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Luxemburger Gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, June 12, 1877, Image 1

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Die luxcmburger fecttc,
«erscheint jeden Dienstag und kostet unter
xrauSde,ahlung ffir die Ber. Staaten^Eanada:
itdrlich n 50J H«lbiLl>rtich $1.25
t«dtab»n»tiu«n, tthrlich $L5v. m-natlich .25 iit».
Aach Europa portotrei r
Jtihrlich «.->0 Haltnthrlich $1.75
Eorrespondenzen und Mitttzeilunaen miissen
spatesten t»s Freitafl Mor»en, wenn sie in der
«achsien Nummer Aufnahme finden sollten, ein
gesandt werden.
lNe<der, die bi- Samstag Abend eiugeben, wer
den noch >n der folgenden Nummer quittirt.
Aur fur die Grlder, die per reyistrirte»
Bri.f oder «oney vroer gesandt w.rdea, über
nedmrn wir die Berantwortlichkeit.
Srtrft cbnc Unt-rschrtsr «rrde» nicht bkrSckstchtigt. "V»
Siit Bnefe, Eorrtfpondenzrn u. s. w. addressirt
man einfach:
"I.oxii:>lvoLokk
DOBUQUE, IOWA
Office der Gazette
Ro. 442 MainHrahe, zwischen 4. u. 5.
luiandische Aundschau.
Jnder merikanische» Frage
scheint das Cabinet des Prasidenten Hayes
rascher vorzugehn, als erwartet wurde.
Kaum ist namlich die Aufsorderung an
Profirio Diaz abgegangen, den gesetzlosen
V Zuftfinden im Rio-Granoe Thal ein Ende
zu machen, da wird auch schon ein Brief des
KriegtzsekretfirS an General Sherman ver-
Lffentlrcht, der unabhangig von der etwai
gen Antwort des gegenwartigen merikani
sche» PrSsidenten, ein unmittelbares Ein
greifen unserer Trupprnkommandeure an
der Grenze in Aussicht stellt. Auf Grund
des jfingft erstatteten Reportes unseres Be
fehlshabers im Nuccesdistrikte und anderer
Derichte habe Hayes erklart, dah den un
aufhSrlichen Einfallen der merikanischen
Rauber in Teras endlich ein Ziel zu setzen
sei. Naturlich werde dabei auch auf meri
kanischem Gebiet operirt werden mfisten.
Doch mSge das, so weit thunlich, im Ein
verstfindnih mit den dort amtirenden Be
hSrden geschehen. Sollten indeh diese Be
hSrden ihre Mitwirkung dazu nicht herzu
leihen gewillt oder im Stande sein, so moge
General Ord je nach Besinden die Grenze
fiberschreiten, mtt bewaffneter Macht in
Meriko eindringen und etwa auf der Flucht
befindliche merikanische Banditen einzuho
len versuchen. Sei das aber gelungen, so
mSgen unsere Offiziere nicht allein das bei
i denselben gefundene amerikanische Eigen
thum an sich nehmen, sondern auch
dießerbrecher bestrafe Eine
fihnliche Jnftruktion ve» PrSsidenten Bu
chanan an den amerikanischen Commandeur
in San Antonio vom 24. Februar 1860
ffihrte zu einem Angrifse der merikanischen
BundcStruppen auf die unsrigen. Dah
nicht schon damals ein zweiter amerikanisch»
merikanischer Krieg die Folge war, hatte
keinen anderen Grund al» den AuSbruch
unsere» Bfirgerkrieges.—ES wfirde unS gar
nicht wundern, wenn da» Schreiben Mc-
Creary» an Sherman vom Iten Juni 1677
die damals nothgedrungener Weise oerscho
bene Katastrophe herbeiffihrte.
Die drei letzten Gesehgebungen,
die sich nach dem Winter vertagt haben,
hinterliehen beim Bolke ein sehr schlechtes
Andenken. Da ist die verflostene Gesetzge
bung von New ?)ork. Niemand ist mit rhr
zusrieden, selbst die leitenden republikani
schen Organe trauen sich nicht, sie in Schutz
zu nehmen. Sie Hat sich grobc Pflichtver
sSumnrh zu Schulden kommen lasten und
selbst ein Bruch der Constitution wird ihr
zur Last gelegt. Eine ihrer Hauptaufga
ben war es, die von der Constitution aus
drficklich oorgeschriebene Neueintheilung der
StimmrechtS-Districte vorzunehmen. Sie
unterlieh die» au» dem erbSrmlichenGrunde,
weil durch dieselbe einige neue voraussicht
lich demokratische Districte entflanden wS
ren. Die das republitanische
Organ in New ?)orf, bezeichnet die» als ein
Act politischer Unehrlichkeit, ffir welchen die
republikanische Partei schwer bfihen wird.
