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Luxemburger Gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, November 05, 1878, Image 1

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Dir Dmemdmger Garrtte,
wfcheint jede» Diensia» und kostrt unter
voeansdezatzlun- filr die ver. GtaatenLLauada r
SMelich «.501 »«l»ie»rltch Sl .25
CNiikltlfMmtca, ]<trli4 99.50, »»>atl«ch .35 t».
Nack Luropa portofrei:
»<Nr«a _«.NI I »1.75
L»rrespo»deu»e« und «Ittdeilunqrn «uften
stiitesteu dis Freitaa «orgen» wenn sie in der
NMtzste» Nnmmer «ufnahme finden sollten, ein
gesandt werde».
Gelder.dte di» GamstagAbend eingehen, wer
oeu noch in der folgenden Nnmmer «uitftirt.
AM" Nur filr die Gelder, die per registrirte»
Vrief oder Monetz Orber gesandt werden, «der
uedme» wir die verautwortlichkett.
•■«HA «Ht UMerschetft «ich» »er»ck-chtt,t. d
Alle vrief», Lorrespondeuzen u. s. w. addresfire
wan eiufach r
"Luximburqer Gazette**,
DUBCQUE, IOWA
Office ber Gazette
Mn. 442 Mainstrahe, zmifchrn 4. n. 6.
I»lL»dische M«»dschim.
Wenn bi» Berichte, die an» Wash
ington kommen,wahr sind, bereitet Staat».
Minister Enari» eine» scharfea Protest ge»
ge» die bekannt gewordene Abfiiht Dentsch»
lanb», bie Holland gehSrige Jafel Luragao
gn erwerbea, vor. vekaanUich bltckt die
dentfche Regiernug fchoa lange nach vefitz»
pnnkten in den einzelaen grohen Meeren
an». Man verhehU sich nicht in Bnlin,
dah Dentfchlaud «nmSglich eine grohe
Krieg»» und Haadel»fiolte erhaltea kSnne,
wenn e» nicht eutlegene Colonien al» Sta»
ttoue» fiir feine Schiffe gewinnen wllrde
und lSht e» de»halb an dte»beziiglicheu Be»
mlihungen nicht fehlen. Dari» liegt auch
der Grund der hochfahrende» Haltnng,
welche Dentschland gegen Ricaragua einge»
nommeu Hat. Nachdem Deutschland frliher
«ergeben» versucht hatte, St. Thoma» von
Diinemark und Port Limon von Costa Rica
z» kaufe», richtete e» feine Blicke auf San
Juan del Norte oder Greptown, einen Ha»
fen Riearagua». Eine Pnvataffaire, in
welche der deutsche Consul verwickelt war,
wnrde zu einer grohe» iateraattonalen Frage
anfgebauscht und «an erlieh von Berlin
ein scharfe» Mtimatum gegen die Regierung
von Riearagna, dessen Ablehauag man er»
wartete. Dentschland HStte dann dem
Lande dea Krieg erklSrt und dabei einige
HSsen rrach bekannter und i» Europa ost
geiibter Weise annektirt. Allein in Rica»
ragna wollte «a» sich nicht der Gefahr
«tat» Kriege» augsetze» und gab die deut»
fcherseit» geforderte Genngthunng. Die
Berliner Regierung Hat nnn ihre PlSne ge»
Sndert. Sie hatte erfahrea, dah Holland
einmal die Jnsel Curagao veaezuela ange»
bole» habe. Nun «aterhandelt sie «tt
Holland wegen Kauf» der kleinen Jnsel.
Hatte «a» aber schon ftliher in Washington
da» scharfe Auftteten Deutschland» gegen
Ittcaragna wegen einer kleinliche» Angele»
geaheit gerade nicht mit gllnstigen Blicke»
bettachtet, so sieht man jetzt die deutsch-hol»
lSndtsche» Unterhandlungen al» willkom»
mene Gelegenheit an, Deutschland fiir
seine notorisch feindlich gestante Haltung
gegen die Deutsch-Amerikaner, welche bei
ihre» Reise» und chrem Aufenthalt in der
atten Heimath unbegrlindeten polizeilichea
Plackereiea auggesetzt sind, zu bezahlea.
Herr Evart» will, wie er selbst behaupten
soll, zeigen, dah die Union nicht der will»
fLhrige Diener Biimarck» sei, wessen man
ihn beschuldigt.
