OCR Interpretation


Luxemburger Gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, June 05, 1877, Image 3

Image and text provided by State Historical Society of Iowa

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn84027101/1877-06-05/ed-1/seq-3/

What is OCR?


Thumbnail for

fiir besser, ren Weg zu Fuh zu machen,
da dies Herrn Leslie eine gute Bewegung
verschaffen und seine beiden Tochter. wie
der junge Advokat besser im Stande sein
wurden, ~in einigen poetischen Ergrissen
ibre Gefuhle surren schonen Mond an
den Tag zu legen."
„Zurem" fugte Engelbert, sich zu
Korinna wendenr, binzu wurde ich. wenn
ich rie Ebre zu Fuh nach Hause
zu begleiten langer Gelegenheit haben,
meinen Geist mit einigen Ihrer Gedanken
bereichern zu kSnnen."
7
Man nabm Abschied, und Herr Leslie
bcgab sich am Arme seiner Tochter Blanka
heimwarts. wahrenr Korinna mit dem
Helrcn rcS Tages, Engelbert, solgte.
„Sie erbeben mich zu sebr," bemerkte
Engelbert mit inncrlichem Selbstbehagcn
aus einige der balb ironischcn, halb schmei
chelhaften Bcmerkungrn. rie ihm ob seiner
glanzenden Begabungcn von Korinna ge
macht wurden. ~ln rer That, ich werde
verlegen rurch Ibre Lobesbezcugungen.
Thuen Sic mir ren und lassen
Sie uns daS Gesprach über meine gerin
ge Person aus etwas Besseres lenken.
..Den Gefallen erweise ich Ihnen gcrn/'
antwottete Korinna. ~Was kSnnre in
deh brffcrcn Stoff zur B.sprechung bietrn
aIS rer Ruhm Hcrberts, siegreiche
Redckampfe jcyt lerermann mit Begei
stcrung erfilllen?"
..Und gibt es denn keine andere Neuig
keiten? Forlwahrcnd gibt eS deren doch
genug, so zum Beispiel um nur Eini
gcs anzufuhren die Neuigkeit, dah Ihr
Neffe St. John, mein aller Schulkamerad,
Papist gkworten, occr, um es minrer fein
auszudlucken, zu den Pfaffen stbergegan
gcn ist; dann rie sonrerbare Geschichte
von dem Sturme und dem Schiffbruche,
welche in ren vorigen Tagen statt fanden,
und worurch Ibre Familie in Elverton
hall cin paar Gaste, eine Dame unr ein
Kind. in Pstege bekommcn. Seben Sie.
daS Alles stnr so wichlige Punkte, dah
wir sie nicht stillschweigcnd übergeben
kSnnen," gab Engelbert schcrzend zur
Antwort.
„WaS meinen Neffen betriffl," versetzte
Korinna in ernstem Tone, „so ist eS voll
kommen wahr, dah er katholisch geworden.
In wie weit nun die Bcnennung „Pa
pist" orer ..Pfaffe" auf ibn anwenrbar
ist, weih unser retegewandler Advokat bes
ser aIS ich."
„Nun ja, katholisch oder Papist ist so
eine Rkdcweise," antwortete Engelbert.
„Indeh erzahlen Sie mir jetzt einmal Et
was von der sremden Dame und dem
Kinde, die aus den Schiffbruche gerettet
worken. Sic konnlen, «vie mir jcheint,
bald ein ganzes Buch voll iiber das
Schicksal dieser Dame schreiben."
„Ganz und gar nicht," versetzle Korin
na. „Ich weih nur so viel, dah sie eine
durch und durch gute Dame ist und einem
religiSjen Orren angehort. dem Orden der
Barmherzigen Schwestern."
„Sckon wieder ein Mitglied der pa
pistischen, ich verspreche mich—der katho
lischen Religion. wollte ich sagen !" —siel
Herbert ihr in's Work.
„Die barmherzigen Schwestern," fuhr
Korinna fort, wobei sie jedoch mit einem
verwunterten Blicke seine Bemerkung
strafte, ..bilken eine religiSse Genoffen
schaft.'d«e «hre Mitglierer zu solchen hel
denmuthigen Liebeswerken entflammt.dah
sie mit Rechre unsere Bewunderung ver>
dienen. Hatte ich dieselbe Ueberzeugung,
wie sie die Katholiken aus ihrem Glauben
schSpfen, ich wurde mich glucklich schayen,
wenn eS auch mein Beruf ware, barmher
zige Schwester zu sein."
..UnmSglich!" rief Herbert.
„Unr warumfragte Korinna.
„Wcil dieser Glaube ein nichtSwrirdiger
Aberglaube ist" antwortete er heftig,
~weil die Diener dieicr Religion veracht
liche Sklaven sind. die sich die trugerische
Maske ver Dcmuth anlcgen, um testo bes
ser rie Scheinheiligen spielen zu kSnnen."