Nicht bester war die heimgekehrte Legisla
tur unsere» Nachbarstaate» Illinois. Zwar
zvaren dort nicht die Republikaner und auch
-' nicht die Demokraten Herr, sondern ein
erbSrmliche» HSuflein von 13 unabhSngi
ge Bauern hatte die Zfigel de» Staat»
wagenS in der Hand. Sie kutfchirten den
selben so erbSrmlich, dah nur da» Beto de»
PrSsidenten darin hmderte, sonst wSre die
Staatskaroste in den Sfimpfen einer ver
wfisterten SilberwShrung stecken geblieben.
Die wichtigsten vorliegenden Gesetze kamen
nicht zur Erledigung, obschon die Gesetz
gebung auhergewShnlich lange tagte und
eine der kostspieligsten war, die je im Prai
riestaate gesessen. Nicht bester ging e» in
Mistouri. Auch dort ist die Klage eine all
gemeine fiber unfahige Leute, schlecht durch
* dqchte Gesetze und eine theuere Diat.
Wann werden dem Bolke die Auge aufge
hen? fragen wir und antworten zugleich:
Nie. Wie daS Bolk, so seine Gesetzgebun
gen. E» sind daS Zeichen der Zeit, wenn
auch sehr schlechte.
Noch ist e» lange nicht October und
rfisten in Ohio sich schon die Parteien
ffir die um jene Zeit statthabende Wahl.
Die demokratische Convention ist ffir den
25. Juli nach Eolumbus berufen. Acht
Tage darnach werden die Republikaner sich
sammeln, um ihre Plattform und ihre
Candidaten ffir StaatSfimter aufzustellen.
HerauSqeber r Deutsche-Katholische Druck-Gesellschast.
Jahrgang 6.
Die Demokraten sollen durch bittere Er
fahrung gewitzigt, wirklich entschlosten sein,
die Papiergeld Politik fallen zu lasten, kei
ne Bermehrung der Greenbacks mehr ver
langen und der Resumptions-Acte, welche
die Wideraufnahme der Speziezahlang auf
den 1. Januar 1879 feststellt, unter dem
Borwand opponiren, dah die Zeit zu kurz
sei, um diese Mahregel auszufuhren.
Dann wollen sie dem Silberdollar unserer
Bater und der Doppelwahrung das Wort
reden. Damit glauben sie bei der nachsten
Wahlcampagne den Sieg an ihre Fahnen
zu bannen. Es soll die Absicyt eines
Theils der Republikaner sein die Politik des
Prasidenten Hayes zu indossiren, doch
scheint diese Anerkennung auf bittere Op
position zu stohen. Die sudliche Politik
des Prasidenten schmeckt den Herrn nicht
und so wird ein bitterboser Streit entstehen,
derdcn Demokraten von grohem Nutzen
sein kann.
Tweed's Spiehgeselle, Peter
B. Sweeney, der sich nach Aufdeckung des
Tammany Rings mit seinem Raube im Be
trage von mehreren Millionen aus dem
Staube machte, dann kurz nach der Gefan
gennahme des „Boh" zurfickkehrte und sich
zum Prozeste stellte, Hat gestern mit der
Stadt New Vork einen Bergleich abgeschlos
sen. Er gibt von den gestohlenen Geldern
»400,000 heraus und alle gegen rhn an
hangig gemachten Prozeste werden niederge
schlagen. Boh Tweed soll sich fiber diese»
AuSgleich vergnfigt die Hfinde reiben, denn
er Hat jetzt guten Grund zu der Hoffnung,
dah seine Tage innerhalb der Kerkermauern
gezShlt sind. Auch er rst zu einem Eom
promiste bereit und wird, wenn'S nicht an
der» geht, vielleicht mit dem zehnten Theile
seine» RaubeS herauSrficken.