Der Wahlkampf in Nevadaist
in Wuklichkeit ein Kampf zwischen den gro
hen Besitzern von Silberminen, mit denen
die Rrpnbtlkaner gegenwLrtig identificirt
sind, uud den Demokraten, welche durch
Gouvnneur Bradlep, der ein Candidat fiir
seine Wiederer.rahlung ist, reprLsentirt wer
den. Der Gouverneur ist bei den Millio»
nSren der Comstock Minen in Ungnade ge
fallen, weil er sich geweigert Hat, ein Ge
setz zu widerrufen, welche» Silberbarren, die
au» den Minen kommen, mit einer Steuer
belastet. Wa» bi» jetzt gegen ihn vorge
bracht worden ist, befchrLnkt sich auf den
vorwurf, dah er kein gebildeter Mann sei,
dah er e» unterlassen habe. Don Pedro,
Kaiser von vrafilien, zur Zeit seiner Durch»
reise durch Revada, Sffentlich zu empfangen
and dah er bei verfchtedene» Gelegenheiten
eine» bedeutenden Mangel an HSflichkeit
und SchUfi zur Schau getragen habe. Aber
e» scheint doch, dah der Gouverneur Bil»
dnag genug besitzt, um ein veto zu fchrei,
> be», wenn femer ehrlichen Ueberzeugung
nach ein solche» nothwendig ist. Gouver»
i aeur Bradley ist sehr pvpulSr, und feine
i AnSfichten auf WiedererwShlung sind trotz
w der Opposition de» GllberkSnig» Ione» und
u feine» Ringe» auSgezeichnet.
! I» Minnesota kSmmt bei der nSch
« sten Wahl die leidige Frage der Eisenbahn»
tz' bond» wieder vor'< Volk; doch in anderer
K.Form wie da» letzte mal. Die LegiSlatur
m!befchloh in chrer letzten Session, ein Gesetz
«zu erlassen, nach welchem die unter dem
NNamen .Jmprovement Liindereien- dem
Minnesota gehSrigen 500,000 Acker
Wwr CmlSsung der erwSh.nten Bond» vrr-
Mendet werden sollten. Der Unterschied
Mvischen dem ftitheren und dem jetzt vorge-
Mfiagemn.Autiweg" ist emfach der: eine
Mondere Besteuerung der Blirger filr die
WlnlSsung der Eisenbahnbond» findet dieh
tVi I nicht statt, dagegen llberliefert der
Herausgeber r De«tsche-S»thsttsche Dr»<-Seselsch»ft.
Zahrgaag 8.
Gtaat einen Brockru feine» Grnndeigea»
thum» a» die vefitzer der erwShnten Boad».
und damit HStte Minnesota sich die leidigen
vond» vom Halse gefchafst, aber gleichzei»
tig auch die 500,000 Acker Jmprovemeat
Land. E» kommt ebea immer darauf a»,
wie «a» dem volke eine Sache muudgerecht
zn machen versteht, dann verschluckt e» auch
dea dtckstea Brocken. Wir glauben, dah
b«» volk Minnesota'» besser thiite, die
Boad» baar zu zahlen, al» den vorgeschla.
genen Handel einzugehea.
Senator Thurmaa von Ohio ist
neuerding» von einem Correspoadentea de»
.Cincinnati Enquirer- .interview'd- wor
den und schildert die polittsche Lage ia ttef»
senden Worten. Auf die Frage, «a» er
von der neuen sogenannten Rationalpartei
halte, entgegnete Thurmaa, dah die Jdee,
selbe kSnne eine der beiden alten Parteien
absorbiren, oder denselben so viele Stimmen
entziehen, um die herrschende Partei z»
werden, eine irrige sei. In einem Lande
mit freien Jnstitutionen habe e» nie mehr
al» zwei grohe Parteien grgeben und e»
werde deren auch nie mehr geben; eine, die
Partei der durch da» Gesetz geschaffener Pri»
vilegien, die andere, die Partei der gleichen
Rechte. Die letztere sei die demokrattsche
Partei, sie sei chrer Natur nach die Partei
fteier Jnstitutionen, «nd so lange unzerst-r
--bar, al» diese Jnstitutionen bestehea. Ja
dem Momente, «o die demokrattsche Partei
zu eristiren aufhSren wiirde, wSre e» auch
um die Freiheit gefchehea, der Kampf wiirde
dann zwischen Despott»«u» «ad Kommn»
ni»mu» wogea; die demokrattiche Partei
sei die vrustwehr gegen beide und sie allein
sei die einzig conservative Partei der Unio».