' „O, wie glilcklich wllrten wir sein"
versetzte Korinna ..wenn jede Religion
ihre lunger solche Liebeswerke lehite und
Lbcn liehe! Ich kenne den katholischen
Glauben noch zu wenig, um ihn nach
Wilrden schStzen zu kSnnen, aber ich werde
mein BesteS tbun.dah ich ihn kennrn lerne,
denn er lSht seine Kinder Werke verrichten,
die nur zu der erhabenen Aufgabe der
Engel zu gehSren scheinen. Der gewich
tige Umstand, dah mein Neffe katholisch
geworden, er, der ein Mann ist. auf deff
sen edlen und festen Charakler nur die in
nigste Ueberzeugung einen entscheirenren
Einstuh ausuben kann die Bekeh
rung eineS solchen ManneS zum katholi
schen Glauben Hat mich auf den Gedan
ken gedracht, dah..."
„Dah rie katholische Religion Wahrheit
ist?" siel Engelbert ihr in die Rede.
„Sie haben wenigstens nicht sehr fkhl
gerathen," antwortete Korinna rasch ent
schlossen. „Uebrigens, Engelbert, habe
ich bis jetzt noch nie gehort, wie eine Per>
son, ein System orer eine Tdeorie be
schimpft und getatelt wurre. ohne dah in
mir nicht auge«»blicklich ras Berlangen er
wacht ware, nahere Kenntnih dartiber zu
erlangen. Und daS ist jeyt auch filr mich
ein Grund mehr in Betreff deS katholi
schen GlaubenS nachzuforschen, der von
Manchen auch wohl Papismus gcnannt
wird."
„Nun, wenn Sie diese Religion prilsen,
werden Sie sehen. dah sie ebenso falsch
und trllgerilch ist, als die ilbrigen Reli
gione»," versetzte Herbert in bitterem Tone.
Und sie dann freundlich anblickend, fuhr rr
fori:
„Es wstrde in der That beklagenswerth
sein, Korinna, wenn Sic Ihr Herz an
eine Religion fesselten. Glauben Sie
roch an die Fabeln nicht, die von ten
Priestcrn iiber daS Dasrin Gottes und der
Unsterblichkcit sinderdacht worren.dcnn der
Glaube an diese Mabrchen ist ein Gist.
daS die Reinheit des HerzenS vernichtet
und ten Menschen zum Heuchler macht."
..Wie?! habe ich Sie recht vcrstand
ken?" sprach Korinna tier entruftet.
„Sie, Engelbert, sind cin Gotteslcug
ncr?"
~la, ein Gottesleugner, orer wenn
Ihnen rer Ausrruck weniger gefallt, so
Sie mich einen Philosophe». Ich
Korinna, lebe nur fur diese Erde, unr
nach diesem Leben ist meiner Ansicht nach
AlleS mit dem Menschen aus. Es ziemt
sich inrch nicht, dah wir uns langer mit
diesem unerquicklichen Gegenftandc be
schaftigen."
..Nein. furwahr ni.bt." sprach Korinna
in crustem Tone. „Ich wenigstens be
grcise nicht, wie lemanr sich erkiihnen
kann, beim Anblicke der schSnen Natur
und der Wunrenverke deS Schopfers die
Hand des Meisiers zu leugnen, rie diese
Welt geschaffcn und durch seine Borsicht
fortwahrend erhalt und regiert. Gewih
haben Sie das, war Sie so eben iagten,
nicht so gemeint."
„Wie, Fraulein, glauben Sie denn, ich
sci ein Tbor?"
„AIS Atheist? Gewih, in diesem Falle
sind Sie zweiseleobne ter Thorheit, und
:war einer abscheulichen, wahnsinnigen
Thorheit anbeimgefallen.
„In Einem Punkte bin ich wenigstens
sehr im Irrthume," versetzte Hcrbert.
„Ich glaubte, Hcrr Leslie, ter fur seine
Perion keinem Glaubensbekenntnisse an
gehbrt, wurde seiner Tochter ebenfalls bes
sere Begriffe über die Nutzlosigkeit ter
Religion beigebracht haben."
..Mein Herr," versetzte Korinna mit
Wurde, ..obschon mein Baler sich nicht in
allen Punkten mit der Lehre der prolestan
tischen Lekten einigen kann. so ist er doch
noch weit davon entfernt, ein Gottesleug
ner zu sein. Dafur ist er zu edel und zu
verstandig."
„Scien Sie doch nicht so bbs, Korinna,"
versetzle Engelbert. ..Theilen Sie mir
lieber eine gute Nachricht mit, indem Sie
mir rie Zustimmung geben, dah ich bet
Herrn Leslie um die Hand seiner Tochter
anhalten kann."
„Nach dem, waS ich vernommen, ist der
Augenblick gar schlecht gewahlt," antwor
tete Korinna mit spSttischem Lacheln, „um
eine solche Bilte an mich zu richten. Filr
wahr, niemals wlirde ich es wagen, mein
LooS mit einem Manne zu theilen, der
auf dem Ocean deS Lebens planlos um
hergetriebcn und jeden Augenbilck Gefahr
lauft, rettungslos in den Abgrund ge
schlcudert zu werden."