„We n n die Spitzbuben sich strei
ten, kommen die ehrlichen Leute zu ihrem
Gelde", da» Sprichwort gilt auch ffir die
hiesigen Eisenbahncompagnien. Gerathen
sie sich in die Haare, werden die Fracht und
Pastagierpreise billig. Um die letzteren, die
Pastagierpreise, handelt e» sich diesmal.
Beranlastung dazu gab ein vor etlrchen Mo
naten eingerichteter Schnellzug zwischen
St. LouiS, Chicago u. New genannt
der Wabash Schnellzug, weil er fiber die
Wabashbahn geht. Der Schnellzug gefiel
dem pennshlvanier Eisenbahnkonig Scoti
nicht und er verlangte Einstellung. Da
man im Lager Banderbild'» dem Berlangen
nicht Folge leistete, so kfirzte Scott die
Fahrzeit eine» seiner fiber die Pennsylvania
Bahn gehenden Chicagoer Eisenbahnzuge»,
um mit dem Wabashzuge zu concurriren.
Dasging mehreren westlichen Bahndirec
tionen gegen den Strich und sie appellirten
an ihren Genosten Scott. Doch vergeben».
Jetzt ging's lo». Bor seiner Abreise nach
Europa hatte Banderbild Befehl ertheilt,
dah im Falle der Chieago'er Schnellzug de»
Col. Scott bi» zum 23. Mai nicht zuruck
gezogen sei, die Fahrpreise bedeutend redu
zirt werden sollten. Da» geschah nicht und
so kfindigte die Lake Shore Bahn Preise ffir
limitirte Tickets von Ehicago nach Boston
zu »16 und nach New Bork zu »15 an.
Da» bedeutet einen allgemeinen Eisenbahn»
krieg, denn da werden die Baltimore und
Ohio, die Erie-Bahn, sowie die
Trunk" - Bahn nicht zmuckstehen dfirfen,
sondern die Preise ebenfall» herabsetzen
musten und da« Publikum wird eine Zeit
lang zu seinem Rechle kommen.
Noch immer lesen wir au» allen
Theilen der Union entmuthigende Handels
berichte. Die Fallistemente, wenn auch nicht
mehr so hfiufig und so schwer, sind noch
nicht ganz verschwunden, dennoch mehren
sich die Zeichen gfinstigerer Geschafts Aus
sichten und lasten ein Wiederaufleben des
BerkehrS erkennen. Die Ueberproduktion
in vielen GeschfiftSzweigen Hat schon seit
lange aufgehSrt und die aufgestapelten Pro»
dukte sind verbraucht, so dah jetzt bereit»
Nachfrage nach Fabrikaten entsteht, die in
Uebermasten vorhanden waren. „Jn vie»
len Manufaktur - Distrikten sind mfihige
Maschinen und mfihige Hfinde wieder in
Bewegung gesetzt. UnbenutzteS Capital ist
auS dem Berstecke wieder hervorgeholt wor
den, damit es dem Zwecke seiner ursprfing»
lichen Bestimmung diene. Tausende von
bedrfingten Familien, welche seit mehreren
Jahren von dem Almosen Anderer lebtr»
und abhingen, weil ihre Ernfihrer, welche
Tag und Nacht ffir sie gearbeitet haben wfir
Mremburger
GALelle.
Dubuque, lowa, Dienkag, den 12. Zuni 1877.
den, keme Beschaitigung hatten, athmen
wieder frei auf und finden ihr Auskommen.
Die Mobilien und Haushalt Gerathschaf
ten, welche man fur Brod und Kleidung
verkaufen muhte, werden allmahlich wieder
ersetzt und in Tausenden von Wohnungen,
wo noch vor wenigen Monaten der Mangel
und die Traurigkeit herrschten, gibt es wte
der frohliche Herzen und heitere Gesichter",
so schreibt man aus Pittsburg. Dozu tritt
die Aussicht nicht allein auf eine gute son
dern sogar auf eine rciche Erndte in der
ganzen Union. Sie wird den Handel be
leben und das Geld unter das Bolk brin
gen, da in Folge des Krieges in Europa der
Farmer eines guten Preises fur seine Pro
ducte sicher ist. Und so wird die Zett der
Noth denn auch bald aufhSren und der Ar
beiter wieder frischer und freier aufathmen
konnen.
