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Luxemburger Gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, July 09, 1878, Image 1

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Imrmlmrgrr Gasrtte,
. Wo' «rschoim ieden Drenstag und kofiet unter
v firr die Ber. StaatenLEanadar
sedrtt». Haldttdrtt» 11.J5
StatMbcaiuaten. i4Mut ».s<i M (m.
Nach Lnropa portoftei r
IddrNch JSJXI | H.ltjSdrltch $1.75
Correspondeajen und Mittheilungen musten
spatestrn bi» Kreitaa Rorgea, wenn sie in der
niichDe» Nummrr «ufnahme finden sollten, ein
gesandt werden.
Velder, die bi» Gamstag Abend eingrhen, wer
ven noch in der folgenden Nummrr gnittirt.
MP Rur ffir die Velvrr, die per registrirte»
Vrief oder M«»etz Order gesandt werden, über»
nodmeu wir die Brrantwortlichkrit.
Brkft iil( «erkta »Icht »rrtckstchtiD».
Alle vriest, Lorrrspondrnien ». s.». addresfirr
«a» eiafach r
Offiee der Gazette
R». 442 BUiafhrtfe, zwischen 4. >. 5.
IntSndischr Hlundschau.
Die Congrehmitgliederfind
nach Hause zurilckgekehrt, und in allen
Staaten (New Hampshire und Californien
au»genommen) wird wLhrend de» Som»
mer» eifrig gearbeitet werden, denn fast ein
jeder der Herrn arbeitet filr seine Wieder
wahl. Auherdem ist die grohe Frage zu
lSsen, welchr Partei im nLchsten Congresie
dominiren soll. Dah die Demokraten nach
dem 4. MLrz eine Mehrheit im Senate
haben, ist heute schon ausgemachte That
sache; im Betteff de» 46. Congresie» Hat
da» Volk im kommenden November zu ent
scheiden. Die Republikaner haben den
ganzen Winter hindurch oon auherordent
lichen Anstrengungen gesprochen, die sie
machen wollen, um die Conttolle de» nach
ften ReprLsentantenhause» zu erobern; wo
der den Erfolg sichernde Nachschub filr diese
Anstrengungen herkommen soll, lLht sich
nicht wohl schen. Sie mogen im Osten
den einen oder anderen Sitz gewinnen, wer
den aber dafilr im Westen und Silden be
trachtliche Verluste erleiden; in Oregon ha
ben sie bereit» den 1876 errungenen Con
grehsitz wieder verloren. Im Sildea wird
kein einziger Republikaner erwLhlt werden.
Selbst der B. Herald" kann den Re»
publikanern keine» Trost geben. Er schreibt:
„Wir kSnnen kaum die MSglichkeit einse
hen, dah e» den Republikanern gelingen
fsllte, die Conttole de» Congresie» wieder
zu erringen. Der Zug aller politische»
Tendenzen ist gegen sie. Der PrLfident,
welchen sie vor zwei Jahren erwLhlten, Hat
sich nicht populLr erwiesen. Da» Bolk ist
filr Gparsamkeit, und die ertraoagantesten
Berwilligungen der letzten Sitzung wurden
von dem republikanischen Senate gemachl.
Die Potter'fche Untersuchung Hat nicht viel
zu bedeuten, aber wenn sie irgend eine Wir»
kung ausilbt, dann wird diese nicht zu Gun»
sten der Republikaner sein."
Immer deutlicher stellt es sich
herau», wa» e» mit dem vielen Spektakel
ilber den Sozialistenspuck in Amerika zu be
deuten Hat. Die rothe Fahne der Sociali
sten, sie ist die Bogelscheuche, welche die
Demokraten bei der nLchsten PrLsidenten
wahl vom Weihen Hause fern halten soll.
Mehr al» willkommen erscheint dabei den
Republikanern der Sieg der Arbeiterpartei
bei den Conventwahlen in Californien.
Doch ist gut bekannt, dah dieser Sieg nicht
sowohl ein Sieg der Arbeiter al» eine Lec
tion filr die beiden alten Parteien ist. Man
lese da» Programm dieser neuen Partei u.
man wird finden, dah e» zahmer ist al»
da»jenige der Greenbackleute. Die weni
gen Phrasen, die an Sozialismu» erinnern,
sind auch eben nur Phrasen.
