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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, October 29, 1878, Image 1

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Die Tuxemburger Guzette,
ersch jeden Dienstag und klostet unter
Vorausbezahlung für die Ver. Staaten&Canada:
Nach Europa portofrei:
Sahrlich. 33.50 Halbjährlich .. d 1.75
Correspondenzen und Mittheilungen müssen
asen bis Freitag Morgen, wenn sie in der
näthsten Nummer Aufnahme sinden sollten, ein
gesandi werden.
Gelder;, die bis Samsaq ebenr eingehen, wer
den noch in der folgenden Nummer quittirt.
V Nur für die Gelder, die per registrirten
Brief oder vr Order gesandt werden, über
nehmen wir die Verantwortlichkeit.
a Briese obne Untershrift werden nide dercsihigt.
Alle Briefe, Correspondenzen u. s. w. addressire
man einfach:
“LuxxxßUßGrß Gaterrß“,
DUBUQUE, lOWA
——
Office der Gazette
No. 442 Mainstraße, zwischen 4. u. b.
Insändishe Rundsqhau.
Die bevorstehenden Congreß—
wahlen, mögen dieselben auch ausfallen,
wie sie wollen, werden nichts mehr an der
Thatsache ändern können, daß der nächste
Congreß vollstndig demokratisch sein, das
heißt unter demokratischer Controlle stehen,
wird. Die Majorität im Senate ist den
Demokraten sicher und im Hause, wo wäh—
rend der letzten zwei Legislaturperioden die
Demokraten bereits die Mehrheit hatten,
werden sie auch dieselbe auf's neue erhal—
ten. So werden wir denn das in unserer
Politik sehr seltene Schauspiel sehen, daß
ein republikanischer Präsident einem demo·
kratischen Congreß gegenüber steht. Nach
den Vorzeichen über den Ausfall der No—
vemberwahl aber geht die Republikaner die
Angst an, der Präsident möchte in den Fall
kommen, daß sein Veto vom Congreß über—
stimmt werden könnte; in diesem Falle
stände der Präsident factisch machtlos da,
was nicht im Interesse des Volkes wäre,
wenn es auch im Interesse der demokrati
schen Partei sein möchte. Da die Majori—
tãt im Senat erst nächstes Frühjahr den
Demokraten zufällt, so wird bis dahin die
Aufnahme der Bahrzahlung bereits ein
Factum sein, das späãter nicht so leicht mehr
umgestoßen werden kann. Von Januar
bis März ist ohnehin Zeit genug zu sehen,
wie die Sache arbeitet. Bleibt die Geld—-
frage im Geleise, dann wird keine Nothwen
digleit mehr vorhanden sein an dieser Frage
herum zu doctern, war doch die Opposition
gegen die Baarzahlung ohnehin ein Fehler,
den die Partei beging.
Schon gle ich nach der Präsidenten
wahl (nachdem die süudlichen Returning-
Boards die Hineinzählung des Herrn Hayes
vollendet hatten) hieß es, Herr Tilden habe
eben falls mit den Returningboard- Schwind
lern in Unterhandlung gestanden und um
deren Stimmen gefeilscht. Man veröffent
lichte republikanischer Seits geheimnißvolle
Depeschen und deutete diese aus die ver—
schiedenste Weise. Vorletzte Woche publi—
zirte nun die New Yorker „Tribune“ diese
Depeschen, die sie angeblich mit Hülfe des
blos den Eingeweihten bekannten Schlüs
sels entziffert hatte, und machte damit ge
waltige Sensation. Aus diesen Depeschen
geht nämlich hervor, daß man wirklich mit
der Absicht um ging, Wahlstimmen, die den
demokratischen Präsidentschafts· Candidaten
gestohlen worden waren, aufzukaufen.
