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Luxemburger Gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, June 05, 1877, Image 2

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Neuilketon.
Almosen ohne Geld.
Erzahlung
—von —
Alaria Delta.
Nach dem Franzosischen frei übersrtzt.
(Sortsr-vng.)
.Doch einmal zugegeben, dast du sofort
Arbeit finvest, was übrigens sehr zweifel
haft ist, so wird doch immerhin einige Zeit
dahinzehen, devor du Geld in die Hand
bekommst und wovon sollen wir bis dahin
die Miethe bezahlen und unsere sonstigen
Schulden decken?"
.Ich dachte dast du, nachdem du schon
so viele Opfer fur uns gebracht hast, da
mit einverstanden warest, wenn "
.Aber ich besitze ja nichts, rein nichts
mehr!" unterbrach sie Frau von Surville,
.all' mein Schmuck ist ja verkauft."
.DaS ist wahr," sagte Marie, ..allein
du hast noch deine Spitzen, deinen Schlei
er von englischen Spitzen."
.Niemals!" rief Frau von Surville;
..sprich mir nie mehr davon. Meinrn
HochzeitSschleier zu verkaufen, den mir dein
Bater geschenkt, die letzte Erinnerung an
meine glucklichen Tage! Mich davon tren
nen, ware ein Berbrechen!"
„Ach Mutter. ich suhle es wohl, es ist
sehr schmerzlich ! allein es steht zu befurch
ten, dast du ihn doch in keinem Falle wirst
bewahren kSnnen, denn wenn wir nicht
zahlen, wird er mit dem Reste unsrrer Sa
chen gepfandet werden."
Frau von Surville erwiederte Nichts.
In heftiger Aufregung warf sie sich in ih
rem Srssrl hin und her.. hatte sie doch
geglaubt in dem Bertuste ihres Schmuckis
ein wahrhaft heldenmuthiges Opfer zu
bringen und jetzt verlangte man auch noch
das Opfer ihrer Spitzen. Das war zu
hart! Wie wir indesien schon fruher gesagt
haben, war sie von sanftem und nachgiebi
gem Charakter und so sagte sie noch vor
dem Schlafengehen zu ihrer Tochter:
„W»-nn's denn einmal sein must, mein
Kind, so nimm den Schleier, aber last mich
ihn nicht mehr sehen, es konnte mir sonst
viellercht dies Opfer leid werden."
Marie umarmte ihre Mutter mit Jnnig
keit ohne ein Wort hervorbringen zu kon
nen.
Das Opfcr.
Wahrend der Nacht schlug der Wind
plotzlich um. Ein sanfter Regen verwisch
te jede Spur von Schnee. Die Sonne
gmg hell strahlrnd auf und Alles lietz ei
nen schSnen Tag erwarten. Es war ein
solcher Gegensatz zu dem Wetter des vor
hergehenden Tages, dast Marie darin gern
ein gunstiges Anzeichen fur den Erfolg ih
reS Borhabens erblickte. Sie legte den
Schleier ihrer Mutter in ein niedliches
KSrbchen, daS sie aus dem allgemeinen
Schiffbruche so vieler theurer Angedenken
gerettet hatte; dann suchte sie aus ihren
Arbeiten ein Rosenbouquet und einen Ge
raniumzweig als die desten Proben ihrer
Kunstfertigkeit aus ; nachdem sie ihre Mut
ter grkustt hatte, nahm sie ihre beiden Bru
derchen an der Hand und machte sich auf
den Weg.
Dirser fuhrte sie an der St. Rochuskir
che vorbei. Unsere fromme Marie konnte
eS nun einmal nicht über sich bringen, an
einer Kirche voruderzugehen, ohne einzu
treten. Eine Kirche war ihr, waS dem
Pllger in der Wuste der Schatren des Palm
baums oder das Murmeln einer sprudeln
den Quelle ist, ein Ort der Ruhe und La
bung. An jenem Tage siihlte sie sich na
mentlich mit unwiederstehlicher Gewolt da
hin gezogen. Ein neues Leben lag jetzt
vor ihr: das Leben der Unbekannten.
Dies Leben war fur die demuthige Marie,
welchen Reiz rs sonst immerhin haben
mag, eine Veranlassung zu mancherlei Un
ruhe und Kummer. Und wenn dazu nur
einem Wege zu folgen gewesen ware!
aber unfehlbar Sstneten sich deren mehrere.
Welcher war nun der Gott angenehme?
Ihre ganze Ernst ihrer Laze; indem sie
sich vor dem Altare auf die Kniee warf.
fiehte sie: .Mein Gott! wenn du mich
durch einen Weg des Kreuzei und der
Schmerzen suhren willst, so unterwerfe ich
mich willig deinem Rathschluste, überzeugt,
dast du mir die Last tragen helsen wirst.
wenn sie meine Krafte tibersteigkn sollle.
