte des häuslichen Glückes. Wo
die katholische Sittenlehre der Ausdruck
des ösfentlichen Lebens ist, da verschwindet
die Ungerechtigkeit, der Betrug, der Schwin—-
del, die Unzahl von Verbrechen und Ge—
fängnissen, von Soldaten und Beamten,
von Steuern und Schulden. Der echte,
weil christliche Liberalismus herrscht dann,
und dieser will einzig die wahre Bildung
und Sitilichkeit.
Die katholische Kirche ist es ferner, wel—
che die wahre Freiheit bringt, die Freiheit
der Kinder Gottes, frei vom Joche der
Sünde und der Sclaverei. Sie übt allein
die echte Gleichheit, indem alle Gläubigen
gleich sind und gleiche Rechte haben beim
Gottesdienst, beim heiligen Opfer, beim
Empfang der heiligen en wo
neben dem Fürsten der Arme und neben der
Fürstin der Dienstbote sitzt oder an der Com—-
munionbank kniet.
Die katholische Kirche übt allein wahre
Toleranz. Wenn sie auch den Irrthum
verbannt, so fleht sie doch für die Irrenden;
wenn sie die Sünde verabscheut, so spendet
sie reumüthigen Sündern die Sacramente.
Sie verfolgt Niemanden, sperrt Keinen ein,
zwingt keinen Menschen mit Gewalt zum
Gottesdienst —das überlaßt sie den libera—
len Helden, die ewig den Liberalismus im
Munde führen und Jeden vergewaltigen,
der nicht ihres Sinnes ist, und augenblicklich
die Gerichte, die Polizei, das Gefängniß
und die Executionen bei der Hand haben.
Wer hat die heidnischen Völker bekehrt?
Wer hat sie zur wahren Civilisation, zur
christlichen Cultur geführt? Es ist die
katholische Kirche. Wer hat die Barbarei,
die Sclaverei und das Heidenthum überwun—
den? Abermals ist es die katholische Kirche.
Und so lange sie frei und ungehindert wal—
ten konnte, waren die Völker glücklich und
gesegnet, die Auctorität der Fürsten geach
tet, der Friede gesichert und die Gesetze
heilig gehalten. Darum gibt es nur Einen
wahren Liberalismus, Eine wahre Aufklä—
rung, Eine wahre Freiheit und Ein wahres
Vollkswohl, und dieses haben Gott und der
Erlöser geübt, und übt noch heutigen Tages
einzig die katholische Kirche. Der Libera—
lismns, welchen die modernen Liberalen
ausposaunen, ist ein wahres Zerrbild und
jener Asse, den Satan erschuf. Darum
nennen unsere aufgeklärten Liberalen den
Affen so gerne ihren Stammvater.
Lassen wir ihnen, freundlicher Leser!
dieses sonderbare Lery nten Du und ich
—wir stehen zu Gott und zur heiligen ka—
tholischen Kirche, folglich zum Libe—
ralismus, der aus Gott ist und zu Gott
sührt.
Aus dem Culturkampfe.
Es verlautet, daß die Regierung
den Antrag an die Bischöfe von Straßburg
und Metz gestellt habe, das Gebet für den
Kaiser auch in den katholischen Kirchen ein
zuführen. Eine entschiedene Antwort ist
darauf bis jetzt noch nicht ergangen. Von
einer Seite wird den Bischöfen gerathen,
sie möchten nach dem Vorgange eines be—
kannten Würtembergischen„Prälaten“ ant—
worten: „sie gedächten bereits allsonntäg—
lich, ja bei jeder hl. Messe der preußischen
Regierung. Und das in der siebenten Bitte
des Vaterunsers „Sondern erlöse uns von
dem Uebel.“
Ueber das Geheimhalten der
Namen jener deutschen Priester, welche sich
den Kirchengesetzen unterwerfen und dafür
ihre Staatsgehalte wieder empfangen,
machte neulich in den Zeitungen Deutsch—
land's die folgende Notiz die Runde:
Neuerdings ist der Name eines Geist—
lichen, welcher die im Gesetze vom 22. April
d. I. erforderte Gehorsamserklärung abge—
geben hatte, in die Oeffentlichkeit gekom—
men, was die gehässigsten (!) Angriffe sei—
tens der ultramontanen Zeitungen, sowie
in der betreffenden Parochie selbst zur Folge
gehabt hat. Zur Vermeidung dieser Vor—
tommnisse hat der Herr Oberpräsident (von
Schlesien) in einem Erlasse vom 30. Juni
angeordnet, daß die Namen derjenigen
Geistlichen, welche die erwähate Erklärüng
abgeben, unbedingt geheim zu halten sind,
so lange diese Geistlichen nicht etwa selbst
an die Oeffentlichkeit treten. Die könig—
lichen Kreissteuerkassen sind dem entsprechend
ebenfalls mit der nöthigen Weisung ver—
sehen worden.