Tilden ist aber jetzt mit einer Erklärung vor
die Oeffentlichkeit getreten, die an Klarheit
und Unumwundenheit nichts zu wünschen
ũbrig läßt. Er stellt mit aller Entschieden
heit seine Betheiligung an dem von der
„Tribune “ veröffentlichten Depeschenwechsel
über den Ankauf des Votums von Florida
und Süd-Carolina in Abrede. Er behaup—
tet, daß seines Wissens keine Verhandlungen
ũber diesen Gegenstand stattgefunden, daß
er solche Verhandlungen unter keinen Um—
ständen geduldet haben würde und daß er
die Depeschen weder empfangen, noch davon
gehört, noch dieselben gesehen, bis sie ihm
in der „Tribune“ zu Gesichte gekommen.
Erst lange nach Beendigung der Stimmen—-
zählung in Florida wurde ihm, seiner An
gabe nach, die Mittheilun.g gemacht, daß
das Votum jenes Staates zu Kauf angebo
ten worden, das Angebot indessen zurückge
wiesen sei. Welches nun auch immer der
wahre Sachverhalt hinsichtlich der Depeschen
sein mag, es ist bis jett so wenig nachgewie
sen, daß Herr Tilden an jenen angeblichen
Verhandlungen theilgenommen, als daß
Herr Hayes um die republikanischen Wahl—
betrügereien in Florida und Louisiana ge—
wußt. In der Abwesenheit von Beweisen,
welche die Unwahrheit seiner Angaben dar-
thun, verdient die Erklärung des Herrn
Tilden deshalb Glauben. Herr Tilden
kehrt aber seine Vertheidigung zu einer An—
griffswaffe gegen seine Gegner. Er ver—
weist auf die Aussagen MeLins, des frü—
heren Staatssekretärs von Florida, des
Präsidenten der Zählungsbehörde, der dem
Potter-Comite eingestanden, daß jene Be—-
hörde corrupten Einflüssen zugänglich gewe
sen, und baß man ihn durch Versprechungen
bewogen, die demoklratische Mehrheit in eine
republikanische zu verwandesn. Er erklärt,
das Votum von Louisiana sei Herrn Hewitt
wiederholt für Geld angeboten worden, und
wenn es in seiner Absicht gelegen, so hätte
er die Präsidentschaft sehr nwohl erlansen
Herausgeber: Dentsche-Katholische Drud·Gesellschast.
Jahrgaug 8.
können. Er habe indessen nicht durch Geld
zu jenem Amte gelangen wollen. Eine
nicht zu widerlegende Thatsache ist es jeden
falls, daß die Republikaner durch die Ent—
scheidung jener corrupten Zählungsbehör
den, für deren Käuflichkeit sie selbst die Be
weise herbeischleppen, in den Besitz der Prä—
sidentschaft gelangten. Herr Tilden hat
mit seiner Erklärung offenbar einen Vor—-
theil über seine Gegner errungen. Die Re
publikaner siegten bei dem schmutzigen
Kampfe in den drei Südstaaten. Bewei
sen die Republikaner nun, daß die Zäh—
lungsbehörden wirklich so corrupt waren,
wie stets behauptet worden ist, so koönnte
dies zwei Deutungen erfahren. Entweder
die Republikaner überboten die Demokra—
ten, oder aber die Demokraten zogen sich,
wie Herr Cilden sagt, von der Bewerbung
zurück, weil sie keinem so schmutzigen Han—
del den Sieg verdanken wollten. Wie dem
nun auch sei! Thatsache ist, daß die Demo—-
kraten die Präsidentschaft nicht bekommen
haben. Es dürfte somit sehr schwer sein,
Herrn Tilden zu widerlegen, wenn er be—
hauptet, er habe seine bestimmten Zwecke
verfolgt, er habe große Reformen einführen
wollen, und weil er durch einen Schacher
seine Unabhängigkeit eingebüßt haben würde
und in seiner Wirksamkeit behindert worden
wäre, deßhalb habe er lieber auf sein gutes
Recht verzichtet, als seine Hände befleckt.
Die Republikaner würden unserer Ansicht
nach überhaupt weit vernünftiger handeln,
wenn sie die lette Präsidentenwahl so wenig
wie möglich berührten, denn mit dem Ver
suche, der Demokratie Bestechungsversuche
nachzuweisen, koönnen sie die Thatsache nicht
hinwegläugnen, daß sie die Returning-
Boards m Geld oder Versprechungen ge
kauft haben.