Sollte ich mich aber auf einen Pfad ver
irren, auf dem ich gleichgiiltig gegen dich
werden oder meine Pflichten vergessen
konnte. nein, mein Gott, nimmermehr konn
te «r der meine bleiben, lieber wollte ich
sterden." Dabei vergost sie reichliche Thra
nen, so dast ihre beiden kleinen Bruder sich
verwundert ansahen, als ob sie sagen woll
ten : was Hat doch Minettchen; haben wir
es belrubt? aber es Hat unS doch noch
eben gesagt, wir seien artig und bekamen
Kuchen! wrshalb weint es doch so ? u.
beinahe hatten sie auch zu weinen ange
fangen.
Nachdem Marie die Kirche verlasten
hatte, durchwanderte sie langsam die Stra
ste St. Honore. Bor jedem Blumenladen
blieb sie stehen und unterwarf die innere
Einrichtung deSselben einer sorgfaltigen
Prufung. um zu sehen, ob sie sich wohl
prSsentiren drirfe. Aber in dem einen er
schreckte sie der LuxuS; diese Tische von
Nosenholz. diese Spiegel mit den breiten
Koldrahmen, die Sammtteppiche, die prach
tigen Thlirvorhrtnge, alleS daS war zu
glanzend, aIS dast man die arme Marie
dort aufgenommen hatte. In dem andern
dagegen setzte sie das Personat in Furcht
.Wie traurig," sagte sie sich, »wird dein
schwarzes Kleidchen sich unter all' biefen
Putz aulnehmen."
Zweimal war sie schon die Straste aul
und ab gegangen, ohne zum Ziel zu kom
«en. Schon begann sie muthlo- zu wer
de», als sie sich entschlost zum dritten Mal«
vor einem Laden stehen zu bleiben. der ein
weniger glanzendes Aeustere hatte und des
hald mit ibren bescheidenen Anspruchen
mehr in Einklang stand.
Ein kleiner Schornsteinfeger mit schwar
zem Gesicht und weisten Zahncn kauerte
auf dem Trottoir mit dem Riicken gegen
das Haus gelehnt. Seine lebendigen schar
fen Augen schauten bald nach der Thure
bald nach den Fenstern, als ob er Jemand
erwarte. In der That wurde auch bald
die Ladenthure gcSstnet und ein kleine» et
was corpulentes nicht mehr junges Frau
enzimmer trat heraus; aus ihrem ostenen
Gesichte, mit den frischen rothen Backen u.
den ichonen blaucn Augen strahlte eine au
sterordentlich wohlwollende Gesinnung.
Sie reichte dem Knaben ein grostes Butter
brod mit den Worten : „nun, mein kleiner
Mann, was macht dein Fust, hast du noch
Leinwand und was sonst zum Berbinden
nSthig ist?" Der Kleine nickte bejahend.
worauf sie hinzufugte: «Morgen kannst
du bir wieder dein Fruhstuck holen, wenn
du Lust hast." Der Savoyarde hinkte
weg, indem er vergnugt ein heimathliches
Liedchen trallerte.
Marie suhlte, dast sie hier nicht langer
zdgern durse. In dieser gutmuthigen Per
son, die Niemand anders als Frau M a l
le t, die Herrin des Geschaftes selbst war.
hatte sie gefunden, was sie suchte. Ohne
daher der letzteren Zeit zu lasten, die Thure
zu schliesten, trat sie mit ihren kleinen Be
gleitern ein.
„Was steht zu Diensten mein Fraulein!"
fragte Frau Mallet freundlich. Es lag
weder in der Frage selbst, noch in der Art
wie sie gestellt wurde, etwas. was Marie
hatte einschuchtern konnen. Aber ihre Lage
war so neu, dast sie deren Schwierigkeiten
übertrieb. Es kam ihr vor, als ob die
Augen aller in dem Laden beschaftigten
jungen Madchen auf sie gerichtet seien.
Kurz, statt der Antwort stotterte sie einige
Worte,, wurde blastuad mustte sich auf ei
nen Stuhl fallen lassen.
Die freundliche Herrin des Ladens lSste
fchncll das Band am Hute Mariens, die
übrigens gleich ihre Ruhe wiedergewann
und Frau Mallet fragte, ob sie dieselbe
einige Augenblicke allein sprechen kSnne.
Mit der grStzten Bereitwilligkeit lud
diese sie ein, mit ihr in den Hinter-Laden
zu gehen und nahm selbst den kleinen Louis
an der Hand.
.Ich bin gekommen, Madame, um mich
zu erkundigen ob Sie mir nicht viel
leicht Arbert verschasten konnten," sagte
Marie mit zitternder Stimme.
.Jhnen, mein Fraulein?"
.Jawohl, mir. Wir hatten das Ungluck,
den Bater zu verlieren," antwortete Marie
mit Thrkiuen in den Augen. „Er lietz
meine Mutter ohne jegliches BermSgen.
DaS wenige Geld, das wir noch besasten,
ist verausgabt und wir sind vom grStzten
Elende bedroht, wenn uns nicht Jemand
zu Hulfe kommt und uns zu arbeiten gibt."