Unter solchen Gesprachen waren sie zn
Elvcrtonhall angekommen, wo ter alte
Herr Leslie mit seiner Tochter Blanka
sicy nieeergelasten und sie erwartete. Der
Eindruck, den Korinna duch ihre Worte
aus das Gcmuth Engelberls gemacht.
entging dem Madchen nicht. Sic wollte
die Scharfc ihrer Berweise einigermahen
milrern und ersuchte Herbert, mit in's
Haus zu gehen. Der junge Advokat in
deh fithlte sich innerlich zu gekrankt, als
dah er ihrem Ersuchen hatte GehSr gege
ben. Er nahm an der Thure Abschied
und etlte mit hastigen Schritten nach den
Oaklanrs zuruck.
Dort angekommen schloh er sich in sei
nem Zimmer ab; und wahrend unter den
verschietenen Gasten bis spat in der Nacht
zu seiner Ehre in dem grohen Saale der
Freudenbecher die Runke machte, sah er
einsam da und grollte über die abschlagi
ge Antwort und die Berweise, die er auS
dem Munre Korinna'S vernoinmen hatte.
Von Gewissensbissen gefoltert und von
Zweifelsucht und den gottlosen Gedanken,
die er fast von KindeSbeinen an auS der
Lekture schlechter Schriflsteller und dem
freien Verkehr mit ter Welt eingesogen,
hin- unr hergeworfen. nahm er entlich
seine Zustucht zu einer in seiner Zimmer
befindlichen Flasche mit geistigen Getran
ken u. nahm in gierigen Zllgen eine solche
Menge hiervon zu sich, dah er besinnungs
los zu Boten siel.
Als die Gaste sich entfernt hatten, ging
Marame Herbert von Bcsorgnih getrieben
nach seinem Zimmer, um zu sehen, ob ihr
Sohn bereits zu Bette sei. Doch ach!
in welchem Zustanbc muhte sie den Ab
golt ihres HerzenS finden! Wie ein
Wahnsinniger lag er, mit verwilderten
Augen umberblickenv, inmitten seines
ZimmerS,.NichtS als abscheuliche GotteS
lasterungen und Berweise gegen seine
Multer auSstohend.
Mit Hlllfe einiger Bedienten brachte
sie es entlich nach vieler Anstrengung so
weit, dah er bewuhtlos in's Bett gelegt
werden konnte. Sie selbst jedoch konnte
die ganze Nacht kein Auge schliehen.
Denn rie Stimme deS Gewissens hielt
ren Schlaf ibr fern und rief ihr zu:
..Liehe da deinen Sohn. dem der Hrm
mel auf kein Gebet das Leben wieder ge
geben. ren du jedoch in Folge zu groher
Liebe unv Sorglosigkeit.bei der Erziedung
nach dem Urtheile der verderbten Welt
zwar zu einem grohen Manne, in Wahr
heit aber zu einem Sklaven seiner Leiren
schaften und deS Trunkes.zu einem Feinde
ver Religion und Sitlichkeii hast heran
wachsend sehen."
Liebe nt e S Kapi te l.
Die Ankunft.
Das BerhLltnih zwischen Korinna und
Luxemburgev Gazelre.
Schwcfter Tberesia wurde von Tag zu
Tag vertraulicher. Worte und Hand
lungSweife der barmherzigen Schwester
übten den heilsamsten Einstuh auf die
Denkwcise der Familie Leslie aus.
„Ein gewisses Dorgefuhl sagt mir, dah
wir heute meincn Ncffcn Ergar zu erwar
ten haben," sprach Korinna scherzenr und
in frShlichem Tone.
~Unr ich," sprach Schwester Theresia,
~ich erwarte einen Brief von meiner
Oberin; die vornehme Lcbensweise in
Ihrem gastlichen Hause ist nicht nach
dem Geiste meines OrdenS. Meine Seele
verlangt wieder nach dem Kreuze ihrcs
Herrn.
„Und ich will einmal sehen, ob Mama
beute nicht kommt!" plaurerte rie kleine
Jrene, die auf Korinna'S Schoohe sah,
mit grohcr Aufmerksamkeit eine schbne
Puppe bclrachrete, welche ihre Pflegerin fur
sie gekaukt unr anklcircre.
Korinna rruckte raS Kind an ihre Brust
und umhalSte es zartlich. um besser ihre
Thranen verbergen zu kSnnen. ~Du bist
jetzt mern Kind, leibe Jrene!" sprach sie,
..ich will Dir Mutter sein, Dich immer
leiben und Sorge fur Dich tragcn."
Jrene blickt sie einen Augenblick vcr
wundcrt an, als verlangc sie Aufklarung
über diese Worte und iiber die Thranen
rie Korinna's Wangen berabverlten;
aber sie war noch zu jung, um rie Bergan
genheit einzusehrn u. die Gegenwart be
greifen zu kSnnen ; sie begnstgte sich dann
damit, ihre zartliche Freunrin zu umhal
sen und ihr zu sagen, dah sie sie liebe wie
ibre Mama. Dann richterr sie ihre ganze
Aufmerksamkest auf ihre Puppe.
„Gute Schwester, warum wollen Sie
uns denn verlassen? O nein, Sie durfen
noch nicht gehen; ein Bierteljahr
stenS muffen Sie noch hier bleiben,"
sprach Blanka.
„Ich danke Ihnen, mein Kind, fur
Ihre Liebe unr Gastfreundschafk," ant
wortcte die barmherzige Schwester. „Bor
acht Tagen schon habe ich der Oberin un
scrcs MutterhauseS geschrirben und ihr
ren traurigen Borsall mitgetheilt, der mich
in den KreiS Ihrer etlen Familie gefllhrt.