Ein eigentliche» Programm, auf grohen
GrundsLtzen beruhcnd, besitzt keine der al
ten Parteien mehr. Da» blutige Hemd Hat
seine Dienste gethan, die Potteruntersu»
chung Hat filr die Demokraten nicht den ge»
wilnschten Erfolg und in irgend eine Trom
pete muh man doch stohen, wenn man die
Leute bei einander haben will Die repu
blikanische Trompete, e» ist der Socialis
mu» und unter den Klangen diese» Jnstru
mentes soll Grant wieder in's Weihe Hau»
marschiren. Die krLftige Hand Grant»
wilrde die Rothen niederhalten und so kSnn
ten unter feinem Schilde feine Knappen
stehlen, dah e» eine Art Hat. Dehwegen
sind die Republikaner so einstimmig filr ihn.
Etwa», worilber man bi» jetzt nicht im
Klaren war, ist, ob Tilden zur Zeit feine
Zustimmung zur Electoralbill gegeben habe
oder nicht. Die einen sagten la, die andern
Nem. Doch die Wahrheit kSmmt immer
an den Tag. Herr Watterson, der bekann
te Redacteur und Redner, und Herr Hewit',
der Fuhrer der Tilden Campagne, zanken
sich schon seit lSngerer Zeit. Watterson
Hewitt, dah er Mittheilungen
über die Ansichken Tilden'» in Bezug auf
die Electoral-Bill unterdruckt habe. E»
stellt sich jetzt, wo Hewitt einen lSngeren
Brief ilber die Angelrgenheit vom Stapel
gelasien Hat, herau», dah Watterson'» Ver
dacht unbegrilndet war. E» ist zu bedau'
ern, dah Hewitt so schnell seine Zustim
mung zu der Electoral-Bill gab. Andere
haben zwar denselben Fehler gemacht, aber
seine Stellung gab seiner Unterstlltzung der
Electoral-Bill eine besondere Bedeutung,
da man natilrlicher Weise annahm, dah er,
der Tilden so nahe stand, auch desien An-
"I,vnrnLv»airn Oxuvr»",
DvvvcrvA. IOMA
Hera»-geber r De»tsche-A»thOlische Dr»<-Veselsch»st.
Zahrgang 7.
stchten vertrete. Au» Hewitt'» Brief geht
jedoch klar hervor, dah Tilden die
Electoral-Bill niemal» in ir»
gend einer Weise gebilligt Hat.
Un» ist e» unerklarlich, dah Hewitt so
wa» ohne Tilden'» Gutheihen thun konnte.
Wahrscheinlich gab Hewitt im Bertrauen
auf gute» Recht seine Zustimmung, darauf
zLhlend, dah Tilden, sollte der Au»spruch
nicht zu seinen Gunsten sein, immer noch
freie Hand behielte den gesetzlichen Weg ge
gen den AuSspruch der Commisfion anzu
treten. Da» mag gut gemeint gewesen
sein, aber e» war ein grober politischer
Schnitzer, den Tilden durch Protestiren nach
Erfolg de» Entscheid» HLtte gut machen
mLsien. is the best policy, die
ser Ausspruch ist heute noch so wahr al» zu
Washington» Zeiten.
Die Demokraten Ohio'» hielten
am 26. Juni in Columbus ihren jLhrlichen
Staats-Convent ab. Die GrundzLge des
angenommenen Programm» sind dem am
25. Juli 1877 zu Cincinnati aufgestellten
demokratischen Partei-Programm entnom»
men und lauten in Kllrze: Locale Selbst
verwaltung; Oberheit der Cioil-Gewalt
ilber die MilitLr-Gewalt; Getrennthaltung
de» Staate» oon der Kirche; Gleichheit Al
ler oor dem Gesetz; personliche Freiheit,
unbeeintrLchtigt durch ZwangSgrsetze; un
bedingte Unterwerfung unter den gesetzmL
hig auSgesprochenen Willen der Mehrheit;
BekSmpfung jedweden Berfuch», die Sffent»
lichen Gelder und LLndereien durch Unter
stiltzung von Prioatunternehmungen zu ver»
schleudern; Erhaltung der Ssientlichen LLn
dereien filr Solche, die sich wirklich auf den
selben niederlasien und sie bebauen; Erhal
tung de» Volk»schulwesen».