„Ach mein Fraulein, Sie sehen, in mei
nem Geschafte verwerlhe ich ausschlietzlich
kiinstliche Blumen ; und ich kann Niemand
beschaftigen, der nicht mit der Ansertigung
derselben vertraut ist."
.Gerade deshalb habe ich mich an Sie
gcwandt, Madame; ich bin allerdings
nicht sehr geubt in Ihrem GeschSfte."
Hiermit nahm Marie daS Rosenbouquet
aus dem KSrbchen. Arme Marie; nie
mals hatten ihre Blumen ihr so werthlos
geschienen. Sie bemerkte desbalb auch
gleich: .Ohne Zweifel werden Sie diesel
ben recht hastlich finden: indesten hoste ich
doch bei guten Mufiern mich zu vervoll
kommnen."
.Sie sind zu bescheiden, mein Fraulein,"
sagte Frau Mallett. .Das ist ein ganz
hubscher Anfang, ein sehr guter Anfang,
ich versichere Sie."
Frau Mallet nahm das Bouquet in ihre
Hand und unterwarf rs mit wohlwollender
Miene einer grnauen Prufung. Durch
das Lob ermuthigt, zeigte Marie auch noch
ihren Geraniumzweig, den Frau Mallet
fur noch bester, als das Bonquet erklarte.
.Ach, beste Frau," sagte Marie mit
Thranen in den Augen, .wie dankbar wur
de ich Jhnen sein, wenn Sie mir Arbeit
geben kSnnten!"
Die gute Frau Mallet schwieg einen
Augenblick. Offendar dachte sie daruber
nach, wie sie der unglucklichen Familie
nutzlich werden kSnne. Endlich began sie:
.Dann ist noch ein anderer Umstand nicht
guS den Augen zu lasien, an den Sie viel
leicht noch gar nicht gedacht haben. Wir
geben namlich keine Arbeit aus dem Hau
sc. Tie jungen Mavchen, welche unsere
Blumen verfertigen, musten alle auch im
Laden aushelfen; und das wurde Jhnen
wohl nicht recht conveniren?"
Eine plStzliche RSthe überzog das Gesicht
Mariens, allein sie wurde bald ihrer sehr
erklarlichen Bewegung Herr und erwiederte
mit ihrer gewShnlichen Sanftmuth:
„Ach, verehrte Frau, wir siud nicht in
der Lage viele Umstande zu machen, ich
mustte mich "
Frau Mallet unterbrach sie: .Wollen
Sie mir nicht gefalligst Ihre Adresse ge
ben?"
.Fraulein Marie", erwiederte unsere
Freundin mit unsicherer Stimme, „No.
320, in dieser Strahe, im sechsten Stock."
Das Gestcht der Ladenbesitzerin verdu
sterte sich. Es gibt auch so viele ..Frctulein
Marie" in Paris, und so viele von gar zu
geringrm Werthe.
.Niemand kennt uns," setzte Marie mit
Festigkeit hinzu, obschon sie wohl einsah.
dast die« nicht die Antwort war, die Frau
Mallet erwartete.
.Auch selbst der Herr Pfarrer von St.
Rochu» nicht?" fuhr Frau Mallet mit un
ruhigem Blicke fort.
JD doch!" rief Marie ganz erfreut, ei
nen solchen Zeugen fur sich anrufen zu
kSnnen, .der kennt uns sehr gut."
Mit iherr fruheren wohlwollenden Mie
ne sagte nun Frau Mallet: .Kommen Sie
morgen wieder zu mir. mein Fraulein. ES
ist «Sglich. dast ich ihnen dann etwas Na
here» mittheilen kann. Auf alle Fltlle
seien Sie llbetzeugt, dast ich Alles, was in
Lnxembneger Gazette»
mcinen Kraften stcht, thun werde, um Jh
nen nutzlich zu sein."
Wahrend dieser Worte schickte sie sich an,
die Blumen in das Korbchen Marien's zu
ruckzulegen, als sie den Schleier der Frau
von Surville bemerkte.
„Sie schcinen da etwas recht SchSnes
zu haben, mein Fraulein!"
„Es ist der Hochzeitsschleier meiner Mut
ter," erwiederte Marie, indem sie ihn aus
breitete. .Sie kennen wohl Niemanden.
der Lust hatte, sich etwas Derartiges an
zuschasien?"
.Spater wollen wir uns auch einmal
dieserhalb umsehen", sagte Frau Mallet,
indem sie das KSrbchen Marien reichte.
Wahrend dirser Zeit hatte Louis mit der
Jndiscretion seines Alters iiberall umher
gestSbert und unglucklicherweis eine Schach
tel voll Sustigkeiten entdeckt. Wir wollen
indessen gle:ch hinzufugen, dast er keinen
Angrisi auf dieselbe gewagt hatte.
„Louis, Louis, wie bist du so unartig?"
rief Marie so besturzt, al? wenn der Kleine
Hand an einen Sack voll Napoleond'ors
gelegt. „Bitte, entschuldigen Sie ihn
doch, Frau Mallet."