Ich habe sie um balrige Antwort ersucht
und gebeten, mir ein Haus unseres Ordens
anzuzeigen, wo ich mich der ErfllUung
meiner Standespstichten wirmcn kSnnte.
AIS ich vor sechS Monaten Havre verlieh,
war ich fur Boston bestimmt, aber eine
andere Schwester Hat gewih schon meinen
Platz im Hospitale eingenommen."
„Havre? Waren Sie denn schon in
Frankreich?" fragte Korinna.
„la. mein Kind, auf Lererdnung eines
geschickten Arztes, der erklarte, dah ich an
einer Lungenkrankheit leire, wurde ich
zur Herstellung meiner Gesundheit dorthin
gesandt; nachdem ich aber den Winter
in einem unserer Ordenehauser im Suren
Frankreichs zugebracht, sah ich mich voll
kommen hergesteUt. Ich verlangte sehr
nach der Riickreise und wurre einem Kauf
manne und dessen Frau, die katholisch
waren und nach ten Bereinigten Staaten
ihrem Geburtslande.zuruckkehrten, anver
traut. Wir hatten giinstigen Wind und
prachtvolles Wetter. biS wir auf die Klip
pen GotteS allerheiligster Wille sei in
Allem gepriesen ! Das Ende ist Ihnen
bekannt."
„Und Irene'S Eltern ?" fragte Korin.
na.
„Sie waren Allen auf dem Schiffe
fremde und hielten sich fortwahrend von
der Gefcllfchaft zuruckgezogen. Ich habe
sie nicht einmal bei Namen gekannt!" ant
wortete Schwester Theresia.
„Gott Hat sie mir anvertraut," sprach
Korinna mit bewegter Stimme, „und nie
wollen wir von einander fcheiken. Mir
Zustimmung meineS BaterS will ich ihr
Mutter sein, denn ich habe sie jetzt in der
That schon auherordentlich lieb/'
..Der Himmel wird Sie segnen, gutes
Kind!" sprach Schwester Theresia und
lieh ihren Blick zartlich auf Korinna ru
hen. ~O kSnnte ich «ie Beitr noch ein
mal als eifrige Mitglierer ter Kirche
Christi fthen, mit ihm veremigt in Wahr
heit und Glauben, Theil nehmend an
seiner Liebe, an seinen hochbeiligen Sa
kramenten. die gewih die Fsille ihrer Seg
nungen in solche edle Seelen, wie die
Ihrigen auSgiehen wurden."
~Wir haben beschlossen, unS, fobalv
unser Neffe Edgar ankommt, in Ihrem
Glauben unrerrichten zu lassen." sprach
Korinna; ..zweifelSohne kann er uns die
besten Grllnte fllr die Annahme tiefes
GlaubenS angeben; aber eben deshalb,
liebe Schwester, mllffen Sie bleiben, um'
unS gleichzeitig durch Ihr Vorbild zur
Belehrung zu dienen. Gewih wird Idr
verhangnihvoller Brief und ich hoffe
eS mit Recht nicht kommen."
..Und ich nicht minder die Ihrige."
antwortete Schwester Theresia. Inveh ge
bSre ich mir selbst nicht. In Hoffnung.
Berlangen oder Gewozenheit tarf ich mich
keinen Augenblick von irdischen Ausichten
triten lassen. Wie ein tapferer Krieger
muh die barmherzige Schwester stetS auf
ihrem Posten sein, freudig bereit. auf den
Wink ihrer Oberin alle Werke der Barm
heizigkeit zu verrichten, die unser Olden
im Namen GotteS von uns verlangt."
„Aber kann man denn seine Seligkeit
nicht bnvirken, ohne solchen strengen Ge
horsam gegen seine irdischen Obern i"
fragte Korinna.
„Gewih, gewih, mein Kind!" gab
Schwester Thensia zur Antwort. „Der
Gehorsam gegen bestimmie Obcien wird
nicht von ledem geforrert; n«cht
Alle sind immer zu gleicher Arbrit
in ten Weingarten des Herrn bcruten.
Diesen ruft Gott in dic Wilrnih. in rie
Einsamkcit, Icnen zur Beobachtung einer
strengen Ordensregel; Einige zum Klo
ftcrlcben, vor Allem zu Belrachtung und
Grbete; Aneere dagegen muffen inmitlen
der Berfuhrungcn der Welt Werke der
Nacbstenliebe verrichken wahrend die Glau
bigen in ter Welt, rie in treuer Prlichlcr
fullung gegen Gott unr den Nachsten, in
der Bcrrictikung guter Werke, im Gebele.
im Kampfe gegen die Bersuchungen sich
hciligen, auch mit festem Lertrauen um
der Vcrdienste unscrcs Herrn und ErlSsers
lesu Ebri>li willcn auf rie cwigen Selig
keit hoffen konnm. Ater fur lene. rie
er derufcn, um sich zur Selbstvervollkomm
nung in freiwilligem Gehorsame einem
Andern zu unterwerfen, ihren Leib unr
idren Willen einem Obern zu unterstellen
fur sie wird der Wille der Obern der Wille
Golles, und die Regeln rer Bollkommen
heit werden fur sie rer ausrrucklichere
Wille des Herrn. Tarin bcstchk denn auch
unser wahrcs Gluck; denn rie Gelubre,
rie man ganz freiwillig aolegk, sinr un
schwer zu crfulien; wenn wir bedenken,
rah wir Alles fur unr um Gottes willen
tbun, zu seiner Ehre und in se,nem Na
men. so wird das loch iutz und die Burre
lei i t."
lsiortseyuna folqt.s
A u s t a n d.