Dachten wir's doch, daß Ben
Butler Mittel und Wege finden würde, um
den aristokratischen Flgel der demokrati
schen Partei von Massachusetts für sich zu
gewinnen! Dieser Fügel ließ sich bekannt
lich auf der Convention zu Worcester über
flügeln, hielt aber in Boston seine eigene
Convention, die mit Butler ziemlich un
glimpflich verfuhr, ihn und seinen Anhang
als gemeines Gesindel bezeichnete und ein
vollstndiges Gegenticket aufstellte. Nach
den Oktoberwahlen muß wohl den Butle
riten wie den Demokraten in Massachusetts
das Herz in die Hosen gerutscht sein, denn
als Butler die Hand zur Versöhnung bot,
da griffen die Demokraten mit beiden Hän
den zu. Butler, dem es nur um seine ei—
gene Erwählung zum Gouverneur zu thun
ist, hat seine eigenen Ticketgenossen fallen
gelassen und an deren Stelle die demokra—
tischen Nominirten von Boston angenom—-
men. So werden denn nun dbort für die
Novemberwahl in Massachusetts die De
moklraten, die Greenbäckler und die Sozia
listen zu einer einzigen Partei verschmolzen
sein, und mit dreifach vereinten Kräften
wird gegen die Republikaner, alias Hart
geldleute der erbitterte Kampf geführt wer
den Ein sehr unlauteres Bündniß und
eine Schmach für die Demokraten!
Am letzten Mittwoch wüthete in
den Staaten New York und Pennsylvanien
entlang der atlantischen Küste einer jener
furchtbaren Stürme, wie sie jährlich um diese
Zeit dort herrschen. Alle Elemente waren
entfesselt und in den Städten Albany, New
York, Brooklyn, Wilkesbarre, Harrisburg,
Philadelphia usw., wurde sehr bedeutender
Schaden angerichtet. In dem Badeplatz
Cony Island wurden die Häuser wie Pa—
pier in die Luft geweht. In Wilkesbarre,
Penn., wüthete ein Regensturm, der im--
mensen Schaden anrichtete; in Harrisburg
wurden Dächer von den Häusern geweht,
starke Bäume aus der Erde gerissen. In
Philadelphia fing das Unwetter um 3 Uhr
Nachmittags an und dauerte ununterbrochen
bis z 8 Uhr Abends, zu welcher Zeit es sei—
nen Höhepunkt erreichte. In letzterer
Stadt zerstörte der Orkan und die Regen—
fluth viele Schulhäuser, beschädigte die öf—-
fenlichen Parks, und nicht weniger als 40
der dortigen Kirchen wurden mehr
oder weniger mitgenommen Nahezu alle
Markthallen und Eisenbahn·Depots wur—
den zertrümmert. In Anbetracht der wei—
ten Ausbreitung und furchtbaren Wuth des
Orkans sind nicht übermäßig viel Men—
schenleben zu beklagen. —Auch den Binnen
seen enilang wurde durch den Sturm erheb
licher Schaden angerichtet.
LCuremburger
Gazelle.
Dubuque, Jowa, Dienstag, den 29. Oktober 1878.
Endlich ist am Samstag v.
Woche von Memphis bis New Orleans hin
unter der lang ersehnte Frost eingetreten,
und wurde die Hoffnung auf das baldige
Ende des Gelben Fiebers gestärkt. Nach
den telegraphischen Berichten hat die An—
zahl der Todesfälle stark abgenommen, doch
noch nicht ganz aufgehoört. Die Hülfsor
ganisationen machten bereits bekannt, daß
die Unterstützung der Arbeitsfähigen nãchste
Woche aufhören würde. Die Flüüchtigen
kehren langsam wieder in ihre hartheimge—
suchte Heimath zurück. Obschon die Wit
terung etwas milder geworden ist, so hat
sich die Zahl der Sterbefälle doch seit dem
Froste nicht mehr gewehet.