Dazu bemerkt die Berliner,Germania“:
„Sehr klug das! denn auf diese Weise läßt
sich das Fiasco des Brodkorbgesetzes am
Besten vertuschen. Da bekanntlich im
Dunkeln gut munkeln ist, so haben die
„Liberalen“ nun Gelegenheit, Tag auf Tag
von neuen Unterwerfungen zu fabeln, ohne
daß sie gehalten sind, Namen zu nennen.
Das katholische Volk wird natürlich an den
Humbug nicht glauben, aber der „liberale“
Philister wird sich daran ergötzen. Wir
würden ihm das unschuldige Vergnügen
gern gönnen, wenn es nur nicht so traurig
wäre, daß eine Staatsbehörde sich herbei
läßt, dunkle Schleichwege einzuschlagen.“
Die Kaiserglocke hat Unglück.
Am 17. Juli Vormittags sollte die pro—
visorisch aufgehangene Kaiserglocke zum er—
sten Male geläutet werden. Nachdem der
Klöppel in der ruhig hängenden Glocke wie—
derholt hin- und herbewegt worden und je—
desmal an den Schlagring angeschlagen
hatte, wurde die Glocke durch Anziehen der
Läuteseile zuerst von 37 und dann von 54
Mann geschwungen; allein, obgleich man
dieselbe dabei in eine fast wagerechte Lage
brachte, der Klöppel schlug nicht an, kehrte
vielmehr in dem Augenblick, wo er den
Schlagring berühren sollte, nach der ent—
gegengesetzten Richtung zurück. Man nahm
denselben ab, änderte ihn in der Fabrik zu
Bayenthal und am 21. Juli wurden wie—
der zwei Versuche angestellt die Glocke zu
läuten. Sie schlugen fehl. Um 6 und 67
wurde dieselbe in die größtmöglichen
Schwingungen versetzt, aber vergebens,
der Klöppel schlug nicht an den Glockenring
an. Die Glocke blieb stumm. Eine
Menge Menschen sah mit Spannung diesen
Versuchen zu. Auch mehrfache am nächsten
Vormittag angestellte Versuche waren ver—
gebens. Der Klöppel soll deshalb den
Glockenring nicht berühren, weil der Dreh—
punkt der Axe nicht tief genug liege. Da
sind gewiß die Jesuiten Schuld dran!
—Ç
Kirchlicht Ueunigkeiten.
Inland.
In Philadelphia hielten die deutschen
katholischen Unterstützungsvereine am Dien—
stag, den 27. Juli, im Süd-Broadstraßen—
Parke ein großes Volksfest ab, dessen Er—
trag zur Bestreitung der Kosten der im
nächsten Jahre in Philadelphia abzuhalten—
den Generalversammlung des Centralver—
eins bestimmt ist. Die Mitglieder der ein
zelnen deutschkatholischen Gemeinden von
Philadelphia hatten sich, wie das „Phil.
Volksblatt“ herichtet, sammt ihren Fami—
lien in großer Anzahl eingefunden, trotzdem
das Wetter zu Zeiten sehr stark auf Regen
deutete. Das Publikum hat sich aber
durch nichts abhalten lassen, zu beweisen,
daß es die große Tragweite des Festes, das
Beste der im nächsten Jahre in Philadelphia
abzuhaltenden 21sten Jahresfeier des röm.-
kath. Central-Vereins, wohl erkannt hat,
zu würdigen weiß und bemüht ist, sein
Möglichstes zu thun, um den schließlichen
Erfolg zu sichern. Das Fest war sehr gut
besucht und war es schwer zu erkennen, daß
augenblicklich so harte Zeiten sind. Diese
Gefühle waren von dem Bewußtsein, für
eine große, allgemeine, katholische Sache zu
arbeiten, zurückgedrängt worden. Unter
den Festtheilnehmern befand sich auch Bru—
der Gonzaga mit seinen Indianern.
Erzdiöcese New York.
Cardinal MeCloskey reiste am 7. d. M.
mit dem französischen Dampfer „Pereire“
nach Europa ab, um sich zum heiligen Vater
nach Rom zu begeben. Bischof Conroy
von Albany, General-Vicar Quinn, Bi—
schof Shanahan von Harrisburg, Pa., und
andere hervorragende katholische Geistliche
geleiteten den Cardinal an Bord des Dam—
pfers. Im Hauptsalon des Dampfers
hatten sich eine Anzahl Mitglieder der ka—
tholischen Union versammelt, welche ihm
eine Ergebenheits-Adresse für den Papst
überreichten. Die Hochwürdigen Herren
D'Aubril und Farrely begleiten den Prä—
laten auf seiner Reise. Eine öfsentliche
Abschiedsdemonstration hatte sich der Cardi—
nal verbeten.