Deutschlarrd.
Brandenburg.
An einem Hause in Berlin, welches von
der Stadtbahn kauflich erworben wurde,
besindet sich eine Gedcnktafel, auf welcher
verzeichnet steht, dah daselbst zur Zeit der
Franzosenherrschaft Profesior Fichte ge
wohnt und patiiotisch qewirkt habe. Im
Grundbuche ist betreffs dieses eingetragen,
dah die betr. Tafel „fiir ewige Zeiten" an
dem Hause verbleiben soll. Die Ewrgkeit
Hat aber ein jahes Ende erreicht, indem das
Haus abgerissen wird.
R h e i n l a n d u. W e st f a l e n.
Ueber die schreckliche Feuersbrunst, die in
E s s e n ausgebrochen ist, schreibt ein Cor
respondent am 17. April: Seit heute Mor
gen gegen 10 Uhr wuthet in unserer Stadt
eine entsetzliche Feuersbrunst. Dieselbe ent
stand in der Schreinerei des Oberembtschen
Dampfsagewerks und sindet naturlich in
dem bereits seit einigen Tagen wehenden
heftigen Sturme einen grausamen Bundes
genossen. Troy der schleunigst herbeige
eilten Feuerwehren unserer Stadt, von de
nen sich namentlich die der Krupp'schen
Etablissement eines weit über den Kreis
hinausreichenden Rufes erfreut, war es
nicht moglich, den Brand ;u lokalisiren.
Die Flammen schlugen bald siber dem zuerst
ergriffenen Gebaude zusammen, und jetzt
konnte man nur noch darauf bedacht sein,
moglichst wenig von dem gieri
gen Elemente, das unter der Wucht des
Sturmes meerartig hin- und herwogt und
sich über die Dacher der Nachbarhauser
sturzt, zu Grunde richten zu lassen. Aber
auch diese Muhe sollte nur in einem beschei
denen Mahe von Erfolg belohnt sein. Um
12 Uhr Mittags, also nach zwei Stunden,
standen bereits 8 Hauser in Flammen, und
Stunden darauf theilten dasielbe trau
rige Loos schon zwe« weitere. In der Rich
tung aber, nach welcher die Flammen hin
treiben, bildet die Matthiasstrahe, in wel
cher das Feuer ausgebrochen, mit der Se
gerothstrahe eine Ecke, welche nach jetziger
Aussicht vollstandig verloren erscheint, so
dah die Ausdehnung des Unheils noch gar
nicht abzusehen ist. Naturlich ist die Ver
wirrung groh, und an eine Ermittelung
der Entstehungsursache vorlausig noch gar
nicht zu denken; ebenso verhalt es sich mit
dem bereits angerichteten Schaden. Zu
hoffen bleibt nur, dah wenigstens noch vor
Einbruch des Abends oder der Nacht die Ge
fahr weiteren Umsichgreifens gehoben wer
den moge, da dieser Umstand die Lage der
Unglucklichen sowohl wie die der Bedrohten
nur verschliminern wurde. Und Tages
draufvm 18. schreibt dersclbe Eorrespon
dent: Im Laufr des gestrigen Nachmittags
wurde daS Feuer, ohne dah es weitere Aus
dehnung erlangte, glllcklich gehemmt. Bier
undachzig Familien wurden von dem Brand
ungluck betrosfen, nur eine einzige unter
ihnen ist versichert. Leider ist ein junges
Menschenleben, ein Kind in der Wiege, e«n
Opfer des Feuers geworden.
B a i e rn.
Beim Militarbezirks-Gericht in Munchen
spielte eine Verhandlung gegen den Cuiras
sier-Seconde-Lieutenant H.Beckh, der einen
Rekruten mit dem Rritstock derartig in's
Gesicht geschlagen hatte, dah demselben ein
Zahn absprang und das Gesicht so auf
schwoll, dah er sieben Tage lang im Laza
reth mit Eisumschlagen behandelt werden
muhte. Der Lieutenant brachte vor, dah
er nur z u f L l l i g, indem in dem betreffen
den Moment sein Pferd sich in die Hohe
baumte, umvillkurlich den Arm in die Hohe
und dem Rekruten in's Gesicht ge
ahren sei, wahrend der Sergeant Reichhorst
bezeugte, dah der Lieutenant zu dem Schlag
fSrmUch ausgeholt habe. Die MilitLr»
Geschworenen erkannten auf R icht
schuldig (!) und der Lieutenant wurde
freigesprochen.
Der Brand Ver Kathedrale von
Metz.
Kathedrale brennt!"— so berichtet
der K. Z. ein Augenzeuge unter dem 7.