E» sei kein Grund vorhanden, weghalb ir»
gend ein Demokrat sich der sogenannten
Nallonal»Partei anschliehen, oder in der»
selben verbleiben sollte. An den Uebeln,
unter welchen da» Land leidet, sei die De»
mokratie unschuldtg, da sie durch achtzeh»
Jahre nicht im Besttze der Macht gewesen;
jede legi»lattoe Akte, liber welche die Ratio
nale» sich beNagen, sei von den Radikalen
erlassen worden und keine AbhUfe von den
Consequeazen derselbe» kSnne erzielt wer
den, auher durch die demokrattsche Partei.
Eine dritte Partei kSnne keine AbhiUfe schaf»
fen. Diese Thatsache, welche von Tag;u
Tag einleuchtender werde, wird am
alle diejeuigen zu der demokratischen Pa-tei
hinliberziehen, welche der oerderbren
lation der Radikalen opponiren, und darrn
werde da» Ende ihrer Herrschaft gt kumme»»
sein. Wie man steht, ist Thucuiai- von se.»
nem Wahne und seinen instar i omstischen
Jdeen grlindlich geheilt worden.
Die Ern dt e Hat nach den in diesem
Monat im Agricultural-Departement ein»
gelaufenen Berichten das rcichliche Elgeb
nih gehabt, welche» man erwartet hatte.
Da» Gesammtergebnih der Weizenerndte
wird etwa 400,000,000 Bushel betragen,
da» Gesammtergebnih der Welschkornerndte
1,300,000,000 Bushel; der Erttag der
Hafererndte wird grSher fein, wie je zuvor.
Die Berichte beziiglich der Baumwolleuernte
lassen ersehen, dah in Folge der ia Bau ge»
nommeaen grShere» BodenflSche die die»-
jShrige Erndte etwa ftinf Millionen Ballen
vaumwolle ergeben diirste. Man steht
hierau», dah die dieSjShrige Baumwollen»
Ernte der auSgezeichnetea Erate vom Jahr
1870 vielleicht gleichkommt und die aller
dazwischen liegendea Jahre weit hinter sich
zuriicklSgt. Der Sstliche Theil de» mit
Vaumwolle angepflaaztea Areal» wurde
allerding» von Gllirmen heimgesucht, welche
stellenweise Gchaden anrtchteten. Iu Tera»
ist die Erndte dagegen brillant au-gefallen.
In manchen Countie» soll der Ertrag ei»
Ballen per Acker fein. Den Tran Sport der
neuen Laumwolle haben die gegen da»
gelbe Fieber verhSngten QuarantSnemahre»
gelr. betrSchtlich gehindert, doch wieb hterin
der erste Frost «ohl eine Aendernag gefchaf»
fen haben.
AustLndische Aundschau.
—u
Eine neue europSifch » afiati»
fcheKr if i» von der furchtbarsten Di»
menfionen ist im Anzug—oder aber alle die
jllngstcn Kabelnachrichten sind eitel Hum»
bug. Dah e» zwischen den Afgh an e n
und EnglS «de r n in Mittel isien liber
Kurz oder Lang zum Schlag-n kommen
wird, darllber besteht seit dem trotzigen In»
Mremburger
GNZetLe.
AuSuqne, Zowa, Aienstag, den 5. Hlovember 1878.