Erzdiöcese Milwaukee.
In Saulville wurde kürzlich die alte ka
tholische Kirche abgerissen, weil der Platz
und das Material derselben für den Bau
der neuen Kirche, an welcher man fleißig
gearbeitet, benützt wird. Die neue Kirche
wird 125 Fuß lang, 55 Fuß breit und be—
kommt einen 155 Li hohen Thurm, Styl
gothisch. Baukosten etwa 12, 000 Dollars.
Luxemburger Gazette.
In Mishicot hat ein Sturmwind den
Thurm der katholischen Kirche umgerissen.
Erzdiöcese Boston.
Mit dem Bau der neuen Kirche unsrer
Frau von der immerwährenden Hilfe wurde
bereits begonnen, und soll dieselbe in zwei
Jahren vollendet und eine der größten Kir—
chen der Stadt werden.
Erzdiöcese New Orleans.
New Orleans hat gegenwärtig 29 kath.
Kirchen, während es vor dreißig Jahren
deren nur 4 dort gab.
Diöcese Nashville.
Der hochw. I. A. Kelley und hochw.
I. V. Edelin, zwei Dominikaner:Väter
von der St. Peterskirche in Memphis,
Tenn., feierten ihr fünfundzwanzigjähriges
Priester- Jubiläum daselbst.
Diöcese Savannah.
Der hochw'ste Bischof Groß suchte zur
Vollendung seiner Kathedrale eine Anleihe
von S2O, 000 zu machen. Am ersten Abende
wurde ihm SBSOOO offerirt, und ist der ganze
Betrag seither empfangen worden.
Diöcese Detroit.
In der Kirche des hochw. Hrn. Pfar
rers Seybold zu Battle Creek, Calhoun
Co., hat der berühmte Jesuitenvater F. X.
Weninger kürzlich eine Volksmission abge—
halten.
Diöcese St. Paul.
In Jordan wurde das Portiuncula-Fest
von den Franziskaner-Vätern am 2. August
zum. ersten Mal feierlich begangen und
zwar bei großer Theilnahme der Bevölke—
rung. Dieses Fest hat seinen Namen von
der Kirche Portiuncula unweit Assisi, im
Kirchenstaate. Ursprünglich stand daselbst
eine kleine, bereits zu Anfang des 183.
Jahrhundeits sehr baufällige Marienkapelle,
welche den Benedictinern gehörte und we—
gen ihrer Geringfügigkeit „Portiuneula“
(ein kleiner Theil) genannt wurde. Der
unscheinbare Fleck Erde gelangte aber zu
großem Ruhm in der ganzen Christenheit,
als der hl. Franeiskus von Assisi dort seine
Zelle aufschlug, und den Ort gleichsam zur
Pforte machte, von welcher sein berühmter
Orden in alle Welt ausging.
Diöcese St. Vincennes.
In Indianopolis soll im südlichen
Stadttheile eine zweite deutsche katholische
Kirche errichtet werden, bei welcher Fran—
ziskaner:Väter aus Teutopolis, 111., die
Seelsorge übernehmen werden. Dieselben
beabsichtigen bei der Kirche ein großes
Schulhaus und Kloster zu errichten.
General Vicariat St. Cloud.
Hochw. P. Schnitzler, 3. J. von Man—
koto hat sich nach St. John's College,
Stearns Co., begeben, um in der dortigen
Abtei St. Ludwig am See die geistlichen
Exereitien der Benedietiner Väter zu leiten.
Der hochw'ste Bischof R. Seidenbusch
ertheilte am vorletzten Sonntag, wie ange—
kündigt worden, zu Little Falls, Morrison
Co., die hl. Firmung, ebenso am folgen—
den Tag in Belle Plaine und Rich Prairie,
wohin eine Compagnie berittener Farmer
dem verehrten Oberhirten das Geleite gab.
Ausland.
Am 19. Juli fand in Frankreich eine
eine große Wallfahrt nach St. Omer statt,
wo eine Statue der Jungfrau Maria, die
aus dem siebenten Jahrhundert herstammt,
gekrönt ward. Der Cardinal - Erzbischof
von Cambrai stand der Feierlichkeit vor,
der außerdem acht bis zehn Erzbischöfe und
Bischöfe anwohnten.
Der vig-l von Orleans hat von Rom
ein Beglückwünschungsschreiben erhalten,
wegen dem glänzenden Erfolge in der
Durchführung der Erziehungsbill in der
Assembly zu Versailles.
Der französische Minister der schönen
Künste hat vor einiger Zeit bei M. Bonuas—
sieux eine Statue des verstorbenen Erzbi—
schofs Darboy von Paris, welcher von den
Communisten ermordet wurde, bestellt.