E» folgten dann eine Menge ErklLrun
gen bezilglich der letzten PrLsidentenwahl,
der GeschLftsnoth, der Geldfrage, der
Nothlage de» Arbeiterstande» und der
lichen Frage". Wa» die Geldfrage anbe
langt, so genilgt e» zu erwLhnen, dah die
demokratische Partei oon Ohio den Wider
ruf de» Metallwahrungsgesetze», vollige
Freigebung der SilberprLgung und die Er»
setzung de» Nationalbankgelde» durch Re
gierungspapiergeld (Greenback») al» da»
ausschliehliche Papiergeld de» Lande» und
al» gesetzliche» ZahlungSmittel filr alle
Gchuldverbindlichkeiten, offentliche wie pri
vate, verlangt. Wie man steht enthLlt d»e
se» Programm Nicht» Neue».
Am Hellen Tage fand in Springfield
die republikanische Staat» - Convention
von Jllinoi» statt. Sie stellten eine
Platform auf, die derjenigen unse»
re» westlichen Masiachusett» gleicht, wie ein
Ei dem andern. An Allem sind die bSsen
Demokraten Schuld. BemerkenSwerth ist,
dah auch nicht ein gute» Wort filr Haye»
abfiel. Den republikanischen Parteileuten
ist der Mann ein schrecklicher Dorn im Auge.
AuslLndische Aundschau.
Bekanntlich wagten in der letzten
Sitzung de» Reichstage» und der preuhi
schen Kammern die Liberalen",
Bismarck» treue Pudelhunde, zu knurren;
sie wollten Nicht» von Tabakssteuer, Nicht»
von fchSrferen Gesetzen gegen die Soziali
sten wisien. Da siel Nobiling» Mordver
such und wie mit einem Schlage Lnderte
sich da» Bild. Bismaick lSste in der Eile
den ReichStag auf, hosiend dah der geLng
stigte deutsche Spiehbilrger nun so stimmen
werde, dah der Regierung eine sichere will
fLhrige MajoritLt zur Seite stehe. Der
Wahlkampf ist jetzt im Gang, die Parteien
erlasien Programme und richtig sind die
Nationalliberalen bereit» zu Kreuz gekro
chen. Sie wollen helfen die Sozialisten
knebeln, aber von dem „Ruin" einer
henden Industrie wollen sie Nichis wisien.
Das bricht ihnen daS Genick
In dem bisherigen Reichstage sahen al»
undedingt treue Anhanger der Re
gierung die Conservativen und die
Reichspartei", welche mit einigen gutge»
sinnten „Wilden" etwa 80 Mitglieder zShl»
ten.
Dem gegenilber stand die O p posi
tio n, welche sich au» folgenden Parteien
zusammensetzte: Centrum mit 98, Polen
mit 14, FortschrittSpartei mit 33, Gruppe
LSwe mit 11, VolkSpartei mit 4, Social»
demokraten mit 12, ElsSsier mit 9 Vertre»
tern. Dazu noch der Dane Krllger, macht
Mreinburgcr
GZLette.
Aubuque, lowa, Dienstag, den 9. luli 1878.
eine Opposition von 182 KSpfen. In der
Mitte stehen au»schlaggebend die Natio
nalliberalen nebst dea 6 elsSssischen Auto»
nomisten und einigen Wilden, zusammen
135 KSpfe. Wollte die Regierung birher
eine Mehrheit erzielen, s» muhte ste also zu
den 80 Conservativen mindesten» 119 Na
tionalliberale herilberziehen, um 199 Stim»
men d. h. die HLlfte de» Reichstage», auf
ihre Seite zu bringen. Schlugen sich also
mehr al» 16 nationalliberale Stimmen auf
die Seite der Opposition, so war die Re
gierung nicht mehr in der Mehrheit. Die
Entscheidung lag mithin bei dem linke n
Flllgel der Nationalliberalen. der bekannt
lich unter dem Einfluh La»k er' s steht.