Mai aus Metz—DaS war der Angstruf der
inir heute Morgen entgegentSnte, als ich
durch Feuerlann geweckt auf die Strahe
stilrzte. Ich war um vier Uhr aufgestan
den, un« die Depesche über die gestrige
Fahrt des Kaisers über die Schlachtfelder
zu verfasicn, als eine Stimme von der
Kathedrale herab in den fast noch dammern
den Morgen hi>«einrief: nlu Cathedmle J
Umnlttelvar darauf lichen sich Glockentone
horen wie Stunn und bewegt wie Fieber»
pulse. Ich dffnete das Fenster, das nach
dem Hofe geht. „Was ist das?" fragte
ich. „Feurr, aber in einer andern Strahe!"
war die Antwort. „In einer andern
Strahe, sagen Sie? Da kommr ja der
j Feuerschein schon heruber, das inuh ganz
! nahe sein!" Bewegung im Hotel über mir
' und neben mir. Ich klerdere nnch rasck an
! und slurzte auf die Skrahe. Die Einwohner
aus der der Kathedrrle zugekehrten Hauser
front kamen mit Schreckensmienen aus den
I Hausern. Oben auf der Platform vor der
Kirche irrten wie hulfesiehend Nonnen um:
her : l:i Cathedrale brule ! 0 malheiir!
Plich fahte ein tiefes Gefuhl des Schmer
> zes, das jeder Deutsche begreifen wird in
dieser Lage, als ich die Hellen Flammen aus
der dem Chor enrgegengesehten sudwestlichen
Breirseile über dem Haupteingange aus der
durchbrochenen gorhlichen Galerre empor
steigen sah. Am Abend oorher hatte man
die Kathedrale erleuchret und ein Feuerwerk
. vor derselben abgebrannr. Mit unaufhalt
! samer Schnelle nahmen die Flammen ihren
i Weg die Thurme hinvurch nach dem Ehor
zu, die gan«e Ausdehnung des Mittelschiffs
entlang. Wenn die Glockenthurme davon
I ergrissen werden! wenn d«e Schwere der
; brennenden Balken die Gewolbe durch
schlagt! Da drohnr ein Schlag aus dem
Innern des Gorteshauses. Doch nein!
der Ton kam vor dem zujammenbrechenden
l>>ebaike,- die Karhevrale war noch nicht
ganz rettungslos. Aber fur unsern Gasr
hof war unmittelbar Gefahr. Als ich die
Treppe hinaufsturzte, um meine Lachen in
Sicherheit zu bnngen, drang mir bereits
eine erstickende Hltze entgegen, und das
Zimmer lag im vollsten Feuerschein. Ich
barg meine fahrende Habe und g«ng auf die
Skrahe. Es kamen oie Pompiers nichr
sehr hurtig, die Soldaten waren eher da.
Der Domrayon wurde abgesprrrt; hohere
Ofsiziere eilren nach der Wohnung deS Kai
jers. Biittlerweile war es llhr gewor
den. Da kam der Kaiser mir dem Grafen
Lehndorsf im osfenen Wagen angefahren
nach dem Haupteingange zu. Er bctrar
die Karhedrale durch die geoffneten Haupt-!
eingauge. Der Ehor stand noch in vollen
Flammen. Durch die runoen Oesfnungen
der Gewolbe sielen glimmende Stucke Hol- i
zes, Funkenregen, aber weiler schien keine !
Gefahr. Die Soldaten arbeitelen wacker.
Zu gleicher Zert war der Kronprin; erschie: !
nen, der Gouoerneur Graf Schwerin, der
Oberprasident. Der Kaiser, in seinen;
grunen Pelzmantel gehullt, g«ng nach der
Place d'Armes und nahm hier seinen Stand-!
punkt, um den Fortgang der Feueroerwu
stung zu beobachten. Mit dem Rieder
brechen des Tachstuhles schien glucklicher
Weise die zerstorende Machr des Elementes '
gebrochen zu sein. Zum Gluck war fast
Windstille und jetzt steigen nur noch dichte
Rauchwolken aus den gothi'chen Pfeilern
auf. Die Uhr schlagt, regelmahrg wre zu
vor, sieben Uhr.
Ein anderer Berichrerstatter sagt: Man
schreibl das Ungluck der Beleuchtung zu, die
zu Ehren des Kaisers veranstaltet war. >
Unter dem masienhaft herbeigeeilten Dolk
qaben sich Bewegungen bedenklicher Ratur '
kund, die indessen bald wieder beigelegt
waren. Uebrlgeng muh darauf hingewiesen
werden, dah eine Beleuchtung überhaupt, >
und besonders dre vollstandige Illumination
eines solchen Gebaudes stets unterbleiben
sollte. Der Stadtrath in Mey hatte be
kanntlich zur Koitenbestreitung sich nicht
oerstanden, und diedeurscheßehorde
auf eigene Faust das Illuminationspro
gramm durgefuhrt. Man sagt wohl, in
Slrahburg Hat dasselbe ohne Schaden am
Munster stattgefunden. Aber auch in
Strahburg war e die Sache besser unterblie
ben. Dort hatte man auch deshalb davon
Abstand nehmen muffen, da die tiefen
Wunden, die diesem Kunstwerke 1870 ge
schlagen wurden, noch lange nicht vernarbt
sind. Dah der Ehef der Municipalverwal
tung auf diesen Gedanken keine Rucksicht
nahm, ist weniger befremdend, als dah von
Seite des Dombaumeisters, der die Trauer
geschichte des Brandes von 1870 mit eige
nen Augen ansah und spater mit den dilfter
sten Farben dem Publlkum schilderte, nicht
entschieden Ernspruch dagegen erhoben
wurde.