Die letzte Woche war auherordent
lich reich an Unglucksfallen. In Illinois
ward das bluhende Stadtchen Mt. Carmell
durch einen Orkan schwer heimgesucht. Es
wurden das Courthaus, zwei Druckereien,
3 Kirchen, 2 Schulhauser, 20 Geschafts
hauser und über 100 Privatwohnungen nie
dergeristen. In den Trstmmern brach Feuer
aus, das erst nach muhvoller Arbeit geloscht
werden konnte. An 20 Menschen blieben
todt auf dem Platze und an die 80 sind
schwer verwundet. In Bridgeport, Conn.
brach Feuer in einer Fabrik au» und Qber
liber 40 Personen verloren durch einftur
zende Mauern ihr Leben. In Galvefton,
Teras, wurden 3 Hausergeoierte in Asche
gelegt u. ein Schaden von fiber drei Mil»
l>onen Dollar» angerichtet. Auch New
Orleans litt durch eine FeuerSbrunst; e»
brannte ein werthvolle» Hausergeoierte ab.
Austandische Mndschau.
Noch immer bringt un» der Kabel
meier GerLchte von bevorstehenden Frie
densunterhandlungen. So seltsam diese
auch angesichts der Kampfe in Kleinasien
und der fortwahrenden russischen Truppen
sendungen an der Donau klingen, so sind
sie doch in etwas wahr, u. bemerkenswerth.
Die europaischen Machte, und an ihrer
Spitze Deutschland, suchen den Krieg zu
localisiren, das ist auf den Osten zu be
schranken, um den AuSbruch eines allge
meinen europaischen KriegeS zu verhindern.
Sowohl unsere neuesten Postnachrichten
aus Berlin als die Kabeldepeschen der paar
letzten Tage lasten es erkennea, das Bis
marck die Rolle de» FriedenSvermtttlers aus
dem Grunde übernommeu Hat, weil er ein
BQndnih zwischen Frankreich, Oestreich u.
England befLrchtet und dehhalb sogar da
hin arbeitet, ejne baldige Beendigung de»
rustisch-tLrkischen Kriege» zu veranlasten.
Denn je langer dieser andauert, desto groher
wird mit jedem Tage die Gefahr der Aa»-
dehnung destelben. Je weiter die russi
schen Streitkrafte in Asien vordringen, desto
mehr wird England beunruhigt und auch
die kriegerische Bewegung in Griechenland
sowie die BorgLnge auf Kreta sind bloh da
zu geeignet. die britische Jnterestenpolitik
immer mehr der Theilnahme am Kriege
entgegen zu treiben. Die zu
nehmende Aufregung unter den Serben und
andern slavischen Elementen verursacht an
dererseits in Oesterreich Ungarn Besorg
niste der schlimmsten Art, so dah selbst da»
Peter»burger Kabinet gegenwartig bemuht
sein soll, die panslavistische Bewegung nach
KrLften einzudammen und die Serben von
dem Kampfe gegen die Turkei abzuhalten.
In England gehen die Wogen der Aufre
gung wlrdrr recht hoch. Wahrend Glad
stone rusten - freundliche Demonstrationen
in Scene setzt, sucht Lord Elcho im Parla
ment die Regierung zur raschen Kriegsbe
reitschaft anzutreiben, namlich gegen Ruh
land. Der KriegSsekretLr antwortete, dah,
obgleich die Armee auf dem FricdenSfuh
gehalten sei, so doch die Regierung fllr alle
Eoentualitaten Borbereitungen getroffen
habe. Bon Berlin auS wird England mit
der grShten Aengstlichkeit fortwahrend be
wacht und bearbeitet. Denn sobald Eng
land gegen Ruhland losgehen sollte, wurde
der allgemeine europaische Krieg sich schwer
lich mehr abwenden lassen. Ruhland wiirde
dann erst recht alle HSnde voll haben, um
bei einem etwaigen Angriff der verbunde
ten Franzosen undOesterreicher auf Deutsch
land diesem nicht helfen zu kSnnen. Wie
Jur Wecht und Mahrhett. lm Dienste der ht. Kirche.
die ministerielle Berliner „Post" meldet,
solls dem Ssterreichischem Gesandlen Graf
Beust in London wirklich beinahe grlungen
sein, seinen lang vorbereiteten Plan einer
Allianz zwischen England, Frankreich und
Oesterreich zur Ausfuhrung zu bringen.