Aussändische Rundschau.
Der deutsche Reichstag hat,
wie das voraussichtlich, das Antisocialistenge—-
setß mit 221 gegen 149 Stimmen angenom—
men. Die Conservativen und National
liberalen stimmten ohne Ausnahme für das
Gesetz. Fürst Bismarck verlas eine Thron—-
rede, welche den Reichstag vertagte und
sagte dann, daß die Regierung mit Hilfe
dieses Gesetzes eine energische Anstrengung
machen wolle, der sozial - demokratischen
Agitation ein Ende zu machen. Sollte ihr
das in 24 Jahren—solange soll das neue
Gesetz dauern—nicht gelingen, so hoffe sie
auf neue Zugeständnisse. Die sozialde
mokratischen Reichsboten hatten in corpore
das Haus verlassen, um nicht genöthigt zu
sein, in die Hochrufe auf den deutschen Kai
ser einzustimmen. Auch der Bundesrath
hat dem Gesetz seine Zustimmung gegeben.
Dasselbe ist publizirt worden und in Kraft
getreten. Da die Veröffentlichung social
demokratischer Zeitungen unter dem Ge—
sete eine Unmoglichkeit ist, so sind die mei
sten Blätter eingegangen und an ihre
Stelle neue getreten, die sich mit
unverfänglichen Themata abgeben.
Da das neue Geset den Sozialisten das
Versammlungsrecht genommen hat, so haben
sie den Vorsatz gefaßt, auch die Versamm—-
lungen der Liberalen unmöglich zu machen.
Sie mischen sich unter das liberale Publi—
kum, machen sich bemerkbar, und die Ver
sammlung wird aufgelöst. Das wird dann
bunt, besonders in Berlin, hergehen. Wie
viele neue Gefängnisse die preußische Re
gierung wohl bauen wird, um die nach
Hunderttausenden zählenden „Ruhestörer“
einzusperren? Was die Opposition des
Centrums gegen das Gesetz betrifft, so sagt
die „Nordteutsche Allgemeine Zeitung,“
Bismarck's Mundstück, drohend, daß, so
lange als die „ultramontane“ Partei im
Reichstag den Mittelpunkt für alle den
Einrichtungen des Reiches und Preußens
feindlichen Elemente bildet, jedweder Ver
such, den „Kulturkampf“ auf friedlichem
Wege zu beendigen, ungeachtet der besten
Absichten des Vatikans, ein vergeblicher sein
muß. Die deutschen Katholiken können
auch das aushalten, wie sie ja schon so Vie
les ausgehalten haben. Sie gehen keine
Compromisse ein. Ohne die bürger—
liche Freiheit keine religiöse
Freiheit, das ist ihr Grundsatz, daran
halten sie fest.
In Oesterreich· Ungarn ist die Minister
krisis noch nicht zu Ende. Am 22. Okltober
legte Freiherr de Pretis Cognade in einer
Versammlung der Constitutionalisten sein
Programm dar und erklärte, daß er, sollte
man auf dasselbe nicht eingehen, die Bil—
dung eines neuen Ministeriums ablehnen
werde. Dieses Programm erklärte sich ge
gen die Besitznahme von Novi-Bazar und
verspricht, die Ausgaben möglichst zu verrin
gern. Die Kosten der Verwaltung von
Bosnien und der Herzegowina wüürden aus
den Einkünften aus diesen Provinzen selbst
bestritten werden, und nach dem 1. Januar
1880 werde die Besetzung aufhören, sobald
die Ordnung dauernd befestigt und die dem
Reiche erwachsenen Kosten vergütet sein
würden. Die Linke machte gegen die in
diesem Document dargelegte äußere Politit
Einwendungen hauptsächlich weil die Zu—
rückziehung der Truppen aus Bosnien und
der Herzegowina mit solchen Bedingungen
beschwert sei, daß die Absicht, diese Provin—-
zen schließlich dem Reiche einzuverleiben,
nicht zu verkennen wre. De Pretis Cog—-
nade hat darauf hin sein Versuch ein Cabi—
net zu bilden anfgegeben. Die Absicht eine
Krisis in dem klaiserlichen Gesammt· Mini—
Jür Recht und Wahrheit.
sterium zu veranlassen, ist sowohl von dem
österreichischen, als auch von dem ungari—
schen Parlament aufgegeben worden, um
einen Conflikt mit dem Kaiser zu vermeiden.