Lchweiz.
Aus Zurich wird unter dem 3. Mai be
richtet: Gestern, 9 Uhr Abends, wurde in
Zsirich und Umgebung ein leichtes Erdbe
ben verspilrt: eS war ein Stoh bemerkbar.
Wie man aus Durnten (im Bezirk Hin
weil) mittheilt, Hat sich dort wahrend der
gleichen Zeit (10 Minuten vor 9Uhr)eben
falls ein Erdbeben bemerkbar gemacht.
Nach einer Noti; der „ St. Galler Zei
tung" fand in Ebnat Mittwoch 2. Abend
ein mehrere Secunden langes Erdbeben
statt. Dasselbe war so stark, dah pauser
erkrachten und die Leute auf die Strahe
spranaen. Auch in Schmerikon und der
Umgebung Hat man am gleichen Tage
Abends etwas vor 9 Uhr einen heftigen,
einige Secunden andauernden Erdstoh ver
spurt. In Reunkirch, Eanton Schaffhau
sen, fand ebenfalls den r. Mai, Abends 8
Uhr 55 Minuten ein recht starkes Erdbe
ben statt, welches 10 Secunden andauerte.
Die Bewegung schien von Ost nach West
zu sein und war so stark, dah man glaubte,
es sei am Haus etwas zusammengesturzt,
jedoch nicht die Spur zu finden, die Fenster
klirrten. Aus Galgenen Schweiz, ver
nimmt man ebenfall-, dah ain gleichen Abend
ein Erdbeben ftattfand, das so stark war,
dah Ziegel von den Dachern sielen. In
Basel wurde an dem namlrchen Tage kurz
vor 9 Uhr Abends ein Erdbeben verspllrt,
dah sich in drri Stohen kund gab.
Frankreich.
Mit der Pariser Weltausstellung oon
1878 ist es eine ganz eigene Sache. Unsere
Jndustriellen haben nicht übel Lust sie zu
beschicken. Hat doch eine zu Rew Pork am
letzten Donnerstag gehaltene Versammlung
derselben diese Resolutionen an^enommen:
Da wir glauben, dah eine gehonge Ausstel
lung der natsirlichen Hlllfsquellen und un
gefertigten Erzeugnisse der Vereinigten
Staaten bei der Pariser Ausstellung oon
1878 in vielerlei Weise von unschatzbarem
Werthe filr unser Bolk sein wird; da wir
ilberzeugt sind, dah es der allgemeine
Wunsch der Amerikaner «st, dah ihr Land
bei dieser Ausstellung nihmlich und in einer
seinem Range unter den Ratlonen ange
mcsienen Weise vertreten sei und da die
Zeil bis ;ur Erosfnung der Ausstellung so
kurz ist, dah im Jnteresie derjenigen Mit
burger, die sich an der Ausstellung zu be
theiligen gedenken, ohne weitere Berzoge
rung die Organisation einer diesseitigen
Eommission vorgenommen werden und ley
tere ans Werk gehen sollte: so wird hier
mir beschlosien, dah wir achtunqsooll und
ernstlich den Prasidenten der Vereinigten
von Amerika ersuchen, durch den
Draarssekretar die Einladnng Frankreichs
anzunehmen und die ihin zweckdienlich er
scheinenden Anstalten zur Bildung einer
Cominission zu tresien, welche ofsiziell von
der iranzonschen Rcgierung anerkannt wer
den und die Zwecke derjenigen unserer
Landsleute, welche sich an der Ausstellung
zu betheiligen wunschen, durchfuhren wird.
Andererseils thunnen sich aber so dichke
Wetterwolken um Frankreich zusammen,
dah ein Zustandekommen der Ausstellung
im hochsien Grade fraglich, ia vielleicht
kaum noch rrahrscheinlich ist.—ln der aller
peinlichsien Lage besinder sich die franzosi
sche Regierung. Soll sie befreundete Lan
der und zahllose Private sich in Unkosten
i sturzen lassen, von denen sie voraussieht,
dah sie vollig vergeblich sind? Und doch wird
sie es geschehen lasien miisien. Denn wenn
sie die so oft und feierlich angekundig:e
..Weltausstellung" jetzt aufgabe, so wurde
sie nichr allein bedeutende pekuniare Jnte-
ressen verlrtzen, die bereits mit derselben
verbunden sind, sondern sie wurde auch von
zahllosen berlinischen und nicht-berlinischen
Klafsern auf der Stelle beschuldigt werden,
dah sie auf einen Angrisiskrieq sinne.