Dem Fiirsten Bismarck, der einen besonde
ren Widerwillen gegen den redseligen Las
ker Hat, gefiel dieser Zustand der Dinge
schon lange nicht.
Welche Wahrscheinlichkeit Bismarck Hat,
eine gefilgigere MajoritLt zu erhalten,
dilrfte sich au» folgenden ErwSgungen erge
ben:
Bei der Wahl im Jahre 1874 brachten
die conservativen Parteien nur etwa 50
Vertreter durch. Ihre Zahl wuch» bei der
Wahl von 1877 um etwa 30, obschon da
mals nur eine ruhige, leidenschaftslose Agi
tatio» gegen die stattfand.
Jetzt liegt die Sache fiir die Conservativen
viel gilnstiger, weil einerseit» die Regie»
rung viel entschiedener filr sie wirken wud,
und weil anderseit» im Volke neben dem
allgemeinen conservativen Zuge sich jetzt der
leidenschaftliche Wunsch nach Ordnung,
Ruhe, Sicherheit de» Staate» bemerklich
macht. Also einen bedeutenden Zuwach»
erlangen die conservativen Parteien auf je
den Fall.
Von den geguerischen Parteien werden
die Nationalliberalen einige Gitze brlhen,
ebenso die Fortschritspartei und sicher die
Gozialdemokraten. Die Polen und da»
Centrum werden zweifello» ihre PlLtze be
halten, auch die ElsLher mSchten alle auf
ihren Gitzen bleiben. Unwahrscheinlich ist
e» nicht. dah die spiehbllrgerliche Angst fiir
eine Bismarck willfShrige Macht in der
Kammer sorgt. Bismarck wollte und muhte
eine Aenderung im Reichstage haben und so
posaunten seine social-demo
kratische VerschwSrungen in die Welt hin
au», die nicht eristirten. Der blaffe
Schrecken wird die nLchste ReichStagswahl
leiten. In 1870 siegte der Herrschgewal
tige durch den Si e g e»t aum el, die-mal
siegt er durch Angstmeierei.
Au Bismarck» Programm gehSrt auch die
gegen die Sozialisten eingeleitete Verfol»
gung und Terroristrung, dann die Verur»
theilungen wegen .MajestLtsverbrechen,"
die durch da» ganze Reich in erschreckendem
Mahe erfolgen. Leider g,bt e» in San»-
keine Richter mehr, und Alle» lSht
sich durch den Emdruck d:S Momente» hin
reihen. Ia der Druck von oben und die
Augendienerei von unten versteigt sich zu
den unsinnigsten Mitteln. Dazu rechn.n
wir da» Au»stohen der Sozialdemokraten
au» Fabriken und WerkstLtten. Sieht man
nicht ein, dah die in der Art
gestellt zur Reoolution filhren muh. Lernt
man nicht einmal einsehen, dah die Sozial»
demokratie nicht durch Poltzeimittel und
nicht durch Gewalt eingedLmmt werden
kann. Gegen Geistige» hilft nur Geisti»
ge». WLre der alte Fritz statt de» KartLt»
schenprinzen am Ruder, er wilrde Bismarck
sagen: mir wieder Religion in'»
Land," und «arde aber auch darauf beste»
hen, dah e» geschLhe. Jedoch Kaiser Wil
helm l. ist nicht KSnig Friedrich I. Dah nur
RLckkehr zur Religion die Nation retteo
kann, steht der Kaiser wohl ein, aber er
kann nicht helfen, er ist nur der Schatten
der Macht, die Herrschergewalt sie ruht bei
Bismarck, desien Stolz nicht zulaht, dah er
nach Canossa geht, und doch muh er hrn;
ist'» nicht heute, ist'« morgen, soll mcht da»
deutsche Bolk im Blute seiner irregeleiteten
Kinder waten.