f«U, welcher der englischen Gefandtfchast
von Seite der Lente de» Emir» Schtr Mi
am Khtzber Pah auf Anstiften der russtsche»
Diplomatie zugefiigt wurde, nicht berge»
ringste Zweifel mehr. Wenn aber nicht
alle Zeichen triigen, s» wird sich jener Ia»
s»U al» der verhSagaihvolle Feuerbraad er»
weisea, der bestimmt ist, die ganze alte
Welt ia Flammea zu setzen. verglrichea
und erwilgea wir nur de» Jnhalt der letzt»
ttgigen Kabeldepeschen. vor mehrera Ta»
gen kam die fenfatioaelle Nachricht, die
Sprengung de» Dreikatserbilndnts»
se» zwischen Deutschland, Oesterreich and
Ruhland sei so gut al» vollendete That»
sache, weilOesterreich sich mit Frank»
reich und England in einen Bund eia»
gelassen habe. Mag auch dtese Nachricht,
preuhischen Quellen entnommen, bloh eine
Art FLHler von Seite Bi-mark'» fein, so
steht doch soviel fest, dah die Berfetzung de»
wllthigen Preuheahaffer» B e u st al» Sster»
reichifcher Gesandter von London nach Pa»
ri» trotz alledem, dah BiSmark dieselbe al»
eine rhm gleichgitttige Sache erklSrte, kein
gute» Omen ist filr die lange Fortdauer
friedlicher Beziehungen zwischen Berlin und
Frankreich. Laut einer Depesche au» Ber»
lin oom 24. v. Mt». Hat e» daselbst einen
neuen unaageaehmen Eindruck gemacht, dah
Graf Trautmann»dorf zum Ssterreichischen
Botschafter dorthia ernanat wurde; e» wird
beigefligt, man schreibe dtese Ernennung
.clerikalen Einflllffen- zu. Eia Zeichen,
dah man an den Niedergaag de» .libera
le»- Einfluffe» am Wiener Hofe glaubt.
Die Sprache der russtsche» offieiSsea
Presse gegen England wird «it jedem Tage
drohender. Da» .Journal de St. Peter».
bourg- verlangt, dah die Regierung dea
Emir von Afghanistan mit Offizieren Was»
fru und Munitio» au»helfe, damit er die
PLffe befestigen kSnne, von denea Ruh
land» Stellung in Asien abhSnge. Dem
selben Blatte zufolge Hat der Emir in einem
Briefe an dea russischen General Kauff
mann erklSrt, dah feine ganze Hoffnung
auf ihm beruhe. Die gefammte russtsche
Presse empfiehlt indirecte Unterstiitzung de»
Emir», also Krieg gegen England.
Zu gleicher Zeit wird die Situation in
der Tlirkei ernster und ernster. Der Lon
doner.Standard- oerSffentlichte diefeWoche
eine Wiener Depesche de» Jnhalt», die mi»
litSrischen Vorbereitungen Ruhland» liehen
keinen Zweifel zu, dah e» auf weitere Er»
oberungen au-zugehen beabsichtige. Die
F' age sei bloh, ob e» sogleich 10-schlagen
od'r bi» zum Friihjahr warten werde.
Rugland weigert sich die Dobrudscha an
RumSnien abzugeben, so lange dieses kein
Trutz und Schutzblindnih mit ihm schliehen
wolle, wahrend russtsche Agente» fllr die
vollstLndige Annerion RumSnienS wuhlcn.
Auch die leitartikelt in drohender
Sprache gegen Ruhland, welche» sich wei
gere, die Bedingungen des Berliner Ver
trage» au-zufiihren und nun zu glauben
scheine, dah England wegen der Schwierig
keiten mit Afghanistan die HLnde gebunden
habe und ia Europa nicht» thun kSnne.
Eine solche Anficht sei thSricht, sagt die
»TimeS-; England werde sich in Afghani
stan Ansehen und Recht verfchaffen, abe»
erst im Friihjahr den Feldzug beginnen;
mittlerweile werde e» aber auf die AuSfilh»
rung de» verttag» von Berlin driagen.
WSHrend also England «ad Ruhland
sich gegenseitig zum Kampfe herau-fordern,
rLstet auch die Tiirkei im grohartigsten
Mahstabe. Da» Reueste ist, dah Artf vay,
der PrSfident der Eommiffioa be» rothen
Halbmond», nach Mecea abgesandt wurde,
um die dori im nSchsten Monat zusammen»
strSmendea Gchaaren der muhamedanifchen
Ptlger au» Jndien, Afghanistan, Persien
und den andern Landern Asien» zu Gun
sten der englischen und gegen die russtsche
Orientpolitik zu entfiammen.
Auffallend ist zu dieser Zeit auch die durch
den „Dix Ntuviume SidcU--, Gambetta s
Organ, mitgetheilte Nachricht, dah da»
franzSfifche K a b i n e tin Anbetracht
de» Ernste» der Situation in Asien und der
Tiirkei mehrere Sitzungen hielt, um sich mit
der au»wLr t i g e n P oli t i k zu be
fchSftigen. Bi» dahin hatte sich Frank»
reich in die orientalischen Handel fast gar
nicht eingemischt. Die WeltauSstellung ist
nun bald zu Ende. Da die Franzosen aber
immer etwa» haben mllffen
und Frankreich nun doch einmal entschlos»
Kor Htecht««» Ma-ryeU.—l« der ht. Kirche.
sea ist, sei» ehemalige» Aosehen im Rathe
der Natione» zurLckzugewinnea, so mag so
«twa» wie die oben angezeigte Triple-Alli»
aaz recht «ohl im Derke sei». Damit
wiirde dann aber ein Krieg in Aubstcht ste»
he», wie die Welt keine» erastern seit den
Zeiten de» ersten Napoleon mehr gesehea
Hat.