„Wie so, mein Fraulein," erwiederte la
chend die letztere, „sind die Bonbons denn
nicht fur die Kinder?" Damit nahm sie
die Schachtel aus den Handen des Mad
chens, zog den Kleinen zu sich und legte
ihm einige Chokoladenplatzchen in die weit
geSsinete Hand. „Der Lltere Bruder,"
fuhr sie dann fort. „scheint mir auch noch
nicht in so ernstem Alter zu sein, dast er
Sustigkeite» ganz verschmahte ?"
Leo nahm aus der Schachtel, die sie ihm
freundlich hinhielt, sehr zart mit Daumen
und Zeigefinger ein einziges Platzchen.
Nicht ganz so delirat verfuhr Louis, als
auch ihm die Schachtel vorgehalten wurde.
Sehr resolut fuhr er mit der ganzen Hand
hinein und brachte so viel heraus, als er
cben fassen konnte.
„Ach das schreckliche Kind!" rief Marie.
„Lassen Sie lhn doch nur, lasicn Sie
ihn, mein Fraulein," sagte Frau Mallet
herzlich lachend, „sehen Sie denn nicht.
dah das nur Vorsorgc fur die Zukunft ist?
Indessen", fugte sie hinzu, „darf die Be
scheidrnheit Leo's doch nicht ohne Belohnung
bleiben", und fullte eine Papierdute mit
den Bonbons, die sie alsdann Leo reichte.
„Nicht wahr, Minettchen, das ist alles
fur den kleinen Louis?" fiammelte dieser
im Fortgehen.
7.
Entschiedenhcit.
Wir begleiteten Frau Mallet nicht bei
dem Besuche, den sie ihrem Pfarrer machte.
Wir wissen ja bereits, woran sie sind.
Ohne den Namen der Familie von Surville
zu nennen, wuhte er ihr dieselbe in einem
so glinstigen Lichte darzustellen, dast Marie,
als sie sich wieder bei Frau Mallet einfand,
von ihr mit ganz besonderer Artigkeit em
pfangen ward.
„Mein Fraulern", sagte sie, „ich habe
jetzt einc Beschastigung gefunden; sie ist
lohnend und nicht mit besonderer Anstren
gung verbunden, aber..." Frau Mallet
stockte.
.Sprechen Sie nur, ich bitte Sie."
.Ich furchte, sie konnte Jhnen nicht an
stehn, weil es eine Beschastigung im Laden
selbst ist; leider kann ich Jhnen aber im
Augenblicke keine audere verschasien."
In dem ausdrucksvollen Gesichte Mari
ens konnte Frau Mallet lesen, dast dies
allerdings nicht ganz nach ihrem Wunsche
war.
„Mit welchen Pflich en ist diese Stelle
verbunden?" fragte Marie mit moglichster
Ruhe.
„Es ist eigentlich so, so eine Art von
Aufsichtsposten," erwiederte Frau Mallet.
..Die Person, welche ihm vorsteht, braucht
im Laden nur dann auSzuhelfen, wenn sich
Jemand einfindet, wahrend unsere Arbei
terinnen am Esien sind; aber dies kommt
austerst selten vor, da wir die allgemein
üblichen Stunden ebenfalls innehalten."
„Wenn eS nur von mir allein abhinge,
ware ich sehr geneigt, Ihren Borschlag an
zunehmen," gab Marie zur Antwort, „al
lein ich zweifle... ob meine Mutter damit
einverstanden sein wird."
.Ich begreife es vollkommen, welche Ue
berwindung es Ihre Mutter wie auch Sie
kosten wird, mein Frckulein, indesien glaube
ich doch, dah ihre Stellung weniger pein
lich sein wird, als Sie sich dieselbe vorstel
len. Es geht bei mir Alles in der anstan
digsten Weise zn, und wenn Ihre Frau
Mutter sich die Muhe geben wollte, sich
nach mir und meiner Familie zu erkundi
gen," fugte Frau Mallet mit einem gewis
sen Selbstbewutztsein hinzu, „so wurde sie
erfahren, dast wir, wenn auch Geschafts
leute, doch von sehr gutem Herkommen
sind."
„Ach, wer konnte auch daran zweifeln;"
sagte Marie.
In der That gab sich in Allem, was
Frau Mallet sagte, so viel Takt und Zart
gesuhl kund, wie man es selten bei Leuten
ihres Standes findet.
Die Qpposition, welche Marie von Sei
ten ihrer Mutter befurchtet hatte. war in
desien weniger hartnctckiz. als sie gedacht
hatte. Nachdem Frau von Surville zuerst
den Himmel zum Zeugen angerufen hatte,
dast sie ihre Tochter lieber todt, als in einer
solchen Erniedrigung sehen wolle. gab sie,
wie dieS bei ihrem uns dekannten Eharac
ter erklarlich, schliestlich doch ihre Znstim
mung.