In der Provinz Oftpreuhen
haben in den letzten Tagen zwei grShere
Arbeiter-Revolten statrgefunden. Die eine
derselben, in Puschdorf bei Jnsterburg, an
welcher sich gegen achtzig strikende Erdar»
beiter betheiligten, wurde bald erstickt. nach
dem durch eine List die Festnahme de» An»
filhrer» gelungen war. Bei der zweiten,
auf der Waldburger Haide in der NLhr
oon KSnigSberg, kam e» jedoch zu einem
ASr Htechl nub Ma-ryeit. lm Pieuste btt yt. Airche.
gefahrlichen Zusammenstoh zwischen stri»
kenden und den ihrer BeschSftigung nach»
gehenden Feldarbeitern, wobei einer durch
Messerstiche getLdtet und ein zweiter leben»-
gefahrlich verwundet wurde.
Der AuSbau der Gotthardbahn ist
noch immer starkem Zweifeln unterwor»
fen. Die einzelnen betheiligten Cantone
der Schweiz haben bekanntlich weitere
BeitrLge verweigert und auf eine Aenderung
der Gestnnung der Bevblkerung dieser Can
tone ist nicht wohl zu rechnen. Nun Hat
der Bunde-rath beschlosien da» Project ei»
ner nationalen Subvention der St. Gott»
hardbahngesellschaft «m Betrage oon 6j
Millionen Franken vorzulegen. Die dann
zur Vollendung noch fehlenden anderthalb
Millionen Franken werden von der Nord»
und Centraleisenbahngesellschaft beigeschos»
sen werden. Auf die Art umgeht man die
BeittSge der Cantone, doch muh, wenn die
Bundesversammlung demProject beistimmt,
dasselbe doch einer allgemeinen VolkSab»
stimmung unterbreitet werden. Ob sich da»
g.nze Volk dann fur den AuSbau auSfpricht,
auch da» ist noch zweifelhaft, denn mehr
und mehr dringt die Anstcht durch, dah e»
mit dem Ausbau der Gotthardbahn und
ihre» Tunnel» um die UnabhSngigkeit der
Schweiz geschehen sei.
Die belgischen Wahlen beschasti
gen noch immer die Presse Europa'» und
mit Staunen steht die sechste Grohmacht
oor einem Factum, da» die ganzen Jdeen
llber constitutionelle Volksvertretung ilber
den Haufen wirft. Constitutionell ist da»
Ministerium der Au»druck der Mehrheit in
der Kammer und die Mehrheit der Kammer
der Au»druck der Mehrzahl de» Bolke».
In Belgien ist da» jetzt umgekehrt. Da»
neue Ministerium wird der
Av»druck der MajoritLt der Kammer sein,
aber die Kammer wird der Vertreter der
MinoritLt de» Volke» sein, u. da» Minjsteri»
um wird somit auch nur die MinoritLt de»
Bolke» reprLsentiren. Denn trotz den
Wahlsiegen in Kammer und Senat haben
die Liberale» nur 41,003 und die Katholi»
ken 44,325 Stimmen erhalten. HLtten
Frvre»Orban und seine Grnosien Scham,
s» wllrden sie politische» Harikari begehen,
die neuen Kammern auflLsen und andere
Wahlen au»schreiben. Da» wird nun nie
und aimmer geschehen. Die Liberalen
wollen nicht da» Wohl de» Volke», sie wol»
len die Herrschaft, um ihrem Hah gegen Re
ligion und KSnigthum zu frShnen. Wa»
kilmmert sie Recht und Constitution. In
dem Fall sollten die Katholiken sein, wel»
che» Geheul und Gebriill sollte von Osten
de bi» nach Spa ertSnen!