M. Abadie, der Architett, wurde beauftragt
das Fußgestell dazu zu entwerfen. Die
Figur, von weißem Marmor, ist ungefähr
sechs und einen halben Fuß hoch, im Atte
lier des Künstlers zu sehen, und wurde kürz
lich von den Verwandten des Msgr. Darboy
in Augenschein genommen.
Die „Voce della Verita“ hat dem fran—
zösischen Gesandten für die durch die letzte
Ueberschwemmung Verunglückten 1000 Fr.
übergeben, welche von seinen Abonnenten
eingesandt worden waren. Unter den Ge—
schenken war ein schönes päpstliches Gold—-
stück von 100 Franken.
Herr Majunke's Buch über Louise La—
teau hat die zweite Auflage erreicht; wir
empfehlen dem „Nordstern“ von La Crosse
dieselbe zur Durchsicht.
Msgr. Richard ist als Coadjutor des
Kardinal - Erzbischofs von Paris ernannt
worden.
DTuxemburgisehes.
Aus Amerika.
Der kürzlich geweihte hochw. Vater I.
Thein ist zum Pfarrer von Port Clinton,
Ottawa County, Ohio, eingesetzt worden,
unter welcher Addresse man an ihn schreiben
kann.
Aus Overtown, Dorson County, Ne—
braska, berichtet man uns den Tod eines
unserer Landsleute, des Herrn Nickolaus
Knapp. Knapp, der in einem Gasthofe
diente ging am Abend, eines der ersten Tage
des verflossenen Monates Juli zu Pferde,
das Vieh heimzutreiben. Es war schon
spät und ein schweres Gewitter im An—
zuge. Während der Nacht kam das Pferd
mit dem Sattel, aber ohne Mann zurück.
Am nächsten Tage ging man nach Knapp
suchen und fand den Leichnam eine halbe
Meile von der Viehyard an der Union Pa—
eisie Eisenbahn bei der Station Elm Creek.
Was die Ursache des Todes ist, scheint nicht
genau bekannt, die einen behaupten Knapp
sei vom Blitz erschlagen worden, während
andere mit mehr Wahrscheinlichkeit behaup—
ten, daß ein Mord vorliegt. Nicholaus
Knapp ist zu Lintgen im Canton Mersch
geboren, wohnte lang zu Cascade, Dubu—
que County, Jowa, zog dann nach Cali—
fornien, kam wieder zurück und mußte, da
er ohne Geld war, Dienst bei einem Eng—
länder im Gasthof nehmen. Er hinterläßt
eine Wittwe und zwei unmündige Kinder,
die noch in Cascade wohnen.
Wie uns aus Hospers, Siour County,
mitgetheilt wird, hat das Gewitter, das
jene Gegend am 24. Juli heimsuchte, mar
chen unserer Landsleute doch noch so viel
von der Erndte gelassen, daß es sich lohnte,
es abzumachen, was auch bereits zum Theil
geschehen ist. Leider sind aber noch andere
außer den bereits erwähnten geschädigt wor—
den und zwar Dominik Moes und Jakob
Diedrich. Der letztere ist besonders schwer
heimgesucht worden, da ihm nicht so viel
bleibt, daß wan ein Kind damit ernähren
könnte. Sogar die Kartoffeln sind ihm
bis in die Erde hineingeschlagen worden.
Die letzten schweren und anhaltenden Regen
haben der Erndte dort viel Schaden gethan,
ein Theil ist in der Erde gefault, ein ande
rer liegt wie gerollt am Boden.
Unser hochw. Landsmann, P. Theodor
Majerus aus dem Redemptoristenorden,
der am 1. September 1874 sein silbernes
Priesterjubiläum feierte, wurde kürzlich von
seinen Oberen nach Pittsburg versetzt. Wie
das „Katholische Wochenblatt“ meldete, war
P. Majerus in Chicago besonders als
Beichtvater hochgeschätzt und war sehr eifrig
im Krankenbesuche. Mit kurzen Unter—
brechungen wirkte derselbe elf Jahre lang
an der St. Michaelskirche in Chicago.
Großherzogthum.
In dem Berichte der Trierischen Han—
delskammer wird des Gerüchtes erwähnt,
als beabsichtige die preußishe Regierung,
die Sauer für Schiffe von 1000 Centnern
schiffbar zu machen; hervorgerufen soll diese
Absicht dadurch sein, daß die preußischen
Sauer-Ufer - Bewohner nicht die gehörige
Rücksicht bei der Prinz-Heinrich- Bahn fin—
den.
Letzterer Vorwurf dürfte indeß unbegrün—
det sein, und jetzt um so mehr, als wir mit
helfen, den preußischen Nachbarn eine
Brücke bei Wallendorf zu bauen, sagt das
„Lux. Wort“ und fügt dann hinzu:
Will jedoch Preußen die Sauer schiffbar
machen, um so besser; allein Luxemburg
kann dazu nichts beitragen, denn wir haben
Geld genug an die Sauer verwendet, um
nichts und wieder nichts zu haben.