England's Aufgabe wiirde es gewesen
sein, an der Seite der Turken die Rusten
beschaftigt zu halten und Oesterreich und
Frankleich wurden gemeinschaftlich über
Deutschland hergefallrn sein. Dieser Plan
wurde jedoch. wie die „Post" frrner mit
theilt, vorlaufig vereitelt. Sollte Das
wirklich der Fall sein, so wird jetzt BiS
marck alle Anstrengungen machen musten,
um zwischen Ruhland und der Pforle fur
die mSgllchst baldlge Beendlgung des Krie
ges zu vermitteln. Denn bei einer Fort
dauer des Rampfes im Osten konnen jeden
Augenblick Berwtcklungen eintreten, welche
das thatige Etngrelfen der einen oder an
dern Macht, namentlich Oefterreichs und
Englands in deren Jntereste zur Rothwen
digkeit machen wurde und da ware dann
eine andere Eomplication kaum denkbar,
als die eden bezelchnete. Auf der einen
Seite Ruhland gegen die Turkei und Eng
land, wahrend Deutschland und Jtalien aut
Frankreich und Oesterreich sich herumschla
gen wurden. Eine gunstigere Gelegenheit
durfte sich Frankreich zum Revangekrieg
wohl kaum je mehr bieten.
Aus Holland meldete unsder Drle
graph diese Doche den Tod der Konigin.
Die Berstorbene war die zweite Tochter K3-
nig Wilhelms 1. von W rrtemberg. Sie
war geboren am 17. Juni 1818, ward am
17.MLrz 1839 mit Wilhelm, Prinzen von
Oranien, dem jetzigen KSnig von Holland
und Grohherzog von Luremburg, oermahlt,
fuhrte mtt demselben jedoch keine gluckliche
Ehe. Sie stand immer zur Seite FrankrerchS
gegen Deutschland und ihr wird, ob mit
Recht, wtsten wir nicht, der Schacher mit
Luremburg zugeschrieben, der beinahe zum
europaischen Kriege gesuhrt. Die Berstor
bene war eine der gescheidesten und gebil
desten Frauen, die je auf einem Throne
sahen, doch im Bolke wemg beliebt.
JnFrankreich, scheint e», haben die
Radikalen sich jetzt auf einen Feldzugsplan
gegen die Regierung geeinigt. Ist dem
Telegraphen zu glauben, so haben die drei
Gruppen der Linken sich geeinigt und ihr
Programm festgestellt. Gambelta soll bei
der WiedererSffnung der Kammern eine In
terpellation einreichen, sich aber jede» An
griffs auf das Berfahren de» PrSsidenten
McMahon, desten Nichtoerantwortlichkeit
unbedingt zuzugestehen sei, enthalten. Es
wurde ferner beschlosten, die Antwort auf
MacMahon's Bo:schaft in gemahigtem aber
entschiedenem Tone abzufasten, u. dah, wenn
der parlamentanschen Mehrheit hinsichtlich
von Aenderungen im Cabinet Anerbietun
gen gemacht werden, solche nicht ohne vor
hergegangene ErwSgung zurllckzuweisen,
wenngleich e» nSthig sein werde, auf dem
Rllcktritt de» Minister» de» Jnnern Four
tou zu bestehen. Betreff» der Annahme
de» Budget» kam man fchliehlich llberein,
die Entscheidung dieser Frage der Budget
commisfion anheim zu stellen. Eine Mehr
heit der Bersammlung schien der Ansicht zu
sein, dah nicht» gethan werden sollte, wa»
die AuflSfung der Abgeordnetenkammer un
vermeidlich machen mllhte. E» wurde zu»
gegeben, dah Fourtou'» Berfllgung bezSg
lich der Conzefsionen filr den Strahenver
kauf von Zeitungen viele republikanische
BlStter veranlaht Hat, in ihren Aeuherun
gen vorsichtiger zu sein, und dah, wenn
man dem republikanischen Wahlkampf die
Bedeutung eines Kampses gegen Mac
Mahon gabe, man viele Stimmen verlieren
wurde. Dieses gemahlgle Auftreten, ob
wohl der Form nach ein Feldzugsprogramm
gegen die Regierung, ist mehr darauf be
rechnet, Stimmen bei der nachsten Wahl zu
fangen, al» Oppositior: zu machen. Die
Rothen sehen ein, dah sie den Halt beim
Bolke verlieren und daher daS Leifetteten.