H o l l a n d ist in diesem Augenblicke viel
leicht der einzige Staat Europa'», in dem
der Sociali»mu» noch keine Wurzeln ge»
schlagen Hat. Obgleich gerade in Holland
der Unterschied zwischen Reich und Arm ein
viel grellerrr ist und mehr in die Augen
springt, al» z. B. in Deutschland oder
Frankreich und die arbeitenden Klasien, na
mentlich im Winter, oft bittere Noth leiden
musien, so Hat man doch eigentlich von di
rekten Angriffen auf die bestehende gesell
schaftliche Ordnung noch nicht» oder wenig
vernommen und da» Wenige, da» in dieser
Hinsicht in Scene gesetzt wurde, verdient
kaum nahere Beachtung. Die Ursache da
von mag einestheil» in der Thatsache gefun
den werden, dah noch Riemand aufgetreten
ist, der die unzufriedenen Elemente zu sam
meln und zu organiflren wuhte, anderer»
seit» aber auch die Unmasie wohlthLtiger
Stiftungen und gemeinniltziger Anstalten,
wie sie kein zweite» Land in Europa aufzu
weisen Hat, ein heilsame» Correktiv gegen
etwaige communistische Anwandlungen bil-
aber hauptsLchlich ist ste darin zu
suchen, dah in Holland der Protestanti-mu»
nicht de.n ZersetzungSprocesse verfallen ist,
wie in Deutschland,und die Ka
tholiken, die dilrren Aeste am Baume, die
in Belgien und Frankreich da» Contingent
liefern, fast gar nicht vorhanden sind. Auf
dem am Psingstfest in Utrecht gehaltenen
jLhrlichen Congreh niederlSndifcher Arbei»
ter bekannte sich nur ein einziger der auf»
tretenden Redner offen zum Sozialismu».
Der in Berlin tagende europLische
Congreh geht feinem Ende rntgegtn. Die
rumLnische Frage ist soweit gelSst, wenn
auch nicht zur Zufriedenheit RumLnien»
Oesterreich besitzt BoSnien und die Herzego»
wina, und nur Armenien macht noch einige
9tefe*ftett* r NichstL- Gmmer.
Schwierigkeiten. Dort handelt e» sich
hauptsLchlich um den Besitz de» Hafenorte»
Batoum. Doch zweifel Sohne wird auch
diese Gchwierigkeit beseitigt. Je mehr der
Congreh sich feinem Ende naht, je grSher
ist da» Staunen ilber Ruhland» Nachgrebig
keit und feine Zahmheit. Doch Hat Ruh
land gute GrLnde auf dem Congreh nach,
giebig zu fein, e» bedarf dringend de» Frie,
den». Bei Constantinopel stehen ihm die
Tilrken mit neu gesammelten Streitkraften
auf so ziemlich gleichem Fuhe gegenilber.
Da» russische Heer ist decimirt durch Fleck
typhu» und andere Krankheiten; bei der
Cavalerie und Artillerie fehlt es an Pfer
den, weil man den starken Abgang nicht
nach Erfordernih zu ersetzen vermochte, und
e» gibt noch immer russische Geschutze, die
oon Bilffeln gezogen werden. Dah der
rumelische Ausstand sich nach wie oor auf
recht HSlt, wirft ein schlimmes Licht auf die
Macht der russischen Wafstn und setzt je
langer je mehr ihren Nimbus herab. Wenn
der Congreh nicht den Frieden zur Folge
Hat, kSnnen die Russen, wahrend England
den Weg zur See absperrt, sogar in ihrem
Ruckzuge bedroht sein und ;. B. in RumL
nien auf feindliche Hindernifie stohen. Die
Bulgaren bieten keinen mililariichen Stuy
punkt dar; die Serbier hangen den Mantel
nach dem Winde, in Schumla und in Barna
halten sich die Tilrken noch, und die Monte»
negriner, auch an Zahl nicht stark genug,
sind zu einer erngreifenden Hulfe zu weit
entfernt. Fast noch dringender fordern die
innern BerhSltniffe Ruhland» e» zum Frie,
den auf.
Die Finanzen de» Staate» wie die der
Steuerttitger sind Lbermilhig und zerrLttet.
E» fehlt an Credit; Handel und Industrie
liegen darnieder; der Panslavi»mus, der
sich in den Slaven der Tllrkei so grilndlich
getauscht Hat, steht oor einem FiaSco, da»
einen etwaigen neuen Aufschwung scho
nungSloS entkraftet. Die» aber ist noch
nicht ein Mal da» Aergste. Ein Staat,
der so oon den NchUisten unterminirt ist,
wie Ruhland, und chrer nicht ein Mal in
St. Peter»burg Meister wird, kann nicht
seine sammtlichen Truppen über die Grenze
schicken und Hat mehr im Jnlande zu ver»
theidigen, al» im Au»lande zu erobern.