Zwei Tage spater trat Marie ihre Stel
le bei Frau Mallet an. Nach der getrof
fenen Bcrabredung mutzte sie den ganzen
Tag im Geschafte bleiben; die Nacht
brachte sie bei den Jhrigen zu.
Ei» junger Mann, wie es viele
gede» mutzte.
Der Eintritt Marien's in das Geschafl
der Frau Mallet verursachte in dem ohne
hin schon so kleinen Kreise der unglucklichen
Familie eine groste Lucke.
Frau von Surville schien es rollftiindig
vergesien zu haben, dast ihre Tochter sich
einzig aus Liebe fur sie und ihre kleinen
Bruder zu dem immerhin sehr peinlichen
Opfer entschlosten hatte; mit jener Selbst
sucht, die verwShnteu Menschen besonders
eigen ist, dachte sie nur an die Storungen,
die ihrer pcrsonlichen Bcquemlichkeit daraus
erwuchsen. Vergcbens gab sich Leo alle
erdenkliche Muhe. damit seine Mutter so
wenig als mSglich durch die Adwesenheit
seiner Schwester leide; allein der gute
Wille des Knaben konnte sie nicht die
freundliche Sorgfalt und die nie ruhende
Aufmerksamkcit, womit Marie ihren ge
heimsten Wunschenentgegenzvkommen such
te. vergessen lassen. So gab sie sich denn
nach ihrem ganzen Wesen anfanglich ben
heftigsten Ausbruchen des Schmerzes hin;
als rs indessen nach und nach dem beharr
lichen Fleiste Manens gelang, ihr verschie
dene kleinere Genusse, die sie seit ihrem
Unglucke hatte entbehren miissen, wreder zu
verschafsen, wurde sie ruhiger und sbhnte
sich beinahe vollstandig mit den neuen
Verhaltnissen aus.
Ganz anders war's bei denen, die Ma
rie ihre lieben Wildfange nannte. Leo,
desien Charakter viele Aehnlichkeit mit dem
seiner Schwester hatte, war schon verstan
dig genug, um einzusehen, dast er seinen
Schmerz bezahmen musse, um den seines
jungeren Bruders nicht zu vermehren.
Aber der kleine Louis war untrSstlich. Je
den Morgen, wenn seine Schwester weg
gegangen war, sah er wie sestgebannt an
der Thure und war weder durch freundli
che noch durch drohende Worte davon zu
entfernen. Vergebens bot Leo alles auf,
ihn zu zerstreuen; vergebens gab er ihm
alle seine Spielsachen oder erzahlte ihm die
schbnsten Geschichten, die er wuhte. Hatte
es auch einmal den Anschein, als ob der
Kleine wieder von Herzen vergnugt sei. so
warf er plotzlich Brummkreisel und Bilder
zu Boden, fiel seiner Mutter um den Hals
und rief unter den bitterlichsten Thranen
nach seinem lieben Minettchen. Wahrend
einiger Tage weigerte er sich sogar, Nah
rung zu sich zu nehmen, bis der Abend sci
ne Schwester heimgefuhrt hatte. Mit
welch' lautem Jubel empsing er sie aber
dann! Wie herzte und druckte er sie, uno
wieviel schone Versprechnngen gab er,
kunftig verstandiger zu sein, Versprechen,
die indessen nicht fruher, als am nachstcn
Morgen vergessen wurden. Wenn dieser
Zustand der Aufregung langere Zeit an
gehalten hatte, so ware der gute Kleine un
fehlbar krank geworden. Aber so jung
wie er war, lernte er es auch, dast man sich
in die unbeugsame Nothwendigkeit fugen
must.
Nach und nach gewohnten sich Alle an
die neue Nur einmal wurde die
Eintonigkeit einer so traurigen Existenz auf
einen Augenblick unterbrochen.
Es war kurz nach dem Weggang Mari
ens. Frau von Surville hatte sich nach
ihrer Gewohnheit in einen Roman vertieft;
Leo wa.- mit den Aufgaben beschaftigt, die
ihm seine Schwester vor dem Weggehen
aufgegeben hatte, wahrend Louis mit einer
kleinen Katze zankte, mit der er auf der
der Treppe Freundschaft geschlosten hatte.
Plotzlich wurde die Schelle gezogen: aber
sie klang so leise! das konnte unmSglich
Frau Goguet sein, denn sie kundigte sich
immer mit einem ganz erschrecklichen Lcirm
an. Auch unser Freund Miton konnte es
nicht sein, da er schon langst das Brod ge
bracht hatte. Frau von Surville begann
schon zu glauben, dast Jemand irrthumlich
geschellt habe, als bie Schellr sich zum
zweitenmale, diesmal aber etwas starker,
HSren lietz.
„Sieh' doch einmal nach. Leo, was das
ist," sagte seine Mutter.
Leo gehorchte und kam mit einem jungen
Manne zuruck, desien feincs Aeustere auf
den ersten Blick verrieth, dast er den HSHe
ren Standen angehSre.