Man schreibt dem „Lux. Wort“ von der
Mosel: Das anhaltende Regenwetter droht
dem Weinberg schädlich zu werden. In
Folge der Nässe und Frische fallen bereits
viele Trauben ab, und bei den übrigen ist
Stillstand im Wachsen. Die schöne Hoff—
nung auf einen ganzen Herbst in Quanti—
tät ist geschwunden; u. in Betreff der Qua—
lität ist noch Nichts zu sagen. Die Feld—
früchte verlangen nach Sonnenschein. Für
Kartoffeln, Lenzfrüchte und zweites Futter
war der Regen wohlthuend. Die Preise
des 7Aer sind wieder im Steigen.
Der am 4. Juli in Echternach abgehal
tene Jahrmarkt war gut besucht, besonders
war viel Rindvieh ausgestellt. —Die dies
jährige, amtlich vorgenommene Viehzäh—
lung hat, wie der „Anzeiger“ meldet, in
der Gemeinde Echternach folgendes Resul—
tat ergeben: 140 Pferde; 712 Stück Rind—
vieh, worunter 596 Kühe; 2 Lämmer; 667
Schweine und 249 Ziegen.
Die Negierung läßt städtische Tabellen
über den Wohlthätigkeitsdienst im Großher
zogthum aufstellen. Es kommen dabei in
Betracht die Wohlthätigkeitsbüreaus, Me—
dizinaldienst durch diese Büreaa's, ferner
Unterstützung durch Stiftungen, Collecten,
Subseriptionen und Subsiden aus Ge—
meindemitteln, Anzahl der Findlinge, der
verlassenen Kinder, der dürftigen Weisen, der
Geisteskranken oder Blödsinnigen, der
Blinden und der Taubstummen.
Die „Indep. belge“ meldet, Hr. Errera
Oppenheim sei zum Commandeur des lux—
emburgischen Ordens der Eichenkrone er—
nannt worden.
Am 19. Juli fuhr der Knecht des Fuhr—
mannes Joseph Wenner aus Hollerich mit
einem einspännigen, mit Steinen beladenen
Teimer den Berlinerweg hinunter. An der
Umbiegung des Weges, gegenüber der Gas—
fabrik, fiel der Teimer wegen der zu kur—
en Umkehr um und das Pferd ward derart
dsdadiat daß es sofert getödtet werden
wußte.
An den Pfeilern der im Bau begrifsenen
Escher Kirche sind Fehler zu Tage getreten,
die eine Expertise untersucht. Das Resul
tat ist uns noch nicht bekannt.
Der „Luxemburger Zeitung“ will es
zum Henkernicht gefallen, wenn das,„Wort“
von der Kirchenverfolgung in Preußen
spricht. Glauben's gerne!
Neber den Diebstahl im Büreau des
Enregistrements zu Diekirch berichtet der
„Volksfreund“: Diebe haben dem Büreau
des hiesigen Enregistrements heute einen
nächilichen Besuch abgestattet und die Ge—
legenheit benutzt, die Casse des Hrn Ein—
nehmers zu revidiren. Die Herren schei
nen denn doch ziemlich Eile gehabt zu haben
und in Betreff ihrer Sicherheit etwas beun—
ruhigt gewesen zu sein. Dem Sprichwort
„Vorsicht ist die Mutter der Weisheit“ ein—
gedenk, glaubten sie sich einer Ueberrasch
ung entziehen zu müssen; sie nahmen den
Tisch mit der Casse auf den Rücken u. stie—
gen mit ihrem Schatze beladen wieder zum
Fenster hinaus, durch das sie ihre Erschei—
nung gemacht hatten. Hundert Meter vom
Büreau, dicht an der Wohnung der Wittwe
Mersch wurde Halt gemacht, der Tisch nie
dergesetzt und erbrochen und das baare Geld
—ungefähr 600 Franken—eingesackt. Der
Inhalt schien ihnen mehr denn genügend
gewesen zu sein, denn sie gaben sich nicht
einmal die Mühe, die Geldstücke aufzuhe—
ben, welche beim Einsacken auf den Boden
gefallen waren. Einige Arbeiter, welche
am Morgen hier vorbelkamen, fanden das
ausgeplünderte Objseet, so wie die Spitzbu—
ben dasselbe gelassen hatten.
Stadtbredimus, 19. Juli. Am Sonn—
tag badeten mehrere Knaben von hier in der
Mosel, unter andern der fünfzehnjährige
N. Kiesffer; er stieg in's Wasser und sank
plötzlich in eine Tlefe von ungefähr zwei
Meter; seine Schwimmkräfte reichten nicht
hin um heraus zu kommen und » mehr
maligem Auf- und Niedertauchen verschwand
er in der Tiefe. Sein Bruder I. P.