I» DeutfchlandistdieGozialisten»
hetze nach erfolgter Annahme de» Au»»
nahmegefetze» fofort erLffnet worden. Die
dentfche» PolizeibehLrden haben in Ueber»
eiastimmung mit dem nenen Gesetz 33 Zet»
tungen, darunter zwei «merikanische in
Chicago erscheinende («ahrscheinlich Chi»
eagoer Zeitung- und
oerboten und in Berlin 4 soeialistische
Club» aufgelSst. Viele von diesen BlLt»
tern erschienen dann unter anderem Namen,
aber bei den gleichen Verlegern, aber auch
diesen wollen die BehSrde» den Weg verle
ge». So ist bereit- die Nachfolgerin der
Berliner ,Freien Presse- gleich am ersten
Tage nach deren Erscbeinen unterdriickt wor
den. Die Socialisten aber, welcb»n durch
Unterdrilckung der Club» und oer Zertun
gen die Lffeatliche Agitation ungemein er
schwert ist, wollen ihre Agitation im Stil
len und Verborgenen forttreiben und chre
Filhrer fordern die Gefinoung-genoffen
auf, mit aller Entschiedenheit filr ihre Prin»
zipien zu arbeiten und dieselben unter da»
Bolk zu verbreiten. Nach unserer Anficht
wird eine solche geheime Wiihlerei viel ge»
filhrlicher, al» da» bi-herige offene Auftte»
ten, wie ja Lberhaupt die geheimen Derbia»
dnngen, welche da» Licht zu scheuen haben,
ungemein verderblicher sind, al» die in der
Oeffentlichkeit wirkendea.
Bei der Schluhdebatte Liber da- Soiciali»
stengefetz im deutschen R.ich-tag gab der
Abg. Frhr. zu Frankenstein Namen» der
Centrum-ftaction eine Erklarung ab, die
wir zur besseren Wiirdigung der Haltung
de- Centtum» hier mittheilen:
politrschen Freunde und ich oer
urtheileu mit den verbllndeten Regierungen
voll und ganz die socialdemokratische Agita
tion, fofern dieselbe darauf gerichter ist,
Gotte-furcht, Christenthum und Kirche zu
zerstSren, oder iufofern durch dieselbe straf»
wllrdige, die Gesellschaft' oder da» Eigen»
thum bedrohende Ziele oerfolgt werden.
Wir erachten e» jedoch weder filr gerecht
noch fLr nothwendig und heilsam, dieser
Agitation durch ein polizeiliche» AuSnahme»
gefetz nach Art d«» von den verbilndeten
Regierungen vorgelegten enigegenzutreten.
Dasselbe bedroht mit den verwerflichen
zugleich auch berechtigte Bestrebungen. E»
gefahrdet in hohem Mahe die Gemeinfrei
heit und stelll dre Rechtssicherheit der
Staatsburger in Fraqe, indem eS in wei
tem Umfange das polizeiliche Ermessen an
LteUe des richlerlichen Urtheils setzt. Ob
es den angestrebten Erfolg erreichen werde,
ist mindestens zweifelhaft. unzweifelhaft
dagegen, dah durch dasselbe in weiteren
Krersen dre Erditterunz ves ArbeiterstandeS
gegen die anderen E lassen der Gesellschaft
bedenklich gesteigert, und nur zu wahrschein
lich, dah nach Unterdrilckung der Sffentli
chen DiScnsfion die vorhandene und in ih
ren treibenden Kraften nicht getroffene Be»
wegung auf den Weg gefShrlicher Geheim»
bllnde geleitet werde.