Kaum war Frau von Suruille, die
nichts mehr furchtrte, als dast Jemand aus
der vornebmen Welt in ihre traurige Lage
eingeweiht werde, des Jremden ansichtig
geworden, als sie ihm sofort entgegen ging,
um zu verhindern, dast er tiefer in i')re
Wohnung eintrete. Der junge Mann
grustte sie in der vollendetsten Farm.
.Darf ich wissen, mein Herr, was mir
die Ehre Ihres Besuches verschasit Hat?"
fragte Frau von Surville mit eisiger Kal
te.
Der Fremde antwortete: .Ich bin mit
einem Auftrage fur eine der ehrenwerthesten
Familien befastt, die, wie man mir gesagt
Hat, eine Wohnung in dieiem Hause im
sechsten Stock, linker Hand, inne Hat und
„Das ist allerdings hier," untrrbrach
ihn Frau von Surville. indem sie mehr
und mehr gegen die Thure zu vorging und
den Besucher dadurch wider Willen no
thigte, zuruckzugehen. „Das ist hier. Wol
len Sie mir nun gefalligst den Gegenstand
Ihres Auftrages mittheilen?"
~Es handelt sich darum, einer ausis
grausamstr vom Ungluck heimgesuchten
Familie zu Hiitfe zu kommen, und man
wlinschte "
Frau von Surville hatte sich formlich
zwingen musfen, um den Fremben sowrit
anzuhSren, jetzt aber unterbrach sie ihn
von Nruem mit den Worten : „Sie haben
sich vermuthlich in der Thure geirrt, mein
Herr, fragen Sit gefalligst bei den Leuten
nach, die hierneden wohnen." Zugleich
trat Frau von Surville mit Entschieden
heit an die Thure, Sffnete dieselbe und ver
abschiedete den Besucher mit einer tiefrn
Berbeugung, ohne ihm auch nur fur ein
Wort Zeit zu lassen.
Nichts destoweniger hielt er sich über
zeugt, dast er sich keineSwegS geirrt und
die Dame, die jede Hulfe von sich gewie
sen, dennoch diejenige sei, die er gesucht
habe.
„Welch' ein seines Wesen, welche Armuth
und welcher Stolz" dachte Raoul von
T r e s s a n. wahrend er die Treppe hinab
stieg. .Und wenn doch, wenn ein Stolz
Gnade vor Gott finden kann, io ist es der
Stolz der Armuth."
Unten angekommen, trat er in die PfSrt
nerwohnung.
~Haben Sie eine Wohnung zu vermie
then r
„Nein, mein Herr," erwiederte Frau
Goguet.
„Es hangt doch ein Zettel an der Thiir!"
„Das sind zwei Zimmer im sechsten
Stock, die dem Herrn unmoglich gefallen
konnen", entgegnete die Pfortnerin, der
der schone Fremde imponirte.
„Jm sechsten Stock? rechter Hand
also wohl, denn "
„Bitte tausendmal um Entschuldigunz,
nein, l i n k e r Hand."
Aber ich komme doch daher", bemerkte
Raoul, und habe selbst mit der Dame ge
sprochen, die dort wohnt."
„Das ist moglich, mein Na! sie
wird nicht lange mehr dort wohnen! Ich
hab' ihr gekundigt."
„Wahrhaftig?" sagte Raoul in einem
Tone, durch den er die Pfortnerin zu na
hern Mittheilungen über die Mielher im
sechsten Stock zu veranlassen hoffte.
Frau Goguet, der es heute ganz beson
ders um's Schwatzen zu thun war, liest ihn
mit den Aufschlussen nicht lange warten :
„Je nun, was wollen Sie, mein Herr,
das Vierteljahr ist voruber und ich hab'
bis heut' noch nichts bekommen kSnnen.
Indessen, der Herr must mich nicht mistver
stehen...."
„Wieviel ist Jhnen die Dame schuldig ?"
fragte Raoul.
..Achtzig Franken. Der Herr wird mir
zugestehen, dast dies fur eine so angenehme
Wohnung gewist nicht zu viel ist."
Raoul war es indesten darum nicht zu
thun, mit dem Drachen über die Reize des
sechsten Stockes zu streiten, und erklarte ihr
trocken: „ich werde Sie bezahlen."
„Wie beliebt, mein Herr?" fragte Frau
Goguet, die ihren Ohren nicht recht trauen
wollte.
„Jch werde Sie bezahlen," wiederholte
Raoul mit einiger Heftigkeit in Folge
des wiederwartigen Gebahrens der Pfdrt
nerin. ~Wollen Sie mir eine Quittung
fur den Betrag schreiben."
Wenn Raoul das Geld nicht auf den
Tisch gelegt hatte, so wurde wahrscheiglich
Frau Goguet noch immer idren Ohren
misttraut haben, so unbegreiflich erschien
ihr dieser Akt christlicher Rachstenliebe.
Zuerst ruckte sie eine groste Brille auf ihrer
Nase zurecht, dann nahm sie eine alte
schmutzige Gausefeder, tauchte sie bis an
die Finger in ein zerbrochenes Eiertbpfchcn,
das die Stelle eines Dintenfasses versah
und begann ihre Quittung zu kritzeln.