Kieffer hörte das Rufen und sah die Gefahr,
warf seinen Kittel ab und sprang ins Was—
ser; für's erste Mal konnte er“ ihn nicht
retien und war selbst in Gefahr zu ertrin—
ken; für's zweite Mal sprang er ins Wasser
und war so glücklich, den Ertrinkenden ans
Ufer zu schleppen.
Die Ständetkammer ist am 19. Juli zu—
sammengetreten. Die Regierung hat der
selben fünf Gesetzvorschläge als dringlich
vorgelegt. 1.) Verbot der Einfuhr von
Waaren aus Rücksicht der öffentlichen Ge—
sundheit, 2.) Bau der Brücke von Wallen—
dors, 3.) Verkauf von Domänen des Fort
Wedell, 4.) Credit sür das Jubiläum der
Statthalterschaft des Prinzen Heinreich und
5.) Credit für den Bau der Straße von
Eich nach Luremburg. Alle diese Vorschläge
sind zum Gesetz geworden und zwar wurde
für den Bau der Brücke zu Wallendorf ein
Credit von 17,000 Franken unter der Be—-
dingung bewilligt, daß bei Grundhof, eine
Station erbaut werde. Preußen gibt zu
der Brücke 34, 000 Franken. Die Dring—
lichteit des Gesetzes zum Bau der Straße
von Eich nach Luxemburg wurde scharf eri—
tisirt und bei getheilter Abstimmung gab
das Votum des Präsidenten den Ausschlag
zur Annahme. Die Kammer vertagte sich
bereits am 21. nachdem mehrere Repräsen—
tanten eine Interpellation in Betreff der
Clerfer Sparkasse an die Regierung gerich
tet.
Als am 15. Juli Morgen's der Eisen—
bahnbeamte B. aus Stadtgrund mit dem
Rangiren rines Güterzuges in dem Cen—
tralbahnhofe beschäftigt war und die Wag—
gons anhacken sollte, erhielt er durch vorei—
liges Anstoßen der Waggons einen Stoß
auf die Brust, wodurch er niederfiel und ein
Rad ihm den rechten Arm derart zerschmet—
terte, daß eine Amputation desselben erfol—
mußte. Der Betreffende ist verheirathet
und Vater zweier Kinder.
Im Einregistrirungsamte zu Diekierch
wurde in der Nacht vom 16. auf den 17.
Juli ein Geld - Diebstahl unter Einbruch
verübt.
Am 24. Juli fiel der Taglöhner J.
Winandy von Niedercorn, der 18 Jahre alt
ist, im Augenblicke als er auf einen gelade—
nen Eisenbahnwagen steigen wollte von
demselben herunter und eines der Räder
zerschmetterte ihm das Bein oberhalb des
Knies. Das Glied mußte abgenommen
werden.
Zu La Madelaine starb am 21. Juli der
Maurer I. H. Despy, Belgier von Ge—
burt, in Folge der Verwundungen, die er
kurz vorher beim Fall von einem Gerüste
am Schmelzofen von Rodingen erlitten.
Am 20. Juli hatten drei italienische
Arbeiter einen Streit zu Hobscheid. Zwei
davon schworen den dritten umzubringen.
Zwischen 9 und 10 Uhr Abends stellten sich
die beiden, mit langen an kupfernen Ketten
befestigten Messern bewaffnet in einem Hin—
terhalte, wo der dritte vorbeikommen mußte,
auf, wenn er von seiner Arbeit am Tunnel
nach Hause käme. In Zeiten wurde er ge—
warnt und er nahm sich vier Mann Beglei—
tung. Als ihn die beiden ankommen sahen,
wollten sie sich auf ihn stürzen, nahmen aber
beim Anblick eines auf sie gerichteten Revol—
vers Reißaus.
Im selben Orte machten ausländische
Eisenbahnarbeiter in der Nacht vom 21.
auf den 22. Juli einen Höllenscandal,
schrieen und heulten die schmachvollsten
Lieder und schossen von Zeit zu Zeit mit
Revolvern und Pistolen. Am Morgen des
22. gegen 9 Uhr kam ein Deutscher
(Schlesier) in die Wohnung des Hufschmie—
des Tholl; da er betrunken war, zeigte ihm
die Frau die Thüre. Wüthend fiel er über
sie her, warf sie auf den Feuerheerd, wo ein
Topf kochenden Wassers der Unglücklichen
über die Füße ausgegossen wurde und die
außerdem schwere Verletzungen der Wirbel—
säule erlitt. Gegen Mittag machten die
Gendarmen den Schlesier, der sich wie ein
wildes Thier betrug, dingfest. Er schlug
und stieß ehe man seiner habhaft werden
konnte. Noch als er die Hände gebunden
hatte, biß er um sich und weigerte sich
zu marschiren. Man ward genöthigt ihn
auch an den Füßen zu fesseln, einen Wagen
zu miethen und ihn darauf ins Gefängniß
abzuführen. Die Geduld, Ruhe und En—
ergie der Gendarmen bei der Gelegenheit
war bewundernswerth.