Meine politischen Freunde und ich wllr»
den, entsprechend den sowohl bei der ersten
Lesung al» auch in der CommifflonSbera»
thuna abgegebenen ErklSrungen, bereit
?>ewesen fein, den Erlah eine» RechtSge»
etze» ia ernste ErwSgung zu ziehen, welche»
gegeniiber den neuerding» stLrker hervortre»
tende» Gefahren im Reiche eine Erweite»
rung der entsprechenden Bestimmungen de»
Gtrafgefetze» zur Gmndlage genommen,
und daran anfchliehend, strSfllchen Au»»
fchreitunaea in vereinen und Berfammlun»
gea, fowre in der Presse bestimmte Recht»-
fchranken gezogen HStte. Nachdem aber die
Mehrheit ver Eommifston in Uebereinstim»
mung mit den verbitndeten Regierungen
abgelehnt Hat, eine solche Grundlage filr
die Gesetzgebung an Gtelle der vorgeschla»
aenen zu setzen, kSnnen meine poutischen
Freunde und ich nicht weiter angemessen er
achten, mit Antrigen in der angegebenen
Richtung hervorzutreten.
Zugleich mtlffe» wir der festen Ueberzeu
mrng Au-druck geben, dah Polizei- und
«trafgefetze nie heilend wirken kSnnen,
wenn nicht gleichzeitig von den verbllndeten
Regierungen positive Mahregeln ergriffen
werden zur AbhiUfe unleugbar vorhandener
und weitoerbrelteter MihstSnde im wirth
fchaftlichen und focialen Leden de» Bolke»,
namentlich in den VerhSltniffen deS Arbei
terstande», und wenn nicht zugleich die ver
bllndeten Regierungen fortan e» ihre vor»
nehmste Sorge fein lassen, dah Gerechtig
keit, Gotte-furcht und Friede. in-besondere
auch Friede auf dem staatlich - kirchlichen
Vked«kte«r r Sttchsl»- oitx(r.
Gebiete im Reich zur volleu Herrschaft ge»
lange.- (Folgen die Uuterschristen.)
Die -sterreichische Minister»
krtsi» Hat ihr Ende noch immer nicht er»
reicht. Freiherr von Preli» Cagnodo ist
von der Bilduug eine» neuen Ministerium»
abgestande», da er vorau»sah, dah er i» der
Kammer keine Mehrheit habe. Die Situa»
tion ist eine Luherst gefpanute. Jm Unter»
hau» d«» ungarischen Reich»tage» wurde
Seiten» der Luhern Linken der Anttag ein
gebracht, da» Ministerium in AnNagezu»
stand zu versetzen. Dah die Regierung mit
ihren »0 Millionen Gulden zur Besetzung
80-nien» und der Herzegowina nicht au»»
kSmmt, ist bekannt und im Unterhaufe de»
ReichSrathe» beantragte daher der Bericht»
erstatter der Blldget-Commifston eine wei
tere Anleihe von 25 Millionen Gulden zu
dem Zwecke.
In B a d e n trauern die Liberalen und
thun Buhe in Sack und Asche. Die ver»
fchiedenen Niederlagen, welche die Partei in
jllngster Zeit erlitten, Hat dieselben arg
oerschnupft. Die Tage ihrer Herrschaft
sind gezShlt und dllstere Schatten steigen
vor ihnen auf. Auch ihre Bllitter gehen
nach und nach ein, oder kommen in die HLn»
de rechtlich denkender MSnner. Eine li
berale Zeitung lamentirt, e- sei nur mehr
eine einzige Zeitung al» Vertreterin der Na
tional-liberale» Partei i» Lande zu betrach»
ten: die .Brei-gauer Zeitung-. Gicher
ist, dah da» badische Volk zur Einsicht ge»
kommen ist und die Feigheit und de» ver»
rath der nationaleu Partei vollkommen
einsteht. MSchte in Baiern da» volk auch
so zur Befinuung kommen!
Au» der Schmeiz kommt au».
nahm»weife einmal eine gute Nachricht.
Jm Canto» Genf Hat die von dem beriich»
tigtenCarteret infpirirte »Culturkampf"-Re»
gieruog am 6. d. eine eclatante Riederlage
erlitten, indem die vom Grohen Rathe dem
Dolke vorgeschlagene Verfaffung-reviflon
zum Zweck der Erweiterung der Regierung»,
befugniffe in kirchlichen Angelegenheiten mit
8758 gegen 2593 Stimmen abgelehnt
wurde. Dah darob grohe Bestlirzung und
noch grShere Wuth in dem Lager der .libe»
ralen- Kirchenfeinde herrscht, ist Nar, und
dah sie bereit» «it einer Revolutio» dro
hen, fall» die in drei Wochen stattfinden»
den Erneuerung-wahlen zum Rationalra»
the nach der conservative» Seite hin au»»
falle» sollten, ist mindesten- nicht wunder»
bar.