„Arme kleine Frau! Wie froh wird sie
sein! Sie liebt ihre Wohnung so sehr!
Es ist aber auch ein prachtiges Zimmer wie
Sie sehen konnten, mein Herr! ein einziger
Anstrich, und d„s Ganze ware ein Palast.
Die gute Frau hatte sich auch nur sehr
ungern von ihrer Wohnung getrennt. Ln
dem Tage, als ich ihr kundigte, ist sie or
dentlich krank geworden. Sie wurde krei
deweist im Gesicht, weister als meine Hau
be!"
Ein Blick auf diese konnte Raoul über
zeugen, dast dies keine UnmSglichkeit sei.
..Die Kinder weinten! kurz es hatte ein
Herz von Manuor zum Schmelzcn bringen
kSnnen! Unv Sie kdnnen mir's glauben,
lieber Herr, me,nes ist ganz gewist nicht so
hart. Ich had' ja nicht einmal ein Wort
fur mein Reujahrsgeschenk verloren; ob
wohl funf Franken fur eine arme Wittwe
wie ich bin, immer ein nicht zu verachtender
Gegenstand sind."
Raoul nahm funf Franken, legte sie zu
den achtzig, und liesi die Quittung darauf
ausdehnen. Frau Goguet war auster sich
vor.Freude.
„Der Herr wird wohl nicht glauben.
dast ich deswegen von dem Neujahrsge
schenk gesprochen habe!"
„Lassen Sie das nur" erwiederte Raoul,
indem er die Quittung in seine Brieftasche
steckte, „ich sage Jhnen nicht Adieu, son
dern auf Wiedersehen, denn ich werde
wieder zuriickkommen um Neues von Jh
nen über Ihre interessanten Einwohner zu
HSren; haben wir Mitleid mit den Un
glucklichen, Riemand ist sicher vor den
Wechfelfallen des Schicksals."
,/Mitleid,Mitleid!" brummte der Dra
che, als die Thure sich hintrr Raoul ge
schlosjen hatte, „das ist auch einer von de
nen, die glauben, man kdnnte von Nustscha
len leben!"
Nahdem Raoul die PfSrtnerwohnung
verlasjen hatte, begab er sich in ein Kaf
feehau». hier liesi er sich ein Briefcouvert
geben, legte die Qnittung hinein, schrieb
als Adresse d rrauf „an die Mietherin des
sechsten Stockcs, linfer Hand, No. 320,
Strate St. Honore," und w«rf es in den
Briestasten.
AIS Frau von Surville den eigenthiim
lichen Jnhalt des EouvertS gesehen, ge
rieth sie uder das, was sie die Jmper»
tinenz des ungenannten Wohlthaters
nannte, anfanglich in hrftigen Zorn; bald
beruhigte sie sich indessen mit dem Gedan»
ken, dah die Wohlthat wohl nur von dem
Pfarrer von St. Rochus habe ausgrhen
kSnnen; und von seinem Pfarrer, das gab
Frau von Surville zu, konnte man schon
Hulfe annehlpen, ohne sich etwas zu ver
geben.
lftortsrtzunq solgt.)
Der
Hriumph des Glautiens,
—odrr—
Pitder aus S.m «Tebeueiner amerikauischen
Asstinjerfamilie.
Aus dem Hollandischen
—von—
Wishesm Ltjiese.
IJortse-ung.j
..Madame," versetzte der Doktor, „tch
bitte Sie in Ihrem eigenen Interesse u. we
gen der Erhaltung Ihrer eigenen Gesund
heit, seien Sie ruhig. Denn waS gesche
hen ist, ist geschehen."
Doch Madame Herbert achtete nicht
auf diese Lorte, sonvern noch seuriger
und inniger wiecerboltc sie ihre Bitte:
„lefuS von Nazareth, ruf' mcin Kind in's
Leben zuriick!"
Und siehe! Der Arzt, der noch immer
am Bette des Kleinen stant unv gcrave
im Begriffe war sich zu entfernen, da er es
fur nutzloS hielt, noch langer zu weilen,
schaute plotzlich verwuneert auf, legte seine
Hanv auf daS Herz des Knaben, und den
Kopf schilttclnd, als ziehe er seine eigene
lleberzeugung in Zweifel, sprach er: „An
dem Klopfen deS Herzens bemerke ich,
dah noch wirklich Hoffnung da ist; daS
Kind ist nicht todt."
„Sondern es schlaft nur," fugte der
Pretiger hinzu.
..Still!" sprach der Doktor in thium
phirendem Tone. „Die Natur ist wirk
sam, sie ist machtig und gibt ihre Arbeit
nicht so balv auf." Dann holte er eine
Lanzette aus seinem Besteck hervor,womit
er in eine Ater deS armen Knaben einen
kieinen Scknitt machte. Nach ein paar
Sekunden floh das rothe Blut fiber die Bet
tucher, auf die todbleichen Wangen des
Kinres, es kehrte das lichte Roth des Le
bcns zuriick, der Knabc Lffnete die matten
Augen, streckte seine Hantchen empor und
rief das Wort „Mutter!"