In Belgien räumt das radikale
Ministerium unter den katholischen Beamten
auf. Jede Woche folgt eine Menge Absez
zungen und Versetzungen. Doch es fehlt
auch nicht an Kundgebungen, die sehr er—
freulich find. Die Katholiken scheuen kein
Opfer, um auch den Unbemittelten eine la
tholische Erziehung zu ermöglichen. An
der Universität Löwen ist mit Beginn des
neuen Semesters eine Ackerbauschule in's
Leben getreten, die den Radikalen ein Dorn
im Auge ist.
Am 20. Oct. fand in Paris die Austhei
lung der auf der Weltausstellung errungenen
Preise statt. Die Spezialtelegramme schil
dern die Feier als eine äußerst imposante.
Man hatte seit Monaten das große mit ei—
nem Glasdache versehene Gebäude, das
sonst als eine Art Wintergarten diente, in
eine große Halle umgewandelt und mit
zahllosen Gallerien versehen, welche gegen
22,000 Sitzplätze enthielten. Die Haupt—
tribüne an der dem Place de la Concorde
zunächst gelegenen Ecke des Gebäudes nah
men der Präsident MacMahon, die aus—-
ländischen Fürsten und Diplomaten, die
Präsidenten und Beamten des Senats und
der Deputirten· Kammer, die außerordent
lichen Gesandten, die Minister und der
Präfect der Seine, der Polizeichef und son
stige Beamte der Ministerien ein. Der
Frau des Marschall · Präsidenten, den
Frauen des diplomatischen Corps und son
stigen hochgestellten Damen hatte man sehr
hbsch geschmückte Logen zur Verfügung ge
stellt. Hinter den Siten des Präsidenten
und seines Gefolges hatte man auf sechräg
aufsteigenden Gallerien die Sitze für die
auslãndischen Commissäre, die franzosische
General· Commission und die Ehrenlegion
angebracht, welchen sich die Sithze des
Staatsrathes, der Municipal · Behorden,
Senatoren, Deputirten und Mitglieder des
Advolatenstandes anschlossen. Auch die
mit Preisen beglückten 3000 Aussteller, die
1000 Preis· Commissre und etwa 8000
Gäste hatten eigene Sitze zugetheilt erhal
ten.
Nachdem der Marshall Präsident und die
fremden königlichen Gäste, die Minister und
das Gefolge an Ort und Stelle erschienen,
defilirten die nach der Weltausstellung ge—
sandten fremden Soldaten und Wächter,
wobei die V. St. Seesoldaten mit Beifall
begrüßt wurden. Dann erschienen die De—
legationen der neun Gruppen der Ausstel
lung. Jeder Präsident einer Delegation
schritt die Estrade heran und erhielt vom
Ackerbau-Minister ein Buch mit den Na—-
men der Preisträgkr. Nachdem dieser Theil
der Ceremonien vorbei war, erhob sich
Marschall MacMahon und hielt eine mit
großem Beifall angenommene Rede, in der
er hervorhob, daß trotz der Periode des
furchtbaren Krieges, trotz der darauf erfolg
ten Handelskrisis, dennoch die Ausstellung
alle vorhergehenden üübertroffen habe. Er
hob hervor, daß das Unglück den Ehrgeiz
der Nation nicht gebrochen habe, sondern
sie vorsichtig, klug und arbeitsam gemacht.
Der Ackerbau-Minister erwiederte in einer
langen Ansprache und nun wurden die Na
men der mit einem Orden bedachten aus—-
ländischen Aussteller bekanut gemacht. Je
der ausländische General· Commissr er
hielt aus den Händen des Marschalls oder
eines auswãrtigen Füürsten die Diplome u.