An dem großartigen Musikfeste, das
am 25. Juli zu Namür in Belgien statt—
fand, nahmen folgende Luxemburger Ge—
sellschaften Theil:
Gesangvereine.
I.)Harmonie, Director Hr. Zinnen.
Die Gesellschaft trug vor: „Les Gaulois“.
2.) Sociötẽ ehorale von Dommeldingen,
Director Hr. Beringer, trug vor: „An die
Freude“ von Greger; „La Bt. Hubert“
von de Rillẽ.
3.) Gesellschaft Mansfeld aus
Clausen, Director Hr. Hartmann. Sie
führt aus: „Homage à lAlsace-Lorraine“
von Bleger und „Mes Zouvenirs“ von
Decker.
4.) Luxemburger Pompiers,
Direktor Herr Zinnen. Sie trugen vor:
„Fantaisie sur Nicolay“ von Bender und
„Fantaisie sur des motiss italiens“ von
Zinnen.
Um eine Idee von der Großartigkeit des
Festes zu geben, bemerken wir nur, daß im
Ganzen 233 Vereine Theil nahmen, wovon
108 dem Gesang und 125 der Musik huldi—
gen. Die Aufführung geschah an 16 ver—
schiedenen Stellen der Stadt. 2
Die Grien vrrein waren in 5 Sectio—-
nen mit besondern Lokalen eingetheilt; in
jeder Sektion figuriren je 21 oder 22 Ver—
eine.
Die 125 Musikgesellschaften spielen zu je
12, 13 und 11 in je 11 verschiedenen Lo—
kalen.
Ob Luxemburger Gesellschaften Preise
davon getragen haben, wissen wir noch
nicht. Es würde uns höchlich wundern,
wenn nicht die eine oder die andere Gesell—
schaft als Sieger heim käme. ;
Am 13. Juli Nachmittags, um 4 Uhr,
ist J. B. Courant von Hobscheid, der am
4. Juli auf der Kreuzerbuch von einem
Franzosen auf's Gräßlichste mit einem
Dolche verwundet worden war, gestorben;
am 14, Juli, um halb fünf Uhr, eben als
die Beerdigung stattsinden sollte, traf aber
mals das Gericht mit drei Aerzten ein,
welche eine gründliche, dreistündige Leichen
schau vornahmen. Der Mörder, welcher
über die belgische Grenze geflüchtet war,
hatte die Frechheit, am Sonntag zur Nacht
auf die Kermes zu kommen, hoffend, unter
den vielen Fremden nicht erkannt zu wer—-
den. Doch er entging nicht dem spähenden
Auge der wackern Gendarmen, wurde ar
retirt und der Gerechtigkeit überliefert.
Aus dem Oberösling berichtet man un
ter dem 14. Juli an das „Lux. Wort“:
Das Regenwetter, welches sich in den letz—
ten Wochen eingestellt hat, hat ungemein
günstig auf den Stand unserer Wiesen,
Klee- und Getreidefelder gewirkt. Die
Aussichten, die in Bezug auf eine ergiebige
Ernte noch vor Kurzem sehr trübe waren,
verschwinden allmälig und wird die Ernte;
obgleich sie der vorjährigen nachstehen wird,
doch mehr als einen guten Mittelertrag lie
fern. Der Graswuchs in den Wiesen und—
auf den sogenannten Heufeldern, der rn
unlängst Vieles zu wünschen übrig ließ, i
ein befriedigender. Die Roggenernte wird
vielem Anschein nach eine segensreiche wer
den.. Wohl steht der Roggen auf mehreren
Roggenfeldern spärlich; die Aehren sind je—
doch durchschnittlich reich an kräftigen und
gesunden Körnern. Der Stand der Haber
felder läßt viel zu wünschen übrig. Die
Haberfelder haben durch die Trockenheit
und die frostigen Nächte in den Monaten
Mai und Juni empfindlich gelitten. Der
Stand der Kartoffelfelder ist bis jetzt ein
ausgezeichneter. Für das Gedeihen der
Kartoffeln thut jedoch eine wärmere und
mildere Temperatur Noth.
Die Lebensmittelpreise sind gegenwärtig
im Oberösling folgende: Preis der R
15 Franken per Hektoliter; Preis peeggen
bers 94 Franken per Hektoliter; Preis der
Kartoffeln 5 Franken pro 500 Pfund.
Auf den 27. Juli war eine Wahl aus
geschrieben, um an Stelle des zum Distriets
Commissärs ernannten Herrn Bürgermei—-
ster Schorn von Grevenmacher einen neuen
Kammerrepräsentanten für den Canton zu
wählen. Das Resultat ist uns noch nicht
bekannt.