„Ltille!" rief zum andern Male der
Doktor in gebietendem Tone. „Ich kann
Jhnen die Versicherung geben, dah daS
Kind am Leben blcibt."
„Und wirklich, das Kind blieb am Lc
ben. f Gebet, feurige Verlangen
der Frau Herbert wurde erfullt. Sie
filhlte sich jetzt liberreich ffir die Mil
hen une Sorgen, tie sie sich Tag u. Nacht
fur cie Erhaltung ihres Lieblings ge
macht, belohnt. Ter wabnsinige Zustane,
worin sie sich noch soeben befunren, ver
schwand wie von selbst, une mit bewun
terungswurtiger BcreitwiUigkeit that sie
AUcS, waS ter Arzt orer eer kranke Kna
be verlangte.
Auch die Gemiithsaufregung ihres
Gatlen hatte sich auf einmal ganz une
gar geandert; Freutenthranen entsturzten
seinen Augen, sein Herz bebte vor Freute,
frohlich cille er aus dem Krankenzimmer,
und in die freie Lust gekommen, sprang
une tanzte er vor Freure und konnte nur
tie Worte hervorbringen: ~Mein Engel
bert lebt!"
Das Gebet der Mutter war erhort.
das ungrstume Verlangen des VaterS
hatte sich verwirklicht: Engelbert lebte une
nahm von Tag zu Tag an Gesuntheit
und Besserung zu.
Zwolf bis vierzehn lahre vor den Er
eignissen. die wir im ersten Kapitel dieser
Erzahlung mittheilten. hatte sich ter alte
Herr Herbert den Geschafien des Sffent
lichen Lebens entzogen, um auf seiner herr
lichen Plantage in den Oaklands von
Norb Earolina nur fur seine Gattin und
seinen einzigen Sohn zu leben.
Treser war inzwischen zum lunglinge
herangebliiht, der in die Fuhstanpsen sei
nes Barers grtreten unv als ausgezeich
neter Atvoka: wegen seines hinreihenden
Nevnertalentes unv seiner auogebreiteten
Sachkenntnih iiberall die glanzenrsten
Lorbeeren erniete.
Matame Herbert blieb ihrem Kinde
stets mir derselben leidenschaftlichen Liebe
wie fruher zugethan. und so wie sie sah.
tatz er auch von Andern gelobt und ge
priesen wurre, sprach sie zu sich selbst:
„Ia tieser brave lunge verdient es,
mcin Kind sucht seines Gleichen!"
So hatte sie fiber Engelbert von lu
genv auf gedacht, unv drum bemerkt? sie
niemals seine Fehler. Die übertriebene
Zartlichkeit der Mutter zu ihrem Kinde
lictz den jugrndlichen Leidenschaften die
Zugel schiehen unv die edlen Gefuhle der
Religion unv Sittlichkeit erstickten durch
das Unkraut eitler Lobesbezeugungen und
durch ein ungebundenes Leben. Die
grosie Liebe. womit sie ihn behandelte. lietz
sie eine Tborheit begehen. wie jenen Mann,
der mit Zartlichkeit ein Schlange an sei
nem Busen nahrte, die ihm jekoch zu gu
ter Leyt den Tod brachte.
Die Oaklands waren ungefahr zwei
englische Meilen von Elvertonhall ent
ftrnt, und eine breite, mit Eichen bepflanzte
Ltratze bot den beiterseitigen Bewohnern
sehr bequeme Gelegenheit. sich hin und
wieker einen Besuch abzustatten. DaS
geichah dcnn auch hauftg. ja es bestanv
ein besonderer Freundschaftsverkehr zwi
schen den Familien Leslie und Herbert.
Und wenn man dem Gercde ter Leute
Glauben schenken durfte, so war eS fusi
eine ausgemachte Sache, dah der ob sei
nes RednertalenteS gefeierte Erbe der Oak
lands sich in Elvertonhall seine passende
Braut habe auSerkoren.
Sechstes Kapitel.
Ein Gottcsleugner.
Bei der Familie Herbert wurde ein
grostes Frst gefeiert. weil der Sohn deS
Hauses durch eine glanzende Vertheidi
gungsrede wiederum neue Lorbeeren vor
dem GerichtShofe ringeerntet. Unter den
die aufOakland zusammengekom
men. befand sich naturlich auch Herr LeS
lie mit jeinen beiden TSchtern. Weil je
doch der alte Herr nach der Mahlzeit eine '
leichte Unpatzlichkeit verspurte. so beschloh
die Familie LeSlie, sich bereitS gegen
Dunkelwerden vor dem Abzugeder a> dernM
GLste zu entfernen.
Man glaubte anfangs Fuhrwerk vor
kommen lassen zu sollen; nach Auswech- j
selung einiger, in der grossen Welt ge- '
brauchlicher Komplimente, hielt man eS

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