Decorationen und fand Abends eine große
Illumination der Sadt statt. Die Boule—-
vards waren mit Menschenmassen gefüllt
und der Jubel war ein allgemeiner.
Nicht allein Oesterreich, auch
Italien hat seine Ministererisis. Präsident
Cairoli ist ein entschiedener Garibaldianer,
während die andern Minister obschon radi
kal, doch friedfertiger gesinnt sind. Die
Minister Corti, Bruzzo und Brocchetti
nahmen ihre Entlassung, weil sie mit den
radikalen Ansichten des Ministerpräsidenten
Cairoli, welcher das unbeschränkte Ver—
sammlungsrecht begünstigt, nicht überein—
stimmen konnten. Unterdessen ist es Cai—
roli doch gelungen ein neues Ministerium
zu bilden An Cortis Stelle übernimmt
Cairoli das Auswärtige selbst. Bisher
war er Minister Präsident ohne Portefeuil—-
le. General· Lieutnant Bonelle übernahm
Redakteur: Nitcholas Gonner.
das Kriegs·Departement und Admiral Brin
das Portefeuille der Marine.
Einem Briefe der „Köln. Ztg.“
aus Petersburg, entnehmen wir Folgen
des: „Im Innern Rußland herrscht Un
zufriedenheit überall, nur gemildert durch
die Hoffnung, daß wenigstens die Last des
Krieges abgeschüttelt sei. Die Slawisten
in Moskau zürnen um der Nachgiebigkeit
gegen Europa willen, die Nihilisten drohen
mit Mord und Brandstiftung, die anders
denkenden Volksklassen verlangen energische
Reformen und arbeiten fast auf jedem Fel—
de des Volkslebens. Es sind Riesenauf
gaben zu lsen. Und der Zaar ist kein
Riese mehr, noch auch der idealistische Mo
narch des aufgeklärten Despotismus, als
welcher er vor zweiundzwanzig Jahren auf
den Thron stieg. Er ist körperlich ange
griffen, Gemüüth und Willenskraft sind ge
altert, die Thatkraft ist abgespannt. Er ist
wirklich müüde. Ginge es nur nach seiner
persönlichen Neigung, so glaube ich, würde
er lieber heute als morgen den Staat anhe
ren Händen auch äußerlich überlassen, wie
er es thatsãchlich ja schon seit lange gethan
hat, indem er mehr und mehr seinen Mi—
nistern alleinigen Spielraum gab. Aber
er besitt noch einige soll ich es Stärken
oder Schwächen nennen ? die ihn gelegent
lich von dem letzten Schritt einer Entäuße—
rung der gewohnten souvernen Gewalt u.
einer Ablegung der äußern Würde zurück—
halten, die ihn auch gelegentlich als eine
Pflicht ansehen lassen, was er als Last em
pfindet. Und es gibt wie immer Viele, die
ein Interesse daran haben, diese Stärken
oder Schwchen in ihrem Interesse zu be--
einflussen. Es ist im Hause Romanow
Holstein·Gottorp noch kein Herrscher frei
willig vom Throne getreten. Ob wir denn
das erste Beispiel in unseren Tagen erleben
sollen? Aber wer vermchte zu sagen, ob
ein Thronwechsel jezt für Rußland ein
Glück, ob ein Unglück wre ? Große Grup—
pen hoffen darauf, daß er sich vollziehe,
große andere Gruppen füürchten ihn.