Bom Kriegsfchauplatze an der
Donau ist noch immer nicht viel zu melden.
Doch stehen starke Kampfe dort beoor, das
laht sich au» der Ankunft de» Ezaren auf
dem KriegSschauplatze schliehen. ' Zwar
heiht es, dah es zwischen dem Thronfolger
und dem russischen Oberst-Commandiren
den zu starken Zwistigkeiten gekommen sei,
aber der wahre Grund wird doch wohl
Nedakteur: Nichotas Gouner.
sein, dah der Czar gerne einen Theil der
Lorbeeren pfluckt, welche die Armee bei ihrem
Uebergange uzer die Donau davon tiagen
wird. So leicht wird nun das nicht gehen,
aber die Rusten musten jetzt dran. Unter
desten ist letzte Woche an einer andern
Stelle ein verzweifelrer Kampf gefochten
worden. Furst Nikolaus von Montenegro
ist mit den Turken oder bester gesagt, sie
sind mit ihm handgemein geworden. Schlau
ist der Herr der Schwarzen Berge, aber
die Turken waren noch schlauer. Nikolaus
wollte die Turken erst dann angreiien.wenn
sein machriger Lerbundeter die Donau über
schritten hatte. Anders aber dachte Abdul
Kerim Pascha, der turkische Heerfubrer; er
griff, da er jetzt noch disponible Truppen
hatte, die Sohne der schwarzen Berge
gleich, und mit Uebermacht von zwei Sei
ten, von der herzegowinischen und albane
sischen, an. Suleiman Pascha, der eine der
turkischenFuhrer lirferte den Montenegrinern
bei Kistaz einen blutigen Kanpf, aus
dem er ais Sieger hervor gl»g. Die
Berluste werden verschiedenen angegeben-
Drr Hauplkampf aber wird erst im Duga
paste, einer mehr ais zwSlf engl. Meilen
lange Schlucht, die zur belagerten lurkischen
Festung Nicksitsch fuhrt, gefochcen werden,
da die Montenegriner eine beabsichtigte
Berproviantirung derselben verhindern wol
len. In Kleinasien scheinen die Rusten
langsame aber sichere Fortschritte zu machen.
Zu schweren Kampfen ist e» dort in vergan
gener Woche nicht gekommen, aber oie Rus
sen schreiten langsam gegen die Hauptfiadt
Ezerum vor, die sie bei der ganzlrchen Un
fahigkeit de» tLrkrschen BefehlShaber» zu
umzingeln suchen. Dabei Kar» im Rllcken
liegen lastend und e» durch ein BefatzungS»
corps beobachtend, eine Taklik, die auS dem
leyten deutfch-franzSsifchen Kriege wohl be
kannt ist.
In Meriko wird e» wohl bald wieder
loSgehen. Diese» unglSckliche Land leidet
mehr unter dem Banditenthum seiner „li«
beralen" Machthaber, aIS irgend ein an
dere» Land aushalten kSnnte. Sobald ein
Rauber sich auf den PrSsidentenstuhl ge
schwungen Hat, kommen Andere und erlas
sen gegen ihn und der
Krake-l ist da. So ist es auch jetzt wie
der. General Eskobedo, der sich seit tinis
ger Zeit in San Antonio, Teras, aufgehal
ten Hat, wird wahrscheinlich diese Stadt
oerlasten, und sich nach Meriko begeben.