Die russischen Rihilisten gehen weiter al»
die Social Demokraten in irgend einem Lan»
de der Welt; da» Jdeal chrer Politrk likht gar
nicht» tlbrig: nicht Staat, nicht Gemeinde,
nicht Eigenthum, nicht Religion, „Desor«
mnis il n’v aura rien, wie einst ein politischer
Schwindler in Frankreich sagte: da» ist der
russische Rihilismu». Bi» jetzt Hat die rus»
fische Regierung nur eine materielle Gegen»
wehr wider densetben in Bereitschaft: Po»
lizei und Militilr; allein damit greift man
da» Uebel nicht an seiner Wurzel an. Beide
Mittel kSnnen auf einen Punkt gelangen,
wo sie versagen. Wenn z. B. in Ruhland
allmiilig nihilistische Clemente in grbherer
Anzahl in die Reihen der Armee kiimen, wie
stLnde e» denn mit den matenellen Gegen
mitteln? Und die moralischen Hat man nicht
nur vernachliissigt, sondern au» einem an
geblichen sogar angefein
del und dekZmpst!
I e tz t e r ft. nach Abschluh de» Frieden»,
sieht man, welche schrecklichen rLerwllstnn
gen der lange Kampf der Eubaner gegen
die spanischen Machthaber auf der Perle
der Antillen angerichtet Hat. Einem gro
hen Friedhofe gleicht da» schSne und reiche
Cuba. Die Spanier allein verloren 80,»
000 Mann, wa» unserer Anstcht nach, im
Vergleich mit frllheren statistilchen Angaben
noch viel zu niedrig gegrissen ist, und Nie»
mand wird je die Tausende und aber Tau»
sende opferfreudiger Patrioten zLhlen, die
fiir die Freiheit Cuba» ihr Leben gelasten
haben, niemal» wird Jemand 'oie Dethce»
rungen deS cubanischen Wohlstand.s eruies,
sen, welche die Folgen jenes unseligen
Kampfes gemeien sind. Der neue spanische
Gouverneur Martinez Campos geht init
gutem Beispiele voran, um der schwerge»
prilften Jnsel wieder auf die Beine zu hel
fen, so Hat er seine eigene Besoldung um
die Halste reduzirt und damit seinen unter»
gebenen Beamten einen nicht mihzuver»
stehenden Aink gegeben.
London, 1. Juli. Filnfhundert eng*
lifche und walisische Mormonen traten am
Gamstag in Liverpool die Reise nach Salt
Lake City an.
Rmmaer 363.
Dreise dn Anseige».
leden Zoll der Spalte per labr $1&00
„ „ „ „ t' Monate SIO.OO
„ „ „ „ 3 Monate $ 6.00
Local-Rotizen.
Hntfr 5 Zeilen Brevier werden nicht aneenom
men. stur jete Zeile Brevier oder deren Ra»«
baS 1. Mal 10 TtS. die nachsten Male 5 Teni,
HeiratbS- und 'TodeSanzeigen mit Fprnch
$1.50, obne Spruch SI.OO.
>»»«Lrtige »Kffn> ,orau»d«jadlr mtrttm.
Anzeigen fiir PirnieS, Lottenen, Glucksfpie»
x.. al< dem «eiste der kath. Kirche zuwidrr, Ir.
den f eine «ufnahme.
Alle Anzeigen sende man spStesten»
M»«t«g Morgen em.
-o§ - ater Jkzt ptmft »>t tiftg
offifMrt.
Office der Gazette
««. 442 «ainstrahe, zwischen 4. ». L.
T«lrgrapyis<« Pep«sch»n.
0 .»
Deutschland.
Berlin, 4 Juli. Da» ultramontane
Organ, die.Germania" berichtet, dah die
Derhandlungen mit dem Datican al» frucht.
lo» geschlossen sind. (Wundert un» nicht l
—Red)
Italien.
R o m, 2. Juli. Die Zeitung ,Diritto",
da» Organ de» Ministerium», leugnet ganz
entschieden, dah Jtalien sich filr die Besez
zung BoSnien'» und der Herzegowina durch
Oestreich in Albanien zu entfchSdigen beab
sichtige.