Die Frllchte de» modernen Unglau
ben» mehren sich in erschreckender Weise.
Wie der Telegraph berichtet, ist am 25. o.
M. in Madrid auf KSnig Alphons, als er
am Abend durch die Calle Major, eine der
Hauptstrahen Madrid» fuhr, auf den KSnig
geschossen worden. Ein mit einer Blouse
bekleideter junger Mann schoh eine Pistole
auf ihn ab, jedoch ohne zu treffen. Alphons
setzte in aller Ruhe seinen Weg unter dem
Zurufen der Menge zum Palaste fort.
Mehrere Weiber nahmen den Mann fest
und wilrden ihn gelincht haben, HStten
nicht Soldaten den MeuchelmSrder ergrif
fen und in» GefSngnih gedracht. Derselbe
heiht Moncafi, ist 23 Jahre alt, feine»
Zeichen» ein Kilfer und au» Terragona ge»
bllrtig Er war wenige Tage vorher nach
Madrid gekommen, erklSrt Mitglied der
zu fein, habe die That
mit Borbedacht verllbt, und sei ohne Ber»
schworne. Er ist, wie die Aerzte bestLtigen,
bei vollem Berstande. Wie e» schetnt, ha.
ben in Catalonien die Arbeitervereine sich
auherordentlich vermehrt und treiben sozia«
listische Propaganda. Die Regierung Hat
sich mit Pari», Wien, Berlin und Rom be»
zllglich eine» gemetnsamen EinschreitenS ge
gen den Soziali-mu» in Berbindung gesetzt.
E- haben mehrere Verhaftungen stattge
funden.
Hrltgrapyische Pepeschen.
0
Deutschland.
Berlin, 31. Okt. Eine heute erlassene
Perfugung verbietet die Derbreitung einer
Anzahl sozialistischer Flugschriften. Bei
Ausfilhrung dieser Berfilgung Hat die Po
lizei 25 Haussuchungen abgehalten.
Oesterreich-Ungarn.
Wien, 31. Okt. Der ReichSrath «Shlte
heute die Mitglieder der Ssterreichischen De.
legation. Die Regierung gab die ErklS
rung ab, dah e» nicht ihre Abstcht sei, den
Rmmaer 380.
' Rr.n;» a..' ,u Die Delegatio»
o't 11 j ungesSH? 35 Anhangern and 20
b.i Politi t 2eS s -Innaffy.
. !« »..>.-.er. c.th frfe.--. • .hm .ne noch
r • '• t-OtUvU M' D t >- u ' i l De.e
--; '■;.£»»• it- I clrll ITM .
Pci . 1! Oli .t " -driaue ichlaF
heute der Preu.ic. . .a «e 'L,hlrr»
fur die ung iriiche Deleg...w.. Lamtug
i anzuberaumen. Die Opposilion beantragte,
i dieselben bis nach Annahme der Antwort
auf die Thronrede aufzujchieben. Die
Debatte über den Antrag wurve auf morgen
oertagt.
Wien, 29. Okt. Der Baron von Pre
ti» Cagnodo Hat dem Kaiser erklart, dah er
auher Stande ist, ein Ministerium zu bil»
den.
S ch w e i z.
Gea f, 30. Okt. 21 Kantone sind dem
Dorschlag zur vollendung der St. Gott»
hard-Bahn beigetreten; derselbe ist somit
fast einstimmiz angeaommen.
Rom.
Cardinal Cu ll e n'» Nach folg er».
Rom, 30. Okt. E- oerlautet,
Cardinal Edward Howard den erzbischSsti»
chen Stuhl von Dublrn abgelehnt Hat.
Cardinal Nina, der Staat-.Secrettr de»
Papste-, wird vor der Ernennung eine»
Nachfolger- de- Cardinal» Cullen die An»
ficht der englischen Regierung einholen
u. zugleich um die GenehmigungzurErrich»
tung einer Nunciarur in London nachsuchen,
ohne eine Berrrerung England» bei de».
Dancan zu beanipruchen.
Frankreich.