Berschiedene Staaten sollen beabsichtrgen,
sich fur Lerdo de Tejada zu erklLren, den
sie hier fllr den allein rechtmahigen Prasi
denten halten. Die Agenten Lerdo'S sind
sehr thStig, die Sffentliche Meinung umzu
stempeln. Auch von unserer Bundesregie
rung heiht es, sie sympathisire mit Lerdo,
sie habe daher Diaz als Prasidenl noch nicht
anerkannt. Da» mag nun allerdings seine
Richtigkeit haben, jdenn General Diaz ist
im Grunde doch nur ein Usurpator, und
auherdem sind unter seiner Herrschaft ame
rikanische Bilrger in Meriko wiederholt
drangsalirt und insultirt worden, ohne dah
die BehSrden denselben Schutz zu Theil
werden liehen. Unter solchen Umstanden
war e» wohl nur taktvoll, wenn der dies
seitige Gesandte in Meriko, Herr Foster,
bei der Jnauguration des PrSsidenten Diaz
durch Abwesenheit glclnzte. An eine Ein
mischung der Ber. Staaten in Meriko'» in
nere HSndel ist nicht zu denken, wenn auch
in letzter Ziet viel daruber gefaselt und ge
fabelt worden ist. Die Merikaner sollen
nach ihrer eigenen Facon selig werden kSn
nen, aber an der Grenze sollen sie Ruhe
und Frieden halten, sonst mSchte ihnen da
einmal in Aantee-Manier der Standpunkt
klar gemacht werden, denn unsere Regie
rung ist des Raubens uud Stehlens der
Merikaner recht herzlich mude.
A,s)»g m de» telegraph. Depesche»
D e ut sch l a nd.
London, 5. Juni. Eine Spezialde
pesche von Berlin meldet, dah die Nuch
richt, England, Deutschland und Spanien
HStten bezuglich der Besteuerung der auf
Cuba lebenden englischen und deutschen Un
lerthanen im Allgemeinen ein Uebereinkom
men getroffen, sich al» irrlhiimlich erweist.
England und Deutschland haben nur gegen
die Besteuerung ihrer auf Euba sehhaften
Unterthanen zu KriegSzwecken Einwand
erhobrn.
Nummer 307
Kmse der AuZrigm.
Jeden Zoll der Spalte per Jadr... $16.00
„ „ „ „ 6 Woiwte SIO.OO
„ „ „ „ 3 Monate $ 6.00
Local-Notizen.
Unttr 5 Ztilen Brevier werden nicht angenom
men. ?lur jere Zeilr Brevier oder deren Raum
raS 1. Mal 10 EtS. die nachsten Male 5 Eents
Heiratds- und Todesanzeigen mit Spruch
$1.50, ohne Lpruch SI.OO.
Au-wLrkigk An.eigen muffen vorau«btjadlt
Anzrigrn fur PienieS, Lotterien, Glulfsfpiele
rr., al? dem senile ter kalh. Kirche zuwider, fi»-
den keine Aufnabme.
Alle Anzeigen sende man spStestens
Montag Morgcn ein.
Zob -aster prompt und Sili»
ausgetutzrl
Office der Gazette
No. 442 Mainstrahe, zwischen 4. u. 5.
Ro m.
Rom. 10. Juni. Der Papst Hat, anlatz»
lich seines 50iShriqen Dischofsjubilaums
dem Prasidenten Mac Mahon und dem
Grafen Larifch das Grohkreuz deS Ordens
Pius IX. verliehen. Graf Larifch war
oom Kaiser von Oestreich rigens nach Rom
gesandt worden, itm hem hl. Baler ju sei
nem Jubilaum Gluck zu wfinschen. Geim
Empfang polnischer Pilger, welche ihm vom
Cart. Ledochowski vorgestellt wurden, that
der P pst der Beschwerniste Erwagung,
mit welchen infolge der ihnen in ihrer Hei
math bereitelen Berfolgungen ihre Pilger
fahrt verknupft gewesen sei, und ermahnte
sie, letztere durch Gebete, die frfiher oder
spater gluhende Kohlen auf die Haupter
ihrer Berfolger sammeln mfihten, zu fiber
winden.
England.
Bath, 6. Juni. Die Widcombe HSl
rerne Briicke bei Lath ist heute Mittag ein
qestfirzt. Hier das Rahere: Rachden heute
Bormittag um halb zehn Uhr ein Zug der
Weymouth Zweigbahn der Great Wejlern-
Eisenbahn mtt Gasten zu der hier stattfin
denden landwirthschaftlichen Ausstellung
un hiesigen Bahnhofe angekommen war,
drangten sich etwa ein bis zwei hundert
Ankiimmlmge, meist begfiterte Bauern mit
ihren Weibern und Kindern, auf die
Mauthbificke, welche, von Holz leicht ge
baut, schmal u. etwa 30 Fuh lang, in einer
HSHe von dreihig bis vierzig Fuh iiber den
Avon ffihrte. Die Briicke, welche an bei
den Ufern auf Pfosten stand, in der Mitte
aber keinerlei Stiitze hatle, brach unter der
ungewShnlichen Last mitten entzwei und
stfirtte mit dieser in das an der Stelle un
gefichr sieben Fuh tiefe Fliihchen. E» stie
hen sofort zahlreiche Boote oom Ufer ab,
um die Berungliickten zu retten und die Lei
chen der Ertrunkenen an's Land zu bringeu.