Paris 30. April. Die akademische lu
gend des College de France Hat vo»gestern
unzweiselhaste Beweise von den Erfolgen
gegeben, w.'lche durch die Pflege der Grund
latze von 1789 hervorgebracht werden. Als
Saint Rene TaiUandier, Profesior der
franzonschen Eloauenz, seine Vorlesungen
über die ..Redner und Publiciften der Re
volution" fortsetzen wollte, wurde er durch
pobelhaftes Zischen und Geschrer in seiner
Rede übertonr und da seine Ausforderung
rur Ruhe keinen Erfolg hatte, gezmungen,
den Saal;u verlassen. Obwohl TaiUan
dier sowohl m seinen Vorlragen, wie auch
in Leitartikeln in der Presie ;u den Jdcen
der Umsturzmanner von 1789 in gan; un
oerhohlener Weise sich bekennt, so tritt er
doch nicht als Lewunderer derselben auf.
Er besitzt sogar Muth genug zu dem Be
kenntnih, dah „die Literaturgeschicyte kein
Recht besitzt, die entsetzlichen Personlichkei
ten eines Marimilian Robespierre und Dan»
ton unter literarischen Gesichtspunkten zu
beunheilen." Dadurch Hat er aber die
Wunsche seiner Zuhorer nicht befriedigt;
ihnen behagt eine so altmodische Aaffaffung
der Sache keineswegs. Sie empfingen da
her den Profesior mit dem Rufe: „Es lebe
Robespierre! Es lebe Damon! Es lebe
Victor Hugo!" Wir wollen auf diese Re
volte nicht mehr Gewicht legen, als sie es
verdient; sie ist wie ein «turin in einem
Glas Wasier. Die Geschichte Frankreichs
lehrt übrigens, dah solche Ausbruche jugend
licher Leldenschaft und Insubordinatton
manchmal die Vorbolen von Bewegungen
waren, welche, über die Schulsale hinaus
tretend, sich dem osienrlichen Leben mittheil
ten und dieses mit entsetzlichem Unheil er
fullten. Erscheinungen der angedeuteten
Art durften mehr als alles andere fur die
Rothwendigkeit der Errichtung katholischer
Universitaten und der Rllckkehr zu Princi
pien christlicher lugenderziehung sprechen.
Die meldet, dah der Hirtenbrief
des Bischofes oon Rimes über die Lage des
Papstes dem Slaatsrath denuncirt worden
sei.
Turtei.
Die Fahne des Propheten, welche nach
stens entfaltet wird, ist oon dunkelgruner
Farbe, ungesahr zwei EUen lang und gegen
anderthalb Ellen breit und war ursprung
lich em Thuroorhang in dem Schlafgemach
AischaS, der Lieblingsgattin des LLgenpro
pheten Mohamed, wo Leyterer auch starb.
Lis Mohamed nun auf dem Sterbebette
lag und seine Feldherren, die eben in einen
Krieg gegen einige heidnische Stamme Ara
biens ziehen muhten, kamen, um sich von
ihm zu oerabschieden, da gab der Sterbende
ihnen den Vorhang seines Gemaches als
KnegSfahue mit, damit die Glaubigen bei
deren Anblick sich daran erinnern sollten,
vah sie fiir Gott und den Propheten kampf
ten. . Von nun an ward es zum Gebrauche,
dah immer, wenn die Khalifen in's Feld
zogen, sie diese Fahne (Sandschak Scherif)
vor sich herwchen tiehen; spater ward je
doch beftrmmt, diese Reliquie nur dann in's
Feld zu schicken, wenn der Krieg des Glau
bens wegen gefLhrt wird. Naturlich stand
es und steht noch jevem Khalifen frei, jeden
Krieg zu einem Glaubenskriege zu stem
peln. So wehte diese Fahne 1683 auch
vor den Mauern Wiens und einige Jahre
spater wieder auf dem Schlachtfelde von
Zenta, obwohl es sich in beiden Fallen auch
nicht im Mindesten um den Jslam handelte.
Was aber dieser Fahne eigentlich ihre Zau
berkraft verleiht, das ist der Glauce, dah
ein Jeder, der in ihrem Schatten kampft
und fSllt, als Mart yr e r (Schahid) ge
storben ist, dem nun die Himmelspforten
offen stehen. Unter den spateren Khalifen
kam diese Fahne selten in den Krieg, ebenso
auch unter den ersten Sultanen aus dem
Hause Osman, die dieselbe von den Khali
fen geerbt hatten, und erst nach dem Tode
Solimans des Grohen begann man fleihi
ger zu ihr seine zu nehmen, um
durch deren Anblick die Soldaten zu ermu
thigen. Diesmal soll jedoch die Entfaltung
der Fahne besonders feierlich geschehen,
denn, wie verlautet, wird Abdul Hamid sie
entfalten und hierauf dem Scheik ul Jslam
übergeben, der wieder mit ihr auf goldge.
ziertem Rosie durch die Strahen Constan
ttnopels reiten, wahrend der Sultan mit
gezucktem Schwerte und ebenfalls hoch zn
Pserde neben ihm reiten wird. UlemaL
werden vor berden hohen Reitern einher
schreiten und dem Bolke verkunden, dah der
Glaubenskrieg (Dschihad) nun begonnen
habe. Von Eonstantinopel wird die Fahne
dann nach der Donau gedracht werden, wo
sie m den beoorstehenden Schlachten der
Scheikh-ul-Jslam ebenfalls schwingen soll.
i

xml | txt