P arrS. 29. Okt. Diegefammtenßei»
trSge filr vie oom gelben Fieber Heimge»
suchten in Amenka belaufen sich auf 24,000
DollarS, von denen 16,000 Dollar» durch
den amerikanischen Gesandten Noyes zur
Dertheilung gelangt sind.
P aris, 30. Okt. Die Republikaner
rechnen mit Bestimmtheit darauf, au- den
bevorstehenden Senatswahlen mit einem
Gewinn von 28 Stimmen heroorzugehen.
Spanien.
Madrid, 31. Okt. Auf den Antra
de- Bertheidiger- ist die Srztliche Unter»
suchung de- GeisteSzustandeS Juan Mon»
cafi'S angeordnet worden. Die Aerzte ha
ben Moncafi filr vollkommen zurechnungS
fShig erklSrt.
London. 29. Okt. Don CarloS sagr
in einem an die KSnigi» Jsabella gerichte
ten Glilckwuoschschreiben wegen der Erret»
tung de- KSnig- Alfon- au- der Gefahr:
Die Demagogie schreckt vor nicht» zuriick
oerfolgt sogar Fllrsten, die sie selbst auf
den Thron gesetzt Hat, und die vielleicht ge
gen ihren Willen, gezwungen sind, ihre
Sklaven zu sein.
England.
Lo n d o n, 29. Okt. Die .Time»- hiilt -
e- an der Zeit, dah gegen Diejenigea, melchr -
sich der Erfilllung de- Berliner Vertrage»-
enrziehen, eingeschritten werde, und ver»
spricht sich von einer Collectio Borstellung; t
der GrohmSchte in dieser Richtung hin die
beste Wirkung; sie glaubt, dah Frankreich,
Oestreich und Deutschland nicht zSgern wer»
den, sich mit England zum Schutze der
Vertrag-bestimmungen zu verbinden.
London, 29. Okt. Die lSndlichew
Arbeiter in Kent und Suffer drohen wegen.
der beabsichtigten Herabsetzung ihrer LSHne
mit einem allgemeinen Streik. Eintau»
fend solcher Arbeiter haben bereits die Ar»
beit eingestellt. Sie behaupten, die Far
mer gingen darauf auS, sie zu unterdrilckeu,
und sie sprechen laut die Absicht auS, in die
Colonien auszuwandern.
R u h l a n v.
L o ndo n, 31. Okt. Die russtsche Presse
fuhU gegen England eine HSchst feindfelige
Sprache. Der „Vedemosti" sagt, der grohe
Kampf mit England, der sich sert Zahrhun
derten vorbereitet, werde auf afghanischem
Boden zum Ausbruche kommen. Der
„RuSki Mir" bemerkr, es habe die Stunde
der Abrechnung mit England geschlagen.
Gr»echenland.
Eine Depesche aus Constantinopel be
richtet, dah der dortige griechische Gesandte
daoon benachrichtigt worden ist, dah die
englische Note, welche auf ein strenges Fest
halten der MSchte an dem Bertrag von
Berlin dringt, eine Bermittelung in der
griechrschen Grenzfrage anempfehlen wird.
Persien.
Wien, 29. Okt. ZwSlf -streichische
Offiziere sind nach Teheran abgereist, um.
die persische Armee nach dem Borbilde der
Sstreichischen umzugestalteu.
Afrika.
London, 29 Okt. Au- Whydah aw
der Westkilste von Afrika ist die Nachricht
eingettoffen, dah der portugiesische Com
mandant und sieben Soldaten in die Ge»
fangenschaft de- KSnig» von Dahomey ge
rathen sind, vor dem sie taglich Parade
machen mflfftn. Der KSnig Hat die Sitte
der Menfchenopfer wieder eingefithrt; in
einem Monat sind 500 Menjchen abge
schlachtet worden.
Merito.
Merito. 30. Okt. Senor Zamacona
bleibt, dem Bernehmen nach, in Washing.
ton.— Die merikanische Regierung Hat dem
Minister der Sffentlichen Arbeiten General
Riva Palacio aufgetragen, fur einen gebilh»
renden Empfang der Gesellschaft Chicagoer
Kaufleute, welche Mertko zu besuchen beab
sichtigen, Sorge zu tragen.—Der Obnst
lieutenant Garcia, welcher eine Bande von
Revolutionaren auf amerikanisches Gebiet
oerfolgt hatte, ist von einem Kriegsaericht
des Bruchs der NeutralitatSgesrtze schuldig
befunden worden.

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