Die Regierun g von Chili in Sũd--
Amerila will auch ein Bischen Culturkampf
haben. Nach dem Tode des Erzbischofes
von Santiago vollzog der Capitelsvicar,
Msgr. Gandarillas, Bischof von Martyro
polis, verschiedene Ernennungen, ohne wel
che die Seelsorge gelitten hätte. Als er
nun die Regierung hiervon in Kenntniß
sette, bestritt ihm dieselbe das Recht zu
diesen Ernennungen, weil er selber als Ca—
pitelsvicar von derßegierung nicht anerkannt
sei. Der Bischof hat diese Einwendungen
in einem Schreiben widerlegt, in dem er
auseinandersetzt, daß er nicht nur dem ca
nonischen Reqchte gemäß, sondern auch nach
den Landesgesetzen gehandelt. Seine
Wahl zum Capitelsvicar sei vollständig
rechtlich vollzogen und der Regierung ange
zeigt worden; das Recht, dieselbe etwa zu
bestätigen oder nicht, könne er ihr jedoch
durchaus nicht zuerkennen.. Das Schrift
stück gibt am Schlusse der Hoffnung Aus—
druck, daß der Frieden zwischen Staat und
Kixche nicht werde gestoört werden. Ob die—
se Hoffnung sich bestätigen wird, bleibt
noch abzuwarten.
Telegraphische Depeschen.
Deutschland.
Berlin, 283. Oklt. Die Wirkungen des
Anti· Sozialisten· Gesetes haben sich hier
bereits fühlbar gemacht. Vier hiesige so
zialistische Vereine sind von der Polizei auf
gelöst worden. Die Polizei - Behörde hat
in Gemäßheit der einschlägigen Vorschriften
des Anti- Sozialisten-Gesetzes das Verbot
von 33 Zeitungen, einschließlich der Berli
ner „Freien Presse“ und zweier in Chicago
erscheinenden Blätter bekannt aemacht.
Berlin, 24. Okt. Der preußische
Finanzminister Hobrecht beabsichtigt wegen
zwischen ihm und Bismarck eingetretenen
Meinungsverschiedenheiten vom Amte zu—
rückzutreten.
Oesterreich Ungarn.
Pest, 24. Okt. Ghiezy, der ministe
rielle Candidat ist mit einer Mehrheit von
144 Stimmen zum Präsidenten des Unter—
hauses des ungarischen Reichstages wieder
gewählt worden. Die Majorität bei seiner
früheren Wahl betrug nur 140 Stimmen.
Italien.
Rom, 22. Olt. Der Premier-Minister
Cairoli hat heute König Humbert davon in
Nummer 379.
Dreise der Anzeigen.
Jeden Zoll der Spalte ver Jahr .··· ·· · · 16.00
7 1
7 7 2 7 3 Monate. · · 6.00
Loral-Notizen.
Unter 5 Zeilen Brevier werden nicht angenom
men. Für jede Zeile Brevier oder deren Raum
das 1. Mal 10 Cis, die nächsten Male 5 Cento
Heiraths- und Todesanzeigen mit Sprug
81.50, ohne Spruch SI.OO.
Auenarrqe Anrigen msen eetanebradit verden.
Anzeigen für Picnies, Lotterien, Glücksspiele
-., als dem Geiste der kath. Kirche zuwider, sin
den keine Aufnahme.
Alle Anzeigen sende man spätestend
Montag Morgen ein.
Zob - Arbeiten aller Art prompt und hillig
ausgeführt.
Office der Gazette
No. 442 Mainstraße, zwischen 4. u. b.
Kenntniß gesetzt, daß das ganze Cabined
seinen Rücktritt erklärt hat. Der König hat
lebhaft dagegen protestirt und erklärt, daß
er, wenn das Cabinet auf seiner Entlassung
beharren sollte, Cairoli mit der Bildung
eines neuen Ministeriums beauftragen
wüürde. Crispi veröffentlicht ein Sqhrei
ben, in welchem er das Cabinet der Ent
würdigung Italiens vor den Augen Euro
pa's zeiht. Dadurch wird die Schwierig
keit von Cairoli's Lage vermehrt.
Spanien.
London, 28. Okt. Von Madrid wird
gemeldet, daß der Redakteur eines födera
listisch gesinnten Blattes verhaftet worden
ist, und daß vier liberal gesinnte Madrider
Zeitungen, worunter der „Imparcial“, ihr
Erscheinen haben einstellen mssen. Die
Anklagen lauten auf Wiedersetzlichkeit gegew
Gendarmen. Die Beklagten werden vor
ein Kriegsgericht gestellt werden. Man
glaubt, daß diesen Maßregeln die Absicht
der Regierung zu Grunde liegt, sich dem
Verlangen nach Abhaltung allgemeiner
Wahlen im Februar k. I. zu widerseten.