Man schLtzt die Zahl der GetSdteten auf
17 und die der Berwundelen auf 51.
Frankreich.
Pari». 6. Juni. Der Chefredacteur
der,Marseillaise" ist wegen Beleidigung
des PrSsidenten Mac Mahon zu einer
Geldbuhe von 5000 Franken und drei Mo»
naten Gefangnih verurtheilt worden.
Pari», 5. Juni. Fourtou. der Mini
ster de» Jnnern, Hat an die PrSfeeten ein
Rundschreiben erlasten, worin er dieselben
anweist, alle fiir den Berkauf von Zeitun»
gen, Biichern und Flugschristen ertheilten
Konzessionen zu prfifen und diese nur ver-
Irauenswfirdigen Personen zu belassen.
T 2 r k e i.
Wien, 6. Juni. Eine Spezieldepesche
von Pera an die .Deutsche Zeitung" mel
det, dah eine italienische Corvette mit 200
Mann an Bord, in den Dardanellen auf
einen Torpedo gestohen und zu Giunde ge
gangen ist. Einzelheiten fehlen.
Ruhland.
New P o rk, 7. Juni. Eine Speziak
depesche von London an das .Telegram"
meldet: Im Londoner Bureau des .Tele»
gram" eingetroffene Nachrichlen besagen,
dah die Ankunft des Ezaren Alerander in
Plojeschti sich zu einer der grohartigsten Fest
lichkeiten gestaltete. Die Szenen am Bahn
hofe vermSgenWortekaum zu schildern.Nebst
einer riesigen Bolksmenge harrten daselbst
wenigsten» 200 StabSoffiziere und die Ge
nerale Jgnatieff, Galatzin und Witttzen
stein, um den Kaiser aller Reuhen femer
wSrdig zu empfangen. Auf dem Bahn
hofSgebaude wehten die Flaggen aller Bbl
ker der Erde, da» griechische Kreuz behaup
tete inmilten de» festlichen Aufputze» jedoch
den ersten Rang. Die nach dem Bahnhofe
fLhrende Strahe war mit einer unabsehba
ren Bolksmenge bedeckt. Jedermann wollte
den Ezaren sehen. Au» den Fenstern reg
nete e» Blumenstrauhe in den Wagen des
Ezaren. Kurzum e» war eine erhebende
Festlichkeit, an welcher die BevSlke
rung der Stadt theilnahm. Wiemanhbrt,
wird der Sultan binnen Kurzem perfSnlich
den Oberfehl 2ber die tLrkifchen Streit
krSfte übernehmen. Man deutet die An
kunft de» Ezaren im Hauptquartierder ruf
stfchen Donau-Armee dahin, dah entweder
der Uebergang über die Donau oder irgend
eine andere wichtige militarifche Bewegung
unmittelbar bevorsteht.-
Fllrst Karl von RumSnien wird heute
zum Besuch des Ezaren h»er eintressen.
Aegypten und Abessinien.
London. 7. Juni. Eine Spezialde
pesche der ..Times" von Alerandria meldet,
dah die Bedingungen deS zwischen Aegyp
ten und Abessinien geschlosienen Friedens
in der Wiederherstellung der alten Grenzen,
freihandlerischem Berkehr und wechselseiti
gen Konsularbeziehungen bestehen.
Eanada.
Quebec, 5. Juni. Der Erzbischof
von Quebec sandte solgerde Depesche von
Rom hierher: „Der hl. Baler dankt Euch
und sendet Euch und allen aufrichtiaen Ka
tholiken Eanadas den apostolischen ivegen."
O st i n d i e n.
London. 5. Nach einer Depe
sche vm Ealcutta .et die Lage der Dinge
>n von Hungerenoth heimgesuchten Be
,nken eine Wendung zum Besiern genom
't.en. Die neulichen Regengusse haben die
Aussichten betrLchtlich gSnstigei gestaltet.

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