Herr Peter Demuyser, Oberfoörster 2.
Cl., ist zum Oberförster 1. Cl. ernannt
worden.
Der Postperceptor in Hosingen, Herr
Arens, ist in Ersetzung des verstorbenen
Herrn Oberlinkels zum Schöffen der Ge
meinde Hosingen ernannt worden.
Laut dem „Memorial“ stellen sich die
Einnahmen auf den in Betrieb befindlichen
100 Kilometer der Prinz-Heinrich Bahnen
für den Monat Juni auf 135,237 Frs. 03
Cts. und zwar entfallen hiervon auf den
Verkehr der Reisenden 10,429 Frs, 20
Cts., der Waarentransport 118, 869 Frs.
37 Cts., an verschiedene Einnahmen 5, 938
Frs.46 Cts. Die vom 1. Januar bis zum
30. Juni ds. Jahres erzielte Gesammtein
nahme beträgt 748,401 Frs. 22 Cts., was
einer kilometrischen Einnahme von 15,089
Frs. 10 Cts. gleichkömmt. Das ist eine
recht gute Einnahme für eine kaum vollen—
dete Bahn zweiter Classe.
Grevenmacher, 15. Juli. Die gestern
Nachmittag hier eingetroffene Nachricht, daß
unser Herr Bürgermeister und Deputirte,
Hr. Schoren, zum Distrikts: Commissär er
nannt sei, wurde mit der ungetheiltesten
Freude aufgenommen. So ungern man
ihn als Leiter unserer Gemeinde-Angele—
genheiten verliert, so freut man sich allge
mein, daß die Interessen des Districtes und
speciell auch unserer Stadt seiner Einsicht
anvertraut sind.
Belsgisch-Luxemburg.
Am 23. Juli fand man bei der Mühle
zu Breuvagne bei Tintigny den Leichnam
der Frau Henuzet von Hombois. Die Un—
glückliche hatte in Folge des Todes einer
ihrer Töchter den Verstand verloren, lief
am 22. Juli heimlich von Hause, wo man
sie hütete, fort und erst nach langem Suchen
fand man ihren Körper unter dem Rade
der Mühle zu Breuvagne.
Am Mittwoch den 20. Juli starb
Laneuville—aux—Bois im Canton
der Pfarrer, Abbe Andre Dumont. Der
Verstorbene war 65 Jahre alt. Er war
ein guter würdiger Priester, dessen Anden—
ken lange in der Pfarrei lebendig bleiben
wird.
Über Palliseul entlud sich am 18. Juli
ein furchtbares Gewitter. Von elf Uhr des
Morgens bis halb zwei Uhr des Nachmit
tags war der Ort wie in eine feurige Wollke
gehüllt; die Blitze folgten einander mit un
erhörter Schnelligkeit und das Rollen des—
Donners war schrecklich. An verschiedenen
Orten, unter andern in die Mühle, schlug
der Blitz, ohne jedoch zu zünden, ein. Es
siel eine solche Masse Regen, daß in weni—
gen Augenblicken, das ganze Dorf unter
Wasser stand. Unglück ist keines zu bella—
gen; auch der Schaden auf dem Felde war
micht groß.
In jüngster Zeit sind bei dem
lebhaft betriebenen Bau der Moselbahn am
Ufer des Flusses interessante Funde gemacht
worden. So förderte man bei den Vor—
bereitungen zum Brückenbau über die Mo—
sel oberhalb Pfalzel aus der Kiesschichte
einen Schädel zu Tage, den man Anfangs
für den eines Tapirs hielt, jetzt aber sür den
Schädel eines Kameels erklärt. Wieder
zweifelhaft ist die Herkunft mehrerer sossi—
ler Stoßzähne, welche bei dem Durchstiche
der Berglehne nächst dem Dorfe Wellen,
Kreis Saarburg, in einer bedeutenden Tiese
gefunden wurden. Es sind, wie angegeben
wird, bis jetzt vier solcher Zahne zu
Tage gefoördert, einer ganz erhalten, neun
Fuß lang, von entsprechender Dicke; die
anderen zerbröckelten, sobald sie der Lust
ausgesetzi wurden. Sie gehören offenbar
vorsündfluthlichen Dickhäutern, dem Mam—
muth oder einem Elephas primigenius au.
Nicht minder interẽssant für unsere Alter
thumsforscher ist die Entdeckung s “
ter Substruktion einer römischen Villa bei
dem genannten Dorfe Wellen. Der Bau
von Wellen aufwärts wird sicher noch man
ches römische Alterthum zu Tage fördern:
so voraussichtlich bei dem Dorfe Palzeu.
dessen Name früher Palzele lautete und der
osfenbar nichts anderes als das abgeschlissne
römische Palatiolum ist. ;

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