Madrid, 24. Okt. Die Regierung
versucht, durch strenge Maßregeln der Vere
größerung der Zahl der „Unversoöhnlichen“
im südlichen Spanien vorzubeugen.
Frankreich.
Paris, 28. Oklt. Am Montag Abend
ist in Largentiere der Fluß Ligue pltlich
um 20 Meter in einer Stunde gestiegen und
hat einen großen Theil des Ortes über
schwemmt. Der dadurch angerichtete Scha
den ist bedeutend.
Orleans, 28. Okt. Das Begräbniß
des Bischofs Dupanloup hat heute stattge
funden. Fünfunddreißig Bischöfe nahmen
an dem Trauer· Gottesdienste Theil.
Irland.
fTod des Card. Cullen.f
London, 24. Oklt. Cardinal Cullen,
Erzbischof von Dublin, ist gestorben. Er
wurde am 27. April 1808 in Dublin ge
boren, war seit dem s. Januar 1850 Erz
bischof und wurde am 22. Juni 1866 zum
Cardinalpriester ernannt. Seine Studien
machte Cardinal Cullen in Rom, wo er
während eines dreißigjährigen Aufenthaltes
durch viele Jahre Rektor des Irischen Col
legiums war. Im Jahre 1850 ernannte
ihn Papst Pius IX. zum Erzbischof von
Dublin und Primas von Irland. Die
katholische Universitt in Dublin ist haupt
sächlich sein Werk. Er war der erste irische
Bischof, der seit der Reformation zur Car—-
dinalswürde erhoben wurde. R.I.P.
Rußland.
Berlin, 28. Olt. Graf Schuwalow
ist an Stelle des Fürsten Gortschakow,
der sich aus Gesundheitsrücksichten von der
Leitung der Staatsgeschäfte zurückziehen
muß, zum Reichs-Kanzler ernannt worden.
London, 22. Okt. Eine Depesche aus
Berlin bringt die Nachricht, daß der Czar
in einem Ukase befohlen hat, daß Mitglie
dern des Heeres nur aus den dringendsten
Veranlassungen, keinesfalls aber ber den
Februar hinaus, Urlaub ertheili werden soll.
Türkei.
Konstantinopel, 28. Okt. Aus
dem Bezirke Seres, in der Nähe von Sa
lonichi, wird ein Aufstand der bulgarischen
Bevölkerung gemeldet. Der Sultan hat«
die von der bene beschlossenen Abänderun
gen des britischen Reformplanes für Klein
asien genehmigt.
Konstantinovel, 24. Okt. Der
heute einen abgeänderten Plan
für die Reformen in Kleinasien unterzeich
net und dem britischen Gesandten zustellen.
lassen.
Afghanistan.
London, 24. Okt. Das „Journal
de St. Petersbourg“ befũürwortet dringend,
daß Rußland dem Emir von Afghanistan
mil Offizieren, Waffen und Geld bestehe,
um ihn in den Stand zu setzen, die Pässe
zu befestigen, von deren Besitz Rußlands
Stellung in Mittelasien abhängt. Die
Zeitung sagt, der Emir habe dem General
Kauffmann geschrieben, daß er seine ganze
Fennns auf ihn setze. Die russische Presse
ist einstimmig der Ansicht, daß Rußland
dem Emir indirekt beistehen müsse.
Aegypten.
Alexaudria, 28. Oti. Der durch
die Ueberschwemmung am Damietta· Arm
des Nils verursachte Schade wird auf dritte
halb Millionen Dollars angeschlagen.
Frrihnnpert und fünfzig Menschenleben
nd durch die Katastrophe verloren gegan—-
en. Man klagt die Regierung an, daß
nicht das Geringste that, um ein solches
Unglück zu verhüten.

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