London, 4. Juli. Die .KSlnische
Zeitung" behauptet, der pSpstliche Nuntru»
am baierischen Hofe sei instruirt worden
Unterhandlungen mit der preuhischen Re.
gierung zu eroffnen.
F r a n k r e i ch.
Pari S, 2. Juli. In Marseille ist e»
in den letzten Tagen zu leichten Ruhesto--
rungen gekommmen, eine Folge de» Versu
che» der Clericalen, (?) eine politische De
monstration in Szene zu setzen. indem ste
die Bildsaule des frrlheren Bischofs be
kranzten. Ein Bolkshaufe brach heute
Abend in die Bilreaur der legitimistischen
Zeitungen ein, auch wurde der Versuch ge*
macht, die Dildsaule de» vischof» umzustilr*
zen. Die Polizei zerstreute die Ruhestorer,
und nahm 126 Derhaftungen oor. (So
oerftehen die Radikalen die Freiheit!)
London, 1. Juli. Nach einer Pariser
Depesche sind zur Aurstellungsfeier zwSlf.
hundert und neunundsechzig Communisten
theil» gLnzlrch, theil» durch Strafmilderung
begnadigt worden, und an die Armen oon
Pari» wurden neben Gaben au» localen
Unterstlltzung» Fond» noch 40.000 Franc»
vertheiU.
England.
London, I. Juli. Das Untcrhau»
genehmigte heute Abend in -weiter Lesung
die Verordnung, dah alle» vom europaischen
Continente eingefilhrte Rindvieh am Au»*
schiffungsorte geschlachtet werden muh.
London, t. Juli. Die britische An
tisklaoerei» Gesellschaft Hat dem Congresie
zu HLndeu des Fiirsten Bismarck eine Ein«
gabe ilberreicht, in welcher sie um die Er
klLrung ersucht, dah der Sklavenhandel
fortan al» Seeraub angesehen und. die
Sklaoerei nicht ferner al» eine gesetzliche -
Einrichtung irgend eine» der auf dem Con»
gresie vertretenen Staaten angesehen werde.
E» wird darin angefilhrt, dah der Skla*
oenhandel filr den Bedarf oon Cuba und
der mohamedanischen Lander im Sstlichen
Afrika jShrlich 500.000 Menschenleben
koste.
Gchweiz.
Pa r i», S. Juli. Eine Anzahl Com
munifte», darunter Henri Rochefort. ha
ben der Wera Saflulitsch gestern in Genf
ein grohe» Bankett gegeben.
Tilrkei.
Konstantinopel, I. Juli. Da da»
Rauberunwesen in Thesialien in schreckener*
regender Weise um sich greift, sammelt
Griechenland, wie gemeldet wird, an der
Grenze grohe Truppenmasien an. um sein
eigene» Gebiet zu schiltzen.
Pera, 1. Juli. Es wird behauptet,
dah binnen Kurzem eine franzSsische Flotte
im Marmora,Meer eintreffen wird.
Konstantinopel, 3. Juli. Da»
Gerilcht, dah Groh-Britannien beabsichtigt,
Cypern zu erwerben, taucht oon Struem auf
und gewinnt an Glaubwilrdigkeit. Der
Gouverneur der Provinz Libanon ist wegen
Mihverhaltens, da» nahezu einen Ausstand
verursachte, abberufen worden.
Marokko.
Bonbon, 3. Juli. Der „Record" ver*
osientlicht einen Brief au» in
Marokko vom 23. Juni, Jnhalt» dessen der
Kaiser nicht (wie der .Telegraph" berichtet)
gestorben ist, sondern sich guter Gesundheit
erfreut.
Griechenland.
Athen, 5. luli. Die Minister haben
auf Ersuchen des KSnig» ihre Refignatio
nen zurilckgezogen. Nur der Krieg»-Mini
ster ist definiti, au» dem Cabinet geschieden.
RumSnien.
Bucharest, 5. Juli. Die rumLni»
schen Kammern haben in geheimer Sitzung
beschlosien die Bestallung Cogalniccos al»
Beoollmachtigten in Berlin aufzuheben,
und derselbe wurde abberufen.
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